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Start Blog Seite 129

Smokemaster: Gekommen, um zu bleiben

Fokussiert, kreativ, ambitioniert. Diese Adjektive fallen einem ein, wenn man das hypnotische COSMIC CONNECTOR – passend benannt nach halluzinogenen Pilzen – durchhört und 3/5 von Smokemaster im Zoom-Interview kennenlernt. Schließlich haben die jungen Kölner Psychedelic bzw. Stoner Rocker eine klare Vision von ihrem künstlerischen Schaffen. Wahrscheinlich geht es auch gar nicht anders, denn trotz ausgiebiger Jam-Vibes sind die sechs Songs auf ihrem Debütnachfolger, allen voran der neunminütige Opener und Titeltrack sowie das zehnminütige ›America Dreamt‹, strukturell durchdacht, komplex arrangiert und hörbar organisch gewachsen. „Im Grunde durchlaufen unsere Songs mehrere Veredelungsstufen“, so Sänger und Gitarrist Björnson Bear. „Bevor sie aufs Album kommen, probieren wir die Nummern live aus, um die Reaktionen abzuchecken, Feedback einzuholen und nachzubessern. Gerade beispielsweise schreiben wir schon aktiv an der dritten Platte und werden auf der anstehenden Tour schon ganz neue Songs spielen, bevor wir sie dann aufnehmen.“ Als weitere Veredelungsstufe wird das Sounddesign benannt, da Smokemaster mit zahlreichen Effekten und verschiedenen Texturen arbeiten. Weil sich mit Organist Tobias „Tacki“ und Drummer Lukas laut Björnson „zwei Technikfreaks“ in der Band befinden, hat sich das Quintett ein weiteres Mal dafür entschieden, im eigenen Proberaum zu produzieren.

Tacki dazu selbstbewusst: „Alleine an der Schlagzeug-Mikrofonierung haben wir vier Wochen gearbeitet. Doch das lohnt sich, unserer Ansicht kann sich COSMIC CONNECTOR nicht nur im Vergleich zu unserem ersten Album, sondern auch im Vergleich zu vielen anderen Platten echt hören lassen. Viele konnten gar nicht glauben, dass wir die neuen Songs in diesem winzigen Zimmer produziert haben.“ Lukas ergänzt: „Der Faktor Zeit ist sehr wichtig. Gehe ich in ein Studio, zahle ich dort viel Geld – zwar habe ich dann ne tolle Qualität, bin aber eben sehr limitiert. So sind uns keine Grenzen gesetzt, was sehr wichtig für uns ist, um unsere Sounds vernünftig auszuchecken.“ Neben den technischen Fachkenntnissen und dem kundigen Songwriting bestechen Nummern wie ›War Piece‹ auch mit emotionalen, nachdenklichen Texten und einem intensiven Musikvideo, für welches Smokemaster dem iranischen Regisseur Saba Moghadami, der angesichts der aktuellen Lage unter widrigsten Umständen arbeitete, absolute künstlerische Freiheit ließen: „›War Piece‹ ist weit vor dem Ukraine-Krieg entstanden, denn Kriege gibt es ja ständig, auch wenn die Thematik nun noch mehr Gewicht hat. Ich hatte Kontakt zu Bundeswehrsoldaten, die krasse Dinge erlebt haben. Ihre Erzählungen und Ansichten haben mich lange Zeit emotional begleitet, also habe ich versucht, diese Geschichten in dem Song zu verarbeiten.“ Bis zum dritten Album wünschen sich Smokemaster, „weiter Qualität abzuliefern, mehr Möglichkeiten zu schaffen und Kontakte zu knüpfen.“ Oder wie Björnson es auf den Punkt bringt: „Wir sind gekommen, um zu bleiben.“

Werkschau: Prince

Blicken wir zurück auf das beeindruckende Werk eines Künstlers zurück, der seiner Zeit so weit voraus war wie nie wieder jemand nach ihm.

Unverzichtbar

PURPLE RAIN (Warner, 1984)

purple rain
Auch kommerziell mit 25 Millionen Einheiten sein unbestrittener Zenit, gilt dieses Album als der Klassiker in der Vita des kleinen Amerikaners mit der großen Persönlichkeit, der hier nicht nur aufgrund seiner barocken Outfits als „neuer Jimi Hendrix“ ausgerufen wurde. ›Let‘s Go Crazy‹ und die tituläre Monumentalballade machten ihn zum ersten schwarzen Rockstar seit dem Tod der Gitarrenlegende, der bassfreie Superhit ›When Doves Cry‹ lässt sich bis heute nicht wirklich kategorisieren, ›Take Me With U‹ formulierte erwachsenen Pop völlig neu, ›I Would Die 4 U‹ verkörperte Discorock in einer zuvor nicht gekannten Dimension. Auch der Film wurde zum Hit – seinem ersten und letzten.

SIGN ‘O’ THE TIMES (Warner, 1987)

sign o the times
Für Prince selbst war das Doppelalbum ein Kompromiss, musste er doch sein geplantes Dreifachalbum auf Drängen des Labels eindampfen, doch auf Kritikerseite ist dies sein unangefochtenes Karriere-Highlight. In Amerika unverstanden, wurde es in Europa als Meilenstein abgefeiert. Vielseitiger hatte man den Meister zuvor nie auf einer Veröffentlichung gehört, vom skeletthaften Minimalismus des Titelstücks über straighten Rock (›The Cross‹, ›I Could Never Take The Place Of Your Man‹) über schrägsten Avant-Pop (›If I Was Your Girlfriend‹) bis zu fiebrigem Elektro (›Housequake‹) und wummerndem Doom-Dance (›Hot Thing‹) reichte hier das Spektrum. Überragend.

Wunderbar

1999 (Warner, 1982)

1999
Nur ein Monat blieb diesem Album, um seinen Claim abzustecken, bevor THRILLER über jegliche Konkurrenz hinwegwalzte. Mit Vierfachplatin war 1999 dennoch Princes großer Durchbruch in den USA, die Anti-Atomkraft-Hymne gleichen Namens bescherte ihm auch seinen ersten Erfolg im Ausland. Es war jedoch die zweite Single ›Little Red Corvette‹, die nicht nur die Brücke zum folgenden Megaseller baute, sondern ihn auch nachhaltig im weißen Mainstream etablierte. Der Hype nahm Fahrt auf, die Massen begriffen allmählich, welches Talent hier anrollte.

AROUND THE WORLD IN A DAY (Warner, 1985)

around the world
Der Geniestreich: Nach dem Riesenerfolg von PURPLE RAIN gelang es Prince doch tatsächlich, sich neu zu erfinden, seinen Superstarstatus zu festigen und dabei jegliche Erwartungen zu ignorieren. Zunächst ohne Singles, Videos oder Promotion verzauberte dieser kunterbunt psychedelische Reigen aus Hippie-Ästhetik, exaltierter Esoterik und Barock‘n‘Roll dennoch die Massen. ›Raspberry Beret‹ brachte den Artpop in die Charts, ›Pop Life‹ rechnete mit der Celebrity-Kultur ab, bevor es den Begriff überhaupt gab. Ein meisterhaft geschlagener Haken.

PARADE (Warner, 1986)

parade
Während der dazugehörige Film „Under The Cherry Moon“ vernichtet wurde, konnte dieses letzte Album mit The Revolution weiter mächtig abräumen. Mit dem staubtrockenen Funk-Twang von ›Kiss‹ ent-hielt es zwar nur einen Hit, dafür einen der allergrößten des gesamten Jahrzehnts. Viel interessanter dagegen war die so liebevoll detaillierte wie episch dichte Klangwelt, die sich auf dem Rest des Albums entsponn. ›Mountains‹ war grandioser Dreampop, mit ›Sometimes It Snows In April‹ gelang Prince allerdings die bewegendste Ballade seines gesamten Schaffens.

LOVESEXY (Warner, 1988)

lovesexy
Als Gegenstück zum „bösen“ BLACK ALBUM, das Prince kurz vor Erscheinen zurückzog, kam dieses Juwel und festigte seine Liebesaffäre mit Europa. In den USA auch wegen des Covers komplett ignoriert, zementierte es hier seinen Status als Superstar mit Dauerabo auf Feuilleton-Lobpreisungen. ›Alphabet St.‹ als einziger Hit blieb relativ konventionell, mit dem abgehobenen ›I Wish U Heaven‹, dem dräuenden ›Anna Stesia‹ oder der Psychopophymne ›Glam Slam‹ erfand er jedoch abermals eine neue, einzigartige Klangwelt. Das missverstandenste seiner Meisterwerke.

Anhörbar

DIRTY MIND (Warner, 1980)

dirty mind
Die Achtungserfolge von FOR YOU und PRINCE hatten schon mit Anzüglichkeiten kokettiert, doch die volle Breitseite sexueller Provokation wurde erst hier abgefeuert. Ob Albumtitel, Cover oder die unverhohlen schmuddeligen Texte – Prince, der besessene Super-Satyr, war geboren. Aber auch Prince, der furchtlose Grenzgänger, trat hier erstmals formvollendet auf den Plan, spielte mit bedrohlichem Discopop (›Dirty Mind‹), schwülem Erotomanen-Funk (›Head‹), aber auch fast schon banal eingängigem Rock (›When You Were Mine‹). Die Welt konnte zu dem Zeitpunkt noch nicht ahnen, was da auf sie zukommen sollte…

CONTROVERSY (Warner, 1981)


Der aufsteigende Stern am Firmament begriff früh, dass er nicht nur auf Schockwerte und Hooklines bauen konnte, und betätigte sich hier auch als eloquenter Kommentator des Weltgeschehens. Die spannende Reflexion des eigenen Ruhms im Titelstück wurde ergänzt vom Antikriegslied ›Ronnie, Talk To Russia‹, auch wenn er weiterhin genüsslich der Matratzenakrobatik huldigte (›Do Me, Baby‹, ›Jack U Off‹). Musikalisch nicht ganz so gelungen wie der Vorgänger DIRTY MIND, wurde der Sound jedoch auch hier zusehends differenzierter mit einem eindeutigen Hang zur eher dunklen Seite.

BATMAN (Warner, 1989)

batman
Für seinen ersten Soundtrack zu einem Film ohne eigene Beteiligung steckte Prince reichlich Kritik ein, der Hype um den wiederbelebten Fledermausmann brachte ihn nach dem LOVESEXY-Flop aber wieder in den US-Mainstream zurück. Wo der hektische Sample-Verschnitt ›Batdance‹ kaum mehr als ein Kuriosum darstellt, hatte das Album dennoch hörenswertes Material zu bieten, das bis heute nicht wirklich geschätzt wird. Zum einen die wunderschöne Ballade ›The Arms Of Orion‹ mit Sheena Easton, vor allem aber das erfrischend packende, knackig-düstere ›Electric Chair‹.

Sonderbar

DIAMONDS AND PEARLS (Warner, 1991)

diamonds and pearls
Es ist unmöglich, aus dem Post-80er-Dickicht durchwachsener Werke eines auszuwählen, deswegen wagen wir uns mit einer kontroversen Wahl ins Sperrfeuer entrüsteter Fans. Ja, dies war ein Hitalbum, enthielt mit ›Cream‹ seine letzte US-Nr.-1 und dem Titelstück einen Balladenklassiker. Bis auf das kantige, räudige und unverwechselbare ›Gett Off‹ war es aber auch etwas, das man von Prince zuvor nicht erlebt hatte: gewöhnlich. Bezeichnen­derweise zeigten die Bildschirme vor Beginn der 1992er Konzerte immer wieder die Worte „Wendy and Lisa, please phone home“.

Andreas Kümmert: Arbeiten als Einheit

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WORKING CLASS HERO heißt das neue Album des ehemaligen „The Voice Of Germany“ Staffelsiegers Andreas Kümmert – ein herrlich organischer Mix aus Blues, Rock und Songwriter-Material. „Der wesentlichste Unterschied zu den Vorgängerplatten ist, dass ich beim Schreiben nicht mehr allein war, sondern wir die meisten Songs als Gruppe komponiert haben“, erklärt uns Kümmert. „Einmal pro Woche bin ich die etwa 200 Kilometer von meinem Zuhause nach Bad Dürkheim gefahren und dann haben wir den ganzen Tag zu dritt an neuen Ideen gearbeitet. Das war eine extrem fruchtbare Situation. Wir haben sehr viel gute Musik geschrieben und nebenher auch noch Spaß miteinander gehabt.“ Mit „wir“ meint Kümmert sich selbst und den Kern seiner Liveband: Bassist/Gitarrist Stefan Kahne und Schlagzeuger Michael Germer. Zusammengeschweißt wurde das Trio zuvor auch durch die Pandemie. Das mag jetzt erst einmal seltsam klingen, da ja für lange Zeit keine regulären Konzerte möglich waren. Kümmert und seine Jungs hatten aber eine tolle Idee, indem sie sich einen Lieferwagen kauften und den Innenraum zu einer mobilen Bühne ausbauten. Im Lauf der Zeit konnten die drei so knapp hundert Shows für WGs, Firmen oder Familien spielen, wie der Sänger erzählt. „Wir fuhren mit dem Sprinter vor, parkten im Vorgarten, an der Straßenecke, oder wo auch immer Platz war. Dann schoben wir die hintere Tür auf und legten los – alles vom zugegebenermaßen zahlenmäßig immer recht kleinen Publikum weit genug distanziert und komplett innerhalb der Vorgaben.“

So konnte Kümmert nicht nur aus der Isolation des Heimstudios ausbrechen, sondern den für ihn wichtigen Kontakt zu seinen Fans halten, und nebenbei – auch alles andere als unwichtig! – zumindest ein paar Euro verdienen. Die Gagen für diese jeweils knackig-kurzen, aber gerade zu dieser Zeit sehr intensiven Auftritte fielen natürlich nicht besonders hoch aus. Aber allein durch die Menge der Shows kam zumindest ein wenig Geld rein, während andere Kollegen komplett auf dem Trockenen saßen und – abgesehen von Online-Aktivitäten – keine Gelegenheit hatten, mit ihren Anhängern zu interagieren. So zu einer Einheit verschmolzen, erschufen die Musiker dann wunderbare neue Stücke zwischen erdigem Blues und eingängigem Rock, die sie auch gleich an Ort und Stelle aufnehmen konnten. Hielten sie diese Sessions doch in Kahnes eigenem Studio ab, der zudem als Produzent fungierte. Das spürbare Gefühl von Authentizität, Wärme und Lebendigkeit des ohrwurmverdächtigen ›Leave The Radio On‹ oder auch des emotionalen ›I Don’t Know‹ dürfte durch diese Art der Entstehung verstärkt worden sein. Ein Song auf WORKING CLASS HERO ist dennoch im Alleingang entstanden. „›Spaceship‹ habe ich für meinen neugeborenen Sohn geschrieben“, berichtet der stolze Jungvater Kümmert. „Als wir endlich wieder regulär touren durften, saßen die anderen eines Abends gerade beim Essen im Backstagebereich, als ich noch auf meiner Gitarre klimperte. Da kamen mir spontan die Ideen für die Melodie und auch gleich den Text. So schrieb ich das Lied mehr oder weniger dort an Ort und Stelle.

Genesis: TV-Performance von 1974

Aktuell werden zahlreiche verschiedene Mitschnitte des TV-Formats „The Midnight Special“ bei Youtube hochgeladen. Die Show, die zwischen den 70er und frühen 80er Jahren im amerikanischen Fernsehen lief, beherbergte zahlreiche prominente Musiker und Musikerinnen.

Nun ist ein schöner Auftritt von Genesis aus dem Jahr 1974 online. Zwei Songs spielte die Band, einmal ›The Musical Box‹, den Opener des Albums NURSERY CRYME von 1971 sowie ›The Watcher Of Skies‹ von FOXTROT.

Railbird Festival: Lexington, Kentucky, (03.-04.06)

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Country und Americana fristen bei uns immer noch ein Nischen-Dasein – ganz anders sieht
es natürlich in den USA aus. Aktueller Beweis: das noch junge aber mittlerweile riesengroße
RAILBIRD Festival in Lexington, Kentucky. Gut und gerne 40.000 Zuschauer strömten Anfang
Juni zur Red Mile-Pferderennbahn, um auf drei großen Bühnen über 30 Acts aus den
traditionellen Genres zu erleben. Headliner am zweiten Tag: Tyler Childers aus dem Country-
State Kentucky. Er zeigte, dass es für gute Musik nicht so viel braucht. Im Zweifel reichen
eine Gitarre, eine Stimme, gute Melodien und Worte, die in die Herzen treffen. Weitere
Glanzlichter setzten am ersten Festivaltag Marcus Mumford, Sheryl Crow, Weezer, Charley
Crockett, Whiskey Meyers und Zach Bryan. Am zweiten Tag buchten die Veranstalter ein
Programm, weitab des Country-Mainstreams. Acts wie Scaggs & Kentucky Thunder, Nickel
Creek, Amos Lee sowie die umjubelten, hierzulande aber noch eher unbekannten Nathaniel
Rateliff und The Head And The Heart verwiesen mit ihren Performances gleichzeitig auf die
Tradition und die Zukunft dieser Musikrichtung.


CLASSIC ROCK TV Tipps: Das läuft demnächst

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Diesen Sommer glänzt vor allem Arte mit einem tollen Fernsehprogramm für Musikinteressierte. Neue Dokumentationen über AC/DC, die Beach Boys oder Bee Gees warten.

Arte

15.06. 04:28 Marianne Faithfull, Music Queens

16.06. 22:40 Scorpions, Hellfest 2022

16.06. 04:33 Dolly Parton, Music Queens

19.06. 05:30 Morricone dirigiert Morricone

27.06. 05:10 Rolling Stones: A Bigger Bang

07.07. 21:55 AC/DC – Forever Young

07.07. 22:50 AC/DC – Live At River Plate

14.07. 00:35 Brian Eno & Roger Eno live at the Acropolis

21.07. 21:45 Die Beach Boys – Genie und Wahnsinn

21.07. 22:40 CCR in der Royal Albert Hall: Travelin‘ Band

28.07. 22:45 INXS: Live Baby Live

11.08. 21:45 Bee Gees – Brüder im Discofieber

18.08. 21:45 California Dreamin‘: Die Geschichte von The Mamas & The Papa

WDR

19.06. 01:45 Rockpalast from the archives: 10.03.1979

ZDF Info

18.06. 12:45 Neue Deutsche Welle: Die Pioniere

18.06. 13:30 Neue Deutsche Welle: Der Hype

18.06. 14:15 Neue Deutsche Welle: Der Overkill

Apple TV:

Carpool Karaoke: The Series

Axel Rudi Pell: Kein seelenloser 08/15-Kram

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Dass die härtesten Rocker oft die schönsten Balladen schreiben, ist keine wirklich neue Erkenntnis – schon gar nicht im Kontext von Metal-Gitarrenheld Axel Rudi Pell. Wie sonst könnte es sein,
dass der Bochumer mit BALLADS VI nun schon die sechste (ja tatsächlich!) Zusammenstellung eher ruhiger, romantischer Stücke aus seinem enormen Repertoire präsentiert und diese dennoch von seinen zahlreichen Fans auf der ganzen Welt sehnsüchtig erwartet wird?

Axel, auch wenn die meisten Hard-&- Heavy-Fans dich als Shredder an den sechs Saiten kennen und lieben gelernt haben, bist du mittlerweile – quasi nebenher – ein veritabler Experte für sanfte Klänge geworden. Deshalb gleich zu Beginn diese Frage: Was macht für dich eine gute Rockballade aus?
Sie muss mich rühren – am besten zu Tränen. Bei Balladen geht es ganz allein um Emotionen. Du kannst den kompositorisch perfekten Song schreiben, aber wenn du dabei kein Gefühl reinlegst, kannst du ihn vergessen.

Und wie macht man das?
Ein Song muss leben, muss etwas Eigenes haben, etwas das ihn von der Norm abweichen lässt. Es ist einfach, eine „Schnulze“ am Reißbrett zu entwerfen, genauso wie einen typischen Pop-, Country- oder Reggaetrack. Herrgott, dafür gibt es mittlerweile schon Computer-Software. Das Ergebnis wäre aber seelenloser 08/15-Kram. Was ein Lied, und speziell eine Ballade außergewöhnlich macht, ist die persönliche Note. Das Ganze muss atmen und darf und soll gern ein bisschen eigenwillig anmuten. Eine Rockballade steht und fällt zudem mit ihrer Melodie. Ohne die kannst du Gefühle noch und nöcher reinhauen – es würde nichts bringen, weil sie sinnlos verpuffen. Ebenso andersrum: Eine tolle Melodie ohne ein emotional stimmiges Arrangement ist verschwendet. Die Kombination, das Zusammenspiel aus beidem, macht’s.

Wenn du dich daran machst, ein ruhiges Lied zu schreiben, gehst du dabei anders vor als bei knackigen Hardrock-Nummern?
Ich habe mich noch nie mit der Absicht hingesetzt, eine Ballade zu schreiben. Das geht nicht auf Knopfdruck. Ich komponiere ohne Plan, spiele einfach drauf los. Manchmal kommen dabei Heavy-Tracks heraus, manchmal Schleicher, oft aber auch tagelang nichts. Es war noch nie so, dass ich dachte: ‚Oh, dem neuen Album fehlt noch eine Midtempo-Nummer, ein harter Rocker oder eben ein ruhiger Titel – den schreibe ich jetzt einfach mal.‘ Das funktioniert so nicht. Wenn du auf diese
Weise Musik machst, landest du ganz flott bei der eben beschriebenen Reißbrett-Situation. (lacht)

Neben ein paar bereits von den regulären Alben bekannten Liedern hast du BALLADS VI drei neue eigene Nummern beigefügt, aber auch zwei exklusive Coverversionen – ›Diamonds And Rust‹ von Joan Baez und den Kansas-Hit ›Dust In The Wind‹. Warum gerade diese beiden Klassiker?
Ich höre im Auto viel Radio. Wenn dann ein Song kommt, der mich berührt oder den ich in meiner Jugend geliebt und jetzt aber lange nicht gehört habe, denke ich beinahe automatisch darüber nach, ob und wie er im ARP-Kontext klingen könnte. Bei diesen beiden kamen mir schnell sehr konkrete Ideen. Es ist wichtig, dass du bei einem Cover etwas anderes, etwas Eigenes einbringst. Es macht doch keinen Sinn, das Original eins zu eins nachzuspielen. Bei dem ursprünglichen Folkstück ›Diamonds And Rust‹ gibt es aber schon eine geniale Hardrockversion von Judas Priest. Es wäre also überflüssig gewesen, es in diese Richtung zu überarbeiten. Zudem hat Ritchie Blackmore das Lied mit Blackmore’s Night in ein Renaissance-Gewand gekleidet, das ebenfalls sehr gelungen ist. Meine Idee lautete nun, die drei Varianten irgendwie unter einen Hut zu bringen, und das im arenatauglichen Breitwand-Balladenformat. Das war nicht einfach, hat aber Spaß gemacht, und ich
bin mit dem Resultat sehr zufrieden.

Und wie lief es bei ›Dust In The Wind‹?
Da war der Ansatz eher gegenteilig. Hier habe ich versucht, das Stück auf seinen Kern zu reduzieren und es noch ruhiger, noch sanfter und klarer klingen zu lassen. Das haben wir erreicht, indem wir das Arrangement komplett auf Akustikgitarre, Keyboards und Gesang fokussiert haben. Inspiriert dazu wurde ich von einem YouTube-Video von Brian May, das ich mal gesehen hatte und an das ich denken musste. Bei uns kommt dann im hinteren Teil aber noch ein kerniges, elektrisches Solo dazu. Bass und Schlagzeug setzen selbst hier nicht ein, sondern sind komplett ausgespart. Was
jeden, der mich und meine Band kennt, vielleicht ein wenig überrascht.

Aber das ist ja auch mal nicht schlecht, oder? Apropos Band: Ihr geht im April und Mai auf ziemlich fette Tour durch Deutschland, aber auch andere Länder wie die Schweiz, Schweden und die Niederlande. Wirst du dabei ein paar der neuen Slow-Songs spielen?
Wir werden versuchen, zumindest ›Morning Star‹ in die Show einzubauen. Ansonsten handelt es sich bei den bevorstehenden Dates aber um die wegen der Pandemie seit 2020 mehrfach verschobenen Touren zu den Platten SIGN OF THE TIMES und LOST XXIII. Wobei wir erfreulicherweise noch ein paar zusätzliche Termine hinzufügen konnten. Aktuell ist das Live-Geschäft ja für viele Acts eine schwierige Sache. Die Leute nach fast drei Jahren auf dem Sofa wieder in die Hallen zu bekommen, scheint nicht so einfach. Bis auf einen Termin in Norditalien, den wir aufgrund schwacher Vorverkäufe wieder canceln mussten, haben wir Glück, dass auch die Tickets für unsere restlichen neu angesetzten Auftritte sehr guten Absatz finden.

Die Tour wird also eine klassische Hardrock-Show bieten. Hast du aufgrund des Erfolgs der BALLADS-Zusammenstellungen schon mal darüber nachgedacht, einen kompletten Abend mit ausschließlich ruhigen Nummern zu präsentieren – „BALLADS on Tour“ sozusagen?
Nein, das würde ich nicht machen wollen. Ich bin im Herzen Rocker. (lacht) Zwei Stunden lang nur ruhiges Material zu spielen, wäre langweilig – nicht nur für das Publikum, sondern vor allem für
mich selbst. Ich habe schon Unplugged-Konzerte mit rein akustischer Instrumentierung besucht. Nach spätestens 30 Minuten bin ich da immer abgehauen, weil mir die Dynamik fehlte. Zu Hause
eine Balladen-Platte aufzulegen, ist prima. Die lasse ich laufen, solange ich Spaß daran habe, und kann sie dann jederzeit ausmachen. Aber einen ganzen Abend nur ruhig dazusitzen und langsame Nummern anzuhören oder gar zu spielen, würde ich nicht aushalten.

Video der Woche: Suzi Quatro mit ›Can The Can‹

Zum 73. Geburtstag von Suzi Quatro blicken wir heute auf einen ihrer größten Hits zurück. ›Can The Can‹ erschien im Jahr 1973 und war Quatros erste Nummer-1-Single im UK. Suzi Quatro, bürgerlich Susan Kay Quatro, war kurz zuvor im Jahr 1971 von ihrer Heimat Detroit nach England gezogen, um dort den Durchbruch zu schaffen.

Im heutigen „Video der Woche“ von 1973 performt Suzi ihre Hitsingle bei „Top Of The Pops“:

https://youtube.com/watch?v=TPTsl3GQffc