Zum 71. Geburtstag von Donnie Van Zant blicken wir heute auf die goldenen Zeiten seiner Band 38 Special zurück, die der Bruder von Lynyrd Skynyrds Ronnie Van Zant 1975 in Jacksonville, Florida mit seinen Mitstreitern gründete. 1982 koppelte die Truppe ihren Song ›Caught Up In You‹ als erste Single vom Album SPECIAL FORCES aus und stieg in die Top Ten der amerikanischen Charts ein.
Wir gratulieren Donnie Van Zant zum 71. und drehen zu seinem Ehrentag 38 Special extra laut auf!
In der kommenden Ausgabe von CLASSIC ROCK lest ihr ein brandneues Interview mit Donnie Van Zant über 38 Special. CLASSIC ROCK #121 erscheint am 15. Juni.
Am 20. Oktober erscheint das neue Album von Israel Nash mit dem Titel OZARKER. Die Musik darauf erinnert an den Heartland-Rock, mit dem Nash aufgewachsen ist – Petty, Springsteen, Seger -, mit überlebensgroßen Gitarren und hymnischen Melodien, und die Texte sind ähnlich filmisch, sie zeichnen fesselnde Porträts von alltäglichen Männern und Frauen, die ihr Bestes tun, um mit Würde und Selbstachtung zurechtzukommen.
„Ich glaube, der Grund für den Fortbestand des klassischen Rock’n’Roll aus dem Landesinneren ist, dass er Themen berührt, die wir alle so tief empfinden: Sehnsucht, Kampf, Verpflichtung, Flucht“, sagt Nash. „Als Künstler strebe ich immer danach, so viele Menschen wie möglich zu berühren, und das ist es, was diese Musik für mich immer repräsentiert hat.“ Den Titeltrack der Platte hat Nash bereits jetzt als erste Single ausgekoppelt.
Nash wollte mehr über seine Vorfahren erfahren und wandte sich an seine Mutter, die seitenweise ihre Erinnerungen an Generationen von Ozarkern niederschrieb. Anstatt das Album zu Hause in seinem Studio zu schreiben, zog Nash ins nahe gelegene Wimberley, Texas, wo er ein Haus am Blanco River mietete und sich mit nur einer Gitarre, einem alten Casio-Keyboard, einem alten Schlagzeug und einem Vierspur-Tonbandgerät an die Arbeit machte.
Grandioses Americana-Album des Singer-Storytellers
Man mag sich bei einem Songwriter wie Jason Isbell, der seit Mitte der 00er-Jahre solide im Geschäft ist, mal solo, mal mit seiner Band The 400 Unit, fragen: Kann dieser mit einem Grammy dekorierte Vollprofi noch für eine echte Überraschung sorgen? Und dann läuft ›Deathwish‹, der erste Song des neuen Albums WEATHERVANES – und man ist von den Socken. Isbell selbst hat im Vorfeld davor gewarnt, dass diese Lieder inhaltlich Grenzen ausloten, und dann fällt er hier direkt mit der Tür ins Haus: „Did you ever love a woman with a deathwish?/Something in her eyes like flippin’ off a light switch/Everybody dies but you’ve gotta have reason to carry on.“ Isbell singt diese Zeilen mit größtmöglicher Dringlichkeit, nicht wie ein Singer-Songwriter, der schon alles gesehen hat und nun routiniert darüber berichtet. Sondern wie jemand, dem das Schicksal seiner Protagonisten wirklich nahegeht. Isbell erzählt von Menschen, denen die Kraft fehlt. Von Paaren, die sich auseinandergelebt haben. Von den Ungerechtigkeiten dieser Welt. Und vom ›King Of Oklahoma‹, als der sich der Held des gleichnamigen Songs gefühlt hat. Wer die USA verstehen will, muss Jason Isbell hören – und diese Platte gehört zu seinen besten.
15 Jahre sind seit dem letzten Studioalbum SAUDADES DE ROCK ins Land gezogen, nun endlich haben sich Gitarrenwunder Nuno Bettencourt, Sänger Gary Cherone und Co. zu neuen Extreme-Songs hinreißen lassen. 13 Stück sind es insgesamt auf dem neuen SIX, 13 Tracks, die eine riesige Bandbreite abdecken – von Extremes klassischen Funk-Metal-Wurzeln und Akustik-Schönheiten über 80er-Glam bis hin zu modernem Metal und Industrial. Da wäre der Opener ›Rise‹ zu nennen, der mit einem aggressiven Riff loslegt, um dann in einen sehr modern anmutenden Chorus á la Imagine Dragons auszubrechen. Wie eine etwas verzwirbelte Version von Mötley Crües ›Girls, Girls, Girls‹ klingt das eingängig stampfende ›Banshee‹. Im schönen ›Other Side Of The Rainbow‹ werden ganz klar und doch elegant ›Hole Hearted‹-Energien, in ›Hurricane‹ ›More Than Words‹-Vibes, gechannelt. ›Rebel‹ ist eine treibende Hard-Rock-Nummer mit ›Whole Lotta Love‹-artigem Geschrei am Ende, Electronic-Anleihen machen Songs wie ›Thicker Than Blood‹ zu modernen Industrial-Rock-Nummern á la Manson. Auf SIX werden zahlreiche Strömungen vereint, die allzu modernen Auswüchse dürften wohl Geschmackssache sein, der Rest ist ziemlich schlüssig und gelungen. Einzig und allein die Nummer ›Beautiful Girls‹ – ein wirklich nicht nachvollziehbarer Versuch, sich an seichten Radio-Strand-Pop und eine wohl gut gemeinte, aber nicht sehr geglückte, Botschaft anzubiedern – wirkt völlig fehl am Platz und mag so überhaupt nicht zu den sonst auf SIX ausgeloteten Genres passen.
Am 6. Oktober erscheint das neue Album von Samling beim Berliner Label „Robotor Records“, das die Band Kadavar gegründet hat. Eigentlich hatten sich Samling nach ihrem dritten Album aus dem Jahr 2015 getrennt, die kommende vierte Platte markiert also nicht nur die Ankunft neuer Musik, sondern auch das Comeback von Samling.
Als ersten Vorgeschmack gibt es nun eine neue Single mit dem Titel ›Pappa‹ inklusive Video zu hören und zu sehen. In dem Song verwebt die Schwedische Band Psychedelic, Pop und sanfte Melodien, die von türkischer Folk Music beeinflusst sind.
Wie fasst man eine Bandhistorie zusammen, die über ein halbes Jahrhundert und mehr als 25 Mitglieder umspannt? Wie bringt man ein so vielschichtiges, spannungsgeladenes Drama auf ein paar Magazinseiten, das eigentlich eine ganze Romanreihe füllen könnte? Man fragt am besten einen, der es wissen muss. Und im Falle von Uriah Heep ist das Mick Box. Anlässlich der Veröffentlichung des 25. Studioalbums CHAOS & COLOUR klingelt man bei dem sympathischen Briten durch, hangelt sich mit dem einzig verbliebenen Gründungsmitglied durch einige Stationen der Bandgeschichte und muss sehr viel lachen mit diesem Gitarrenhelden, wie er da bodenständig eine Anekdote nach der nächsten zum Besten gibt.
Doch selbst mit einem, der es wissen muss, wird der Umfang zum Problem. Haarklein die gesamte Heep-Geschichte niederzuschreiben ist fast unmöglich. Deswegen soll im Folgenden nur ein grober Überblick über eine unübersichtliche Band-Vergangenheit gegeben werden, bevor wir das Wort Mick Box überlassen.
Selbiger traf übrigens im Jahr 1967 auf Sänger David Garrick, der sich wenig später in David Byron umbenennen sollte, und zusammen mit Bassist Paul Newton und Drummer Alex Napier gründeten sie die Band Spice. Nach ersten lokalen Erfolgen stellte Newtons Vater den Kontakt zu einem Mann her, der essenziell für den Erfolg der Band werden sollte. Sein Name war Gerry Bron, ein Manager und Produzent, dessen Kontaktnetze sich durch die ganze alternative Szene Englands zogen. Noch im Jahr 1969 wurden die Lansdowne Studios in London gebucht, um erste Songs aufzunehmen. Während dieses Prozesses entschied die Gruppe auf Vorschlag Byrons hin, sich in Uriah Heep umzubenennen, nach einem Charakter aus Charles Dickens Geschichte „David Copperfield“. Als die Hälfte des Debütalbums eingespielt war, wollte Mick Box – ein großer Fan der Orgel von Vanilla Fudge – unbedingt ein Keyboard in das musikalische Œuvre der Band einstreuen.
Und so integrierten Heep auf der Platte schließlich Session-Musiker Collin Wood, in der Band dann Ken Hensley an den Tasten. Auch wenn sich Hensley in den folgenden Jahren bis zu seinem Ausstieg 1980 zum Hauptsongschreiber mausern sollte, so stammten die Songs auf dem Debüt VERY ‚EAVY… VERY ‚UMBLE (1970) hauptsächlich aus den Federn von Box und Byron. Auf Seiten der Presse rief der Erstling gemischte Reaktionen hervor, trotzdem legten Uriah Heep vor allem mit dem brachialen Opener ›Gypsy‹ mit seinen mehrstimmigen Harmonien, der bedrohlichen Orgel, dem stampfenden Rhythmus und den heavy Gitarren eine mehr als solide Basis für die Ausrichtung ihrer musikalischen Karriere. Und schafften es gleich mal in die Top 30 in Deutschland, einem ihrer künftig wichtigsten Märkte. Auf den Songs vom Nachfolger SALISBURY wirkte Hensley durchgehend, oft in kompletter Eigenregie, mit – und sorgte so beispielsweise für den Überhit ›Lady In Black‹.
Das ebenfalls 1971 erschienene, soundtechnisch sehr stringente LOOK AT YOURSELF mit dem großartigen ›July Morning‹ war das letzte Album mit Newton und Drummer Iain Clark, sie wurden durch Gary Thain und Lee Kerslake ersetzt. In diesem Line-Up brachen goldene Zeiten für Uriah Heep an. Mit dem mystischen DEMONS AND WIZARDS inklusive ikonischem Artwork von Roger Dean fand die Gruppe vollends zu sich selbst – ein Meilenstein der Heep-History, der sie mit brillanten Songs wie ›The Wizard‹ und ›Easy Livin’‹ in die Liga der großen, internationalen Rock-Acts katapultierte. Der Nachfolger THE MAGICIAN’S BIRTHDAY schlug in eine ähnliche Kerbe und wurde von vielen Fans sogar noch mehr gefeiert als das kommerziell erfolgreichere DEMONS AND WIZARDS. Der Melody Maker adelte Box und Co. zu dieser Zeit mit Zeilen wie „Früher hatten Heep ein Image, jetzt haben sie Charakter“. URIAH HEEP LIVE (1973) war ein deutlicher Beweis für diese Charakterstärke jedes einzelnen Mitgliedes – ein Konzerterlebnis vom Format einer Rock’n’Roll-Kernschmelze. Doch eben jene Charakterstärke war es auch, die wenig später einen emotionalen Schwelbrand im Getriebe der Band auslöste. Während SWEET FREEDOM (1973) noch als solide Scheibe inklusive kleinerem Hit (›Stealin‹) gehandelt werden kann, hatten sich bei WONDERWORLD (1974) schon tiefe Risse in die Rock’n’Roll-Fassade gefressen. Im selben Jahr dann wurde Gary Thain in Dallas, Texas auf der Bühne von einem elektrischen Schlag getroffen und starb 1975 an den Folgen des Unfalls, die mit seiner selbstzerstörerischen Heroinsucht kollidierten. Ein tragisches Ereignis, dem die Band mit ihrer Platte RETURN TO FANTASY zu trotzen vermochte – immerhin belegten Heep mit diesem Album Platz 7 der UK Charts und erlangten so ihre bis dato beste Position in der Heimat.
Das Blues-Soul-Kollektiv der Tedeschi Trucks Band hat die Isolation der Pandemie und eine klassische arabische Geschichte über eine zum Scheitern verurteilte Liebe zu einem vier Alben umfassenden Projekt verwoben, das so episch wie intim ist.
Als die Tedeschi Trucks Band im Juli 2019 LAYLA REVISITED aufnahm – eine Live- Neuinterpretation des Albumklassikers von Derek And The Dominos –, erwies sich das Unterfangen als ein liebevoller Blick zurück und ein unerwartetes Sprungbrett in ihre Zukunft. „Ich fühle mich mit dem LAYLA-Album auf seltsame Art verbunden“, erzählt Gitarrist Derek Trucks. „Das war ein Eckpfeiler in jener Ära der Rockmusik und fühlt sich wie ein Teil meiner DNA an. Zum einen, weil ich nach diesem Album benannt wurde. Und dann spielte es mein Dad mir und meinem Bruder zum Einschlafen vor. Als ich dann als Junge lernte, Gitarre zu spielen, war ich besessen von Duane Allmans Slide-Spiel. Und meine Frau Susan kam an dem Tag auf die Welt, als die Platte veröffentlicht wurde, was ziemlich verrückt ist. Mich mit diesem Material zu befassen, das die Wurzel von allem ist, fühlt sich wie etwas an, das ich schon längst hätte tun sollen, aber nie getan hatte.“ Diese archäologischen Ausgrabungen machten aber bei dem Originalwerk von 1970 noch lange nicht Halt. Letztlich führten sie die Mitglieder der Tedeschi Trucks Band durch mehrere Epochen hindurch zurück zu einer Geschichte aus dem 12. Jahrhundert des persischen Poeten Nizami Ganjavi namens „Madschnūn Lailā“ (im Englischen: „Layla & Majnun“). Was Lord Byron einst als „Romeo und Julia des Orients“ beschrieb, ist die tragische Geschichte unglücklicher Liebe und Trennung, die einen jungen Mann namens Qais in den Wahnsinn treibt („Majnun“ ist ein arabisches Wort für eine verrückte Person; Madschnūn Lailā, wie Qais genannt wird, bedeutet „der von Laila Besessene“). In den finstersten Momenten des Lockdowns wurde diese Erzählung zu einem Fluchtpunkt und zum Fundament für das bislang ambitionierteste Projekt der Band: eine Serie von vier Alben mit begleitenden Filmen unter dem Titel I AM THE MOON. „Die Grundidee für dieses ganze Konzept kam von unserem Sänger Mike Mattison, der die Geschichte von Nizami wieder gelesen hatte und die Frage stellte: ‚Was dachte Layla über all das? Was hielt sie von diesem liebeskranken Psychopathen, der durch die Wildnis wanderte?‘“, sagt Trucks mit einem Lachen. „Das war ein Glühbirnen-Moment. Mike schickte eine E-Mail in die Gruppe und sagte: ‚Ich hatte da diesen Gedanken. Vielleicht sollten wir alle ‚Layla & Majnun‘ lesen und dann Songs darüber schreiben.‘“
Mattisons Idee sprach Gitarristin und Sängerin Susan Tedeschi, Trucks’ Ehefrau und Kreativpartnerin, an aufgrund des Potenzials, die Entwicklung weiblicher Rollen zu erkunden. „In der ursprünglichen Geschichte“, so Tedeschi, „gibt es eine Passage: ‚Wenn Layla der Mond ist, wer soll dann den Mond gewinnen?‘ Es schien, als wollten die Männer sie eher in ihre Gewalt bringen, sie besitzen und behalten. Als sei sie eine Abstraktion statt einer Person. Heutzutage haben Frauen endlich eine Stimme und erheben sich wirklich. Die Menschen wussten schon immer, wie wichtig Frauen sind, doch gleichzeitig bekamen sie nicht immer den Respekt und die Plattform, zu sagen, was sie fühlten und dachten. Dieses Projekt war also ein schöner Weg, um diese Story zu würdigen, aber auch, sie in die moderne Welt zu übertragen und zu sagen: ‚Hey, man kann die Dinge aus zwei verschiedenen Blickwinkeln betrachten.‘“ Der Anfang der Arbeiten an I AM THE MOON im März fiel auf die ersten Tage der Pandemie. Eine treffende Parallele zu der Geschichte, in die sie nun schon eingestiegen waren. „Das fühlte sich sehr aktuell an“, so Trucks. „Da hat man dieses Bild von Layla, die eingesperrt wurde und nicht mit dem Menschen zusammen sein kann, den sie liebt. Und dann denkt man an alle Menschen auf der Welt, die damals nicht ihre Eltern besuchten durften, die nur ein paar Meter die Straße hinunter wohnen, weil sie Angst hatten, sie nur durch das Atmen in ihrer Nähe umzubringen.“ „Und da war Majnun, der in der Wüste den Verstand verliert“, führt Tedeschi die Analogie fort, „und man denkt: ‚Wie viele Menschen sind auf verschiedene Arten während dieser Pandemie verrückt geworden?‘ Sehr viele. Um die psychische Gesundheit des Planeten ist es nicht gut bestellt.“
„Es gab viele Parallelen zwischen dieser tausend Jahre alten Geschichte und unserer Zeit, die sich seltsam relevant anfühlten“, hält Trucks fest. „Aber auf einer elementareren Ebene gab sie der Band diesen virtuellen Treffpunkt, an dem wir weiter atmen konnten. Wenn man als Band nicht auf Tour zusammenlebt, braucht man etwas, das einen verbindet, und das war das Schöne an dem Konzept hinter diesem Projekt.“ Trucks und Tedeschi, Mattison, Schlagzeuger Tyler „Falcon“ Greenwell und Keyboarder/Sänger Gabe Dixon, das neueste Mitglied der Formation, arbeiteten jeweils zu Hause an ihren Interpretationen von Nizamis alter Erzählung, jeder auf seine eigene Art. „Es ist wirklich schön, fünf Kreative auf dieser Platte zu haben“, so Tedeschi. „Das zeigt sowohl die Vielfalt im Songwriting als auch dessen Kohärenz. Es erzählt diese Story, hat diese ganz spezielle Energie und zeigt, wie originell und unglaublich diese Band ist. Es gibt viele verschiedene Stärken und Facetten.“
Vom Southern-Soul-Slowburn von ›Hear My Dear‹ und dem wehklagenden ›Circles Round The Sun‹ über das Allmanseske Instrumental ›Pasaquan‹ und den staubigen Delta-Blues von ›So Long Savior‹ bis hin zu dem feinen Fingerpicking auf ›I Can Feel You Smiling‹ und dem Bayou-Stampfer ›Gravity‹ ist der 24-Song-Zyklus von I AM THE MOON eine grandiose Bühne für die überragenden Talente, welche die Tedeschi Trucks Band zu Meistern des Jams gemacht haben. Seit ihrem Debüt von 2010 bewegen sie sich gekonnt zwischen den Genres. Bezeichnenderweise gab das bewegende Titelstück, schon früh von Gabe Dixon geschrieben, dem Projekt nicht nur das, was Trucks als „Gravitationskraft“ beschreibt, sondern half der Band auch, nach einem kolossalen Verlust auf persönlicher wie professioneller Ebene zu heilen. Ein Jahr vor der Pandemie erlag der langjährige TTB-Keyboarder Kofi Burbridge im Alter von 57 Jahren einem Herzleiden. „Als wir Kofi verloren, überdachten wir alles, was wir taten, bis in die Grundfeste“, sagt Trucks. „Er war ein so riesiger Teil von uns, und er stand fast 20 Jahre an meiner Seite, Schulter an Schulter. Er war ein so unglaublicher Mensch und ein Genie, wirklich einzigartig.“
In derart große Fußstapfen zu treten war sicher nicht einfach, doch der Pianist Dixon aus Nashville stellte sich der Herausforderung, ein Solokünstler von einigem Renommee, der mit diversen großen Acts gearbeitet hat, etwa Paul McCartney und Supertramp. „Gabe hatte natürlich sehr großen Respekt und enorme Ehrfurcht für Kofi und sein Spiel. Aber er selbst ist auch eine starke Persönlichkeit“, so Trucks. „Er setzte sich auf diesen Stuhl, als gehöre er ihm, aber anders, mit absolutem Respekt für das, was dort passiert war. Hätte sich da jemand hingesetzt und versucht, wie Kofi zu sein, hätte uns etwas daran abgestoßen. Gabe hatte einfach etwas eigenes, mit einer anderen Aura. Und je mehr ich mich in seine Solowerke vertiefte, desto mehr dachte ich: ‚Dieser Motherfucker ist grandios!‘ Als Sue zum ersten Mal Gabes Demo von ›I Am The Moon‹ hörte, weinte sie. Dann lief sie während der Pandemie die meiste Zeit herum, spielte es auf der Akustischen und sang dazu. Das war ihr Lockdown-Jam.“ Tedeschi ergänzt: „Da ist diese eine Zeile, ‚I’m up here spinning alone, you’re a star, but I’m a stone‘. Ich dachte: ‚Heilige Scheiße, das ist tiefgründig.‘ Ich glaube, wir nehmen den Mond manchmal als selbstverständlich. Menschen sind so emotionale Kreaturen aus Wasser. Der Mond übt ja in Form von Flut und Ebbe seine Anziehungskraft auf all unsere Ozeane aus, also bewegt er natürlich auch uns, emotional. Unsere Gefühle sind also eng mit dem Mond verbunden. Darüber denken wir nie nach, und uns ist nicht bewusst, wie wichtig er ist.“ Im Herbst 2020, nachdem sich alle hatten testen lassen, traf sich der kreative Kern der Gruppe endlich wieder in einem Studio in Georgia und alle präsentierten ihre Ideen rund um die Geschichte von Layla und Majnun.
„Als wir begannen, sie durchzuspielen, wurde uns klar, dass es einen ernsthaften roten Faden zwischen ihnen gibt“, sagt Trucks. „Das war inspirierend.“ Tedeschi fügt hinzu: „Und wir begriffen schon früh, dass das zu viel für eine Platte war. Wir fragten uns, ob wir alles aufnehmen und die besten Sachen herauspicken sollten. Aber als wir das dann taten, stellten wir fest: ‚Nichts davon ist Füllmaterial!‘ (lacht) Wir standen damals alle total auf die Serie ‚The Mandalorian‘ und ich liebte den Gedanken von Episoden. Das fesselt die Leute. Es ist eine Tik-Tok-Welt und die Leute haben nicht mehr die Zeit um sich groß zu konzentrieren. Also konnten wir die vier Alben natürlich nicht alle auf einmal machen. Als wir uns dann über unsere Lieblingsplatten aus unserer Jugend unterhielten, sagte Derek: ‚Sieh dir AXIS: BOLD AS LOVE an, das dauert 34 Minuten. Das ist die perfekte Länge, bei der man die Aufmerksamkeit der Leute noch behält, aber auch viel Inhalt reinpacken kann.‘“ „Ich dachte auch an Coltranes A LOVE SUPREME“, fährt Trucks fort. „Etwas an dem Album gibt einem das Gefühl, als würde man da in etwas Großes einsteigen. Das hatte ich im Hinterkopf, als wir davon zu sprechen begannen, das alles in kleinere Stücke und Akte aufzuteilen.“
Den Stars von morgen eine Plattform bieten. So lautet das Motto dieser neuen Roadshow. Mit dabei in der ersten Edition: DeWolff, The Picturebooks und Mother’s Cake.