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Start Blog Seite 1282

Neuauflagen: Dr.Feelgood

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Der große Pub Rock- Adrenalinschub.

Als das Quartett aus dem britischen Canvey Island im Januar 1975 mit DOWN BY THE JETTY debütiert, liegt schon massiv Umbruch in der Luft. Die um griffige Etikettierungen nie verlegene Londoner Musikpresse hat den rasanten, radikalen und ru- dimentären Stil von Bands wie Brinsley Schwarz, Ducks Deluxe, Eddie & The Hot Rods und Kilburn & The High Roads voreilig Pub Rock getauft – als Speerspitze des Genres gelten Dr. Feelgood. Mit Chuzpe und Elan verpassen sie nicht nur der Clubszene der britischen Hauptstadt einen ordentlichen Adrenalinschub. Jahrzehnte später verorten schlaue Musikhistoriker Dr. Feelgood als die Schnittstelle zwischen dem Old School Rock’n’Roll und R&B einerseits, Punk und New Wave andererseits. Gekleidet sind die vier Quertreiber in schmierige Anzüge wie die Kleinkriminellen in der populären TV-Krimiserie „The Sweeneys“; vor allem Sänger Lee Brilleaux mit herrlicher Verbrechervisage sowie Gitarrist Wilko Johnsons soziopathische Aura sorgen für mediale Aufmerksamkeit. Dazu passt die gestochen scharfe Schwarzweiß-Ästhetik im Nostalgie-Look, die auch das Cover der qualitativ gleichwertigen zweiten LP MALPRACTICE ziert, die bereits neun Monate nach dem Debüt aufgelegt wird.

Beide Alben sowie der atemberaubende Konzertmitschnitt STUPIDITY, das abermals starke dritte Studiowerk SNEAKIN’ SUSPICION sowie 23 Archivraritäten finden sich in der 3-CD-Box ALL THROUGH THE CITY (WITH WILKO 1974 – 1977), ergänzt wird das Ganze um eine DVD mit diversen Live-Shows und TV-Auftritten. Schlicht genial, wie Hauptkom- ponist Johnson sperrige Riffs und simple Licks gezielt in knackige Ohrwürmer wie ›She Does It Right‹, ›Roxette‹ und ›Back In The Night‹ pflanzt. Oder aber in sparsamen Arrangements Blues-Klassiker reanimiert – von John Lee Hookers ›Boom Boom‹ über Muddy Wa- ters’ ›Rollin’ And Tumblin’‹ bis hin zu Willie Dixons ›You’ll Be Mine‹. Als Johnson 1977 urplötzlich Dr. Feelgood Goodbye sagt, findet das Resttrio zwar Ersatz, aber nicht wieder zur Urkraft zurück.

Neuauflagen: Deutsch Americanische Freundschaft

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Experiment um des Experiments willen: atonal und rhythmisch dominant.

Einen radikalen Stilwechsel und die Reduzierung von Quartett-Größe auf Duo-Format benötigte die Deutsch- Amerikanische-Freundschaft, um sich unsterblich zu machen. Auch wenn sich das Minimal- Elektro-Konzept prinzipiell beim New Yorker Kult-Duo Suicide und bei den Düsseldorfer Kollegen NEU! bediente: Die frühen Achtziger wären ohne die massive Club-Penetration ›Der Mussolini‹ schlicht undenkbar.

Doch es gibt auch ein Leben davor, DAF veröffentlichen zwei experimentelle Alben vor dem großen Durchbruch. Als Hippie- gewäsch bezeichnen aufgebrachte Düsseldorfer Punks 1979 das Debüt EIN PRODUKT DER DEUTSCH-AMERIKANI- SCHEN FREUNDSCHAFT. Außer Schlagzeuger Robert Görl wirken bei dem an Can und The Residents angelehnten Instrumentalwerk Wolfgang Spelmans, Kurt Dahlke und Michael Kemner mit. Gabi Delgado-Lopes, in der Frühphase ebenfalls schon mit dabei, wird nach wenigen, allzu schlagerhaften Ergebnissen außen vor gelassen.

In seiner radikalen Botschaft zwischen herkömmlichen Instrumenten und Elektronik ist das Debüt ein zwar wortloses, aber betonhartes Fundament des Post-und Noise Rock: 22 zwischen 19 Sekunden und drei Minuten lange Stimmungsbilder, atonal, rhythmisch dominant, variationsreich im Tempo und von permanent wechseln- der Atomsphäre. Radikal wirkt auch die Entscheidung, einzelnen Tracks keinerlei Titel zu spendieren.

Neuauflagen: Blue Cheer

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Innovation durch Zufallsprinzip: Ein Trio startet durch.

San Francisco und der Rest der westlichen Welt sind 1968 noch vom Hippie-Ethos beseelt, als sich in der immer wieder durch verheerende Erdbeben erschütterten Stadt an der Westküste ein weiterer seismischer Ausbruch ankündigt: Blue Cheer, ein Power-Trio aus Gitarrist Leigh Stephens, Schlagzeuger Paul Whaley sowie Bassist und Sänger Dickie Peterson, das es Cream und der Jimi Hendrix Experience gleichtun will, es an der entsprechenden Virtuosität allerdings ein wenig hapern lässt. Dreist dreht das Triumvirat die Gain-Regler von Verstärker und Verzerrer bis zum Anschlag auf, haut lässig eine lärmige Version von Eddie Cochrans Klassiker ›Summertime Blues‹ raus und legt dabei mal eben die Fundamente für Metal, Punk, Grunge und Stoner Rock. So kann’s gehen! Mike Leckebusch, Regisseur vom Bremer „Beat-Club“, lädt die Rabauken noch im gleichen Jahr in seine TV Show.

Mit Weltuntergangsszenarien im Bulldozer-Sound haben Blue Cheer mit Blues-Standards wie ›Rock Me Baby‹ und ›Parchment Farm‹ noch weitere Perlen auf Lager. Auch Selbstge- stricktes wie das knapp neunminütige ›Doctor Please‹, die nüchterne Selbstanalyse >Out Of Focus‹ und das überlange ›Second Time Around‹ zünden hingebungsvoll im satten atonalen Rückkopplungsgeheul. Zwei Jahre später lassen sich die britischen Who von der übersteuerten Lärmorgie inspirieren, legen den Konzert-Meilenstein LIVE AT LEEDS vor und scheuen sich nicht, ebenfalls Cochrans ›Summertime Blues‹ zu covern.

Zu jenem Zeitpunkt kämpfen die von einem ehemaligen Hells Angel gemanagten Blue Cheer schon um ihre Existenz – der Anfang einer bis in die Gegenwart reichenden Odyssee aus permanent wechselnden Line-ups, Stilveränderungen, Trennungen und Wiedervereinigungen.

Neuauflagen: Kevin Ayers

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Exzentrisch, erratisch und erfolglos: Wie man sich zum Kult stilisiert.

Kevin Ayers, charmantes Ausnahmetalent mit sonorer Schlafzimmerstimme, konstatiert über sich selbst: „Ich bin der geborene Müßiggänger, der über weite Teile seines Lebens lieber das Phlegma im sonnigen Süden als die eigene Karriere pflegte.“

Immerhin fünf impressionistische Klanggemälde samt Archivnovitäten (u.a. BBC Sessions, Demos) des Ex-Mitglieds von Soft Machine tummeln sich auf der 5-CD-Werkschau THE HARVEST YEARS 1969-1974. Das Debüt des blonden Frauenschwarms kommt 1969: JOY OF A TOY erfüllt mit delikaten bis dekadenten Leckerbissen wie ›Girl On A Swing‹, ›The La- dy Rachel‹ und ›Song For Insane Times‹ die hohen Erwartungen. Unter dem Logo Kevin Ayers And The Whole World folgt ein Jahr später das komplexer produzierte SHOOTING AT THE MOON. Im Line-up finden sich Keyboarder David Bedford, Drummer Mick Fincher, Sängerin Bridget St. John, Saxofonist Lol Coxhill sowie der 17-jährige Multi-Instrumentalist Mike Oldfield, wenig später selbst auf Solopfaden. Nonchalant tönt die lässige Ballade ›May I?‹ mit Ayers als lakonischem Charmeur, der im sonnigen Straßencafé eine Schöne mit coolem Bariton umgarnt.

Bedfords symphonische Kreationen spielen eine noch wichtigere Rolle beim Nachfolger WHATEVERSHEBRINGS- WESING: Reminiszenzen an die klassische Moderne. Zwischen Penderecki-Hommage ›There Is Loving / Among Us / There Is Loving‹ und Experimentellem wie ›Song From The Bottom Of A Well‹ mit Winkewinke an Karlheinz Stockhausen finden sich Music-Hall-Klänge (›Oh My‹) und der Ohrwurm ›Stranger In Blue Suede Shoes‹.

Mit BANANAMOUR, Album Nummer vier, tritt Gitarrist Steve Hillage in die Dienste des Kettenrauchers. ›Decadence‹, ein achtminütiges Mantra über Nico, beinhaltet ebenso viel Unberechenbarkeit wie das Syd Barrett gewidmete ›Oh! Wot A Dream< Und die Beatles Parodie ›Don’t Let It Get You Down‹. Mit dem Island-Einstand THE CONFESSIONS OF DR. DREAM versucht Manager John Reid 1974, seinen Schützling als Rock-Ikone aufzubauen: Nach nervös Elektronischem mit Gastvokalistin Nico im Titelsong erforscht der Grenzgänger im dreiteiligen ›It Begins With A Blessing / Once I Awakened / But It Ends With A Curse‹ weitere Bereiche des Pathologischen. Schizophren imitiert ›See You Later/Didn’t Feel Lonely Till I Thought Of You‹ Django Reinhardt, der kurze ›Ballbearing Blues‹ indes beschwört den Southern-Rock. Als Sologitarrist brilliert Ollie Halsall, der den zu Frankreichs Prog-Rock-Kommune Gong abgewanderten Hillage ersetzt hat.

Neuauflagen: Argent

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Zum wiederentdecken: Rock mit Ohrwurm Qualität

Von der Kritik hochgepriesen, doch vom Kunden ignoriert: Hinter Argent lagen 1972 schon zwei propere Alben im anspruchsvoll-experimentellen Prog-Rock-Kontext. Für Initiator, Namensgeber und Keyboarder Rod Argent eine vertrackte Situation, die ihm nur allzu bekannt vor- kam: Mit seiner Vorgängerband The Zombies, die in den USA zeitweilig sogar erfolgreicher operierte als in der britischen Heimat, gehörte er 1964 zwar zur Speerspitze der Beat-Invasion. Doch das finale Opus Magnum der Untoten, das famose Konzeptwerk ODESSEY AND ORACLE, gelangte 1968 in Großbritannien noch nicht einmal zur Veröffentlichung.

Doch für die dritte Produktion unter dem optimistischen Titel ALL TOGETHER NOW modifizierte das mit Bassist Jim Rodford, Schlagzeuger Bob Henrit sowie Sänger, Gitarrist und Komponist Russ Ballard komplettierte Quartett sein Klangbild von Grund auf. Das Kernstück bildete die eingängige Rock-Hymne ›Hold Your Head Up‹, die in den Rock- Diskotheken ausgezeichnet als Tanzflächenfüller funktionierte und in gekürzter Version auch weltweit die Single-Charts enterte.

Ebenfalls mit Ohrwurmqualität empfehlen sich simpel verrockt ›He’s A Dynamo‹, ma- nisch versoult ›Be My Lover, Be My Friend‹ und das kernig verfunkte ›Tragedy‹, das noch heute im Verdacht steht, Blau- pause des gleichnamigen Millionensellers der Bee Gees zu sein. ›Pure Love‹ operierte mit Bach’scher Kirchenorgel als mehrteilige klassische Suite. Auf ›Keep On Rollin’‹ klimperte virtuos ein Boogie-Piano.

Für Argent, in jener Ära gern gesehene Gäste auf Open-Air-Festivals, ging die Rechnung in jedem Fall auf: Von ihren sieben Alben, die zwischen 1970 und 1975 veröffentlicht wurden, blieb ALL TOGETHER NOW das mit Abstand bestverkaufte Werk mit hohen Chartnotierungen auf beiden Seiten des Atlantiks.

Reviews: Zodiac

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A bit of Devil

Ein ungeheuer kompaktes, spieltechnisch vorzügliches, vor Dynamik strotzendes Debüt.

Siebziger- beeinflusster Hard Rock ist in. Von Hype zu sprechen, ginge allerdings zu weit. Es gibt eben gute Musik und schlechte Musik. Authentisch oder gewollt konstruiert? Meint es eine Band ernst oder nicht? Das sind doch die entscheidenden Fragen. Fragen, die speziell bei grundsätzlich und oberflächlich simpler, klar strukturierter, basischer, aber auch gefühlvoller Musik wie Hard Rock leicht zu beantworten sind. Um qualitativ hochklassigen Hard Rock in Szene zu setzen, bedarf es ausgezeichneten Songschreibe-Künsten und man muss diese Art von Musik im Blut haben. Zodiac stammen zwar aus Münster, klingen jedoch international. Des Weiteren gleichermaßen frisch, unverbraucht, zeitlos und reif. Das Quintett um den Long Distance-Calling-Schlagzeuger Janosch Rathmer und ehemalige Mitglieder der aufgelösten Death-Metaller Misery Speaks veröffentlicht mit A BIT OF DEVIL ein ungeheuer kompaktes, spieltechnisch vorzügliches, vor Dynamik strotzendes Debüt mit durch die Bank erstklassigem und abwechslungsreichem Songmaterial. Organisch in eine warme, kernige Produktion eingebettet, bewegt sich A BIT OF DEVIL irgendwo in der Schnittmenge zwischen Thin Lizzy und Led Zeppelin. ZZ Top nicht zu vergessen, deren Klassiker ›Blue Jean Blues‹ Zodiac enthusiastisch umsetzen. Sänger und Ausnahmetalent Nick van Delft setzt mit seiner kraftvollen und emotionalen Stimme wandlungsfähig echte Akzente. Coolen und griffigen Fetzern wie ›Horror Vision‹ und dem Titelstück stehen prädestinierte Festival-Rocker wie ›Assembly Line‹, lässige Balladen wie ›Thunder‹ oder der zehnminütige Songwriting-Höhepunkt ›Coming Home‹ gegenüber. Weiterhin auffallend und unter die Haut gehend: Das virtuose, mal bluesige, mal fulminante Gitarrenspiel von Stephan Gall. Zodiac werden mit A BIT OF DEVIL in den Jahreswertungen sicherlich ein ernsthafter Kandidat auf den Titel ,,Newcomer des Jahres” sein:.

 

Reviews: Ulver

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Childhoods End

Uralt-Psychedelic auf dem Seziertisch der Postmoderne.

Es gibt mehr als nur The Doors, was die psychedelische Musik der 60er und frühen 70er angeht, sagt Ulvers Kristoffer Rygg und genau diesen Underground wollen sie mit CHILDHOOD’S END näherbringen. Nur wem? Bekannt sind Ulver durch ihre immerwährenden Stilwandel, zuletzt hat sich dabei ein eher an Ambient und experimentelle Bands wie Coil ausgerichteteter elektronischer Sound durchgesetzt. CHILDHOOD’S END operiert zwar mit einem klassischen Bandsound, setzt aber auf die abstrakte Rekonstruktion von Sounds. Sprich: Von Retro-Garagen-Feeling ist hier keine Spur. Das klingt nicht uninteressant, solange es um bekanntere Titel wie ›Today‹ von Jefferson Airplane oder ›Everybody’s Been Burned‹ von den Byrds geht aber bei letzterem musste ich unwillkürlich an die lodernd emotionale Version von Thin White Rope. Ulvers Version klingt dagegen akademisch unterkühlt und wirft die Frage auf, wie viel vom Herz der Originale sie gelassen haben. Vielleicht sollte ich die mal suchen… ich hatte mir jedoch mehr Spaß erhofft.

Reviews: Ultravox

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Brilliant

Sinnvolle Wiederauferstehung.

Nostalgie- Lampen an: Die New Romantic-/Synthie Pop-Urgesteine Ultravox haben ein neues Album in der klassischen 80er- Besetzung aus Midge Ure, Billy Currie, Chris Cross und Warren Cann aufgenommen. Eine schöne, wenn auch seit der Bühnenwiedervereinigung 2009 absehbare Überraschung. 28 Jahre nach der letzten Veröffentlichung in dieser Konstellation konfrontieren die Briten zwölf Mal mit dem, was man landläufig als „typischen Bandsound“ bezeichnet: BRILLIANT beschwört in popgetränkten, Piano-melodisierten Perlen durch und durch jene Zeiten herauf, in denen Schulterpolster, Poppertolle und Karottenjeans en vogue waren. Die Produktion steckt ihre Nase tief ins Jetzt und lädt zum Genießen und Entdecken vieler Details und Sounds ein. Sommerlich Sprudelndes wie das Titelstück oder das opulente ›Flow‹ verbreiten ein wohliges Zuhausegefühl, und auch balladeske Momente der Marke ›Remembering‹ erweisen sich als pure Umarmungen. Manchmal kommen sie wieder. In diesem Fall ist das auch gut so.