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Die 50 besten Alben des Jahres 2020 (Platz 30-21)

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Zwölf Monate, hunderte von neuen Alben, tausende von Songs – gute, schlechte, grandiose Stücke. Wer kann da den Überblick behalten? Gut, dass es die CLASSIC ROCK-Redaktion gibt. Wir haben uns auf Zeitreise begeben, uns für euch angestrengt erinnert, haben gesammelt, recherchiert, diskutiert, bewertet und auch gekämpft. Das ist dabei herausgekommen: die 50 besten Alben des Jahres 2019!
Texte: Jacqueline Floßmann, Henning Furbach, Matthias Jost, David Numberger, Paul Schmitz, Markus Werner, Michael Wolf

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Allman Betts Band, BLESS YOUR HEART, BMG RIGHTS/WARNER

Es bleibt in der Familie: Devon Allman und Duane Betts treten auf dem zweiten gemeinsamen Album in die Fußstapfen ihrer Väter Greg und Dickey (Allman Brothers Band), aber auch aus ihrem Schatten.
Anspieltipp: ›Magnolia Road‹

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The Texas Gentlemen, FLOOR IT, NEW WEST/PIAS/ROUGH TRADE

Ein Album, das vor Ideenreichtum explodiert. Und doch greift alles perfekt ineinander. Synapsen-Brillantfeuerwerk im Kopf eines jeden offenen Fans von Funk, Soul, Südstaatenrock, Psycedelic
Rock, Bluesgrass, Fusion, West-CoastPop, Soft-Rock und allerlei unnennbarem (späten Beatles-)Zeug.
Anspieltipp: ›Hard Rd.‹

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The Pretenders, HATE FOR SALE, BMG RIGHTS/WARNER

Wenn die jungen Talente nur noch angepassten Zielgruppenkommerz fabrizieren, müssen es eben die alten Größen richten. Chrissie Hynde jedenfalls zeigt Feuer und Biss wie eh und je, gepaart mit heimelig griffigen Melodien und Verve ohne Ende.
Anspieltipp: ›Junkie Walk‹

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Larkin Poe, SELF MADE MAN, TRIKI WOO RECORDS/H’ART

Die Lovell-Schwestern haben ihren Status als moderne Rhyhtm’n’BluesKöniginnen inzwischen zementiert. Auch ihr jüngstes Werk entbindet den Südstaaten-Sound von RedneckStereotypen und lässt ihn in frischen Gewändern erstrahlen. Larkin Poe spielen jetzt bei den Großen mit.
Anspieltipp: ›Holy Ghost Fire‹

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Keith Urban, THE SPEED OF NOW PART 1, CAPITOL/UNIVERSAL

Auf seinem jüngsten Album fabrizierte Keith Urban aus Sunshine Soul, Country, EDM, Pop,
Rhyhtm’n’Blues und modernem Bluegrass einen Pop-Hit nach dem anderen und bewies aufs
Neue, dass er es wie wenig andere versteht, gefällige Songs zu schreiben.
Anspieltipp: ›Forever‹

25

THE STROKES, THE NEW ABNORMAL, RCA/SONY

Acht Jahre Pause, bittere Zerwürfnisse untereinander? Egal, die New Yorker Hipster kommen trotzdem aus dem Stand zickig und zackig wieder an die Spitze ihres Segments.
Anspieltipp: ›The Adults Are Talking

24

The Cadillac Three, TABASCO & SWEET TEA, BIG MACHINE/UNIVERSAL

Wie der Titel vermuten lässt, setzten The Cadillac Three bei dieser Platte auf Abwechslung und
mischen viel Funk und modern interpretierten R’n’B in ihr Southern-Rock-Gestampfe, was mitunter an die Tanzbarkeit so mancher ZZ-Top-Alben erinnert.
Anspieltipp: ›The Jam‹

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Marcus King, EL DORADO, UNIVERSAL

Vor einigen Jahren konnte man den damals noch blutjungen King als frühreif bezeichnen. Jetzt, mit 24
läppischen Jahren und der Unterstützung von Star-Produzent Dan Auerbach auf der Habenseite, hat
Marcus’ Seele ein scheinbar Methusalem-haftes Alter erreicht. Soul, Blues und Gospel, wie sie besser
kaum sein können.
Anspieltipp: ›Beautiful Stranger‹

22

Eagles, LIVE FROM THE FORUM MMXVIII, RHINO/WARNER

Wie Don Henley es bei seinen Begrüßungsworten sagt: Die Eagles, die am 12. und 15. September 2018 im Forum in Inglewood spielten, waren nicht dieselbe Band, wie die Eagles, die dort 34
Jahre zuvor aufgetreten waren. Und dennoch ist dies das hochemotionale und musikalisch perfekt inszenierte Dokument eines neuen Abschnitts einer unvergleichlichen Bandhistorie.
Anspieltipp: ›Take It Easy‹
(Sohn Deacon Frey stellt sich am Lead-Gesang vor)

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Dead Lord, SURRENDER, CENTURY MEDIA/SONY

Singende Thin-LizzyTwin-Gitarren, roher Rock’n’Roll und die rauen, teils heulenden Vocals verweben
sich auf SURRENDER zu einer melodiösen Mischung,mit der Dead Lord ihren Retro-Kollegen aus Schweden zeigen, wer die Hosen – nach Bands wie The Hellacopters – wirklich anhat.
Anspieltipp: ›Evil Always Wins‹

Jack Slamer: Fünf Freunde

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Fünf junge Männer sitzen auf einem Sofa im Proberaum, lachen, rauchen und diskutieren. Sie machen seit über 13 Jahren in genau dieser Konstellation miteinander Musik, sind beste Freunde. Genau daraus resultiert die Dynamik, die für das gewisse Zauber-Moment bei dieser Schweizer Band sorgt. Schließlich sind Jack Slamer in den vielleicht wankelmütigsten Jahren eines Menschenlebens miteinander und aneinander gewachsen. „Hin und wieder gibt es zwar Meinungsverschiedenheiten, aber es kommt nur selten vor, dass es auch mal lauter wird. Eigentlich sind wir sehr harmonisch“, so Bassist Hendrik. Frontmann Florian dazu weiter: „Wir sind auch neben der Band beste Freunde und machen viel zusammen, wir diskutieren eigentlich immer alles aus“.

Trotz oder gerade wegen ihrer individuellen Attribute hat sich ihr kantiger und energiegeladener 70er-Rock’n’Roll hörbar weiterentwickelt und klingt heute vielleicht ausgeglichener und stärker als je zuvor.
Hauptverantwortlich hierfür ist wohl die bunte Mischung aus den Charakterzügen der einzelnen Mitglieder der Truppe aus Winterthur. Sänger Florians positiv-kapriziöse Art braucht es dafür genauso wie die ausgleichende Wirkung von Gitarrist Cyrill. Die Intelligenz und Komplexität von Bassist Hendrik genauso wie das stets positive Mindset von Gitarrist Marco. Und auch Drummer Adrian, der vielleicht kritischste Kopf in der Band, ist mit seiner bestimmten Art ein integraler Teil des großen Ganzen, das ohne eine dieser fünf Säulen in Schieflage geraten würde.

Auf diesem Zusammenspiel fußend, klingt die neue Platte KEEP YOUR LOVE LOUD ausgereift und trotzdem in der Bandtradition verankert: „Vom Songwriting her waren wir auf jeden Fall experimenteller unterwegs, der Fokus lag verstärkt auf den Harmonien. Im Studio haben wir stundenlang an den einzelnen Sounds gebastelt. Diese zwei Faktoren haben für mich den größten Unterschied gemacht“, erklärt Hendrik. „Außerdem hatten wir nicht das in Stein gemeißelte Ziel, ein Rockalbum machen zu müssen. Wir haben jede Idee, die uns gefallen hat, in den Bandsound integriert und uns nicht limitieren lassen. Dadurch ist das Album viel farbiger geworden und klingt trotzdem nach Jack Slamer“, ergänzt Adrian unter Zustimmung der anderen. Als schwerste Geburt nennen Jack Slamer den Titel ›Bouquet Of Decibels‹ mit dem „Keep your love loud“-Refrain: „Wir haben die Idee des Songs schon mal vor ein paar Jahren bei einer Live-Radiosession gespielt, so als Jam zum Warmwerden. Danach ging es ständig hin und her, noch im Studio haben wir Teile gestrichen, verworfen und umgestellt. Das war der erste Song, den wir geschrieben haben, und der letzte, der fertig wurde. Eine echte Hassliebe“, so die fünf einhellig. „Dafür gibt es aber auch Songs wie ›Ocean‹, die sich quasi von alleine geschrieben und in ihrem Grundprinzip nach circa 15 Minuten fertig waren.“

KEEP YOUR LOVE LOUD ist somit eine kollektive Errungenschaft, die für Jack Slamer auch vor dem Hintergrund ihres noch einigermaßen neuen Labelvertrags ein Ticket nach oben darstellen dürfte: „Bisher sind wir live vor allem in der Schweiz aktiv gewesen und wir hoffen, dass wir nun auch international Fuß fassen können“. Wenn es denn irgendwann wieder geht. Jack Slamer wären jedenfalls allzeit bereit.

Die 50 besten Alben des Jahres 2020 (Platz 40-31)

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Zwölf Monate, hunderte von neuen Alben, tausende von Songs – gute, schlechte, grandiose Stücke. Wer kann da den Überblick behalten? Gut, dass es die CLASSIC ROCK-Redaktion gibt. Wir haben uns auf Zeitreise begeben, uns für euch angestrengt erinnert, haben gesammelt, recherchiert, diskutiert, bewertet und auch gekämpft. Das ist dabei herausgekommen: die 50 besten Alben des Jahres 2019!
Texte: Jacqueline Floßmann, Henning Furbach, Matthias Jost, David Numberger, Paul Schmitz, Markus Werner, Michael Wolf

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Kraan, SANDGLASS, 36 MUSIC/BROKEN SILENCE

Auf SANDGLASS verbinden die legendären deutschen Fusion-Rocker „the best of both worlds“ und schmücken ihre ausgefeilten und qualitativ unschlagbaren Arrangements mit exakt der richtigen Prise Pop-Appeal.
Anspieltipp: ›Solitude‹#

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Buffalo Summer, DESOLATION BLUES, SILVER LINING/WARNER

Auf ihrem dritten Werk umarmen die Waliser fachkundig die Pole Classic- und Alternative Rock
sowie alles, was dazwischen liegt. Das stampft, wogt sanft, groovt, ist eingängig und erinnert hin und wieder subtil an Bands wie The Cult.
Anspieltipp: ›The Power And The Greed‹

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Nathaniel Rateliff, AND IT’S STILL ALRIGHT, CAROLINE/UNIVERSAL

Ohne die Night Sweats sollte 2020 eine Soloplatte von Nathaniel erscheinen – ruhiger also und introvertierter, das war klar. Als dann während der Entstehung von AND IT’S STILL ALRIGHT Rateliffs Freund und Produzent verstarb, entstand ein knallhart lamentierendes und strahlend aufbauendes Traueralbum.
Anspieltipp: ›Rush On‹

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The Boomtown Rats, CITIZENS OF BOOMTOWN, BMG RIGHTS/WARNER

Bob Geldof (68) zählt das siebte Album der irischen Punk-Zeitgenossen zu den besten der Bandkarriere. Mit was? Mit Recht! Nach 36 Jahren Pause klingt man für gewöhnlich nicht so druckvoll und dringlich!
Anspieltipp: ›Trash Glam Baby‹

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Midnight Oil, THE MAKARRATA PROJECT, RCA/SONY

Die erste neue Musik der Aussie-Politrocker seit 18 Jahren steht ganz im Zeichen von Aborigine-Künstlern und deren Anliegen. Ein starkes Statement, angetrieben mit der satten Power ihrer 80s-Hits.
Anspieltipp: ›Gadigal Land‹

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Blue Öyster Cult, THE SYMBOL REMAINS, FRONTIERS/SOULFOOD

Die letzten 20 Jahre haben sich Eric Bloom, Buck Dharma und Co. den Studios dieser Welt verwehrt
und klangen heuer trotzdem so, als wären sie nie weg gewesen. Der Bogen spannt sich von geradlinigem Rock über Heavy Metal bis hin zu düsteren Doom-Anleihen und sogar sanftem Easy-Listening.
Anspieltipp: ›Edge Of The World‹

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Idles, ULTRA MONO, PART ISAN RECORDS/PIAS/ROUGH TRADE

Im George-Floydund Brexit-Jahr kommt die Kompromisslosigkeit der Noisepunk-Agitatoren Idles gerade recht. ULTRA MONO zeigt die Briten noch scharfzüngiger, musikalisch aber auch offener als der gefeierte Vorgänger.
Anspieltipp: ›The Lover‹

32

The Mavericks, EN ESPANOL, MONO MUNDO/THIRTY TIGERS/MEMBRAN

Die kultigen TexMex-Country-SoulRock’n’Roller legten dieses Jahr endlich ihr Spanisch-Debüt vor,
auf dem sie nicht nur stilsicher lateinamerikanische Genreklassiker interpretieren, sondern auch neue
eigene Songs zum Besten geben.
Anspieltipp: ›Recuerdos‹

31

Lemon Twigs, SONGS FOR THE GENERAL PUBLIC, 4AD/INDIGO

Bei den zwei New Yorker Brüdern mag Hipster-Alarm herrschen, aber ihre Stilsicherheit steht nicht in
Zweifel. Ihr GlamRock-Fantasy-Album ist ein bombiges Hörvergnügen – als würden the Darkness sich Elton John widmen.
Anspieltipp: ›No One Holds You (Closer Than The One You Haven’t Met)“‹

Die 50 besten Alben des Jahres 2020 (Platz 50-41)

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Zwölf Monate, hunderte von neuen Alben, tausende von Songs – gute, schlechte, grandiose Stücke. Wer kann da den Überblick behalten? Gut, dass es die CLASSIC ROCK-Redaktion gibt. Wir haben uns auf Zeitreise begeben, uns für euch angestrengt erinnert, haben gesammelt, recherchiert, diskutiert, bewertet und auch gekämpft. Das ist dabei herausgekommen: die 50 besten Alben des Jahres 2020!


Texte: Jacqueline Floßmann, Henning Furbach, Matthias Jost, David Numberger, Paul Schmitz, Markus Werner, Michael Wolf

50

Biffy Clyro, A CELEBRATION OF ENDINGS, WARNER

Die jüngste Top – 5-Platte der Schotten mag ein bisschen innovationsarm ausgefallen sein, doch an der Qualität der Songs gibt es einfach absolut rein gar nichts zu kritteln. The Biff are back – fucking deal with it! Anspieltipp: ›North Of No South‹

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Thundermother, HEAT WAVE, AFM/SOULFOOD

Mit HEAT WAVE wollten Thundermother in diesem Jahr auf den Rock-Olymp. Auch wenn die Pandemie den ambitionierten Schwedinnen einen Strich durch ihr reges Tourleben gemacht hat, so haben sie bewiesen, dass sie neben heißen AC/DC-Eisen auch nachdenklichere Tracks schmieden können.
Anspieltipp: ›Dog From Hell‹

48

Massive Wagons, HOUSE OF NOISE, EARACHE/EDEL

Beim Nachfolger ihres Erfolgsalbums FULL NELSON hat die Band gut Lack abgekratzt und sich
wieder auf ihre dreckigen und ulkigen Ursprünge besonnen. Was heißt, dass HOUSE OF NOISE sogar noch mehr Spaß macht als der Vorgänger.
Anspieltipp: ›Curry Song‹

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Axel Rudi Pell, SIGN OF THE TIMES, STEAMHAMMER/SPV

Über 30 Jahre, inzwischen 18 Longplayer und keinerlei Ermüdungserscheinungen. Seiner Richtung
bleibt Axel Rudi auch auf SIGN OF THE TIMES treu und liefert soliden Hardrock mit deutlich herausfiltrierbarem Blackmore-Einschlag.
Anspieltipp: ›Bad Reputation‹

46

Phil Campbell & The Bastard Sons, WE’RE THE BASTARDS, NUCLEAR BLAST/ROUGH TRADE

Auf ihrem zweiten Werk trauen sich Phil, seine Söhne und Neil Starr etwas heraus aus der allzu klassischen MotörheadSchiene und wagen sich auch in bluesige und manchmal gar schwer melancholische Gefilde vor.
Anspieltipp: ›Waves‹

45

Mark Lanegan, STRAIGHT SONGS OF SORROW, PIAS/ROUGH TRADE

Weit draußen im Kosmos zieht Mark Lanegan einsam seine Bahnen … und lässt hin und wieder ein bisschen von seinem dunkel funkelnden Kometenstaub auf uns hinab rieseln. Diesmal aus einer noch
beschaulich-introspektiveren Galaxie als sonst, aber faszinierend wie immer.
Anspieltipp: ›At Zero Below‹

44

Snowy White & The White Flames, SOMETHING ON ME, SNOWY WHITE/SOULFOOD

Snowy White ist ein wahrer Meister des gefühlvollen britischen Blues, nicht mehr und nicht weniger. Ein kluger, zurückhaltender Kopf, dessen Gitarrenton direkt ins Herz trifft und dessen zerbrechlich vorgetragene Texte zum Nachdenken anregen.
Anspieltipp: ›Another Blue Night‹

43

Lucifer, LUCIFER III, CENTURY MEDIA/SONY

Johanna Sadonis und Nicke Andersson präsentieren sich mit ihrem gemeinsamen Retro-Okkult-Projekt einmal mehr geschmackssicher und vollführen eine wahre Punktlandung. Das bisher beste Album dieser Truppe. Auf dass noch viele weitere folgen mögen.
Anspieltipp: ›Midngiht Phantom‹

42

The Night Flight Orchestra, AEROMANTIC, NUCLEAR BLAST/ROUGH TRADE

Der unfassbare Lauf, den diese Schweden mit ihren perlenden AOR- bzw. ClassicRock-Hymnen seit
acht Jahren haben, will einfach nicht abreißen. AEROMANTIC zündet wieder ein über den Wolken fliegendes 80er-Feuerwerk ab. Großartig.
Anspieltipp: ›Carmencita Seven‹

41

Mr. Bungle, THE RAGING WRATH OF THE EASTER BUNNY DEMO, IPECAC/PIAS/ROUGH TRADE
Mit der Neueinspielung dieses ersten Demos, dessen Songs noch zu High-SchoolZeiten geschrieben, doch nie im Studio aufgenommen wurden, dokumentiert Frontmann Mike Patton einmal mehr seinen genialen Wahnsinn, der ihn seit jenen Tagen antreibt.
Anspieltipp: ›Hypocrites/Habla Español O Muere‹

Metallica: …AND JUSTICE FOR ALL

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MASTER OF PUPPETS hatte sie in die Oberliga katapultiert. Doch nach Cliff Burtons Tod und den neuen Impulsen von Slayer und Guns N‘ Roses war der nächste Schritt für Metallica alles andere als sicher…

M anchmal wird ein Durchbruchsalbum zu einem derartigen Klassiker, dass es den Künstlern die ultimative Freiheit gibt, danach das zu tun, was auch immer sie wollen. Doch genau so häufig ist es der logische nächste Schritt, den Nachfolger diesem Durchbruchswerk so stark wie möglich anzugleichen – ein Sequel, das die ge­­winnbringende Formel wiederholen soll, um so den Status bei den eingefleischten Fans zu zementieren.

In dieser Position befanden sich Metallica, als sie ihr viertes Album planten – nicht nur der Nachfolger ihres ersten Bestsellers MASTER OF PUPPETS, sondern auch ihre erste Platte ohne Bassist und alte Seele Cliff Burton. Die sichere Option wäre es gewesen, MASTER OF PUPPETS II zu machen, um das Erfolgsrezept weiter zu melken, aber auch, um zu be­­weisen, dass der Übergang von Burton zu seinem Ersatzmann Jason Newsted nahtlos vollzogen wurde.

Doch eines Nachmittags im Oktober 1987 setzten sich Schlagzeuger Lars Ulrich und Sänger/Gitarrist James Hetfield zusammen, um darüber zu reden, während sie die „Riff Tapes“ durchgingen – eine Sammlung von Ideen, die vielleicht bei Soundchecks entstanden waren, oder willkürlichen Tonfolgen, die Lars summte und James dann auf seiner Gitarre in Akkorde verwandelte. Und sie beschlossen, keiner dieser Regeln zu folgen und stattdessen konsequent auf etwas zu setzen, dass so völlig anders als alles zuvor war, dass es kaum noch als Metallica erkennbar sein würde. Oder zumindest beschloss Lars das…

Der war noch high vom weltweiten Erfolg der GARAGE DAYS RE-REVISITED-EP und zudem mehr als begeistert von dem revolutionären Sound des Debüts einer gewissen Truppe von Nichtsnutzen aus L.A. namens Guns N’ Roses aus demselben Jahr. Er fand, die Zeit war gekommen, um das Thrash-Metal-Rettungsboot zu versenken und sich in eine ganz neue Richtung zu bewegen. James war unterdessen beeindruckt von Lars’ ununterbrochenen Ab­­sichtserklärungen zur Weltherrschaft. Immer noch verloren und nicht sicher, wie sie ohne Cliffs untrüglichen Bullshit-Radar weitermachen sollten, ließ er seinen Bandkollegen gewähren. Sie würden einfach wie immer die Songs schreiben und sehen, was dabei herauskommt, richtig? Falsch.

An ihrer Arbeitsweise änderte sich zunächst einmal nichts. Die beiden arbeiteten jeweils allein zuhause mit einem Vierspur-Tonbandgerät, Kirk Hammett wurde dann später dazugebeten, um seine Lead-Gitarren-Parts zu schreiben, Jason dagegen überhaupt nicht, unter dem Vorwand, dass es bei nur vier Spuren zu diesem Zeitpunkt ohnehin keinen Platz für den Bass gab. Von den neun Songs, die es letztlich auf das Album schafften – im Wesentlichen alle Kompositionen von Hetfield/Ulrich –, fand sich nur auf drei auch Kirks Name, auf lediglich einem Jasons, und auf einem weiteren noch Cliffs: ein posthumes Stück aus „ein paar Klangfetzen“, die der Bassist auf Band hinterlassen hatte, zu denen James ein vierzeiliges Gedicht mit dem Titel ›To Live Is To Die‹ intonierte, ebenfalls aus Cliffs Feder. Tatsächlich bestand der einzige wesentliche Unterschied darin, die Platte näher an der Heimat in Los Angeles aufzunehmen. Eine Entscheidung, die paradoxerweise auf einer neuen, konservativeren Einstellung – zumindest abseits der Bühne – fußte und dem plötzlichen Wunsch, den jeweiligen Partnerinnen näher zu sein.

Dies war ein Aspekt ihres Lebens, den die jungen Metallica mit aller Macht vor der Presse zu verbergen versuchten, selbst der fast krankhaft plauderfreudige Lars, der untypisch still wurde, als er mich zum ersten Mal seiner britischen Ehefrau Debbie vorstellte. Sie war ein lustiges, blondes Mädchen aus den Midlands, das er 1984 in London kennengelernt und Anfang 1987 geheiratet hatte, in einer kurzen Bandpause, als James sich von seinem gebrochenen Handgelenk erholte, das er sich bei einem Skateboard-Unfall zugezogen hatte. Lars versteckte seine Frau nicht vor der Presse, sie war nur eines der sehr wenigen Themen, über die er nicht sprach. Außerdem war der Womanizer Lars nicht gewillt, sich von einer anderen Person definieren zu lassen, und auch wenn er ganz offensichtlich gerne mit Debbie zusammen war, scheiterte die Ehe nach nur drei Jahren.

Das waren schließlich Lars’ wilde Jahre, und jetzt, wo die Band endlich durch die Decke ging, war es keine gute Zeit, um mit dem größten Partylöwen der Truppe verheiratet zu sein. Wie er später sagte, waren diese Jahre gar so wild, dass Metallica eine Zeitlang überlegten, das Album WILD CHICKS, FAST CARS AND LOTS OF DRUGS zu betiteln. Wie konnte ein bodenständiges englisches Mädchen aus der Arbeiterklasse da auch nur ansatzweise mithalten?

Auch Kirk hatte sich just zu dieser Zeit dazu entschieden, seine hübsche amerikanische Freundin Rebecca (Becky) zu heiraten. Sie gaben sich im Dezember das Jawort, nur wenige Wochen, bevor die Arbeiten an der neuen Platte begannen. Von außen sahen Kirk und Becky wie das perfekte Paar aus, fast wie Spiegelbilder voneinander mit ihren langen, gelockten Haaren, elfenhaften Gesichtern und großen braunen Augen. Sie war albern, ein bisschen versponnen und passte perfekt zu Kirks Image des kiffenden, lässigen, Comics sammelnden Hippies. Doch sein Charakter nahm eine neue, deutlich härtere Facette an, als er begann, seine Rock­starfantasien auszuleben, und Kokain neben Gras zu seiner Lieblingsdroge avancierte. Auch ihre Ehe war nach nur wenigen Jahren vorbei.

Jason hatte sich kurz nach seinem Einstieg bei Metallica von seiner langjährigen Freundin Lauren Collins getrennt, einer College-Studentin aus Phoenix. Seine neue Flamme Judy wurde im kommenden Jahr zur ersten Mrs. Newsted, doch sie ließen sich noch schneller als Lars oder Kirk scheiden, nachdem sie fast sofort zu dem Schluss kamen, dass es ein Fehler gewesen war.

Nur James heiratete zu dieser Zeit nicht, dabei war gerade er am verliebtesten. Seine Freundin Kristin Martinez wur­de später zur Inspiration für einen der beliebtesten Songs der Band überhaupt: ›Nothing Else Matters‹, der Grundstein für ihre noch viel größere Popularität in den 90ern. Doch das war das einzige Mal, dass James seine Beziehung zu Kristen auch nur annähernd in der Öffentlichkeit be­­stätigte. Später ging er gar so weit, zu behaupten, er habe das Stück überhaupt nicht über sie geschrieben, so zutiefst verletzt war er, als diese Beziehung im Zuge des immer monumentaleren Erfolgs der Band in die Brüche ging.

Doch das lag zu diesem Zeitpunkt noch in einer fernen Zukunft. Für das vierte Metallica-Album waren ganz sicher keine Liebeslieder geplant. Stattdessen war Lars entschlossen, einen neuen, härteren Sound zu betonen. Feuer und Flamme für APPETITE FOR DESTRUCTION von Guns N’ Roses, das so viele Schimpfwörter enthielt, dass die Radiosender es nicht spielten, wollte er vor allem sicherstellen, dass Metallica nicht von den „neuen Wichsern im Viertel“, wie er sie nannte, abgehängt werden. Später erinnerte er sich daran, wie er auf einem Flug zurück nach San Francisco ›It’s So Easy‹ hörte, die erste Single von APPETITE, und nicht fassen konnte, wie schamlos frauenfeindlich die Zeile „Turn around bitch, I got a use for you…“ war und wie drastisch das Ende, wo Axl Rose brüllt: „Why don’t you just…fuck off!“

When Rivers Meet: Kreative Beziehungskisten

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Wo viele Paare nach 16 gemeinsamen Jahren entweder die Scheidung einreichen oder in eine Art symbiotische Koexistenz verfallen, ziehen Grace und Aaron Bond nochmal richtig an. Vor fünf Jahren haben die attraktiven Eheleute und Künstler aus England ihre Beziehung auf ein neues Level gehoben und angefangen, miteinander zu musizieren. Erst noch unter dem Banner Holmes & Bond, dann nach der Heirat als When Rivers Meet. Unter diesem Bandnamen haben die beiden alleine in den letzten dreizehn Monaten zwei EPs veröffentlicht und legen jetzt mit WE FLY FREE ihr Debütalbum vor, auf dem sie ihren modernen, kraftvollen und subtil von Goth angehauchten Blues Rock auf zwölf Songs ausweiten. „Wir waren einfach so im Flow nach den beiden EPs, dass wir immer weiter schreiben wollten. Als wir dann auch noch unseren Producer Adam gefunden hatten, gab es kein kreatives Halten mehr. Wir arbeiten schubweise, deshalb ging das alles Schlag auf Schlag“, so Grace, die den Hauptteil der Vocals, die Resonator-Mandoline und diverse Geigen zum Sound beisteuert. Zusammen wohnen, zusammen arbeiten, zusammen Musik machen. Kann das wirklich funktionieren?

„Auf jeden Fall“ meinen die beiden einstimmig im Skype-Interview. „Anfangs mussten wir schon erst einen guten Weg finden, um miteinander kreativ zu sein, ohne ständig zu streiten. Aber eigentlich steckt da bei uns kein großes Geheimnis dahinter, das wir anderen in Form eines Beziehungstipps verraten könnten. Wir sind einfach so ein Paar, das alles miteinander macht. Wenn wir im Studio sind und einer geht schnell Bier holen, dann kommt der andere mit“, erzählt Grace lachend. Einzig und alleine während des Songwritings trennen sie und Aaron sich, zumindest gedanklich: „Mir fällt beispielsweise eine Melodie ein und Aaron schreibt die Lyrics dazu. Dann gehen wir in getrennte Räume und ziehen unser eigenes Ding durch. Manchmal legt mir Aaron fünf Seiten mit Texten hin. Ich suche aus, was mir gefällt und dann formen wir daraus gemeinsam eine Geschichte.“, erklärt Grace diesen Prozess. Viel über die Standardthemen Liebe oder Beziehungskisten komme dabei nicht herum: „Ich schreibe lieber uneindeutige Texte, die auf mehreren Ebenen funktionieren. Die sich der Hörer selbst auf seine Lebenswelt zuschneiden kann.“, so Gitarrist und Sänger Aaron.

Seine Frau ergänzt: „Wir haben eher maskuline Texte, wenn man das so sagen kann und keine soften Erzählungen. Nicht, dass mit solchen Geschichten etwas falsch wäre, aber ein simples Liebeslied würde Aaron einfach nicht in den Sinn kommen. Der romantischste Song, den wir haben, ist wahrscheinlich ›Bury My Body‹.“ Bei so viel Konsens überrascht es nicht weiter, dass die beiden auch gemeinsam entschieden haben, ihre Jobs gleichzeitig an den Nagel zu hängen, um sich vollkommen auf die Musik zu konzentrieren. Während viele ihrer Kollegen eine solche Entscheidung gerade zu Corona-Zeiten zutiefst bereuen, haben When Rivers Meet von diesem Wendepunkt in ihrem Leben richtig profitiert: „Jeden Samstag gehen wir live auf Facebook. Wir plaudern mit unseren Fans, spielen ein paar Songs, hängen gemeinsam ab. Wir bringen eine angenehme Atmosphäre in das Zuhause der Zuschauer. Seit wir das regelmäßig machen, ist die Anzahl unserer Follower explodiert und wächst ständig.“

Damit das in Zukunft auch so bleibt, streamt das Paar während der Corona-Pandemie munter weiter: „Wir konzentrieren uns wirklich voll auf Online, damit wir mit einer großen Fanbase durchstarten können, wenn ein normales Touren wieder möglich ist. Grundsätzlich versuchen wir immer, uns auf das zu konzentrieren, was wir tun können und nicht auf das, was nicht geht. Und wenn das neue Album veröffentlicht ist, fokussieren wir uns auf das nächste.“

Spirit Adrift: An der Schmerzgrenze

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Mit ENLIGHTENED IN ETERNITY hat Mastermind und Multiinstrumentalist Nate Garrett ein Album erschaffen, das mit ihm und seiner Persönlichkeit gewachsen ist und den Anspruch erfüllen musste, das
beste Werk zu sein, zu dem er zum Entstehungszeitpunkt imstande war. Er wollte, dass es klassisch und zeitlos klingt und darüber hinaus respektiert werden würde – ohne dabei jedoch Rücksicht auf finanzielle Aspekte oder aktuelle Trends zu nehmen. Jener Authentizitätsanspruch tönt dem Hörer dieser Platte aus jeder Rille entgegen. Genau deswegen klingen die acht ehrlichen Songs exakt so, wie sich der Künstler während des gesamten Prozesses gefühlt hat.

Über allem schwebte bei den Aufnahmen im Januar der Tod seines geliebten Hundes: „Das war vielleicht die krasseste emotionale Verfassung, in der ich mich im Studio jemals befand. Auf einer persönlichen Ebene erschwerte dieser Vorfall den ganzen Prozess ziemlich und ich denke, man kann meinen Schmerz aus der Platte heraushören. Aber immerhin entstehtgroße Kunst ja meistens aus großem Leid“.

Gebündelt finden all diese Emotionen Ausdruck im epischen Schlusstrack ›Reunited In The Void‹. „Dieses Lied war echt schwer zu singen, weil es sich mit Trauer, Tod und dem, was danach kommt, beschäftigt. Genau wegen dieser Themen empfand ich damals ziemlich viel, ziemlich echten Schmerz. Was hierbei auch heraussticht: Wir haben ein komplett anderes Gitarren-Setup benutzt. Zum ersten Mal haben wir einen Southern-Rock-Vibe à la Lynyrd Skynyrd kreiert. Dann sind da natürlich noch die Möwenschreie, die an Pink Floyd erinnern, und am Ende dieser ZZ-Top-mäßige Groove und die psychedelischen, doppelt aufgenommenen Soli. Wir haben sogar die Halsbänder unserer toten Hunde benutzt, um eine Art Percussion-Part aufzunehmen“, so Nate.

Als Gegenstück und gleichzeitig zweites Rahmenteil all dieser Gefühle, die auf ENLIGHTENED IN ETERNITY Ausdruck finden, kann hingegen der Opener gewertet werden: „Als ich ›Ride Into The Light‹
schrieb, fühlte ich diesen Anflug von Triumph und Kraft. Der Song verlieh mir einen Schub an Energie und ein Gefühl von Hoffnung. Schon da hatte ich Artwork und Titel vor Augen“, erklärt der Künstler weiter. Wenn man diesem Mann beim Reden zuhört, wird schnell klar, dass er die Kunst als Ventil braucht wie die Luft zum Atmen. Auch deshalb haben Spirit Adrift so einen beständigen Veröffentlichungsrhythmus: „Das ist nun mal meine Aufgabe auf dieser Erde. Ich mache Musik und versuche dadurch, anderen so zu helfen wie mir Musik in meinem Leben geholfen hat. Ich schreibe ständig, ich spiele ständig“.

Er selbst hört vor allem Classic Rock, alten Country und Oldschool Metal und verbindet diese Einflüsse zu einer tief in der Musikhistorie verwurzelten und doch eigenständigen Spielart des Heavy Metal, deren Nachwehen in Zukunft einmal wie folgt in die Annalen er Geschichte eingehen sollen: „Spirit Adrift hielten wahren Heavy Metal und Hardrock am Leben, auch wenn der Großteil der Menschen in ihrer Heimat von Müllmusik besessen war“.

Rick Parfitt im Interview: Der Stand der Dinge

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Rick Parfitt von Status Quo liveVor seinem Tod im Dezember 2016 trafen wir Rick Parfitt zu einem exklusiven Interview, in dem er ahnte, dass er möglicherweise zum letzten Mal mit Status Quo „all over the world“ gerockt hatte.

Nach einem Status Quo-Konzert am 14. Juni 2016 erlitt Rick Parfitt einen Herzinfarkt und war mehrere Minuten lang klinisch tot. Nach seiner Rückkehr unter die Lebenden wurde er von den Ärzten angewiesen, sich „mindestens für den Rest des Jahres“ soviel Ruhe wie möglich zu gönnen. Bei den letzten „elektrischen“ Konzerten der Band konnte er somit nicht dabeisein. Schlimmer noch: Der Manager Simon Porter räumte ein, dass „Rick unter Umständen seine letzte Show mit Quo gespielt hat, auch wenn die endgültige Entscheidung erst im nächsten Jahr fällt“, wenn die Band den Stecker zieht und zum Akustik-Act wird.

Nach dieser Tortur sagte Parfitt zu „Sky News“: „Ich will nicht auf die Bühne gehen und vor den Fans tot umfallen.“ Seine kognitiven Fähigkeiten wurden ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen, wofür er sich einer neuropsychologischen Therapie unterzieht. Den Fans wurde außerdem mitgeteilt, dass nicht nur die körperlichen Anstrengungen, sondern auch Ricks Angst, ein Konzert in ganzer Länge oder auch nur einen kurzen Gastauftritt absolvieren zu müssen, lebensbedrohliche Komplikationen auslösen könnten.

Während unseres exklusiven Interviews erholt er sich gerade unter der Sonne des Mittelmeers mit seinem Sohn Harry. „Ich halte mich auf ärztliche Anweisung von der letzten elektrischen Tour fern“, fängt er an und klingt entspannt, glücklich und ruhig. „Bis Weihnachten muss ich mich ausruhen. Und das nehme ich sehr ernst, also bin ich hier in Spanien, sitze herum, schreibe Songs und habe eine tolle Zeit.“

Wie geht es dir jetzt gesundheitlich?
Ich würde sagen, ich habe mich vollständig er­holt. Mit jeder Woche geht es mir besser und besser. Ich weiß nicht, ob das noch viel besser werden kann, denn ich fühle mich so gut wie vor dem Infarkt. Also kann ich nicht klagen. Die Fahrprüfung habe ich auch gerade bestanden – in meinem Alter [68] ein unglaublicher Stress –, also bin ich wieder mobil, was einen großen Unterschied macht.

An was kannst du dich von den Geschehnissen in der Türkei erinnern?
Rein gar nichts. Davor spielten wir [am 9. Juni] auf dem Isle Of Wight Festival, und das Letzte, woran ich mich erinnere, ist dass ich in meiner Koje im Tourbus war und über den Bug des Schiffs auf die Insel am Horizont blickte. Ich kann mich weder an den Auftritt dort erinnern noch an den Flug in die Türkei oder die Show dort. Und ich habe keine Ahnung, wie ich plötzlich auf dem Boden ge­­landet bin. Was noch unglaublicher ist: Der komplette Monat danach ist weg.

Du hast einen ganzen Monat verloren?
Ich habe keinerlei Erinnerung daran, wie ich [nach England] zurück gekommen bin. In der Türkei war ich, glaube ich, zwei Wochen auf der Intensivstation. Daran kann ich mich auch nicht erinnern. Man hat mir gesagt, dass die Ärzte sehr bemüht waren, aber wenig Hoffnung hatten, dass ich durchkommen würde. Meine Familie kam. Mein zweitältester Sohn Harry zeigte mir später Aufnahmen von mir im Bett am Tag danach. Da trage ich eine Sonnenbrille, einen Hut, spiele ›Imagine‹ auf der Gitarre – und auch daran habe ich keinerlei Erinnerung.

Du wurdest dann zurück nach Großbritannien geflogen.
Offenbar habe ich an Bord eine Szene ge­­macht, weil ich das Flugzeug selber fliegen wollte. Sie mussten mich festbinden – zumindest sagte man mir das. Ich erinnere mich an nichts. Meine erste Erinnerung zu­­rück in London ist mein Herzchirurg Jonathan Craig, der mich fragte, ob ich wüsste, wo ich bin. Ich sagte: „Natürlich, ich bin in Marbella.“

Gab es vor der Türkei irgendwelche Warn­­signale?
Eine Freundin erzählte mir, ich hätte ihr vorher gesagt, dass ich mich nicht gut fühlte und nicht fliegen wollte. Aber richtig schlecht ging es mir auch nicht. Rhino [Quo-Bassist John Edwards] sagt, ich habe beide Shows perfekt gespielt – das waren tolle Gigs. Ich wünschte, ich könnte mich an sie erinnern. Das ist das erste Mal, dass ich fünf Wochen meines Lebens verloren habe.

Du hast ja oft behauptet, dass du in den letzten Jahren gesund gelebt hast. War das wirklich wahr?
(etwas pikiert) Natürlich! Ich bin auf ein paar Partys bei Freunden gewesen, wo es mich total genervt hat, den ganzen Abend Wasser zu trinken, während alle anderen ein schönes Glas Rotwein genossen. Mein Herzchirurg hat gesagt, ich könne ein oder zwei Gläser trinken, aber nicht die ganze Flasche, und daran halte ich mich auch. Ich trinke zwei, maximal drei Gläser Wein. Das reicht, damit ich zu kichern anfange und mich entspanne.

Wir fragen, weil uns Francis Rossi mal erzählt hatte, dass du „getrunken und heimlich draußen geraucht“ hast, als er dich nach einem dreifachen Bypass 1997 im Krankenhaus besuchen kam …
Das war nach der allerersten Operation. Damals gab ich noch Vollgas und lebte noch den Rock‘n‘Roller-Lifestyle.

Aber du siehst vermutlich, worauf wir hinaus wollen … Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht?
Na ja, wie ich sagte, die zweite Operation hat mich dann auf den Boden der Tatsachen geholt. Ich konnte nicht mehr weitermachen wie zuvor.

Du hast auch gesagt, dass du jetzt den Preis für ein ganzes Leben voller Rock‘n‘Roll-Exzess bezahlst.
Das ist wohl wahr. Anders kann man das nicht betrachten.

Fortsetzung auf Seite 2