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King Gizzard & The Lizard Wizard: Gemeinsame Sache

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Wer im Psychedelic-Rock zuhause ist, kümmert sich nicht groß um das Treiben auf Mutter Erde. Für King Gizzard & The Lizard Wizard gilt das nicht mehr. Schon vor Entstehung des neuen Albums K.G. fühlte sich dieses Jahr für die Australier schlimm an.

Über Zoom ist Anführer Stu Mackenzie immer noch wegen der verheerenden Buschfeuer schockiert. „Dieses Mal waren auch Gebiete betroffen, die sonst vom Feuer verschont geblieben sind. Tiere starben und wurden aus ihrem Lebensraum vertrieben. Wir haben als Reaktion darauf unsere Archive durchstöbert und Live-Aufnahmen aus Brüssel, Adelaide und Paris gefunden, die konnten wir veröffentlichen. Die Leute laden sich das immer noch herunter, auf diese Weise bekommen Tierheime
weiterhin Spenden von uns.“ Bekanntermaßen wurde es danach nicht besser. Anfänglich hielt man sich Down Under während der Pandemie gut, dann gab es in Melbourne einen Lockdown, der wohnortbedingt auch King Gizzard traf. „Bisher standen wir gemeinsam in einem Raum und interagierten miteinander. Das war total unser Ding. Jetzt haben wir uns ein paar Mikros geschnappt und alles zu Hause aufgebaut. Erst war das seltsam, fühlte es sich doch uninspiriert an. Aber mit der Zeit merkten wir, wie man aus den Bedingungen das Beste macht.“

Improvisation ist für King Gizzard nichts Neues. Beim Vorgänger, INFEST THE RATS NEST, konzentrierte man sich auf harten Sound, außerdem gab es Ablenkungen. „Eric, einer der Drummer, musste sich um das Label Flightless kümmern, er ist jetzt nicht mehr dabei. Lucas, der Bassist, wurde Vater. Ambrose und Cook waren mit The Murlocs unterwegs. So waren nur noch ich, Joey und Michael übrig – genau die drei Leute in der Band, die sich am schnellsten auf Heavy Metal einigen können.“ Auf K.G. geht es um mehr Gruppendynamik. „Alle waren online am Prozess beteiligt. Das hat uns in gewisser Weise befreit. Wir wollten dieses Mal nicht wieder eine Idee wie in einer Genreübung kompromisslos durchziehen. Es hört sich nach uns allen an, daher passt für das Album der selbstbetitelte Name.“

Entscheidend für das Verständnis von K.G. ist laut Stu auch der Umgang mit Mikrotonalität. „Für uns macht es bei dieser Art von Sound einfach Klick. Das war schon auf mehreren unserer Alben so, ganz besonders auf FLYING MICROTONAL BANANA. Trotzdem fühlt es sich immer noch an, als spielten wir in
einer Pfütze. Wir sind noch nicht mal ansatzweise zum Ozean der Möglichkeiten vorgedrungen.“ Hat es auch mit einem inneren Drang zu tun, andere Kulturen der Welt in Zeiten der Anspannung zu umarmen? „Wir haben ein paar Mal in Istanbul gespielt und sind dort stets sehr herzlich empfangen worden. Einige Fans wunderten sich nach der Show, warum ausgerechnet eine australische Band sich so intensiv mit türkischem Folk auseinandersetzt. Da sagte ich ihnen: Ich liebe eure Musik.“ Man kann King Gizzard aus verschiedenen Gründen ins Herz schließen. Sie sind produktiv, unberechenbar, live und überhaupt ein Ereignis. Und dann stimmt auch noch die Einstellung. Wunderbar!

Was machen eigentlich Circus Of Power?

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Der Hairmetal pfeift mehr oder weniger aus dem letzten Loch und der Grunge ist noch nicht in Fahrt gekommen. Zum Ausgang der 80er treibt vorübergehend ein Rock- und Metalbastard namens Sleaze sein Unwesen. Schmutzige und böse Truppen wie Rhino Bucket, Little Caesar und Circus Of Power bestimmen das Genre. Während die ersten beiden die Westküste mit ihrem ruppigen Hardrock unsicher
machen, stammen Circus Of Power von der Ostküste. Mit Lederjacken, schweren Boots und Tätowierungen haben diese Combos und besonders Circus Of Power eine große Affinität zur Bikerszene und sind heute noch gern gesehene Gäste auf Runs und Rallies in Amerika.

Auf dem Rücken von Sänger Al Mitchell prangt riesig das Cover von Molly Hatchetts FLIRTING WITH DISASTER mit dem ikonischen Motiv von Frank Frazetta, nach eigenen Angaben Mitchells Lieblingskünstler. So viel also zu Attitüde! Mitchell gründet die Bike-Booze-BadassBand 1986 in New York. Man macht einige Jahre die Metropole unsicher, bevor man einen Deal bei RCA landet und 1988 das Debüt veröffentlicht.

Besonders die Single ›Motor‹ macht dank MTV-Einsatz auf die tätowierte Truppe aufmerksam. Was die Charts angeht, bleibt CIRCUS OF POWER und das zwei Jahre später folgende VICES irrelevant. Diese
Tatsache und dazu der eingangs erwähnte Grunge lassen bei Circus of Power 1995 nach MAGIC & MADNESS den Motor ausgehen. 2006 werden die In strumente für zwei Shows zum 20-jährigen Jubiläum und vereinzelte ReunionGigs wieder angeschmissen. Zu einer richtigen Fortsetzung kommt es aber erst 2014. Einziges Originalmitglied ist inzwischen Sänger Mitchell, der bis heute fest den Lenker in der Hand hält.

2016 wird die Single ›American Monster‹, wieder mit Bike-Bezug aufgenommen und ein Jahr später erscheint mit FOUR bei Noize in the Attic-Records ein neues Album. Hier wird auch die brandneue EP THE PROCESS OF ILLUMINATION mit sechs neuen Nummern veröffentlicht. Ganz aktuell haben Mitchell
und Co. den 67er-Country-Hit ›Ode To Billie Joe‹ gecovert. Zur derzeitigen Besetzung gehört unter anderem Gitarrist Billy Tsounis. Stoner-Hero Brant Bjork, der auf FOUR spielt, ist laut Tsounis kein festes, aber Ehrenmitglied. Des Weiteren hat Mitchell derzeit unbekanntere Musiker dabei, „da wir von unserem Originalbassisten die letzten 20 Jahre nichts gehört haben und unser Ur-Drummer dieses Jahr Selbstmord begangen hat“, wie er berichtet.

Mit dem Buch „Carrie: Confessions To A Dead Lover“ hat er heuer eine „over the top punk rock love story“ geschrieben. Dieses Jahr sollen noch zwei neue Videos erscheinen und laut Label-Chef Damon Marzano 2021 ein weiterer Longplayer. Für den entstehen gerade die Songs: „Wir sind damit beschäftigt, in diesen unsicheren Zeiten in die Zukunft zu kommen. Mit voller Lautstärke!“

Die ultimative Heavy-Metal-Playlist (Teil 1)

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Heavy Metal PlaylistZum heutigen Geburtstag von Gene Simmons und Rob Halford hier unsere ultimative Oldschool-Playlist für Heavy-Metal-Liebhaber.

(Texte: Geoff Barton, Malcolm Dome, Lee Dorrian, Ian Fortnam, Paul Henderson, Dave Ling, Siân Llewellyn, Scott Rowley, Jonathan Selzer, Henry Yates)

›Black Sabbath‹ – Black Sabbath (1970)
Es begann mit dem feuchten Trommeln des Regens und dem fernen Läuten einer Kirchenglocke. Für die Atmosphäre war somit gesorgt, dann eröffneten die Sabs ihr Studiokonto und legten los. Tony Iommis Riff im Begräbnistempo brummte vor Sündigkeit und Ozzy Osbournes unheimliche Beobachtung einer „Figur in Schwarz, die auf mich zeigt“ lässt einen bis heute über die eigene Schulter blicken. Genau hier wurde der Heavy Metal geboren.

›Master Heartache‹ – Sir Lord Baltimore (1970)
Schlagzeuger/Sänger John Garner hielt sich hier kein bisschen zurück: Er klingt auf diesem tosenden, gitarrenzermürbenden Killersong wie ein Mann, der von Herzensangelegenheiten ernsthaft beschädigt wurde.

›Guts‹ – Budgie (1971)
Der prügelnde Tieftonbass von Burke Shelley, kombiniert mit einem langsamen, Sabbath’esken Groove, macht diesen Song zu einem absoluten Muss in der Sammlung jedes langhaarigen Heavy-Freaks.

›The Ripper‹ – Judas Priest (1976)
Die Zukunft des Metal war im Wandel, und diese Band sollte in der Speerspitze dieses Umbruchs sein. Es war ihnen damals vielleicht nicht bewusst, aber Rob Halfords Gesang würde eine ganze Generation von Kreischern inspirieren. Ein Heavy-Metal-Schock der allerbesten Art.

›Ace Of Spades‹ – Motörhead (1980)
Steppenwolf mögen die Ersten gewesen sein, die von „heavy metal thunder“ sangen, doch kein Song illustriert ihn besser als Lemmys gnadenlose Ode an Karten, Würfel und den Tanz mit dem Teufel. Glücksspiel mag für Narren sein, doch mit so einem Soundtrack dazu ist es genau das, worauf wir stehen, Baby …

›Back In Black‹ – AC/DC (1980)
Mit einem Riff, das Tausende identische Kopien inspirierte, war das Titelstück von AC/DCs erstem Album mit Brian Johnson am Mikro eine furchteinflößende Absichtserklärung. An der Saitenarbeit gibt es nichts zu kritteln und Angus blies uns gleich mit zwei Soli über den Haufen. Als Metalhymne oft nachgeahmt, aber bis heute unübertroffen.

›Last Caress‹ – Misfits (1980)
„I got something to say, I killed your baby today …“ Vocals im Stil von Dave Vanian, ein Backing-Track à la Ramones und ein paar wirklich kranke Textzeilen – und der Horrorpunk ward geboren. Zukünftige Mitglieder von Metallica und Guns N’ Roses schworen, Misfits-Songs zu covern, wenn sie erwachsen sind.

›Wheels Of Steel‹ – Saxon (1980)
Die Bestien aus Barnsley brachten frischen Wind in die NWOBHM mit diesem treibenden Track, der sich auf die goldene Ära von Motörhead und AC/DC zurückbesinnte. Dabei klang er dennoch zeitgemäß, teils dank einer sehr direkten Produktion, die seine Kraft nur verstärkte.

›Crazy Train‹ – Ozzy Osbourne (1980)
Nach seinem Rausschmiss bei Black Sabbath veröffentlichte Ozzy eine Debüt-Solosingle, die bewies, dass er seines Titels „Fürst der Finsternis“ nach wie vor würdig war. Im Gespann mit Gitarrist Randy Rhoads verband ›Crazy Train‹ eine Basslinie im Stil von ›Papa Was A Rolling Stone‹ mit einem der großartigsten Gitarrensoli im Metal überhaupt.

›Black Metal‹ – Venom (1982)
Diese Streuner aus dem Nordosten Englands schafften es irgendwie, nicht nur eines, sondern gleich zwei komplette neue Genres zu erschaffen: Death Metal und, wie auf diesem magenumdrehenden Song zu hören, Black Metal. Nie zuvor hatte irgendjemand Musik wie diese gehört. Und niemand wollte jemals wieder Musik wie diese hören. Und doch: Inspiriert vom düsteren Gehabe von Cronos und seinen Kumpels, sollten Venom bald hunderte gleichgesinnte Bands folgen.

›Number Of The Beast‹ – Iron Maiden (1982)
Das Titelstück des ersten Maiden-Albums mit dem neuen Frontmann Bruce Dickinson definierte die Metal-Blaupause, die die Briten dann in den folgenden Jahren zu Rekord um Rekord führen sollte. Adrian Smiths und Dave Murrays verwobene Sechssaiter zeigten der Welt, dass Bands mit zwei Gitarren nicht wie Thin Lizzy klingen mussten, während Dickinsons ABC-Sirenenheulen und Steve Harris’ donnernder Bass den Sound perfektionierten.

›Am I Evil?‹ – Diamond Head (1982)
Von Metallica international populär gemacht, war dies komischerweise einer der Songs, auf denen das Thrash-Genre aufbaute. Warum komischerweise? Weil Diamond Head eigentlich mehr von Led Zep als Motörhead inspiriert waren. Doch ›Am I Evil?‹ wurde mit seinem Tempo, seiner Kraft und seinen düsteren Absichten zum Vorbild für vieles, das in den 80ern kommen sollte.

›Creatures Of The Night‹ – Kiss (1982)
Kiss mögen in den Jahren zuvor etwas von ihrem Weg abgekommen sein, doch diese Nummer brachte sie wieder zurück in die Spur als eine der größten Hymnenbands aller Zeiten. Mit einem mächtigen Riff und einem massiven Refrain gewannen sie hier das Metal-Publikum wieder zurück.

›Holy Diver‹ – Dio (1983)
Nach erfolgreichen Engagements bei Rainbow und Sabbath machte Ronnie James Dio solo weiter und gab mit dem Titelstück des ersten Dio-Albums gleich mal ein beeindruckendes Statement ab. Es umfasste alles, womit er sich einen Namen gemacht hatte: einen eloquenten Text, eine mysthisch inspirierte Melodie, einen emporschießenden Gesang und eine bewegende Gitarre.

›Rock You Like A Hurricane‹ – Scorpions (1984)
Der prägende Song schlechthin in der langen Historie der deutschen Metalhelden. Als unaufhaltsames Marsch­lied verband er eine potente Melodie mit intensiven Muckerfähigkeiten. Einer der Hits, die Musik mit massiven Frisuren in die Charts katapultierten.

›Animal (Fuck Like A Beast)‹ – W.A.S.P. (1984)
Verträumte Romantik war hier gänzlich fehl am Platz, als W.A.S.P. den Liebesakt auf einen primitiven, animalischen Vorgang reduzierten. ›Fuck Like A Beast‹ testete die Grenzen des Anstands im Metal aus und befand sie für ungeeignet. Als „Kerrang!“ Blackie Lawless auf dem Cover präsentierte, wurde die Ausgabe von einem großen britischen Zeitschriftenhändler boykottiert – weil er blutverschmiert war, nicht weil er den Gebrauch des F-Worts anregte.

›We Care A Lot‹ – Faith No More (1985)
Als Chuck Mosley zum knackigsten Slap-Bass-Riff aller Zeiten pseudorappte, dass sich seine Generation in der Tat um „Katastrophen, Brände, Überschwemmungen und Killerbienen“ Sorgen mache, ebenso wie um das „NASA-Shuttle, das ins Meer fällt“ – geschickt punktuiert von „Big“ Jim Martins Gitarre –, war dies das erste Anzeichen dafür, dass Funk und Metal fröhlich Seite an Seite existieren konnten.

›Angel Of Death‹ – Slayer (1986)
Slayer versetzten den Mainstream mit REIGN IN BLOOD in Angst und Schrecken, und der Opener darauf ist absolut furchterregend. Mit ihrer Verbindung aus kontroversem Text (die Geschichte von Nazi-Arzt Josef Mengele) und einem ohrenbetäubenden Soundtrack definierten die Thrasher aus Los Angeles völlig neu, was es hieß, eine Metalband zu sein. Ihr Sound war schneller, fieser und brutaler als alles bisher Dagewesene.

›I Am The Law‹ – Anthrax (1987)
Anthrax waren nicht die erste Metalband, die einen Comichelden in ihren Texten verewigte, doch diese fast funky Hommage an Judge Dredd war eine bemerkenswerte Evolution von ihren geradlinigeren Thrash-Wurzeln.

›Baptized In Blood‹ – Death (1987)
„The first word in death metal“, so bezeichnete sich die Band selbst. Und das stimmte. Aufgebaut um die fiebrige Muse des verstorbenen Chuck Schuldiner, erschuf dieses Paradestück eine urtümliche, erschlagende Atmosphäre, die dampfhämmernde Tieftöner mit der Geschwindigkeit des Thrash verband und so ganz neue Dimensionen lasziven Horros auslotete.

›Eyes Of A Stranger‹ – Queensrÿche (1988)
Das Konzeptalbum OPERATION: MINDCRIME gilt bis heute als Maßstab für Prog-Metal. ›… Stranger‹ verband einen intelligenten Text mit komplexer Musik – inklusive einer genialen Doppel-Gitarrenlinie –, und bot dennoch genug Gelegenheit, um richtig schön zu headbangen.

›Eagle Fly Free‹ – Helloween (1988)
Mit einer textlichen Mischung aus weiser Prophezeiung („Nowadays, the air’s polluted, ancient people persecuted, that’s what mankind contributed, to create a better time“) und Absurdem („In the sky a mighty eagle doesn’t care ’bout what’s illegal“) verpassten Helloween einer bereits existierenden Blaupause Feinschliff und machten sie so noch besser. Gesungen von Michael Kiske in unmöglich hohen Tönen, befasst sich ›Eagle Fly Free‹ mit Themen wie Selbstermächtigung, Individualität und der Dummheit der Autoritäten, gekrönt von dem ermutigendem Abschied „Together we’ll fly someday“. Genial.

›Walk‹ – Pantera (1992)
In einer Zeit, in der frischer Wind nötig war, um das härteste Ende des musikalischen Spektrums neuzubeleben, trat der strahlendste neue Gitarrenstar des Metal ins Rampenlicht: Dimebag Darrell, ein Mann, der das Riff mit seinem stolzierenden, bleischweren Groove praktisch völlig neu erfand. Die Band schaffte es, den klassischen Metal-Ansatz von Sabbath und Metallica ordentlich durchzuschütteln, und verlieh ihm so im Angesicht der Grunge-Dominanz eine neue Relevanz.

›Ride‹ – Cathedral (1993)
Nach dem verstörend finsteren Gelärme ihrer frühen Veröffentlichungen begaben sich Cathedral auf ihrem zweiten Album in psychedelische, drogenbenebelte Gefilde, deren groovige Energie und surreale Texte eines verrückten Weisen sich als prägend für den Doom und Stoner Rock erweisen sollten. ›Ride‹ ist eines der denkwürdigsten Stücke, die sie aufnahmen, und das Riff im Stil der „Doctor Who“-Titelmelodie ist für die Ewigkeit.

›Davidian‹ – Machine Head (1994)
Als Machine Head ihr Debütalbum veröffentlichten, hatte sich der Thrash in seinem eigenen Mythos verlaufen. Doch dieser Song gab dem Genre mehr als jeder andere neue Impulse. Während sich Teile der Metal-Welt dem NuMetal zuwandten, bewies ›Davidian‹, dass man auch mit dem Festhalten an traditionellen Werten in eine dynamische Zukunft weisen konnte. Es war die wichtigste Thrash-Hymne seit vielen Jahren.

Die besten Alben des Jahres 2020: Die Top 5

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Zwölf Monate, hunderte von neuen Alben, tausende von Songs – gute, schlechte, grandiose Stücke. Wer kann da den Überblick behalten? Gut, dass es die CLASSIC ROCK-Redaktion gibt. Wir haben uns auf Zeitreise begeben, uns für euch angestrengt erinnert, haben gesammelt, recherchiert, diskutiert, bewertet und auch gekämpft. Das ist dabei herausgekommen: die 50 besten Alben des Jahres 2020!
Texte: Jacqueline Floßmann, Henning Furbach, Matthias Jost, David Numberger, Paul Schmitz, Markus Werner, Michael Wolf

5

Chris Stapleton, STARTING OVER, UNIVERSAL

Eine neue Country-Zeitrechnung startete vor fünf Jahren. Da legte ein haariger Brummbär bei den CMA Awards eine Siegesserie hin und sang bei seiner Performance von ›Tennessee Whiskey‹ seinen Duett-Starpartner Justin Timberlake an die Wand. Chris Stapleton, das merkte auch das US-TV Millionenpublikum, war der real deal. Am nächsten Montag war sein Debüt TRAVELLER landesweit vergriffen. Es steht heute bei unglaublichen 3 Millionen Verkäufen. Aber der Spätstarter, bis dahin als Frontmann von Kennerbands (z. B. The Steel Drivers) und Nashville-Hitschreiber hinter den Kulissen aktiv, hat sich mit seinem rasanten Ruhm nie richtig angefreundet. Als wollte Stapleton seine neuen Mainstream-Fans wieder ausfiltern, waren FROM A ROOM VOL. 1 bzw VOL. 2 (beide 2017) nichts Halbes und nichts Ganzes. Wenn man so will, ist STARTING OVER endlich der wahre Nachfolger von TRAVELLER. Die Platte, mit der sich der Millionenseller seiner Rolle als Aushängeschild des „real Country“ für die Massen stellt, sie bewusst ausfüllt und ein Statement setzt. Auf der er einen Rundumschlag abgibt, von räudigem Southern Rock über filigrane Americana und deftigen Roots-Blues alles abdeckt – und das immer enorm gekonnt. Bei einer Produktion, die ihr Budget gerne ausschöpft
(›Cold‹ ist halb Delta-Blues, halb Bond-Theme), aber auch weiss, wann sie sich zurückhalten muss (siehe den feinen Folk von ›Joy Of My Life‹).
Anspieltipp: ›Arkansas‹ (Henning Furbach)

4

Ozzy Osbourne, ORDINARY MAN, SONY

Just an dem Tag, an dem dieser Text geschrieben wurde, hätte Ozzy Osbourne das München-Konzert
seiner „No More Tours 2“-Tour geben sollen. Das schon einmal verschobene wohlgemerkt, denn ursprünglich hätte der Event bereits 2019 stattfinden sollen. Erst Lungenentzündung, dann Corona
– nun wurde das LiveSpektakel gleich für 2022 angesetzt. Ob der MetalMonolith mit einer Vorliebe für Fledermäuse und Ameisen das überhaupt noch erleben wird? Schon vor dem Release des sehnsüchtig erwarteten ORDINARY MAN am 21. Februar ließ der Prince Of Darkness im Januar dieses Jahres verlauten, er habe Parkinson (was bereits 2019 diagnostiziert wurde). Kein Wunder also, dass sich die
Platte von der ersten bis zur letzten Note wie ein Abschied anhört. Ozzy zieht seine Lebensbilanz, zeigt sich reuevoll, aber auch kämpferisch, und stellt sich fortwährend die Sinnfrage. Oder rätselt, wie sich das mit dem Leben nach dem Tod wohl anfühlen mag. Trotzdem ist dieses Requiem-hafte Werk alles andere als weinerlich. Im Gegenteil: Ozzy hatte schon lange nicht mehr so viel gute Songs auf einer Platte. Ob das mit Sir Elton John eingespielte, beatleseske Titellied (GänsehautAlarm!), das fies rockende ›Under The Graveyard‹ oder die stark an amerikanische Soundpattern angelehnte Dystopie ›Today Is The End‹: Ozzy serviert einen Knaller nach dem anderen. Selbst eine vermeintliche Markt-Anbiederung wie das von Post Malone aufgepeppte ›It’s A Raid‹ funktioniert im Ozzy-Universum. Noch
einmal die Sau rauslassen: ORDINARY MAN gerät trotz Schwanengesangsattitüde zum ultimativen Diary of a madman!
Anspieltipp: ›Under The Graveyard‹ (Markus Werner)

3

Psychedelic Furs, MADE OF RAIN, COOKING VINYL/SONY

Sie standen nie in der ersten Reihe, wurden nie zu den ganz großen Ikonen der 80er gerechnet und hatten nie den einen Hit, der auch weniger beleckten Zeitgenossen bis heute ein Begriff wäre – doch es sagt viel über die tatsächliche Bedeutung der Psychedelic Furs aus, dass fast 30 Jahre nach ihrer letzten Platte mit neuem Material noch einiges Aufhebens um ihre Rückkehr gemacht wurde. Das mag zum einen daran liegen, dass sie bei ihren Fans dank einigermaßen fleißiger Live-Aktivitäten über die vergangenen 15 Jahre hinweg nie ganz in Vergessenheit gerieten. Vor allem aber ist es der Tatsache geschuldet, dass ihr anhaltender musikalischer Einfluss sich erst aus der Distanz der Dekaden offenbarte. Zahllose Acts nennen sie heute als Inspirationsquelle, und in jeder Band des neuen Millenniums, die in Richtung Wave und 80s-Indie schielt, kann man die Spuren von Richard Butler & Co. hören. Was natürlich längst nicht automatisch heißt, dass man anno 2020 noch ein neues Album
der Briten braucht. Wie so oft bei kultisch verehrten Formationen, die nach langer Schaffenspause wieder ein kreatives Lebenszeichen von sich geben, lautet die bange Frage also: Kann das dem Vermächtnis irgendetwas Hörenswertes hinzufügen oder schmälert es eher dessen Relevanz? Und wird das dann zu einem irritierenden Versuch, sich seinen Platz in der Gegenwart mit gezwungen klingender Trendsurferei zu erkämpfen, oder gar nur ein platter Abklatsch vergangener Ruhmestaten? In diesem Fall ist so ziemlich das Beste daraus geworden, was man sich erhoffen konnte. Auf MADE OF RAIN können die Psychedelic Furs ihr größtes Ass im Ärmel nämlich effektvoll wie nie ausspielen: Sie hatten schon immer ihren ganz eigenen Sound, der sich nie wirklich einer Stilrichtung oder Epoche zuordnen lassen musste. Und so gelingt ihnen das äußerst rare Kunststück, auf Anhieb vertraut und eigentlich wie immer zu klingen, aber dennoch frisch, zeitgemäß und sogar energiegeladen wie selten zuvor. Eine
mehr als willkommene Rückkehr also – und ein Paradebeispiel für die Tatsache, dass wahre Klasse kein Alter kennt.
Anspieltipp: ›You’ll Be Mine‹ (Matthias Jost)

Die besten Alben des Jahres 2020 (Platz 10-6)

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Zwölf Monate, hunderte von neuen Alben, tausende von Songs – gute, schlechte, grandiose Stücke. Wer kann da den Überblick behalten? Gut, dass es die CLASSIC ROCK-Redaktion gibt. Wir haben uns auf Zeitreise begeben, uns für euch angestrengt erinnert, haben gesammelt, recherchiert, diskutiert, bewertet und auch gekämpft. Das ist dabei herausgekommen: die 50 besten Alben des Jahres 2020!
Texte: Jacqueline Floßmann, Henning Furbach, Matthias Jost, David Numberger, Paul Schmitz, Markus Werner, Michael Wolf

10

James Dean Bradfield, EVEN IN EXILE, MONTYRAY (MEMBRAN)

Schon praktisch, wenn dein Nachbar preisgekrönter Poet ist. Manic-StreetPreachers-Sänger James Dean Bradfield kaperte ein Projekt seines Kumpels Patrick Jones über den in der Pinochet-Ära ermordeten chilenischen Protestsänger Victor Jara. Ein echter Hinhörer, treffen hier doch malerischer Prog-Rock-Bombast und Nylongitarren-Folk auf Dichtung und reale Historie.
Anspieltipp: ›30.000 Milk Bottles‹

9

Neil Young, HOMEGROWN, REPRISE/WARNER

Die Songs sind alt. Aus den Jahren 1974 und ’75, um genau zu sein. Doch (zumindest) sieben davon sind vollkommen neu für unsere Ohren und damit natürlich locker ausreichend für die Top 10. Neuartig sind sie nicht, das versteht sich von selbst. Es sind echte Young-Teile, begleitet von Crazy-Horse Mitgliedern und Gästen wie Robbie Robertson und Levon Helm. Letztgenannter versieht die beiden ersten Nummern mit einem markanten Knack. Richtig düster wird es danach, die in den Stücken verarbeitete Trennung von seiner Freundin schmerzte damals zu sehr. Und so dauerte es bis
2020, bis dieses seit Jahrzehnten fertige Album doch noch erscheinen konnte. Die Zeit heilt eben alle Wunden …
Anspieltipp: ›Homegrown‹

8

Bob Mould, BLUE HEARTS, MERGE/CARGO

Die Rolle des ChefKrakeelers im Namen der Gerechtigkeit hatte Bob Mould nach eigenen Angaben eigentlich schon lange aufgeben wollen – doch was tun, wenn einen die Ereignisse des Weltgeschehens mehr anpissen als je zuvor? Der Alternative-Veteran goss diese Wut in eine Platte, die aus jeder Fuge Funken sprüht und jeden Moment überzukochen droht. Bemerkenswert ist dabei allerdings, dass er nicht nur mächtig auf die Kacke haut, sondern auch die grundlegende Qualität der Songs nicht vergisst. Die erstaunliche Serie an hervorragenden Alben, die 2012 mit dem Karriereneustart SILVER AGE begann, setzt sich somit fort. Hut ab!
Anspieltipp: ›Siberian Butterfly

7

Deep Purple, WHOOSH, EDLE/EARMUSIC

Eigentlich hatten Deep Purple vor drei Jahren noch vom Aufhören gesprochen, davon, dass sie mit INFINITE wahrscheinlich ihr letztes Werk ins ewige Eis gemeißelt hatten. Doch wie so oft in der
Geschichte der Rockmusik lag man auch hier richtig damit, nicht jeden Abschiedsruf so ganz akkurat auf die Goldwaage zu legen, denn wie man heute weiß: Deep Purple haben 2020 ihr inzwischen 21. Studioalbum eingespielt und klingen darauf auch nach über 50 Jahren Bandbestehens noch frisch, unverbraucht und vor allem relevant. Nein, diese Band erstickt keineswegs im Sumpf ihres eigenen Erbes, bringt mitnichten nur mehr welkende Kopien ihrer Selbst hervor, sondern zeigt mit WOOSH! ganz deutlich, dass sie in puncto Kreativität noch voll im Saft steht. Neben den unnachahmlichen Fertigkeiten von Gillan, Paice, Glover, Airey und Morse paart sich auf diesem Album ein fast schon
jugendlicher Erkundungsdrang mit dem Wissen und Können, das nur eine Band vom Kaliber Deep Purples mitbringen kann und ergießt sich in 13 abwechslungsreiche und wunderbar melodiöse Tracks.
Von funkigen Melodien über kundig geschmiedete Lyrics über komplexen Prog und dramatische Orchestrierung bis hin zu knochentrockenen Rock-Riffs sind auf WHOOSH! zahlreiche Elemente vorhanden und kunstvoll miteinander verwoben. Diese Platte lässt darauf hoffen, dass Deep Purple
ihre Abschiedsgedanken weit hinten in ihren Gedankenschubladen verstaut haben und stattdessen künftig noch ein paar weitere (Meister-)Werke aus dem Hut zaubern werden.
Anspieltipp: ›No Need To Shout‹ (Jacqueline Floßmann)

6

Kadavar, ISOLATION TAPES, ROBTOR RECORDS
Mit den ISOLATION TAPES hat sich das Trio seine absolute künstlerische Deutungshoheit erarbeitet und bewiesen, dass Kadavar auch anders können. Und dass sie dabei ebenso mit traumwandlerischer Stilsicherheit ins Schwarze treffen. Denn auch, wenn sich Lupus, Tiger und Dragon etwas vom Rock’n’Roll entfernen und das Jahr 2020 vorwiegend in Form von wogenden Klangclustern, Loops, Synths, sehnsüchtigen Gitarren und transzendentalen Melodien vertonen, ist dies so nah an der Perfektion, dass es schon fast wehtut. THE ISOLATION TAPES sind Kadavars WISH YOU WERE HERE,
eine psychedelische Traumreise, die Balsam auf die von diesem Jahr geschundene Seele gießt.
Anspieltipp: ›I Fly Among The Stars‹ (Jacqueline Floßmann)

TV-Tipp: Pop Around The Clock auf 3sat

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Ab 05:30 Uhr steht bei 3sat heute wieder traditionell alles unter dem Stern der Pop-Musik: Rund um die Uhr strahlt der Sender 22 Konzerte von verschiedenen Künstlern und Künstlerinnen aus, unter anderem auch von Eric Clapton, Prince, Rod Stewart, Stevie Nicks, Bob Dylan, Muse, Ringo Starr und vielen mehr.

Hier der Trailer aus dem Jahr 2018:

Meilensteine: Mit seinem Diddley-Beat verändert Bo Diddley den Rock’n’Roll

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bo diddley08. Februar 1957: Bo Diddley nimmt die Klassiker ›Hey Bo Diddley!‹ und ›Mona (I Need You Baby)‹ auf.

Mit archaischen Afro-Rhythmen veränder­te der am 30. Dezember 1928 im Mississippi-Delta geborene, in Chicago aufgewachsene Voodoomagier Bo Diddley nachhaltig die Rock‘n‘Roll-DNA. Bo Diddleys alias Ellas McDaniels alias Ellas Otha Bates‘ künstlerische Sozialisation erfolgte in den 30er und 40er Jahren im Orchester von Chicagos Ebenezer Baptist Church, wo er Posaune und Violine spielte.

Ein späterer Griff zur E-Gitarre brachte den Durchbruch: Mit der selbskomponierten Debütsingle ›Bo Diddley‹ im manischen Stakkato-Beat samt nicht minder kraftvoller B-Seite ›I‘m A Man‹ erreichte er 1955 auf Anhieb die Pole Position der US-R‘n‘B-Charts. Und stilisierte sich fortan mit Nerd-Brille, Crew-Cut-Frisur, Karosakko und Rechteck-Gitarre zum echten Markenartikel.

Ohne Reaktion in den Hitlisten blieb im April 1957 die am 8. Februar un­­ter der Ägide von Phil und Leonard Chess in deren Chicagoer Studio eingespielte achte 45er des extravaganten Künstlers. Aufgenomen in der Besetzung Diddley (Gesang, Gitarre), Jerome Green (Maracas) sowie entweder Frank Kirkland oder Clifton James am Schlagzeug, lag ›Hey Bo Diddley!‹ wie Blei in den Regalen. Woran auch die B-Seite ›Mona (I Need You Ba­­by)‹, eine Ode an eine 45 Jahre alte Tänzerin aus Detroits „Flame Show Bar“ nichts änderte. Doch die Saat war gelegt.

Für Verbreitung des Diddley-Beats sorgte der am 3. Februar 1959 bei einem Flugzeugabsturz mit den Kollegen Ritchie Valens und The Big Bopper ums Leben gekommene Buddy Holly: Nicht nur, dass er schon früh eine – wenn auch erst 1963 erschienene – Version von ›Bo Diddley‹ aufnahm. Er versah sein mit Norman Petty co-komponiertes Stück ›Not Fade Away‹ 1957 mit dem typischen Diddley-Beat.

Während der British-Beat-Invasion nahmen vor allem Londoner Acts wie The Who, The Kinks, The Yardbirds, The Pretty Things und The Rolling Stones das hypnotische Diddley-Stakkato dankbar auf.

Die 50 besten Alben des Jahres 2020 (Platz 20-11)

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Zwölf Monate, hunderte von neuen Alben, tausende von Songs – gute, schlechte, grandiose Stücke. Wer kann da den Überblick behalten? Gut, dass es die CLASSIC ROCK-Redaktion gibt. Wir haben uns auf Zeitreise begeben, uns für euch angestrengt erinnert, haben gesammelt, recherchiert, diskutiert, bewertet und auch gekämpft. Das ist dabei herausgekommen: die 50 besten Alben des Jahres 2019!
Texte: Jacqueline Floßmann, Henning Furbach, Matthias Jost, David Numberger, Paul Schmitz, Markus Werner, Michael Wolf

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Marilyn Manson, WE ARE CHAOS, CAROLINE/UNIVERSAL

Schocken tut er uns schon lang nicht mehr, dafür liefert Brian Warner ein souveränes Spätwerk ab, das ohne viel Krawall auskommt, aber in seiner getragenen Wave-Wucht doomige T.-Rex-Anklänge kultiviert und erstaunliche Kraft entfaltet.
Anspieltipp: ›Keep My Head Together‹

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The Jaded Hearts Club, YOU’VE ALWAYS BEEN HERE, BMG RIGHTS/ WARNER

Die superste Supergroup aller Zeiten oder Hobby außer Kontrolle? Matt Bellamy (Muse), Graham Coxon (Blur), Nic Cester (Jet), Miles Kane (Last Shadow Puppets), Sean Payne (The Zutons) und Jamie Davis (äh… niemand) trafen sich zur Gaudi als Beatles-Covertruppe. Ihr Album mit 60s-Northern-Soul-Coverversionen überträgt den Spaß, die die sechs hatten.
Anspieltipp: ›This Love Starved Heart Of Mine (It’s Killing Me)‹

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The Jayhawks, XOXO, 30 TIGERS/MEMBRAN

Dass The Jayhawks stetige AmericanaQualität liefern, wissen wir seit ihrem 1986er Debüt bzw. zehn Alben. Ihre Elfte legt dennoch etwas oben drauf: Alle vier Mitglieder singen. Einzeln, gemeinsam. Das gibt ein erfreuliches Plus an Tiefe und Variation.
Anspieltipp: ›Living In A Bubble‹

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Blues Pills, HOLY MOLY!, NUCLEAR BLAST/ROUGH TRADE

Es ist ein altgedientes Klischee, dass aus Widrigkeiten große Kunst entstehen kann, aber hinter
jedem Klischee steckt nun mal ein bisschen Wahrheit. Bei den Blues Pills lief es, oberfächlich betrachtet, blendend, doch die Zeit seit dem Bestseller LADY IN GOLD war schwer. Neu aufgestellt
und von frischer Energie befeuert, bastelten Elin Larsson und Konsorten daraus jedoch eine Platte, die das „rock“ in „Bluesrock“ stärker denn je betont und so zu ihrem bislang beeindruckendsten Werk wurde.
Anspieltipp: ›Kiss My Past Goodbye

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Cherrie Curie, BLVDS OF SPLENDOR, BLACKHEART RECORDS

Die Arbeiten an BLVDS OF SPLENDOR hatten bereits 2010 begonnen und sich immer wieder
verschoben – z. B. weil sich die Ex-Runaways-Frau beim Kettensägenschnitzen (!) verletzt hatte.
Gut, dass sie sich dabei nicht komplett zersägt hat, denn sonst hätte diese dreckige Platte nie das Licht der Welt erblickt. Zusammen mit Gastmusikern wie Billy Corgan, Slash oder Juliette Lewis wird hier ein knackiges Rock’n’Roll-Feuerwerk abgefackelt. Go, Cherrie!
Anspieltipp: ›Gimme‹

15

The Struts, STRANGE DAYS, CAROLINE/UNIVERSAL

Fuck, endlich kommt mal wieder eine echte Rock’n’Roll-Platte raus. Das hört man oft und ließt es vermutlich noch öfter. Was die Struts hier aber in zehn Tagen, eingesperrt während des Lockdowns
mit genügend Gras, Suff und weiteren Hollywood-Villa, eingezimmert haben, besitzt wirklich Seltenheitswert. Mit Hit-Gefühl, berühmten Freunden, ungebremster Party-Geilheit und cleveren langen Fingern gesegnet, weiß endlich mal wieder eine Band von der Insel besser, wie eine
amerikanische Band klingen sollte.
Anspieltipp: ›Burn It Down

14

The White Buffalo, ON THE WIDOW’S WALK, CAROLINE/UNIVERSAL

Der weiße Büffel mit der Stimme wie ein Stier durfte 2020 sein neues Album zusammen mit Stil-Tausendsassa und Produzenten-Hans-in-allen-Gassen Shooter Jennings aufnehmen. Der Einfluss von
Wayne Jennings’ Sohn warf den White Buffalo in seiner Natur nicht um, doch bereicherte ihn darin um Tiefe, ein ganzes Stück Dunkelheit und eine gehörige Menge Kompositions-Finesse – weniger Punkrock-Wurzeln, mehr Beatles-Studiogeist verfeinern auf ON THE WIDOW’S WALK den immer schon
vielseitigen Roots-Sound von Jake Smith, wie der Büffel eigentlich heißt.
Anspieltipp: ›Sycamore‹

13

Drive-By Truckers, THE UNRAVELING, ATO/PIAS/ROUGH TRADE

Es war beschissen wie die Sau. Das Schlimmste überhaupt.“ So kommentierte vorderster DriveBy Trucker Patterson Hood im Interview mit unseren britischen Kollegen ein Jahr, das, zumindest kreativ gesehen, extrem gut für die Ami-Rocker verlief. Denn während diese Lobeshymne auf ihr im Frühjahr 2020 erschienenes Album geschrieben wird, haben Hood und seine Mitmusiker bereits ein neues fertiggestellt. Und so schätzen wir jetzt THE UNRAVELING als den zweiten Teil dessen, was Patterson Hood als Trilogie versteht: Nach dem 2016er AMERICAN BAND und vor dem jetzt aktuellen THE NEW
OK erschienen, stellen diese Songs zum Zeitpunkt ihrer Entstehung erneut das Einzelschicksal, das Leben des normalen Bürgers vor die große, bei Leibe nicht blütenreine Leinwand des soziopolitischen Systems der USA. Ein gelungenes, kontraststarkes und eindringliches Schattenspiel, das gefühlvoll und schmerzhaft auf den Punkt kommt wie Patterson Hoods Fazit über die vergangenen 12 Monate.
Anspieltipp: ›Armageddon’s Back In Town‹

12

Fleet Foxes, SHORE, ANTI/INDIGO

Man war sich sicher: Das dritte Album würde den MegaDurchbruch der Kritikerlieblinge aus
Seattle bedeuten. Es kam anders. CRACK-UP (2017) geriet zu kopflastig, schlug keine Funken.
Fast wirkt Fleet-FoxesMaestro Robin Pecknold auf dem Nachfolger erleichtert. Eine innere Ruhe hat Einzug gehalten, die die neuen Songs durchflutet wie Sonnenstrahlen. Was die edle Würde von Pecknolds harmonieseligen Art-Americana-Tracks umso mehr zum Leuchten bringt.
Anspieltipp: ›Sunblind‹

11

Bob Dylan, ROUGH AND ROWDY WAYS, COLUMBIA/SONY

Mit einer vielleicht rüpelhaften, schelmischen Grandezza und – mit Verlaub – auch einer Stimme, die
beide an Morla aus „Die unendliche Geschichte“ erinnern, blickt Dylan mal in assoziativen Gedankenströmen, mal in filmischen Bildern, stets lyrisch meisterhaft verpackt, zurück auf sein eigenes gigantisches Oeuvre und all die Geschichte(n), die er Zeit seines Lebens beobachten und erfahren durfte. Musikalisch wird Dylan auf ROUGH AND ROWDY WAYS vom Folk, Swing und dem bemerkenswerten, Chicago-esken Blues seiner Hausband makellos untermalt.
Anspieltipp: ›False Prophet‹