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Start Blog Seite 267

Die 50 besten Alben des Jahres 2021 | Platz 20-11

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Zwölf Monate, hunderte von neuen Alben, tausende von Songs – gute, schlechte, grandiose Stücke.
Wer kann da den Überblick behalten? Gut, dass es die CLASSIC ROCK-Redaktion gibt! Wir haben uns auf
Zeitreise begeben, uns für euch angestrengt erinnert, haben gesammelt, recherchiert, diskutiert, bewertet und auch gekämpft. Das ist dabei herausgekommen: die 50 besten Alben des Jahres 2021!

Texte: Jacqueline Floßmann, Henning Furbach, Matthias Jost, Simone Müller, David Numberger, Paul Schmitz, Markus Werner.

Platz 20: Deep Purple – TURNING TO CRIME

Deep Purple Turning To Crime

Man ist ja schnell geneigt, Coverplatten grundsätzlich abzulehnen, weil man sich denkt: „Keine Lust auf
richtige Arbeit gehabt, wa?“ Im Falle von Deep Purples TURNING TO CRIME wäre das jedoch vorschnell
geurteilt. Das Album ist eine respektvolle Hommage an die eigenen Vorbilder und enthält Stücke von Arthur Lee, Cream, Fleetwood Mac sowie das abschließende, wirklich gelungene ›Caught In The Act‹-
Medley. Purple zollen ihren Tribut ehrlich hochkarätig.
Anspieltipp: ›Caught In The Act‹

Platz 19: The Tea Party – BLOOD MOON RISING

Bei einer so wirren Entstehung, kreiert auf zwei Kontinenten und zusammengesetzt aus zwei separaten EPs plus Bonus-material, könnte man ein durchwachsenes Stückwerk erwarten. Doch die Kanadier zeigen erneut ihre erhabene Klasse mit einem Werk, das sämtliche Arabesken und Elektronikausflüge der
Vergangenheit außen vor lässt und einfach hochprozentigen und gut abgehangenen Rock’n’Roll der blues-basiert-erlesenen Sorte raushaut. Eine runde Sache!
Anspieltipp: ›Sunshower‹

Platz 18: Nathaniel Rateliff & The Night Sweats – THE FUTURE

Nachdem Nathaniel 2020 auf seinem Solo- und dem dazugehörigen umwerfenden Livealbum 2020 finsterste Schicksalsschläge verarbeitete, wagt er jetzt, wieder mit den Night Sweats an seiner Seite, in die Zukunft zu blicken. Die Musiker schaffen es, aus dem bewährten Soul-Baukasten immer wieder frische Sounds und Ideen zu ziehen, die ganz besonders auf THE FUTURE einen aufregenden Rahmen für Rateliffs leidenschaftliches Songwriting und seinen bärenstarken Gesang bilden. Ungezwungen, unaufgeregt und dabei so prickelnd.
Anspieltipp: ›The Future‹, ›Baby I Got Your Number‹

Platz 17: Robert Plant & Alison Krauss – RAISE THE ROOF

14 Jahre nach ihrer ersten Zusammenarbeit haben es Robert Plant und Alison Krauss noch einmal
getan. Trotz einiger vorangegangener Anläufe fühlte es sich erst jetzt richtig an, einen Nachfolger
für den Überraschungserfolg von RAISING SAND aus dem Jahr 2007 anzugehen. Wie gut das Hardrock-Urgestein und die Country-Fiedlerin harmonieren, lässt sich an den mit viel Gespür für Nuancen aufgenommenen Neuinterpretationen ablesen, die sich stilistisch allesamt im Spannungsfeld zwischen
Country, Americana und Folk bewegen.
Anspieltipp: ›The Price Of Love‹

Platz 16: Sturgill Simpson – THE BALLAD OF DOOD & JUANITA

Immer was Neues mit Sturgill. Dieses Jahr entschied sich der Revoluzzer/Erztraditionalist in allen Country-Belangen für ein staubtrockenes Bluegrassalbum. Die zehn Songs von THE BALLAD … folgen
einer Western-Rahmenhandlung: Dem Farmer Dood wird seine Liebste Juanita entführt, er macht sich mit Hund, Muli und Flinte auf die Jagd nach dem Schurken. Bluegrass-Kopfkino in Sepia, von famosen Könnern eingespielt.
Anspieltipp: ›Go In Peace‹

Platz 15: My Morning Jacket – MY MORNING JACKET

Als selbstreflektierter Musikliebhaber muss man – selten zwar, aber doch manchmal – gegenchecken, wie ein Werk so in der Kritikerschaft ankam, nachdem es einen persönlich Nummer für Nummer umgehauen
hat. MY MORNING JACKET, schon das neunte aber erst jetzt selbstbetitlte Album der Band, kam ganz gut an; intellektuelle Kreise, die die Band zuvor schon am Ende gesehen hatten, zeigten sich immerhin recht zufrieden. Alles Dummschwätzerei, ehrlich. My Morning Jacket 2021 ist kreative Radikalität, Rock’n’Roll-Größenwahn, traumhafter Kitsch, die Leichtigkeit, sich an der richtigen Stelle darüber lustig zu machen und so vieles mehr.
Anspieltipp: ›Penny For Your Thoughts‹ u.v.m.

Platz 14: Jerry Cantrell – BRIGHTEN

Dass Cantrells Alben unter eigenemm Namen im Wesentlichen Alice-In-Chains-Werke waren, für die Layne Staley zu krank war, konnte er bei den ersten beiden nicht leugnen. Dann war Staley leider für alle weiteren AIC-Werke zu tot, die dennoch wundersamerweise an die 90er-Monumente anschließen konnten. Der dritte Soloausflug des Gitarristen hat nun zum Glück nichts mit William DuValls Gesundheit zu tun und scheint generell frei aller dunklen Wolken zu sein: Nein, Happy-Pop ist BRIGHTEN deshalb
nicht, aber so ungezwungen, ausgelassen und befreit klang die Seattle-Legende nur selten. Das Niveau der Songs ist dabei auf gewohnt allerhöchstem Niveau und man fragt sich nach nunmehr 30 Jahren ohne einen einzigen Durchhänger in seiner Diskografie mehr denn je, warum dieser Mann nicht weithin als einer der größten Songwriter der Rockgeschichte gefeiert wird.
Anspieltipp: ›Nobody Breaks You‹

Platz 13: Charley Crockett – MUSIC CITY USA

„Ich bin ein sehr rebellischer Mensch. Meine Rebellion zeige ich allerdings, indem ich die Tradition in den Vordergrund stelle.“ Charley Crockett, geboren 1984, hat sich und seine Musik, die ehrlich und aufrichtig wie er selbst ist, sehr gut beschrieben. Im Country- und Americana-Zirkus heutiger Tage spielt er weder das nostalgische Retro- noch das absurd moderne Synthetik-Blatt. Crockett mit rasselnd weicher, sonorer
Stimme klingt wie einer der großen aus den goldenen Zeiten der Outlaw-Musiker. Wie die knallharten, cleveren, schrägen Geschichten, die er erzählt, ist sein Sound aber nicht aufgesetzt, er ist einfach wahr. Wahrer als bei so manchem Mann in Schwarz. Er war obdachloser Musiker in den Straßen von New Orleans, Los Angeles und der U-Bahn von New York, doch der natürliche Soul in seiner Country Music
brachte ihn bis in die Grand Ole Opry. MUSIC CITY USA ist Crockets zehntes Album in nur sieben Jahren und das, wo er, wie CLASSIC-ROCK-Autor Gunther Matejka in diesem Jahr so passend schrieb, „mit jeder Veröffentlichung noch besser wird“.
Anspieltipp: ›I Need Your Love‹, ›Lies And Regret‹

Platz 12: Foo Fighters – MEDICINE AT MIDNIGHT

Mal ganz ehrlich unter Foo-Fi-Freunden: Zuletzt waren die Alben von Grohl und Band eher gut, solide. Klar, etwas Schlechtes kam noch nie von ihnen. Etwas Besonderes war das zuletzt aber auch nicht. Vielleicht lag es an Grohls unbremsbarer Output-Sucht. Dies jedoch würde nicht erklären, warum er
ausgerechnet in der Phase, in der er zeitgleich für ein Buch inklusive Lesetour, einen Film und ein Disco-Spaßalbum verantwortlich zeichnete, auch noch die beste Foo-Fighters-Platte seit WASTING LIGHT (2011) zustande brachte. ›Waiting On A War‹, ›Love Dies Young‹ oder ›Shame Shame‹ versetzten die Synapsen auf Knopfdruck in Richtung vergangener Mitgrohl…, äh Mitgröl-Konzerte im Stadionformat. Und dafür sind die Foo Fighters ja schließlich da, hoffentlich auch in baldiger Zukunft wieder.
Anspieltipp: ›Waiting On A War‹

Platz 11: Greta Van Fleet – THE BATTLE AT GARDEN’S GATE

Wer gleich zu Beginn seiner Karriere einen Grammy einheimst, der steht unter einem enorm großen Druck. Doch das kleine Familienunternehmen aus Michigan hat sich davon nicht aus der Ruhe bringen
lassen. Album Nummer zwei geht noch einen Schritt weiter als das grandiose Debüt, klingt erwachsener,
durchdachter, innovativer. Die Kompositionen sind orchestraler und bombastischer, aber streckenweise
auch gefühlvoller. Greta Van Fleet liefern hier den Beweis: Sie sind keine Eintagsfliege.
Anspieltipp: ›Broken Bells‹

Die 50 besten Alben des Jahres 2021 | Platz 30-21

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Zwölf Monate, hunderte von neuen Alben, tausende von Songs – gute, schlechte, grandiose Stücke.
Wer kann da den Überblick behalten? Gut, dass es die CLASSIC ROCK-Redaktion gibt! Wir haben uns auf
Zeitreise begeben, uns für euch angestrengt erinnert, haben gesammelt, recherchiert, diskutiert, bewertet und auch gekämpft. Das ist dabei herausgekommen: die 50 besten Alben des Jahres 2021!

Texte: Jacqueline Floßmann, Henning Furbach, Matthias Jost, Simone Müller, David Numberger, Paul Schmitz, Markus Werner.

Platz 30: Daily Thompson – GOD OF SPINOZA

Daily Thompson God Of Spinoza 2021

Dieses Album des Dortmunder Trios hätte sich in den 90ern zum Mainstream-Hit gemausert.
Bodenständig, entspannt, abwechslungsreich, voller Grunge- und Alternative- Anleihen, dabei jedoch keine schnöde Kopie. Großartig!
Anspieltipp: ›I Saw Jesus In A Taco Bell‹

Platz 29: Philip Bradatsch – DIE BAR ZUR GUTEN HOFFNUNG

Wie ein Pierrot jongliert Bradatsch mit Stilen und Stimmungen, reißt uns mit stürmischen Rockern wie
dem hymnischen ›Schatten überm Land‹ mit, wärmt uns mit Soul (›Winter‹) und betäubt uns mit Pianoballaden (›Abgehängt‹).
Anspieltipp: ›Die Hoffnung‹

Platz 28: The Ronnie Wood Band – MR. LUCK – A TRIBUTE TO JIMMY REED

Ehre, wem Ehre gebührt: Jimmy Reed, nicht die Nummer-eins-Blueslegende im allgemeinen Bewusstsein, war fällig für ein Tribute-Konzert, beeinflusste er doch die britische R’n’B-Szene der 60er nachhaltig. Das weiß Ronnie natürlich und auch, wie man ein solches mit der nötigen Nonchalance auf die Bretter der Albert Hall legt.

Anspieltipp: ›Shame, Shame, Shame‹ feat. Mick Taylor & Paul Weller

Platz 27: Alice Cooper – DETROIT STORIES

alice cooper detroit stories cover

Sir Alice versammelt eine alteingesessene Detroit-Bande um sich und haut eine saftige Hommage an
die Stadt seines frühen Erfolgs raus. Wie zur Hölle alte Recken so hungrig klingen können, bleibt wohl einzig und allein Coopers Geheimnis.
Anspieltipp: ›I Hate You‹

Platz 26: Helloween – HELLOWEEN

Die Sensation: Andi Deris teilt sich das Mikrofon mit den ehemaligen Helloween-Sängern Michael Kiske und Kai Hansen. Eine Reunion, die unerwartet perfekt harmoniert und den Power-Metal-Legenden einen musikalischen Höhenflug beschert.
Anspieltipp: ›Mass Pollution‹

Platz 25: Dion – STOMPING GROUND

Clapton, Springsteen, Bonamassa, Knopfler, Frampton … was für ein Staraufgebot! Die Giganten standen
Schlange, um mit dem originalen ›Wonderer‹ den Blues zu feiern.
Anspieltipp: ›Red House feat. Keb’ Mo’‹

Platz 24: Gov’t Mule – HEAVY LOAD BLUES

Der Titel ist Programm: Erstmals präsentieren Gov’t Mule ein astreines Blues-Album. Warren Haynes ehrt neben Eigenkompositionen auch Vorbilder wie Howlin’ Wolf und Elmore James. Für den authentischen Sound sorgen Retro-Gitarren und -Verstärker.
Anspieltipp: ›If Heartaches Were Nickels‹

Platz 23: Yes – THE QUEST

Auf ihrem 22. Studioalbum verquicken die Prog-Legenden Altbewährtes mit Zeitgeist: Klassischer Yes-Sound trifft auf die Thematik des Klimawandels, die sich durch viele der elf Songs zieht. Eine weitere Besonderheit: Steve Howe nahm auf dem Produzentenstuhl Platz.
Anspieltipp: ›Dare You Know‹

Platz 22: David Crosby – FOR FREE

Es ist nie zu spät für ein Karrierehighlight! Bei den Byrds und CSN(Y) galt Crosby als garstiger Grantler,
doch mit Sohn u. Kollaborateur James Raymond zeigt sich der 80-Jährige in stimmiger Harmonie.
Anspieltipp: ›I Think I‹

Platz 21: Lukas Nelson & Promise Of The Real: A FEW STARS APART

Sagen wir mal, eine gewisse Gelassenheit hat in der Familie Nelson Tradition. Doch nun scheint Lukas vollkommen im eigenen Gleichgewicht angekommen. Elf dermaßen gelungene, milde, runde Stücke hatte
bis 2021 noch nicht einmal er auf eine Platte gebracht.
Anspieltipp: ›Smile‹

Die 50 besten Alben des Jahres 2021 | Platz 40-31

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Zwölf Monate, hunderte von neuen Alben, tausende von Songs – gute, schlechte, grandiose Stücke.
Wer kann da den Überblick behalten? Gut, dass es die CLASSIC ROCK-Redaktion gibt! Wir haben uns auf
Zeitreise begeben, uns für euch angestrengt erinnert, haben gesammelt, recherchiert, diskutiert, bewertet und auch gekämpft. Das ist dabei herausgekommen: die 50 besten Alben des Jahres 2021!

Texte: Jacqueline Floßmann, Henning Furbach, Matthias Jost, Simone Müller, David Numberger, Paul Schmitz, Markus Werner.

Platz 40: Styx – CRASH OF THE CROWN

Ganz nach dem Motto „klotzen statt kleckern“! Multiinstrumentell ausgelegt, mit Effekten und Synthies
unterfüttert und inklusive mehrstimmiger Harmoniegesänge ist CRASH OF THE CROWN ein abwechslungsreiches Feuerwerk, das AOR und Progrock gekonnt fusioniert.
Anspieltipp: ›Crash Of The Crown‹

Platz 39: Mammoth WVH – MAMMOTH WVH

Die Gebrauchsanweisung für dieses Album ist, sich von jeglichen Gedanken an den übergroßen
Vater zu befreien und Wolfgang Van Halen den sein zu lassen, der er ist: ein hochtalentierter
Multiinstrumentalist, der nun mal lieber Rock im Stile der Grunge-Ära spielt, als so klingen zu wollen wie
sein Dad.
Anspieltipp: ›Distance‹

Platz 38: Los Lobos – NATIVE SONS

Unbeirrbar bespielen die Tex-Mex-Roots-Rocker aus L.A. ihren 14. Streich mit pfiffigem Rock ’n’ Roll,
sonnengetränktem Soul, Harmoniegesängen und herzerweichenden Melodien. Auch nach fast 50 Bandjahren immer noch wundervoll.
Anspieltipp: ›Love Special Delivery‹

Platz 37: Monster Magnet – A BETTER DYSTOPIA

Coveralben? Meistens überflüssig. Doch wenn Dave Wyndorf seine geliebten Psych-Rock-Obskuritäten
der 60er und 70er abfeiert, wird daraus eine euphorisch-wahnwitzig-halswirbelrotierend-lysergische Abrissbirne von einer Platte. Macht fucking Spaß!
Anspieltipp: ›Learning To Die‹

Platz 36: Ayron Jones – CHILD OF THE STATE

Eine der Überraschungen des Jahres – Jones’ Mischung aus Rock, Grunge, Crossover, Soul und Blues ist
herrlich erfrischend. Als hätten Prince, Tom Morello und Hendrix gemeinsame Sache gemacht.
Anspieltipp: ›Take Me Away‹

Platz 35: Chris Jagger – MIXING UP THE MEDICINE

Eben nicht nur Micks kleiner Bruder: Der jüngere Jagger beschert mit gut gelauntem Bluesrock ein echtes Hörvergnügen. Eine lesenswerte Autobiographie gab’s obendrauf.
Anspieltipp: ›Love’s Around The Corner‹

Platz 34: Nick Cave & Warren Ellis – CARNAGE

Cinematisch, dramatisch, beeindruckend. Nick Cave, der meisterliche Poet der Abgründe und sein Bad-Seeds-Bandkollege und Soundtrackkünstler Warren Ellis klangmalen monumentale Leinwände.
Anspieltipp: ›Hand Of God‹

Platz 33: Rob Zombie – THE LUNAR INJECTION KOOL
AID ECLIPSE CONSPIRACY

Es wummert, es stampft, es gruselt, es kreischt – der gute Rob Zombie macht, was er am besten kann.
Und das ist auch gut so. Hin und wieder weiß er sogar mit Mundharmonika und Slideguitar zu überraschen.
Anspieltipp: ›18th Century Cannibals, Excitable Morlocks And A One-Way Ticket On The Ghost Train‹

Platz 32: The Vintage Caravan – MONUMENTS

Mit jedem Album kommen die Isländer ihrem Classic/Prog/Psych-Rock-Ideal näher. Dies dokumentiert ihre Fünfte als (vorläufiger, vermutlich) Höhepunkt. MONUMENTS brodelt und spuckt Lava wie der Vulkan im Nachbarort.
Anspieltipp: ›Crystallized‹

Platz 31: Billy F. Gibbons – HARDWARE

Er ist cooler als eine Tiefkühltruhe. So cool, dass er wahrscheinlich während der Albumsessions die Wüste bei Joshua Tree vereist hat, anders kann man sich die Nonchalance, das locker aus der Hüfte geschüttelte Surf-meets-Desert- Flair auf HARDWARE nicht erklären.
Anspieltipp: ›She’s On Fire‹

Motörhead: Der Hammer – 41 Jahre ACE OF SPADES

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Ende der 70er hatte die Karriere von Motörhead richtig Fahrt aufgenommen. Die 80er läuteten sie dann mit dem Album ein, das bis heute als ihr unerreichter Meilenstein gilt. 41 Jahre später sprachen wir anlässlich der Jubiläums-Reissue der Platte mit Journalist Mick Wall, Mitbegründer des britischen CLASSIC ROCK-Mutterschiffs und Autor von „Lemmy: The Definitive Biography“ (2016), über die Entstehung von ACE OF SPADES und seine Zeit als PR-Mann und Freund des legendären Frontmanns.

Mick, woran erinnerst du dich aus der Zeit, als ACE OF SPADES entstand?
Ich sah Lemmy damals sehr oft. Das Büro seines Managers Doug Smith war um die Ecke von meinem in Ladbroke Grove, ich hatte gerade die PR-Firma Heavy Publicity gegründet. Doug vertrat nicht nur Motörhead, sondern auch Hawkwind, The Damned, für die ich ebenfalls die PR machte, und im Sommer 1980 hatte er gerade Girlschool unter Vertrag genommen, die wir alle toll fanden. Wenn Lemmy nicht gerade auf Tour oder im Studio war und sich in London aufhielt, war er täglich in Dougs Büro. Wir hingen ständig miteinander ab, denn ich musste auf dem Weg zur U-Bahn direkt dort vorbei. Ich war 21 und hatte wirklich keinen Grund, jemals früh zuhause zu sein, also schaute ich immer vorbei, wir plauderten, tranken ein Bierchen, rauchten einen Joint. Und daneben, direkt am Kanal, war ein Pub. Ich weiß noch, wie ich an meinem 22. Geburtstag dort war, ich hatte nichts geplant. Und da war Motorcycle Irene, ich glaube, sie war damals Phil Taylors Freundin. Sie fragte, was ich vorhatte, ich sagte, „Nichts“, und sie
sagte: „NICHTS???? Kommt nicht infrage!“ Dann gingen wir alle ins Pub und ich wachte am nächsten Tag bei irgendwem auf dem Boden auf. Lemmy war ein Teil dieser Clique, ich kannte ihn schon seit Anfang der 70er, er war immer dabei.

Und wie nahm er ACE OF SPADES in Angriff? Nach dem Erfolg von OVERKILL und BOMBER muss es ja einen gewissen Druck gegeben haben.
Das war eine ganz andere Zeit damals. Es war normal, dass man zwei Alben pro Jahr veröffentlichen konnte, und die Einstellung war, dass wenn die eine Platte nicht gefällt, die nächste dann eben hoffentlich besser ankommt. Aber man darf nicht vergessen, dass niemand jemals gedacht hätte, dass Motörhead großen Erfolg haben könnten. Als OVERKILL dann überraschend gut lief, musste es flott
gehen mit dem Nachfolger. Es war sehr schnelllebig damals, man konnte genauso schnell wieder weg vom Fenster sein. Deswegen entstand BOMBER dann zu eilig, und das war schade, denn die Songs wurden live mit der Zeit immer besser und härter. Aber es herrschte in dem Sommer sicher nicht die Einstellung, dass die nächste Scheibe jetzt das große Ding werden soll, sondern einfach: Das wird die
Neue und wir hoffen, es geht alles gut. Ich weiß noch, wie wir zusammen im Pub saßen, kurz bevor die Aufnahmen zu ACE OF SPADES begannen. Ich sagte zu Lemmy: „OVERKILL, BOMBER … das wird jetzt euer großer Wurf, oder?“ Und er sah mich verwirrt an und sagte: „Wird es das? Wir sind doch nicht fucking ABBA, Mann. Wir gehen da nicht rein, um einen fucking Hit zu schreiben. Wir gehen da einfach rein, spielen und hauen wieder ab!“ Für ihn war die Devise immer, ins Studio zu gehen und ein Album so schnell wie nur irgendwie möglich einzuspielen. Doch mit Vic Maile hatten sie zum ersten Mal einen richtigen, professionellen Produzenten, der ihnen An weisungen gab. Etwa, dass Lemmy den Bass tiefer
spielen sollte oder dass Phil nicht so durchgedreht wie auf der Bühne auf die Trommeln dreschen sollte. Niemand dachte, wir sind jetzt Def Leppard oder Bon Jovi, niemand hatte den Ansatz, „Hey, wenn wir ein bisschen mehr Arbeit reinstecken, könnten wir wie Black Sabbath werden!“ Aber mit Vic Maile als Produzent entwickelten sie zum ersten Mal ein anderes Bewusstsein. Sie hielten inne und dachten sich: „Hm, mal sehen, was wir noch so erreichen können“. Allerdings waren sie praktisch mit leeren Händen ins Studio gekommen, die Songs entstanden alle erst dort. Und Lemmy schrieb seine Texte immer erst, wenn ein Track mehr oder weniger fertig war. Beim Titelstück weiß ich noch genau, wie er aufs Klo zum Scheißen ging. Er war 40 Minuten drin und alle dachten sich, fuck, was macht er da? Und dann kam er mit dem fertigen Text zurück. Interessanterweise hatte er schon ein Tattoo von einem Pik-Ass auf seinem Unterarm. Auf dem anderen hatte er „Born to lose, live to win“ tätowiert. Das ließ ihn sehr gefährlich und unheimlich wirken, denn im Gegensatz zu heute hatte damals niemand Tattoos, nur Gangster, Biker und Seefahrer.


Dabei war er ja anscheinend ein ganz anderer Mensch, als sich das viele vorstellen.
Ja, absolut. Er war schon ein Desperado, er sah nicht aus wie all die anderen Musiker damals, die Rock-, Pop- und Soul-Stars, die ihren Bühnen-Look hatten. Das war bei ihm nicht so, er kreuzte einfach auf,
spielte den Gig und das war’s. Dabei gefiel es ihm durchaus, sich herauszuputzen, nur eben nicht für die Bühne. Ich weiß noch, wie ich mal bei ihm vorbeischaute und er mir die Tür in einer kompletten Konföderierten-Uniform öffnete. Ich sagte: „Du willst nicht im Ernst so aus dem Haus gehen, oder?“
Und er antwortete: „Was, wieso denn nicht?“ Aber er war auf jeden Fall ein Gentleman, liebenswert, intelligent, sensibel. Die Leute ahnen nicht, wie feinfühlig er war. Wenn eine Frau den Raum betrat, stand er immer auf, schob ihr den Stuhl hin und all das. Natürlich versuchte er dann, sie zu ficken, bevor
sie den Raum wieder verließ, aber trotzdem … Er war ein guter Kerl, kein Rockstar-Arschloch. Und er war sehr belesen. Er las Unmengen von Büchern, und er hatte ein riesiges Wissen über manche Themen. Als er Anfang der 90er schon in Los Angeles lebte, ging er bei seinen Besuchen in London immer in diesen Antiquitätenladen. Er liebte Insignien, Uniformen, Memorabilia, und dieser Laden hatte alles Mögliche aus den beiden Weltkriegen, dem Krim-Krieg, dem US-Bürgerkrieg. Lemmy verbrachte Stunden dort, konnte dir zu jedem Stück etwas erzählen und nahm Koffer voll von dem Zeug in die USA mit. Zu ACE OF SPADES-Zeiten hatte er dafür aber noch nicht das Geld. Damals bastelte er diese billigen Flugzeugmodelle. Man darf nicht vergessen, der Mann schlief ja nie. Er war immer vier, fünf Tage durchgehend auf Speed wach, bevor er dann wortwörtlich umkippte und man ihn zwei Tage nicht zu sehen bekam. Wenn man ihn besuchte, hatte er dann 150 dieser Kampfflugzeuge in der Wohnung von der Decke hängen und konnte einem alle Details dazu runterbeten.


Wie war seine Sicht auf das Leben an sich?
Er hatte eine Meinung zu allem, war sehr eloquent und artikuliert, aber seine ganze Lebensgeschichte und Philosophie steckt eigentlich in diesem einen Song. Das Leben ist ein Spiel. Er wusste, was im Leben KEIN Spiel war, aber es war so voller Täuschung, Hass, bösen Menschen und Lügen, dass man es nur ertragen konnte, wenn man sich sagte: „Das ist ein verficktes Spiel, und die Regeln sind unfair“.

Hast du eine Lieblingserinnerung an ihn?
Eine lustige ist, dass er Gedichte schrieb, was viele nicht wissen. Und er schickte sie mir, nur gab es damals noch keine E-Mails, sondern Faxgeräte. Und die waren laut! Er war in L.A., ich in London, und oft wurde ich mitten in der Nacht davon aufgeweckt, dass das Ding ansprang und ewige Papierstapel von Lemmys Gedichten ausspuckte, alle handgeschrieben in dieser krassen gothischen Schrift. Doch meine Lieblingserinnerung ist eine andere. Ich verlor meine Mutter recht früh, ich war 28. Ich hatte keine Ahnung, wie ich damit umgehen sollte, wollte nicht darüber sprechen. Er hatte irgendwie davon erfahren, und bei einer Show oder so nahm er mich dann aus heiterem Himmel beiseite und sprach 15, 20 Minuten mit mir darüber. Ich wollte das gar nicht, aber er bestand darauf. Und er war der einzige Mensch, der mir das Richtige sagte, etwas, das mich tatsächlich tröstete und mir Frieden gab. Ich war verloren, aber er wusste genau, was er sagen musste. Er war einfach wunderbar. Das war der Unterschied zwischen dem durchgeknallten Rockstar Lemmy und all den anderen durchgeknallten Rockstars. Es ist so ein Klischee, aber einen wie ihn gab es vorher nicht und wird es auch nie wieder geben. Als er starb, hinterließ er eine große Lücke.

Die 50 besten Alben des Jahres 2021 | Platz 50-41

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Zwölf Monate, hunderte von neuen Alben, tausende von Songs – gute, schlechte, grandiose Stücke.
Wer kann da den Überblick behalten? Gut, dass es die CLASSIC ROCK-Redaktion gibt! Wir haben uns auf
Zeitreise begeben, uns für euch angestrengt erinnert, haben gesammelt, recherchiert, diskutiert, bewertet und auch gekämpft. Das ist dabei herausgekommen: die 50 besten Alben des Jahres 2021!

Texte: Jacqueline Floßmann, Henning Furbach, Matthias Jost, Simone Müller, David Numberger, Paul Schmitz, Markus Werner.

Platz 50: L.A. Guns – CHECKERED PAST

Tracii Guns und Phil Lewis haben sich seit einigen Jahren wieder lieb und das ist auch gut so, denn die beiden Streithähne bringen das Beste im anderen hervor. So auch bei CHECKERED PAST, einer abwechslungsreichen Platte, umrahmt von der typischen Straßenköter-Attitüde der Guns.
Anspieltipp: ›Dog‹

Platz 49: Lucifer – LUCIFER IV

Das vierte Lucifer-Werk unter der Federführung von Johanna Sadonis löst das Qualitätsversprechen der
Band erneut ein und verzaubert auf morbide, doch betörende Art und Weise mit Gruselfaktor, Vintage
Rock und herrlichem Sirenengesang.
Anspieltipp: ›Bring Me His Head‹

Platz 48: Chrissie Hynde – STANDING IN THE DOORWAY

Chrissie Hynde Standing In The Doorwa

Begeistert ist Hynde von Dylan seit langem, im Jahr seines 80. Geburtstags war es für sie an der Zeit,
ihm Tribut zu zollen – mit einem Coveralbum. Gefährlicher kann ein musikalisches Unterfangen kaum gewählt sein, doch mittels einer geschickten Songauswahl und geschmackvollen Inszenierungen gelingt dies der Pretenderin ganz gut.
Anspieltipp: ›Sweetheart Like You‹

Platz 47: Myles Kennedy – THE IDES OF MARCH

Die Pause zwischen dem nächsten Alter-Bridge- und Slash- Album nutzt der Mann mit der großen
Stimme für seinen zweiten Soloausflug. Abwechslungsreich ist dieser geworden, voller epischer und hymnischer Momente. Wunderbar.
Anspieltipp: ›Tell It Like This‹

Platz 46: The Night Flight Orchestra – AEROMANTIC II

Björn Strid hat mal wieder richtig Lust auf AOR. Mit seinem melodischen Zweitorchester verneigt er
sich erneut tief vor Journey, Foreigner und Konsorten. Dabei finden hier und da auch groovige 80er-Discoklänge ihren Platz.
Anpieltipp: ›How Long‹

Platz 45: Ray Wilson – THE WEIGHT OF MAN

Gewohnt melodisch und melancholisch präsentiert sich der Schotte auf seinem fünften Solowerk.
Wilson hält sich bedeckt, gibt sich nachdenklich, manchmal auch deprimiert von der Lage der Welt. Er hat es zwar im Sommer veröffentlicht, doch zur düsteren Jahreszeit passt es noch besser.
Anspieltipp: ›Amelia‹

Platz 44: Lindsey Buckingham – LINDSEY BUCKINGHAM

Dass der Gitarrist für sein siebtes Solowerk bestehende Fleetwood-Mac-Verpflichtungen canceln wollte, soll 2018 der letzte Grund für seinen Rauswurf gewesen sein. Buckingham liefert hier Rockpop auf Toplevel, keine Frage. Ob’s das wert war, muss er selber wissen.
Anspieltipp: ›On The Wrong Side‹

Platz 43: Thunder – ALL THE RIGHT NOISES

Albumcover Thunder All The Right Noises

Diese Platte ist stimmig durchkomponiert, abwechslungsreich und angenehm eingängig. Textlich setzen
sich die Briten mit dem Brexit, Depressionen oder Populismus auseinander und landen so einen zeitgeschichtlich relevanten Volltreffer.
Anspieltipp: ›Destruction‹

Platz 42: The Bevis Frond – LITTLE EDEN

Seit den späten 80ern ist Nick Salomon quasi das unbeachtete britische LoFi-Spiegelbild von J Mascis. Der stete Output seiner Band bleibt konstant auf Topniveau. Auch auf seiner Dreißigsten gibt’s psychedelischen Melodie-Grunge vom Feinsten.
Anspieltipp: ›You Owe Me‹

Platz 41: Steve Hackett – SURRENDER OF SILENCE

Steve Hackett präsentiert eine erstklassige Rocksymphonie mit allem, was den geneigten Fan zufriedenstellen wird. Schwierige Zeiten beflügeln die Kunst und Hackett fliegt ganz oben mit.
Anspieltipp: ›Wingbeats‹

Plattensammler: Lars Ulrich

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Metallica-Schlagzeuger Lars Ulrich über die Platten, Künstler und Konzerte, die bleibenden Eindruck bei ihm hinterließen.

„Alle haben mich bis zum Abwinken über die Motörheads, Diamond Heads und Iron Maidens dieser Welt schwafeln gehört“, sagt der redselige Trommler von Metallica, „aber ich schätze auch viele andere Genres sehr.“ Geboren am 26. Dezember 1963 in Gentofte, Dänemark, und wohnhaft in Kalifornien, seit er 13 ist, war Lars Ulrich 1981 ein Mitbegründer von Metallica, die sich die New Wave Of British Heavy Metal zum Vorbild genommen hatten. Sein Geschmack erstreckt sich aber auch auf Jazz, Oasis, Rage Against The Machine oder Simon & Garfunkel, doch seine erste Liebe, Deep Purple, liegt ihm immer noch sehr am Herzen.

DIE ERSTE MUSIK, AN DIE ICH MICH ERINNERN KANN

Als ich aufwuchs, spielte mein Dad viel Jazz – Coltrane, Miles, Dexter Gordon, Ornette Coleman – und ein bisschen Rock – Hendrix, die Stones, die Doors. Die Musik, die damals im dänischen Radio lief, war im Wesentlichen das, was aus England kam, Anfang der 70er, also viel Glam.

DER ERSTE SONG, DEN ICH LIVE GESPIELT HABE

Der Song hieß ›Hit The Lights‹, mit einer Band namens Metallica 1982 bei Radio City in Anaheim, Kalifornien. Es ist die einzige Band, in der ich je war, und der erste Song, den James Hetfield und ich je schrieben, war ›Hit The Lights‹.

DIE BESTE PLATTE, DIE ICH JE GEMACHT HABE

HARDWIRED … TO SELF-DESTRUCT ist die, mit der ich die wenigsten Probleme habe und die noch immer am ehesten wie ein Abbild meiner gegenwärtigen Vorlieben klingt.

DIE SCHLECHTESTE PLATTE, DIE ICH JE GEMACHT HABE

Achtung, Lars-Ulrich-Schock: Wir haben nie eine schlechte Platte gemacht! Aber ernsthaft, ohne mich da rauswinden zu wollen: Ich betrachte keine von ihnen als Fehler. KILL ’EM ALL [1983] klingt wie vor sehr langer Zeit, mit viel jugendhafter Energie. Aber ich bin sehr im Reinen mit der Vergangenheit.

DIE BESTE LIVE-BAND, DIE ICH JE GESEHEN HABE

Motörhead, AC/DC, Rage Against The Machine, Deep Purple, Thin Lizzy. Ich weiß nicht, ob eine davon besser als die anderen ist, aber ich hatte das große Glück, sie alle sehr früh zu sehen.

DER SÄNGER

Bon Scott war der coolste Sänger aller Zeiten – der Gesangsstil, die frechen Zweideutigkeiten und die charismatische Persönlichkeit. Diese frühen AC/DC-Platten – DIRTY DEEDS DONE DIRT CHEAP, LET THERE BE ROCK, POWERAGE, HIGHWAY TO HELL – sind einfach fucking zeitlos.

DER GITARRENHELD

Ritchie Blackmore. Das erste Konzert, auf dem ich je war, waren Deep Purple. Ich war neun und kann immer noch die Augen schließen und sehen, wie er diese schwarz-weiße Stratocaster nahm und sie mit seinem Fuß spielte oder gegen die Lautsprecher rieb. Das beeindruckte mich sehr. Ich denke, er war der beste Gitarrist dieser Generation, und für mich ist er der Inbegriff des Gitarrenhelden.

DER SONGWRITER

Noel Gallagher. Es gibt nichts Schwereres – glaub mir, wir wissen das aus eigener Erfahrung –, als einen einfachen Song zu schreiben. Und je kürzer und einfacher er ist, desto schwerer ist es. Diese großartigen Oasis-Songs – ›Wonderwall‹, ›Live Forever‹, ›Supersonic‹ – … wenn Noel sie alleine spielt, nur mit Gitarre und Gesang, ist es unglaublich, wie reduziert sie sind, wenn man so nackt und verletztlich ist.

DAS BESTE ALBUM ALLER ZEITEN

Ich gebe dir fünf in zufälliger Reihenfolge: MADE IN JAPAN [Deep Purple], LIGHTNING TO THE NATIONS [Diamond Head], NO SLEEP ’TIL HAM-MERSMITH [Motörhead], DEFINITELY MAYBE [Oasis] und das [selbstbetitelte] erste Album von Rage Against The Machine. Das sind für mich die zeitlosen Platten. Je nach Stimmung schwanke ich zwischen ihnen. Ich würde sagen, über das vergangene Jahr haben mich Rage Against The Machine mehr bewegt als jede andere Band.

DIE HYMNE

›Smoke On The Water‹. Ich weiß nicht, ob ich irgendwas zu diesem Song sagen kann, das noch nicht gesagt wurde. Aber ich kann dir verraten, dass es eine ziemlich coole Erfahrung für mich war, als Ian Gillan vor etwa 15 Jahren in San Francisco auftrat und ich letztlich ›Smoke On The Water‹ mit ihm spielen durfte. Das war ziemlich fucking surreal für einen Typen, der in einem mit Deep-Purple-Postern zugepflasterten Zimmer aufwuchs.

DER SONG, DER MICH ZUM WEINEN BRINGT

In der richtigen Stimmung können einige dieser zeitlosen Nummern von Simon & Garfunkel definitiv einen emotionalen Nerv bei mir treffen: ›The Sound Of Silence‹, ›Scarborough Fair‹. Und wo wir von Paul Simon reden: Auf dem ersten Album seiner Frau Edie Brickell, SHOOTING RUBBERBANDS AT THE STARS, gibt es ein Lied, ›Air Of December‹, bei dem mir definitiv manchmal die Augen feucht werden.

MEIN SAMSTAGABEND-PARTYSONG

Stereo MC’s, ›Connected‹. Das ganze Album ist genial. Jeder einzelne Song darauf löst das Verlangen in dir aus, herumzuhüpfen und abzugrooven.

MEIN „IN STIMMUNG“-SONG

Ich erzähle dir etwas, und dabei belassen wir es. Sagen wir mal, dass meine Frau und ich ein besonderes Verhältnis zum [selbstbetitelten] ersten Montrose-Album haben, okay? Mach daraus, was du willst. Mach dir deinen eigenen Reim darauf.

DER SONG, DER BEI MEINER BEERDIGUNG LAUFEN SOLL

›Killing In The Name‹, Rage Against The Machine. „Fuck you, I won’t do what you tell me!“ Aber ich weiß nicht, ob das ein Song ist, der wirklich mein Leben definiert. Ich könnte mich für Oasis entscheiden, ›Supersonic‹, oder Diamond Head, ›Am I Evil?‹. Oder vielleicht ›Return Of The Vampire‹ von Mercyful Fate. Das ist ein Klassiker, auf dem ich spielte, als sie ihn 1993 neu aufnahmen, und auf eigenartige Weise könnte der Track ich sein, der aus dem Leben nach dem Tod zurückkehrt.

Werkschau: Motörhead

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Rock’n’Roll’s Finest in ihrem natürlichen Lebensraum. Motörhead klangen nie besser, als wenn sie vor einem durchgeschwitzten Publikum spielten.

In ihrer vier Jahrzehnte umspannenden Karriere brachten es Motörhead, die wahrhaftigsten aller Rock’n’Roller, auf 22 Studioalben und pfiffen dabei auf flüchtig angesagte Szenen wie NWOBHM, Punk oder den guten alten Heavy Metal, um nach einer Maxime zu leben: „Wir sind Motörhead, wir spielen Rock’n’Roll“. Wie bei vielen ihrer Zeitgenossen aus den 70ern waren es auch hier die Live-Mitschnitte, die ihr wahres Wesen am besten abbildeten. Motörhead verbrachten ihr Leben auf Tour und spielten Songs, die ihre vollendete Ausdrucksform erreichten, wenn sie in einem Raum voller verschwitzter Zuschauer ertönten, die bereit waren, ihr Gehör zu opfern für die Chance, das echte Antlitz des Rock’n’Roll in all seiner warzigen Schönheit zu erblicken.

Die Briten waren bis kurz vor dem bitteren Ende unterwegs – Lemmy scherzte oft, dass er hoffte, „auf der Bühne zu sterben wie [der Comedian] Tommy Cooper“ – und ihre Live-Werke bieten oft einen authentischeren Blick darauf, wer sie an dem jeweiligen Punkt in ihrer Karriere wirklich waren. Veränderungen in ihrer Besetzung, ihrem Stil und ihrer Einstellung schlugen sich alle auf den (bis dato) 14 Konzertmitschnitten nieder, ganz zu schweigen von den wenig koscheren Begebenheiten hinter den Kulissen, die manche dieser Releases begleiteten (siehe „Sonderbar“), oder der Geschichte von WHAT’S WORDS WORTH?, das der Ex-Manager der Band veröffentlichte, um aus dem Erfolg von NO SLEEP ’TIL HAMMERSMITH Kapital zu schlagen. Trotz alledem zeigt jeder dieser Releases sie lebensechter, als es ein Studiowerk je könnte. Es gibt schließlich einen guten Grund dafür, dass Live-Versionen von ›No Class‹ und ›Bomber‹ ihren Weg auf „Greatest Hits“-Sampler finden und NO SLEEP ’TIL HAMMERSMITH als einziges Motörhead-Album überhaupt die Spitze der britischen Charts erreichte.

Zuverlässig wie ein Uhrwerk – Weihnachten ohne ihre jährliche Novembertournee fühlt sich immer noch seltsam an – und subtil wie eine Atombombe, waren Motörhead live eine tobende Bestie, die keinerlei Interesse an so banalen Dingen wie Dezibelgrenzen zeigte und völlig unbeeindruckt von dem Lametta blieb, mit dem sich andere Zeitgenossen auf dem Weg zum „Rockstar“-Status schmückten. Zwölfminütige Soli und schwurbelnde Vokaldemonstrationen könnten niemals mit der schieren Gewalt von ›Iron Fist‹, ›Over The Top‹ oder ›Orgasmatron‹ mithalten. Motörhead zementierten ihren Ruf als
Rockikonen, indem sie die Musik für sich sprechen ließen. Wie es die Band selbst bei fast jeder
Show nach 1979 sagte: „Der einzige Weg, den Lärm zu spüren, ist wenn er richtig laut ist“.

UNVERZICHTBAR

NO SLEEP ’TIL HAMMERSMITH
1981, BRONZE

Die Gelehrten sind sich unisono darüber einig, dass Motörhead in einer kreativen Form waren, die man nicht anders als „brandheiß“ bezeichnen kann, als sie 1981 NO SLEEP ’TIL HAMMERSMITH veröffentlichten. OVERKILL, ACE OF SPADES und BOMBER waren alle die Charts hinaufgeklettert, doch nur HAMMERSMITH erreichte den Gipfel. Krank, schnell und noch fieser als die Hinterläufe eines Maultiers, definierte es, wie Motörhead-Songs live zu klingen hatten und ließ die Studiofassungen von ›Bomber‹, ›No Class‹, ›Over The Top‹ und sogar ›Ace Of Spades‹ im Vergleich dazu blutleer klingen. Nach der perkussiven Explosion am Anfang des Openers ›Ace Of Spades‹ gibt es kein Zurück mehr.

EVERYTHING LOUDER THAN EVERYONE ELSE
1999, STEAMHAMMER

Jeder ernsthafte Rockfan wird NO SLEEP’ TIL HAMMERSMITH von 1981 als Motörheads definitives Livealbum bezeichnen. Aber vielleicht ist das nur die halbe Wahrheit . HAMMERSMITH mag eine Granate sein, was das Einfangen des „klassischen“ Line-ups betrifft, doch auf EVERYTHING LOUDER THAN EVERYONE ELSE aus dem Jahre 1999 erleben wir ein Statement, das ihr Vermächtnis bis zu ihrem Ende 2015 aufrecht erhielt. Eindrucksvoller oder unbezwingbarer klangen sie nie wieder, und neuere Tracks wie ›Sacrifice‹ und ›Burner‹ sind kein bisschen weniger mächtig als die langlebigen und unkaputtbaren alten Standards.

WUNDERBAR

THE WÖRLD IS OURS VOL. 1
2011, UDR/EMI

Aufgezeichnet in Santiago, New York und Manchester, zeigt THE WÖRLD IS OURS VOL. 1 – EVERYWHERE FURTHER THAN EVERYPLACE ELSE die Band im Zenit ihrer Kräfte in ihrer letzten Phase. Mit Songs von 1979 bis zu THE WÖRLD IS YOURS von 2010 ist dies ein Paradebeispiel für ihre damaligen Setlists. Die Songs werden mit einer Vitalität angegangen, die Blitze durch Klassiker wie ›Stay Clean‹ und ›Killed By Death‹ schießt, während ›Get Back In Line‹ und ›Rock Out‹ ihre Liebe zum klassischen aufgedrehten Rock’n’Roll-Sound belegen.

NO SLEEP AT ALL
1988, GWR

Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, was das Verhältnis der Band zu GWR Records betraf (ein Streit über eine Leadsingle führte zu einem Gerichtsverfahren und ihrem Weggang von dem Label). Der Mix ist unausgegoren, und doch unterstreicht das Resultat ihren Ruf als Speed-Freaks, da jeder Song beschleunigt klingt und so klangliche Anarchie vermittelt. Die doppelte Gitarrenattacke von Phil Campbell und Würzel sorgt dabei für eine Wucht, die das übliche Trio nicht bieten kann, und ›Eat The Rich‹ und vor allem ›Just ’Cos You Got The Power‹ bekommen hier die 80er-Gitarrengott-Vollbedienung verpasst.

LOCK UP YOUR DAUGHTERS
1990, RECEIVER

Nach dem Erfolg von HAMMERSMITH versuchten viele der Business-Haie, denen Motörhead in ihren Anfangsjahren begegnet waren, mit ihren eigenen Livemitschnitten abzukassieren. Meist halbgar, zeigen diese Aufnahmen aus den späten 70ern nichts von der Bissigkeit und Energie der Band. LOCK UP YOUR DAUGHTERS istjedoch anders und eines der frühesten Dokumente des klassischen Trios aus „Philthy Animal“ Taylor, „Fast“ Eddie Clarke und Lemmy, das das Material der Erstwerke aufbohrt und dabei die anarchische Dynamik des Punk an den Tag legt.

25 & ALIVE: LIVE AT BRIXTON ACADEMY
2003, SPV/SANCTUARY

Motörhead feierten ihr Vierteljahrhundert mit Stil und brachten für eine Show in der Brixton Academy im Oktober 2000 illustre Gäste auf die Bühne. Brian May, Whitfield Crane, Doro Pesch u. a. schlossen sich ihnen bei Songs wie ›Overkill‹ und ›Born To Raise Hell‹ an, während „Fast“ Eddie für ›The Chase Is Better Than The Catch‹ und ›Overkill‹ zurückkehrte. Die Feierlaune hält das ganze Set über an, doch die schiere Aggression von ›We Are Motörhead‹ und ›I’m So Bad (Baby I Don’t Care)‹ zeigt, dass sich die Band nicht auf ihrem Ruhm ausruhte.

ANHÖRBAR

LOUDER THAN NOISE … LIVE IN BERLIN
2021, SILVER LINING

Louder Than Noise Live In Berlin

Deutlich schlanker als viele der Motörhead-Livewerke nach 2000, ist dies ein 70-minütiges Greatest-Hits-Set, auf dem die Band sich in Topform zeigt. Mit ›I Know How To Die‹ hebt sie ab wie ein Düsentriebwerk, während ›Rock It‹ und ›The One To Sing The Blues‹ hochwertiger und kraftvoller klingen als ihre Studio-Gegenstücke. Motörhead mögen sich nie als Virtuosen gesehen haben, doch der Mix von LOUDER THAN NOISE offenbart die nahtlose Tightness ihres Spiels und insbesondere ›Metropolis‹ und ›Damage Case‹ klingen groovier als je zuvor.

BBC LIVE & IN-SESSION
2005, SANCTUARY

Aufgezeichnet zwischen 1978 und 1986, ist dies das ultimative Dokument ihrer Entwicklung in ihrem ersten Jahrzehnt. Weniger in Verzerrung getränkt als andere Live-Releases, fühlt sich das von Natur aus näher an einer traditionellen Rock’n’Roll-Platte an. ›I’ll Be Your Sister‹ etwa, das sich in seiner Originalfassung immer wie ein Kuriosum anfühlte, wird hier als Teil einer Peel Session von 1978 neben frühen Nummern wie ›Keep Us On The Road‹ verständlicher. Die BBC-Version von ›Orgasmatron‹ verdient zudem besondere Erwähnung und fängt Lemmy dämonisch wie selten ein.

BETTER MOTÖRHEAD THAN DEAD
2007, SPV

Ironischerweise das einzige Livealbum der Band, das tatsächlich in Hammersmith (im Apollo) aufgenommen wurde, treffen wir die Band hier 2005, drei Jahrzehnte nach ihrer Entstehung. Der Sound ist etwas verwaschen, doch die Magie einer Motörhead-Show immer noch zu spüren, wenn sie bissige Darbietungen von ›Love For Sale‹, ›R.A.M.O.N.E.S.‹ und ›We Are The Roadcrew‹ raushauen. Am bemerkenswertesten ist jedoch ›Whorehouse Blues‹. Nach den 90ern fanden sich zwar mehr Balladen auf ihren Alben, doch diese wurden nur selten live gespielt, geschweige denn aufgezeichnet.

SONDERBAR

CLEAN YOUR CLOCK (LIVE IN MUNICH 2015)
2016, UDR

Dieses Machwerk stinkt zum Himmel! Aufgenommen einen Monat nach dem Tod von Phil „Philthy Animal“ Taylor (und einen Monat vor Lemmys), waren dies mit die letzten Shows, die Motörhead je spielten – und das hört man. Lemmys charakteristisches Brüllen ist zu einem schmerzhaften Flüstern verkommen, während kreischendes Mikrofon-Feedback auf dem Opener ›Bomber‹ ein erschütternder Beleg dafür ist, wie wenig Aufwand in diesen Release gesteckt wurde. Reine Geldmache mit dem Tod einer der strahlendsten Ikonen im Rock.

Text: Rich Hobson

UFO: Pillen, Stars und Rock’n’Roll

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23. Dezember 1966: Der Londoner Psychedelic-Club „UFO“ öffnet seine Pforten.

Beim LSD-Trip kam die spontane Idee: Produzent Joe Boyd und John „Hoppy“ Hopkins, Fotograf, Journalist und Politaktivist des Underground-Magazins „International Times“, hoben am 23. Dezember 1966 im Herzen von London den „UFO Club“ aus der Taufe. Vom ersten All-Nighter an galt der jeweils freitags im Keller der irischen Dancehall „Blarney Club“ unterhalb des „Gala Berkeley Cinemas“ in 31 Tottenham Court Road geöffnete Treffpunkt als Londons Hippie-In-Spot.

Bei der Premiere des „UFO Presents Night Tripper“ genannten Mottoabends standen Experimentalfilme von Andy Warhol und Kenneth Anger sowie Sets der noch unbekannten Bands Soft Machine und Pink Floyd auf dem Programm. Jack Bracelin inszenierte die Psychedelic-Lightshow, Craig Sams lieferte Vegetarisches und Michael English und Nigel Waymouth (Hapshash And The Coloured Coat) gestalteten das Design für Poster, Flyer und Anzeigen. Es wurde kein Al­­kohol ausgeschenkt, die Einnahme von LSD oder ein Pfeifchen Haschisch oder Marihuana galten als ungeschriebenes Gesetz. Gehüllt in Samt, Seide und Satin der Boutiquen „Hung On You“ und „Granny Takes A Trip“, hob sich die neue Elite auch optisch vom Gesellschaftsrest ab. Szenepromis wie Paul McCartney, Brian Jones, Eric Burdon und Pete Townshend schauten regelmäßig vorbei. Für Tomorrow, Procol Harum, Social Deviants, Fairport Convention, Incredible String Band, The Crazy World Of Arthur Brown oder Bonzo Dog Doo-Dah Band erwies sich das „UFO“ als Karrieresprungbett.

Nach dem Event „The 14-Hour Technicolor Dream“ am 29. und 30 April im Alexandra Palace und Berichten der Boulevardpresse setzte eine Hatz gegen den Club ein. Auf Betreiben des Vermieters schloss das „UFO“ am 28. Juli seine Pforten. Weiterhalluziniert wurde vom 4. August an im Londoner Roundhouse mit den Premierengästen Family und Eric Burdon & The New Animals. Am 29. September endete das Sozialexperiment „UFO“ abrupt mit Shows von Jeff Beck und Ten Years After.