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Start Blog Seite 266

Queen: Die 50 besten Songs – Teil 4

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Platz 20: ›Spread Your Wings‹
NEWS OF THE WORLD, 1977

Diese Single von 1978 aus der Feder von John Deacon war kein großer Hit (in Großbritannien erreichte sie gerade mal Platz 34), doch in den vier Jahrzehnten seither wurde sie zu einem Liebling der Fans. Sie erzählt die Geschichte eines Jugendlichen in Schwierigkeiten, der in einem miesen Job gefangen ist. Der junge Mann soll seine Flügel ausbreiten und fortfliegen, begleitet von klimperndem Klavier und akustischer Gitarre, bis der stampfende Refrain einsetzt. „Ich mochte viele von Johns Songs“, kommentierte der ehemalige Queen-Roadie Peter Hince. „Die großen sind natürlich ›Another One Bites The Dust‹ und ›I Want To Break Free‹. Doch letztendlich finde ich, dass ›Spread Your Wings‹ Johns beste Nummer ist. Die Powerballaden haben mich nie so berührt – die Stücke mit dieser gewaltigen Dynamik, die sich von einem Schlaflied zu diesen riesigen Crescendi aufschwingen. Doch ›Spread Your Wings‹ war anders. Es war wie eine Powerballade, aber da steckte mehr Gefühl drin.“

Platz 19: ›I Want It All‹
THE MIRACLE, 1989

Die erste Single von THE MIRACLE ließ Rockfans in aller Welt erleichtert aufatmen. Als harter Stampfer voller quietschender Soli und wuchtiger Riffs griff er den klassischen, rockzentrierten Sound der Band wieder auf. „In gewisser Weise etabliert ›I Want It All‹ wieder unser altes Image“, sagte Hauptautor May 1989. „Es ist schön, mit etwas so Starkem zurückzukommen. Etwas, das die Leute daran erinnert, dass wir eine Live-Band sind.“ Auf den ersten Blick geht es um eine Gruppe desillusionierter Jugendlicher, die sich nach einem besseren Leben sehnen, doch May gab zu, dass es tatsächlich um etwas wesentlich Persönlicheres ging: „Es war einfach dieses Riff, von dem ich seit Monaten besessen gewesen war. Der Titel war ein Lieblingssatz von Anita, die ein sehr ehrgeiziges Mädchen ist: ‚I want it all, and I want it now‘.“

Platz 18: ›The Prophet’s Song‹
A NIGHT AT THE OPERA, 1975

Mit diesem achtminütigen Epos von May kamen Queen dem Prog so nahe wie sonst nie. Ursprünglich war es in vier Teilen geplant, was seine wendungsreiche Natur erklären dürfte. Es beginnt mit akustischen Gitarrenakkorden und sanft gezupften Saiten, dann kommen harte Arpeggio-Rockriffs und aufgeschichtete Gesangsharmonien, gefolgt vom zweieinhalbminütigen A-cappella-Part bei 3:25, dann wieder eine Hardrock-Abfahrt voller Gitarrensoli, bevor noch mal für 30 Sekunden diese leise Akustische zu hören ist. Oh Mann! Es ist wie eine umfassende Zusammenfassung von allem, was Queen so gut beherrschen, voller typischer Souveränität und Ambition. Kein Wunder, dass Mike Portnoy es als einen seiner Lieblingssongs von Queen beezeichnet. „Ich hatte einen Traum darüber, der wie Rache an anderen Leuten wirkte“, erklärte May. „Ich konnte in diesem Traum aber nicht wirklich herausbekommen, was diese Leute überhaupt falsch gemacht hatten. Es war so etwas wie eine Flut. In dem Traum liefen Leute durch die Straßen und versuchten, sich an den Händen zu berühren, in dem verzweifelten Versuch, zu beweisen, dass sie sich um andere sorgten. Ich spürte, dass das Problem wohl war – und das ist ohnehin etwas, wovon ich besessen bin –, dass die Menschen nicht genug aufeinander zugehen.“

Platz 17: ›Hammer To Fall‹
THE WORKS, 1984

Von May als Antwort auf die kriegslüsternen, angriffsgeilen Staatsoberhäupter und die zermürbende Nutzlosigkeit gewaltsamer Konflikte geschrieben, ist die Voraussicht dieses Songs immer noch deprimierend. Dieser aufpeitschende Rocker war inspiriert von Samuel Becketts Stück „Warten auf Godot“ von 1953 und spielt im Text auf viele der Ängste an, die all jene empfanden, die im Schatten des Kalten Kriegs und der Bedrohung durch nukleare Angriffe der UdSSR lebten. Ist das der fallende Hammer? Man denke nur an Hammer und Sichel auf der sowjetischen Flagge und alles ergibt Sinn… Wie gemacht für die Bühne, ist es kein Wunder, dass dieser Song eines der Highlights beim überragenden Auftritt von Queen bei Live Aid 1985 war.

Platz 16: ›Another One Bites The Dust‹
THE GAME, 1980

›Another One Bites The Dust‹ stand in den USA an der Spitze der „Black Music“Charts und enthält angeblich die rückwärts gesprochene Botschaft „It’s fun to smoke marijuana“. Die schlichten und kompakten Vocals dieser dreckigen Interpretation von Disco-Funk laufen im Tandem mit Deacons Bass und Mays straffen, kantigen Riffs. Zusammen mit einem schlichten, treibenden Schlagzeug fast ohne Fills ist das purer Minimalismus in seiner effektivsten Form. Ob man es glaubt oder nicht, es war tatsächlich Deacon, der diesen Song schrieb und der Band so den Funk vorstellte. „Ich hatte in der Schule viel Soul gehört und mich schon immer für diese Art von Musik interessiert“, sagte er bei dessen Erscheinen. „Ich hatte schon eine Weile lang so einen Track machen wollen, doch zunächst hatte ich nur die Zeile und das Bassriff . Nach und nach füllte ich das dann auf und die anderen brachten noch weitere Ideen ein. Ich konnte zwar hören, dass das eine gute Nummer zum Tanzen sein könnte, aber ich hatte keine Ahnung, dass es so riesig werden würde.“

Platz 15: ›We Will Rock You‹
NEWS OF THE WORLD, 1977

Vielleicht war es ein unschuldiger Zufall, doch dass hier das Pronomen „we“ benutzt wurde, sagte viel darüber aus, wie die Band sich im Verhältnis zu ihren loyalen Fans sah – und über die vielen Spitzen und Angriffe, die sie für sie hatte einstecken müssen. In der Hoffnung, zu den Wurzeln zurückzukehren und die Schichten der Überproduktion runterzufahren, die ihnen auf ihren jüngeren Alben so viel Häme eingebracht hatten, sollte ›We Will Rock You‹ die „spontanere Seite“ der Band zeigen und ist ein echtes Statement, verpackt in zwei Minuten. Mit dem fesselnd-donnernden Rhythmus, den packenden Vocals und diesem wunderbar gelenkigen Gitarrensolo war es die erste echte Rockhymne seit der goldenen Ära des Classic Rock, die wirklich zündete. Eine, die alle einlud, mitzumachen, und genau deshalb so gut funktionierte. Ein Song zum Mitsingen, Mitklatschen, Mitstampfen. Übrigens gibt es hier tatsächlich gar kein Schlagzeug – der unvergessliche Beat besteht ausschließlich aus Handklatschen und Fußstampfen, das im Studio aufgenommen wurden. Die schnelle Version ist ebenfalls wert, gehört zu werden.

Platz 14: ›Fat Bottomed Girls‹
JAZZ, 1978

Bis dato hatten Queen mit Sex in ihrer Musik bestenfalls geflirtet – obwohl Brian May sagte: „Bei uns ist Sex entweder implizit oder wird halb im Scherz erwähnt, aber er ist immer da“ –, doch auf dieser ersten Single von JAZZ ließen sie gewissermaßen die Hüllen fallen. Mays Riff ist kein bisschen weniger verführerisch und beeindruckend als das anzügliche Thema des Songs. Das bluesige Riff in diesem Schlachtruf für die Wertschätzung fülligerer Frauen in aller Welt erinnert an ›Honky Tonk Women‹ der Rolling Stones vor einem klirrenden Südstaaten-Soundtrack. „Ich schrieb das mit Fred im Kopf“, sagte May 2008. „Wie man das eben tut, vor allem, wenn man einen Sänger hat, der auf fettärschige Mädchen steht…oder Jungs.“

Platz 13: ›The March Of The Black Queen‹
QUEEN II, 1974

Noch eines von Mercurys proggigeren Stücken. Mit mehr als sechs Minuten ließ er seiner Vorliebe für Bombast freien Lauf und drehte in seiner Erzählung einer Feenexpedition so richtig auf – ein sich wiederholendes Thema auf seiner Seite von QUEEN II. Dass dies einer von nur zwei Queen-Songs ist, die im Polyrhythmus/Polymeter geschrieben wurden, hat viele Fans dazu veranlasst, ihn als Vorläufer des anderen Beispiels zu betrachten: ›Bohemian Rhapsody‹ – nicht zuletzt dank des verdammt ähnlichen Outros bei 5:40. Dieser Fanliebling ist wie mehrere Stücke auf QUEEN II so unfassbar komplex, dass er nie live dargeboten wurde. Er war auch ein Paradebeispiel für die mangelnde Mäßigung der Band in Sachen Überproduktion in jenen Anfangstagen. „Das war die Zeit der 16-Spur-Studios“, sagte Mercury 1977. „Davor, als wir auf 16 Spuren so viele Overdubs machten, packten wir einfach immer mehr drauf. Das Tonband wurde durchsichtig, weil es nichts mehr aufnehmen konnte. An zwei Stellen riss es sogar.“

Platz 12: ›We Are The Champions‹
NEWS OF THE WORLD, 1977

Einen besseren Song über das Überwinden scheinbar unüberwindbarer Hindernisse als diesen gibt es einfach nicht. Dies ist Mercurys Nationalhymne für alle Underdogs, die es doch noch geschafft haben. Auch hier war das „we“ als kollektiver „Ihr und wir“-Salut an die Fans zu verstehen – ein „Wir sitzen im selben Boot“- Schlachtruf, aber mit subtileren, nachdenklicheren Absichten. Mit den Passagen darüber, seine Abbitte geleistet und seine Strafe abgesessen zu haben, ohne ein Verbrechen begangen zu haben, lud er uns in seine einsame Blase ein, sprach aber gleichzeitig für uns in seiner trotzigen Erklärung, dass „wir“ die Champions seien, „meine Freunde“. Mit pochendem Herzen, hochgerissenen Armen, mit zurückgeworfenem Kopf am Klavier sitzend wie Judy Garland, war Freddie sowohl ein Märtyrer für die Sache als auch unser wahrer Freund. „Ich kann verstehen, dass einige Leute ›We Are The Champions‹ als bombastisch bezeichnen“, gestand May Jahre später. „Aber die Aussage war nicht, dass Queen die Champions sind, sondern wir alle. Das machte die Konzerte zu Fußballspielen, nur dass alle für dieselbe Seite sind.“ Oder wie es Freddie lachend in einem Zeitungsinterview nach dem gigantischen Erfolg des Songs formulierte: „Für einige Leute bin ich immer noch eine Bitch. Ich bin gerne eine Bitch. Ich umgebe mich gerne mit Bitches. Auf jeden Fall suche ich ganz bestimmt nicht nach perfekten Menschen. Das würde mich langweilen. Ich bin einfach wie ein verrückter Straßenköter. Ich habe gerne Spaß.“

Platz 11: ›Radio Ga Ga‹
THE WORKS, 1984

Von Roger Taylor geschrieben, nachdem er seinen dreijährigen Sohn „Radio poopoo“ sagen gehört hatte, schaffte es diese ultrarhythmische Hymne in 19 Ländern auf Platz 1 der Charts. Und man kann sagen, dass eine der größten wohltätigen Leistungen, die Bob Geldof mit Live Aid vollbrachte, jene war, Queen vom Rand des Abgrunds zurückzuholen und ihnen als kreativer Kraft neuen Antrieb zu geben. „Live Aid war für uns ein wunderbarer Energieschub“, sagte Taylor sechs Monate später in einem Interview mit der „Sun“. „Jetzt können wir es gar nicht erwarten, wieder auf die Bühne zu gehen.“ Der Grund für diese Wirkung auf die Band war einleuchtend: All ihrer üblichen Live-Ausrüstung beraubt und nur auf die vier Mitglieder reduziert, lag das Wembley-Stadion Mercury dennoch zu Füßen, und zwar von dem Moment an, als er auf die Bretter stieg. Ihr Set war wie eine Greatest-Hits-Revue und der Anblick von 72.000 Menschen, die zu ›Radio Ga Ga‹ die Hände in die Luft recken, ist bis heute das denkwürdigste Bild jenes Tages überhaupt.

Werkschau: Unser Album-Guide zu AC/DC

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Nachdem sie die Zauberformel für naturbelassenen Rock‘n‘Roll gefunden hatten, blieben sie ihr auch über 40 Jahre lang treu. Bis heute spielt ihn niemand besser als sie.

Die letzte Phase der langen, strahlenden Karriere dieser Band war schon eine ziemlich seltsame Reise. Der größte Schock war der plötzliche Ausstieg des Rhythmusgitarristen und De-facto-Anführers Malcolm Young nach seiner Demenzerkrankung, dann die traurige Nachricht seines Todes. Zuvor flog Schlagzeuger Phil Rudd raus, nachdem er wegen der Androhung von Mord und des Besitzes von Drogen vor Gericht gelandet war. Die surrealste Wendung folgte damals, als Frontmann Brian Johnson aufgrund der Gefahr permanenter Taubheit seinen Hut während der ROCK OR BUST-Tour nehmen musste und für die restlichen Shows durch Axl Rose ersetzt wurde.

Dann die unerwartete Reunion von Brian Johnsn, Angus Young, Phil Rudd und Cliff Williams für das Album POWER UP. Was nun nach alledem als Nächstes passiert bei AC/DC, darüber kann man nur spekulieren. So oder so, die Zukunft der Band liegt in den Händen von Angus Young und niemandem sonst: dem einzigen verbliebenen Gründungsmit­glied, dem maskottchenhaften Leadgitarris­ten und, in Abwesenheit seines großen Bruders – dem Boss.

Angus und Malcolm hatten die Band nach dem Tod von Sänger Bon Scott 1980 zusammengehalten. Und heute, so viele Jahre später, sieht es nicht aus, als wolle Angus die Gruppe aufgeben, die die Gebrüder 1973 in Sydney gegründet haben, als er gerade einmal 18 Jahre alt war. Ihre Musik hat sich in dieser Zeit kaum verändert, eine Konzentra­tion aufs Wesentliche, die sich bestens be­­zahlt gemacht hat: 200 Millionen verkaufte Platten sprechen eine deutliche Sprache. Die Blaupause, die AC/DC auf ihren frühen Alben mit Bon Scott etablierten – harter, geradliniger, riffgetriebener Rock‘n‘Roll –, hat ihnen bis zu ihrem bislang letzten Werk ROCK OR BUST von 2014 gute Dienste erwiesen.

Ihre besten Alben entstanden mit Bon Scott, mit einer Ausnahme: BACK IN BLACK. Brian Johnsons Einstand erschien nur fünf Monate nach Scotts Tod und wurde zur meistverkauften Rockplatte aller Zeiten. Und auch wenn die Herren danach nie wieder ein solches Meisterwerk ablieferten, gab es auf den Nachfolgern doch eine lange Parade klassischer, lauter, stolzer, primitiv-genialer Rockhymnen: ›For Those About To Rock (We Salute You)‹, ›Thunderstruck‹, ›Stiff Upper Lip‹, ›Rock N Roll Train‹ …
Was auch immer die Zukunft für AC/DC bringen mag, sie werden für Millionen Fans für immer die größte Hardrockband von allen sein. Und hier ziehen wir vor ihr den Hut.

Unverzichtbar

POWERAGE
Atlantic Records, 1978

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Keith Richards versteht ein bisschen was von Rock‘n‘Roll. Joe Perry auch. Und beide be­­zeichnen POWERAGE als ihren Favoriten von AC/DC. Es ist schlicht und einfach ihr ungefiltertstes Rock‘n‘Roll-Werk. „Die ganze Band meint es ernst, und das hört man“, so Richards. Die rohe Gewalt von ›Riff Raff‹ und ›Kicked In The Teeth‹ ist eine Attacke auf alle Sinne. ›Rock‘N‘Roll Damnation‹ und ›Sin City‹ sind zwei Hymnen, in denen es nur um den Groove geht. Und auf zwei der weniger bekannten Tracks gewährte Scott Einblicke in ein hartes Leben: In ›Down Payment Blues‹ erinnert er sich daran, pleite zu sein, in ›Gone Shoo­tin‘‹ an seine Trauer über eine verstorbene Junkie-Freundin, die „nie an der Schlafzim­mer­türe vorbei kam“.

BACK IN BLACK
Atlantic Records, 1980

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Der Titel und das tiefschwarze Cover kamen nicht von un­­gefähr. Angus beschrieb BACK IN BLACK als „unsere Hommage an Bon“. Doch es wurde so viel mehr als das. Es wurde nicht nur zu ihrem ab­­soluten Bestseller (und dem zweitmeistverkauften Album weltweit nach Michael Jacksons THRILLER), es ist auch die Mutter aller Come­back-Werke und wahrscheinlich auch die großartigste Hardrockplatte aller Zeiten. Klassiker reiht sich hier an Klassiker: ›Hells Bells‹, ›Shoot To Thrill‹, ›You Shook Me All Night Long‹, ›Rock And Roll Ain‘t Noise Pollution‹ und natürlich das geniale Titel­stück. Brian John­son sang, als gehe es um sein Leben. So entstand aus der Tragödie AC/DCs größter Triumph.

Wunderbar

HIGHWAY TO HELL
Atlantic Records, 1979

AC/DC Highway To Hell
Ihr erster Millionenseller und leider das letzte Album, das Bon Scott je machen sollte. Der Erfolg war auch das Re­­sultat eines Produzentenwechsels. Statt des Duos Harry Vanda und George Young saß Robert „Mutt“ Lange an den Reglern, der für ›Rat Trap‹, die Nr. 1 der Boom­town Rats von 1978, verantwortlich gezeichnet hatte. Er ließ AC/DC besser klingen, ohne ihnen die Eier abzuschnei­den. Sie klangen noch immer geil, etwa auf ›Walk All Over You‹ und dem finsteren ›Night Prowler‹, doch es gab auch radiofreundliche Refrains auf ›Touch Too Much‹ und dem Titeltrack.

HIGH VOLTAGE
Atlantic Records, 1976


Das Album, das die Band der Welt außerhalb Australiens vorstellte, stieß nicht nur auf Gegenliebe. Der „Rolling Stone“ beschrieb es als „absoluten Tiefpunkt“ der Rockmusik. Da­­r­auf fanden sich die besten Songs der ersten beiden australischen Veröffentlichungen von 1975: dem Original von HIGH VOLTAGE sowie T.N.T. Zwei der Stücke sind seither Fixpunkte im Live-Set: ›T.N.T.‹ mit seinem räudigen Charme und der dreckige Blues ›The Jack‹. Auf ›Rock‘N‘Roll Singer‹ und ›It‘s A Long Way To The Top (If You Wanna Rock‘­N‘Roll)‹ hört man einen brennenden Hunger in Scotts Stim­me.

LET THERE BE ROCK
Atlantic Records, 1977

AC/DC- Let there be rock
Malcolm Young sagte über die Musik seiner Band: „Es ist einfach lauter Rock‘n‘Roll – wham, bam, thank you man!“ Kein AC/DC-Album verkörpert das besser als LET THERE BE ROCK. Erschienen 1977, als der Punk im Zenit stand, hatte es einen rohen Klang, eine manische Intensität und einen Straßen-Habitus, der Punks und Headbanger gleichermaßen ansprach. Es wurde größtenteils live im Studio aufgenommen und enthielt zwei Songs, die zu Rockklassikern werden sollten: ›Whole Lotta Rosie‹, Bons Hommage an ein 120-kg-Groupie, und das frenetische, obszöne Titelstück.

IF YOU WANT BLOOD YOU’VE GOT IT
Atlantic Records, 1978

ACDC If You Want Blood
Der Titel des Live-Mitschnitts sagt schon alles. Das Cover auch: Angus, gepfählt auf seiner Gitarre, Bon neben ihm mit glasigem Blick. Ein passendes Bild von einer Band, die auf der Bühne alles gab. Die Auf­nahme entstand 1978 auf der POWERAGE-Tour, ein Großteil der finalen Version kam von einem Gig in Glasgow, dem Geburtsort der Youngs. „Das“, so Angus, „war die magische Show.“ Das lautstarke Pub­likum wurde zu einem Teil dieser Magie und grölte Angus‘ Namen während ›Whole Lotta Rosie‹. Eines der ganz großen Live-Alben.

Anhörbar

DIRTY DEEDS DONE DIRT CHEAP
Atlantic, 1976


Nachdem sie die zweite LP für Atlantic abgeliefert hatten, kam die böse Überraschung. DIRTY DEEDS war, wie der Ti­­tel andeutete, so unverdaulich für Mainstream-Hörer, dass sich das Label weigerte, es in den USA zu veröffentlichen (was sich erst in den 80ern änderte). Nachvollziehbar, denn ein Hit würde nie daraus werden. Doch der Titel­track entwickelte sich zum Live-Liebling. Unter all dem lasziven und primitiven Material – etwa ›Rocker‹, auf dem sich Scott selbst mythologisierte – gewährt das wehklagende ›Ride On‹ einen Blick auf den Mann hinter dem Mythos.

FOR THOSE ABOUT TO ROCK WE SALUTE YOU
Atlantic Records, 1981


Kommerziell haben AC/DC BACK IN BLACK nie übertroffen. Am nächsten kamen sie dem Ziel mit dem Nachfolger, ihrer ersten Nr. 1 in den USA. Der Titelsong erhebt es über jede AC/DC-Platte, die folgte. Angelehnt an das Motto rö­­mischer Gladiatoren, machten es das gigantische Riff, der heldenhafte Refrain und der ex­­plosive Höhepunkt zur größten und lautesten Hymne der Band. Letztmal fungierte Mutt Lange als Pro­duzent, das Er­­gebnis war keinesfalls perfekt. Schwergewichte wie ›Let‘s Get It Up‹, ›Evil Walks‹ und ›Spell­bound‹ lassen dennoch keine Langeweile aufkommen.

THE RAZOR’S EDGE
Atlantic Records, 1990

ACDC The Razors Edge
Auf jedem AC/DC-Werk der letzten 30 Jahre befand sich wenigstens ein Klassiker,von WHO MADE WHO (1986) bis zu ROCK OR BUST (2014). Und der beste allen – noch besser als ›Rock N Roll Train‹ von BLACK ICE – ist ›Thunderstruck‹, der wahnwitzig geniale Opener von THE RAZORS EDGE. Mit An­­gus‘ elektrisierendem Intro, dem unheilvollen „Thunder!“-Chor, Johnsons eiersprengendem Ge­­sang und einem Monster-Riff an der Dreiminuten-Marke ist es AC/DC hoch hundert. Auch wenn sich hier einiger Müll fand, etwa ›Mistress For Christmas‹, standen dem das eingängige ›Moneytalks‹ und der Reißer ›Fire Your Guns‹ gegenüber.

Sonderbar

FLY ON THE WALL
Atlantic Records. 1985

AC/DC - FLY ON THE WALL
Auf BACK IN BLACK machten sie alles richtig. Nur fünf Jahre später, auf FLY ON THE WALL, machten sie alles falsch – schrecklich falsch. 1983 hatten sie nach dem Weggang von Mutt Lange für FLICK OF THE SWITCH die Produktion selbst übernommen – was funktionierte. Mit dem reduzierten, knochentrockenen Klang und einigen saftigen Songs ist es ein unterschätztes Werk. Aber hier misslang alles: Angus und Mal­colm schafften es, wie ihre eigene Tribute-Band an einem schwachen Abend zu klingen, während ihnen mit ›Shake Your Foun­­dations‹ nur eine halbwegs brauchbare Nummer gelang. Kurzum: ein Desaster.

Queen: Die 50 besten Songs – Teil 3

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Platz 30: ›A Kind Of Magic‹
A KIND OF MAGIC, 1986

Ein weiterer Qualitäts-Popsong von Roger Taylor über seine utopische Weltsicht. Eine der bekanntesten Singles von Queen wurde ursprünglich ebenfalls für „Highlander“ geschrieben. Der Titel stammte aus einem Zitat im Film und wurde gewohnt souverän zu einem äußerst eingängigen Pop-Meisterwerk geschmiedet, auch wenn es zwei Versionen mit leicht unterschiedlicher Konstruktion und Stimmung gibt. Die erste, Roger Taylor zugeschrieben, ist im Abspann des Films zu hören, während die etwas funkigere Fassung auf dem Album eindeutiger von Mercury beeinflusst wurde. Beide werden von Roger Taylors ungeniert poppigem Schlagzeugsound vorangetrieben, aber wir zumindest bevorzugen Letztere.

Platz 29: ›Too Much Love Will Kill You‹
MADE IN HEAVEN, 1995

May hatte diesen Song irgendwann zwischen A KIND OF MAGIC und THE MIRACLE geschrieben, doch er hatte es nicht auf das Album von 1989 geschafft und galt als vergessen – bis er auf dem finalen Queen-Werk auftauchte. Abgemischt in einer Version, für die Mercury 1989 den Gesang aufgenommen hatte, ist dies das einzige Stück auf MADE IN HEAVEN, das nicht von der Band neu bearbeitet wurde. Im Text geht es um Mays Eheprobleme und seine aufkeimenden Gefühle für seine heutige Frau Anita Dobson. 1997 wurden Queen für die Nummer mit einem Ivor Novello Award ausgezeichnet, was May so kommentierte: „Wenn es jemals einen Song gab, für den ich einen Preis gewinnen wollte, dann diesen. Vielleicht gibt es zwei Arten von Songs – manche passieren, einfach weil sich jemand hinsetzt und beschließt, etwas zu schreiben. Doch es gibt noch die andere Art, Lieder wie dieses, die einfach geschrieben werden müssen, weil der Autor keine Wahl hat. Das passierte in einer Zeit, als ich eine sehr schwierige Phase durchmachte. Ich schrieb das als eine Art von Therapie.“

Platz 28: ›Tie Your Mother Down‹
A DAY AT THE RACES, 1976

Das jubelnde Riff war von Rory Gallagher inspiriert und Brian rechnete damit, dass Freddie den Arbeitstitel ändern würde. Doch das tat er nicht. Wer an das frenetische Tempo der meisten Live-Adaptionen gewohnt ist, wird von der wesentlich groovigeren Albumfassung dieses Stammgasts auf Queen-Setlisten angenehm überrascht sein, der die Platte nach einem fast unerträglichen Spannungsaufbau eröffnet. Eine Anekdote besagt, dass Taylor beim Videodreh von ungünstig platzierter Pyrotechnik vom Stuhl geblasen wurde. Und zufälligerweise fand sich auf den Singles für den amerikanischen und japanischen Markt mit ›Drowse‹ der vielleicht schlechteste Queen-Song überhaupt als B-Seite. „Ich wünschte, Def Leppard hätten das geschrieben“, sagte Joe Elliott. „Das Schlagzeug und die Gitarren darauf sind genauso, wie wir sie mögen. Ich kann mich nur schwer zwischen ›Now I’m Here‹ und ›Tie Your Mother Down‹ als meinem Lieblingssong von Queen entscheiden, aber ich wähle Letzteren, allein schon für seine Trashyness – für ihre Verhältnisse ist das ziemlich roh und ungeschliffen.“

Platz 27: ›Save Me‹
THE GAME, 1980

Diese Powerballade, die erste Single von THE GAME, ist geradezu heldenhaft – geschrieben von May, der auch das Klavier spielte, mit viel Leidenschaft von Freddie Mercury gesungen, und dann natürlich noch mit einem herrlich aufgebrezelten Solo von May versehen. Eine klassische Queen-Ballade – doch das Video schlug mit reduzierten, außergewöhnlichen Kreidezeichnungen in eine ganz andere Kerbe. Die Single erschien sechs Monate vor THE GAME, erreichte Platz 11 in Großbritannien und blieb ein halbes Jahr in den Charts. In vielerlei Hinsicht war es eine typische Single für die Band mit einer aufgebohrten Produktion [von Langzeitproduzent Reinhold Mack], die mehr an die Anfangstage erinnerte als an das Material der späten 70er.

Platz 26: ›39‹
A NIGHT AT THE OPERA, 1975

Noch eine B-Seite aus den 70ern, diesmal die von ›You’re My Best Friend‹ – mehr dazu später. Das akustische ›39‹, geschrieben von May und inspiriert von einer Science-Fiction-Geschichte über Raumfahrt und Zeitdehnung, ist einer der eigenartig liebenswertesten Momente im Queen-Katalog, und eines von sehr wenigen Stücken, bei denen May auch den Lead-Gesang übernahm. „Das war immer mein Lieblingssong“, sagte Dan Hawkins von The Darkness. „Mein Dad hatte diesen alten, fast schrottreifen MG, doch der hatte eine wirklich gute Anlage und ich kann mich lebhaft daran erinnern, wie er die Kassette von A NIGHT AT THE OPERA einlegte. Dann kam gleich ›39‹ und die Harmonien und das Arrangement überwältigten mich sofort. Danach war ich von der Musik und von Queen besessen.“

Platz 25: ›It’s Late‹
NEWS OF THE WORLD, 1977

Noch ein Song aus der Feder von May, und wie viele seiner besten Stücke handelte er von Problemen in seinem Liebesleben. Hier gab er zu, mit der Treue zu kämpfen und berichtete von den Schuldgefühlen, die das auf Tour mit sich brachte – kaum getarnt als griechische Tragödie in drei Akten. Das herzhaft bluesige Riff, das anzügliche Thema und die mehrschichtigen Vocals machen dies zu einem der reizvollsten Queen-Tracks überhaupt. „Das ist noch so ein Song, der eine Geschichte aus dem Leben erzählt“, sagte May 1989. „Ich denke, es geht darin um alle möglichen Erfahrungen, die ich gemacht habe, und solche, die andere gemacht haben, aber letztlich war er sehr persönlich, und er wurde in drei Teilen geschrieben. Der erste Teil ist zuhause, der Typ ist bei seiner Frau. Der zweite Teil ist in einem Raum irgendwo, der Typ ist bei einer anderen Frau, die er liebt und nicht zu lieben aufhören kann, und im letzten Teil ist er dann wieder bei seiner Frau.“

Platz 24: ›Crazy Little Thing Called Love‹
THE GAME, 1980

Dieses Stück im 50er-Rockabilly-Stil wurde angeblich von Freddie Mercury geschrieben, während er im Münchner Hilton-Hotel ein Schaumbad nahm. Queen bewiesen hier einmal mehr, dass es für sie keine Genregrenzen gab. Außerdem gab das Thema des Songs Freddie die Gelegenheit, sich im Video ganz in Leder gekleidet auf einem riesigen Motorrad zu räkeln. Musikalisch ist es einer der einfacher gestrickten Momente der Band: geradliniger Aufbau, akustisches Intro und der obligatorische Solo-Basslauf. Die Vielseitigkeit erstreckt sich aber auch auf das Gitarrensolo, für das sich May Taylors Fender Esquire auslieh, um den perfekten Lead-Break im Klang der 50er abzuliefern.

Platz 23: ›Good Old-Fashioned Lover Boy‹
A DAY AT THE RACES, 1976

Diese B-Seite von ›Teo Torriatte‹, eine freche Romanze im Varieté-Stil, dokumentiert die Aufregung der Hauptfigur bei der Vorbereitung auf einen Ausgehabend mit dem Objekt der Begierde. Die trällernden Verse schweben über Mercurys Klavier und Deacons Bass, während die charakteristischen mehrspurigen Harmoniegesänge den Refrain tragen. Mercury beschrieb das fröhlich-spaßige Stück als „eine meiner Varieté-Nummern. So eine mache ich immer, aber ›…Lover Boy‹ ist geradliniger als etwa ›Seaside Rendezvous‹. Es ist ziemlich schlicht, Klavier und Gesang mit einem eingängigen Beat. Aber das Album braucht so etwas, um ein bisschen zu entspannen.“

Platz 22: ›You’re My Best Friend‹
A NIGHT AT THE OPERA, 1975

John Deacon schrieb es als wahrhaft romantische Erklärung an die Frau, die er heiraten würde, doch die weniger romantisch veranlagten unter uns könnten diese Single von 1976 auch als sentimentales Gespräch zweier alter Kumpel nach einem Abend im Pub interpretieren. Der Song etablierte den Bassisten erstmals als bemerkenswerten Songwriter und begeistert nicht nur durch Mercurys leidenschaftlichen Gesang, sondern auch durch die unglaublichen drei- und vierteiligen Vocal- und Gitarrenharmonien. Mercurys Darbietung mag zwar durch Spezialeffekte mächtig aufgebohrt worden sein, aber das ändert nichts daran, dass sie Deacons von Herzen kommende Botschaft perfekt transportiert. „Ich bin sogar sehr zufrieden damit“, sagte Mercury 1976 in der Zeitschrift „Rock Australia“ über den Song. „John ist wirklich gereift. Brian und ich schrieben bisher fast alle Songs, während er im Hintergrund blieb. Er hat sehr hart gearbeitet und sein Song ist sehr gut, nicht wahr? Er ist schön.“

Platz 21: ›These Are The Days Of Our Lives‹
INNUENDO, 1991

Freddies Gesundheitszustand verschlechterte sich von Tag zu Tag, also konnte er sich nur zu gut hineinfühlen in Taylors herzzerreißenden Text über einen Mann, der auf alles zurück blickt, was er erreicht hat. Das Ergebnis war ein äußerst treffender Song mit kaum zu übersehenden Parallelen zu Mercurys eigenem Leben. Das Video wurde im Mai 1991 gedreht und sollte seine letzte Filmaufnahme werden, womit die Single (im Dezember 1991 als Doppel-A-Seite mit dem Rerelease von ›Bohemian Rhapsody‹ veröffentlicht) eine Art spirituellen Schlussstrich unter die Karriere von Queen als Studio-Act zog. Eine passende Würdigung für den Sänger, der im Monat zuvor verstorben war. „Er sang davon, die Uhr nicht zurückdrehen oder sich zurücklehnen und das Leben durch seine Kinder genießen zu können, als er natürlich schon wusste, dass er sterben würde“, sagte Dave Hill von Slade. „Er verstand sehr wohl, was mit ihm passierte. Es waren die Tage seines Lebens, und seine Songs sind immer noch ein Teil von unserem. Es ist eine sehr nachdenkliche Zeit, wenn jemand stirbt, aber die Musik von Queen lässt Freddie im Geiste lebendig bleiben.“

Queen: Die 50 besten Songs – Teil 2

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Platz 40: ›It’s A Hard Life‹
THE WORKS, 1984

Diese Single von THE WORKS wurde komplett von Freddie Mercury geschrieben. Er spielte nicht nur Piano und sorgte für den Großteil des Gesangs, er sagte May sogar, wie er sein Solo spielen sollte. Das humorvolle Video zur dritten Single des Albums erinnert bisweilen an die Oper, nicht zuletzt wegen des Intros, das auf „Vesti la giubba“ aus „Pagliacci“ aus dem 19. Jahrhundert basierte. Genau deswegen betrachteten viele diese überkandidelte, zeremonienhafte Darbietung als Fortsetzung von ›Bohemian Rhapsody‹. Doch nicht jeder war von Song und Video begeistert: „Es ist offensichtlich, dass Roger und John im ganzen Clip miese Laune haben. Sie blicken finster und mürrisch“, schreibt Georg Purvis. Mercury indes war stolz auf das Ergebnis, den Pomp und die Grandezza, weshalb es eines seiner Lieblingsstücke auf THE WORKS war.

Platz 39: ›White Queen (As It Began)‹
QUEEN II, 1974

Angeblich war das Lied inspiriert vom Gedicht „The White Goddess“ des brtischen Poeten Robert Graves, doch May gab später zu, dass es tatsächlich um ein Mädchen ging, in das er sich in der Schule verliebt hatte: „Ich weiß noch, wie ich diesem Mädchen aus dem Biologieunterricht völlig verfallen war, und ich redete nie mit ihr… Dann wurde ich herausgefordert, sie um ein Date zu bitten, und sie wurde zu einer lebenslangen Freundin. Ziemlich seltsam.“ Die Verbindung von akustischer Gitarre, stampfendem Proto-Metal und benebelter Instrumentierung, kombiniert mit Mercurys seidenweichem Gesang, verleiht dem Song einen Tiefgang und eine Dichte, die schon auf die geniale Kraft von Mays und Mercurys Songwriting-Partnerschaft hindeutete, die sich zu entwickeln begann.

Platz 38: ›Death On Two Legs (Dedicated To…)‹
A NIGHT AT THE OPERA, 1975

Dieses größte „Fuck you“, das jemals auf Tonband festgehalten wurde, war eine gnadenlose Attacke auf die einstige Managementfirma der Band, über die Freddie mal den berühmten Satz losließ: „Man lässt sie hinter sich, wie man Exkremente hinter sich lässt.“ 100 Prozent Gift und Galle, versucht er nicht mal ansatzweise, seine Gefühle diplomatisch zu formulieren: „Feel good? Are you satisfied? You’re a sewer rat decaying in a cesspool of pride/Should be made unemployed, then make yourself null and void.“ Autsch. „›Death On Two Legs‹ war der erste Queen-Song, der mich wirklich angemacht hat“, sagte Todd Rundgren einmal. „Er hat alles, was dann zu den ‚klassischen Queen-Elementen‘ wurde – die aufgetürmten Vocals, die feurige Gitarre. Aber auch die Produktion ist ziemlich dynamisch, und dann ist da noch das sehr originelle Arrangement mit vielen Breaks und Synkopen. Das machte den Song so einzigartig. Ich habe mir das Album nur deswegen gekauft.“

Platz 37: ›Breakthru‹
THE MIRACLE, 1989

Als diese Single erschien, hatte Mercury schon seine AIDS-Diagnose erhalten, auch wenn das zu dem Zeitpunkt noch ein wohlgehütetes Geheimnis innerhalb der Band und ihrer engsten Vertrauten war. „Ich bin mir sicher, dass die Kritiker sagen werden, wir seien ein Haufen arroganter Bastarde, wie sie das normalerweise tun“, sagte May bei der Veröffentlichung. „THE MIRACLE, das sind nicht wir, sondern etwas, nach dem wir suchen – der Weltfrieden –, und das wird dann als plakativer Idealismus abgetan werden. Aber so ist es nun mal.“ Doch die Kritiker konnten sagen, was sie wollten – die Fans liebten es dennoch. Nach einem zarten Klavierintro entwickelt sich der Song schnell in einen knackigen, freudigen Rocker. Und man höre diese von ›Boys Of Summer‹ inspirierte Akkordfolge. „Ich mag diesen Track sehr“, sagte May damals. „Es ist ein Lied von Roger, voller Energie.“

Platz 36: ›Keep Yourself Alive‹
QUEEN, 1973

Abgesehen von einer Scherzplatte unter dem Namen Larry Lurex war ›Keep Yourself Alive‹ Freddie Mercurys erste Single. Unfassbarerweise wurde sie vom „Record Mirror“ damals für einen „Mangel an Originalität“ kritisiert. Häh? Mit innovativem Tonband-Phasing und Studiotricks im Stil von ›Pinball Wizard‹ herrschte diesbezüglich alles andere als ein Mangel. Die galoppierenden Riffs, mehrspurigen Gitarrenwände, Ruf-und-Antwort-Vocals sowie der unwiderstehliche Refrain machten das Lied ebenfalls zu einem Live-Klassiker. Außerdem ist es ein majestätisches Beispiel für Brian Mays Perfektionismus im Studio und beweist, dass die Band schon von Anfang an ein starkes Gespür für den großen Auftritt hatte. May war allerdings nicht so leicht zufriedenzustellen und bereute später, dass „es nie die Magie hatte, die es hätte haben sollen.“ „Freddie Mercury war der van Gogh des Rock. Alles, was er tat, war großartig“, sagte Frankie Sullivan von Survivor. „Fällt dir irgendwas ein, das schlecht war? Ich habe geübt, indem ich versucht habe, Brian Mays Licks auf diesem Song zu spielen. Davon bekomme ich immer noch eine Gänsehaut.“

Platz 35: ›Brighton Rock‹
SHEER HEART ATTACK, 1974

Der Opener des Albums (Arbeitstitel: ›Bognor Ballad‹, ›Southend Sea Scout‹ und ›Happy Little Fuck‹) begann und endete mit einer pikaresken Geschichte über zwei Liebende am Meer, gesungen zuerst in einer hohen, dann in einer tiefen Stimme. May erkor das Stück mit seinen Jahrmarktsgeräuschen, dem stotternden Riff und heliumgefärbten Gesang zum Präsentierteller für sein Gitarrenspiel. „Ich hatte mich zu dem Zeitpunkt schon recht weit davon entfernt, Hendrix zu hören“, sagte er 1984 der BBC. „Ich denke, da ging es mehr darum, meinen Stil zu entwickeln. Vor allem der Solopart in der Mitte, den ich auf der Tour mit Mott The Hoople gespielt und schrittweise ausgebaut hatte und der seither immer weiter gewachsen ist. Ich versuche zwar immer wieder, ihn rauszuwerfen, doch irgendwie schleicht er sich immer wieder hinein.“ „Das war das Erste, was ich sie je spielen gehört habe“, so Pete Agnew von Nazareth. „Roy Thomas Baker hatte unser zweites Album produziert und gesagt, wir sollten nach Queen Ausschau halten. Als ich nach Hause kam, ging ich in einen Laden in der örtlichen Einkaufsstraße und kaufte mir die Kassette von SHEER HEART ATTACK. Als ich mir dann im Auto beide Seiten angehört
hatte, war ich überwältigt. So sehr, dass erst ein Polizist kommen und mir sagen musste, dass ich wegfahren soll.“

Platz 34: ›You Take My Breath Away‹
A DAY AT THE RACES, 1976

Auch dieser Song war inspiriert von der ersten Japan-Tour der Band und bediente sich für die Melodie bei der pentatonischen Tonleiter aus der japanischen Musik. Gerichtet an Mercurys damaligen Partner David Minns, ist es ein sanftes, klagendes, klavierbasiertes Liebeslied im klassischsten Queen-Stil, das den Protagonisten ohne Umschweife wissen lässt, wie sehr Freddie in ihn verliebt war. „Das raubte mir im wahrsten Sinne des Wortes den Atem, als ich es zum ersten Mal hörte“, sagte Luke Spiller von The Struts. „Die Anfangssequenz, die geschichteten Vocals, die Töne, die Freddie traf. Ich weiß noch, wie ich gerade anhand dieses Songs lernte, wie ich meine Falsettstimme benutzen kann – das zeigte mir Dinge, von denen ich nicht einmal wusste, dass ich sie mit meiner Stimme tun konnte.“

Platz 33: ›Seven Seas Of Rhye‹
QUEEN II, 1974

Oh wie gerne sind wir doch am Meer! Als Instrumental hatten sie diese Nummer schon ein Jahr zuvor auf ihrem Debütalbum vorgestellt. Diese „fertige“ Version geriet dann zu einem prickelnden, klavierbasierten Knaller inklusive maritimem Mitsing-Finale. Voller euphorischer Energie und randvoll mit innovativen Ideen, war sie einer von Mercurys Favoriten, trotz all der vernichtenden Kritiken, mit denen Queen schon damals rechnen mussten. „Für mich war ›Seven Seas Of Rhye‹ der Song, der die Karriere von Queen richtig in Gang brachte“, findet Tony Clarkin von Magnum. „Ein richtiger Rocker mit fantastischen Harmonien. Ich liebte die Tatsache, dass sie ihn schon auf ihrem ersten Album gehabt hatten und ihn dann am Ende von QUEEN II wieder aufgriffen. Das war wirklich ein Geniestreich.“

Platz 32: ›Princes Of The Universe‹
A KIND OF MAGIC, 1986

Aufgenommen für den Soundtrack zu „Highlander“, verfügt dieses Stück über viele der Hochglanzelemente, die man von Filmscores der 80er-Jahre erwarten würde, aber eben gepaart mit all dem stampfenden, supertheatralischen Pomp von Queen. Die Band hatte natürlich einige Erfahrung mit Soundtracks – auch wenn es kein Song von FLASH GORDON in diese Liste geschafft hat – und wusste, wie man das ablieferte, was ein Film verlangte. Dieser Song mit seinen metallischen Riffs und der bedrohlichen Stimmung ist zudem einer der härtesten, die sie in den 80ern einspielten. Zu einer Zeit, in der sie vor allem klimpernde Pianoballaden und radiofreundlichen Poprock fabrizierten, war dies eine ruhmreiche Erinnerung daran, dass sie immer noch rocken konnten. Und zwar hart.

Platz 31: ›One Vision‹
A KIND OF MAGIC, 1986

Auf ›One Vision‹, zu hören im Film „Der stählerne Adler“, rief Roger Taylor zu Frieden und Einheit auf der Welt auf. Es ist nicht nur ein denkbar grandioser Opener für Konzerte, sondern eröffnete auch A KIND OF MAGIC, jenes Werk, das teils Queen-Album, teils der Soundtrack von „Highlander“ war. Zudem war es die erste Single, auf der „written by Queen“ geschrieben stand. Inspiriert von ihrem epochalen Auftritt bei Live Aid, baut die Nummer auf einem passend muskulösen Riff auf und wird von einer weiteren umwerfenden Gesangsdarbietung in höchste Höhen geführt. Außerdem demonstriert sie die Fähigkeit der Band, mit jedem Stil zu spielen, und auch wenn die Konstruktion ziemlich eindeutig ist, zeigt der Mittelteil mit Elektronikgefrickel und Studiotrickserei den Humor, der im gesamten Katalog von Queen zu finden ist, aber oft übersehen wird. Und die Ohren täuschen einen auch nicht: Die letzten Worte lauten in der Tat „fried chicken“, zurückzuführen auf den wachsenden Hunger der Herren nach einem langen Tag im Studio und Mercurys Improvisationen während der Aufnahmen.

Queen: Die 50 besten Songs – Teil 1

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Es gibt eine schöne Szene im Film „Bohemian Rhapsody“, in der sich Freddie Mercury und der Rest der Gang ›We Will Rock You‹ und ›We Are The Champions‹ einfallen lassen. Der Gedanke dahinter, sagen sie, sei es, Songs zu schreiben, die ihnen das Publikum entgegensingen kann – das Publikum also zum Teil des Songs zu machen. Eine einfache Idee, die ganz eindeutig funktioniert hat. Man fragt sich, warum nicht viel mehr Bands nach diesem Prinzip verfahren.

Die Verbindung zwischen Queen und ihren Fans ist bis heute besonders stark. Auf jeden Nörgler, der sich über ihre Arbeit mit Adam Lambert aufregt, kommen zehn andere, die ihre Lieblingsband in Schutz nehmen: Es ist ihr Vermächtnis und sie können damit tun, was sie wollen. Vor allem sind es ihre Songs. Oh ja, die Songs. Alle 189. Von dem barockgefärbten Hardrock, der zu ihrem Fundament wurde, zu ihren Ausflügen in Funk, Prog, Oper und so ziemlich alles dazwischen war absolut nichts tabu, wenn es um ihre Kreativität ging. Dass so ein breitgefächertes Spektrum an Einflüssen und Leidenschaften durch den Queen-Filter geschickt wurde und letztlich klang wie sonst niemand, ist nur ein Grund dafür, dass sie über so viele Jahrzehnte von so vielen Menschen verehrt werden.

Eine Liste wie diese wird nie der Meinung aller entsprechen, und nicht wenige werden überrascht von der Auswahl mancher Tracks oder ihrer Position sein. Doch eines ist sicher: Es sind Queen-Songs, und sie sind alle grandios.

Platz 50: ›Bicycle Race‹
JAZZ, 1978

Freddies flinker Ritt durch diesen Hardrock-Zungenbrecher zeigt Queen auf maximaler Camp-Stufe. Der Song selbst ist dabei ein aufregender Trip mit Bezügen auf Kokain, „Krieg der Sterne“, Watergate und John Wayne, veredelt durch ein Solo auf einer Fahrradklingel. Damit ist er eine ziemlich gute Zusammenfassung des Albums, auf dem er sich befindet: durchgeknallt, in alle möglichen Richtungen schießend, vor allem aber genial. Die Band hatte sich in die Schweiz begeben, um in ihren favorisierten Mountain Studios in Montreux an JAZZ zu arbeiten. Dort wurden sie dann zu diesem Stück inspiriert, als die Tour de France 1978 durch die Stadt führte.

Genauso offensichtlich war die Inspirationsquelle für das Video, in dem Dutzende nackter Frauen auf Fahrrädern durch das Stadion in Wimbledon fahren, und natürlich wurde dessen Ausstrahlung in diversen Ländern verboten. Was wohl exakt das war, was Queen sich erhofft hatten. „Auf diesem Queen-Album JAZZ ist ziemlich seltsamer Scheiß“, sagte Mike Patton 2006: „›Bicycle Race‹ ist so viel dichter, tiefer und satter als die ProTools-Systeme, auf denen man 96 fucking Spuren aufnehmen kann. Das beeindruckt mich sehr – ganz zu schweigen von der Musik selbst –, aber wie zum Teufel haben sie das nur gemacht?“

Platz 49: ›The Fairy Feller’s Master-Stroke‹
QUEEN II, 1974

Dieser Albumtrack, inspiriert von Richard Dadds gleichnamigem Gemälde, ist ein gutes Beispiel dafür, wie Mercurys natürliche Kreativität durch geschickt angewandtes Studio-Know-how unterstützt werden konnte. „Ich habe viel darüber gelesen und das brachte mich dazu, ein Lied darüber zu schreiben, was ich in dem Gemälde sah“, sagte er 1977 auf Radio One. „Ich war auf der Kunstschule gewesen, ich mochte einfach den Künstler und sein Werk, also dachte ich, ich mache einen Song darüber.“ Klingt einfach, aber wir reden hier von Queen, also war es natürlich alles andere als simpel.

Die Nummer ist so komplex, dass sie niemals live gespielt wurde, sie erwacht jedoch mit ihren übereinander geschichteten Instrumentalspuren und launigen Geschichten über Feen-Expeditionen auch so zum Leben. Mercury bezeichnete sie einst als Queens „größtes Studioexperiment“. Dank Cembalo, Klavier, Kastagnetten und einem von Jimi Hendrix inspirierten Stereopanorama gilt das Stück bis heute als einer der Höhepunkte in seiner Karriere als Songwriter.

Platz 48: ›Dragon Attack‹
THE GAME, 1980

Diese von Brian May geschriebene B-Seite von ›Another One Bites The Dust‹, angeblich John Deacons Lieblingslied der Band, von Roger Taylor jedoch geschmäht, weil sie „das rechte Handgelenk schwer belastet“, ist über die Jahre zu einer Art Kulthit unter Fans geworden. Die minimalistischen Disco-Funk-Tendenzen versteht man deutlich besser, wenn man weiß, dass der Song das Ergebnis einer betrunkenen Jamsession war, die irgendwann aufgezeichnet wurde. „Roger und John swingen überzeugend und stimmen auf einen Groove ein, den sie dann durchhalten“, schreibt Georg Purvis in „Queen: Complete Works“. „So kann Brian auf ein paar dreckigen Gitarrenlicks vom Leder ziehen, während Freddie den spärlichen Text singt, in dem es angeblich um seine Partyexzesse geht.

Platz 47: ›Liar‹
QUEEN, 1973

Die zweite Single vom selbstbetitelten Debütalbum ist ein wunderbar dramatisches Vehikel für Queens charakteristischen Harmoniegesang, Brian Mays Gitarre und die Fähigkeit der Band, mit ihrer Musik Geschichten zu erzählen. Es mag noch die Kinderstube von Queen gewesen sein, doch die Bausteine ihrer zukünftigen Musik sind alle schon vertreten: Seide, Satin, aufwendige Federschnitte, Faux-Zeppelin-Riffs, Möchtegern-Beach-Boys-Harmonien und ein verrückter Gospel-Break.

„Der erste Song, den ich von ihnen hörte, war ›Liar‹“, sagte Paul Stanley. „Man bekommt nur eine Chance, einen ersten Eindruck zu hinterlassen, und dieser Song hat mich sofort begeistert. Natürlich wurden sie dann zu etwas völlig anderem, doch ich erinnere mich daran, wie ich das hörte und von der Persönlichkeit und dem Klang der Nummer sehr beeindruckt war. Später wurde es dann etwas anderes, was aus verschiedenen Gründen sehr beeindruckend war – die Vielseitigkeit und die Fähigkeit von jedem in dieser Band, eine Nr. 1 zu schreiben, ist konkurrenzlos.“

Platz 46: ›The Millionaire Waltz‹
A DAY AT THE RACES, 1976

Diese flamboyant-exaltierte Laune aus der Feder von Mr. Mercury ist gleichermaßen fröhlich und ein Beleg für die Tiefe des Talents der Band. Ihr Faible für Bombast kann sich hier ungehindert ausbreiten und die pointierte Grandezza des Songs brachte Taylor dazu, ihn zum Nachfolger von ›Bohemian Rhapsody‹ im Geiste zu krönen. Der Walzer über ein Leben in Saus und Braus des reichen Protagonisten handelte tatsächlich vom damaligen Bandmanager John Reid.

Mercury sagte dem Comedian und DJ Kenny Everett damals: „Das ist eigentlich weit außerhalb des üblichen Queen-Formats, und wir fanden, dass wir so etwas gerne auf jedem Album tun würden. Ich denke, ich bin hier einfach ein bisschen verrückt geworden. Aber der Song ist wohl ganz gut geraten, er bringt die Leute manchmal zum Lachen.“

Platz 45: ›Now I’m Here‹
SHEER HEART ATTACK, 1974

Nachdem sie mit dem Popsong ›Killer Queen‹ einen ersten größeren Hit gelandet hatten, war die nächste Single eine Rückbesinnung auf ihre Heavy-Rock-Wurzeln. ›Now I’m Here‹ baute auf einem von Brian Mays großartigsten Riffs auf und war für so eine harte Nummer ein überraschend großer Erfolg: Platz 11 in den britischen Charts. May hatte das Stück geschrieben, als er nach der Rückkehr aus den USA im Krankenhaus lag. Verständlicherweise wollte er so schnell wie möglich zu seinen Kollegen zurückkehren, die das nächste Album schon mal ohne ihn in Angriff genommen hatten, und auch die Arbeit an diesem Track begann, während er sich noch erholte. Der Text behandelte die Kluft zwischen der Erfahrung, mit Mott The Hoople durch Amerika zu touren, und dem Leben in einem engen Wohnklo in West-London mit seiner Freundin.

„Das kam ziemlich leicht zustande“, sagte der Gitarrist, „obwohl ich zuvor ziemlich damit gekämpft hatte, ohne auf einen grünen Zweig zu kommen.“ Der knackige Hardrock von ›Now I’m Here‹ wurde auch live zu einem Favoriten. „Ich glaube, das war ihr erster Song, als ich sie etwa in der Zeit von SHEER HEART ATTACK sah“, erinnerte sich Richard Barbieri von Porcupine Tree. „Freddie drehte natürlich alle Regler auf Camp, und viele ihrer Sachen waren recht leise, doch wenn Queen rockten, konnten sie ohne jegliche Mühe mit Zeppelin, Sabbath und Purple mithalten. Das war eines der besten Konzerte, die ich je gesehen habe.“

Platz 44: ›I’m In Love With My Car‹
A NIGHT AT THE OPERA, 1975

Vor ›Radio Ga Ga‹ 1984 hatte Roger Taylor noch keinen eigenen Hit gelandet, aber an diesem Stück, das er für A NIGHT AT THE OPERA geschrieben hatte, verdiente er definitiv nicht schlecht. ›I’m In Love With My Car‹ wurde als B-Seite auf die Single von ›Bohemian Rhapsody‹ gepackt, wodurch Taylor den gleichen Anteil an Tantiemen erhielt wie Mercury – was für einige Reibung zwischen den beiden sorgte. Doch davon abgesehen war dies ebenfalls ein großartiger Song.

Inspiriert war er von einem Roadie, der seinen Triumph-Sportwagen als die Liebe seines Leben betrachtete, daher die Zeile in den Album-Credits: „Gewidmet Jonathan Harris, Bleifuß bis zum Ende.“ Und Taylors Text beinhaltete einige Witze um dieses Thema: „Told my girl I had to forget her/Rather buy me a new car burettor“. Brian May hatte gleich das ganze Lied als Witz abgetan, als Taylor ihm zum ersten Mal das Demo vorspielte. Doch das Endresultat war so gut – eine aufgedrehte Rocknummer, wie sie nur Queen spielen konnten, mit Roger Taylor im Mittelpunkt –, dass ›I’m In Love With My Car‹ zu einer echten Hymne wurde.

Platz 43: ›Teo Torriatte (Let Us Cling Together)‹
A DAY AT THE RACES, 1976

Das klavierlastige Finale von A DAY AT THE RACES hatte May als Dank an die ergebenen japanischen Fans geschrieben. Beim ersten Besuch in Fernost waren Queen äußerst warmherzig empfangen worden, und May nannte dieses Stück „das Ergebnis des Gefühls, zu früh von unseren wundervollen Fans in Japan losgerissen worden zu sein. Ich hatte noch nie so etwas wie diese Liebe erfahren, mit der wir als junge Rockband in Japan überschüttet wurden. Plötzlich verspürte ich den Wunsch, im Namen von Queen zu sagen, dass ich sie vermisste und wir das nicht vergessen würden.“ Der Text wurde von Chika Kujiraoka übersetzt und Mercurys warmherzigemotionaler Gesang machte das Stück zu einem geschätzten Fanliebling in aller Welt.

Platz 42: ›Stone Cold Crazy‹
SHEER HEART ATTACK, 1974

Mit dem furiosen ›Stone Cold Crazy‹ – ein Einfluss auf Metallica und damit ein wichtiger Eckpfeiler der gesamten Thrash-Metal-Bewegung – kamen Queen dem echten Heavy Metal näher als je zuvor oder danach. Mercurys Gesang auf dem Original von 1974 (der einzige Song bis zu den späten 80ern, der der gesamten Band zugeschrieben wurde) war zwar wesentlich verspielter und ausdrucksstärker als der von James Hetfield, doch mit dem ratternden Maschinengewehr-Riff und schnellem Headbang-Tempo muss man es trotzdem als frühen Metal-Klassiker bezeichnen. „Mann, was für ein Refrain“, sagte Reb Beach von Whitesnake darüber. „Ich liebe den Song, weil die ganze Band darauf rockt, dann hält alles an und Freddie benutzt dieses unglaubliche Stimme, um eine wirklich wortreiche Strophe zu singen. Nur er konnte das so klingen lassen.“

Platz 41: ›I Was Born To Love You‹
MADE IN HEAVEN, 1995

Ursprünglich ein Solostück von Mercury, das er in einer der Kreativpausen von Queen aufgenommen hatte, wurde seine discotastische Version von May, Deacon und Taylor einer Rockbehandlung unterzogen und auf dem letzten Album, also erst nach Freddies Tod, veröffentlicht. Die unüberhörbaren Wurzeln im Disco-Genre machten es zu einer der poppigsten Nummern im Queen-Katalog, und seine andauernde Beliebtheit ist umso verwunderlicher, wenn man bedenkt, dass Mercury es einst für derart belanglos hielt, dass er es fast von seinem diverse Genres umspannenden Soloalbum MR. BAD GUY entfernt hätte, bevor es veröffentlicht wurde. Doch der emotionale Text und der unwiderstehliche Beat erheben es bis heute zu einem geschätzten Liebling der Fans.

Die 50 besten Alben des Jahres 2021 | Platz 5-1

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Zwölf Monate, hunderte von neuen Alben, tausende von Songs – gute, schlechte, grandiose Stücke.
Wer kann da den Überblick behalten? Gut, dass es die CLASSIC ROCK-Redaktion gibt! Wir haben uns auf
Zeitreise begeben, uns für euch angestrengt erinnert, haben gesammelt, recherchiert, diskutiert, bewertet und auch gekämpft. Das ist dabei herausgekommen: die 50 besten Alben des Jahres 2021!

Texte: Matthias Jost, David Numberger, Paul Schmitz, Markus Werner.

Platz 5: Mastodon – HUSHED AND GRIM

Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis sich die seit je her in ihrer Musik angelegte Neigung zu ausufernden, komplexen Strukturen endgültig Bahn brechen würde, nun legen Mastodon also ihr erstes Doppelalbum vor. Das Faszinierende an dem neunzigminütigen Mammut… äh Mastodonwerk: Der Vierer aus Atlanta packt in jeden Song derart viele Ideen, Tempo- und Stilwechsel wie andere Bands in ein ganzes Album. Dadurch bleibt HUSHED AND GRIM über die gesamte Laufzeit hinweg spannend, die durchschnittliche Songlänge von ca. sechs Minuten wirkt zu keinem Zeitpunkt künstlich gestreckt. Produzent David Bottrill (u. a. Tool, Rush, Muse, Peter Gabriel) verstand es wie kein anderer, gänzlich neue Facetten des Quartetts zu Tage zu fördern. So beginnt ›The Beast‹ mit einer von dieser Band noch
nie gehörten, konventionellen Country-Blues-Passage inkl. Clear Vocals, bis nach guten zwei Minuten das titelgebende Biest von der Leine gelassen wird. ›Had It All‹, mit äußerst dezenten Elektronik-Tupfern, ist eine Ballade für die Ewigkeit, die auch dem hartgesottensten Fan einen Kloß in den Hals drücken dürfte
– auch hier beeindruckend: die Gesangsleistung, die auf diesem Album ein neues Level erreicht. Als hätten sie sich nicht ohnehin schon mit ihren letzten Longplayern fortwährend gesteigert, legen Mastodon mit HUSHED AND GRIM ihr vorläufiges Opus magnum vor. Sprachlosigkeit vor Staunen.
Anspieltipp: ›Had It All‹

Platz 4: Israel Nash – TOPAZ

Er ist gekommen, um zu lernen. Besser gesagt ist Israel Nash Gripka, von 2009 aus und damals noch in New York ansässig, bei seinem mittlerweile sechsten Studioalbum angelangt, um immer weiter dazuzulernen – für Nash ein zentraler Lebenssinn und -inhalt. Und so hat der sanfte Eigenbrötler und philosophisch denkende, große Mensch methodisch und stilistisch sein Repertoire auf TOPAZ konsequent erweitert. Immer mehr auf eigenen Beinen stehend, in seinem Studio auf dem wilden Stück Land in Texas, das er seit etlichen Jahren bewohnt, unternahm er 2020 das Unterfangen, erstmals ein Album vollkommen selbstständig zu produzieren. Dafür ließ er sich Zeit und nahm sich die nötige Ruhe sowie neue Vorbilder. Denn, so erklärte er im März gegenüber CLASSIC ROCK: „Ich bin als Songwriter an einen Punkt gekommen, an dem ich mich von Musik inspirieren lassen und meine eigene Interpretation davon kreieren kann, ohne mich dabei in einen vorformulierten Rahmen pressen lassen […] zu müssen.“ All das hört man auf TOPAZ: Die einjährige Entstehungsphase der insgesamt zehn neuen Stücke und die Ungestörtheit im einsamen Arbeiten (›Dividing Lines‹), die Weite der Umgebung von Dripping Springs (›Canyonheart‹), den 70s-Soul (›Indiana‹), den Nash zu jener Zeit in sich aufsog. Hatten die früheren
Veröffentlichungen Nashs ihren festen Stand im amerikanischen Rock, fügte er ihnen über die Jahre mehr und mehr Psychedilica und Folk hinzu, zuletzt auf LIFTED von 2018 um einigen Sunshine-Pop und Kaugummiblasenschimmer aufpoliert. Diese Strömungen vereint TOPAZ erneut, zeigt sie aber in schärferen Konturen und bereichert sie durch soulige Bläsersätze und Backing-Vokalistinnen. Ein gereifter, mutigerer und neu inspirierter Israel Nash: 2021, du hattest auch deine guten Seiten.
Anspieltipps: ›Southern Coasts‹, ›Canyonheart‹

Platz 3: Blackberry Smoke – YOU HEAR GEORGIA

Im Prinzip war jedes 2021 erschienene Album zwangsläuf ig ein Lockdown-Album, auch wenn Charlie Starr bekräftigte, YOU HEAR GEORGIA sei zwar im ersten Pandemiejahr entstanden, aber nicht wirklich davon inspiriert worden. Dennoch scheint es mehr als passend, in einer Zeit, in der alle zuhause saßen und Reisen kaum noch möglich war, ein Loblied auf die eigene Heimat zu singen. Oder auch zehn. Wie die in Atlanta ansässige Band ihren Bundesstaat feiert, hat dabei nichts mit störrisch-reaktionärem Redneck-Patriotismus à la Kid Rock oder Ted Nugent zu tun, sondern bemüht sich vielmehr, genau dieses Bild zu widerlegen und die Kunde von einem Ort der Kultur, der Offenheit und Akzeptanz in die Welt zu tragen. Dass darin auch beklagt wird, wie weit manche Menschen von diesen Idealen entfernt sind, belegt, dass Blackberry Smoke nicht durch die rosarote Brille auf ein Südstaaten-Utopia ohne Probleme
blicken – sich aber sehr wohl eine neue Welt herbeisehnen, in der man einander respektvoll begegnet.
Und wie könnte man das besser tun als mit einem Sound, der gleichsam innigst mit dieser besonderen Region der USA verbunden ist und doch auf dem ganzen Planeten Menschen vereint? Das Kunststück, mit dem die Band es in ihrer nunmehr gut 20-jährigen Karriere immer zu vermeiden wusste, als gestrig-hängengebliebene Klischeetruppe abgetan zu werden, besteht dabei darin, dass sie sich nie vollständig den Southern-Rock-Konventionen ergab, sondern immer auch zu Soul, Country oder leicht psychedelischen Anwandlungen geschielt hat. Spätestens seit THE WHIPPOORWILL von 2012 ist dieses Rezept zu erhabener Güte gereift und somit zu jener Eigenschaft, die so vielen zugeschrieben wird, die aber nur die wenigsten wirklich je erreichen: Zeitlosigkeit. Dass diese Songs genauso gut aus dem Jahr 1978 stammen könnten, ist unerheblich, und wo ein Prachtstück wie ›All Rise Again‹ (mit Warren Haynes) sich richtig traditionell gibt, zeigt das Highlight ›Morningside‹, wie muskulös und kraftvoll dieser Cocktail zubereitet werden kann. Die wichtigste Zutat im Sound von Blackberry Smoke hingegen durchdringt alle Strömungen, Stilrichtungen und Facetten auf wunderbarste Weise: Wärme. Und die können wir momentan wirklich mehr denn je brauchen.
Anspieltipp: ›Morningside‹

Platz 2: Black Label Society – DOOM CREW INC.

Die beiden Zankäpfel, dieses Mal sind sie getrennte Wege gegangen. Die On/Off-Beziehung von Ozzy Osbourne und seinem Stammgitarristen Zakk Wylde stand eigentlich zuletzt auf „On“, dennoch wurde Letzterer nicht zur Arbeit am jüngsten Werk von Ersterem eingeladen. Angeblich, weil die Sessions an ORDINARY MAN (2020) derart zwanglos und ohne erklärte Absicht, etwas Verwertbares zu produzieren, vonstatten gingen, dass sie sich gar nicht wie Albumsessions angefühlt hätten. Was in der Folge den Gedanken an eine Beteiligung Wyldes gar nicht erst aufkommen ließ. Klingt irgendwie nach billiger Ausrede, oder? Dem Außenvorgelassenen kann’s recht sein, konnte er doch so all die in ihm schlummernden Songideen für sein eigenes Album aufsparen. Und dass es derer nicht wenige gegeben
haben muss, davon legt DOOM CREW INC. eindrucksvoll Zeugnis ab, Wyldes Elfte berstet nahezu vor großartigen Momenten. Betitelt nach dem Spitznamen, den er selbst seiner Road Crew gegeben hat, und als Verbeugung vor ebendieser und den Fans gedacht, finden sich auf DOOM CREW INC. zwölf Titel im typischen Black-Label-Society-Signature-Sound, von denen nicht einer auch nur ansatzweise als Füller
bezeichnet werden kann. Beginnend mit dem knochentrockenen Banger ›Set You Free‹ über die unsterbliche Ballade ›Forever And A Day‹ und das 90er-Vibes atmende ›Gospel Of Lies‹ bis hin zu ›Farewell Ballad‹, dem Gänsehaut-garantierenden Abschied von allen Von-uns-Gegangenen inkl. Kloß-im-Hals-Garantie, berstet diese Platte nur so vor ausladenden Melodien, Soli und Twin Guitars. Auch
DOOM CREW INC. zeigt sich wieder klar inspiriert von Zakks musikalischen Helden aus Teenagertagen, darunter Black Sabbath, Led Zeppelin, Cream und Deep Purple. „Diese Riffs sind für mich der Maßstab, wie ein Song zu klingen hat. Mein Amp ist zwar vergleichsweise leise, aber dafür mit ganz viel Hall eingestellt. Wenn man die Augen schließt, hört sich der Sound so an, als stehe man im New Yorker Madison Square Garden. Das sind so kleine Tricks, die eine ungeheure Wirkung entfalten.“ Man muss Ozzy wirklich dankbar sein.
Anspieltipp: ›Farewell Ballad‹

Platz 1. Neil Young & Crazy Horse – BARN

Scheunen mochte Neil Young schon immer. Das Meisterwerk HARVEST wurde in einer aufgenommen,
gern parkt der Songwriter seine Biosprit-Oldtimer-Autos darin, jetzt heißt auch eins seiner Alben so: BARN. Scheune. Es passt zu Youngs Musik, die sich ja seit den Anfängen in den 60ern – von einigen
Ausreißern in den 80ern abgesehen – nicht grundlegend verändert hat: Seine Lieder haben was Altes, Archaisches an sich, hatten sie schon immer. Ob er sich jetzt allein mit Gitarre und Mundharmonika
hinsetzte oder mit seinen treuen Crazy Horse einen urzeitlichen Gitarrensturm entfachte. Er lag damit zwar immer wieder mal im Trend, allerdings ohne selber einem zu folgen. Auf BARN kommt jetzt nochmal beides zusammen: der Songwriter und der Krachmacher. Die Scheune hat auch was mit Youngs Weltzugang zu tun, beziehungsweise seiner Weltverarbeitung. Sie ist sowas wie sein Ort der Reflexion des zuvor Erlebten, Erfahrenen, von einem neuen Standpunkt aus. Die räumliche Distanz macht es einfacher, darüber zu singen. Und diesmal kam das Ganze tatsächlich einem Rückzug gleich. Denn die Scheune, in der Young zusammen mit Billy Talbot, Ralph Molina und Nils Lofgren (der heutigen Inkarnation von Crazy Horse, Youngs „Band aus Brüdern“) die Stücke für BARN aufgenommen hat, steht hoch oben in den Rocky Mountains. Es ist dieselbe wie auf dem Coverfoto. Die Natur, das Abgeschiedene als Hintergrund für den Blick auf die Zivilisation, und darauf, wie beide Sphären aufeinander wirken, wie eine die andere bedroht. Das beschauliche ›Song Of The Seasons‹ – akustische Gitarre, Ziehharmonika –
lässt noch Raum für Romantisierung. Songs wie der Bar-Bluesrock ›Change Ain’t Never Gonna Come‹ oder das gewaltig wütende ›Human Race‹ hauen dazwischen. Young schießt gegen einen „Benzin verbrennenden Mob“, prophezeit Waldbrände, Überschwemmungen, die die heutige Generation ihren Kindern hinterlässt, wenn nicht endlich ernsthaft was gegen den Klimawandel gemacht wird. Das Umwelt-Zivilisation-Thema ist zentral auf BARN. Young nimmt sich aber auch Zeit für den Blick zurück (›Heading West‹ erzählt davon, wie er einst als junger Musiker aus Kanada nach Kalifornien gekommen ist) und macht Wortspielchen mit seinem noch relativ neuen Status als US-Kanadier (›Canerican‹). ›Tumbling Through The Years‹ ist ein ganz zartes Klavier-Liebeslied. Absolut großartig sind das maximal reduzierte, verlorene ›They Might Be Lost‹ und die achteinhalb Minuten ›Welcome Back‹ mit Youngs charakteristischer, schleppender, suchender E-Gitarre.
Anspieltipp: ›They Might Be Lost‹

Die 50 besten Alben des Jahres 2021 | Platz 10-6

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Zwölf Monate, hunderte von neuen Alben, tausende von Songs – gute, schlechte, grandiose Stücke.
Wer kann da den Überblick behalten? Gut, dass es die CLASSIC ROCK-Redaktion gibt! Wir haben uns auf
Zeitreise begeben, uns für euch angestrengt erinnert, haben gesammelt, recherchiert, diskutiert, bewertet und auch gekämpft. Das ist dabei herausgekommen: die 50 besten Alben des Jahres 2021!

Texte: Jacqueline Floßmann, Henning Furbach, Matthias Jost, Simone Müller, David Numberger, Paul Schmitz, Markus Werner.

Platz 10: The Darkness – MOTORHEART

The Darkness sind eine Bank! Trotz ihrer Soundfixpunkte, bestehend aus Pomp, unnachahmlichem Falsettgesang, zackigem Rock’n’Roll und einem mehr als herrlichen Humor, schaffen es die Briten, jedem ihrer Alben einen eigenen Touch zu verleihen und mit Überraschungen aufzuwarten. Hier beispielsweise: eine feministische Botschaft im Titeltrack und Lords-Of-The-New-Church-Vibes im letzten Track der Platte.
Anspieltipp: ›Speed Of The Night Time‹

Platz 9: Kadavar, Elder – ELDOVAR – A STORY OF DARKNESS AND LIGHT

ELDOVAR ist die zweite Pandemieplatte, an der Kadavar beteiligt sind. Ihre Allianz mit Elder ist ein Zeichen des Zusammenschlusses in isolierten Zeiten. Auf dem Fusionswerk mit sieben Tracks finden sich vor allem atmosphärische Klänge – das hier ist ein sanft plätschernder Trip zwischen Prog, Folk und der Transzendenz des Universums, Musik, die weit abseits des Hauptstroms fließt, sich in tausend kleine Verzweigungen gabelt und so einen schimmernden Kosmos aufspannt.
Anspieltipp: ›Blood Moon Night‹

Platz 8: Cheap Trick – IN ANOTHER WORLD

Knappe 50 Jahre wandeln Cheap Trick jetzt tatsächlich schon auf diesem Planeten und schaffen es trotzdem mit ihren durchschnittlich 70 Jahren, das perfekte Maß an Zitaten des eigenen Schaffens und
frischem Wind zu finden. Exemplarisch durchexerziert haben sie das auf ihrem 20. Streich namens IN ANOTHER WORLD, einem kleinen Wirbelsturm aus Power Pop, Rock’n’Roll, eingängigen Melodien und funkensprühender Energie, der frisch wie Pfefferminz aus den Lautsprechern tönt und sofort ein gutes Gefühl in die Mitte des Hörers pflanzt. Wie immer wird natürlich den Beatles gehuldigt, ein wenig Led Zeppelin schimmert auch durch. Abgerundet von zwei, drei Balladen, die jedoch angenehmerweise ganz ohne Schmalz und Kitsch auskommen, und dem Cover von John Lennons ›Gimme Some Truth‹, haben sich Cheap Trick 2021 – und man muss es einfach so sagen – selbst übertroffen, auch ohne großartigen Innovationswillen. Die bisher höchste Chartposition ihrer Karriere in Deutschland hat sich die Band zu
Recht abgeholt.
Anspieltipp: ›The Summer Looks Good On You‹

Platz 7: Steven Wilson – THE FUTURE BITES

Wer beklagt, Qualität verkaufe sich nicht mehr, der durfte beruhigt feststellen, dass Steven Wilson auch
mit seinem jüngsten Werk die Top 3 erreichte. Und das bietet eine faszinierende Interpretation von intelligentem Pop, gebettet in eine so bissige wie augenzwinkernde, aber keinesfalls verkopfte Abhandlung zum Thema Konsumterror im Zeitalter der sozialenMedien. Von Beatles über wüstentrockenen Funk bis zu träumerischem Ambient und lässigem Soul reicht hier das Spektrum, und trotzdem ist THE FUTURE BITES kein disparates Sammelsurium, sondern eine schlüssige Reise in das vielleicht wachste Gehirn der britischen Rockwelt.
Anspieltipp: ›King Ghost‹

Platz 6: Iron Maiden – SENJUTSU

Wie immer, wenn große Bands ein neues Album veröffentlichen, spaltet sich die Fangemeinde in Hasser und Liebhaber auf. SENJUTSU musste einiges an Gemecker einstecken – von „schlecht produziert“ bis hin zu „einfallslos“ – doch das ist, gelinde gesagt, absoluter Quatsch. Mit ihrem neuen Doppelalbum haben Iron Maiden mal eben ein Metal-Epos auf die Welt losgelassen, das seinesgleichen sucht. Alleine die Bandbreite von der Southern-Rock-Nummer ›The Writing On The Wall‹ über den wuchtigen Opener und Titeltrack bis hin zu verträumten Proggern à la ›The Time Machine‹ ist enorm. Vielleicht ist SENJUTSU nicht von vorne bis hinten perfekt, auf jeden Fall aber überdurchschnittlich.
Anspieltipp: ›The Time Machine‹

Plattensammler: Leslie Mandoki über seine Lieblingsalben und -musiker

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Leslie Mandoki ist ein musikalischer Tausendsassa. Er hat nicht nur mit Phil Collins und Lionel Richie gearbeitet, er komponiert auch Jingles für Autofirmen, Fußballclubs und Parteien. Uns erzählt er von den Platten, die ihn am meisten beeinflusst haben.

Mein Vater hörte John Coltrane, Charly Parker und Miles Davis, Jazz auf Radio Free Europe, Voice of America. Wenn jemand an der Tür klingelte, musste immer der Sender am Radio verstellt werden, weil das Fremdhören schwere Konsequenzen hätte haben können. So war es dann auch in der 1. Klasse, als wir gefragt wurden, wie wir das Beatles-Konzert im Radio fanden. Das lief auf Radio Free Europe aus München, während der kommunistischen Diktatur ein völlig illegaler, freier Sender. Die Eltern der Schüler, die sich gemeldet hatten, wurden von ihrer Arbeitsstätte abgeholt. Ich habe sehr früh gelernt, dass Musik eine gesellschaftspolitische Bedeutung hat. Das erste Album, das mein Leben verändert hat, war AQUALUNG von meinem Freund Ian Anderson.

DIE BESTE PLATTE, DIE ICH JE GEMACHT HABE, WAR …
Mein neues Visual Album UTOPIA FOR REALISTS. Meine zwei verstorbenen Freunde, John Lord von Deep Purple und Greg Lake von Emerson, Lake & Palmer, haben es mit mir zusammen sehr, sehr lange entwickelt und jetzt gab mir die schreckliche Covid-Zeit die Chance, das neu zu bedenken, überarbeiten und ein visuelles Album daraus entstehen zu lassen. Darin verknüpfe ich auf ganz neue Weise poetische und soziokulturell anspruchsvolle Songtexte und komplexe Kompositionen als Neudefinition von Progrock und der Virtuosität des Jazz Rock. Es verschmilzt mit exzellent animierten Gemälden und künstlerisch anspruchsvollen Landschaftsaufnahmen aus der Karpatentiefebene, ergänzt durch besondere Einblicke und Aufnahmen während der Studiosessions.

DIE SCHLECHTESTE PLATTE, DIE ICH JE GEMACHT HABE, WAR …
Die schlechteste ist gleichzeitig die schrägste Platte. Das war das reguläre zweite Album von Dschinghis Khan, da war die Luft raus, ich wollte nur noch weg und zurück zur Rockmusik. Da spornte mich nichts mehr an.

DER GITARRENHELD IST …
Bei mir sind das die, mit denen ich zusammengearbeitet habe und es auch noch immer tue: Steve Lukather, Al di Meola und Mike Stern. Mit Al und Mike habe ich nicht nur das letzte Album eingespielt, sondern soeben zusammen vor 33.000 Leuten in Budapest gerockt. Mit Al di Meola verbindet mich eine langjährige Freundschaft, weil ich nach meiner Flucht in die Freiheit schon bei der Aufnahme im Zentrallager gesagt habe, dass ich mit ihm spielen will. Mike ist einer der weltbesten Gitarristen, ein unglaublich herzlicher und wunderbarer Mensch, eine sehr schöne Bereicherung meines Leben.

DER BESTE SONGWRITER IST …
Lennon und McCartney bleiben natürlich der Maßstab aller Dinge – genial. Aber wir haben etliche Jahrhunderttalente wie Sting. Ein Freund, mit dem ich viel arbeiten durfte, ist Phil Collins. Auch Lionel Richie ist ein ganz großartiger Songwriter. Zwei würde ich noch hinzufügen: ein Soulmate, der mir als Musiker sehr, sehr nahesteht, ist Ian Anderson, und der unerreichte Frank Zappa.

DIE HYMNE
Die beste Hymne ist ›We Are The World‹ von meinem Freund Lionel Richie und Michael Jackson. Hier hat Quincy Jones einen Maßstab in der Musikindustrie gesetzt, inhaltlich, in der Formsprache und auch in der Produktion. Es ist wahrscheinlich die größte Ballade aller Zeiten – für mich auf jeden Fall.

DAS BESTE ALBUM ALLER ZEITEN IST …
AQUALUNG von Jethro Tull hat ein neues Kapitel in meiner Teenagerzeit eröffnet und mir ganz neue Dimensionen des Musikmachens aufgezeigt. Das ist eines der großartigsten Meisterwerke von Ian Anderson. Aber es ist wirklich schwierig, das beste Album aller Zeiten zu benennen, denn es gibt so viele! SELLING ENGLAND BY THE POUND von Genesis oder das allererste von Phil Collins, FACE VALUE, oder Stings THE DREAM OF THE BLUE TURTLES oder HEAVY WEATHER von Weather Report. Das sind alles epochale Meisterwerke. Als Musiker stellt man natürlich an die eigene Arbeit die höchsten Ansprüche und so empfinde ich, dass UTOPIA FOR REALISTS unser bestes Album ist.

MEIN KULTHELD
Das sind für mich Ian Anderson und Frank Zappa wegen ihrer intellektuellen Komplexität. Der eine so britisch wie man nur sein kann und der andere ebenso amerikanisch. Beide mit unfassbar beeindruckender schwarzer Ironie und unglaublicher, musikalischer Finesse. Sie haben so viele Trends
gesetzt, diese Großartigkeit kann man gar nicht mit Worten beschreiben, es muss für Generationen ein Maßstab sein.

DIE UNTERBEWERTETSTE BAND ALLER ZEITEN
Die ungarische Progrock-Band Syrius. Sie schafften 1972 ein Nummer-eins-Album in Australien, dann gingen sie nach Ungarn zurück und wurden von den Kommunisten zerstört. Wenn man heute ihr einziges Album, DEVIL’S MASQUERADE, anhört, dann weiß man, dass es im Osten doch eine Weltklasse-Band gab, die schon Anfang der 70er Progrock auf Englisch gespielt hat.

DER SONG, DER MICH ZUM WEINEN BRINGT
Einige, aber ›Bourbon Street‹ von Sting und ›In The Air Tonight‹ von Phil Collins mit Sicherheit.


MEIN „IN STIMMUNG“-SONG
Da erinnere ich mich an den guten, alten Freddy Mercury, wieviel Freude wir miteinander hatten, als er noch in München lebte. Dafür könnte ich eine Playlist von ›Bohemian Rhapsodie‹ bis ›Bicycle‹ zusammenstellen und in Freddies Genialität eintauchen.


DER SONG, DER BEI MEINER BEERDIGUNG LAUFEN SOLL
›The Last Year Of Summer‹ von mir selbst. Ist schließlich die letzte Party, bei der ich nicht dabei sein kann. Dann aber wenigstens musikalisch.