Nachdem David Lee Roth überraschend vor einigen Wochen die Ballade ›Pointing At The Moon‹ veröffentlicht hat, legt er jetzt mit ›Nothing Could Have Stopped Us Back Then Anyway‹ nach. In dem ruhig-verträumten Song mit Harmonie-Gesängen und warmen Orgelklängen erzählt Diamond Dave liebevoll von seiner Zeit mit Van Halen, als die Band in den 70er Jahren durchstartete.
Das Lied entstammt einigen Akustik-Sessions, die Roth 2007 mit John 5 abhielt. Manche Songs, die bei dieser Zusammenarbeit entstanden, fanden bereits ihren Weg an die Öffentlichkeit, andere wie eben ›Nothing Could Have Stopped Us Back Then Anyway‹ waren lange Zeit unter Verschluss.
Im Juni fand wieder das „Sweden Rock“-Festival in Sölvesborg, Schweden statt. Unser Fotograf Frank C. Dünnhaupt war vor Ort und hat das mit Stars gespickte Line-Up festgehalten.
David Sinclair blickt auf das Leben und die Musik des enigmatischen Bassisten und Sängers von ZZ Top zurück.
Der plötzliche Tod im Alter von 72 Jahren des Bassisten, Sängers, Songwriters und Keyboarders Dusty Hill war ein riesiger Verlust angesichts seiner robusten, aber zurückhaltenden Präsenz auf der Rockstar-A-Liste über einen so langen Zeitraum. Mit seinem langen Rauschebart, der schwarzen Sonnenbrille und den unvermeidlichen Cowboyhüten erschuf er gemeinsam mit seinem Spiegelbild Billy Gibbons an der Gitarre und Schlagzeuger Frank Beard einen Sound, ein Image und einen Mythos, die ZZ Top def inierten, die in ihren eigenen Worten „little ol’ band from Texas“, und sie zu einem der Wunder der Rock’n’Roll-Welt machten. Wie die Präsidentenköpfe, die am Mount Rushmore aus dem Fels gemeißelt wurden, schienen diese überlebensgroßen Methusalems für ein ewiges Leben bestimmt zu sein.
Und tatsächlich waren sie bis zu dem Tag, als Hill zu Hause in Houston im Schlaf verstarb, auf Tour. Er war in die Stadt gekommen, um eine Hüftverletzung behandeln zu lassen, während der Band-Gitarrentechniker Elwood Francis auf der Bühne für ihn einsprang. Gibbons hat bekanntgegeben, dass sie beabsichtigen, auch die verbleibenden Konzerte dieser Tournee zu spielen. „Wie Dusty sagte, als er sich verabschiedete: ‚Let the show go on!‘ Und mit allem Respekt wird es gut sein, darüber hinwegzukommen und seine Wünsche zu respektieren“, so Gibbons.
Nach bescheidenen Anfängen 1969 in Houston tourten sich ZZ Top zunächst in Amerika zu ihrem Status, und als sie 1976 die „Worldwide Texas Tour“ unternahmen, waren sie einer der größten Stadion-Acts im Land. Die Ambitionen des Trios wuchsen weiter, ebenso wie ihre Bärte, und mit ihrem achten Album ELIMINATOR wurden sie 1983 schließlich zu globalen Stars der MTV-Ära. Durch eine Reihe markanter, denkwürdiger Videoclips zu den Hits ›Gimme All Your Lovin’‹, ›Sharp Dressed Man‹ und ›Legs‹ etablierten ZZ Top ein einzigartiges und unauslöschliches Bild in den Köpfen des Publikums und erzielten eine der raren Diamant-Auszeichnungen für 10 Millionen verkaufte Exemplare von ELIMINATOR allein in den USA. 2004 wurden sie von Keith Richards in die Rock And Roll Hall Of Fame aufgenommen und beendeten die Zeremonie mit einer feurigen Darbietung von ›Tush‹ (ihrer ersten US-Top-20-Single von 1975), die Hill mit typisch breitbeinigem Swagger sang.
Ihr kommerzieller Erfolg und Veröffentlichungsrhythmus ließen im neuen Jahrtausend nach, doch sie hörten nie auf, live zu spielen. „Wir reden über alles mögliche, von Kopfschmerzen bis Haarspalterei, aber nie darüber, die Band aufzulösen“, verkündete Gibbons. Ihr Vermächtnis ist ein beeindruckendes Gesamtwerk – so tiefgründig und „down and dirty“ wie das jeder großen Southern-Rock/Blues-Band, so progressiv und manchmal sogar avantgardistisch wie das vieler „ernsthafter“ Acts und so massentauglich und tanzbar wie das der meisten Softrock-Titanen der 80er. Doch hinter all dem Showbiz-Glitter und Glamour – den Autos, den Mädchen, den edel bestickten Kostümen, den wirbelnden Gitarren im Partnerlook und den telekinetisch synchronisierten Moves – stand ein Trio engagierter Musiker, die einfach ihren Job liebten und bis zum letzten Vorhang die Gesellschaft und den Humor der Bandkollegen schätzten. Wie sie zu sagen pflegten: dieselben drei Typen, die dieselben drei Akkorde spielen – 50 Jahre lang und mehr. (David Sinclair)
Im September dieses Jahres veröffentlichen die Gitarrenhelden Adrian Smith (Iron Maiden) und Richie Kotzen (Ex Poison/Mr. Big) veröffentlichen eine neue EP. BETTER DAYS … AND NIGHTS wird eine Mischung von Live- und Studioaufnahmen bereithalten. Unter anderem werden vier Tracks von BETTER DAYS, die im Zuge des „Record Store Days“ veröffentlicht wurden, enthalten sein, genauso wie Live-Tracks, die Anfang dieses Jahres auf Tour aufgenommen wurden.
Die EP ist der Nachfolger zum 2021 erschienenen SMITH/KOTZEN-Album der beiden Künstler.
Am 22. Juli spielte Steve Hackett in der Stuttgarter Liederhalle. Unser Fotograf Frank Witzelmaier war vor Ort und hat die Show des Ex-Genesis-Mannes für euch festgehalten.
Unglaublich, aber wahr: Nachdem die Red Hot Chili Peppers erst im April dieses Jahres ihr Album UNLIMITED LOVE veröffentlicht haben, hauen die Peppers noch im selben Jahr eine weitere Platte raus. Am 14. Oktober soll RETURN OF THE DREAM CANTEEN erscheinen.
Die Red Hot Chili Peppers selbst sagen zum neuen Album: „Wir haben nach der Band gesucht, die wir immer waren. Nur so zum Spaß haben wir gejammt und ein paar alte Lieder geübt. Es dauerte nicht lange, und wir begannen mit dem mysteriösen Prozess, neue Songs zu schreiben. Ein schönes bisschen der Chemie, mit der wir uns im Laufe der Zeit hunderte Male angefreundet hatten, mischte sich ein. Als wir diesen Fluss von Sound und Vision gefunden hatten, haben wir einfach weiter gegraben. Mit der Zeit wurde ein elastischer Bund aus übergroßer Unterwäsche daraus und wir hatten keinen Grund, mit dem Schreiben und Rocken aufzuhören. Es fühlte sich an wie ein Traum. Als alles gesagt und getan war, hatte unsere launische Liebe zueinander und die Magie der Musik uns so viele Songs geschenkt, dass wir nicht wussten, was wir damit tun sollten. Aber wir fanden es heraus. Zwei Doppelalben, kurz nacheinander hintereinander veröffentlicht. Der zweite ist genauso bedeutend wie das erste und umgekehrt. „Return of the Dream Canteen“ ist alles, was wir sind und wovon wir jemals geträumt haben. Es ist vollgepackt. Aufgenommen mit dem Blut unseres Herzens.“
„Ich verstand hinterher nicht wirklich, worum es da ging“, sagt Texter Mick Jagger über einen Track auf EXILE ON MAIN ST., der die Band auf ihrem absoluten Zenit zeigt.
Ab dem packenden Riff von Keith gleich am Anfang, das verführerisch durch einen Leslie-Lautsprecher oszilliert, hebt sich ›Let It Loose‹, fast verborgen tief auf der dritten Seite des ausschweifenden Doppel-Vinyl-Meisterwerks EXILE ON MAIN ST. der Rolling Stones von 1972, von einem Großteil der begleitenden Songs ab. Es markiert den Beginn eines der gelungensten Ausflüge der Briten in gospelgefärbte Americana, definiert von der vorherrschenden Stimmung des vorangehenden Stücks ›I Just Want To See His Face‹. Dieser Swamp-Blues-Southern-Rock-Jam, der den Hörer direkt in die Kirche versetzt, klingt und fühlt sich an wie die Audio-Vérite-Feldaufnahme einer Messe der Erweckungskirche, entstand aber tatsächlich 1970 in den Olympic Studios in London mit Mick Jagger am E-Klavier, Mick Taylor am E-Bass, Bill Plummer am Kontrabass, Charlie Watts am Schlagzeug und Jimmy Miller als Percussionist. Erst zwei Jahre später kam Jagger dazu, bei „Sunset Sound“ in Hollywood improvisierten und leidenschaftlichen Leadgesang hinzuzufügen, und betonte die Stimmung der Nummer durch Backing-Vocals von Phil-Spector-Sessionveteranin Clydie King und Ex-Ikette Venetta Fields für eine Extraportion Authentizität. Der Hörer wähnt sich folglich am Ende von ›See His Face‹ schon bequem auf der imaginären Kirchenbank in freudiger Erwartung des Hauptereignisses. Und ›Let It Loose‹ enttäuscht nicht.
Für so einen wichtigen Track ist sein Ursprung nicht sehr klar definiert. „Ich glaube, Keith hat das geschrieben“, sagte Jagger und nannte es einen „sehr seltsamen, schwierigen Song. Ich hatte einen komplett anderen Text dafür, aber der wurde aufgegeben. Meiner Meinung hat dieses Lied nichts, was einer Bedeutung auch nur ähnelt. Das ist einer dieser ziellosen Songs. Ich verstand hinterher nicht wirklich, worum es da ging.“Und wie reagierte Keith darauf? „Ich würde Micks Erinnerung an irgendetwas nie besonders ernst nehmen“, sagt der.
Die Stones begannen die Arbeit an der Platte, die mal EXILE ON MAIN ST. werden sollte, mit nur ein paar Skizzen einer Handvoll existierender Songs. Das triumphale ›Shine A Light‹ war etwa schon zu Brian Jones’ Zeiten 1968 enstanden unter dem Titel ›(Can’t Seem) To Get A Line On You‹, ein Kommentar zum Absturz ihres rapide abbauenden Gitarristen in die hoffnunglose Drogenabhängigkeit. Der Löwenanteil des Materials wurde erst im Keller von Nellcôte ersonnen, Keith Richards’ seit Kurzem gemieteten Zuhause in Villefranche-sur-Mer in Frankreich.
„Das Album hieß EXILE, weil wir praktisch aus England verjagt worden waren“, erinnert sich Keith. Eine Kombination aus Belästigung durch die Polizei und dem drakonischen britischen Steuersystem hatte zu einem eiligen Umzug der Band nach Frankreich geführt. „Wir konnten abhauen oder Straßenkehrer werden“, übertreibt Keith lässig. „Ich würde sagen, etwa 90 Prozent von EXILE entstanden in dem verdammten Keller, und es wurde ein Doppelalbum daraus. Wir gingen da nicht rein und sagten: ‚Wir werden es ihnen zeigen und ihnen zwei auf einmal servieren.‘ Wir arbeiteten einfach, und es herrschte ein gewisser Kameradschaftsgeist: ‚Wenn wir das wirklich tun, sollten wir uns besser etwas einfallen lassen, um die Bastarde umzuhauen.‘ Außerdem führte es diesen Spruch ad absurdum, das Heim eines Engländers sei sein Schloss. Yeah? Nun, meines ist in Frankreich, Mann.“ Der ursprüngliche Instrumentaltrack von ›Let It Loose‹ entstand in diesen langen Kellersessions in Nellcôte im Oktober 1971. In einer bluesig-schizophrenen Kombination aus D und G verwurzelt, gab Keith auf der ersten Fassung den Pops Staples zu Nicky Hopkins’ Mellotron, begleitet von einem gemäßigten, aber tighten Watts/Wyman-Rhythmusgroove und Bläserparts von Bobby Keys (Saxofon) und Jim Price (Trompete und Posaune). Ein wenig überzeugender Slide-Overdub von Mick Taylor schaffte es nie auf EXILE, nachdem der Song schließlich zwischen Dezember 1971 und März 1972 bei Sunset Sound Recorders in Los Angeles fertiggestellt worden war.
Als Erweiterung der Ensemble-Gospelparts von ›I Just Wanna See His Face‹ bediente sich ›Let It Loose‹ bei einem virtuellen Chor aus überragenden Stimmen. Diesmal schlossen sich Clydie King und Venetta Fields auch noch Tamiya „Tami“ Lynn (die mit ›I’m Gonna Run Away From You‹ gerade einen Northern-Soul-Crossover-Hit in Großbritannien gelandet hatte), Shirley Goodman (einst bei Shirley And Lee, die 1956 eine erfolgreiche Version von ›Let The Good Times Roll‹ veröffentlicht hatten und später als Shirley & Company mit ›Shame, Shame, Shame‹ zu Discoruhm kommen sollten), Sopran-Sessionveteran Joe Greene (der Band schon durch seine Arbeit mit Billy Preston bekannt) und die renommierte New-Orleans-Legende Dr. John an, der außerdem noch einen sehr charakteristischen Klavierpart beisteuerte.
Und doch ist der wirkliche Star auf ›Let It Loose‹ letzten Endes Mick Jagger, der hier eine seiner besten Gesangsleistungen überhaupt abliefert. Sensibel, aber energisch, maßvoll, aber leidenschaftlich, ist dies ein Paradebeispiel für seinen einzigartig stilisierten, unverkennbaren, aber fast schon absurd unterbewerteten Modus Operandi. Von der schwelgenden Soul-Verführung am Anfang, über das herzsprengende Crescendo im Mittelteil, das sich gnadenlos (und atemlos, dank Richards’ zackig-knackiger Arpeggio-Gitarre) aufbaut, bis hin zu einer krönenden Chor-Coda, garantiert er diesem Song den Status als unleugbarer Stones-Klassiker. Der Text mag nicht unbedingt als Poesie durchgehen, und Tiefgang nicht die Stärke dieser Nummer sein, doch Jagger verkauft jede einzelne Silbe mit so überzeugender Hingabe, dass die Zeile „Let it all come down“ fast die Gravitas von „I have a dream…“ anzunehmen scheint.
Der inhärente Zauber von ›Let It Loose‹ liegt aber tatsächlich in seiner Atmosphäre. Das unbestimmte Ganze erhebt sich weit über die Summe seiner einzelnen Teile, ob diese nun „Schlafzimmer-Blues“, fünf Ausgestoßene auf einer Welle aus Bourbon in einem Keller, Texas-Bläser oder ein Gospelchor seien. ›Let It Loose‹ ist schlicht und einfach der Klang einer Band, die sich auf dem Zenit ihres Könnens befindet und Americana komplett verinnerlicht hat.
„EXILE war das, was wir aus zehn Jahren des Tourens in Amerika gelernt hatten“, sagt Keith. „Vorher kannten wir es nur von Platten, dort lernten wir es vor Ort. Wir saugten einfach die amerikanische Kultur auf. Und uns wurde klar, dass sie, you know, britische Männer lieben… [ein Augenzwinkern]. Wenn man es richtig macht.“
Gerade teilten die Dead Daisies mit, dass Glenn Hughes positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Ihre restlichen Shows in Deutschland sagt die Band trotzdem nicht ab, stattdessen wird Dino Jelusick (Trans-Siberian Orchestra) am Gesang aushelfen.