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Live: Beady Eye

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Beady Eye_berb

 

Köln, E-Werk

Nett gemeint, nicht schlecht gemacht: Doch an Nachhaltigkeit und Hit-Potenzial mangelt es den Briten.

Man hat fast den Eindruck, dass sie selbst nicht genau wussten, ob es funktionieren würde. Wie sonst ist es zu erklären, dass Beady Eye, die Quasi-Oasis-Nachfolgeband (ohne Noel Gallagher), vorerst nur eine einzige Deutschland-Show angesetzt hat – und diese dann auch noch in einem verhältnismäßig kleinen Club stattfinden lassen wollte. Doch die Fans sind offenbar zahlreicher und flinker als erwartet. Es dauert genau vier Stunden, bis alle Tickets für das Konzert weg sind. Ein Umzug von der Live Music Hall ins größere E-Werk ist also nur folgerichtig.

Am Abend der Show bietet sich vor dem Venue ein buntes Bild: Menschen aller Altersklassen und auch unterschiedlichster Nationalitäten warten auf Einlass – und darauf, was Liam Gallagher, Andy Bell und Gem Archer (Gitarren), Chris Sharrock (Drums) sowie die Live-Verstärkungen Matt Jones (Keyboards) und Jeff Wootton (Bass) aus ihren Instrumenten und Lungen zaubern werden. Das Album DIFFERENT GEAR, STILL SPEEDING ist zu diesem Zeitpunkt bereits einige Tage auf dem Markt, es ist respektabel, aber keine Offenbarung. Wie wird es live werden? Nun, um es vorwegzunehmen: routinierter als erwartet, aber deswegen noch lange nicht so spannend, wie man im Vorfeld gedacht (und sich auch gewünscht) hätte. Offiziell beginnt die Band ihren Kampf um die (Rück-)Eroberung der Oasis-Anhängerschaft mit dem schon seit längerer Zeit bekannten ›Four Letter Word‹, spielt sich nach und nach warm und tropft schließlich sogar selbst vor Schweiß. Das kommt anfangs gut an, die Zuschauer sind durchaus gewillt, mit den Briten zu feiern. Doch die Hits fehlen. Beady Eye sind nicht Oasis, die DIFFERENT GEAR, STILLL SPEEDING-Stücke wollen einfach nicht so recht zünden. Die Singles (neben ›Four Letter Word‹ sind das ›Bring The Light‹ und ›The Roller‹) funktionieren noch am besten, der Rest der Tracks hinterlässt jedoch abgesehen von gelegentlichem Mitnicken keinerlei bleibenden Eindruck bzw. emotionale Regungen. Es herrscht auch keine besondere Trauerstimmung, als nach rund einer Stunde mit dem Cover ›Sons Of The Stage‹ Schluss ist. Nett. Mehr nicht.

Text: Thomas Bauer

Live: Beatsteaks

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Beatsteaks in MŸnsterMünchen, Olympiahalle

Wie viel Punkrock bleibt (live) übrig, wenn die Nation einen liebt?

Mittlerweile müssen die größten Hallen für Berlins Punk-Band der Stunde herhalten.Nach dem Mega-Gequetsche 2008 gehen die Herren diesmal auf Nummer sicher: Die ehrwürdige Olympiahalle ist mit gut 6.000 Nasen gut, aber doch recht luftig gefüllt. Was, wenn man die Reaktionen auf das Vorabgeplänkel von Rapper Dendemann ansieht, leichte Zweifel aufkommen lässt, ob auch dieser Kessel überkochen wird. Er wird, denn das Volk ist schlau: Unten in der Arena drängen sich die Massen in der vorderen Hälfte, hüpfen, schreien und jubeln, wie es sich gehört, während hinten die älteren Semester anerkennend die Köpfe nicken. Auch der bestuhlte Teil kommt nicht zu kurz, verlegt Frontmann Armin doch seinen obligatorischen Ausflug diesmal nicht in die Lichttraverse (zu hoch), sondern in eben jenes Hinterland der Arena.

Was die „offiziellen“ Showelemente betrifft, haben die Jungs eine gute Balance gefunden. Klar, Clubgefühl kann in einem solchen Hangar wie der Olympiahalle nicht aufkommen, aber sie lassen sich auch nicht von einer übermässig effekthascherischen Kulisse (trotz neuer Videoleinwand) und Lichtshow in den Hintergrund drücken. Und den Leuten ist es definitiv egal: Vom ersten Song an (›Atomic Love‹) sieht das Ganze verdächtig nach Warm-up-Party für Rock am Ring aus. Denn echte Punkrocker in Leder und Iro verirren sich natürlich längst nicht mehr auf ein Beatsteaks-Konzert, stattdessen werden verdächtig viele iPhones in den Himmel gereckt, um den Moment zu erfassen, und schwitzende Leiber in angesagten Quicksilver & Co.-Shirts herangezüchtet. Wobei man sagen muss, dass das preiswerte Merchandise gerne gekauft und auch gerne gleich angezogen wird – ganz so cool also ist die Meute dann doch nicht.

Aber zurück zum Auftritt: Der ist explosiv, wenn auch nicht ganz frei von Routine. Die Songs des neuen Albums BOOMBOX werden frühzeitig durchpromotet, danach ist eine Fiesta aus klassischen Beatsteaks-Hits angesagt, inklusive der üblichen Kurz-Einsprengsel von Oldies, die nicht immer Goldies sind (herausragend dabei: ›Dancing With Myself‹) . Spaß halt, und Spaß wird gehabt: Vor allem in den ersten Reihen zerlegen sich die Leute bis zu den essenziellen Highlights im Zugabenteil (›Cut Off The Top‹, ›Ain’t Complaining‹ etc.) hingebungsvoll. Aus den hinteren Reihen betrachtet bleibt aber die Feststellung: Der Laden war eine Nummer zu groß.

Text: Gregor Arndt

Avantasia

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Avantasia2010aNeben seiner Vollzeitbeschäftigung als Sänger der deutschen Melodic-Metaller Edguy hat Tobias Sammet mit seinem Rockoper-Projekt AVANTASIA ein höchst erfolgreiches, aber auch gnadenlos kraftraubendes Allstar-Projekt am Start. Dass sich die Mühe allerdings mehr als lohnt, davon zeugt nun die erste Konzert-DVD AROUND THE WORLD IN 20 DAYS – LIVE.

Tobias, welche Ereignisse der Avantasia-Tournee sind dir besonders positiv in Erinnerung geblieben?
Die gesamte Tour war der Hammer! Überaus aufregend war der Moment, als wir in der Schweiz beim zweiten Song angekommen waren, Jørn Lande die Bühne betrat, und die Leute stürmisch zu jubeln begannen. Da wurde mir klar, dass dies mehr als die Show einer normalen Band ist, sondern das Konzept den Geschmack der Fans voll trifft.

Nicht zu vergessen: eure Show in Wacken.
Ganz genau! Es ist krass: Da stehst du mit deinem Neben­projekt, das du aus purem Spaß und Idealismus ins Leben gerufen hast, als Headliner vor 80.000 Leuten, und vom Black Metal-Fan bis zum Rock-Opa liegen sich alle in den Armen und singen deine Balladen mit.

Gab es auf der Tour auch schwierige Situationen?
Der schwierigste Moment waren die endlosen Sekunden vor der ersten Show. Als das Licht in der Halle ausging, dachte ich noch, dass man schon ein Riesenidiot sein muss, um sich in eine solche Situation zu stürzen. Ich hätte am liebsten alles rückgängig gemacht. Bei der Show einer regelmäßig tourenden Band kennt man die Dynamik eines Konzerts, alles läuft nach einem bestimmten Schema ab, auch wenn selbst bei Edguy vieles spontan passiert. Aber mit einer Allstar-Truppe ein Rockopern-Projekt auf die Bühne zu bringen, ist schon was anderes.

Wie kompliziert war das Ganze rein logistisch?
Alles lief in einem viel umfangreicheren Rahmen ab, als ich es bis dato kannte. Da fuhren Trucks für uns von Spanien nach Schweden, Musiker aus verschiedenen Kontinenten mussten zusammengetrommelt bzw. ihre Terminpläne zeitlich unter einen Hut gebracht werden. Das war im Vorfeld schon ein ziemliches Chaos.

Und finanziell?
Diesbezüglich habe ich mir nicht so viele Sorgen ge-macht, weil wir bei den vielen Festivals ungefähr wussten, was wir erwarten beziehungsweise nicht erwarten konnten. Das war auf der zweiten Tour schon ein weitaus größeres Risiko, denn da waren wir nicht auf die Gagen der Festivals, sondern nur auf unsere eigene Zugkraft angewiesen. Aber es lief top!

Was machen zurzeit deine Edguy-Pläne?
Wir arbeiten schon seit vergangenem Sommer mit Unterbrechungen am neuen Album. Bis Dezember hatte ich bereits sechs Songs fertig geschrieben, seit Januar basteln wir nun wieder im Studio an weiterem Material. Und wenn wir hundertprozentig zufrieden sind, dann nehmen wir es auf, dann kommt die Platte. Da alles bisher so gut läuft, rechne ich mit der Veröffentlichung noch in diesem Sommer.

Text: Matthias Mineur

Werkschau: Jane

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Jane - Here We Are - FrontHeute ist zwar nicht mehr viel übrig vom Ruhm vergangener Tage. Dennoch: Jane prägten die deutsche Rock-Landschaft nachhaltig.

Hybris und Borniertheit, Streitigkeiten und Neid: Sogar in ihren erfolgreichsten Jahren Mitte der Siebziger beherrschten permanente in-terne Differenzen die Rockgruppe Jane. Obendrein waren die Hannoveraner trotz fabelhafter Verkaufsbilanzen und ausverkaufter Tourneen bei der Presse gänzlich verhasst. Berühmt wurde der vernichtende Satz der Rockjournaille „Sounds“ über das 1977er-Album BETWEEN HEAVEN AND HELL: „Genauso wenig wie eine Milliarde Fliegen aus Scheiße Schokolade ma-chen, werden mich 30.000 und mehr Jane-Plattenkäufer davon überzeugen, dass dieses eintönige und leicht größenwahnsinnige Getue interessante Musik ist.“

Hervorgegangen waren Jane Ende der Sechziger aus der Gruppe Justice Of Peace, kurz The JP’s. Nach einem Instrumentenwechsel ihrer beiden wichtigsten Protagonisten (Sänger Peter Panka übernahm das Schlagzeug, Bassist Klaus Hess fortan die Gitarre) wurde die Musikindustrie schnell auf Jane aufmerksam. Als eine der ersten Formationen unterschrieb die Band einen langfristigen Vertrag beim neu gegründeten „Brain“-Label, das sich gezielt auf die aufblühende deutsche Rockszene konzentrierte und mit Novalis, Grobschnitt oder den Scorpions weitere Zugpferde ins Programm nahm. Gleich mit ihrem 1972er-Debütalbum TOGETHER landeten Jane ein kleines Meisterwerk, doch aufgrund ständiger personeller und stilistischer Veränderungen griff ihr musikalisches Konzept erst ab den Alben LADY (1975) und FIRE, WATER, EARTH & AIR (1976), zwei Paradebeispielen für Orgel-getränkten Hard Rock. Anschließend formierte sich erst- und letztmalig ein über mehrere Jahre/Alben festes Line-up (Hess, Panka, Bassist Martin Hesse und Ex-Eloy-Organist Manfred Wieczorke), das im August 1976 in der Hannoveraner Niedersachsenhalle die Kultscheibe LIVE AT HOME aufnahm. Bis 1979 blieb diese Besetzung konstant, nach Wieczorkes Ausstieg und dem Einsetzen der Neuen Deutschen Welle zerfiel die Band Anfang der Achtziger.
Trotz des Todes ihrer Galionsfigur Peter Panka im Juni 2007 existieren noch heute drei unterschiedliche Besetzungen: Peter Panka’s Jane, Werner Nadolny’s Jane und Klaus Hess’ Mother Jane. Mit dem mystischen Flair der goldenen Siebziger haben diese Formationen allerdings nur wenig gemein.

Unverzichtbar

Fire, Water, Earth & Air
Brain/Metronome, 1976

Unbestritten der kreative Höhe­punkt der Jane-Historie: Obwohl nur gerade mal 30 Minuten lang, überzeugt das Album mit einem in sich geschlossenen Konzept und ausgereiften Songs, die auch in­ter­­nationalen Maßstäben gerecht werden. Die melodisch-schwermütige Stimmung des Werks, die gekonnte Mischung aus Keyboard- und Gitarrenorgien in Verbindung mit feinen Gesangsmelodien ma-chen die Scheibe zu einem Hör­genuss. Dank der Mithilfe des Top-Produzenten Conny Plank, thema­tisch passenden Einspielungen von Wasser-, Luft- und Feuergeräu­schen sowie des simplen, aber wir­kungsvollen Artworks ist dies ihre homogenste Veröffentlichung.

Live At Home
Brain/Metronome, 1976

Diesen Tag werden eingefleischte Fans nie vergessen: 13.8. 1976, ein Freitag. Jane schaffen es, nahezu 3.000 Zuschauer in die Hanno­veraner Niedersachsen­halle zu locken und ihnen das Beste ihrer fünf ersten Alben zu präsentieren. Trotz der eher simplen Strukturen ihrer Lieder er­­schafft die Band an diesem Abend ein Live-Doku­ment, das dank des atmosphärisch dich­ten Zusam­menspiels der zweifellos besten aller Jane-Besetzungen (Hess, Pan­ka, Hesse & Wiec­zorke) über vier LP-Seiten fasziniert. Höhepunkte: das 20-minütige ›Windows‹ mit seinem latenten Pink Floyd-Flair und eine mit Keyboards angereicherte Version von ›I Need You‹ (die auf JANE III noch ›Rest Of My Life‹ hieß).

Wunderbar

Together
Brain/Metronome, 1972

Auf ihrem Debüt sind Jane zwar noch spürbar in den (späten)Sechzigern behaftet, aber dank des furiosen Gitarren-Infernos ›Hangman‹, des zeitlosen Klas­sikers ›Daytime‹ und melancholischer Perlen wie ›Try To Find‹ schon auf die Siebziger gepolt. Als Sänger wird Bernd Pulst verpflichtet, der dem Album seine ganz eigene Note verpasst, aber anschließend wieder aussscheidet: Er stirbt im Februar 1973. Doch Jane werden bereits nach nur einer Veröffentlichung fester Bestandteil der deutschen Rockmusik-Szene, die sich gerade erst von den übermächtigen anglo-amerikanischen Vorbildern zu emanzipieren beginnt.

Here We Are
Brain/Metronome, 1973

Das Zweitwerk dokumentiert, dass Jane nun endgültig in den Sieb­zigern angekommen sind. Gitarrist Klaus Hess, nach dem Debüt im Streit gefeuert, kommt auf Forderung der Plattenfirma zurück, dafür fehlt ein Bassist. Also wechseln sich Hess und Wolf­gang Krantz an Gitarre und Bass ab, den Gesang übernimmt Schlagzeuger Peter Panka, der dank des Jane-Vorläufers The JP’s bereits Erfahrungen als Lead-Vokalist hat. Das Ergebnis erinnert ein wenig an MEDDLE von Pink Floyd – schwere Orgelsounds und Heavy-Gitarren in Verbindung mit eingängigen Gesangsmelodien, die in ›Out In The Rain‹ kulminie­ren, dem Klassiker des Albums.

Lady
Brain/Metronome, 1975

Ein Paukenschlag nach dem eher schwachen Werk JANE III, das von schroffem Blues Rock geprägt ist. Die Songs von LADY stammen von Organist Gottfried Janko und Gitarrist Klaus Hess und begeistern mit wunderbaren Melo­dien, grandiosen Soli und ei­nem Orgel­schwall, der die Fans auf die Knie fallen lässt. Der Opener ›Wai­ting For The Sun­shine‹: eine Hel­dentat; das treibende ›Music Ma- chine‹: ein echter Reißer; das sim-p­le ›(Wishdream) Lady‹: ein Ever­green. Die Besetzung hält zwar nur kurz, doch haben Jane ihren Sound gefunden – eine Melange aus orgiastischer Gitarren/Orgel-Arbeit mit einfachen Arrange­ments und mystischem Flair.

Age Of Madness
Brain/Metronome, 1978

Nach dem überkandidelten und zu Recht kritisierten BETWEEN HEAVEN AND HELL lassen Peter Panka und Klaus Hess diesmal ihren Organisten Man­fred Wiec­zorke verstärkt Einfluss auf das Song­writing nehmen. Wieczorke be­­dankt sich mit dem zweiteiligen Titelsong, der in punkto Mystik an die Glanz­zeiten von TOGETHER (1972) und FIRE, WATER, EARTH & AIR (1976) anknüpft. Hinzu kom­men die wundervoll melancho­lische Instrumentalnummer ›Mea­dows‹ und mit dem spröden ›Love Song‹ eine recht ungewöhnliche Single-Auskopplung. Insgesamt gilt: AGE OF MADNESS untermauert Janes Ruf als Meister des schwermütigen Hard Rock.

Anhörbar

Sign No. 9
Brain/Metronome, 1979

Vor allem Gitarrist Klaus Hess genießt Ende der Siebziger das süße Erfolgsleben und verbringt viel Zeit auf Ibiza. Darunter leidet die Motivation seiner Kollegen, zumal Organist Manfred Wiec­zorke die Gruppe verlassen hat, um Firehorse zu gründen. Bei der Veröffentlichung im Herbst 1979 dachten die meisten Fans wohl zu­­nächst, die Band würde sich auf SIGN NO. 9 nur noch wiederholen, in der Retrospektive aber lassen sich mit Perlen wie ›That‘s The Way‹, ›Love On Earth‹ oder ›Henry Goes Married‹ wunderbare Melodic Rock-Tunes entdecken, bei denen sich vor allem der in der Kritik stehende Hess als versierter Instru­mentalist und ideenreicher Kom­ponist hervortut.

Jane (Maske)
Brain/Metronome, 1980

Auf ihrem zehnten Album präsentieren Jane erstmals seit dem Debüt wieder einen zusätzlichen Sänger: Gitarrist Klaus Hess hat aus Ibiza den Jugoslawen Pedja mit nach Deutschland gebracht. Die Fans reagieren zunächst verstört, denn die eigenwillige Stimme passt so gar nicht zu dem, was sie von Jane bis dato gewohnt sind. Dennoch gelingt der Band eine Weiterentwicklung ihres etablierten Sounds, weg von allzu ausladenden Orgel-Arien hin zu kürzeren, strafferen und rhythmisch va- ria­bleren Songs. Höhepunkte des Albums: ›Stay With Me‹, ›New Man In Town‹, ›Stop The Clock‹, ›Dynamite‹ sowie die beiden kurzen Tracks ›Rockin‘‹ Around‹ und ›Out On The Streets‹.

Traces
cool & easy/soulfood, 2009

Das erste Album ohne den 2007 verstorbenen Peter Panka. Zur Besetzung gehören Bassist Charly Maucher und Keyboarder Wolf­gang Krantz aus der 1972er-Erstbesetzung, Arndt Schulz, der Mit­te der Siebziger bei den Jane-Ab­legern Harlis aktiv war, Drum­mer Fritz Randow (Epitaph, Eloy) und Gitarrist Klaus Walz, der seit 1986 federführender Gitarrist der Band ist. Das Ergebnis klingt erstaun­lich vital und frisch, schafft den Spa­gat zwischen neuen Spielweisen und Traditionellem mit stoisch-rockenden Midtempo-Nummern. Und: Erstmals seit dem Weggang von Manfred Wieczorke erhält ein Track (nämlich ›Before Long‹) wieder jenen Orgelsound, der die Gruppe groß gemacht hat.

Sonderbar

Resurrection
Decision, 1996

In den Jahren 1992-1998, als Jane den nach 1982 zweiten Tiefpunkt ihrer Karriere erleben und sich mit oft gruselig-schlechten Kon-zerten unterschiedlicher Besetzungen ihre Reputation versauen, geht auch auf Platte alles schief: RESURRECTION bietet lahmen Europop (teilweise mit Vocoder-Sounds) ohne die Schwermut früherer Tage, und das Frontcover (mit babyblauer Kuh) ist noch schrecklicher als das abstoßende Artwork von GERMANIA (1982). Auch die auf ultramodern getrimm­te Produktion passt nicht zu den altbackenen Songs, denen jede Inspiration fehlt und die an Simplizität kaum noch zu unterbieten sind. Ein schauriges Zeug­nis falscher Selbsteinschätzung.

Traumsampler

Here We Are
Here We Are

Waiting For
The Sunshine
Lady

Fire, Water, Earth & Air
Fire, Water, Earth & Air

Hangman
Together

Daytime
Together

Out In The Rain
Here We Are

(Wishdream) Lady
Lady

Way To Paradise
Jane III

I Need You
Live At Home

Windows
Live At Home

Age Of Madness (Part I)
Age Of Madness

Age Of Madness (Part II)
Age Of Madness

That’s The Way
Sign No. 9

Stay With Me
Jane (Maske)

Superman
Fire, Water, Earth & Air

Your Circle
Between Heaven & Hell

Neuigkeiten zu: Jurojin

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© Tina Korhonen www.tina-k.com 2010Do-It-Yourself war nie wirklich aus der Mode, doch derzeit scheinen immer mehr Künstler selbst Hand anlegen zu wollen. Bands wie jüngst Amplifier oder auch die Münchner Indie-Folker Mexican Elvis haben ihre Alben in Eigenregie veröffentlicht. Auch die britischen Experimental-Metaller Jurojin haben nun die Initiative ergriffen und für den Release ihres Erstlings THE LIVING MEASURE OF TIME „Majestic Elder Recordings“ gegründet. „In der heutigen Musikindustrie wird es für die Musiker immer schwerer, von ihrer Kunst zu leben”, sagt Gitarrist Ni-colas Rizzi. „Indem wir alles selber machen, können wir all unsere Master-Bänder behalten, sämtliche Einnahmen durch CD-Verkäufe einsacken, unsere Ausgaben und Marketing-Pläne kontrollieren. Bis jetzt war das eine gute Erfahrung. Natürlich gibt es auch eine Kehrseite. Wir verfügen nicht über immense finanzielle Mittel, weswegen bei uns alles zwei bis drei Mal so lang dauert wie bei Major-Plattenfirmen.” Macht aber nichts: Wir bedanken uns in jedem Fall für so viel Einsatz und den formidablen Sound, der uns so nicht vorenthalten bleibt.

Neuigkeiten zu: Firebird

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Firebird Bar 01Er hat mit Napalm Death und speziell Carcass die Geschichte extremer Musik verändert. Doch von Death Metal will Bill Steer (rechts), Reunion-Shows hin oder her, nicht wirklich viel wissen. Er liebt den klassischen Rock der Sechziger und Siebziger. Wie er auch auf DOUBLE DIA-MOND, dem sechsten Album seiner Band Firebird, wieder einmal beweist.

Bill, das neue Firebird-Album DOUBLE DIAMOND ist in Japan bereits vor etlichen Monaten erschienen, doch hier in Europa kam die Platte erst vor einigen Wochen auf den Markt. Woran liegt‘s?
Nun, das hat verschiedene Gründe. Einer davon ist, dass die Leute bei unserer Plattenfirma der Ansicht waren, dass nicht genug Abstand zwischen DOUBLE DIA-MOND und unserem vorherigen Album GRAND UNION (aus dem Jahr 2009 – Anm.d.Red.) liegen würde. Deshalb entschlossen sie sich, noch ein wenig mit der Veröffentlichung zu warten. Dabei hatte GRAND UNION zum Zeitpunkt, an dem die Scheibe erschienen ist, auch schon etliche Monate auf dem Buckel. In unseren Köpfen ist es also alles schon eine ganze Weile her, seit wir neue Songs ge-schrieben haben… Aber was soll‘s. Selbst wenn wir natürlich nicht gerade superglücklich über die Situation sind, ist es doch cool, dass die Platte nun endlich in die Läden kommt. Wir haben uns bemüht, die Songs sehr trocken und direkt klingen zu lassen – auch, um uns vom GRAND UNION-Material abzusetzen. Außerdem gibt es diesmal keine Coversongs.

Gab es Unterschiede im Songwriting?
Ja, zumindest was die Herangehensweise angeht. Denn bei GRAND UNION ha- be ich ziemlich viel zu Hause komponiert, ganz allein. Die einzelnen Ideen brachte ich dann mit, sodass wir aus diesen vorgefertigen Passagen Songs gebaut haben. Diesmal ist viel im Proberaum entstanden. Unser Drummer Ludwig Witt und ich haben gemeinsam an den Liedern ge-arbeitet, mehr experimentiert.

Lebst du eigentlich von deiner Musik?
Früher konnte ich das, mit Carcass haben wir gutes Geld verdient, auch jetzt bei den Re­union-Shows. Bei Firebird allerdings nicht.

Neuigkeiten zu: Bob Geldorf

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„Saint Bob“ ist dafür bekannt, LIVE AID zu or­-ga­nisieren, den Mächtigen ins Gewissen zu reden und den Hunger in Afrika zu bekämpfen. Nun hat er wieder ein Album am Start: HOW TO COMPOSE POPULAR SONGS THAT WILL SELL.

Bob, warum hast du nach neun Jahren Pause ein neues Album gemacht – und warum überhaupt wieder so etwas Triviales wie Rockmusik?
(lacht) Weil ich das Gefühl hatte, dass ich das tun muss. Und dass es nur so funktioniert – mit Musik. Denn mein großes Problem ist, dass ich eigentlich immer sagen kann, was ich will – egal, ob im Radio, Fernsehen oder wo auch immer. Nur: Wenn ich das tue, vergessen die Leute immer, dass ich ei-gentlich Musiker bin. Was bedeutet, dass es mir quasi nicht gestattet ist, einfach mal zu singen. Dabei ist das eine Notwendigkeit für jeden Menschen – auch für mich.

Von der Öffentlichkeit wirst du oft als rau, schroff und unhöflich empfunden…
Ich denke nicht, dass ich unhöflich bin – zumindest versuche ich, es nicht zu sein. Denn ich mag keine unhöflichen Menschen. Aber: Wut ist ein guter Motor, der einen antreibt. Und es gibt viele Dinge, über die man wütend sein sollte. Man muss schon komplett unsensibel sein, wenn man da nichts findest. Deshalb bin ich wütend.

Was bei dem Dauerbeschuss durch britische Medien, die dir fast täglich neue Unzu­läng­lich­keiten unterstellen, bestimmt nicht einfach ist. Wie gehst du damit um?
Das Tolle daran, 50 zu sein, ist: Mir kann alles egal sein. Die Leute können noch so sehr auf mir rumhacken – ich bin immer noch da und mache immer weiter. Ich habe die schlimmsten Dinge überlebt, die mir von den Medien vorgeworfen worden sind. Deshalb habe ich kein Problem damit, wenn die Journalisten das weiter tun.

Wie könnst du es mit deinem Gewissen vereinbaren, zum Beispiel 100.000 britische Pfund für einen einstündigen Vortrag zum Thema „Armut in Afrika“ verlangen?
Wann spreche ich denn bitte über die Armut in Afrika? Das tue ich nicht! Und wenn, würde ich doppelt so lange reden – und zwar kostenlos.

Wieso zahlt der Gutmensch Geldof keine Steuern in Europa, sondern unterhält eine Briefkastenfirma auf den Virgin Islands?
Doch, ich zahle Steuern in Großbritannien – und zwar den Höchstsatz.

Wie kannst du als Ire, der nicht Bürger des Commonwealth ist, überhaupt den Titel „Sir“ tragen?
Der reine Ehren-Ritterorden wird einem vom Botschafter oder Außenminister verliehen. Aber wenn es die Königin tut, ist man ein echter Ritter. Und ich bin von der Königin ernannt worden. Nur: Im Grunde ist das doch auch egal. Ihr könnt mich nennen, wie ihr wollt. Schließlich bin ich schon seit 1986 Ritter – über die Hälfte meines Lebens. Also: Kommt endlich darüber weg – so wie ich selbst auch.

Text: Marcel Anders

Neuigkeiten zu: Mike Tramp

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mike_tramp_atrrc_fotoNach über 30 Jahren im Business darf man schon auf sein Leben im Musik-Zirkus zurückbli-cken. Der ehe-malige White Lion-Fronter tut genau dies auf seinem aktuellen Album STAND YOUR GROUND.

Als „mein bestes Al-bum überhaupt, als mein Meisterwerk“ bezeichnet der 50-Jährige die neue Platte, die er ge-meinsam mit seiner aktuellen Gruppe The Rock‘n‘Roll-Circuz eingespielt hat, und gibt sich – be­schei­den, wie er nun mal ist – überrascht, erst so spät in seiner Laufbahn einige seiner zum Teil eindringlichsten, emotionalsten Stücke verfasst zu haben.

Der einstige White-Lion-Frontmann ist immer noch überaus hungrig aufs Musikmachen und blüht dank der intensiven Zusammenarbeit mit Søren Andersen, mit dem sich Tramp erneut die Produzenten-Credits teilt, richtiggehend auf. „Er hört all die Dinge in meinen Songs, die ich nicht erkenne“, lobt Tramp sein wohl wichtigstes Bandmitglied. „Wenn ich zum Beispiel einen einfachen a-Moll-Ak-kord anschlage, fragt er mich, warum ich denn keine None dazu spiele – ich tue es dann, und es klingt fantastisch! Wenn ich an einem Lied schon ewig herumwerkle und nicht weiterkomme, weiß Søren oft sofort, welcher Dreh dem Stück fehlt. Da-raus habe ich etwas gelernt: Ich muss auch mal loslassen können – zum Wohle des Songs.“

Die Tracks für den zweiten Longplayer mit den Jungs vom Rock‘n‘Roll-Circuz gingen dem Kopenhagener leicht von der Hand. Auf Experimente lässt sich Mike Tramp nicht mehr ein: „Die Songs kommen von Herzen. Ich will nichts erzwingen. Nach all dieser Zeit weiß ich, wo ich mein Bett gemacht habe.“ Zum Glück in Classic- und Hardrock-Gefilden.

Text: Lothar Gerber