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Mike & The Mechanics – Zweite Chance

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Mike & The Mechanics 2011
Eine Zwangspause hat auch ihr Gutes: Mit einer neuen Mannschaft belebt Genesis-Gitarrist Mike Rutherford sein langjähriges Nebenprojekt neu.

Text: Christian Stolberg

Es sah eigentlich nach einem langsamen Dahinscheiden einer einst so populären Band aus. Zwar hatten Mike & The Mechanics nach dem Herztod des Sängers Paul Young im Jahr 2000 immerhin noch ein Album veröffentlicht, das 2004er-REWIRED. Doch die Fans wie auch die Musiker selbst hatten das Gefühl, dass die Luft raus war. „Es war eben nicht mehr das Gleiche“, gibt Bandleader Mike Rutherford unumwunden zu. Der baumlange Genesis-Gitarrist, der Mike & The Mechanics 1985 gegründet hatte, gesteht: „Mir war bald klar, dass eine spezielle Zusammenarbeit, wie ich sie mit den beiden Pauls pflegte, nicht so leicht wieder herzustellen sein würde. Und das sah wohl auch Paul Carrack so.“

Schließlich waren es nicht zuletzt Carracks seidige Soulstimme und Paul Youngs Tenor gewesen, die dem wohlkonstruierten modernen Mainstream-Rock der Band jene emotionale Schlagseite gegeben hatten, die ihm über die Jahre Hits wie ›Silent Running‹, ›All I Need Is A Miracle‹, ›The Living Years‹ oder ›Over My Shoulder‹ beschert und Mike & The Mechanics zu einer der erfolgreichsten Zweitbands der Rockgeschichte gemacht hatten.

Dass die Band als Quintett gegründet worden war und live wie im Studio immer mindestens aus fünf Musikern bestand, tat wenig zur Sache: Der harte und auch in den Augen und Ohren des Publikums entscheidende Kern blieb immer das Trio aus Mike Rutherford, dem vormaligen Sad-Café-Sänger Paul Young und Paul Carrack, der zuvor als Sänger und Keyboarder solo sowie in Bands wie The Squeeze und Roxy Music aktiv war. Youngs Tod zerstörte dieses Triumvirat. Carrack stieg schließlich 2006 aus, um sich um seine immer erfolgreichere Solokarriere zu kümmern, und Rutherford dachte daraufhin, „dass es das jetzt war mit Mike & The Mechanisch“.

Doch es kam anders. Zunächst war Rutherford in seinem „Hauptberuf“ noch hinreichend gefordert: Genesis hatten sich 2007 noch einmal zu einer umfangreichen Tournee durch Europa, Kanada und die USA aufgemacht, danach war Rutherford mit der Aufarbeitung der Konzertreise für das Album LIVE OVER EUROPE und die DVD WHEN IN ROME beschäftigt. Doch bald stellte sich heraus, dass mit weiteren Genesis-Aktivitäten nicht mehr in größerem Stil zu rechnen war: Phil Collins‘ Gesundheit machte immer größere Probleme. Nach einer Halswirbeloperation im Jahr 2009 stellten sich bei ihm Taubheitsgefühle in beiden Händen ein, an intensives Schlagzeugspielen war nicht mehr zu denken.

Plötzlich fand sich Rutherford mit einer Menge freier Zeit und überschüssiger Kreativität wieder. „Ich kann mir noch lange nicht vorstellen, mich aus dem Musikgeschäft zurückzuziehen, nur weil ich meine Schäfchen im Trockenen habe. Dazu bin ich viel zu gerne Musiker! Und vor allem: Songs zu schreiben ist wie eine Droge für mich!“ Mit einem Mal rückten Mike & The Mechanics wieder ins Zentrum von Rutherfords Überlegungen. ›Everybody Gets A Second Chance‹ heißt einer der schönsten Songs der Band aus dem Jahr 1991. Und so gibt es nun ein neues Leben für Mike & The Mechanics, inklusive neuer Mannschaftsaufstellung mit zwei Sängern. Dabei ist mit Andrew Roachford erneut ein prominenter Sänger mit einem souligen Timbre an Bord. Rutherford bestreitet aber, ihn bewusst für den Carrack-Part „gecastet“ zu haben: „Nein, auch das hat sich, wie vieles in meinem Leben, schlicht so ergeben. Ich kenne Andrew schon lange. Aber erst auf Initiative eines gemeinsamen Freunds schrieben wir erstmals gemeinsam einen Song. Das lief so gut, dass wir beschlossen, dass er Teil der Band sein soll. Aber es gefällt mir in der Tat, dass wir durch ihn wieder dieses R&B-Element in unserem Sound haben.“ Der Dritte im Bunde, der kanadische Broadway-Schauspieler Tim Howar, hat wesentlich weniger Erfahrung im Musikbusiness als Ruther- und Roachford. Der Bandleader verspricht sich dennoch Impulse von dem 33-Jährigen: „Er ist ja ein erfahrener Bühnenmensch, wenngleich auf ganz andere Weise als wir. Ich bin mir daher sicher, dass er eine ganz neue Energie in unsere Liveshows einbringen wird!“

Ein neuer Vibe prägt nach Rutherfords Empfinden auch das erste Album dieser neuen Mike & The-Mechanics-Generation: „Die ersten drei Songs auf dem Album waren auch die ersten, die fertig waren. Also der Titelsong ›The Road‹,›Reach Out (Touch The Sun)‹ und ›Try To Save Me‹ – die haben gleich so eine sommerliche Atmosphäre für das ganze Album gesetzt. Das sind richtige Wohlfühl-Songs.“

Nazareth – Der Hit-Antrieb

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Photo_Nazareth_1Gemeinsam mit Uriah Heep touren Nazareth ab Ende April durch hiesige Konzerthallen. Im Gepäck: Songs vom neuen Album BIG DOGZ. Doch was treibt die Band nach all den Jahren (und all den Erfolgen) überhaupt noch an?

Text: Matthias Mineur

Dan McCafferty gehört nicht zu den Musikern, die ein Problem mit dem so genannten „Lola-Effekt“ haben. Lola-Effekt? Bereits Ende der Siebziger, also nicht einmal zehn Jahre nach Veröffentlichung ihres größten Hits, beschwerte sich Kinks-Sänger Ray Davies darüber, dass die Fans immer nur auf diesen einen Song warten, während er den Bandmitgliedern zum Hals heraushängt. Im Fall Nazareth heißt der Hit nicht ›Lola‹, sondern ›Love Hurts‹, die Situation ist jedoch eine ganz ähnliche. Denn ohne diese Nummer konnte keine Nazareth-Besetzung die Bühne verlassen. „Natürlich gibt es Stücke, die wir prickelnder finden“, er-klärt Sänger McCafferty, „aber gleichzeitig sorgt der immense Adrenalinschub eines Konzertes immer dafür, dass auch bei ›Love Hurts‹ keine Langeweile aufkommt. Wer glaubt, dass wir nur den Autopiloten anschalten, sich der Song also quasi von allein spielt, hat noch nie auf der Bühne gestanden. Jeder Gig ist ein einmaliges Erlebnis, bei dem man jedes Stück so spielt, als wäre es eine Premiere. Nur so kann man das Publikum überzeugen.“

McCafferty ist das Aushängeschild der schottischen Band. Sein heiseres Timbre, eine Mischung aus Reibeisen und Kuschel-Attitüde, hat Nazareth vor allem in ihrer Frühphase einige unvergessene Klassiker beschert: Die verrockte Joni Mitchell-Adaption ›This Flight Tonight‹ katapultierte sie hoch in die Charts, das hypnotische ›Morning Dew‹ begeisterte mit einer coolen Mischung aus laszivem Flair und mystischer Spannung. Zusammen mit eben jenem ›Love Hurts‹ kam Anfang der Siebziger kaum eine Radiostation an Nazareth vorbei. „Wenn man als Künstler einmal einen Hit hatte, der im Radio oder Fernsehen gespielt wurde, will man dieses Ereignis möglichst häufig wiederholen“, gesteht McCafferty, „und genau das ist es, was uns bis heute antreibt.“

Ihr neuestes Album nennt sich BIG DOGZ, was man vielleicht etwas burschikos mit „dicke Hunde“ übersetzen könnte. Die Scheibe bietet die gewohnte Aneinanderreihung traditioneller Rocksongs und handwarmer Balladen, für die Nazareth immer bekannt waren. Neuerungen oder gar Innovatives sucht man auf dieser Scheibe vergeblich, auch wenn im Vorfeld aus Bandkreisen zu hören war, dass man diesmal mehr gewagt habe als zuvor. Die Wahrheit ist, dass Nazareth ihre Vergangenheit weder verschweigen können noch wollen und – ihrer Zielgruppe entsprechend – den Sound bewusst gen Siebziger bürsten. McCafferty sieht darin nichts Verwerfliches: „Warum sollten wir etwas anders machen als das, was wir nachweislich können?“ fragt er. „Es ist schon so schwierig genug, Stücke zu schreiben, die nicht sofort an Alben wie RAZAMANAZ oder HAIR OF THE DOG erinnern.“

Zum Glück hat die Gruppe, die seit über 40 Jahren besteht, aus anfänglichen Fehlern gelernt. Früher sei man ziemlich naiv an die Sache herangegangen, gibt McCafferty zu, insbesondere was die geschäftlichen Belange, die Fragen nach dem richtigen Produzenten, geeigneten Tonstudios und kompositorischen Eigenarten anbelangte. „Wir haben ordentlich Lehrgeld bezahlen müssen und immer wieder Energie in sinnlose Projekte gesteckt. Heute genießen wir unser Leben und machen nur noch das, woran wir Spaß haben.“ Zum Beispiel eine mühselige Konzertreise durch Russland, die erstaunt, da die beiden Originalmitglieder McCafferty und Bassist Pete Agnew im Herbst ins Pensionsalter kommen: Agnew feiert im kommenden September seinen 65. Geburtstag, McCafferty genau einen Monat später. Doch von Müßiggang oder Rentnerdasein wollen beide nichts hören. „Es macht immer noch unglaublich viel Spaß, auf der Bühne zu stehen und Konzerte zu geben. Wer das will, muss die kraftraubenden Reisen notgedrungen in Kauf nehmen. Sie sind nun einmal Teil des Geschäfts, und wer ein bissiger Hund sein will, muss schon hinter dem warmen Ofen hervorkommen.“

Uriah Heep – Wilde Zeiten

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Uriah Heep 3Kaum zu glauben: URIAH HEEP bringen es inzwischen auf 23 Studioalben. Das aktuellste Werk hört auf den Titel INTO THE WILD – und genau das ist es: ungezähmt. Denn seit Russell Gilbrook an den Drums hämmert, ist der Sound der Band wieder härter geworden.

Text: Benedikt Mekelburg

Bernie Shaw ist quietschfidel. Er plaudert gern und ausgiebig, zudem lacht er viel. Dazu hat der Uriah Heep-Sänger auch allen Grund. Das neue Studioalbum INTO THE WILD ist vor einigen Tagen in die Läden gekommen, die dazugehörige Tour gebucht, das Video zu ›Nail On The Head‹ abgedreht. Zudem könnte das Verhältnis zwischen ihm und seinen Mitrockern nicht besser sein. „Das ist sehr wichtig für eine Band. Vor allem, wenn sie schon so lange besteht wie Uriah Heep“, gibt Shaw freudig zu Protokoll.

Natürlich hatte die Band im Laufe der 41-jährigen Geschichte etliche Line-up-Wechsel zu verkraften, doch der Wille, die Besetzung so lange wie möglich stabil zu halten, war stets da. So vollzog sich 2007 der erste Wechsel seit 21 Jahren, als Drummer Lee Kerslake krankheitsbedingt aufhören musste. Sein Nachfolger Russell Gilbrook ist mittlerweile voll in die Band integriert – und auch durchaus wegweisend, was die Ausrichtung von Uriah Heep angeht, wie Shaw berichtet: „Ohne ihn hätten wir sicher einen anderen Weg eingeschlagen. Seine Energie hat uns erst wieder klargemacht, dass wir eine Hardrock-Band sind. Mit der Betonung auf ‚hart‘.“

Diese wiedererlangte Kraft zeichnet auch INTO THE WILD aus. Mit ›I Can See You‹, ›I’m Ready‹ und dem Titellied sind einige fast schon rasante Stücke auf der Platte vertreten, die man, seien wir ehrlich, den Herren gar nicht mehr zugetraut hätte – schließlich ist die Hälfte der Band bereits in den Sechzigern. Shaw kommentiert das mit einem weiteren Lachen und sagt trocken: „Wir sind vielleicht alt – aber das heißt noch lange nicht, dass wir inzwischen vergessen haben, wie das mit dem Rocken geht!“

Doch ganz ohne Verschleiß ist die Zeit auch an Uriah Heep nicht vorbeigegangen: Sie haben ihr neues Album in gerade mal vier Wochen aufgenommen – mit Folgen. Dem Sänger blieben nur wenige Pausen zwischen den einzelnen Takes. Hinzu kam, dass Produzent Mike Paxman mit Anweisungen nicht geizte. „Er wollte, dass ich die hohen Passagen nicht mit der Kopfstimme singe. Das hat mich an meine Grenzen gebracht.“ Jedoch vertraut die Band dem Mann, der mit INTO THE WILD bereits sein drittes Uriah Heep-Album produziert hat. „Mike sitzt nie einfach nur hinter den Reglern. Er steht im Kontrollraum und geht richtig ab. Im Grunde ist er wie ein sechstes Bandenmitglied.“

Dass dieser Einsatz Früchte trägt, beweist INTO THE WILD deutlich. Die durchdachten Arrangements, bei denen besonders die ausgefeilten Soli und kraftvollen Hammondorgel-Einsätze hervorstechen, stellen vor allem Heep-Traditionalisten zufrieden. Doch das Album hat auch eine ruhige Seite, die u.a. in ›Trail Of Diamonds‹ oder ›Kiss Of Freedom‹ zum Vorschein kommt. „Ich bin ein Fan der sanfteren Songs“, berichtet Shaw. „Und ich hätte nichts dagegen, auch mal eine komplette Tour nur mit Balladen zu bestreiten.“

Neuigkeiten zu: Beardfish

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BeardfishIch liebe Mammuts, sie sind wahrscheinlich meine Lieblingstiere”, frohlockte Beardfish-Gitarrist David Zackrisson einst, während sich die Band gemeinsam eine Achtziger-Zeichentrick-Serie reinzog, in der die Vorläufer der heutigen Elefanten ihren Auftritt hatten. Kein Wunder also, dass die vier Schweden ihr siebtes Studioalbum MAMMOTH tauften. Apropos Zeichentrick im 80s-Look: Eigentlich müsste Bandchef Rikard Sjöblom den japanischen Anime-Pathen Hayao Miyazaki kontaktieren und darauf bestehen, bei dessen nächsten Film die Musik besteuern zu dürfen. Man stelle sich vor: Das Fantasy-Spektakel „Prinzessin Mononoke“ untermalt mit dem reichhaltigen, gerne mal krachig daher polternden Progressive Rock von Beardfish – besser geht’s nicht. In besserer Form als auf MAMMOTH haben sich auch Sjöblom, Zackrisson, Basser Rovert Hansen und Drummer Magnus Östgren bislang noch nicht präsentiert.

Vielleicht auch, weil sie hier und da Ausflüge in den Progressive Metal unternehmen und dabei an die US-Giganten Mastodon erinnern. Mit MAMMOTH thematisieren Beardfish auch das Artensterben: „Keiner weiß, welche heutigen Tiere überleben werden, in diesen Zeiten, in denen es ziemlich kalt wird.“ Damit dürfte Sjöblom nicht etwa das Weltklima meinen, das sich bekannterweise seit geraumer Zeit immer mehr aufwärmt, sondern die Gefühlskälte der über den Planeten herrschenden Lebensform. Die Folgen der menschlichen Gleichgültigkeit gegenüber der Erde sieht der Musiker bereits kommen und warnt: „Das Mammut ist bereits ausgestorben. Das ist eine Parallele zum selbstzerstörerischen Menschen.“

Neuigkeiten zu: Twin Atlantic

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Twin Atlantic-ShedEs muss am Abwechslungsreichtum des stürmisch-regnerischen schottischen Wetters liegen, dass Städte wie Glasgow und Kilmarnock regelmäßig Bands hevorbringen, die das Spiel mit der Dy-namik lieben. Perfekt beherrschten das zum Beispiel die (inzwischen zu Grabe getragenen) Indies Aereogramme. Ebenso drauf haben es die Alternative-Rocker Biffy Clyro, wenngleich sie insgesamt mehr Stoff geben.

In eine ähnliche Kerbe schlagen Twin Atlantic, die derzeit mit ihrem zweiten Album FREE um die Ecke lugen. Der Vierer aus der schottischen Hauptstadt prescht bevorzugt zwanglos drauflos, es darf sowohl rhythmisch-vertrackt als auch geradlinig zur Sache gehen. Geradlinig scheint auch das Gemüt der jungen Wilden zu sein: In Interviews geben sich Frontmann Sam McTrusty, Gitarrist Barry McKenna, Bassist Ross McNae und Schlagwerker Craig Kneale betont locker. Das dabei bevorzugte Gesprächsthema ist ihr Hu-mor, mit dem sie sich unter anderem auf den endlosen Tourneen die Zeit vertreiben. Im Bus über die Au-tobahnen der Welt rauschend, denken sich die Nordbriten Namen für die Lenker der vorbei zischenden Vehikel aus. Wenn doch alles so einfach wäre wie das Leben als aufstrebender Newcomer…

Neuigkeiten zu: While Heaven Wept

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While Heaven Wept photo sessionÜberstürzter Therapie-Abbruch: Tom Phillips, dem Chefdenker der amerikanischen Doomer While Heaven Wept, geht gerade alles ein bisschen zu schnell.

Abstinent lebt Robbo weiß Gott nicht: Schon eine halbe Ewigkeiten rührte die Band aus Virginia ihren sehr speziellen Sound aus traditionellem Doom, Epic und Power Me-tal weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit zusammen, jetzt steht sie auf einmal im Rampenlicht: Mit FEAR OF INFINITY erscheint nur knapp anderthalb Jahre nach dem umjubelten VAST OCEANS LACH­­RYMOSE-Album schon der Nachfolger – und das auch noch bei einem renommierten Großlabel. „Es gibt uns seit 21 Jahren, und ich bin sehr zurückhaltend, jetzt vom ,endlich verdienten Erfolg‘ zu sprechen“, schränkt Tom ein. „Für uns hat sich nicht viel verändert. Wir machen immer noch die gleiche Musik, schulden dem Studio, in dem wir FEAR OF INFINITY aufgenommen haben, eine Menge Kohle… Ob sich was ändert, kann nur die Zukunft zeigen, aber ich bin da ehrlich gesagt nach allen bisherigen Erfahrungen zurückhaltend. Für mich ist jedes einzelne Album ein sehr persönliches Unterfangen – wenn ich das nur machen würde, um CDs zu verkaufen, hätte ich schon lange alles hingeschmissen!“

Dinge wie musikalischer Fortschritt, der Weg zum Erfolg, das alles interessiert Tom nicht: „Das Einzige, was für mich zählt: Unsere Alben sollen die Emotionen und Stimmungen, die hineingeflossen sind, widerspiegeln. Alles andere ist irrelevant. Die Songs des neuen Albums waren bis auf ›Finality‹ schon fertig, bevor der Vorgänger VAST OCEANS LACHRYMOSE herauskam. Sie sollten damals schon veröffentlicht werden, nur dass wir leider einen Haufen sehr epischer Nummern hatten, sodass der Platz einfach nicht reichte. Insofern kann er per Definition noch nicht mal ein Fortschritt gegenüber dem letzten Album sein! Es zeigt nur eine an-dere Facette der Band: roher, geradliniger, düsterer.”

Beide Alben, VAST OCEANS LACHRYMOSE und FEAR OF INFINITY, sind Teil „eines Prozesses, den ›Finality‹, der neueste Song, abschließt“, so Tom. „Ich verarbeitete darin persönlichen Verlust, eine gescheiterte Liebe – deswegen ist es so persönlich und so schmerzvoll, deswegen streckt sich die musikalische Katharsis über zwei Alben.“

Die Krisenbewältigung per Doom Metal ist für Tom fast schon ein Ritual: „Ehrlich gesagt steckt hinter jedem unserer Album eine verlorene Freundin – und nicht immer war der Verlust die Inspiration“, zeigt sich Tom einsichtig: „Die Musik ist für mich eine Besessenheit, sobald ich mich in so ein Projekt versenke, muss alles andere zurücktreten: mein Job, aber eben auch die Liebe. Das ist ein Fluch, aber es musste getan werden, und diesmal hat es mir richtig gutgetan.“

Das Einzige, was nicht ganz so guttat, war der Zeitdruck, der mit der Anerkennung kam: „Unsere neue Plattenfirma insistierte, dass FEAR OF INFINITY genau jetzt auf den Markt kommt, die haben einen sehr strikten Veröffentlichungsplan. Was wir wiederum gar nicht so gewohnt sind… Insofern musste alles wahnsinnig schnell gehen, und wir hatten keine Möglichkeit, als mit dem Material zu arbeiten, das ich alleine vorbereitet hatte. Normalerweise ist While Heaven Wept schon eine Band, aber auf FEAR OF INFINITY stammt alles von mir.“

Text: Gregor Arndt

Neuigkeiten zu: Blackfield

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Blackfield2Bei Blackfield verwirklichen Steven Wilson (Porcupine Tree) und der israelische Superstar Aviv Geffen ihre gemeinsamen musikalischen Ein­flüsse. Nachzuhören ist das Resultat unter anderem auf dem neuen Album WELCOME TO MY DNA.

Aviv, war Steven bei der Blackfield-Gründung im Jahr 2000 eher der Junior-Partner, zumindest was die damaligen Verkaufszahlen anging?
Nun ja, vielleicht. Denn Steven ist ein bodenständiger Kerl, ich bin eine schillernde Ikone, trage Schminke auf der Bühne – ganz wie ein Glamrocker. In Israel bin ich als Rebell be­kannt, denn ich will dem Publikum mehr bieten als einfach nur ein nettes Konzert.

Steven hat geschätzt, dass du rund 70 Prozent des 2007er-Albums BLACKFIELD II geschrieben hast…
Wir waren beide der Meinung, dass es am besten wäre, wenn ich die Musik ­schreibe. Denn Blackfield machen kein Progrock, es gibt keine zehnminütigen Gitarren-Soli. Wir sind eine Band, die selbst die Musiker von U2 und Placebo lieben – in der Branche gelten wir daher als Geheimtipp, eine Band, die sich je-der gerne reinzieht.

In ›Go To Hell‹ auf Eurem neuen Al-bum WELCOME TO MY DNA benutzt du 16 Mal die Worte „Fuck You“. Warum?
Zu dem Lied wurde ich von meiner eigenen, sehr harten Kindheit inspiriert. Ich will, dass es meinem Sohn viel, viel besser geht als mir. Also werfe ich mei­nen Eltern ›Go To Hell‹ an den Kopf.

Du hast Morddrohungen erhalten, da du dich zu deinen politischen Überzeugungen bekennst. Ist es gefährlich für dich, auf die ­Straße zu gehen?
(Nickt) Für manche bin ich der Teufel. Ich sage: Es gibt keinen Gott. Und ich halte Jerusalem nicht für einen heiligen Ort. Wir sollten die Besetzung abbrechen. Indem ich solche Dinge ausspreche, mache ich mir Feinde. Aber ich bin bereit, auf der Bühne zu sterben. Denn Blackfields Lieder haben die Macht, die Welt zu verändern.

Text: Dave Ling

Neuigkeiten zu: Moby

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moby-play-desktopVon wegen Weichei: Eigentlich ist der 45-jährige Moby, der mit bürgerlichem Namen Richard Melville Hall heißt, ein waschechter Rocker. Er trägt schon mal Make-up und Spandex, macht regelmäßig die Clubs des Molochs Los Angeles unsicher und lebt in einer protzigen Villa in den Hollywood Hills.

Du giltst als Koryphäe der tanzbaren elektronischen Musik. Dabei hast du scheinbar noch eine ganz andere Seite…
Ich habe all diese verschiedenen Spaßprojekte. Zum Beispiel eine Metal-Band namens Diamond Snake, die Blues-Band Little Death, und seit kurzem spiele ich wieder mit meinen High-School-Freunden von Vatican Commandos, einer Punk-Rock-Band. Einfach, weil es ein Riesen-Spaß ist, da rauszugehen und ordentlich Krach zu machen.

Also eine Art Ausgleichssport zu der Computer-Tüftelei?
Richtig! Auf der Bühne zu stehen und Gitarre zu spielen ist ein großer Spaß. Du musst dich nicht um den Gesang kümmern, und die Leute schenken dir kaum Aufmerksamkeit. Außerdem ist es un- glaub­lich befriedigend, den Verstärker bis zum Anschlag aufzudrehen. Deshalb tue ich das. Und es ist mir egal, wo, wie und mit wem. Oder ob ich dafür bezahlt werde. Denn was sollte ich mit meiner Zeit Besseres anfangen? Müsste ich zwischen Videospielen und Punkrock mit meinen Freunden wählen, würde ich mich immer für Letzteres entscheiden.

Und Diamond Snake machen ernsthaft Heavy Metal?
Es bewegt sich in der Tradition von Mötley Crüe und AC/DC, das ist schon ziem-lich heftig. Und wir versuchen auch nicht so lustig zu sein wie etwa Steel Panther. Wenn es komisch rüberkommt, ist das komplett unbeabsichtigt.

Ohne Spandex, Make-up und Perücken?
Doch, ohne geht es ja nicht. (lacht)

Die Rockstar-Villa in den Hollywood Hills hast du auch schon – inklusive Hubschrau-berlandeplatz, Pool in Herzform und Doris Day als Vorbesitzerin…
Das ist ein verrücktes altes Haus aus den Zwanzigern. Momentan wohne ich noch im Gästebungalow und lasse den Rest renovieren. Ich mag die Idee, viel Platz fürs Studio, für Familie und Freunde zu haben. Außerdem bin ich gern in der Na-tur. Die habe ich quasi vor der Haustür. Da gibt es sogar Kojoten und Berglöwen.

Text: Marcel Anders