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Led Zeppelin – LED ZEPPELIN IV

LedZepIVEin Album ohne Titel. Aber mit allerhand Klassikern.

Bei einem runden Album-Jubiläum wird gerne die Verpackung optimiert und das Archiv leergeräumt, um mittels Bonusbei-gaben die geneigte Käuferschaft zu animieren. Nichts von alledem findet bei Led Zeppelin statt. Angeblich läge keinerlei zusätzliches Material vor, lässt der weißhaarige Historienbewahrer Jimmy Page wissen – und Led-Zep-Fans mit umfangreicher Bootleg-Sammlung können nur süffisant schmunzeln. So bleibt dem Interessenten nur eine Wahl: mit jenen acht ursprünglichen Songs auskommen, die am 8. November 1971 weltweit simultan erschienen und für Jim-my Page, Robert Plant, John Bonham und John Paul Jones zum ewigen Prüfstein wurden, an dem sich sämtliche Alben bis zur Trennung 1980 messen lassen mussten. Sind Superlative wie die weltweit 37 Millionen verkauften Exemplare, Ungereimtheiten wie das kryptische Cover ohne Namensschriftzug und Albumtitel sowie die vier geheimnisvollen Zeichen jedes Bandmitglieds auf der Innenhülle abgehakt, darf endlich die stilistische Bandbreite bewundert werden, die Led Zep mittlerweile draufhatten: ›Black Dog‹ huldigt hypnotisch den Blues-Rock-Wurzeln, fast schon parodistisch ballert ›Rock And Roll‹ auf die Zwölf. Das keltische Erbe wird bei ›Battle Of Evermore‹ beschworen – und über das majestätische ›Stairway To Heaven‹ muss man ohnehin keine Worte mehr verlieren. Dass ›Misty Mountain Hop‹ den noch nicht erfundenen Stadionrock vorwegnimmt, dürfte auch bekannt sein. Atypisch, weil polyrhythmisch, geht’s bei ›Four Sticks‹ zur Sache. ›Going To California‹ zieht den Hut vor den Liedermachern im fernen Lau-rel Canyon an der US-Westküste, und beim donnernden Metal-Blues ›When The Levee Breaks‹ wird Blues-Urgestein Memphis Min-nie ein Denkmal gesetzt. Ein Klassiker der Rockgeschichte, nicht mehr und nicht weniger.

Corrosion Of Conformity

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COC band shots (26)Anvil haben es richtig gemacht. Nach Jahrzehnten des brotlosen Rockens, in denen sie von zahlreichen Thrash-Metal-Kollegen als Überväter des Genres in den Himmel gelobt wurden, aber kaum noch die Wurst auf den Tisch bekamen, sorgten sie mit einem aufsehenerregenden Dokumentarfilm dafür, dass ihnen mit reichlich Verspätung die Anerkennung, volle Hallen und prall gefüllte Kontos zuteil wurden, die ihnen zustanden.

Genauso sollten das vielleicht auch die Südstaatenrocker von Corrosion Of Conformity machen, denn sie teilen ein ähnliches Schicksal. Diverse Platinseller geben in ihren kalifornischen Nobelanwesen zu Protokoll, C.O.C. hätten sie entscheidend geprägt, doch bis auf eine kurze Phase Anfang bis Mitte der Neunziger könnte die Truppe aus North Carolina aber nie kommerziell punkten. Entmutigen ließ sich die Band trotzdem nie, wie das neue Album zum 30. (!) Bandjubiläum eindrucksvoll unterstreicht. Pepper Keenan, der ab 1989 am Mikrofon stand und die größten, na ja, „Hits“ verantwortete, ist hier nicht zu hören, stattdessen stand erstmals seit ANIMOSITY nur das Kerntrio Woody Weatherman, Reed Mul-lin und Mike Dean im Studio.

Die Stärken der Band sind dabei dieselben geblieben: rußschwarzer, ölig poltender Blues-Metal, der Dreck, Voodoo und Rebellion aus jeder vernarbten Pore schwitzt. Klar, die Jungs wissen, was sie tun. Fehlt nur noch der richtige Dokufilmer, damit das endlich mal ein breiteres Publikum mitkriegt.

All Mankind

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All Mankind 2Ihren Bandnamen borgten sich die Australier vom Pearl Jam-Song ›Mankind‹ von deren Album NO CODE. Doch wer jetzt denkt, All Mankind würden auch musikalisch in die Grunge-Spuren des Quintetts aus Seattle treten, der irrt gewaltig. Denn die Australier haben sich ganz und gar dem Alternative-Rock der Marke Coldplay, Muse, Keane, Snow Patrol oder The Killers verschrieben. Eine eigentlich recht unaustralische Musikrichtung, weswegen es auch nicht wundert, dass die vier Musiker aus Sydney für die Aufnahmen ihres Debüts SIMPLE DESIRE ihrer Heimat den Rücken kehrten und sich nach Großbritannien be-gaben, genauer gesagt nach Liverpool. Unter den Fittichen von Produzent Mike Crossey (Artic Monkeys) beschloss das Quartet, das Album auf sehr traditionelle Weise aufzunehmen und auf zu viel modernen Schnickschnack zu verzichten. So nahmen die Musiker alle Songs live im Studio auf. Manchmal reichten wenige Takes, bis alle Beteiligten zufrieden waren. Diese Unbeschwertheit hört man SIMPLE DESIRE auch an. Die Songs sind frisch, natürlich, wenig gekünstelt und sehr ehrlich. Und das scheint sich auszuzahlen. „Die Reaktionen auf das Album sind bis jetzt sehr positiv“, strahlt Sänger Richard Beeston. „Ich bin gespannt, was dieses Jahr so alles auf uns zukommen wird.“

Black Keys

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The_Black_Keys 2011 @ John PeetsEin sonniger Freitag in Nashville. Black Keys-Sänger/Gitarrist Dan Auerbach sitzt in seinen Easy Eye Sound Studios und hat richtig miese Laune. Entweder, weil es um 11 Uhr morgens noch zu früh für ihn ist, weil er zwei Acts gleichzeitig produziert (The Growlers und Dr. John) oder weil er sich erneut mit einem riesigen Medieninteresse konfrontiert sieht – was der 32-Jährige so gar nicht mag. Dabei sind er und sein trommelnder Partner Patrick Carney seit anderthalb Jahren das neue große Ding der US-Rockszene, haben von ihrem sechsten Album BROTHERS über 700.000 Kopien umgesetzt, drei Grammys erhalten und füllen Hallen im 10.000er-Format. Was bei Dan vor allem eins auslöst – ein lautes Stöhnen. „Es ist nicht so, dass ich das nicht zu schätzen weiß, aber es ist schon ein komisches Gefühl. Einfach, weil sich so lange kein Schwein für uns interessiert hat und wir eigentlich auch nichts anderes machen als auf unseren früheren Platten. Trotzdem finden uns plötzlich alle toll. Also alle, denen wir jahrelang völlig egal waren.“

Denn während artverwandte Bands wie die White Stripes oder die Strokes das große Geld scheffelten und in Saus und Braus lebten, mussten Dan und Patrick ihr Hauptquartier in einem alten Kohlekraftwerk in Akron/Ohio aufschlagen (wo sie aufgewachsen sind) und sich mit dem schrottreifen Mischpult der kanadischen Posertruppe Loverboy („kein Wunder, dass ihre Songs so scheiße klangen“), dubiosen Indie-Labels sowie end-losen Trips im klapprigen Mini-Van rumärgern. Was sich nur mit geballtem Idealismus, hehrem DIY-Denken und gesteigertem musikalischen Purismus kompensieren ließ. Nämlich dem traditionellen Blues alter Südstaaten-Schule (Junior Kimbrough, Robert Johnson, Hound Dog Taylor, Son House, etc.), den das Duo mit rudimentärer E-Gitarre, minimalistischem Schlagzeug und verzerrtem Gesang intonierte. Nur um jetzt, nachdem sie mit BRO-THERS die Hälfte der globalen White Stripes-Fanbase übernommen haben, den nächsten Schritt auf der Evo-lutionsleiter zu nehmen: EL CAMINO, erneut produziert von Brian Burton aka Danger Mouse (Gnarls Barkley, Gorillaz), glänzt mit Anleihen bei Glam-Rock, Garagenkrach und 60s-Beat, weist ein breites Instrumentarium nebst großartiger Texte über Engel, Teufel und Schlampen auf bzw. erinnert an einen Bastard aus White Stripes, Queens Of The Stone Age und Led Zeppelin.

Einen Vergleich, den Auerbach nicht wirklich gerne hört. „Ich stand noch nie auf Jimmy Page“, poltert er los. „Einfach, weil ich weiß, woher er seine Riffs hat – und er diesen Wurzeln nie den nötigen Respekt gezollt hat. Außerdem empfinde ich lange Gitarrensoli als musikalisches Onanieren“, spricht‘s und muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass auch er in Stücken wie ›Gold On The Ceiling‹ oder ›Little Black Submarines‹ minutenlang die Saiten malträtiert. Und dabei – das ist noch wichtiger – nicht nur elektrifizierten Blues spielt, sondern (zum ersten Mal) richtig ungeniert drauflos rockt. Sprich: Das Knarzige, Schrullige und Verquere weicht richtig tollen Songs fernab vertrauter Schubladen. „Das ist nichts, was wir groß geplant hätten, sondern es ist einfach passiert“, so Auerbach. „Wir haben das Album während unserer letzten Amerika-Tour aufgenommen und versucht, die Euphorie, die wir da erlebt haben, in Songs umzusetzen. Die sind dann ein wenig schneller, härter und direkter geworden. Eben, weil wir all dieses Adrenalin in uns hatten. Und das musste raus.“

Zum Glück für alle Beteiligten. Die Fans, die seit BRO-THERS auf den Geschmack gekommen sind, erleben das beste Album, das Jack White nie geschrieben hat. Ihr Label kann schon mal den Schampus für die Platinverleihung kaltstellen, und die Band darf sich auch in Europa auf richtig große Hallen freuen – sofern Auerbach diese Gefühlsregung überhaupt kennt: „An solche Hallen haben wir uns längst gewöhnt“, gähnt er bei Er-wähnung der Hamburger Sporthalle und der Berliner Arena, die für Januar 2012 gebucht sind. „Ich meine, natürlich ist das eine Verbesserung zu den 400 Leuten, vor denen wir 2004 im Molotow gespielt haben, aber dafür sind die neuen Songs viel schwieriger, die Produktion ist aufwändiger, und wir verdienen kaum etwas daran.“ Vielleicht sollte er an einem Morgen wie diesem gar nicht erst zum Telefon greifen…

Rückblende: The Doors – Love Her Madly

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Wäre es nach ihrem Produzenten gegangen, hätten die Doors ihre letzte Single vor Jim Morrisons Tod gar nicht aufgenommen. Gitarrist Robby Krieger, der den Song geschrieben hat, erklärt warum.

Doors_Portrait Ganz ehrlich? Ich habe mich gelangweilt.“ Gitarrist Robby Krieger erinnert sich in seinem Haus im Benedict Canyon, Los Angeles, an das Schreiben seines Songs ›Love Her Madly‹, dem zweiten Track auf dem finalen Doors-Album L.A. WOMAN. Es ist September 1970, und die Doors befinden sich in einer prekären Lage. Morrison droht eine Haftstrafe wegen Anstiftung zum Aufruhr und Erregung öffentlichen Ärgernisses im Dinner Key Auditorium in Miami im vergangenen März – und das hat Auswirkungen auf die Band: Konzertveranstalter weigern sich, die Doors zu bu-chen, weshalb Auftritte Mangelware und ausgiebige Tourneen unmöglich sind.

Nach ihrem Gastspiel auf dem Isle Of Wight- Festival am 29. August sind sie nun zurück in Los Angeles. Während Morrison die Berufung gegen sein Urteil zu sechs Monaten Haft und zu einer Geldstrafe von 50.000 US-Dollar vorbereitet, ist der Rest der Band „auf sich allein gestellt“, erinnert sich Krieger. „Aber mir war auch klar, dass wir zurück ins Studio müssen, also ging ich los und kaufte mir eine 12-saitige Gibson 335. Ich schrammelte auf meiner neuen Errungenschaft herum und stolperte über ein nettes Riff und einige Shuff-le-Akkorde. So begann ›Love Her Madly‹ erste Zü- ge anzunehmen.“

Das Texten bereitete Krieger keine übermäßige Schwierigkeit. Immerhin hatte er für die Doors „25 Prozent der Texte und und mindestens 75 Prozent der Musik“ beigesteuert. So war ihr Nummer-eins-Hit ›Light My Fire‹ (versehen mit einem kleinen „funeral pyre“-Einwurf von Jim) sein Song. Außerdem schrieb er ›You’re Lost Little Girl‹ und ›Love Me Two Times‹ für das STRANGE DAYS-Album, ›Wintertime Love‹, ›Yes‹ und ›The River Knows‹ für WAITING FOR THE SUN und alle vier Singles vom 1969er Album THE SOFT PARADE. Diese waren ›Touch Me‹, der von Morrison ungeliebte Top-drei-Hit in den USA, ›Wishful Sinful‹, ›Tell All The People‹ (ein weiterer Würgereiz-Song für Morrison) und ›Runnin’ Blue‹.

„Trotz Miami befanden sich die Doors auf keinem absteigenden Ast“, beurteilt Krieger die Situation seiner Band Ende 1970. „MORRISON HO-TEL und ABSOLUTELY LIVE verkauften sich gut. Das Üble an Jim war nur, dass er, selbst wenn alles gut lief, einen Weg fand, es zu versauen. Das war sein Job.“ Es ist Mitte Oktober, und Robby hat ›Love Her Madly‹ in ansehnliche Form gebracht. „Für gewöhnlich handeln meine Lieder von den vier Elementen: Feuer, Luft, Wasser, Erde. Dieses war untypisch für mich. Textlich hielt ich mich an der Idee von diesem Typen fest, der von seiner Freundin besessen ist. Sie aber lässt ihn ständig sitzen und hält ihn hin. Dieser Kerl war ich. Ich schrieb ›Love Her Madly‹ über meine heutige Frau Lynn.“

Lynn Veres Krieger, das Objekt der Begierde, war Go-Go-Tänzerin in New Jersey. Die Doors trafen sie 1967 in der „Ondine“-Diskothek – ei-nem Club, der häufig von Velvet Underground und Andy Warhols Factory-Leuten besucht wur-de. Zunächst wurde Morrison auf sie aufmerksam, als ihre falschen Brüste aus ihrem BH flutschten. Die beiden hatten eine kurze Affäre, bevor sie sich doch zu Krieger hingezogen fühlte. Robby und sie sollten 1972 heiraten.
Krieger zeichnete ›Love Her Madly‹ nicht auf, da er kein Aufnahmegerät besaß. „Ich kam in un-seren Bandraum am La Cienega Boulevard und sang den anderen den Song vor. Zu diesem Zeitpunkt war es noch eine bluesige, fast folk-rockige Nummer à la Arthur Lee. Ray Manzarek setzte diese großartigen Keyboards im Stil eines Cembalos darauf, und John Densmore fügte eine Mi-litär-Trommel und einen Shuffle hinzu. So be-kam das Lied ein gewisses Latin-Feeling.

Es war ein Easy-Listening-Song, aber Jim liebte das. Er mochte diesen gehauchten Gesang. Wenn er wollte, konnte er singen wie Frank Sinatra, den er sehr oft hörte. Jim machte es ein wenig anders und sogar besser. Seine Lieblingszeile war „All your love is gone, so sing a lonely song/ Of a deep blue dream, seven horses seem, to be on the mark“. Jim riet mir immer: „Du musst etwas einbauen, das den Hörer verwirrt.“ Es bedeutete nicht allzu viel – die sieben Pferde sind wie ein glückliches Omen zu verstehen. Aus seiner Zeit in Florida stammte Jims Leidenschaft für Pferderennen. Der Teil mit den Worten ‚seem to be on the mark‘ passte einfach in den militärischen Rhythmus.“

Einer, der ›Love Her Madly‹ nicht gerade schätzte, war der langjährige Doors-Produzent Paul A. Rothchild. „Während der frühen L.A. WOMAN-Sessions hörte Paul ›Riders On The Storm‹ und ›Love Her Madly‹ und ließ die Bombe platzen: ‚Ich werde das nicht produzieren! Das ist Cocktail-Musik!‘“, verrät Kriegr. „Er hatte gerade die Produktion von Janis Joplins PEARL abgeschlossen, und kurz darauf war sie gestorben. Einige Tage später sah er Jim in schlechter Verfassung und dachte: ‚Es spielt sich wieder genauso ab.‘ In seinen Augen ging es mit uns bergab, und er wollte nicht mit in den Abgrund gerissen werden. Aber Jim war zu dieser Zeit sehr fit. Seine wahren Gründe kenne ich also nicht.“

Krieger übernahm darauf die Produktion zu-sammen mit Ton-Ingenieur Bruce Botnick, und so waren die Arbeiten an ›Love Her Madly‹ Anfang Dezember abgeschlossen. Bei den Aufnahmen spielte kein Geringerer als Jerry Scheff den Bass ein. „Jerry war ein lebendiger Typ. Wir haben ihn geholt, weil er schon mit Elvis getourt hatte – er war einfach heiß. Ich schlug seinen galoppierenden Bass vor, weil ich ihn bei Elvis spielen gesehen hatte, und ich wollte exakt dieses Feeling.“

Als die Doors im Frühjahr 1971 das fertige L.A. WOMAN-Album bei Elektra Records ablieferten, teilte ihnen Boss Jac Holzman mit, dass ›Love Her Madly‹ die erste Single werden sollte. „Ich war nicht allzu glücklich darüber, weil ich den Song für zu kommerziell hielt“, so Robby. „Ich wollte ›Riders On The Storm‹, der hatte mehr Tiefgang. Aber Holzman sagte: ‚Nein. Das FM-Radio wird gerade immer größer, und dort wird er sagenhaft klingen.‘ Und er hatte Recht. Im Februar hörte ich ›Love Her Madly‹ zum ersten Mal übers Radio, als ich gerade durch L.A. fuhr. Es hatte die perfekten Frequenzen für Autoradios – es sprang nur so aus den Lautsprechern, und Scheffs Bass ließ es so richtig dröhnen. Ich erzählte Jerry diese Geschichte einige Jahre später, und er sagte: ‚Oh ja, ich weiß. Wo ist das Geld?‘“

In der Woche der Veröffentlichung von ›Love Her Madly‹, im März 1971, verließ Jim Morrison die Doors, um nach Paris zu ziehen. Außerhalb des Studios hat er ›Love Her Madly‹ nur zweimal gesungen: einmal in der „Dallas State Music Hall“ im zweiten Set der Doors (während des ersten Sets war er zu betrunken, um alle Lieder zu singen) und zuletzt im „New Orleans Warehouse“ am 12. Dezember 1970. Dies waren die letzten Live-Auftritte der Band als vollständige Gruppe.

Während Jim keine vier Monate mehr zu leben hatte, kann Krieger, der den letzten Hit in der Geschichte der Doors geschrieben hat, auf den triumphalen Schwanengesang des getriebenen Sängers zurückblicken.

Rush

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Rush live _ Alex Lifeson und Geddy Lee_ Photographer Andrew MacNaugthanAnhänger der Prog Rock-Ikonen Rush hatten dieses Jahr großen Grund zur Freude. Um den 30. Geburtstag ihres Klassikers MOVING PICTURES zu feiern, begaben sich die Kanadier auf eine ausgedehnte Welttournee. Wer es nicht geschafft hat, zu einem dieser Konzerte zu gehen, kann nun aufatmen, denn die Live-CD/DVD TIME MACHINE 2011: LIVE IN CLEVELAND ist nun für das heimische Wohnzimmer zu haben. Doch auch für die Band selbst war es ein Erlebnis, das Album in voller Länge zu spielen. „Es ist jedes Mal großartig“, schwärmt Gitarrist Alex Lifeson. „Wir wollten beispielsweise ›The Camera Eye‹ bereits bei unserer letzten Tour spielen. Da es jedoch ein sehr langer Song ist, machte es damals wenig Sinn. Jetzt ist er für mich das Highlight an jedem Abend.“

Die Umsetzung stellte für die Band je-doch immer wieder eine Herausforderung dar. „Die Platte ist ein ziemlicher Brocken“, grinst Alex. „Wir spielen das Album immer als Ganzes, also ohne Ansagen zwischen den Songs. Das fordert uns jedes Mal schon sehr.“ Neben weiteren Klassikern der Band gab es auf den Konzerten mit ›Caravan‹ und ›BU2B‹ auch zwei neue Songs zu hören, die einen kleinen Vorgeschmack auf das für 2012 geplante 20. Studioalbum CLOCKWORK ANGELS geben. „Mir gefallen diese beiden neuen Stücke sehr gut“, erzählt Lifeson. „Sie klingen sehr dynamisch. Was sicher auch daran liegt, dass wir sie auf der Bühne schon testen und dadurch immer mehr verfeinern konnten. Ich denke, in diesem Stil wird sich auch das kommende Album bewegen.“

Mystic Prophecy

mystic_prophecy_promopic2Sie sind eine feste Konstante der na­tio­nalen Power Metal-Szene: die schwäbische Truppe Mystic Pro­phecy. Ihr mittlerweile achtes Werk RAVENLORD stellt ein kleines Novum dar: Spielte das Quintett auf den vorangegangenen Releases auch schon mit düsteren Handlungen, präsentiert es nun ein reinrassiges Konzeptalbum mit festem Handlungsstrang. Es geht um die letzte Schlacht auf Erden, an der sämtliche Kombattanten aus allen Kriegen der Historie teilnehmen. Letztendlich erkennen die Kämpfer je­-doch, dass daraus nur der Tod (der von der düsteren Figur Ravenlord verkörpert wird) als Sieger hervorgeht. „Das End­zeit­szenario passt perfekt zu Mystic Prophecy und dem, was wir als Band erreichen wollen: nämlich die Fans sowohl musikalisch als auch textlich zu unterhalten“, erläutert Bandboss Roberto „Lia“ Liapakis. „Zudem spiegelt es die derzeitige weltpolitische Lage in einer utopischen Form wider, wo die Kleinen für den Bockmist der ge­wähl­ten Führer nicht nur finanziell, sondern leider zu oft physisch bluten müssen. Geld und Macht regieren unsere Gesellschaft, Nächstenliebe und Verständnis für andere kommen meist zu kurz.“

Lebenslinien: Paul Rodgers

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Er ist einer der ausdruckstärksten und gefragtesten Sänger der Rockwelt. Mit Bad Company und nicht zuletzt als zwischenzeitlicher Queen-Frontman schrieb Paul Rodgers Musikgeschichte. Aber auch andere Rockgrößen wie The Doors rissen sich einst um das Ausnahmetalent. Jeff Beck und Jimmy Page singen Loblieder auf ihn, und Tony Blair zählt zu seinen größten Fans.

Paul RodgersSeit Ende der sechziger Jahre ist Paul Rodgers nicht mehr wegzudenken aus der Rockmusik-Landschaft. 1970 landete er zusammen mit seiner Band Free und dem Song ›All Right Now‹ seinen ersten internationalen Charterfolg. Die Sieb-ziger waren dann die Hochzeit seiner Erfolgsband Bad Company – und von 2005 bis 2009 unterstützte er Brian May und Roger Taylor bei Queen. Neben vielen Kooperationen und Solo-Alben erfreute mit Sicherheit auch die Reunion von Bad Company im Jahr 2009 die Fans. Dass die alten Herren es immer noch drauf haben, bewiesen sie bei vielen Live-Shows und auf ihrer erst kürzlich erschienen DVD BAD COMPANY – LIVE AT WEMBLEY, das ihr Konzert vom April 2010 im Londoner Wembley Stadion zeigt. Doch Paul Rodgers hat nicht nur eine unverwechselbare Stimme und eine unvergleichliche Karriere vorzuweisen – er kennt auch viele interessante Leute und hat eine Menge zu erzählen.

B.B. King

Als B.B. King seinen Club B.B. King’s Blues Club in New York eröffnete, habe ich mit ihm gejammt. Seinerzeit war das sein erster Club. Ich hatte die große Ehre, mit auf die Bühne zu dürfen. Sie spielten gerade einen Shuffle – wodurch ich unweigerlich an den ersten Song denken musste, den ich damals mit Paul Kossoff ge-spielt habe, als wir gerade die Band Free gegründet hatten. Das war ›Every Day I Have The Blues‹ von B.B. King. Und ich fing also einfach an zu singen: „Every day, every day I have the Blues“. Im Publikum waren vorwiegend Blues-Fans, deswegen erkannten sie den Song sofort und stiegen mit ein. Dann kam B.B. zu mir und fragte, ob ich nicht lieber sein Mikrofon benutzen wolle, da ich in das des Saxofonisten gesungen hatte. Also drückte er mit seins in die Hand, und wir machten weiter. Er ist ein toller Mensch, und der Abend war unvergesslich.

Tony Blair

Ich traf Tony Blair das erste Mal am Tag, bevor die britischen Truppen in den Irak zo-gen. Er kam auf mich zu und sagte, er sei ein großer Fan von mir und vor allem von meinem Song ›Wishing Well‹. Ich bedankte mich und verwies auf den Untertitel des Stücks: „Love In A Peaceful World“. Er sah mich nur etwas verwirrt an und meinte, dass der Song doch ›Wishing Well‹ heiße. Und ich erwiderte: „Ja, aber der Text des Refrains lautet ,Love In A Peaceful World‘“ – und dachte auf einmal: „Verdammt, jetzt bin ich wohl einen Schritt zu weit gegangen.“ Denn unsere Truppen zogen ja am nächsten Tag in den Krieg. Am selben Tag bin ich abends auf dem Parteitag der Labour Party aufgetreten, weil mich Herr Blair darum gebeten hatte. Dort spielten wir auch ›Wishing Well‹. In der Mitte des Songs hörten wir plötzlich auf zu spielen. Genau dort, wo der Text schließlich mit „Love In A Peaceful World“ weitergeht. Und die gesamte Partei sang diese Textzeile immer und immer wieder. Ich stand nur auf der Bühne und dachte darüber nach, wie ironisch dieser Moment doch ist. Heute singen sie vom Frieden und ab morgen sind sie Teil eines Krieges.

The Doors

Ihr Gitarrist Robby Krieger kam vor einiger Zeit zu mir und mein-te, dass sie damals in den 70ern nach England kamen, um mich zu suchen und zu fragen, ob ich nicht ihr neuer Sänger werden möchte. Damals war ich zwar im Land, hatte mich aber sehr zurückgezogen, da zu dieser Zeit viel los war. Wir gründeten Bad Company und hatten damit alle Hände voll zu tun. Krieger und die anderen konnten mich also nicht finden und schoben die Idee beiseite. Als er mir das erzählte, war ich erst einmal sprachlos. Das verblüffte mich einfach. Wenn ich heute zurückblicke, weiß ich auch gar nicht, was ich damals getan hätte. Zu dieser Zeit war ich mehr als beschäftigt. Ich schrieb gerade Songs mit Mick Ralphs, und wir arbeiteten an unserer Vision von Bad Company. Also ist es wohl eher unwahrscheinlich, dass ich damals zugesagt hätte. Aber für mich ist das im Nachhinein immer noch eine große Ehre. Ich meine: Das waren schließlich die Doors.

Jeff Beck

Jeff_Beck_Press_Photo_2Jeff kenne ich schon seit vielen Jahren, und wir haben uns auch immer wieder getroffen. Letztes Jahr wurde ich bei den Awards, die die Kollegen vom britischen CLASSIC ROCK Magazin verleihen, als „Classic Songwriter“ geehrt – und Jeff Beck sollte mir den Preis überreichen. Plötzlich sprang auch Jimmy Page auf die Bühne, und so standen sie beide am Rednerpult. Vor der Show kam Jeff zu mir und sagte, dass er so etwas eigentlich sehr ungern tut, weil er nicht gerne vor Publikum spricht. Er sei es nicht gewohnt, in ein Mikro zu sprechen, sondern Gitarre zu spielen. Als er jedoch mit seiner Rede anfing und merkte, dass es den Leuten gefällt, konnte er auf einmal nicht mehr aufhören. Jimmy stand hinter ihm und versuchte immer wieder, ihm zu verstehen zu geben, dass er auch etwas sagen will. Er kam jedoch einfach nicht zu Wort. Das war eine tolle Nacht.

Bad Company

Hier eine Geschichte aus meinen wilderen Jahren mit Bad Company. An diesem Tag saß ich gerade in unserer Limousine und hatte das erste Mal in meinem Leben Orangenbäume gesehen. Also bat ich den Fahrer, umzudrehen und zu den Bäumen zurückzufahren. Dort pflückte ich dann ein paar Orangen – frisch vom Baum – und wollte sie essen. Also schälte ich die Orangen im Auto und warf die Schalen aus dem Fenster. Als wir dann an der Halle ankamen, in der wir an diesem Abend spielen sollten, hielt ein Auto neben uns. Der Typ darin ließ das Fenster herunter und fragte mich nach meinem Namen. Ich fragte: „Warum? Wer will das wissen?“ Und er sagte nur, dass er mich anzeigen würde, weil ich die Straße verschmutze. Ich sah ihn verwirrt an und argumentierte: „Was ist daran so schlimm? Das ist doch biologisch abbaubar, das schadet doch niemandem.“ Doch er wollte mich trotzdem anzeigen. Aus seinem Mund hing eine Pfeife, und er hatte eine Brille an. Zu dieser Zeit war ich noch sehr rebellisch. Ich habe mich also aus dem Auto gelehnt und gesagt, wenn er mich anzeigen wolle, dann eher deswegen: Ich fegte ihm seine Brille vom Gesicht und schnippte die Pfeife in die andere Richtung. Damals war ich wirklich ein böser kleiner Junge. Danach verschwand ich in der Halle. Kurze Zeit später kam mein Security auf mich zu und meinte, ich solle sofort verschwinden. Ich sagte ihm, dass das nicht geht, da wir mitten im Soundcheck sind. Und er erzählte mir, dass der Typ, mit dem ich mich vorhin gestritten hatte, der Polizeichef der Stadt war. Jetzt war die Po-lizei da, umstellte langsam das Gebäude und wollte mich verhaften.

Also türmten wir durch die Hintertür und fuhren zu unserem Hotel. Ich sollte mich in meinem Hotelzimmer verstecken, aber da gab es kein gutes Versteck. Unter dem Bett oder hinter der Couch hätten sie gleich als erstes nachgesehen. Also öffnete ich das Fenster, riss das Moskitonetz ab, schloss die Vorhänge und hängte mich an das Fenster – im 20. Stock wohlgemerkt. Kurz danach klopfte es an der Tür, und ich hörte sie rufen: „Er muss hier irgendwo sein. Wir kriegen ihn.“ Dann sahen sie aus dem Fenster und da hing ich – aber sie haben mich nicht gesehen. Also sind sie wieder gegangen. Wir mussten dann einen Anwalt engagieren, und es gab viele böse Worte. Letztendlich durften wir dann spielen, mussten aber danach die Stadt verlassen. Das waren meine verrückten Zeiten. So bin ich schon lange nicht mehr. Heute bin ich sehr ruhig, sensibel und lasse die Finger vom Alkohol. (lacht)

Brian May & Roger Taylor

Ich erinnere mich hier besonders an ein Konzert mit ihnen in Kharkov in der Ukraine. Man lud uns ein, auf einem Benefiz-Konzert zu spielen, um auf die Gefahren von AIDS aufmerksam zu machen. Dort ist diese Krankheit immer noch ein großes Problem. Die Bühne war auf dem Platz der Freiheit aufgestellt, einem der größten Plätze Europas. Man hat mir mal erzählt, dass man ihn selbst vom Mond aus sehen kann. Keine Ahnung, ob das stimmt. Auf jeden Fall ist es ein verdammt großer Platz. Es kamen 360.000 Leute, nur um uns zu sehen. Es war kein Festival mit anderen großen Künstlern, nur wir… Genau gegenüber der Bühne stand das Gebäude, in dem früher der KGB seinen Sitz hatte. Das war mal wieder ein sehr ironischer Moment in meinem Leben: Hier stehen wir und spielen Rock’n’Roll für so viele Menschen, und nur einen Steinwurf entfernt steht das alte Gebäude des KGB. Woran ich mich bei diesem Konzert auch noch sehr erinnere, sind die seltsamen Ballons, die über dem Platz schwebten. Ich fragte mich die ganze Zeit, was das sein sollte. Es stellte sich dann heraus, dass das alles Kondome waren, die die Menschen aufgeblasen und in die Höhe gehalten haben. Im Nachhinein kamen wir dann darauf, dass das wohl an einer Aussage von Roger gelegen haben muss. Wir hatten nämlich zuvor einen Fernsehauftritt, in dem wir sagten, dass man sich beim Sex mit Kondomen schützen soll. Während des Konzerts sagte Roger dann zu den Leuten: „Ja, das sollt ihr auf jeden Fall machen. Wir selbst tragen immer welche. Selbst in diesem Moment.“ Ich stand nur da und musste lachen.

Nelson Mandela

Ich spielte 2008 mit Queen auf dem Konzert zu seinem 90. Geburtstag. Damals hatten wir auch die große Ehre, ihn kennen lernen zu dürfen. Wir sind schon etwas früher nach Südafrika gereist und durften etwas Zeit mit ihm verbringen. Dieser Mann hat eine unglaubliche Aura. Überall wo er hingeht, wird er empfangen wie ein Heiliger. Die Leute lächeln und springen vor Freude in die Luft, wenn sie ihn sehen. Es war eine große Ehre für mich, dass er sich die Zeit nahm, um sich mit uns zu unterhalten – von Mensch zu Mensch. Wir haben über alles mögliche miteinander gesprochen. Er ist ein wunderbarer Mensch. Eine Ikone des Friedens.

Levi Stubbs

Das ist jetzt eine sehr rührende Geschichte. Die Four Tops feierten ihr 50. Jubiläum und luden mich ein, mit ihnen zu spielen. Ihr Sänger Levi Stubbs hatte kurz davor einen Schlaganfall und konnte deswegen nicht auftreten. Aber er kam zur Show. Nach der Show gab es ein kleines Treffen. Wir standen so zusammen, und dann kam Levi zu uns. Er saß in einem Rollstuhl und hatte dieses unglaublich tolle glitzernde Outfit an, das perfekt zu den Outfits der anderen Four Tops passte. Auf einmal standen nur noch Levi und ich da, und ich wusste nicht, was ich sa-gen sollte. Er war geistig zwar völlig da, konnte sich aber kaum bewegen und nicht sprechen. Also sah ich ihm in die Augen und sang „The long and winding road that leads to your door“ vom Song ›The Long And Winding Road‹. Danach sah ich ihn an und meinte: „Du hast davon doch einmal eine Version gesungen.“ Er konnte nichts sagen, aber seine Augen sagten: „Ja, bitte sing weiter!“ Also habe ich weitergesungen. Das war ein wunderschöner Moment.

Bryan Adams

Bryan AdamsBryan ist ein wirklich netter kanadischer Bursche. Er hat den Song ›Nature Of The Beast‹ für das Album THE LAW von 1991 für mich geschrieben. Damals haben wir uns kennengelernt. Wir haben uns in Vancouver ein Oasis-Konzert zusammen an-gesehen und vegetarisch gegessen. Er hat immer seinen eigenen Koch dabei, da er sich streng vegetarisch ernährt. Er hat ein wirklich cooles Studio in Vancouver, es nennt sich „The Warehou-se“ – dort haben wir auch zusammen gefuttert.