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Mob Rules – Im Zeichen der Gabel

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Mob Rules 2012 (3)Klassischer Metal und ungewöhnliche Texte – Mob Rules setzen eine gute Tradition fort.

Nomen est omen – der Bandname Mob Rules ist eine Hommage an einen bestimmten Metal-Stil, eine bestimmte Band und einen bestimmten Sänger. Das Sextett aus Friesland nannte sich nach dem Titelsong des Black Sabbath-Albums Mob Rules (1981), als der verstorbene Ronnie James Dio für Gesang und Texte verantwortlich war. „Wir haben zweimal mit Dio gespielt“, berichtet Sänger Klaus Dirks immer noch fasziniert. „Er war der beeindruckendste Musiker, den ich je getroffen habe. Ein Konzert fand in Osnabrück statt, wir bestritten sein Vorprogramm. Nach der Show hat er Fans in seiner Garderobe empfangen, wir haben uns angestellt wie alle anderen. Als Dio bemerkte, dass wir von seiner Vorband waren, wurde er so respektvoll und nett wie ich es nicht wieder erlebt habe. Er hat uns in den Arm genommen, aber dabei nicht seinen englischen Humor verloren, so scherzte er, eigentlich würde er ja noch ´n büschen Geld von uns bekommen…“

18 Jahre sind Mob Rules nun schon unterwegs, dreimal bereits haben die Nordos im Metal-Mekka Wacken gastiert. In diesen Tagen legen sie ihr siebtes Album Cannibal Nation vor. Es enthält den bewährten Power Metal, der im Hard Rock der 70er und dem Heavy Metal der 80er wurzelt. Texte und Konzeptideen stammen von Gitarrist Matthias Mineur, der übrigens auch als Autor für Classic Rock schreibt. Auf vergangenen Alben hatte die Band etwa den Kennedy-Mord (›The Oswald File‹) und den Holocaust (›Children Of The Flames‹) thematisiert. Der Titelsong des aktuellen Drehers behandelt nun die Verbrechen des zentralafrikanischen Diktators Jean-Bédel Bokassa. „Er galt als Schlächter, der seine eigenen Untertanen gefressen haben soll“, erzählt Frontmann Dirks. Im Dezember 1980 wurde der selbsternannte Kaiser in Abwesenheit wegen Mordes, Folter, Korruption und Kannibalismus zum Tode verurteilt. 1993 wurde Bokassa amnestiert und starb drei Jahre später eines natürlichen Todes. Er hinterließ 17 Frauen und mindestens 37 Kinder.

Der Band-Pate Ronnie James Dio gilt als Erfinder der mano cornuta, auch Devil´s Horns und Pommesgabel genannt. Er hatte die Geste von seiner Großmutter übernommen, die sie auf der Straße benutzte, um sich und die Ihren vor bösen Menschen zu schützen. Schon in seiner Zeit bei Rainbow nutzte Dio diese Handbewegung, die sich zum Erkennungszeichen der Metal-Szene entwickelte. „Natürlich setze ich die auch ein, schließlich stamme ich aus der Metal-Szene“, sagt Dirks. „Wenn ich auf die Bühne gehe, schalte ich auf Autopilot, so zeige ich die Pommesgabel instinktiv, sie ist schließlich der ultimative Metal-Gruß.“

 

The Last Vegas

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The Last VegasEins nach Sixx. Mit BAD DECISIONS in eine neu gewonnene Freiheit.

Als The Last Vegas 2008 den „Guitar Center On-Stage – Your Chance To Make Rock History“ Wettbewerb gewannen, standen die Zeichen für die Band aus Chicago auf Sturm. Neben dem begehrten Opening Slot für Mötley Crüe auf deren „Saints Of Los Angeles Tour“ und tonnenweise neuem Equipment lag auch ein Plattenvertrag mit dem Sixx‘schem Label Eleven Seven Music im Präsentkorb.

Aus letzterem re-sultierte das Major Debüt WHATEVER GETS YOU OFF. „Es war großartig mit einer Legende wie Nikki Sixx zusammenzuarbeiten, zumal er einen ähnlichen Stil wie wir hatte“, erinnert sich Sänger Chad Cherry an die Zeit mit dem Godfather Of Sleaze. „Dieses Mal wollten wir jedoch, dass das Album mehr nach The Last Vegas klingt. Das soll jetzt nicht heißen, dass das letzte Album keine The Last Vegas Scheibe war, jedoch legten wir bei BAD DECISIONS eine komplett andere Arbeitsweise an den Tag und hatten um Welten mehr Freiheit beim Ausarbeiten der Stücke“.

Gerade dieses Fünkchen mehr Zeit und die bewusste Entscheidung gegen Los Angeles als Produktionsstätte des neuen Langspielers, verpassen BAD DECISIONS die Portion Street Credibility, die schon in Ansätzen auf dessen Vorgänger zu hören war. „Es war einfach verdammt cool, wir mieteten in Chicago ein Loft, in dem man sogar richtig skaten konnte, wir komponierten, schrieben die Texte und nahmen dort auch auf. Es gab keine Samples und keine Loops – einfach nur fünf Typen, die rocken!“

 

Joanne Shaw Taylor

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joanne shaw taylorZwischen Joplin und Hendrix.

Die junge Britin Joanne Shaw Taylor besitzt gleich zwei Fähigkeiten, die man nicht lernen kann: Ihre rauchig-kratzige Stimme fördert pure Melancholie zutage und steht in Eindringlichkeit und Timbre in gerader Linie zur unvergessenen Janis Joplin, ihre flinken Finger schreddern die Gitarrensaiten mitunter so wüst, wie man es aus Zeiten von Saitenhexer Jimi Hendrix kennt.

Das neue Album der Ausnahmekünstlerin heißt ALMOST ALWAYS NEVER und dokumentiert auch ihr großes kreatives Potential: Neben überragender Stimme und virtuosen Fingerfertigkeiten ist die 26-Jährige vor allem eine fabelhafte Songschreiberin. Zudem spricht aus dem aktuellen Werk eine erstaunliche musikalische Reife. „Ich spüre, dass ich an Erfahrung und Selbstvertrauen gewonnen habe“, erklärt Frau Shaw Taylor. „Heute weiß ich besser als je zuvor, dass es absolut okay ist, wenn ich vor allem mich selbst zufriedenstellen möchte. Als ich anfing machte ich mir Sorgen über eventuelle negative Kommentare, und fürchtete, dass man etwas anderes von mir erwartet. Aber man kann es sowieso nicht jedem Recht machen und – ehrlich gesagt – das ist auch gar nicht meine Aufgabe. Viel wichtiger ist es, hart zu arbeiten und die Talente, die mir Gott gegeben hat, nicht leichtfertig zu verschwenden.“

Das macht Frau Shaw Taylor glücklicherweise auch nicht, ganz im Gegenteil: Jedes der zwölf Stücke auf ALMOST ALWAYS NEVER ergießt ein ganzes Füllhorn an Ideen über seine Zuhörer. Dabei geht es beileibe nicht immer handzahm zu. Mal fuhrwerkt die blonde Musikerin ein harsches Gitarrensolo mitten in eine laszive Klanglandschaft, an anderer Stelle schrubbt sie die Saiten so stark, dass der Gesang schwer zu kämpfen hat. „Ich war schon Gitarristin, lange bevor ich mit dem Singen anfing“, gesteht sie. „Der Grund war auch nur, weil irgendjemand in meiner Band nun einmal singen musste. Aber über die Jahre fühle ich mich als Sängerin zunehmend wohler. Der größte Vorteil meiner Stimme ist, dass sie zu der Art Musik passt, die ich machen möchte, und dass mein Gesang mir ständig neue Stilwelten eröffnet.“

Trotz so manch lauter Gitarrenattacke ist ALMOST ALWAYS NEVER allerdings ein überwiegend ruhiges und eher persönliches Album, mit vielen schönen Pop- und Soul-Zitaten geworden. Joe Bonamassa outete sich jüngst als großer Bewunderer der hübschen Blondine aus Großbritannien, sie selbst sieht ihre Vorbilder indes unter namhaften Geschlechtsgenossinnen: „Ich mag Bonnie Raitt, Janis Joplin, Stevie Nicks und Lita Ford, außerdem bin ich sicherlich der größte Fan von Joan Jett.“

 

Sister Sin

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Sister Sin 0100Jetzt aber für immer. Sister Sin sind mit NOW AND FOREVER im Heavy Metal angekommen.

Sister Sin sind auf dem Weg der neue große Heavy Metal-Schlager zu werden. Mit ihrem vierten Album NOW AND FOREVER soll den vier Schweden nun der entgültige Durchbruch gelingen. Front-Power-Frau Liv Jagrell und Gitarrist Jimmy Hiltula sprachen mit CLASSIC ROCK über den neuen Langspieler, ihre Idole und große Ziele.
„Wir sind sehr sehr zufrieden mit dem Album. Es hat unsere Erwartungen übertroffen“, so eine begeisterte Liv.
Während die früheren Werke der Göteborger sleazigere Töne anschlugen, haben sich Sister Sin stilistisch gewandelt.„Unsere eigentlichen Wurzeln liegen ganz klar im Heavy Metal und auf diese wollten wir uns diesmal besinnen“, erklärt Jimmy.

So wurden Sister Sin dann auch von ihrer Metal-Heldin Doro ins Vorprogramm auf.genommen „Sie ist ein großes Vorbild für uns alle. Es war sicherlich ein Höhepunkt in unserer Karriere und eine große Ehre“, meint Jimmy dankbar.

Unterstützung erfuhren Sister Sin außerdem von Cameron Webb. Der Produzent, der bereits mit Größen wie Motörhead und Danzig zusammengearbeitet hat, mischte die elf Tracks auf NOW AND FOREVER. „Er ist ein Zauberkünstler. Jeder Tag mit ihm war eine Freude“, schwärmt Liv.

Zufriedener könnten sie also nicht sein und so haben Sister Sin ihre Pläne für die kommenden Monate bereits geschmiedet. „Wir werden touren! Da draußen warten viele Möglichkeiten auf uns. Das wird eine aufregende Zeit für uns“, blickt Liv enthusiastisch in die Zukunft.

 

Steven Wilson

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Steven_Wilson_2 @ Lasse Hoile„Man muss diese Show einfach gesehen haben.” Der Chefdenker von Porcupine Tree würdigt seine erste Solophase.

Ungewöhnlich für einen Musiker, bereits nach zwei Soloscheiben eine Live-DVD zu veröffentlichen. Meistens realisieren Künstler solche Projekte erst nach ihrem vierten oder fünften Werk, quasi als Abschluss einer bestimmten Ära. Doch genau das macht Steven Wilson schon nach Album GRACE FOR DROWNING. Die auf der Blu-Ray/DVD GET ALL YOU DE-SERVE festgehaltene Show aus dem ´Teatro Metropólitan` von Mexiko City ist für den Chefdenker der Prog Rock-Elitegruppe Porcupine Tree das – zugegeben frühe – Ende seiner ersten Soloschaffensphase: „Ich hätte nie gedacht, dass die Songs meiner zwei ersten Alben, die ich quasi im Alleingang aufgenommen habe, durch die Bühnenumsetzung mit großartigen Musikern eine neue Dimension erhalten würden. Deshalb steht für mich fest, dass ich ab dem dritten Album live im Studio aufnehme und die erste Phase meiner Solokarriere mit den Aufnahmen aus Mexiko City abschließe.“

Zu sehen ist eine faszinierend ausstaffierte Inszenierung mit Quadrophonie-Sound, Filmeinspielungen, Kostümen und großen Video-Screens. „Man muss diese Show einfach gesehen haben“, sagt Wilson, „aber da wir mit GRACE FOR DROWNING nicht in allen Ländern auftreten konnten, in denen wir gerne gespielt hätten, ist die DVD eine Art Trostpflaster für meine Fans.“

Und wie es zukünftig weitergeht, auch das verrät Wilson bereits: Mit ›Luminol‹ bringt GET ALL YOU DESERVE eine bislang unveröffentlichte Nummer, die als Studiofassung auch auf dem dritten Album zu finden sein wird. Werbung in eigener Sache, sozusagen.

 

Neuigkeiten zu: Orden Ogan

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orden oganDie Deutschen erfinden sich auf TO THE END völlig neu.

Ursprünglich sollte TO THE END im Frühjahr 2012 erscheinen. Doch Orden Ogans Perfektionismus machte den Arnsbergern einen Strich durch die Rechnung. Gut so, denn die sechsmonatige Wartezeit macht sich nun in umso frischer und vielfältiger klingenden Kompositionen bezahlt. Im Vergleich zu dem bis in den letzten Winkel mit Details gefüllten, effektreichen, progressiven EASTON HOPE (2010) präsentieren sie sich auf dem in Eigenregie modern-druckvoll produzierten TO THE END geradliniger, zugänglicher, härter und auf das Wesentliche reduziert. Will heißen: Sie werfen sackweise Ballast über Bord und drosseln bombastische Keyboardflächen zugunsten kräftigerer Gitarrenspuren.

„Wir wollten ein hartes, schnelles Album schreiben, das direkt und ohne Umwege auf die Fresse geht“, nickt Sänger und Gitarrist Seeb Levermann. „In privater Hinsicht liegen auf allen Ebenen zwei bescheidene Jahre hinter mir. Diese Erfahrungen schlugen sich extrem im Songwriting nieder. Es war eine gute Möglichkeit, mit all dem Mist umzugehen. TO THE END ist eine Art Befreiungsschlag – aufgeladen mit einer Menge positiver Energie, aber trotzdem düster und hart.“

Obwohl kein striktes Konzeptwerk, geht TO THE END einer interessanten Frage nach: Wie könnte nach dem Ende unserer Welt ein Überleben in einer Umgebung aus Eis aussehen? „Das Eiskonzept bot unzählige Möglichkeiten. Ich arbeitete viel mit metaphorischen Themen“, verrät Seeb und nennt ein Beispiel: „›The Ice Kings‹ behandelt politische Führer und Menschen, die blind folgen, ohne etwas zu ändern. Das Stück bezieht sich auf emotionale Kälte und Rücksichtslosigkeit.“ Mit seiner hymnischen Grundausrichtung und stimmungsvollen Anordnung von Akustikgitarren, Chören und Soli unterstreicht ›The Ice Kings‹, warum Orden Ogan seit Jahren mit (frühen) Blind Guardian in einem Atemzug genannt werden. „Ich empfinde die Vergleiche als große Ehre. Allerdings ist Orden Ogan eine viel düstere, rifflastigere, härtere Band, während Blind Guardian eher auf Gitarrenlicks setzen. Auch sind ihre Texte Fantasy-lastig, unsere hingegen düster, melancholisch, persönlich, metaphorisch und in den meisten Fällen auf die wahre Welt beziehbar“, zieht Seeb klare Trennlinien. „Die Gegenüberstellungen fühlen sich ein bisschen an, als vergleiche man Techno mit EBM: In beiden Fällen handelt es sich um elektronische Musik, doch die Ansätze sind völlig andere.“ Eine Gemeinsamkeit teilen Blind Guardian und Orden Ogan jedoch ganz sicher miteinander: Sie liefern stets Qualität ab. Nachzuhören auf TO THE END.

 

Witchcraft

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Witchcraft2012aLange Suche mit glücklichem Ende. Nach fünf Jahren melden sich Witchcraft mit neuem Album und neuen Mitstreitern zurück.

Im Jahr 2007 veröffentlichten Witchcraft ihr drittes und letztes Album THE ALCHEMIST, das ihnen endgültig den Status als Schwedens beste Psychedelic Rock-Kombo einbrachte. Doch dann war es auf einmal sehr still um die Musiker. Erst dieses Jahr, also fünf Jahre später, erschien der Nachfolger LEGEND. Doch die Musiker ruhten sich keinesfalls aus, was Bassist Ola Henriksson bestätigt: „Wir waren während der letzten Jahre extrem beschäftigt. Nach der Veröffentlichung von THE ALCHEMIST waren wir erst einmal zwei Jahre auf Tour. Danach nahmen wir uns eine etwa einjährige Auszeit, weil wir total erledigt waren und etwas Abstand brauchten. In dieser Pause verließen unser damaliger Schlagzeuger Fredrik Jansson und unser Gitarrist John Hoyles die Band. Magnus und ich beschlossen, trotzdem weiter zu machen. Wir haben einige Ideen für das neue Album gesammelt und uns nebenbei nach neuen Musikern umgesehen.“

Gefunden haben sie gleich drei neue Mitstreiter. „Da ist zum einen Simon Solomon,“ fängt Sänger Magnus Pelander an, ihre neue Kollegen vorzustellen. „Er spielt schon seit seiner Teenagerzeit Gitarre. Am Schlagzeug sitzt jetzt Oscar ,Rockstar‘ Johansson. Und dann haben wir noch einen zweiten Gitarristen, nämlich Tom ,Pretty‘ Jondelius.“ Durch diese Verstärkung an der Sechssaitigen hat Magnus nun beschlossen, sich explizit auf seinen Gesang zu konzentrieren. „Ich habe ja schon früher einige Gigs gespielt, bei denen ich nur gesungen habe“, erzählt er. „Und jetzt war es an der Zeit, die Gitarre einfach Gitarre sein zu lassen – zumindest bei den Live-Shows.“

Und davon wird es natürlich wieder einige geben. „Im September starten wir in Skandinavien“, grinst Henriksson. „Mitte November werden wir dann durch das restliche Europa touren und 2013 gehen wir sogar in die USA und andere ferne Länder.“

Jon Spencer Blues Explosion

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jon-spencer-blues-explosion-quotmeat-and-bonequot-3521Mit Fleischeslust zurück aufs Fahrrad.

Was sind schon acht Jahre? Auch in diesen schnellebigen Zeiten wohl nicht viel, wenn man Jon Spencer heißt. So viel Zeit ist nämlich verstrichen seit dem letzten Album seiner Blues Explosion, doch gespürt hat er davon wenig, als es wieder daran ging, Konzerthallen unsicher zu machen und eine neue Platte aufzunehmen, zumindest im negativen Sinne. „Nein, das war überhaupt kein Problem“, berichtet Jon. „Es ist wie mit dem Fahrradfahren. Wir kommen zusammen, nehmen unsere Instrumente in die Hand und legen los.“

In positiver Hinsicht dagegen haben diese acht Jahre sehr viel bewirkt. „Nach der letzten Platte waren wir lang auf Tour und wollten einfach mal Pause machen und durchatmen. Außerdem waren wir an einem Punkt angekommen, wo es manchmal einfach keinen Spaß mehr machte. Wenn man 14 Jahre hart gearbeitet hat, ist das vielleicht unvermeidlich. Zusätzlich machte uns die Plattenfirma Druck, man fragte uns, wann wir endlich mal ein richtiges Hitalbum abliefern. Aber wir wollten noch nie nach der Pfeife eines Labels tanzen. Jetzt ist es aber toll, den ganzen Mist hinter uns gelassen zu haben und wieder im Sattel zu sitzen.“

Der sehr unterhaltsame Beleg für diese neugewonne Freude am Musizieren ist das neue Album MEAT+BONE, auf dem sämtliche Tugenden der New Yorker perfekt zur Geltung gebracht werden: markig polternde Rhythmen, derbe Gitarrenbreitseiten, dreckige Dynamik und ein besessen geifernder Zeremonienmeister am Mikro, der noch genauso hungrig ist wie in den 90ern, als die Band jahrein, jahraus als ultraheißer Insidertipp die mittelgroßen Hallen rund um den Globus füllte, den großen Durchbruch aber verpasste. „Manchmal wurden wir schon neidisch, wenn andere Bands, denen wir überlegen waren, so viel Geld scheffelten. Und ich denke bis heute, dass wir den meisten unserer Zeitgenossen meilenweit voraus waren. Aber ich beschwere mich nicht. Ich mache das ja nicht, weil ich Teil einer Industrie sein möchte, sondern weil ich es liebe. Und wir waren nun mal schon immer etwas schräger, experimenteller, mehr Punk.“

Die Dinge genauso so zu tun, wie man es will, war auch die Schlüsselerfahrung bei der Entstehung von MEAT+BONE. „Wir haben alles komplett selbst finanziert, niemand hat uns reingeredet oder über die Schulter geschaut. Das war eine tolle Erfahrung.“ Und hoffentlich nicht die Letzte, woran auch der Maestro keinen Zweifel lässt: „Ich glaube an die Jon Spencer Blues Explosion!“ Da ist er nicht allein.