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Steve Harris British Lion – Ein Rock-Märchen

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Steve Harris - British LionSteve Harris hat alles erreicht, was man mit harter Musik erreichen kann. Iron Maiden sind zweifelsohne die größte und erfolgreichste Heavy Metal-Band überhaupt. Umso überraschter reagierten Fans daher auf die Ankündigung, dass der Bassist zum ersten Mal in seiner Karriere einen musikalischen Seitensprung begangen hat. Band und Album hören auf den Namen STEVE HARRIS BRITISH LION und gehörten bis kurz vor Veröffentlichung am 24. September zu den bestgehüteten Musikbiz-Geheimnissen dieses Jahres. Classic Rock bekam die Möglichkeit, Steve im Rahmen der Maiden-USA-Tour auf den Zahn zu fühlen.

Mehr als 30 Jahre hat sich Steve Harris ausschließlich um „sein Baby“ gekümmert: Iron Maiden. Seit er die Band 1975 gegründet hat, hält er sie auf Kurs und ist der einzige Musiker, der jeden einzelnen Tag der Bandgeschichte Teil der Band war. An Nebenprojekten hatte er offenbar nie Interesse. Doch am 24. September erscheint nun STEVE HARRIS BRITISH LION, für das Steve mit einer bis dato unbekannten englischen Band zusammengearbeitet hat. Viel Zeit bleibt ihm natürlich nicht neben seiner Hauptband: Mehr als 85 Millionen verkaufte Scheiben und über 2.000 Konzerte in knapp 60 Ländern „passieren“ schließlich nicht mal eben so. Dementsprechend muss die Promoarbeit sich auch dem strikten Maiden-Zeitplan anpassen: Die ersten Interviews finden während der Maiden-USA-Tour statt. Man könnte meinen, dass die Aussicht darauf, in Kürze bei kräfteraubenden 40 Grad Hitze einen Headliner-Gig vor knapp 14.000 Fans zu spielen, auch mit so viel Bühnenerfahrung noch Lampenfieber hervorruft. Doch falls das zutrifft, lässt der Bassist es sich nicht anmerken: Steve ist die Ruhe selbst – und die perfekte Verkörperung des britischen Gentleman, der besonnen und freundlich antwortet, aufmerksam den Fragen lauscht und mit seiner offenkundigen Begeisterung für sein neues Projekt sehr bodenständig und sympathisch rüberkommt.

Dennoch stellt sich natürlich die Frage, was für ihn den Ausschlag gab, seiner Hauptband nach all den Jahren zum ersten Mal untreu zu werden. „Die Motivation war, wie stark das Material ist“, sagt er. „Ich habe ein paar der Songs gehört und fand sie so gut, dass ich der Meinung war, dass sie gehört werden müssen. Als Ausgangssituation gab es da eine Band, der ich einfach ein wenig helfen wollte, und alles andere hat sich dann im Lauf der Zeit so entwickelt. Es hat damit angefangen, dass ich der Band mit dem Management unter die Arme greifen wollte. Auch der neue Name British Lion stammt von mir. Ich habe mit ihnen an den Songs gearbeitet und sie bei der Produktion unterstützt. Ich habe sogar das ursprüngliche Artwork entworfen, auch wenn das jetzt ausgetauscht wurde, da der alte Entwurf nicht so gut gepasst hat. Ich hatte es mir einfach in den Kopf gesetzt, mit diesen tollen Songs etwas anzustellen.“

Die Geschichte, wie Steve Harris überhaupt auf die Band stieß, gleicht einem wahr gewordenen Metal-Märchen: „Der Gitarrist Graham Leslie hat mir das Material vor circa 15 Jahren geschickt“, erinnert er sich. „Die Band lief damals noch unter einem anderen Namen, und die Songs waren auch in deutlich anderen Versionen enthalten. Dennoch war ich sofort beeindruckt, welch gute Songs er da hatte. Als dann noch Richard Taylor als Sänger dazu stieß, hat sich die Sache immer weiterentwickelt. Es war allerdings ein Prozess, der einige Jahre gebraucht hat.“ Es kann also tatsächlich noch passieren, dass man als unbekannte Band ein Demo an den Chef von Iron Maiden schickt und irgendwann mit ihm im Studio steht. Das Songwriting bezeichnet Steve als wirkliches Teamwork: „Der Großteil wurde von Richie, Graham und David (Hawkins, Gitarrist – Anm.d.A.) geschrieben, die anderen haben vor allem bei der Ausarbeitung beigetragen – und sie wussten auch nicht, dass ich meine Finger mit im Spiel habe, haha. Das lief alles geheim ab: Kein Außenstehender wusste davon, wir haben niemandem davon erzählt.“ Steve grinst verschmitzt und freut sich sichtlich, dass die Geheimhaltung so gut funktioniert. Das gilt auch für den heutigen Tag Ende Juni: Außer den eigens angereisten Journalisten sowie den zuständigen Promotern/Managern weiß bis dato noch niemand von Steves neuem Projekt, das erst im August offiziell angekündigt wurde.

Und auch wenn British Lion in puncto Zeitplanung hinter Maiden zurückstehen muss – Steve lässt keinen Zweifel daran, mit welchem Einsatz er an sein Nebenprojekt herangeht: „British Lion ist kein Outlet für Iron Maiden“, betont er. „Aber ich habe so viele Ideen – mehr Ideen, als ich bei Iron Maiden jemals unterbringen könnte. Es braucht also niemand befürchten, dass British Lion meiner Hauptband irgendetwas wegnehmen würde. Es ist mir wichtig, dass die Maiden-Fans wissen, dass ich nichts bei Maiden abzwacke, um es jetzt hier zu verwenden. Bei British Lion arbeite ich mit ganz anderen Leuten, deshalb ist das sowieso eine komplett andere Sache und klingt natürlich auch ganz anders.“

Das kann man nur unterschreiben. Im Gegensatz zu seiner Hauptband fällt STEVE HARRIS BRITISH LION weniger heavy, dafür rockiger aus. Die Songs sind verspielter und experimenteller, dabei aber vor allem auch dank der tollen klassischen Rock-Stimme von Richard Taylor stets eingängig. Dass Steve einen Hang zu etwas progressiveren, experimentelleren Stücken hat, war ja bereits den jüngeren Maiden-Scheiben anzumerken. Es überrascht allerdings durchaus, wie in sich geschlossen das Debüt klingt. Schließlich reden wir hier von einer Scheibe, deren erste Songs noch im Alleingang der anderen Musiker entstanden, und die vor allem über eine enorm lange Zeitspanne ausgearbeitet wurde. „Dass wir mit Iron Maiden nicht mehr so viel touren wie früher, öffnet einige Zeitfenster“, meint Steve pragmatisch. „Ich bin dennoch immer beschäftigt, weshalb es auch so lange gedauert hat, bis das Album fertig wurde. Die ersten Songs haben schon deutlich mehr als zehn Jahre auf dem Buckel. Ich kann selbst gar nicht glauben, wie die ganze Zeit verflogen ist. Maiden werden immer an erster Stelle stehen. Die Fans werden nie hören, dass wir eine Tour nicht spielen, weil ich etwas anderes zu tun habe. Die anderen Bandmitglieder von British Lion haben sozusagen jahrelang auf mich gewartet, damit wir das Album fertigstellen konnten. Aber jetzt ist es geschafft. Wenn es toll läuft… super. Wenn nicht… dann möchte ich trotzdem noch ein weiteres Album machen.“

Und man glaubt es ihm. Schließlich hat der Mann in seiner langjährigen Karriere alle Erfolge erlebt, die man mit einer Metal-Band erreichen kann – und dennoch erzählt er mit einem solchen Enthusiasmus von British Lion, dass man ihm den Hunger darauf, noch einmal an der Startlinie zu stehen und sich neu zu beweisen, deutlich anmerkt. Dabei macht der Bassist aber immer wieder klar, dass Iron Maiden unangefochten auf dem ersten Platz stehen. Es scheint ihm sehr wichtig zu sein, seine Fans diesbezüglich nicht zu enttäuschen. „Das stimmt“, betont Steve. „British Lion kann immer nur ein Seitenprojekt sein. Iron Maiden ist immer mein Leben gewesen, ich würde nicht wollen, dass irgendeine andere Band diesen Platz einnimmt. Es wäre auch gar nicht möglich. Man könnte heutzutage keine Band starten, die den Status von Maiden erreicht. Das war eine einmalige Sache, die ich nicht wiederholen kann. Und warum sollte ich das auch wollen? Maiden gibt es ja schon, British Lion ist für mich in jeder Hinsicht etwas Anderes und Neues. Mit Maiden touren wir jetzt zwar regelmäßiger, aber nicht mehr so lange. Wenn ich mich in den Maiden-Pausen mit British Lion beschäftige, macht das für Maiden keinerlei Unterschied. Aber für mich selbst bedeutet es eine Menge.“

Dass seine Mitstreiter beileibe keine so bekannten Namen in die Promo-Waagschale werfen können wie er selbst, kratzt Steve dabei wenig. „Die anderen sind nicht bekannt“, zuckt er mit den Schultern. „Ich denke, das ist eine gute Sache, weil es frischen Wind bedeutet. Ich hoffe aber, dass sie jetzt bekannter werden, denn sie verdienen es wirklich: Es sind tolle Musiker und Menschen, die jetzt hoffentlich mehr beachtet werden.“ Im Moment spuckt Google bei der Suche nach einem Sänger namens Richard Taylor noch mehrere Kandidaten aus. „Haha, ich habe ihn noch nie gegoogelt, also kann ich dazu gar nichts sagen“, amüsiert sich Steve. „Ich sollte ihn mal fragen, vielleicht gehört er zu den Leuten, die sich selbst googlen.“

Ähnlich locker schätzt Steve auch das Risiko ein, ein Projekt mit Leuten durchzuziehen, die naturgemäß nicht ansatzweise die Erfahrung aufweisen können wie er selbst. „Ich weiß, dass ich mich darauf verlassen kann, dass sie als Musiker erfahren genug sind“, meint er. „Natürlich haben sie nicht die Live-Erfahrung wie jemand, der seit langer Zeit in einer wirklich großen Band spielt. Aber ich habe schon mit der kompletten Besetzung zusammen gespielt, und ich mache mir keinerlei Sorgen, dass wir das super auf die Bühne bringen können.“ Was auch gleich die Frage beantwortet, ob wir uns auf Live-Konzerte freuen können. „Ich würde sehr gerne live spielen, aber das ist einer der Punkte, wo wir noch keine Ahnung haben, in welche Richtung es sich entwickeln wird“, sagt Steve. „Wie soll man eine Tour buchen, wenn man noch nicht absehen kann, wie die Kritiker das Album aufnehmen und ob die Hörer es mögen? Wir werden jetzt erst einmal die CD veröffentlichen und dann schauen, wie es weitergeht. Vielleicht spielen wir dann Konzerte vor 200 Leuten, vielleicht aber auch vor 500. Sicher wird es nicht jeder mögen, aber bisher waren die Reaktionen sehr positiv – wobei das Album bisher nur fünf oder sechs Leute gehört haben…“

Zumindest scheint er keinerlei Berührungsängste zu haben, sich auch wieder in einem kleinen Club auf die Bühne zu stellen. Schwer zu glauben, wenn man sich die Menschenmassen ansieht, die gerade bei 40 Grad Hitze ausharren, um ihn später noch mit Maiden auf der Bühne zu sehen. „Ich hätte auch Spaß daran, vor 15 Leuten zu spielen“, stellt Steve klar. „Wenn du die Musik machst, die dir selbst gefällt, dann machst du sie gerne. Da spielt es keine Rolle, wie groß das Publikum gerade ist. Ich könnte niemals da rausgehen und irgendeinen Bullshit spielen, der mir selbst nicht gefällt. Manche Musiker sind bereit, alles zu spielen, nur um vor irgendeinem Publikum zu stehen. So war ich nie. Ich hatte auch nie Spaß daran zu jammen, nur um irgendwas zu spielen. Es geht nicht nur darum, Musik zu machen, sondern Musik zu machen, die man selbst genießt.“ Und auch hier dringt wieder durch, welchen Spaß Steve an der Arbeit mit British Lion hat. Auch für die anderen Musiker stellt es nach seiner Einschätzung kein Problem dar, dass die Band vom Großteil der Hörer vermutlich eher als Steve Harris-Projekt denn als eigenständige Gruppe angesehen wird. „Die Leute sehen es so, aber das ist okay“, meint er. „Ich denke, dass sich alle Bandmitglieder damit wohlfühlen, denn natürlich generieren wir so viel mehr Aufmerksamkeit. Zudem sehe ich es dauerhaft nicht nur als Seitenprojekt, ich wünsche mir, dass mehr daraus wird, aber wir müssen sehen, wie sich alles entwickelt. Im Moment ist es ein Seitenprojekt für mich, aus dem aber noch viel mehr werden kann. Wir haben da ein wirklich starkes Album. Ich sehe die Substanz für noch viel mehr.“

STEVE HARRIS BRITISH LION wurde in verschiedenen Studios in mehreren Ländern aufgenommen. „Das hatte rein praktische – sprich: geografische und terminliche – Gründe“, erklärt Steve. „Das Album ist ja über einen ziemlich langen Zeitraum entstanden. Wir reden hier von mehreren Jahren.“ Mit dem Mix wurde Kevin Shirley betraut, mit dem auch Iron Maiden schon mehrmals zusammengearbeitet haben. „Ich wusste, dass ihm die Songs gefallen würden und er damit einen wirklich guten Job machen könnte“, lobt Steve. „Außerdem kann ich mit ihm gut zusammenarbeiten. Bei den Maiden-Mixes mit ihm war ich immer dabei. Natürlich dreht er die Knöpfchen, aber ich assistiere ihm sozusagen und teile ihm meine Meinung zu allem mit. Und ich finde, das Resultat spricht für sich.“

Das stimmt zweifelsohne, denn STEVE HARRIS BRITISH LION ist ein tolles Heavy Rock-Album geworden, das progressiv genug ist, um nicht nach wenigen Durchläufen zu langweilen, aber auch eingängig genug, um den Hörer schnell zu fesseln. Dennoch wird es keinen leichten Stand haben. Iron Maiden-Fans sind als sehr treu bekannt, viele verfolgen die Karriere der Band nicht erst seit Jahren, sondern bereits Jahrzehnten. Dementsprechend kritisch wird alles beäugt, was die Maiden-Musiker jenseits ihrer Hauptband treiben. Das 2012 erschienene Debüt von Primal Rock Rebellion, bei dem Adrian Smith mitmischt, wurde ob seiner modernen Gangart von den meisten traditionellen Maiden-Fans mit Missachtung gestraft. „Um ehrlich zu sein, kenne ich nur einen Song, von daher kann ich das nicht wirklich kommentieren“, meint Steve in nüchternem Tonfall und zeigt damit deutliches Desinteresse an den Nebenbeschäftigungen seiner Mitmusiker. Dabei ist er sich durchaus bewusst, dass auch STEVE HARRIS BRITISH LION nicht bei jedem Maiden-Fan ins Schwarze treffen wird. „Ja, natürlich. Einige werden auch bei British Lion intolerant sein“, meint er. „Einige werden es lieben, einige werden es auch hassen. Aber das ist okay. Lieber eine starke, negative Reaktion als gar keine Reaktion. Ich denke, es ist nicht das, was die Leute erwarten, von daher bin ich sehr gespannt auf die Resonanz.“

Spricht‘s und lehnt sich zurück, während es in seinen Augen erwartungsfroh blitzt. Keine Frage – in dem Mann brennt es noch immer. Das merkt man ebenso an der Begeisterung für und über sein neues Projekt wie auch bei der heute noch folgenden Live-Show (Review in der letzten Classic Rock-Ausgabe). Da bleibt nur zu hoffen, dass die Maiden-Fans auch einer Scheibe gegenüber aufgeschlossen sind, die eben nicht „Maiden, Teil 2“ liefert. Aber warum sollte man das auch wollen? Wie Steve selbst so schön gesagt hat: Maiden gibt es ja schließlich schon.

 

Mob Rules – Im Zeichen der Gabel

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Mob Rules 2012 (3)Klassischer Metal und ungewöhnliche Texte – Mob Rules setzen eine gute Tradition fort.

Nomen est omen – der Bandname Mob Rules ist eine Hommage an einen bestimmten Metal-Stil, eine bestimmte Band und einen bestimmten Sänger. Das Sextett aus Friesland nannte sich nach dem Titelsong des Black Sabbath-Albums Mob Rules (1981), als der verstorbene Ronnie James Dio für Gesang und Texte verantwortlich war. „Wir haben zweimal mit Dio gespielt“, berichtet Sänger Klaus Dirks immer noch fasziniert. „Er war der beeindruckendste Musiker, den ich je getroffen habe. Ein Konzert fand in Osnabrück statt, wir bestritten sein Vorprogramm. Nach der Show hat er Fans in seiner Garderobe empfangen, wir haben uns angestellt wie alle anderen. Als Dio bemerkte, dass wir von seiner Vorband waren, wurde er so respektvoll und nett wie ich es nicht wieder erlebt habe. Er hat uns in den Arm genommen, aber dabei nicht seinen englischen Humor verloren, so scherzte er, eigentlich würde er ja noch ´n büschen Geld von uns bekommen…“

18 Jahre sind Mob Rules nun schon unterwegs, dreimal bereits haben die Nordos im Metal-Mekka Wacken gastiert. In diesen Tagen legen sie ihr siebtes Album Cannibal Nation vor. Es enthält den bewährten Power Metal, der im Hard Rock der 70er und dem Heavy Metal der 80er wurzelt. Texte und Konzeptideen stammen von Gitarrist Matthias Mineur, der übrigens auch als Autor für Classic Rock schreibt. Auf vergangenen Alben hatte die Band etwa den Kennedy-Mord (›The Oswald File‹) und den Holocaust (›Children Of The Flames‹) thematisiert. Der Titelsong des aktuellen Drehers behandelt nun die Verbrechen des zentralafrikanischen Diktators Jean-Bédel Bokassa. „Er galt als Schlächter, der seine eigenen Untertanen gefressen haben soll“, erzählt Frontmann Dirks. Im Dezember 1980 wurde der selbsternannte Kaiser in Abwesenheit wegen Mordes, Folter, Korruption und Kannibalismus zum Tode verurteilt. 1993 wurde Bokassa amnestiert und starb drei Jahre später eines natürlichen Todes. Er hinterließ 17 Frauen und mindestens 37 Kinder.

Der Band-Pate Ronnie James Dio gilt als Erfinder der mano cornuta, auch Devil´s Horns und Pommesgabel genannt. Er hatte die Geste von seiner Großmutter übernommen, die sie auf der Straße benutzte, um sich und die Ihren vor bösen Menschen zu schützen. Schon in seiner Zeit bei Rainbow nutzte Dio diese Handbewegung, die sich zum Erkennungszeichen der Metal-Szene entwickelte. „Natürlich setze ich die auch ein, schließlich stamme ich aus der Metal-Szene“, sagt Dirks. „Wenn ich auf die Bühne gehe, schalte ich auf Autopilot, so zeige ich die Pommesgabel instinktiv, sie ist schließlich der ultimative Metal-Gruß.“

 

The Last Vegas

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The Last VegasEins nach Sixx. Mit BAD DECISIONS in eine neu gewonnene Freiheit.

Als The Last Vegas 2008 den „Guitar Center On-Stage – Your Chance To Make Rock History“ Wettbewerb gewannen, standen die Zeichen für die Band aus Chicago auf Sturm. Neben dem begehrten Opening Slot für Mötley Crüe auf deren „Saints Of Los Angeles Tour“ und tonnenweise neuem Equipment lag auch ein Plattenvertrag mit dem Sixx‘schem Label Eleven Seven Music im Präsentkorb.

Aus letzterem re-sultierte das Major Debüt WHATEVER GETS YOU OFF. „Es war großartig mit einer Legende wie Nikki Sixx zusammenzuarbeiten, zumal er einen ähnlichen Stil wie wir hatte“, erinnert sich Sänger Chad Cherry an die Zeit mit dem Godfather Of Sleaze. „Dieses Mal wollten wir jedoch, dass das Album mehr nach The Last Vegas klingt. Das soll jetzt nicht heißen, dass das letzte Album keine The Last Vegas Scheibe war, jedoch legten wir bei BAD DECISIONS eine komplett andere Arbeitsweise an den Tag und hatten um Welten mehr Freiheit beim Ausarbeiten der Stücke“.

Gerade dieses Fünkchen mehr Zeit und die bewusste Entscheidung gegen Los Angeles als Produktionsstätte des neuen Langspielers, verpassen BAD DECISIONS die Portion Street Credibility, die schon in Ansätzen auf dessen Vorgänger zu hören war. „Es war einfach verdammt cool, wir mieteten in Chicago ein Loft, in dem man sogar richtig skaten konnte, wir komponierten, schrieben die Texte und nahmen dort auch auf. Es gab keine Samples und keine Loops – einfach nur fünf Typen, die rocken!“

 

Joanne Shaw Taylor

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joanne shaw taylorZwischen Joplin und Hendrix.

Die junge Britin Joanne Shaw Taylor besitzt gleich zwei Fähigkeiten, die man nicht lernen kann: Ihre rauchig-kratzige Stimme fördert pure Melancholie zutage und steht in Eindringlichkeit und Timbre in gerader Linie zur unvergessenen Janis Joplin, ihre flinken Finger schreddern die Gitarrensaiten mitunter so wüst, wie man es aus Zeiten von Saitenhexer Jimi Hendrix kennt.

Das neue Album der Ausnahmekünstlerin heißt ALMOST ALWAYS NEVER und dokumentiert auch ihr großes kreatives Potential: Neben überragender Stimme und virtuosen Fingerfertigkeiten ist die 26-Jährige vor allem eine fabelhafte Songschreiberin. Zudem spricht aus dem aktuellen Werk eine erstaunliche musikalische Reife. „Ich spüre, dass ich an Erfahrung und Selbstvertrauen gewonnen habe“, erklärt Frau Shaw Taylor. „Heute weiß ich besser als je zuvor, dass es absolut okay ist, wenn ich vor allem mich selbst zufriedenstellen möchte. Als ich anfing machte ich mir Sorgen über eventuelle negative Kommentare, und fürchtete, dass man etwas anderes von mir erwartet. Aber man kann es sowieso nicht jedem Recht machen und – ehrlich gesagt – das ist auch gar nicht meine Aufgabe. Viel wichtiger ist es, hart zu arbeiten und die Talente, die mir Gott gegeben hat, nicht leichtfertig zu verschwenden.“

Das macht Frau Shaw Taylor glücklicherweise auch nicht, ganz im Gegenteil: Jedes der zwölf Stücke auf ALMOST ALWAYS NEVER ergießt ein ganzes Füllhorn an Ideen über seine Zuhörer. Dabei geht es beileibe nicht immer handzahm zu. Mal fuhrwerkt die blonde Musikerin ein harsches Gitarrensolo mitten in eine laszive Klanglandschaft, an anderer Stelle schrubbt sie die Saiten so stark, dass der Gesang schwer zu kämpfen hat. „Ich war schon Gitarristin, lange bevor ich mit dem Singen anfing“, gesteht sie. „Der Grund war auch nur, weil irgendjemand in meiner Band nun einmal singen musste. Aber über die Jahre fühle ich mich als Sängerin zunehmend wohler. Der größte Vorteil meiner Stimme ist, dass sie zu der Art Musik passt, die ich machen möchte, und dass mein Gesang mir ständig neue Stilwelten eröffnet.“

Trotz so manch lauter Gitarrenattacke ist ALMOST ALWAYS NEVER allerdings ein überwiegend ruhiges und eher persönliches Album, mit vielen schönen Pop- und Soul-Zitaten geworden. Joe Bonamassa outete sich jüngst als großer Bewunderer der hübschen Blondine aus Großbritannien, sie selbst sieht ihre Vorbilder indes unter namhaften Geschlechtsgenossinnen: „Ich mag Bonnie Raitt, Janis Joplin, Stevie Nicks und Lita Ford, außerdem bin ich sicherlich der größte Fan von Joan Jett.“

 

Sister Sin

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Sister Sin 0100Jetzt aber für immer. Sister Sin sind mit NOW AND FOREVER im Heavy Metal angekommen.

Sister Sin sind auf dem Weg der neue große Heavy Metal-Schlager zu werden. Mit ihrem vierten Album NOW AND FOREVER soll den vier Schweden nun der entgültige Durchbruch gelingen. Front-Power-Frau Liv Jagrell und Gitarrist Jimmy Hiltula sprachen mit CLASSIC ROCK über den neuen Langspieler, ihre Idole und große Ziele.
„Wir sind sehr sehr zufrieden mit dem Album. Es hat unsere Erwartungen übertroffen“, so eine begeisterte Liv.
Während die früheren Werke der Göteborger sleazigere Töne anschlugen, haben sich Sister Sin stilistisch gewandelt.„Unsere eigentlichen Wurzeln liegen ganz klar im Heavy Metal und auf diese wollten wir uns diesmal besinnen“, erklärt Jimmy.

So wurden Sister Sin dann auch von ihrer Metal-Heldin Doro ins Vorprogramm auf.genommen „Sie ist ein großes Vorbild für uns alle. Es war sicherlich ein Höhepunkt in unserer Karriere und eine große Ehre“, meint Jimmy dankbar.

Unterstützung erfuhren Sister Sin außerdem von Cameron Webb. Der Produzent, der bereits mit Größen wie Motörhead und Danzig zusammengearbeitet hat, mischte die elf Tracks auf NOW AND FOREVER. „Er ist ein Zauberkünstler. Jeder Tag mit ihm war eine Freude“, schwärmt Liv.

Zufriedener könnten sie also nicht sein und so haben Sister Sin ihre Pläne für die kommenden Monate bereits geschmiedet. „Wir werden touren! Da draußen warten viele Möglichkeiten auf uns. Das wird eine aufregende Zeit für uns“, blickt Liv enthusiastisch in die Zukunft.

 

Steven Wilson

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Steven_Wilson_2 @ Lasse Hoile„Man muss diese Show einfach gesehen haben.” Der Chefdenker von Porcupine Tree würdigt seine erste Solophase.

Ungewöhnlich für einen Musiker, bereits nach zwei Soloscheiben eine Live-DVD zu veröffentlichen. Meistens realisieren Künstler solche Projekte erst nach ihrem vierten oder fünften Werk, quasi als Abschluss einer bestimmten Ära. Doch genau das macht Steven Wilson schon nach Album GRACE FOR DROWNING. Die auf der Blu-Ray/DVD GET ALL YOU DE-SERVE festgehaltene Show aus dem ´Teatro Metropólitan` von Mexiko City ist für den Chefdenker der Prog Rock-Elitegruppe Porcupine Tree das – zugegeben frühe – Ende seiner ersten Soloschaffensphase: „Ich hätte nie gedacht, dass die Songs meiner zwei ersten Alben, die ich quasi im Alleingang aufgenommen habe, durch die Bühnenumsetzung mit großartigen Musikern eine neue Dimension erhalten würden. Deshalb steht für mich fest, dass ich ab dem dritten Album live im Studio aufnehme und die erste Phase meiner Solokarriere mit den Aufnahmen aus Mexiko City abschließe.“

Zu sehen ist eine faszinierend ausstaffierte Inszenierung mit Quadrophonie-Sound, Filmeinspielungen, Kostümen und großen Video-Screens. „Man muss diese Show einfach gesehen haben“, sagt Wilson, „aber da wir mit GRACE FOR DROWNING nicht in allen Ländern auftreten konnten, in denen wir gerne gespielt hätten, ist die DVD eine Art Trostpflaster für meine Fans.“

Und wie es zukünftig weitergeht, auch das verrät Wilson bereits: Mit ›Luminol‹ bringt GET ALL YOU DESERVE eine bislang unveröffentlichte Nummer, die als Studiofassung auch auf dem dritten Album zu finden sein wird. Werbung in eigener Sache, sozusagen.

 

Neuigkeiten zu: Orden Ogan

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orden oganDie Deutschen erfinden sich auf TO THE END völlig neu.

Ursprünglich sollte TO THE END im Frühjahr 2012 erscheinen. Doch Orden Ogans Perfektionismus machte den Arnsbergern einen Strich durch die Rechnung. Gut so, denn die sechsmonatige Wartezeit macht sich nun in umso frischer und vielfältiger klingenden Kompositionen bezahlt. Im Vergleich zu dem bis in den letzten Winkel mit Details gefüllten, effektreichen, progressiven EASTON HOPE (2010) präsentieren sie sich auf dem in Eigenregie modern-druckvoll produzierten TO THE END geradliniger, zugänglicher, härter und auf das Wesentliche reduziert. Will heißen: Sie werfen sackweise Ballast über Bord und drosseln bombastische Keyboardflächen zugunsten kräftigerer Gitarrenspuren.

„Wir wollten ein hartes, schnelles Album schreiben, das direkt und ohne Umwege auf die Fresse geht“, nickt Sänger und Gitarrist Seeb Levermann. „In privater Hinsicht liegen auf allen Ebenen zwei bescheidene Jahre hinter mir. Diese Erfahrungen schlugen sich extrem im Songwriting nieder. Es war eine gute Möglichkeit, mit all dem Mist umzugehen. TO THE END ist eine Art Befreiungsschlag – aufgeladen mit einer Menge positiver Energie, aber trotzdem düster und hart.“

Obwohl kein striktes Konzeptwerk, geht TO THE END einer interessanten Frage nach: Wie könnte nach dem Ende unserer Welt ein Überleben in einer Umgebung aus Eis aussehen? „Das Eiskonzept bot unzählige Möglichkeiten. Ich arbeitete viel mit metaphorischen Themen“, verrät Seeb und nennt ein Beispiel: „›The Ice Kings‹ behandelt politische Führer und Menschen, die blind folgen, ohne etwas zu ändern. Das Stück bezieht sich auf emotionale Kälte und Rücksichtslosigkeit.“ Mit seiner hymnischen Grundausrichtung und stimmungsvollen Anordnung von Akustikgitarren, Chören und Soli unterstreicht ›The Ice Kings‹, warum Orden Ogan seit Jahren mit (frühen) Blind Guardian in einem Atemzug genannt werden. „Ich empfinde die Vergleiche als große Ehre. Allerdings ist Orden Ogan eine viel düstere, rifflastigere, härtere Band, während Blind Guardian eher auf Gitarrenlicks setzen. Auch sind ihre Texte Fantasy-lastig, unsere hingegen düster, melancholisch, persönlich, metaphorisch und in den meisten Fällen auf die wahre Welt beziehbar“, zieht Seeb klare Trennlinien. „Die Gegenüberstellungen fühlen sich ein bisschen an, als vergleiche man Techno mit EBM: In beiden Fällen handelt es sich um elektronische Musik, doch die Ansätze sind völlig andere.“ Eine Gemeinsamkeit teilen Blind Guardian und Orden Ogan jedoch ganz sicher miteinander: Sie liefern stets Qualität ab. Nachzuhören auf TO THE END.

 

Witchcraft

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Witchcraft2012aLange Suche mit glücklichem Ende. Nach fünf Jahren melden sich Witchcraft mit neuem Album und neuen Mitstreitern zurück.

Im Jahr 2007 veröffentlichten Witchcraft ihr drittes und letztes Album THE ALCHEMIST, das ihnen endgültig den Status als Schwedens beste Psychedelic Rock-Kombo einbrachte. Doch dann war es auf einmal sehr still um die Musiker. Erst dieses Jahr, also fünf Jahre später, erschien der Nachfolger LEGEND. Doch die Musiker ruhten sich keinesfalls aus, was Bassist Ola Henriksson bestätigt: „Wir waren während der letzten Jahre extrem beschäftigt. Nach der Veröffentlichung von THE ALCHEMIST waren wir erst einmal zwei Jahre auf Tour. Danach nahmen wir uns eine etwa einjährige Auszeit, weil wir total erledigt waren und etwas Abstand brauchten. In dieser Pause verließen unser damaliger Schlagzeuger Fredrik Jansson und unser Gitarrist John Hoyles die Band. Magnus und ich beschlossen, trotzdem weiter zu machen. Wir haben einige Ideen für das neue Album gesammelt und uns nebenbei nach neuen Musikern umgesehen.“

Gefunden haben sie gleich drei neue Mitstreiter. „Da ist zum einen Simon Solomon,“ fängt Sänger Magnus Pelander an, ihre neue Kollegen vorzustellen. „Er spielt schon seit seiner Teenagerzeit Gitarre. Am Schlagzeug sitzt jetzt Oscar ,Rockstar‘ Johansson. Und dann haben wir noch einen zweiten Gitarristen, nämlich Tom ,Pretty‘ Jondelius.“ Durch diese Verstärkung an der Sechssaitigen hat Magnus nun beschlossen, sich explizit auf seinen Gesang zu konzentrieren. „Ich habe ja schon früher einige Gigs gespielt, bei denen ich nur gesungen habe“, erzählt er. „Und jetzt war es an der Zeit, die Gitarre einfach Gitarre sein zu lassen – zumindest bei den Live-Shows.“

Und davon wird es natürlich wieder einige geben. „Im September starten wir in Skandinavien“, grinst Henriksson. „Mitte November werden wir dann durch das restliche Europa touren und 2013 gehen wir sogar in die USA und andere ferne Länder.“