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Live: Nick Cave

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Nick Cave And The Bad Seeds
Berlin, Admiralspalas

Eine Show in zwei Hälften

Bei der Vorstellung ihres 15. Studioalbums in der verruchten Hauptstadt europäischer Dekadenz, in der sie einst wohnten, sind der Hofdichter des wilden Verlangens und seine wucherbärtigen Schergen (inklusive des zurückgekehrten Barry Adamson) als die Good Seeds wiedergeboren. Verstärkt durch ein Kammerorchester und einen Kinderchor, zeigen sich die Stücke von PUSH THE SKY AWAY unter dem jazzigen Spiel des Schlagzeugers Jim Sclavunos als getragene Midtempo-Stimmungsbilder, durchsetzt von verspieltem Humor. Was ja alles sehr angenehm sein mag, aber irgendetwas fehlt. Vielleicht ist ein fröhliches Nick-Cave-Album einfach ein Widerspruch zu weit.
Als besagtes Album komplett gespielt ist, entlässt Cave die Kinder höflich und schickt sie zu Bett, denn die nachfolgende Darbietung ist für Zuschauer unter 16 Jahren nicht geeignet. Die Zeit ist gekommen für eine belebende Ladung des harten Stoffs. Der Sänger entfesselt ein wahres Gewitter des aufgestauten Wahnsinns und schaltet mit dem aufheulenden, malmenden, peitschenden Strudel psychosexueller Besessenheit namens ›From Here To Eternity‹ in den Diabolischer-Serienmörder-Bluesman-Modus.

Cave wirbelt und krümmt sich über die Bühne wie eine Junkie-Punk-Version von John Cleese und lässt in ›Jack The Ripper‹ und dem brüllenden Zombie-Soul-Stampfer ›Deanna‹ noch mehr seiner Dämonen freien Lauf. Doch auch zarte Schönheit lässt sich finden, vor allem bei streicherlastigen Interpretationen von ›The Ship Song‹ und ›Love Letter‹, seiner bislang größten romantischen Leistung.

Unterm Strich also ein Konzert in zwei Hälften: erst die feine Soirée mit Dr. Jekyll, dann die frenetische Stunde im Bann eines schäumenden, dauer-erigierten, blutrünstigen Mr. Hyde.

Stephen Dalton

Live: Rival Sons sowie Free Fall

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Rival Sons, Sam Scott-Hunter 2011

RIVAL SONS
Zoom Club, Frankfurt
Perfekter Vintage Rock vor vollem Haus

Was denken ernsthafte Rockmusiker, wenn sich direkt vor ihnen am Bühnenrand Menschen mit einem Ernie und Bert T-Shirt positionieren und sie während des ganzen Gigs auf diese Peinlichkeit starren müssen? Als Musiker könnte man sich da leicht verunglimpft vorkommen. So was geht eigentlich gar nicht, auch wenn es keinen Dresscode für Rock Gigs gibt, das muß einfach mal erwähnt werden. Respect the Rock. Das aus Toronto stammende Quartett The Balconies um die knabenhaft wirkende Frontfrau Jacquie bietet als Opener knapp 30 Minuten einen energischen Mix aus Alternative, Indie und zwei Prozent Retro Rock. Blickfang Jacquie, mit schickem Iron Maiden T-Shirt, wirkte wie eine ganz junge Patti Smith und glänzte mit einer enorm markanten Stimme und verwirrend interessanten Bewegungen, während die Kompositionen eher mittelmäßig sind. Die Umbaupause wurde gedehnt auf über 45 Minuten, gefühlte zwei Stunden, bis die Herren Buchanan, Everhart, Holiday und Miley endlich die Bühne betraten. Ihr aktuelles Album HEAD DOWN ist, mit Recht, erklärtes Lieblingsalbum nicht weniger Rockmagazine. Trotz starker Vintage Konkurrenz aus Schweden lieferten die Amis Rockmagie pur und der ausverkaufte Zoom Club wusste das zu schätzen. Buchanan ist der Robert Plant der Neuzeit, während Gitarrenvirtuose Holiday seinem Vorbild Jimmy Page recht nahe kommt. Die coolste Sau des Abends war jedoch Basser Robin Everhart, der emotionslos routiniert seinen Part herunterspulte und keine einzige Schweißperle verlor! Ganz anders dagegen Blickfang, Mädchenliebling und Gesangsgranate Jay Buchanan, der jeden Song, jede Note zu leben schien und dies mit leidenschaftlichen Bewegungen unterstrich. Gitarrist Scott Holiday brillierte auf einem enorm hohen Niveau und machte umgehend klar, wer der Herr der Riffs ist. Höhepunkt des Abends und vom Publikum lautstark gefordert ›Burn Down Los Angeles.‹! 90 Minuten Vintage Rock, schweißtreibend, brilliant, überzeugend- voller Punktsieg für Rival Sons.

Jürgen Tschamler

Free Fall
London, Camden Dingwalls

Believe the hype: Der furiose Einstand der Schwedenrocker auf britischem
Boden zeigt eindrucksvoll, warum sie als „next big thing“ gehandelt werden.

Und ein zurückhaltenderes Debüt als sechs Stücke im Vorprogramm der Datsuns kann man sich kaum vorstellen. Da passt es ganz gut, dass drei dunkle Gestalten ihre Plätze auf der schwach beleuchteten Bühne einnehmen und der haarigste von ihnen am Schlagzeug sich durch den Vorhang nach hinten lehnen muss, um den vierten im Bunde, den Sänger nämlich, aufzufordern, sich ihnen anzuschließen.

Folglich erscheint ein blonder Mann in einem khakifarbenen Hemd und fängt an, an seinem Mikroständer rumzufingern. Er murmelt irgendeine Begrüßung und links von ihm spielt jemand, der aussieht wie Luzifer mit einer Stratocaster über seiner geschlossenen Lederjacke, eine hübsche Hookline, die wie etwas aus TOMMY klingt. Bass und Schlagzeug steigen mit ein und als der Sänger es ihnen gleichtut, beginnt die Magie, sich zu entfalten…

Das Stück heißt ›Free Fall‹, genau wie die Band. Mit Kommentaren wie „the next big thing“ tut man einem bis dato fast gänzlich unbekannten Act zwar nicht zwingend einen Gefallen, doch ihr Debütalbum ist unbeschreiblich gut und der Grund, dass ich hier bin.

Mattias Bärjed (Ex-The Soundtrack Of Our Lives) führt seine Kollegen anschließend in ›Power & Volume‹ über, einen brutalen Hybriden aus AC/DC und Motörhead und eine Absichtserklärung, die sich gewaschen hat. Vergleiche mit anderen Bands sind unvermeidlich, doch keine Angst – dies ist keine Tribute-Show, sondern Meisterklasse. Free Fall haben von all den richtigen Quellen getrunken. Bei ›Power & Volume‹ schreit Sänger Kim Fransson Stupides „I got gasoline in my veins“ (ich habe Benzin im Blut), aber kommt damit davon, weil er es mit einer so umwerfenden Stimme irgendwo zwischen Steve Marriott und Bon Scott tut.

Bei ›Midnight Vulture‹ (ja, Kim hat tatsächlich „suck my beak“ – sauge meinen Schnabel – gesungen) hat sich die Beleuchtung ausreichend verbessert, um zu offenbaren, dass alle drei Männer am Bühnenrand Schnurrbärte tragen. Der von Bassist Jan Martens ist kaum erwähnenswert, doch da er smart angezogen ist und offenbar von John Entwistle tanzen gelernt hat, fühle ich mich dennoch dazu veranlasst. Kurz abgelenkt davon, wie der verrückte Bärjed seine Gitarre beunruhigend energisch zwischen die Köfpe der Zuschauer in der ersten Reihe schwingt, sehe ich zu, wie Drummer Ludwig Dahlberg (Ex-The International Noise Conspiracy) bestätigt, dass einfach jeder in dieser Band sein Handwerk versteht.

Er spielt ein Intro, das an ›Running With The Devil‹ von Van Halen erinnert, aber das unwiderstehliche ›Damnation‹ einleitet. Es folgt ›Top Of The World‹, schnell und heftig, bevor sie sich beim Publikum im Dingwalls für seine großzügige Wertschätzung bedanken und sich mit einem wahrhaft grandiosen Blitzkrieg namens ›World Domination‹ verabschieden. Auch mit diesem Begriff („Weltherrschaft“) tut man einer bis dato fast gänzlich unbekannten Band zwar nicht zwingend einen Gefallen, aber ich schließe absolut nicht aus, dass es im Rahmen des Machbaren liegt.

 

Live: Kopek sowie The Darkness

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Zwölfzehn, Stuttgart
Es kommt nicht auf die Größe an

Undankbare Aufgabe, gegen die „Lange Nacht der Museen“ antreten zu müssen. Zwar ist ganz Stuttgart auf den Beinen, pilgert aber eher von Galerien zu Museen zu Ateliers. Entsprechend ist das Zwölfzehn in der Stuttgarter Innenstadt nur halbvoll, als Kopek die Bühne entern. Gut 50 Gäste sind neugierig, was die irischen Newcomer so zu bieten haben. Eine angenehm entspannte und familiäre Atmosphäre empfängt die drei Rocker auf der niedrigen Bühne. Sollen die anderen doch vor Gemälden stehen, hier geht es an diesem Abend nur um Rock. Den erklären Kopek in ›Love Is Dead‹ neben jeder Menge anderer Dinge zwar gleich mal für tot, die nächsten 70 Minuten beweisen sie dann aber das Gegenteil. Schlagzeuger Eoin Ryan und Basser Brad Kinsella bleiben verhältnismäßig ruhig, das Epizentrum ruht aber sowieso bei Sänger und Gitarrist Daniel Jordan. Für seine geringe Körpergröße steckt jede Menge Stimme und Rock’n’Roll in ihm, von Anfang an sieht man ihm überdeutlich an, dass er mehr als alles gibt.

Musikalisch bewegen sich Kopek auf ihrem Debüt WHITE COLLAR LIES zwischen kernigem Rock und romantischem Alternative, live funktionieren die kraftstrotzenden Brecher allerdings deutlich besser als die etwas zahmen Nummern wie ›Running Scared‹. Macht nichts: Ein Stück wie ›Fever‹ gehört eigentlich in ein Stadion, Wucht, Melodie und Euphorie können hier aus dem Vollen schöpfen. Umso besser also, dass sie in Kürze für die Toten Hosen eröffnen werden…

Björn Springorum

THE DARKNESS
Backstage Werk, München
Geht weg/ab wie warme Semmeln

Sie sind wieder hier. Ihr Revier? Die Bühnen dieser Welt! Nach sechs Jahren der Trennung sind The Darkness wieder in Originalbesetzung auf Tour. Im Gepäck haben sie neben bewährten Songs auch Material ihres neuen Albums HOT CAKES. Nun da Frontmann Justin Hawkins seine Drogen-Entwöhnungskur hinter sich gebracht hat und die Fans endlich wieder in den Genuss der einzig wahren The Darkness kommen können, ist die Nachfrage nach Tickets entsprechend hoch und die Show im Münchener Backstage lange ausverkauft. Unter den Besuchern befinden sich überwiegend junge, den Rock’n’Roll ernst nehmende Musikfans. Nur wenige verlorene Gestalten in Bad Taste-Verkleidungen haben sich an diesem Abend in die restlos gefüllte Halle verirrt und so wird ganz klar: The Darkness haben sich weiterentwickelt. Anders als zu Zeiten ihres Debüts PERMISSION TO LAND haben sie, wenn auch noch immer mit einer gewissen Portion Humor gesegnet, nicht mehr viel mit Slapstick Rockern á la Steel Panther zu tun.

Nachdem Ginger Wildheart eine hochwertige Support-Leistung abgeliefert haben, ist es soweit. The Darkness betreten im Nebel vor blendendem Licht die Bühne, halten einander an den Händen und bleiben in die dieser Pose wie versteinert stehen. Das Bild erinnert stark an gigantische Stadionshows wie die von Bon Jovi oder U2. Mit dem kleinen Unterschied, dass sich diese Bands auf 15 Meter großen LED-Wänden abbilden lassen. So spiegeln diese ersten Momente die gesamte folgende Show wider. The Darkness bieten ein Arenaspektakel im Taschenvormat. Justin Hawkins, der ganz klar die entertainende Speerspitze ist, beherrscht sein Handwerk perfekt. In seinem schwarz-weiß gestreiften bis unter den Nabel ausgeschnittenen Overall stellt der extrovertiertere der beiden Hawkins-Brüder seine Handstandkünste unter Beweis, lässt sich in bester Angus Young-Manier auf den Schultern einer Security-Kraft solierend durch das Publikum tragen, und wer nicht mitsingt, wird von ihm mit einer ordentlichen Rückkopplung wachgepfiffen. Bei solch einem Maß an Souveränität stört es auch nicht, dass das Gesangs-Mikrofon nicht ganz so will, wie es sollte. Allen Zweiflern sei zudem an dieser Stelle versichert: Justin ist vollkommen nüchtern und begnügt sich auf der Bühne mit nichts als Mineralwasser. Neben dem Unterhaltungstalent und dem erstaunlich stabilen Live-Falsett von JH brilliert die gesamte Band wenn auch nicht mit technischer Finesse dafür aber mit um so mehr Groove. Dan Hawkins, Frankie Poullain und Ed Graham haben sich stilistisch und spielerisch eindeutig so einiges von solch großen Vorbildern wie Thin Lizzy, AC/DC oder Queen abgeschaut.

So dürfte keiner im Publikum – nicht einmal der größte FC Bayern-Fan, der an diesem Abend für The Darkness ein Championsleauge-Spiel seiner Mannschaft verpasste – den Besuch dieses Konzertes bereut haben.

Paul Schmitz

Live: Steven Wilson

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Steven Wilson @ Joachim Kling (2)

Theaterhaus, Stuttgart
Darbietung nahe des musikalisch Machbaren

Sensationelle Chartplatzierungen des aktuellen Albums THE RAVEN THAT REFUSED TO SING sowie allerorten ausverkaufte Häuser zeigen, dass Steven Wilson innerhalb kurzer Zeit abseits seiner vermeintlichen Hauptband Porcupine Tree als Solo-Künstler den Durchbruch geschafft hat. Von einem Steven-Wilson-Konzert darf niemand die Präsentation eines bunten Straußes voller Hits erwarten, sondern vielmehr das Beste und Anspruchsvollste, was die derzeitige Musikszene zu bieten hat, nämlich ein visuell-optisch-klangliches Gesamtkunstwerk, welches mit Worten nicht zu beschreiben ist. Nach einem halbstündigen verstörenden Bass-Communion-Klangcollagenspiel über eine quadrophonische Soundanlage marschiert die Band unter frenetischem Applaus auf die Bühne.

Selbstverständlich steht der sympathische, charmant-humorvolle und kommunikative Londoner im Mittelpunkt, gibt seinen großartigen Mitmusikern aber genügend Freiraum. So spielen sich Basser Nick Beggs (arbeitete mit Kajagoogoo, Nena, Tina Turner, Kim Wilde, Alphaville, Steve Hackett oder Iona zusammen), Drummer Marco Minnemann (Udo Lindenberg, Nena, Kreator, Terry Bozzio), Gitarrist Guthrie Govan (Asia, GPS), Tastenmagier Adam Holzman (Chaka Khan, Miles Davis) und Saxofonist und Flötist Theo Travis (Robert Fripp) im Verlaufe der kommenden 140 Minuten in einen regelrechten Rausch, was durch die Riesenleinwand optisch verstärkt wird. Das Sextett hält sich überwiegend an die originalen Songs, streut jedoch immer wieder Jam-Einsprengsel ein und rockt trotz aller Komplexität gnadenlos. Die leisen Töne wirken fragil, atmosphärisch und herzergreifend, die harten Passagen episch, orchestral und extrem heavy. Die pure Dynamik eben. Auf ›Luminol‹ folgt ›Drive Home‹ und nach ›Deform To Form A Star‹, dem sechsten Song, erlischt das Licht. Vor der Gruppe senkt sich ein die gesamte Bühne verdeckender Vorhang herunter, auf den bewegliche Bilder projiziert werden. Dahinter brilliert die Combo, eingehüllt in ein durch die aufwändige Lichtshow dramaturgisch mitreißend gestaltetes Farbenspiel, mit ›The Watchmaker‹, dem düsteren ›Index‹ und ›Insurgentes‹. Anschließend erklärt Wilson den Zuschauern, die nicht nur nach den Liedern, sondern auch währenddessen immer wieder ohrenbetäubend jubeln, dass die Komplettebestuhlung der Halle nicht auf seine Kappe geht. Er fordert die 2500 Anwesenden auf, sich von ihren Sitzen zu erheben. Das derbe ›Harmony Korine‹, ›No Part Of Me‹, das epische ›Raider II‹ sowie das stimmungsvolle Titelstück des neuen Werks beenden das regulären, dramaturgisch sehr spannend inszenierten Set. Während Steven Wilson bei den meisten anderen Gigs der laufenden Tour den Uralt-Porcupine-Tree-Klassiker ›Radioactive Toy‹ als Zugabe herauskramt, entscheidet er sich in Stuttgart für ein furioses Medley aus ›Remainder The Black Dog‹ und ›No Twilight With The Courts Of The Sun‹ und entlässt die Fans zu den quadrophonischen Klängen von ›Ljudet Innan‹ von Storm Corrosion in die arschkalte Nacht, überwiegend wohl wissend, dass sie eben Zeuge einer Darbietung nahe des musikalisch Machbaren waren. Zu viel Euphorie? Zu viel Subjektivität? Nein, denn Steven Wilson ist definitiv ein Genie, der in der Lage ist, Musik auf die nächste Stufe zu hieven.

 

Neuigkeiten zu: Wolf People

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Im Regen gestanden. Über das schlechte britische Wetter, ungeplante Zeltlager und kathartische Träume

Oft hört man von Bands, dass sie alles für ihre Musik tun würden. Was bei vielen wohl einfach nur dahergesagt ist, trifft bei Wolf People genau ins Schwarze. Ihr drittes Album FAIN nahmen die Londoner in einem abgeschiedenen Haus in Yorkshire Dales auf. Dem britischen Wetter sei dank, regnete es während der gesamten Aufnahmen. Zusätzlich hatten die Musiker so viel Equipment in die ländliche Isolation geschleppt, dass das Haus schier aus den Nähten platzte. Ironischerweise war für die Band selbst kein Platz mehr über, weswegen sie in Zelten und Bussen schliefen.

Was für viele nach großer Qual klingt, war für die Wolf People ein kreatives Geschenk. Die Landschaft, das Wetter und die Situation beflügelte sie und ließ sie kreativ über sich hinauswachsen. Die neuen Songs klingen nach Regen, Idylle und Düsternis. Zu erzählen haben Wolf People auch so einiges. So handelt die erste Single von FAIN (›All Returns‹) von einem Traum des Sängers Jack Sharp, in dem ihm ein Bekannter in die Augen sah, ihm dabei tief in die Seele blickte und all seine Fehler und inneren Dämonen erkannte. „Das war eine kathartische Erfahrung“, erzählt Sharp. „Für gewöhnlich ist mein Leben viel zu banal, um darüber interessante Texte zu schreiben. Deswegen bediene ich mich sonst eher bei Geschichten, die mich bewegen oder auch historischen Aspekten. Doch dieses Mal passte es.“

 

Auslese Games

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gow_ascensionGOD OF WAR: ASCENSION (dt. Version)
PlayStation 3
SONY/JETZT ERHÄLTLICH

Es kann nur einen geben.

Die GOD OF WAR-Serie um den ehemaligen spartanischen Krieger Kratos gehört seit 2005 zu den erfolgreichsten Action-Adventure-Reihen der Videospielhistorie. ASCENSION schildert nun Kratos’ Vorgeschichte und Versuche, sich von seinen Sünden und seinem Bluteid zu befreien, der ihn an den Kriegsgott Ares bindet. Die Handlung beginnt sechs Monate nach dem Mord an Kratos’ Familie und somit rund zehn Jahre vor den Ereignissen des ersten GOD OF WAR-Titels. Als dem kalkweißen Spartaner bewusst wird, dass er seine Frau und sein Kind aufgrund einer teuflischen Manipulation getötet hat, schwört er Rache an Ares.

Der Aufbau der brutal-bombastisch inszenierten Software fällt serientypisch aus: Im Vordergrund stehen blutige, kontinuierlich schwieriger werdende Rachegefechte gegen bestialische Armeen der griechischen Mythologie und des Totenreichs sowie steinharte (Quick Time-)Auseinandersetzungen mit übermächtigen Titanen. Spieler dürfen sich unter anderem über vielfältige Gegnerarten, verbesserte Kampf-/Waffensysteme mit gewohnt einfachen Combo-Ausführungen, eine größere Auswahl an Spezialangriffen, Finishing Moves, aufsammelbaren Relikten, Zaubern und aufrüstbaren Filetierwerkzeugen freuen. Darüber hinaus laden Fremdaufträge und Minispiele zu auflockernden Ruhepausen von dem rasanten Action-Getümmel, verlangen Rätsel nach Gehirnsport, Flug-, Kletter- und Sprungpassagen nach Geschicklichkeit, verzweigte Handlungsstränge nach Entscheidungen und versteckte Schätze nach Erkundungsgeist.

Doch ASCENSION gewährt nicht nur bisher verwehrte Einblicke in Kratos’ Vorgeschichte und Seelenleben, sondern bringt als erstes GOD OF WAR auch diverse Multiplayer-Modi mit: In epischen Off-/Online-Schlachten können sich bis zu acht Spieler miteinander messen, ihre nach und nach erweiterbaren Ausrüstungen frei zusammenstellen und sich mit Ares, Hades, Poseidon und Zeus verbünden.

INJUSTICE: GÖTTER UNTER UNS (dt. Ver.)
Playstation 3, Wii U, Xbox 360
WARNER BROS. GAMES/JETZT ERHÄLTLICH

Keilerei mit Batman, Superman und Co

MORTAL KOMBAT VS. DC UNIVERSE (dt. Version) hetzte 2008 Protagonisten der MORTAL KOMBAT-Videospieleserie und des DC-Comics-Universums aufeinander. 2013 widmet sich Entwickler NetherRealm voll und ganz der letztgenannten Gruppierung: In INJUSTICE: GÖTTER UNTER UNS steigen DC-Helden und -Schurken wie Batman, Superman, Catwoman, Green Lantern, Harley Quinn, Joker, Lex Luthor, Bane oder Wonder Woman gegeneinander in den Ring.

Wie es sich für ein Beat ’em up gehört, verfügt jeder Charakter über eigene, in diesem Fall aus den Comic-Vorlagen bekannte Superkräfte, die nach und nach verinnerlicht werden wollen. Im Verlauf der mit einer Geschichte von NetherRealm, DC Entertainment und den DC-Autoren Justin Gray sowie Jimmy Palmiotti verbundenen Kämpfe schlagen und treten Spieler sich durch eine Vielzahl interaktiver, mehrstöckiger Arenen: Unter anderem führen die von zahlreichen Charakterwechseln, Minispielen und Quick Time Events umrahmten Keilereien in Supermans Festung der Einsamkeit, Batmans Bathöhle oder den Wachturm der Gerechtigkeitsliga. Zu voller Pracht reift INJUSTICE: GÖTTER UNTER UNS natürlich – wie jedes Prügelspiel – mit mehreren Spielern vor der heimischen Konsole oder online.

LUIGI’S MANSION 2
3DS/NINTENDO/JETZT ERHÄLTLICH
Who you’re gonna call? Luigi!

In LUIGI’S MANSION musste der Titelheld seinen Bruder Mario 2002 aus einer verspukten Villa befreien. Elf Jahre später kehren die Geister zurück und entführen Mario gleich in mehrere Spukhäuser. Höchste Zeit also für Luigi, aus seiner vorzeitigen Geisterjäger-Rente zurückzukehren. Unter Verwendung seines „Schreckweg 09/15“- Spezialstaubsaugers durchstreift der Latzhosenträger die Villen nach schaurigen Gestalten.

Die Gespenster setzen sich trotz kauziger Erscheinungsmerkmale vehement zur Wehr, indem sie Luigi festhalten, ihn hinterrücks angreifen oder Fluchtwege versperren. Zudem gestaltet sich die Geisterjagd deutlich raffinierter als 2002: Während es die Geister damals lediglich einzusaugen galt, müssen sie heute vorher mit einem Stroboskop geschockt werden. Dass den Schnauzbart teilweise gleich mehrere Kreaturen der Nacht attackieren, macht die Aufgabe umso kniffliger.

LUIGI’S MANSION 2 spielt sich dynamischer als sein Vorgänger, bezieht mehr Rätselaufgaben ein und stellt Luigi in manchen Missionen mit Toad sogar einen alten Bekannten des Nintendo-Universums zur Seite. Auch schmucke 3D-Grafik, liebevolle Klanguntermalung, sinnvolle Einbeziehung bewegungsempfindlicher Steuerung und nicht zuletzt ein umfangreicher Mehrspieler-Modus für bis zu vier Teilnehmer begeistern vollends.

MONSTER HUNTER 3 ULTIMATE
3DS, Wii U
CAPCOM/JETZT ERHÄLTLICH
Ultimatives Gemetzel.

MONSTER HUNTER 3 wird seinem ULTIMATE-Zusatz vollends gerecht: Im Vergleich zu früheren Ablegern der Serie fällt die Inszenierung (in der Wii U-Version dank schmucker 1080p-Full-HD-Optik und satten Surround-Sounds, in der 3DS-Variante aufgrund toller 3D-Grafik) noch bombastischer, das um sechs neue Waffen, 2000 neue Ausrüstungsteilen und 500 neue Items erweiterte Arsenal ergiebiger, das Inventar übersichtlicher, die fantasievolle Spielwelt noch umfang- und abwechslungsreicher aus. Parallel präsentieren sich die zu bezwingenden Monster (darunter über 30 neue) abermals größer und garantieren dementsprechend noch schweißtreibendere Kämpfe.
Im Verbund mit MONSTER HUNTER-bewährtem Gameplay erzeugen die Verbesserungen ein adrenalinhaltiges, forderndes Open-World-Action-Adventure mit Daumenmuskelkater-Garantie. Für zusätzliche Langzeitmotivation sorgen wöchentlich neue Download-Herausforderungen. Ein weiterer Clou: Wer MONSTER HUNTER 3 ULTIMATE für beide Nintendo-Konsolen besitzt, kann zwischen den Versionen hin- und herwechseln. Sprich: Ein auf der Wii U begonnenes Spiel lässt sich auf 3DS fortsetzen und umgekehrt. Auch der Multiplayer-Modus funktioniert konsolenübergreifend.

 

Neuigkeiten zu: Eclipse Sol-Air

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Polyglott und progressiv

Sprachen sind wichtig für die deutsch-französischen Progrocker mit Sitz im malerischen Regensburg. „Auf unserem Debüt Bartoks Crisis hatten wir Arabisch, Kroatisch, Französisch, Englisch und Deutsch dabei“, erinnert sich Sänger/Keyboarder Philippe Matic-Arnauld des Lions. „Wir setzen Sprachen wie Instrumente ein. Manches Lied eignet sich besser für die eine oder andere Sprache.“ Der 2011 erschiene Erstling von Eclipse Sol-Air erzielte ein erstaunliches Echo in der Szene, die positiven Kritiken bestärkten das traditionsbewusste Sextett auf seinem Kurs. Während des Interviews fallen Namen wie Jethro Tull, Yes, Camel, Supertramp und immer wieder die alten Genesis mit Peter Gabriel. „Der klassische Progrock ist für mich die einzige wahre Musik“, lobpreist mein Gesprächspartner das Genre, „er ist eine Droge.“

Schizophelia heißt das neue Werk. Dieses Mal singt die Band nur in drei Sprachen, musikalisch bleibt sie natürlich den progressiven Klängen treu. Es erklingen Streicher und Querflöte, dicke Keyboardteppiche, filigrane Gitarrengewebe, Chöre sowie Bass- und Schlagzeugdonner. Als Produzenten fanden sie den idealen Mann dafür, Frank Bornemann von Eloy, der wohl erfolgreichsten deutschen Progrockband. „Deutschlandweit war Frank der einzige, der für den Job in Frage kam“, findet Philippe. Schizopehelia sei „ein Kunstwort, das sich darauf bezieht, dass alles im Leben schizophren oder paradox ist. Wie etwa der Manager, der beim DAX-Unternehmen Menschen ausbeutet und später eine Million an soziale Stiftungen spendet“, gibt Philippe ein Beispiel. „Es geht um unsere Neigung, Dinge stets von zwei Seiten zu sehen.“

Der bayerische Franzose ist ein Mann mit vielen Talenten. Er ist nicht nur Musiker und Komponist, sondern auch studierter Pantomime, der nebenher als tourist guide Besucher durch die mittelalterliche Handelsstadt Regensburg führt. Sein theatralisches Talent kommt dem Frontmann gerade im Konzert zugute. „Live legen wir Wert auf eine ansprechende Show“, betont Philippe. „Aber bei uns ist es nicht so wie bei früher bei Genesis als Peter Gabriel in Rollen und Kostüme schlüpfte und die anderen stumm in Jeans und T-Shirt zuguckten. Bei uns machen alle mit.“

 

Live: Beth Hart und Wishbone Ash

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Beth Hart
Substage, Karlsruhe

Stinkige Schweißfüße und High Heels

Ihre letzte Europashow 2012 spielte Beth Hart in Karlsruhe, ihre Nachholshow für das am 02.12. abgesagte Konzert. Diese Absage hatte einen triftigen Grund: Beth folgte einer Einladung von Jeff Beck, um ein Tribute-Konzert für Buddy Guy im Kennedy Center Washington zu spielen, mit anschließendem Dinner im Weißen Haus. Wenn das mal kein Verlegungsgrund ist! Beth und ihrer exzellenten Begleitband merkte man das stressige Jahr, das hinter ihnen lag, zwar an, aber im Ganzen gesehen bot man einen souveränen Gig, der die markanten Stärken der in L.A. ansässigen Sängerin in den Vordergrund stellte. Die eh schon enorme Ausstrahlung der Lady wurde von einem äußerst figurbetonten Bühnendress noch verstärkt und Hart kokettierte gezielt immer wieder mal deutlich mit ihren weiblichen Reizen. Respekt muss man der Dame zollen hinsichtlich der High Heels – und diese verdienten an diesem Abend das Attribut „high“ in jeder Hinsicht –, die sie während der Show trug, ohne unkontrolliert herumzustolpern. Die Setlist bestand aus 18 Songs, davon fünf vom aktuellen Release BANG BANG BOOM BOOM. Zudem kamen die Karlsruher Fans, knapp 900 an diesem Abend, in den Genuss eines unveröffentlichten Songs über die stinkigen Schweißfüße ihres Ehemanns, der als persönlicher Roadie seiner Frau auf dieser Tour fungierte! Die Songauswahl an sich war nicht ganz so rockig, wie man es sich wünschte, einige Kracher bzw. Hits wie ›Leave The Light On‹, ›Lifts You Up‹ oder der monumentale ›L.A.Song‹ blieben leider außen vor. Unmut machte sich dennoch nicht breit bei den Anwesenden, die immer dann aus dem Häuschen waren, wenn Mrs. Hart und ihre Band härter rockten und sie mit ihrer gewaltigen, unverwechselbaren Stimme die Songs dominierte. Die Hingabe der Fans veranlasste die sympathische Sängerin immer wieder zu Danksagungen, wie sie es genieße, für sie zu spielen, was diese mit noch mehr Applaus quittierten. Ein gelungener Abend für beide Seiten, bevor sich Hart und Band in den verdienten Urlaub verabschiedeten.

Text: Jürgen Tschamler

Wishbone Ash
Alte Seilerei, Mannheim

Noch immer ganz die “Alten”

Wishbone Ash sind eine der großen noch auf den Bühnen dieser Welt lebenden Legenden. Seit 43 Jahren sind sie nun unterwegs und haben in dieser Zeit bahnbrechende und grundlegende Neuerungen in den Rock gebracht. Besonders mit ihrem berühmten Twin-Guitar-Sound beeinflussten sie unzählige Bands. Zugegeben, hinter dem Namen Wishbone Ash verbirgt sich mit Frontmann Andy Powell nurmehr ein aktives Gründungsmitglied, dennoch haben The Ash kein bisschen nachgelassen. Noch immer grasen sie bis zu 200 Gigs pro Jahr ab und haben dabei nicht an Qualität verloren. So auch ihre Darbietung an diesem Abend in der Mannheimer Alten Seilerei. Mit ›The King Will Come‹ und ›Throw Down The Sword‹ legen Powell und seine Mitmusiker Muddy Manninen an der so wichtigen zweiten Leadgitarre, Bob Skeat am Bass und Joe Crabtree am Schlagzeug gleich zwei ihrer berühmtesten Frühwerke auf die Bretter der Bühne. Gewohnt melodisch harmonieren dabei die beiden Gitarren mit dem Gesang Powells. Nicht nur alte Kracher, auch neuere Songs wie ›Heavy Weather‹ vom 2011er Album ELEGANT STEALTH finden ihren Weg in das Konzert und fügen sich gewandt in die insgesamt zwölf Songs umfassende und fast zwei Stunden dauernde Setlist ein. Die Stimmung dieser Show kulminiert bei Publikum und Band gleichermaßen während einer etwa 20-minütigen Version von ›Phoenix‹, bevor die Ash-Fans am Ende mit ›Errors Of My Way‹ und ›Blowin‘ Free‹ zufrieden in die Nacht entlassen werden.