0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Start Blog Seite 1254

Live: Deep Purple und The Who

0

DeepPurple_band_7 photocredit Jim Rakete

Deep Purple
Olympiahalle, München

Das lebende Rock-Monument

Seit 44 Jahren sind Deep Purple die Konstante des Hard Rock. In Besetzungsformation Nummer sieben (genannt Mk VII), die so mittlerweile auch schon seit über zehn Jahren besteht, sind sie wieder auf Konzertreise und bieten auf dem gesamten Globus ihre Rockhistorie zum Anfassen für die ganze Familie. Sänger Ian Gillan, Steve Morse an der Gitarre, Bassist Roger Glover, Keyboarder Don Airey und das einzige verbleibende Gründungsmitglied, Drummer Ian Paice, deren Band immerhin vier Jahre älter als die legendäre Münchner Olympiahalle ist, werden auch an diesem Abend – so viel vorweg – nicht enttäuschen. Alles andere wäre schließlich ein Novum in der langen Bandgeschichte. Bevor Deep Purple ihre Show mit einem kräftigen ›Fireball‹ eröffnen, dürfen noch Edguy, deren Stil wirklich Geschmackssache ist, in den Genuss des Münchner Publikums und vereinzelt umgekehrt kommen. Angesichts des doch fortgeschrittenen Alters der Protagonisten ist bereits der Anfang der Show von Deep Purple beachtlich. Jedoch können sich die fünf englischen Herren im Laufe des Abends noch weiter steigern. So legen sie eine mit Soli von Steve Morse, Ian Paice und Don Airey aufgelockerte, musikalisch hochwertige Performance über 15 Songs hin. Die Setlist, die Lieder wie ›Hard Lovin‘ Man‹, ›Space Truckin’‹ und zu guter Letzt ›Smoke On The Water‹ enthält, lässt kaum einen Hit vermissen. Nur ›Child In Time‹ wird – wer mag es dem 67-jährigen Ian Gillan verübeln? – von Deep Purple nicht mehr auf die Bühne gebracht. Der darauf folgende Zugabenblock umfasst dann noch mal drei weitere Songs: Das rasante ›Speed King‹, der ursprünglich von Joe South komponierte Klassiker ›Hush‹ und als großes Finale ›Black Night‹. Roger Glover bekommt außerdem noch die Gelegenheit, sich und seinen Geburtstag mit Bass-Solo zu feiern. Ohne großes Effektbrimborium beweisen Deep Purple an diesem Abend Jung womöglich zum ersten Mal und Alt erneut, dass sie es verdient haben, in Stein gemeißelt zu werden.

Text: Paul Schmitz

The Who
Honda Centre, Anaheim
Who-ndabar!

Habt ihr schon mal belgisches Dünnbier für 12 Dollar den Becher getrunken? Nein? Dann auf nach Disneyworld, wo man zudem 20 Dollar Parkgebühren und stolze 128 Dollar pro Ticket hinblättern muss, um eine der dienstältesten Bands des Rockbiz zu erleben – oder besser: die Hälfte davon. Denn Pete Townshend und Roger Daltrey, 67 bzw. 68 Lenze, sind die letzten Überlebenden der Originalbesetzung. Was sie nicht daran hindert, die kongeniale ’73er Rockoper über Jimmy, den pillenschluckenden Mod, auf die Bühne zu bringen. Und das sogar richtig gut. Angefangen bei einer achtköpfigen Band, die so brillante Musiker wie Zak Starkey (trommelnder Sohn von Ringo), Bass-Guru Pino Palladino, Simon Townshend (Bruder von Pete) oder Keyboard-Altmeister Frank Simes umfasst. Dazu ein glasklarer Sound, tolle visuelle Elemente, die das Zeitgeschehen des frühen 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart dokumentieren und die Musik in einen historischen Kontext betten, sowie zwei Frontleute, die sichtlich Spaß haben. Allen voran Townshend, der mittlerweile wie ein Rockopi mit leichtem Buckel und fülligem Körpervolumen wirkt, aber weiterhin die Windmühle bringt und den tosenden Applaus eines Publikums jenseits der 50 sichtlich genießt. Genau wie Kollege Daltrey, der leicht verschnupft ist, Probleme mit den hohen Tönen hat, aber trotzdem auf Rock’n’Roll-Adonis mit freiem Oberkörper macht. Beide zusammen haben die Power und die Leidenschaft einer Dampfwalze, spielen sich erst durch 80 Minuten Quadrophenia und dann noch durch einen Zugabenblock aus fünf Klassikern: ›Who Are You‹, ›Behind Blue Eyes‹, ›Pinball Wizzard‹, ›Baba O’Riley‹ und natürlich ›Won’t Get Fooled Again‹. Wovon die 18.000 Zuschauer gerne noch ein bisschen mehr hätten, sich an stehenden Ovationen vergehen und Towns­hend, sichtlich gerührt, sogar noch eine Zugabe entlocken. Die erweist sich allerdings als ›Tea & Theatre‹ vom letzten Album – und spätestens da ist es Zeit, das Dünnbier auf die nächste Toilette bzw. das 50-Dollar-T-Shirt in den Leihwagen zu bringen. 1973 war eben ein
who-nderbarer Jahrgang…

 

Neuigkeiten zu: The Roxx-Höllenhunde auf dem Weg zum Himmel

0

 

Bill Itch ist The Roxx und The Roxx sind Bill Itch. Der Sänger und Komponist ist das letzte verbleibende Gründungsmitglied der Münchner Heavy Metal-Band, die sich bereits 1984 formierte. Jetzt veröffentlichen das Urgestein, Andy Lorenz am Schlagzeug und Armin Dierschke an der Gitarre das mittlerweile zehnte The Roxx-Studioalbum TO HEAVEN WITH HELL.

Trotz all seiner Erfahrung ist dieser Schritt noch längst keine Routine für Itch. „Es ist immer wieder wie kurz vor der Geburt eines neuen Babys. Du bist solange in den Wehen, bis es das Licht der Welt erblickt hat“, berichtet der Bändchen.

Auch auf diesem Album bleiben The Roxx ihrem ganz eigenen „80s-NWOBHM im Sound-Hemdchen des neuen Jahrtausends“ treu. Dabei haben die letzten großen Mitgliederwechsel in den Jahren 2011 und 2012 kaum Spuren hinterlassen, wie Bill versichert: „Da das neue Album genauso wie die Vorgänger von mir komponiert, arrangiert und produziert wurde, hat sich in der Struktur nicht viel geändert. Warum sollten wir auch unsere Wurzeln ausreißen und den neuen Bands nacheifern?“

Eine weitere Eigenschaft, für die The Roxx bekannt sind, findet sich ebenfalls wieder auf dem neuesten Langspieler. Hatte in den frühen Neunzigern sogar die Dixieland-Band Hot Dogs einen Gastauftritt bei The Roxx, so lässt Itch auch auf TO HEAVEN WITH HELL seiner Kreativität ohne Rücksicht auf Konventionen freien Lauf. „Ich höre beim Komponieren eben das eine oder andere Instrument im Kopf und das will ich dann auch auf Spur bringen. Selbst wenn es ein Cimbalo [eine Art Hackbrett] ist. Überhaupt, keiner kann mir vorschreiben, was ich in meine Musik einfließen lassen darf und was nicht“, meint er mit der Ruhe eines reifen Metal-Veteranen.

Nachdem die Musik von Itch in den späten 90ern eine tiefe Talfahrt erleben musste und sich deshalb The Roxx für ganze elf Jahre zurückzogen, sieht der musikalische Strippenzieher heute positiv in die Zukunft: „Während sich die ‚nznznz-Generation‘ selbst zu Grabe trägt, schießen neue Metal- und Rockbands wie Pilze aus dem Boden. Die Metalheads wollen eben noch lebendiges Fleisch auf der Bühne sehen und keine Playlistmakler, die sich selbst zu Gott erklärt haben. Long live Rock‘n‘Roll!“ Gemäß diesem Motto wird es auch die kommenden Jahre mit The Roxx weitergehen. „Wir werden 2013 einige Shows in Deutschland und auch in den Anrainerstaaten spielen. Außerdem sind wir bereits mit den Vorbereitungen für das nächste Album beschäftigt. Es wird 2014 erscheinen, pünktlich zum 30-jährigen Bestehen von The Roxx“, verspricht Bill Itch.

 

Lebenslinien: Michael Schenker

0

Michael Schenker - 4 By Ami Barwell - high

 

Er zählt zu den größten Gitarristen der Gegenwart und prägte mit seinen Bands Generationen. Doch auch im Leben eines Michael Schenker ist nicht alles eitel Sonnenschein.

Michael Schenker zählt zu den wichtigsten, stilprägendsten und wohl am meisten verehrten Gitarristen der internationalen Rockszene. Sein fließendes Spiel, seine gelungene Verquickung von feurigen Rocklicks, kraftvollen Powerriffs und klassischen Zitaten haben ihn zum Idol ganzer Generationen von Nachwuchsmusikern werden lassen. Ob als Mitglied der Scor­pions und der britischen Rockformation UFO, ob als Beteiligter der kurzlebigen Contraband oder als Solokünstler bzw. mit seiner eigenen Formation MSG: Schenker war an zahllosen Klassikern der Rockgeschichte maßgeblich beteiligt, erlebte aber auch diverse Abstürze, Niederlagen und persönliche Dramen.

Scorpions

Mit den Scorpions ging es für mich natürlich so richtig los. Mit neun hatte ich angefangen, Gitarre zu spielen, mit elf besaß ich meine erste Band und mit 15 stand ich zum ersten Mal in einem kleinen Tonstudio. Ein Jahr zuvor hatte ich Black Sabbath, Deep Purple und Jeff Beck entdeckt, ich liebte den Sound von verzerrten Gitarren. Meine Helden waren unter anderem Jimmy Page, Eric Clapton, Leslie West und Johnny Winter, sie alle haben mir gewissermaßen Starthilfe gegeben. Dann stieg ich bei den Scorpions ein, entdeckte im Radio Led Zeppelin und nahm, auch dadurch nachhaltig beeinflusst, das Scorpions-Debüt LONESOME CROW auf. Von da an ging es Schlag auf Schlag. Sieben Jahre später kehrte ich noch einmal zur Band zurück, aber es war nur ein kurzes Intermezzo auf LOVEDRIVE und sicherlich nicht gerade die beste Phase meines Lebens.

Robin McAuley

Ich hatte mich gerade vom bisherigen MSG-Sänger Gary Barden getrennt und suchte nach jemandem, mit dem ich die Verantwortung innerhalb der Band teilen konnte, als ich Robin McAuley traf. Ich wollte einfach herausfinden, wie es ist, wenn man zu zweit arbeitet. Zunächst war es nur ein Experiment, für das ich mehrere Sänger ausprobiert hatte, aber Robin machte eindeutig das Rennen. Er klang gut und hatte enormes Potenzial, zudem hatte er ein „M“ im Namen, so dass wir die Michael Schenker Group sogar in McAuley Schenker Group umbenennen konnten, ohne das MSG-Kürzel zu verändern. Besser hätte es also gar nicht passen können. Heute bin ich immer noch eng mit Robin verbandelt, momentan kuriert er zwar eine chronische Verletzung aus, aber noch beim ersten Teil meiner 2012er-Tour hat er bei MSG gesungen.

UFO

Die Scorpions gingen Anfang der Siebziger mit UFO auf Tournee und ich half einige Male bei UFO aus, weil ihr damaliger Gitarrist bei einem Teil der Tour aufgrund von Problemen mit dem Einreisevisum fehlte. Nach der Tour fragten UFO mich, ob ich komplett einsteigen wolle. Ich hatte vorher bereits den Scorpions mitgeteilt, dass ich die Chance nutzen würde, wenn mir irgendwann einmal eine englische Band ein Angebot macht. England war in den frühen Siebzigern einfach die bessere Umgebung, um als Rockmusiker weiterzukommen, deshalb waren meine Bandkollegen auch nicht sonderlich überrascht, dass ich zu UFO wechselte. Vorher hatte ich ihnen allerdings mit Uli Roth noch einen erstklassigen Nachfolger besorgt. Nach meinem Einstieg wurden UFO von Album zu Album besser und erfolgreicher, und als 1979 das Live-Album STRANGERS IN THE NIGHT auf den Markt kam, landeten wir mit den von PHENOMENON stammenden Songs ›Doctor Doctor‹ und ›Rock Bottom‹ zwei echte Klassiker.

MSG

Mit der Michael Schenker Group begann eine neue Phase meiner Karriere. Ich wollte mich nach meinem UFO-Engagement unbedingt weiterentwickeln und hatte konkrete Vorstellungen, wie das aussehen sollte. Es funk­tionierte nur, wenn ich mir als alleiniger Chef meine Zeit selbst einteilen und mich sowohl auf der elektrischen als auch auf der akustischen Gitarre voll ausleben konnte. Mein Motto war immer schon „play and develop“, also spielen und sich weiterentwickeln. Dass MSG ein riesiger Erfolg wurde, waren für mich nur noch die Kirschen auf dem Eis. Viel wichtiger war mir der künstlerische Aspekt.

Contraband

Die Contraband war nur ein kurzes Intermezzo und ging auf eine Tournee zurück, auf der ich als Gitarrist bei Ratt ausgeholfen hatte. Das Management rief mich anschließend an, erklärte mir das Konzept der geplanten neuen Gruppe und fragte, ob ich mitmachen würde. Mir gefiel die Idee, ich mochte auch die anderen Bandmitglieder, also stieg ich ein. Eigentlich waren mehrere Alben geplant, aber aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen hatte sich das Thema bereits nach einer Platte erledigt. Allerdings spielten wir nach Veröffentlichung des Debütalbums noch eine gemeinsame Tour mit Ratt, deren Schlagzeuger Bobby Blotzer ja bei der Contraband involviert war.

Willam Shatner

William hat auf meinem aktuellen Album TEMPLE OF ROCK als Sprecher fungiert. Wie viele wissen, ist er der Captain Kirk vom „Raumschiff Enterprise“, der Kultfernsehserie. Die Zusammenarbeit kam spontan und absolut zufällig zustande: Während mein Produzent und Sänger Michael Voss und ich im Studio an TEMPLE OF ROCK arbeiteten, entstand die Idee, irgendeinen berühmten Schauspieler als Sprecher für das Intro zu verpflichten. Zunächst standen mehrere Namen im Raum, bis mich wenige Tage später das Management von William Shatner anrief und mich fragte, ob ich auf seinem neuen Album spielen könnte. Der Song heißt ›Empty Glass‹ und ist auf seinem aktuellen Werk SEEKING MAJOR TOM zu hören. Natürlich war uns sofort klar, dass wir William bitten, die Sprecherstimme für das Intro auf TEMPLE OF ROCK zu übernehmen.

Rudolf Schenker

Rudolf ist sechseinhalb Jahre älter als ich, so dass ich als kleiner Junge gar nicht so viel mit ihm zu tun hatte. Allerdings musste ich immer seine gebrauchten Klamotten auftragen und seine gebrauchten Gitarren übernehmen. Außer den Mahlzeiten war anfangs immer alles gebraucht, was ich bekam. Als ich etwas älter war, hatte Rudolf allerdings permanent ein Auge auf mich und förderte mich als Musiker. Dann schloss er sich mit Klaus Meine zusammen und holte mich in die Band, zunächst coverten wir nur Stücke von Led Zeppelin, Rory Gallagher, Black Sabbath und Deep ­Purple. Bei den Scorpions waren Rudolf und ich nun täglich zusammen und kamen trotz des großen Altersunterschieds sehr gut miteinander klar. Wir haben beide unterschiedliche Vorstellungen vom Musikmachen: Rudolf ging es immer schon darum, in einer der größten Rockbands der Welt zu spielen, was ihm ja auch gelungen ist, während ich mich vor allem als Musiker weiterentwickeln wollte.

Barbara Schenker

Meine Schwester Barbara ist zwei Jahre jünger als ich. Sie ist sehr intelligent und auch eine ausgesprochen gute Sportlerin. Als Jugendliche trainierte sie sogar für eine Teilnahme an den Olympischen Spielen und war kurz davor, es tatsächlich zu schaffen. Mit 16 zog sie sich aber leider eine schwere Beinverletzung zu und musste den Leistungssport an den Nagel hängen. Dann fing sie an, Gitarre zu spielen, und gründete eine Band. Die Gruppe nannte sich Viva und veröffentlichte sogar mehrere Alben, auf denen ich zum Teil mitspielte. Eine Armverletzung zwang sie jedoch zum Aufhören. Heute wohnt sie in England, sie lebt dort sehr zurückgezogen und spricht leider weder mit mir noch mit unserer Mutter, keine Ahnung warum.

Tyson Schenker

Ich habe zwei Söhne, die beide erstaunlich gut Gitarre spielen können. Bei meinem 28-jährigen Sohn Tyson beobachte ich dies schon seit längerem. Er ist ja sogar schon mit mir zusammen auf der Bühne gestanden und hat unter anderem auch in Wacken gespielt. Ich war sehr stolz in diesem Augenblick. Tyson hatte eine Zeitlang selbst eine sehr gute Band am Start, ich hoffe, dass er sich als Musiker etablieren kann. Sein jüngerer Brüder Taro, er ist jetzt 26, hat sich auf Akustikgitarren spezialisiert. Ich hatte ihn eine längere Zeit nicht gesehen und war sehr überrascht, wie gut er damit mittlerweile umgehen kann. Taro studiert momentan in Bristol, ich habe ihn vor ein paar Monaten besucht und mich total über ihn und seine Fähigkeiten gefreut. Außerdem hat er noch weitere Talente: Er kümmert sich um mein Merchandise und wird in Zukunft auch mit auf meinen Tourneen dabei sein.

Michael Voss

Ursprünglich sollte Michael Voss nur einige Demos für mich produzieren, doch dabei entdeckte ich, wie sensationell er singen und komponieren kann, so dass daraus eine enge und sehr fruchtbare Zusammenarbeit entstanden ist. Interessant ist, dass Pete Way von UFO und Herman Rarebell von den Scorpions sofort ihr Interesse an einem Live-Projekt bekundeten, als sie die hervorragenden Demos von Michael gehört hatten. Mit Michael herrscht eine tolle Kooperation, er war mein Frontmann auf der Tournee durch England und Japan, die wir gemeinsam mit Black Country Communion gespielt haben. Ich bin sehr gespannt, wie es mit dieser Konstellation weitergehen wird.

Eddie Van Halen

Was meine Lieblingsgitarristen angeht, muss ich natürlich vor allem Eddie Van Halen erwähnen. Ich liebe ihn! Ihm zuzuhören, ist für mich das reinste Vergnügen. Ich hörte ihn 1980 und jemand sagte mir, dass er schon mal als Support für UFO gespielt hatte. Ich kann mich ehrlich gesagt überhaupt nicht daran erinnern. 1980 kam dann dieses unglaubliche Album heraus, oder war es 1979? [1978; Anm. d. Red.] Ich fuhr mit einem Freund in den Urlaub und wir hörten es immer wieder, weil es so überragend klang. Es war das erste Van Halen-Album und ich wusste sofort, dass Eddie eine große Karriere machen wird.

Jane/Eloy/Epitaph

Als gebürtiger Hannoveraner kannte ich natürlich alle Bands der Stadt, vor allem die aus den Siebzigern, als ich meine ersten Erfahrungen mit Rockmusik sammelte. Zu diesen Bands gehörten natürlich vor allem Jane, Eloy, aber auch Epitaph. Rudolf stand mit seinen Scorpions in den frühen Siebzigern immer ein wenig in Konkurrenz zu Eloy und ihrem Kopf Frank Bornemann, bei mir war das anders: Ich habe mich immer schon ausschließlich auf meine eigene Sache konzentriert. Aber natürlich habe ich mir alle Hannoveraner Bands, die es zum damaligen Zeitpunkt gab, auf der Bühne angeschaut und mir dadurch viele In­spirationen geholt. Die Konzertbesuche wurden eigentlich erst weniger, als ich 1973 nach England ging und mit UFO rund um die Welt reisen konnte.

 

Neuigkeiten zu: Vishnu – Durch die Polarnacht

0

 

Vier Norweger beweisen, dass wahre Coolness aus dem hohen Norden stammt.

Es spricht sich herum, dass Vishnu nicht nur eine Hindu-Gottheit, sondern auch eine Dark Rock‘n‘Roll-Kombo vom norwegischen Polarkreis ist. Im Interview mit CLASSIC ROCK stellen Sänger Tor Thomassen und Bassist Olav Solvang sich und ihre Band vor.

Waren die Herren aus Tromsø bislang eher in ihrer Heimat bekannt, zieht ihr zweites Album NIGHTBEAT LOVE schon weitere Kreise. „Wir waren überrascht von den vielen ausländischen Rezensionen, die plötzlich im Internet auftauchten“, erklärt Solvang. Dabei fällt immer wieder der Vergleich mit zwei durchaus unterschiedlichen Bands auf. Sie sollen sich irgendwo zwischen The Doors und Mando Diao bewegen. Vor die Entscheidung gestellt, welcher Band sich Vishnu enger verbunden fühlen, überrascht Thomassen sehr: „Wir können uns besser mit Mando Diao identifizieren. The Doors waren die Kinder einer ganz anderen Zeit.“

Was ihre Arbeitsweise betrifft, sind Vish­nu dann doch eher in der Vergangenheit beheimatet. Um NIGHTBEAT LOVE analog auf Tonband zu bannen, sind sie eigens in das Svenska Grammofonstudion in Göteborg gezogen. „Es ist immer interessant, mit diesen Einschränkungen zurechtzukommen. Über das Mischpult aufzunehmen, das schon die Stones und Johnny Cash benutzt haben, hat noch einen drauf gesetzt“, schwärmt Solvang.

Dass sie es düster mögen, zeigen Vishnu neben melancholischen Songs auch mit dem neuen nächtlichen Albumtitel. „Na ja, in Tromsø ist es im Winter die meiste Zeit dunkel. Wie sich das auf das Nachtleben auswirkt, liegt auf der Hand“, meint Tor lachend.

 

Johnny Marr – Flankengeber im Sturmzentrum

0

Erstmals erscheint mit The Messenger ein Album, auf dem der Name „Johnny Marr“ auch groß auf dem Cover, nicht nur versteckt auf der Rückseite steht. Das ist bemerkenswert, denn bis dato lieferte der UK-Kultgitarrist schließlich immer nur die präzisen, maßgeschneiderten Vorlagen – für Frontmänner wie Morrissey, Matt Johnson, Bernard Sumner oder Isaac Brock.

Genauso habe ich tatsächlich Fußball gespielt“ lacht der 49-Jährige, der als Jugendspieler Angebote von Nottingham Forest und Manchester City hatte. „Mir war es nie so wichtig, der zu sein, der trifft. Dieses Ego habe ich nicht.“ Von Marrs nicht vorhandenem Ego sollten jedoch andere profitieren.

Es gibt nicht wenige, für die begann die Musikgeschichte überhaupt erst im Mai 1982. Der Urknall war ein Klopfen des 18-jährigen John Maher an der Haustür von Stephen Patrick Morrissey. Man hatte dem aufgeweckten Gitarristen auf Sängersuche von diesem Sonderling erzählt, der mit all den Büchern und Platten in seinem Zimmer saß und die Leserbriefseiten des NME mit Pamphleten über die New York Dolls, Klaus Nomi und Roxy Music überhäufte. Es ist wohl typisch Marr, dass er kurzerhand die Initiative übernahm und den fünf Jahre älteren, zurückgezogenen Intellektuellen aus dessen Eremitendasein befreite. Nur unwesentlich länger als fünf Jahre existierte das Songwriterteam Morrissey/Marr als Kern der Smiths. Doch zu ihrer Trennung im August 1987 hatten sie Großbritanniens Musiklandschaft umgepflügt. Die vier Alben und zwei Single-Compilations, die der unverschämt schlaue Frontmann Morrissey und Marr, sein genialistischer Zuarbeiter, fertigten, sind von solcher Perfektion, dass sie das immer noch unerreichte Ideal des Indie darstellen.

Nach der Trennung suchte Marr sich Neues, nahm mit den Talking Heads auf, mit Bryan Ferry. Stieg für die Alben „Mind Bomb“ und „Disk“ bei Matt Johnsons The The ein. Erlaubte sich mit New Orders Bernard Sumner, als Electronic seinem Faible für Dancemusic nachzugehen – was Morrissey in den Smiths kategorisch untersagt hatte. Verbrachte Jahre als Producer und Gitarrist im Studio, gründete um die Jahrtausendwende die eher erfolglosen Healers, stieg 2006 bei den US-Underground-Helden Modest Mouse ein, wurde 2008 zum vierten Jarman-Bruder bei den Cribs. Was viele Smiths-Fans nicht verstehen können: Für den Pragmatiker Marr sind die Smiths abgeschlossen. Klar, die fünf Jahre waren prägend und wichtig. Aber es sind nur fünf Jahre aus 49. Die ewige Frage: „Was ist mit der Reunion der Smiths?“ verkneifen wir uns wohlwissend.

Spannend finden wir vielmehr, dass Marr nach all den Jahren am Bühnenrand nun selbst den Platz in der Mitte sucht. „Das war keine Entscheidung, die ich auf die leichte Schulter genommen habe. Aber dann spielte ich ein paar kleine Shows und ich fühlte mich einfach wohl dabei. Was nicht viele wissen: Als Teenager war ich ja schon mal Sänger einer New Wave-Band. Die Rolle als Frontmann kenne ich“, erläutert der ewig als Sidekick Wahrgenommene. Ein Image, das er eher amüsiert als genervt gerade rückt: „Auf der Insel haben die Journalisten dieses Bild von mir, dass ich aus dem Fenster starre und auf meinem Bleistift kaue, so: ‚Oh, worüber kann ich nur meine Texte schreiben?’ Ich muss da echt mehr in die Offensive gehen. Ich mag meine Texte! Ich finde nicht, dass sie halbbacken sind oder obskur, wie so viele andere, die ich hören muss!“

Natürlich, die Gitarren auf „The Messenger“ sind erstaunlich, zeigen Marrs gesamte Bandbreite vom feinen Jangle über kernige Riffs bis zu malerischen Atmosphären. Aber dies ist nicht die Platte von Johnny Marr, dem Gitarristen. Sondern die von Johnny Marr, dem Typen. „Selbst wenn jetzt ein junger Mick Jagger oder John Lydon ankäme und sagen würde: ‚Ich will in deiner Band singen!’ – meine Antwort wäre ‚Nein!’“

 

Johnny Marr – Flankengeber im Sturmzentrum

0

 

Erstmals erscheint mit The Messenger ein Album, auf dem der Name „Johnny Marr“ auch groß auf dem Cover, nicht nur versteckt auf der Rückseite steht. Das ist bemerkenswert, denn bis dato lieferte der
UK-Kultgitarrist schließlich immer nur die präzisen, maßgeschneiderten Vorlagen – für Frontmänner
wie Morrissey, Matt Johnson, Bernard Sumner oder Isaac Brock.

Genauso habe ich tatsächlich Fußball gespielt“ lacht der 49-Jährige, der als Jugendspieler Angebote von Nottingham Forest und Manchester City hatte. „Mir war es nie so wichtig, der zu sein, der trifft. Dieses Ego habe ich nicht.“ Von Marrs nicht vorhandenem Ego sollten jedoch andere profitieren.

Es gibt nicht wenige, für die begann die Musikgeschichte überhaupt erst im Mai 1982. Der Urknall war ein Klopfen des 18-jährigen John Maher an der Haustür von Stephen Patrick Morrissey. Man hatte dem aufgeweckten Gitarristen auf Sängersuche von diesem Sonderling erzählt, der mit all den Büchern und Platten in seinem Zimmer saß und die Leserbriefseiten des NME mit Pamphleten über die New York Dolls, Klaus Nomi und Roxy Music überhäufte. Es ist wohl typisch Marr, dass er kurzerhand die Initiative übernahm und den fünf Jahre älteren, zurückgezogenen Intellektuellen aus dessen Eremitendasein befreite. Nur unwesentlich länger als fünf Jahre existierte das Songwriterteam Morrissey/Marr als Kern der Smiths. Doch zu ihrer Trennung im August 1987 hatten sie Großbritanniens Musiklandschaft umgepflügt. Die vier Alben und zwei Single-Compilations, die der unverschämt schlaue Frontmann Morrissey und Marr, sein genialistischer Zuarbeiter, fertigten, sind von solcher Perfektion, dass sie das immer noch unerreichte Ideal des Indie darstellen.

Nach der Trennung suchte Marr sich Neues, nahm mit den Talking Heads auf, mit Bryan Ferry. Stieg für die Alben „Mind Bomb“ und „Disk“ bei Matt Johnsons The The ein. Erlaubte sich mit New Orders Bernard Sumner, als Electronic seinem Faible für Dancemusic nachzugehen – was Morrissey in den Smiths kategorisch untersagt hatte. Verbrachte Jahre als Producer und Gitarrist im Studio, gründete um die Jahrtausendwende die eher erfolglosen Healers, stieg 2006 bei den US-Underground-Helden Modest Mouse ein, wurde 2008 zum vierten Jarman-Bruder bei den Cribs. Was viele Smiths-Fans nicht verstehen können: Für den Pragmatiker Marr sind die Smiths abgeschlossen. Klar, die fünf Jahre waren prägend und wichtig. Aber es sind nur fünf Jahre aus 49. Die ewige Frage: „Was ist mit der Reunion der Smiths?“ verkneifen wir uns wohlwissend.

Spannend finden wir vielmehr, dass Marr nach all den Jahren am Bühnenrand nun selbst den Platz in der Mitte sucht. „Das war keine Entscheidung, die ich auf die leichte Schulter genommen habe. Aber dann spielte ich ein paar kleine Shows und ich fühlte mich einfach wohl dabei. Was nicht viele wissen: Als Teenager war ich ja schon mal Sänger einer New Wave-Band. Die Rolle als Frontmann kenne ich“, erläutert der ewig als Sidekick Wahrgenommene. Ein Image, das er eher amüsiert als genervt gerade rückt: „Auf der Insel haben die Journalisten dieses Bild von mir, dass ich aus dem Fenster starre und auf meinem Bleistift kaue, so: ‚Oh, worüber kann ich nur meine Texte schreiben?’ Ich muss da echt mehr in die Offensive gehen. Ich mag meine Texte! Ich finde nicht, dass sie halbbacken sind oder obskur, wie so viele andere, die ich hören muss!“

Natürlich, die Gitarren auf „The Messenger“ sind erstaunlich, zeigen Marrs gesamte Bandbreite vom feinen Jangle über kernige Riffs bis zu malerischen Atmosphären. Aber dies ist nicht die Platte von Johnny Marr, dem Gitarristen. Sondern die von Johnny Marr, dem Typen. „Selbst wenn jetzt ein junger Mick Jagger oder John Lydon ankäme und sagen würde: ‚Ich will in deiner Band singen!’ – meine Antwort wäre ‚Nein!’“

 

Neuigkeiten zu: The Black Crowes

0

Paul Natkin Archive

Sie haben ihre zweijährige Pause beendet und für den März eine fünftägige Tournee durch Großbritannien angekündigt, die unter dem Motto „Lay Down With Number 13“ laufen wird. Ein Live-Album, WISER FOR THE TIME, steht ebenfalls in den Startlöchern. Sänger und Gitarrist Chris Robinson, Bassist Sven Pipien, Gitarrist Rich Robinson, Schlagzeuger Steve Gorman und Keyboarder Adam MacDougall lassen sich bei der Tournee von ihrem „guten Freund“ Jackie Greene begleiten, der den Gitarristen Luther Dickinson ersetzt. Chris Robinson, der während der Auszeit der Crowes mit seiner Chris Robinson ­Brotherhood zugange war, erklärt, dass die Band einfach Lust dazu gehabt hätte, „den alten Planwagen noch einmal herauszuholen, um zu sehen, ob er funktioniert und wie wir mit ihm zurechtkommen“.

Dass die Black Crowes, deren Bandmitglieder – vor allem die Gebrüder Robinson – bekanntlich ein eher schwieriges Verhältnis zueinander haben, überhaupt noch existieren, ist ihrer Liebe zur Musik geschuldet. Auf die momentane Stimmungslage innerhalb der Band angesprochen, erklärt Chris Robinson: „Um ehrlich zu sein – solange wir nicht im selben Raum oder auf der Bühne sind, kommunizieren wir kaum miteinander. Aber so ist das wohl bei fast allen Bands, die starrköpfig genug sind, mehrere Jahrzehnte durchzuhalten. Doch pragmatisch betrachtet, haben wir nun mal ein Gesamtwerk geschaffen, das uns wichtig ist und das viele Leute lieben.“

Auf ein Nachfolgewerk der 2010 erschienenen Karriererückschau CROWEOLOGY sollten die Fans jedoch lieber nicht hoffen, denn laut Robinson gibt es für neue Aufnahmen derzeit „keine Pläne“. Zudem fühlte sich CROWEOLOGY ohnehin wie ein Schlusspunkt an. Könnte etwa die kurze Tournee ein neues Kapitel in der Bandgeschichte aufschlagen? „Ich glaube nicht“, erwidert Robinson, „das ist noch zu früh. Als wir 2011 live spielten, kam im Shepherd’s Bush Empire Jimmy Page auf die Bühne, wir spielten zusammen und hatten unseren Spaß, die Band war gut in Form. Das war der Auslöser für die anstehende Tournee.“

Das Live-Album WISER FOR THE TIME erscheint am 15. März auf dem bandeigenen Label Silver Arrow, die vier Vinyl-LPs enthalten 26 Songs, die Ende 2010 während einer fünftägigen, ausverkauften Stippvisite in New York aufgezeichnet wurden. Es wird ebenfalls als digitaler Download erhältlich sein.

Free Fall – Ruf der Freiheit

0

Man nehme zwei etablierte schwedische Musiker, die richtigen Vorbilder, einen noch unbekannten, doch begnadeten Sänger und eine große Portion Freiheitsdrang. Aus diesen Zutaten entstanden 2009 Free Fall. Zunächst wurde die Band als Projekt von The Soundtrack Of Our Lives-Gitarrist Mattias Bärjed und International Noise Conspiracy-Schlagzeuger Ludwig Dahlberg neben ihren eigentlichen Bands aus der Taufe gehoben. Sie wollten sich dem ungehobelten, reinen Rock‘n‘Roll widmen und stießen so gemeinsam mit Bassist Jan Martens und Sänger Kim Fransson auf ihren ganz eigenen Stil, den Freedom Rock. Vier lange Jahre dauerte es, bis Free Fall ihr Debütalbum POWER & VOLUME fertigstellen und veröffentlichen konnten.

Im Interview mit CLASSIC ROCK berichtet ein gut gelaunter und hoffnungsvoller Mattias Bärjed von seiner neuen Band, von der so viel erwartet wird, und erklärt, warum auch Lemmy Kilmister bald zu seinen Fans zählen könnte.

„Free Fall ist eine vollkommen andere Band. Wir spielen anders. Wir schreiben anders. Wir wollen uns auf einem ganz neuen, anderen Weg verwirklichen, als wir das bislang getan haben“, so Bärjed über die Unterschiede zwischen Free Fall und seiner alten Band. Er klingt regelrecht erleichtert, nun da sich The Soundtrack Of Our Lives aufgelöst haben. Trotzdem sei Free Fall nicht der Grund für das Aus: „So kann man das nicht sagen. Wir fühlten alle dasselbe. Wir waren einfach fertig damit, denn wir hatten alles geschafft, was wir mit Soundtrack je erreichen wollten.“ Vielmehr waren alle Beteiligten darauf bedacht, die Trennung möglichst sauber über die Bühne zu bringen. Deshalb hatten Free Fall es auch nicht eilig mit der Veröffentlichung von POWER & VOLUME. „Wir waren uns alle einig, dass es keine gute Idee wäre, ein Album zu veröffentlichen, solange meine alte Band noch Konzerte spielte und auf Tour war. Also warteten wir, bis ich mit Soundtrack die letzte Show kurz vor Weihnachten gespielt hatte.“

Seit Anfang dieses Jahres ist der Weg nun frei für den ominösen Freedom Rock, den Free Fall erfunden haben wollen. „Diese Bezeichnung ist eine Erfindung von Ludwig und mir. Wir hingen einmal bei ihm zu Hause ab und hörten alte Van Halen-Songs. Wir mussten beinahe lachen, weil ihre Musik so positiv und kraftvoll ist. So brach es aus Ludwig heraus: ‚Das ist Freedom Rock!‘ Ich fand das brillant. Es ist die Beschreibung für das Gefühl, das man bei unserer Musik hat“, so Mattias über die so wichtige emotionale Komponente bei Free Fall, die sich auch auf ihr Erstlingswerk ausgewirkt hat. „Es ist ein sehr freies Schema, nach dem wir beim Songwriting vorgehen. Eigentlichen jammen wir die meiste Zeit. Das ist eine ganz andere Herangehensweise, als ich es gewohnt war. Bei Soundtrack war das alles viel strukturierter und verkopfter. Damals arbeiteten wir zuerst unsere Demos zu Hause aus. Free Fall ist eine sehr dynamische, klassische Rockband. Deshalb wollten wir die Aufnahmen zu POWER & VOLUME auch möglichst roh und unbearbeitet belassen.“
Dass es überhaupt zu diesem rauen Stück Rock‘n‘Roll kommen konnte, verdanken wir und Free Fall dem Zufall. „Die Idee zu einer neuen Band in einer klassischen Gitarre-Bass-Schlagzeug-Gesang-Besetzung kam mir schon früher, aber ich kannte einfach keinen Sänger, der für den kraftvollen Stil, den ich im Sinn hatte, geeignet gewesen wäre.“ 2006 aber sollte sich das ändern, erinnert sich Bärjed: „Ich arbeitete damals an einer TV-Produktion mit. Ich schrieb die Filmmusik und coachte die Schauspieler, die eine Band mimen sollten. Kim Fransson war einer davon. Als wir damals ein wenig herumspielten, sang er die zweite Stimme. Damals hörte ich ihn zum ersten Mal. Ich fragte ihn, ob er denn irgendeinen Song von The Who kenne. Er sang ›See Me, Feel Me‹. Ludwig, den ich schon länger kannte, war auch Teil dieser TV-Band. Wir sahen einander an und wussten sofort, dass das unser Mann war.“ Free Fall entstanden also aus einer fiktiven Band, und auch im wahren Leben war das erste Zusammentreffen der Free Fall-Mitglieder von einer gewissen Dramaturgie. „Das war wie in einer Filmszene. Es war einfach zu gut, um wahr zu sein“, so Bärjed über die ganz besondere Chemie, die seit jenem Tag bis heute zwischen den Vieren herrscht: „Es läuft alles so reibungslos und gelassen zwischen uns ab. Zumindest hatten wir noch keine größeren Reibereien“, meint er lachend. „Es funktioniert auch so gut, weil wir alle darauf fokussiert sind, in dasselbe Kaleidoskop zu blicken“, so die etwas esoterische Erklärung des Gitarristen, dessen Hang zur Kultur der 60er und 70er auch in seiner Musik zum Ausdruck kommt. Genau deshalb wird wie vielen anderen jungen Bands Free Fall vereinzelt vorgeworfen, eine uninspirierte Retro-Kapelle zu sein. „Es ist doch offensichtlich, dass man immer und überall Einflüsse erkennt. Das hat aber nichts mit retro zu tun. Wir machen keine Musik, nur um wie eine andere Band zu klingen. Wir lassen uns inspirieren und machen unser eigenes Ding daraus. Genau das ist es, was heutzutage in der Rockwelt fehlt. Neulich erst, als ich die Grammy-Nominierungen sah, habe ich mir gedacht, dass wir wirklich neues Blut im Rock‘n‘Roll brauchen. Und ganz ehrlich: Mir ist es egal. Sie können uns nennen, wie sie wollen.“
Selbstbewusstsein haben sie also. Das zeigen Free Fall auch bei ihrem Internetauftritt. Dort wird einem zum besten Tag seines Lebens gratuliert, da man soeben den Wendepunkt seiner musikalischen Erfüllung gefunden habe. Darauf angesprochen, reagiert Mattias Bärjed etwas peinlich berührt. „Oh Mann, ich weiß gar nicht, wer das geschrieben hat. Ich war es jedenfalls nicht. Aber es klingt doch gut“, witzelt er. Ganz unberechtigt ist ihre Breitbrüstigkeit auch wieder nicht, schließlich wird ihr Album in Fachkreisen sogar als Rock‘n‘Roll-Offenbarung gefeiert. „Im Ernst, wir sind nicht eingebildet, sondern froh und dankbar, dass uns die internationale Presse ihre Aufmerksamkeit schenkt. Das ist schon großartig. Wir freuen uns, ganz einfach.“

Auf all dem Lob wollen sich Free Fall aber nicht ausruhen. So stehen die weiteren Schritte bereits fest. „Wir arbeiten schon an einem neuen Album, außerdem wollen wir so viel touren wie möglich. Wir werden mehrere Shows mit Graveyard spielen. Wir passen sehr gut zusammen, und sie sind ein lieber Haufen“, kündigt Bärjed an.

Für eine neue Band, die mit so aussagekräftigen Songtiteln wie ›World Domination‹ oder ›Top Of The World‹ eine klare Richtung angibt, sollte eine derartige Support-Tour nur eine weitere Stufe auf der Karriereleiter sein. „Na ja, große Stadien wären schon toll, aber live zu spielen, ist in jedem Rahmen fantastisch. Könnte ich mir aussuchen, mit welchen Bands wir spielen dürften, wären es aber schon Riesen wie AC/DC. Und Motörhead. Oh ja, Motörhead!“ Ausgerechnet die Fans dieser beiden Bands gelten als die härtesten und undankbarsten Knochen im ohnehin schwierigen Vorbandgeschäft. Dennoch würde Mattias Bärjed diese Situation nicht scheuen. „Das ist mir vollkommen egal. Mit Soundtrack spielten wir einmal im Vorprogramm von Oasis und das Publikum schrie ununterbrochen nach ihnen. Die Leute kümmerten sich einen Dreck um unsere Musik und warfen mit Flaschen nach uns. Aber ich hatte die gesamte Show über ein Lächeln im Gesicht, denn ich mag solche Situationen. Mir gefällt es, der Underdog zu sein“, zeigt sich Bärjed erneut selbstbewusst. Mehr noch als für möglichst große Publikumsmassen würde es ihm ohnehin am Herzen liegen, für sein großes Idol spielen zu können. „Vielleicht würden wir Lemmy sogar gefallen. Das Tolle an ihm ist, dass er ein riesiger Beatles-Fan ist und auf klassische Rock‘n‘Roller wie Little Richard steht. Genau wie er liebe ich die Sachen aus den 50er und 60er Jahren. Ich bin damit aufgewachsen. Dazu kamen bei mir dann noch Bands wie eben Motörhead, Venom, Black Sabbath und Led Zeppelin. Daraus entstand dieser gewisse Mix in meinem Kopf. Ich glaube schon, dass er den schätzen würde.“