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Vidunder – Mehr Magie!

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Der nächste Stern am klassischen Rockhimmel? Vidunder haben gute Karten: Sie kommen aus Schweden, haben sich mit Herz und Seele der magischen Seite rückwärtsgewandter Rockmusik verschrieben und mit VIDUNDER ein Debüt vorgelegt, das eine ganze Menge richtig macht.

????????????????????Natürlich war früher nicht alles besser. Aber anders war es schon. Das gilt natürlich auch für die Musik: Magische Klänge, Sinfonien der Bewusstseinserweiterung, Hymnen des Protests, Soundtracks zum psychedelischen Spaziergang durch den Zauberwald begleiteten die 60er und 70er Jahre. Eine Band, die viel von diesem mythischen Nebel inhaliert hat, sind Vidunder aus Schweden. Das tragen sie schon im Namen: Vidunder bedeutet eine Art magisches Wunder, die erste Frage liegt da quasi auf der Hand.

„Absolut!“, antwortet Bassist Linus Larsson auf die Vermutung, dass Musik für ihn viel mit Erleuchtung, mit dem Öffnen von Türen zu tun hat. „Heute hört alle Welt nur noch einzelne Singlehits, die keinerlei Raum für tiefere Betrachtungen des Lebens und des Jenseits zulassen. Den meisten jungen Menschen erscheint das Konzept eines Albums rätselhaft, weil man sich länger damit auseinandersetzen muss.“ Entsprechend übernatürlich, fantastisch und magisch gestalten sich die Inhalte des Debüts VIDUNDER. „Uns alle fasziniert das Okkulte, das Mystische“, so Linus. „Ich nutze diese Legenden, um eine verlorene Zeit heraufzubeschwören. Als es noch mehr Magie und weniger Verpflichtungen gab.“

Schon ist klar, aus welchem Holz die jungen Schweden geschnitzt sind. Magischer Classic Rock ist ihr Nonplusultra, auch wenn die musikalische Früherziehung gar nicht danach aussah: Von Green Day und Nirvana ist da die Rede, schnell entwickelten die Heranwachsenden aber eine Leidenschaft für Pink Floyd, die Beatles und Led Zeppelin. Was am Ende dabei herauskommt, verdeutlicht ihr Debüt VIDUNDER: Klassischer Rock voller analoger Wärme und verspielter Passagen, eine kräftige Prise Blues, ein dezent psychedelischer Schleier. Für Bassist Linus liegen die Vorteile dieser Musik auf der Hand. „Die Musik ist ehrlich und authentisch, gesteht dir außerdem die größtmögliche künstlerische Freiheit zu. Völlig abgedrehte Parts, Rhythmuswechsel, verdrogte Fantasiegeschichten, Poesie…“ Obwohl man erst 2011 zusammenfand, ist es vorschnell, Vidunder als Mitläufer eines Trends abzutun. Sie wissen sehr wohl, was sie wollen, machen ihr eigenes Ding – und punkten vor allem mit Charisma und Eigenständigkeit. Es gehört eben mehr dazu, als sich einen Bart wachsen zu lassen und neben Orange-Verstärkern zu posieren. „Völlig richtig“, lacht Martin Prim. Der Sänger und Gitarrist ist großer Iron Maiden-Fan und legt gern auch mal auf schwedisch los. „Ob man sich ein neues oder ein altes Auto kauft – am Ende muss man es fahren können.“

Das Besondere am authentischen Klang der Schweden ist die Improvisation. „Weite Strecken unserer Songs scheinen sich einfach von selbst zu schreiben“, wundert sich Martin. „Jede einzelne Nummer entstand aus einem spontanen Jam, geplant war da nichts.“ Am Ende entstand Musik, mit der sich sogar die Eltern der drei identifizieren können. „Meine Mutter meinte, dass sich das ja sogar nach Musik anhört“, erzählt Linus lachend. Davor habe er in deutlich progressiveren, extremeren Bands gespielt, die im Elternhaus wohl nicht so gut ankamen. Und im Rest der Musikwelt sowieso nicht: Ein Ende der Retrobewegung ist nicht in Sicht, ihren Ursprung nahm sie mit Graveyard zufällig auch bei einer schwedischen Band. „Die Szene in Schweden hat Graveyard sehr viel zu verdanken“, nickt Linus. „Es war toll zu sehen, wie die Szene wuchs, wie immer mehr Menschen so rumliefen wie in Woodstock. Denn irgendwie wünscht sich doch jeder, in dieser Zeit aufgewachsen zu sein. Oder etwa nicht?“

Tyrone Vaughan – Blues im Blut

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Sein Nachname legt eine Frage nahe: Hat er etwas mit den Gebrüdern Vaughan zu tun? Ja, hat er! Tyrone Vaughan ist der Sohn von Jimmie Vaughan und der Neffe von Stevie Ray Vaughan.

Tyrone Vaughan - 8Inzwischen hat der Nachwuchsgitarrist selbst sein erstes Album draußen, nachdem DOWNTIME schon 2011 in den USA erschienen war, kommt die Scheibe jetzt auch bei uns in die Läden. Auffällig sind Tyrones starke Country-Einflüsse. „Ich bin in Texas aufgewachsen, mein Großvater mütterlicherseits sang Countrymusik und spielte akustische Gitarre in seiner Band“, erklärt er diese Prägung. „Ich liebe den Blues, mit dem ich ebenfalls aufwuchs. Und nicht zu vergessen Rock, ich mag Led Zeppelin, die Stones und ZZ Top.“ Diverse Lieder des talentierten Vaughan-Sprosses handeln von Trucks, den typischen Kleinlastern des ländlichen Amerika. „Ein Truck verleiht dir Stärke und Sicherheit. Du fährst ständig in der Karre herum, hörst Musik dabei, lädst Mädels ein. Natürlich habe ich auch einen, genauer gesagt einen Chevy-Oldtimer von 1960“, erzählt Tyrone, der in der Nähe von Austin, Texas lebt.

Als Tyrone vier Jahre alt war, bekam er eine Mundharmonika von Blues-Legende Muddy Waters geschenkt. Sein Onkel Stevie Ray Vaughan überließ ihm zum fünften und siebten Geburtstag je eine rote Miniatur-Stratocaster, „mit schmalem Hals für Kinderhände. Stevie stimmte sie und spielte auf den kleinen Klampfen. Später gab mir mein Vater Jimmie ein paar Gitarren und zeigte mir Akkorde, Shuffles und Licks.“ Inzwischen massiert Tyrone selber seit zwanzig Jahren das Griffbrett, seit zwölf Jahren schreibt er dazu eigene Songs. „Mitte der 90er war ich sechs Jahre lang in einer Band namens Breedlove. Mit unserer Mischung aus Blues, Rock und Pop hatten wir ziemlich großen Erfolg. Nach deren Auflösung startete ich dann meine eigene Band Tyrone Vaughan, die seither schon einige Reinkarnationen durchgemacht hat.“

Vater Jimmie ist definitiv Fan seines Sohns, Vaughan senior ließ den Junior sogar auf seinem Album DO YOU GET THE BLUES? mitschreiben. Angesichts der Prominenz in der Verwandtschaft stellt sich die Frage: Kann der Name Vaughan auch zur Last werden? „Mit dem Namen kommen eine Menge Erwartungen und eine Menge Druck. Stevie hat die Latte in Bezug auf Exzellenz sehr hoch gelegt. Er war sehr präzise und machte keine Fehler. Er baute die Straße, auf der ich jetzt wandere“, meint Tyrone. „Der Druck ist immer auf meinen Schultern, aber die Leute ermutigen mich. Auch Stevie war ein Fan von mir, er wollte, dass ich spielte. So nehme ich jeden Tag die Gitarre zur Hand, das mache ich schon mein ganzes Leben lang. Dazu singe ich und schreibe Songs.“

Stand seine erste Scheibe noch stark im Zeichen von Country, arbeitet Tyrone inzwischen an einer neuen Platte, die mehr Blues und Rock enthalten wird. Auf seiner Website www.tyronevaughan.com steht bereits ein neuer Titel namens ›Guitar Son‹, der einen Vorgeschmack bietet. In dem dazugehörigen Video tauchen nahezu alle großen Gitarristen des 20. Jahrhunderts auf, von Buddy Holly über Jimi Hendrix bis zu Jimmy Page – inklusive der drei Vaughans versteht sich. Live spielt Tyrone auch einige Songs seiner berühmten Verwandten wie etwa ›DFW‹ vom gemeinsamen Album VAUGHAN BROTHERS sowie ›The House Is A Rocking‹ von Stevie Ray. „Das ist ein Tanzflächenbrenner“, sagt er zum letzteren, „die Leute flippen aus, wenn ich ihn anstimme.“ Ein weiteres Markenzeichen von Tyrone Vaughan ist sein Sinn für heiße Klamotten, er gilt als „sharp dresser“. „Mein Vater und mein Onkel haben immer einen Sinn für coole Outfits gehabt. Ich mag Silberschmuck mit Türkis, nette Cowboystiefel und schicke Jeans. Dabei putze ich meine Stiefel selber und sorge eigenhändig dafür, dass meine Jeans stets eine Bügelfalte haben.“

Sound Of Contact – Collins Junior

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Neues Projekt mit namhaftem Chef: Simon Collins ist der Sohn von Phil Collins und präsentiert seine erste richtige Band.

Sound of Contact 2013Die Diskussion darüber, wie progressiv, sprich: fortschrittlich so genannter Progressive Rock tatsächlich ist, muss man wohl nicht mehr führen. Ihrem Namen wurde diese Stilrichtung sicherlich nur sehr kurz gerecht, damals Anfang der Siebziger, als Bands wie King Crimson, Emerson Lake & Palmer und Pink Floyd der Rockmusik völlig neue Elemente hinzufügten. Alles, was danach kam und sich ähnlicher Stilmittel bediente, war nicht mehr progressiv. Deshalb installierten besonders schlaue Zeitzeugen einen Alternativbegriff für Musik, die Rock mit Klassik und/oder wahlweise Blues oder Jazz kombiniert: Art Rock, auf Deutsch so viel wie Kunstrock. Sound Of Contact zelebrieren auf ihrem Debütalbum DIMENSIONAUT genau diesen Art Rock, wie er über Jahrzehnte von Genesis, Yes, später Rush, Saga und Marillion, heute von Porcupine Tree und Spock’s Beard etabliert wurde. So weit, so unspektakulär. Farbe kommt bei dieser neuen Band erst ins Spiel, wenn man sich ihre Köpfe anschaut. Einer der zwei maßbeglich Federführenden heißt Dave Kerzner, spielt Keyboards und ist im täglichen Geschäftsleben Chef der Firma Sonic Reality Inc. Eigentlich noch kein Grund, wirklich feuchte Hände zu bekommen. Der zweite Macher von Sound Of Contact jedoch heißt Simon Collins und ist – Achtung! – der älteste Sohn von Superstar Phil Collins. Oha, da schaut jetzt natürlich die ganze (Art Rock-) Welt hin!

ZUHAUSE BEI DEN COLLINS
Erfolgreiche Väter hinterlassen ihren Nachkommen oft ein schweres Erbe, einen übergroßen Schatten, aus dem sich so mancher Filius kaum befreien kann. Für Simon Collins gilt dies scheinbar nicht: „Ich hatte eine tolle Kindheit und konnte jeden Tag genießen“, erklärt er rückblickend. Häufig nahm ihn sein berühmter Vater mit auf Tournee. Sohn Simon durfte also überall dabei sein, wo es abends hell und aufregend und laut wurde. „Genesis waren meine zweite Familie“, erklärt Collins Junior, der im September 1976 in London geboren wurde, „alle waren total nett zu mir und hatten immer ein Auge darauf, dass es mir gutgeht.“ Für Sohn Simon war also stets gut gesorgt, für seine Mutter und Collins-Ehefrau Andrea Bertorelli dagegen weniger. Als Simon noch nicht einmal fünf Jahre alt war, trennten sich seine Eltern: Mutter Andrea hatte die Nase voll von einem Ehemann, der so gut wie nie zuhause, sondern ununterbrochen auf Tournee war. Bertorelli zog Anfang der Achtziger mit ihrem Sohn nach Kanada, Vater Phil blieb in Europa. Für Simon blieb das Leben dennoch unbeschwert: „Meine Mutter kaufte mir schon mit sechs ein eigenes Schlagzeug, auf dem ich den ganzen Tag herumtrommeln konnte. Es stand bei uns auf dem Dachboden, alle meine Freunde durften ständig zu Besuch kommen und mit mir musizieren. Wir spielten von Death Metal bis Hip Hop alles, was man sich vorstellen kann.“ Mit elf bekam Simon erste Klavierstunden, später auch Unterricht an der Gitarre. „Ich saugte alles auf, was ich an Musik entdecken konnte, Pink Floyd, Prince, Dire Straits, Robert Plant, vor allem aber natürlich Genesis. Das Live-Album SECONDS OUT konnte ich irgendwann vom ersten bis zum letzten Ton mitspielen.“ Eigentlich gab es nie Zweifel daran, dass auch Simon Collins irgendwann seinen Lebensunterhalt mit Musik verdienen wird.

DAVE KERZNER – FAN VON TONY BANKS
Collins‘ wichtigster Partner in seiner neuen Band Sound Of Contact heißt Dave Kerzner und wuchs in Hollywood auf. Im Gegensatz zu seinem Kollegen war Kerzner nicht von einer rundum musikalischen Gesellschaft umgeben. „Allerdings hatte mein älterer Bruder viele Kontakte zu Musikern, einer seiner besten Freunde war Adam Gaynor, der Gitarrist von Matchbox 20, insofern wusste ich schon früh, was abgeht.“ Mit 13 entdeckte Kerzner den Genesis-Keyboarder Tony Banks im Videoclip zu ›Turn It On Again‹ und war sofort angefixt. „Ich sah ihn spielen, ich hörte den Sound und war total gefesselt. Ich hatte bis dahin schwerpunktmäßig Klavier gespielt, die Möglichkeiten moderner Synthesizer faszinierten mich.“ Ein Jahr später hatte Kerzner seine Mutter überredet, ihm einen Moog-Synthie zu kaufen, allerdings war diese Erfahrung zunächst ziemlich ernüchternd. „Nach dem Genesis-Video war ich der Meinung gewesen, all die unterschiedlichen Sounds wären allesamt einem einzigen Synthesizer entsprungen. Nun merkte ich, dass dies nicht der Fall war und man – jedenfalls zum damaligen Zeitpunkt – ganz unterschiedliche Synthies benötigte, um die ganze Bandbreite möglicher Klänge abrufen zu können.“

In den folgenden Jahren forcierte Kerzner nicht nur seine Karriere als Musiker, sondern etablierte sich auch als innovativer Entwickler moderner Keyboard-Sounds. 1996 gründete Kerzner die Firma Sonic Reality Inc., die sich auf neue Sounds und auf eine riesige Bibliothek mit Klangsamples unterschiedlichster Instrumente spezialisierte. Im Laufe der Zeit arbeitete er unter anderem für Madonna, Smashing Pumpkins, Tom Waits und Ringo Starr. „Das Beste aber“, sagt er mit sichtlichem Stolz, „das Beste ist, dass heute Tony Banks die Sounds verwendet, die ich entwickelt habe. Der Kreis schließt sich also: 1981 war Banks derjenige, der mich mit seinem Keyboardspiel auf den Weg gebracht hat, und heute sind es meine Sounds, von denen er profitiert. Das macht mich total glücklich.“

SOLOSCHEIBEN
Simon Collins veröffentlichte 2000 sein Solodebüt ALL OF WHO YOU ARE, mit der Singleauskopplung ›Pride‹ – übrigens mit Vater Phil als Gastsänger –, die in vielen Ländern die Charts hochsauste. „Aus heutiger Sicht entdecke ich auf dem Album natürlich noch die eine oder andere Schwäche“, gesteht Collins, „andererseits lebt das Album auch von seiner Unbekümmertheit, die man nur haben kann, wenn man noch etwas unbedarft ist.“
Etwas reifer zeigte sich der junge Brite fünf Jahre später, als sein zweites Solowerk TIME FOR TRUTH in die Läden kam. Das Album hatte eine entscheidende Änderung gegenüber seinem Vorgänger: Collins verlagerte den Schwerpunkt stärker in traditionelle Rock-Instrumentierungen und verpflichtete mit Kelly Nordstrom einen Gitarristen. Künstlerisch sieht Collins die Scheibe als Schritt in die richtige Richtung, kommerziell blieb sie dagegen hinter den Erwartungen zurück. „Auf ALL OF WHO YOU ARE war vieles noch künstlich erzeugt, nicht einmal die Schlagzeug-Parts waren real, sondern programmiert. Insofern ging TIME FOR TRUTH einen wichtigen Schritt weiter, indem mehr und mehr organische Instrumente zum Einsatz kamen.“

2006 trafen sich Collins und Kerzner erstmals persönlich. Beide waren in New York in die Proben von Genesis involviert und freundeten sich auf Anhieb miteinander an. „Es gibt so etwas wie Seelenverwandtschaft“, behauptet Kerzner, „man sieht sich zum ersten Mal, man unterhält sich und hat das Gefühl, dass man sich schon seit vielen Jahren kennt.“ Ihr erstes gemeinsames Projekt war eine Neufassung des Genesis-Songs ›Keep It Dark‹, die beim Abschlusskonzert von Genesis im Hollywood Bowl in Los Angeles als Pausenmusik vorgestellt wurde. Klar war schon sehr früh: Collins, Kerzner und Gitarrist Kelly Nordstrom funken auf gleicher Wellenlänge.

PHIL COLLINS, BEAU-RIVAGE HOTEL, GENEVA, SWITZERLAND, 19/04/10Die Besetzung für Collins’ dritte Soloscheibe U-CATASTROPHE (2008) war damit gefunden. Zudem nutzte Collins seine familiären Kontakte und lotste Vater Phil und Genesis-Gitarrist Steve Hackett als Gäste zu den Aufnahmen. „Ich musste nicht lange bitten, sondern nur andeuten, dass wir uns sehr über einen Besuch im Studio freuen würden. Mein Dad und Steve sagten sofort zu.“

SOUND OF CONTACT
Mit der Tournee zu U-CATASTROPHE kristallisierte sich auch der Wunsch noch deutlicher heraus, beim nächsten Mal wirklich als Band zu fungieren. „Es ist einfach ein völlig anderes Gefühl, wenn man im Team arbeitet“, weiß Collins seit der Gründung von Sound Of Contact, „auch wenn man Kompromisse machen und eigene Ideen ständig hinterfragen lassen muss. Aber den kreativen Prozess mit Anderen zu teilen ist eine unglaublich bereichernde Erfahrung.“ Das Debüt der neuformierten Gruppe heißt DIMENSIONAUT und erzählt die fiktive Geschichte eines Zeit- und Raumreisenden, der die Grenzen menschlicher Erfahrungen zu vergrößern sucht. Musikalisch findet man hier alles das, was die internationale Art Rock-Szene seit den Siebzigern geprägt hat: wunderbare Melodien, komplexe Rhythmik, große Sounds und immer wieder Querverweise auch an andere Musiksparten. „Wahre Magie kommt nur aus dem Zusammenspiel menschlicher Wesen“, sind sich Kerzner und Collins einig. „Wenn man sich heutzutage beispielsweise die legendären Scheiben von Led Zeppelin in den frühen Siebzigern anhört, wird deutlich: Sie sind weder handwerklich noch klanglich perfekt, aber sie verströmen ein unglaubliches Flair und eine unbeschreibliche Energie. Das ist es, was den wahren Rock‘n‘Roll auszeichnet: Energie und die Freiheit, genau das zu spielen, was einem das Gefühl sagt.“

Vor allem für Simon Collins bedeuten die ersten Erfahrungen mit Sound Of Contact, sein gesamtes bisheriges Künstlerleben noch einmal bewusst zu hinterfragen. „Ich habe in den zurückliegenden drei Jahren sehr viel über mich und meinen Beruf gelernt“, sagt er, „und ich habe verstanden, dass es für einen Musiker nur ein Ziel geben kann: nämlich künstlerisch zu wachsen. Man muss sich selbst immer wieder neuen Herausforderungen stellen, sich mit Anderen austauschen und auch notfalls kritisch auseinandersetzen, nur dann ist Entwicklung möglich. Natürlich sollte man nie vergessen, woher man kommt. Aber das darf nicht alles sein, was zählt. Wichtig sind Weiterentwicklung und Fortschritt.“ Sound Of Contact bietet ihm all dieses, obwohl Collins damit nicht automatisch seine Solokarriere für beendet erklärt: „Ich habe noch nie bereut, was ich als Solomusiker in den zurückliegenden zehn Jahren erschaffen habe. Aber jetzt ist für mich der Zeitpunkt gekommen, Spaß an einem gemeinschaftlichen Projekt zu haben und mich beim Songwriting und im Studio mit Kollegen auszutauschen.“ Klingt nach einer langfristig angelegten Liaison.

The Saints – Wurzelbehandlung

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Sie gelten bis heute als Australiens Antwort auf die Sex Pistols und Ramones, dabei ist ihr Kreativkopf Chris Bailey heute so weit vom Punkrock entfernt, wie man das nur sein kann. Und was das Australische betrifft, ist er sich auch nicht so sicher…

Chris Bailey_promo photos_Trackdown StudiosDen Vergleich mit Iggy Pop empfindet er als Kompliment. Auch Bailey wird bis heute mit Punk assoziiert, obwohl er seit den Anfangstagen alle möglichen Musikstile in Angriff genommen hat. Auf dem neuesten Album KING OF THE SUN etwa finden wir sympathischen Songwriter-Folkrock, immer mal wieder punktuiert von wunderschönen Streicherpassagen, kleinen Riffakzenten und natürlich der unverwechselbar lebens-gegerbten Stimme des Protagonisten. „Ja, ich genieße es immer noch, alle möglichen Sachen auszuprobieren, zu forschen und dann ein Lied zu erschaffen. Bei den letzten beiden Alben war ich mehr auf der bluesrockigen, rotzigen, härteren Schiene, diesmal wollte ich eher ein studiobezogenes Album machen, ein bisschen ruhiger, ästhetischer.“ Ob es dabei eine Linie gibt, die er durch das Schaffen von The Saints definieren kann? „Die gibt es, aber ich könnte sie dir nicht beschreiben. Es gibt da ein gewisses Etwas, dass alle Saints-Alben verbindet, aber erklären könnte ich dir das nicht. Ich entscheide immer sehr instinktiv, ob etwas ein The-Saints- oder ein Soloalbum unter meinem Namen wird.“

Diese kreative Rastlosigkeit hat vielleicht damit zu tun, dass Bailey im Prinzip heimatlos ist. Seit 15 Jahren wohnt er in Amsterdam, doch zu Hause fühlt er sich dort nicht: „Ich bin damals nur hierher gezogen, weil meine Freunde das beschlossen hatten. Es ist eine angenehm anonyme Existenz für mich, weil die Saints in den Niederlanden nie besonders erfolgreich waren. Aber die Stadt verwirrt mich bis heute. Es ist lustig, weil alle glauben, man komme wegen der Drogen her, dabei habe ich mich noch nie fürs Kiffen interessiert.“ Umso mehr für das Thema der kulturellen Identität. „Es ist schon ironisch, denn am liebsten mag ich Musik, die stark mit ihrem Ursprungsort verbunden ist. Chanson aus Frankreich, kreolische Musik in Louisiana, selbst eure Umpa-umpa-Musik in Deutschland. Aber ich selbst habe sowas für mich gar nicht. Ich wurde in Afrika geboren, bin in Nordirland aufgewachsen, dann zogen wir nach Australien, als ich noch ein Kind war, von dort ging‘s nach Schweden, wo ich einige Jahre lebte, und jetzt bin ich eben in Holland. Ich habe einen irischen Pass, aber keinen definierten Akzent, keine richtigen Wurzeln. Ich bin das, was man einen ‚Plastic Paddy‘ nennt, jemand, der nur auf dem Papier Ire ist. Das ist einerseits befreiend, ich bin ja quasi ein richtiger Weltenbürger, aber manchmal vermisse ich es schon, ein gewisses Heimatgefühl zu spüren. Wahrscheinlich werde ich immer danach suchen.“ Sein Vagabundendasein genießt er trotzdem: „Es gibt Musiker, die hassen das Touren, aber ich sehe es eher als einen Beruf, in dem du ständig im Urlaub bist. In all den Jahren des Rumreisens habe ich nie vergessen, dass es ein Luxus ist, so viel von der Welt zu sehen, und das begeistert mich bis heute.“

Ein Ende dieser Reise ist auch nicht abzusehen, denn Chris ist aktiv wie eh und je. „Ich habe schon zehn Stücke fürs nächste Album fertig, und eine Tour ist auch schon in Planung.“ Mit Zuversicht blickt er in die Zukunft, auch was das Musikgeschäft als solches angeht: „Wir haben alle das Gejammere gehört, wie die Downloads das Business zerstört haben. Aber es verändert sich nun mal immer etwas, und wir hoffen, dass Veränderungen positiv sind. Was mich sehr zuversichtlich stimmt, ist die Wiedergeburt des Vinyls. Schon seit Jahren steigen da die Verkäufe, und mittlerweile erscheint wieder fast alles auf LP. Das zeigt, dass das Interesse an echter Musik nach wie vor da ist, und es wächst! Insofern bin ich momentan optimistischer, als ich das seit Langem war.“

Airbourne – Hunde, die bellen, trinken gern

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Vor gut fünf Jahren waren sie plötzlich da. Vier Australier mit rotzfrech klingenden Rocksongs erregten damals mit ihrem Debüt RUNNIN‘ WILD großes Aufsehen und galten schon bald als die neuen AC/DC“. Nun haben Airbourne ihr aktuelles Album BLACK DOG BARKING fertiggestellt. Im Interview berichten die beiden Brüder Gitarrist Joel und Schlagzeuger Ryan O‘Keeffe von ihrem entscheidenden dritten Studiowerk und geben sich dabei ausgesprochen red- und bierselig.

Airbourne Portraits in MelbourneBei BLACK DOG BARKING ist einiges anders im Vergleich zu euren ersten beiden Alben. Zum ersten Mal habt ihr euch mit Produzent Brian Howes, der auch schon mit Nickelback gearbeitet hat, zusammengetan. Wie war dieses Aufeinandertreffen?
Joel: Mit Brian war das echt cool! Es hat auf Anhieb gepasst. Er ist ein Bob- Rock-Typ. Er mag die selben Bands wie wir: AC/DC, Iron Maiden, Motörhead. So hatten wir gleich einen gemeinsamen Nenner. Ich trinke und amüsiere mich ja gerne mal. Als wir zusammen arbeiteten, ergab das also ein richtig solides Team. Sowas hatten wir davor noch nie. Er versteht und liebt einfach den Rock‘n‘Roll.

Ihr werdet also jetzt nicht anfangen, Radio-Balladen á la ›How You Remind Me‹ zu schreiben?
Joel: Nein, nein, nein, das wird nicht passieren. Brian wollte ja immer mit einer Rock‘n‘Roll-Band wie uns arbeiten, hatte aber nie die Gelegenheit dazu. Die Songs und der Sound sind an die Bands angelehnt, mit denen er und auch wir groß geworden sind. Das sind die bereits genannten plus Def Leppard und ZZ Top.

Hatte er denn großen Einfluss auf euer Songwriting?
Joel: Als wir zu ihm kamen, hatten wir nur grobe Strukturen für die Songs. Kennst du diese Metallica-Doku, bei der man sie mit Bob Rock am „schwarzen Album“ arbeiten sieht? So ähnlich war das bei uns mit Brian. Er hatte viele eigene Ideen, trieb die Arbeiten voran und hat uns ordentlich Beine gemacht. Brian hat den richtigen Draht zu uns, um das Beste aus uns heraus zu holen. Wir haben jeden einzelnen Stein umgedreht. Wir waren ununterbrochen am Start und arbeiteten sieben Tage die Woche. In diesem Jahr gab es kein Weihnachten und keine Silvesterparty für uns. Selbst wenn die Welt 2012 doch untergegangen wäre, hätten wir keine Zeit dafür gehabt.

Für die Produktion musstet ihr im tiefsten Winter nach Vancouver reisen, um in den legendären Armoury Studios aufzunehmen. Wie war der kanadische Winter für vier australische Jungs?
Joel: Das war gar nicht so schlimm. Dort waren wir drei Wochen lang. In Vancouver haben wir die Songs fertiggestellt. Die Aufnahmen selbst haben auch gar nicht so lange gedauert. Die meiste Zeit waren wir mit der Pre-production beschäftigt. Das haben wir in Los Angeles gemacht. Aber dort war es auch richtig kalt. Es ging runter bis auf ein Grad. Wir machten dort eine Pool-Party bei Brian. Er heizte das Wasser auf 36 Grad auf. Wir reden hier von einem echten Pool in Familiengröße, nicht so ein kleines Jacuzzi. Ich glaube die Stromrechnung lag danach bestimmt bei über 500 Dollar. Wir lagen im Pool, tranken Bitburger Bier und hörten Iron Maiden und Judas Priest. So ist Brian Howes.

Wie fühlt es sich eigentlich an, als junge Band in solch heiligen Hallen wie den Armoury Studios zu sein?
Joel: Es war eine absolute Ehre. Jeden Tag, wenn du aus dem Regieraum gehst, fällt dein Blick auf Aerosmiths PUMP oder die RAZOR‘S-EDGE-Plakette an der Wand. Das lässt dich noch härter arbeiten. Man gibt zwar immer sein Bestes, doch sie wirkten wie ein Warnzeichen oder ein permanenter Tritt in den Arsch.

Ihr scheint ganz schön vom Ergebnis überzeugt zu sei. Gibt es Stücke auf BLACK DOG BARKING, die euch eurer Meinung nach besonders gut gelungen sind?
Ryan: Ich würde sagen, jeder Song sticht heraus.
Joel: Ja, wir hatten insgesamt 40 Lieder und nur zehn haben es aufs Album geschafft. Also musste jeder Song eine Stufe weiter gepusht werden, als er zuvor war. Ich kann das also gar nicht beantworten.

Warum sind es eigentlich nur zehn Lieder geworden?
Joel: Es war von Anfang an der Plan, BLACK DOG BARKING in der Tradition der großen Alben auf Vinyl zu veröffentlichen. Deshalb haben wir die Songs auch dementsprechend verteilt. Oft haben sowohl die A- als auch die B-Seite eine Art Intro. Wir beginnen also die erste Seite mit ›Ready To Rock‹ und beenden sie mit ›Firepower‹. Dann drehst du die Scheibe um und es geht mit ›Live It Up‹ und dem Intro dazu los. Die Platte schließt dann ab mit ›Black Dog Barking‹.
Ryan: Yeah, die letzten Worte, die du zu hören bekommst sind ‚I‘m gonna get you tonight‘!
Euer Ansatz war also ganz schön old school.
Joel: Also, wenn man es so ausdrücken will, ist es eine altmodische Herangehensweise. Aber das ist die einzige, die wir kennen.

Wie würdet ihr BLACK DOG BARKING beschreiben?
Joel: Es ist kompromisslos, es ist ein Rocker, es ist Party und es lässt dich nicht mehr los wie der Biss eines Pitbulls.

Eure letzten Alben habt ihr in Australien geschrieben. Wo und wann kamt ihr diesmal zum Song-writing?
Joel: Diese Songs entstanden auf Tour und im Auto. Wir fuhren durch die Gegend, hörten das Material an und ich schrieb dabei die Texte. Dann stoppten wir mal bei einem Pub, hatten ein Paar Biere. Da bekommt man die besten Ideen für richtig verrückte Geschichten. So machten wir das einige Monate lang. Gut, wir haben einen Haufen Benzin dafür verheizt, hatten aber viel Spaß dabei. Du fährst rum und packst Ideen in deinen Kopf.
Ryan: Wenn deine Umgebung in Bewegung bleibt, ist das echt gut für den kreativen Prozess. So hält man auch seine Gedanken in Gang. Außerdem konnten wir so gleich kontrollieren, ob die Songs auch funktionieren. Alle großen Alben dieser Welt sind perfekt zum Autofahren.

Welchen besonderen Vorteil genießt eine australische Band?
Joel: Ich mag an Australien, dass es so fernab vom Rest der Welt liegt. Wenn wir dort sind, ist das wie ein Zufluchtsort für uns. Nach einer anstrengenden Tour setzen wir uns in den Flieger und bringen diesen extrem langen 32-Stunden-Flug hinter uns. Dann sitzt du in einem Pub und trinkst ein Bier, dessen Geschmack dich an deine Jugendzeit erinnert. (Die O‘Keeffe-Brüder begannen ihre Karriere als Bierkonsumenten übrigens im zarten Alter von 13 Jahren. Anm. d. Red.) Du gehst raus und das Wetter, der Duft der frischen Luft und all das hilft dir, dich darauf zurückzubesinnen, wo du herkommst.

Stört es euch eigentlich, dass ihr häufig nur als vier wilde Trunkenbolde angesehen werdet?
Joel: Ich glaube, das könnte zu einem gewissen Punkt sogar wahr sein. Naja, wir haben nicht gerade sehr viele Hobbies. Man wird uns kaum beim Surfen sehen. Auch sind wir nicht unbedingt die Typen für Modelleisenbahnen. Wir gönnen uns eben gerne mal einen Drink. Allen Bands sollte es in erster Linie darum gehen, eine gute Zeit zu haben und diese an die Leute weiter zu geben. Als wir früher in einen Club kamen und da spielten beispielsweise Rose Tattoo, dann war da die Hölle los. Die Fans standen mit Bierkrügen aus Glas da, sie sprangen von den P.A.-Boxen und man durfte rauchen. Und jetzt? Endlich haben wir es geschafft, dort zu spielen, und heute müssen die Leute mit Plastikbechern rumstehen und dürfen gar nichts mehr. Plastik, Mann! Plastik! Das wollen wir bei unseren Shows wieder ändern. Die Welt ist einfach zu sicher geworden!

Airbourne_Studio_3Heute seid ihr in der ganzen Welt unterwegs, um sie ein wenig aufzumischen. Aber das war nicht immer so. Joel, du hast mit einem eher bescheidenen Job angefangen, richtig?
Joel: Ja, ich war Aschenbecher-Boy und Glassy in der Bar eines Hotels. Ich lief herum und hatte die Aschenbecher zu reinigen und leere Gläser einzusammeln. Nachdem ich das lange genug gemacht hatte, durfte ich hinter den Tresen, Bier ausschenken und Cocktails mischen. So kam ich an die Macht über den CD-Player. Ich legte Rose Tattoo und AC/DC auf, wann immer ich wollte. Dort lernte ich übrigens unseren Gitarristen Dave kennen. Von da an ging es ab!

Und plötzlich wart ihr im Vorprogramm von Mötley Crüe und den Rolling Stones?
Joel: Es geht wirklich nicht darum, wer du bist, sondern wen du kennst. Wir hatten das große Glück, unsere EP beim Manager von Mötley Crüe an den Mann zu bringen. Auch die Stones konnten wir so kontaktieren. Als sie nach Australien kamen, hörten sie unsere Platte. Es gefiel ihnen und schon wollten sie uns als Support. Wir können uns wirklich glücklich schätzten. Ich werde nie vergessen, wie es war, für die Stones zu spielen. Wir luden all unsere Marshall Cabinets aus und bauten so viele von ihnen auf, wie es sonst nur AC/DC tun. Nach der Show kamen wir von der Bühne und da stand die Rolling Stones-Crew und applaudierte uns. Damals waren wir noch Kids. Wir hatten ja noch nicht einmal ein anständiges Album. Danach ging es nach Amerika, wo wir RUNNIN‘ WILD aufnahmen. Seitdem läuft alles fantastisch.

Joel, du bist berühmt dafür, bei euren Shows regelmäßig ungesichert das Bühnengerüst raufzuklettern. Hat euer Management schon einmal versucht, dir solche Einlagen zu untersagen?
Joel: Haha, noch haben sie das nicht getan. Aber ich weiß, dass ich mittlerweile eine gewisse Verantwortung trage. Wenn ich etwas verkacke, ziehe ich einen Haufen Leute mit rein.

Ryan, was geht dir eigentlich durch den Kopf, wenn dein Bruder vor tausenden von Menschen seinen Leben riskiert?
Ryan: Ich denke mir dann eigentlich immer: ‚Wenn es jetzt passiert, muss ich einen echt beschissenen Anruf tätigen.‘ Dann hoffe ich einfach, dass er sich nicht umbringt. Das hat bis jetzt immer geholfen.

Was wäre, wenn ihr eines Tages feststellen müsstet, dass ihr auf der Bühne keinen Spaß mehr habt?
Joel: Ich kann mir nicht vorstellen, dass das jemals passieren wird. Als wir noch kleine Kinder waren, teilten wir uns ein Schlafzimmer. Dort sahen wir uns immer wieder Iron Maiden und AC/DC, live at Donnington, auf unserem Fernseher an. Wir schmiedeten die ganze Nacht lang Pläne, wie wir es eines Tages nach Europa schaffen würden. Wir malten uns alles ganz genau aus. Irgendwann um vier Uhr morgens kam unsere Mutter hinein und schickte uns ins Bett. Später bekamen wir unsere eigenen Zimmer. Davon ließen wir uns aber nicht abhalten. Wir besorgten uns Walkie Talkies und unsere Träumereien gingen weiter. Jetzt dürfen wir das alles erleben. Wenn man uns das nehmen würde, wären wir die nutzlosesten Menschen auf dem Planeten. Wir wären nichts und niemand.
Ryan: Genau, wir wären wahrscheinlich vier Alkoholiker, die immer im selben Pub rumhängen und nichts anderes tun würden.

Nachruf: Storm Thorgerson

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Storm_2_-_credit_Rupert_TrumanDa soll noch jemand sagen, Schule wäre verschwendete Zeit. Storm Thorgerson hätte bestimmt dagegen argumentiert. In der Schule nämlich, genauer: in der Cambridgeshire High School for Boys, lernte er Syd Barrett und Roger Waters kennen – die späteren Gründer von Pink Floyd. Sie freundeten sich an, spielten gemeinsam Rugby. Nach dem Abschluss absolvierte Thorgerson seinen Master am Royal College of Art – in Film und Fernsehen. Der Wendepunkt kam 1968, als er im Londoner Nobelviertel South Kensington die Designagentur Hipgnosis gründete. Bis zum Ende der Firma im Jahre 1982 erschuf Thorgerson ein monumentales Werk, das von keinem anderen Coverkünstler erreicht wird – und eines, das es ohne die Freundschaft zu Syd und Roger vielleicht nie gegeben hätte.

Die beiden baten ihn 1968, das Cover ihrer zweiten Platte A SAUCERFUL OF SECRETS zu gestalten. Das kaleidoskopartige Artwork war der Auftakt einer Zusammenarbeit, die Geschichte schreiben sollte. Das fünfte Pink-Floyd-Album ATOM HEART MOTHER etwa wurde auch wegen des Covers ein Meilenstein – darauf zu sehen war eine Kuh. Mehr nicht. Die Plattenfirma reagierte verzweifelt, Storm war jedoch nicht zu erweichen. „Sie fragten mich, was zur Hölle Pink Floyd mit einer Kuh zu tun hat“, erinnerte er sich in einem Interview. „Und ich meinte nur: alles!“ Sein berühmtestes Werk für Pink Floyd sollte aber noch folgen. Das Prisma-Motiv für THE DARK SIDE OF THE MOON (1973), eine Ikone der Rockgeschichte.

Natürlich beschränkte sich die Arbeit von Hipgnosis nicht nur auf Pink Floyd. Die barocke Opulenz auf dem Debüt des Electric Light Orchestra, das verstörende Psychedelic-Kunstwerk auf Led Zeppelins HOUSES OF THE HOLY und das Triptychon vom Genesis-Geniestreich THE LAMB LIES DOWN ON BROADWAY gehen ebenfalls auf das Konto des Bildmagiers. Dramatische Lichteffekte, halluzinierende Akteure und surreale Einfälle (unvergessen: der brennende Mann auf Pink Floyds WISH YOU WERE HERE), aber auch Malerei wie auf Black Sabbaths TECHNICAL ECSTASY bilden das Oeuvre eines Künstlers, dessen Krebstod im April eine riesige Lücke hinterlassen hat. „Eine Schulter zum Ausweinen und einen großartigen Freund“, nannte ihn David Gilmour. Uns wird er als der Mann in Erinnerung bleiben, der eine Kuh auf das Cover einer Rockplatte setze – und damit durchkam…

Neuigkeiten zu: Giorgio Moroder

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Son Of My Father
Giorgio Moroder als Wegbereiter für den sogenannten „Sound Of Munich“

Giorgio Moroder ist zweifellos ein Großer. In den 70ern sieht er aus wie eine Mischung aus Tennis-Manager Ion Tiriac und Designer Luigi Colani – und gibt mit ›I Feel Love‹ den Startschuss für die Disco-Ära. Der Song ist zudem der große Durchbruch für Sängerin Donna Summer, produziert natürlich von Mentor Moroder. Aktuell hat der 73-Jährige, der übrigens ein Neffe von Bergsteiger-Legende Luis Trenker ist, ein paar Songs für das französische Elektro-Duo Daft Punk produziert. Die klingen so ursprünglich wie die synthetische Tanz-Ekstase ›Love To Love You Baby‹, einst ein weiterer Hit für Donna Summer. Doch den wichtigsten Grundstein für seine Karriere, die bis heute andauert, hat der Südtiroler mit dem Album SON OF MY FATHER gelegt. Michael Holm, damals ein enger Vertrauter von Moroder, erinnert sich noch gut an die Sessions: „Synthie-Streicher gab es damals noch nicht, deshalb setzte Giorgio einen sogenannten Phasing-Effekt ein. Er griff einfach bei dem einen von zwei synchron laufenden Aufnahmegeräten zwischendurch mit der Hand ins Band. Diese winzig verschobene Geschwindigkeit ließ die Streicher künstlich klingen.“ Die bayerische Hauptstadt ist mit Moroder eine zeitlang die Welthauptstadt der Pop-Musik, viele Größen wollen in seinem Musicland-Studio aufnehmen. Im Jahr 1974 sind T.Rex mit ZINC ALLOY AND THE HIDDEN RIDERS OF TOMORROW, Iggy Pop mit THE IDIOT und die Rolling Stones mit IT’S ONLY ROCK’N’ROLL zu Gast. Ein Jahr später nehmen hier Led Zeppelin PRESENCE auf und bedrohen im Vollrausch den zuständigen Tontechniker mit einem Messer. Auch Queen, Rainbow, Uriah Heep, Deep Purple und Elton John nehmen im Keller unter dem Arabella Hotel einige ihrer Werke auf. Als Moroder im 1978 nach Amerika geht, kommt auch seine Karriere als Film-Komponist in Schwung: Es folgen Oscars für „Top Gun“, „Flashdance“ und „Midnight Express“. Repertoire Records hat nun den Klassiker SON OF MY FATHER mit zahlreichen Bonus-Tracks wieder veröffentlicht: ein Schatz voller Glam Rock, Fusion, prähistorischer Elektronik und 70er-Jahre-Pop.

 

Die skurrilsten Cover der Rock-Welt: WARRIOR – THE BATTLE HAS STARTED

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skuriles coverSie sind also Krieger, unsere zwei Christmetaller von Warrior. Beim Anblick ihres Albumcovers zu THE BATTLE HAS STARTED stellt sich eine Frage sofort: Warum, Gott? Warum? Einen Moment später wundert man sich, wogegen man eigentlich in derart zu klein geratenen Plastikrüstungen, bewaffnet mit Metaläxten in die Schlacht zieht? Noch dazu in Texas, wo sicher jedes Kinderzimmer höher aufgerüstet ist! Vermutlich nicht in den Kampf gegen die Ungläubigkeit. Ganz im Gegenteil! Beim Anblick dieser armseligen Gestalten mag man doch eher vom Glauben abfallen. Und so scheint ihre Mission klar: Sie befinden sie sich auf ihrem persönlichen Kreuzzug gegen jegliches ästhetisches Empfinden. Anders kann man sich ihre Maskerade kaum erklären. Besonders fraglich ist, ob auch nur einer der Dreifaltigen die Gesichtsbemalung der beiden Gottesritter gutheißen würde. Der eine konnte sich nicht entscheiden, ob seine beschämende Kiss-Maske nun ein Kreuz oder eine Augenklappe darstellen soll.

Bei seinem Kollegen kann man nicht genau sagen, ob er sich in seiner Freizeit gerne als Zebrastreifen tarnt und sich auf die Straße legt, um auf Autos zu warten, oder ob sein zartes Gesichtchen als Werbefläche für einen großen fränkischen Sportausrüster dienen soll. Zu alledem werben Warrior mit dem Versprechen, gar großartig für die ganze Familie zu sein. Doch mal ganz ehrlich: Wer möchte diese unheimlichen Typen allen Ernstes Mutti, Vati, oder noch schlimmer, den armen Kleinen zumuten? Trotz all ihrer Versuche, das Auge des Betrachters anzugreifen, schaffen Warrior es nicht, einen wütend zu stimmen. So erbärmlich stehen die beiden da. Man mag ihnen viel Glück für ihren nächsten Supermarktausflug wünschen. Irgendwann bekommt selbst ihr bestimmt noch euer Walmart-Mädel ab!