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Zeitzeichen: James Last – The Gentlemen Of Music

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last 2Gegen Ende der 1960er Jahre suchte Bandleader James Last nach einem neuen Bassisten. Waltraut, die Ehefrau des Orchesterdirigenten, wählte die Nummer von Benny Bendorff und fragte, ob er Zeit habe. „Sie müssen sich verwählt haben, ich bin alter Rock‘n‘Roller“, sagte der Mann mit dem auffälligen Markenzeichen am Bass: Er hatte einen dicken Fuchsschwanz zwischen Bundstab und Sattel befestigt. Doch Last war überzeugt, den richtigen gefunden zu haben. Überhaupt war er für seinen großen Erfindungsreichtum bekannt. Im Jahr 1971 lotste er einen weiteren Hard-Rocker ins Ensemble. Peter Hesslein kam als Gitarrist, der bei Lucifer’s Friend spielte und das Debüt-Album DAS ERSTE MAL von Marius Müller-Westernhagen produziert hatte. Mit echten Hardrockern wehte im James Last Orchester plötzlich ein anderer Wind, auf den Tanzmusik-Alben wurden immer öfter Rock-Klassiker veröffentlicht, etwa ›Children Of The Revolution‹ von T-Rex oder eine besonders verschrobene Version von Hawkwinds ›Silver Machine‹. Space Rock im Polka-Sound, das war schon etwas Besonderes. 1972 erschien NONSTOP DANCING 2, und das Album begann nicht mit einer Nummer von Freddy Quinn oder einer Volksmusik-Weise. Nein, ›Fireball‹ von Blackmore & Co. war der Opener und die Tom-Fill-Ins von Last-Drummer Barry Reeves waren ähnlich elegant wie die des Originals. Auch ›Black Night‹ von Deep Purple war schon 1970 eine feste Größe im Programm. „Es ist immer eine große Ehre, wenn ein Musiker ein Stück von dir covert“, sagt Ian Paice, „wenn es dann noch James Last ist, umso schöner. Ich habe mal in Schottland einen Fanclub von ihm kennengelernt, das sind wirklich fanatische Leute und echte Musik-Liebhaber.“ Für James Last hat der Schlüssel zur Musik eine einfache Devise: „Mit wenigen Takten, manchmal sogar nur mit einem einzigen Akkord müssen Gefühle und Stimmungen ausgedrückt, oder gezielt Effekte gesetzt werden. Diese Art von Arbeit kommt meinem natürlichen Gefühl für Musik sehr entgegen.“ Der gelernte Kontrabassist hält außerdem den Rekord in der Royal Albert Hall: Er ist dort bis heute 87 mal aufgetreten, das wird wahrscheinlich niemand einholen. „Mein Vater ist bis heute sehr gern in London“, sagt Ron Last über seinen Papa, der ihn seit Jahren auf Tour begleitet. „Er geht immer wieder durch die Plattenläden. Dort kennt man ihn auch und meist stecken sie ihm irgendwelche CDs und Schallplatten zu und sagen ihm, dass er das unbedingt hören soll. Das macht er dann auch, im Hotel legt er in ohrenbetäubender Lautstärke irgendwelche wilde Punk-, Rap- oder Heavy-Metal-Musik auf, das ist manchmal kaum auszuhalten“, so der Sohn über den berühmten Vater, der am 17. April 85 Jahre alt geworden ist.

Aerosmith – „Diese Feindschaft ist wie Arbeiten mit Dynamit“

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Aerosmith Live in Mexico
Aerosmith lassen sich endlich mal wieder in Deutschland blicken. Joe Perry macht sich angesichts der Sommertour Gedanken über die Zukunft der Band.

Der 9. und 18. Juni sind Termine, die sich Rockfans ganz dick im Kalender anstreichen sollten, denn Boston’s Finest werden sich an diesen Tagen zum ersten Mal seit sieben Jahren auf deutschen Bühnen blicken lassen! Berlin und Dortmund sind die auserwählten Städte, in denen Steven Tyler, Joe Perry und Co. die Erde beben lassen werden. Mit Letzterem unterhielten wir uns über die Zukunftspläne der Band, die nächstes Jahr 45. Jubiläum feiert, und ob wieder alles im Lot ist zwischen ihm und Tyler, nachdem sie sich mal wieder sehr öffentlichkeitswirksam gezofft hatten…

Was können wir von den Shows diesen Sommer erwarten?

Wir wollen die Leute umhauen. Wir werden ein paar Lieder im Gepäck haben, die wir schon oft gespielt haben, hoffentlich auch Sachen, die wir nicht so oft bringen, plus ein paar Stücke vom neuen Album [MUSIC FROM ANOTHER DIMENSION!]. Es wird etwas aus jedem Jahrzehnt geben.

Habt ihr schon mal mit dem Gedanken gespielt, ein komplettes Album von Anfang bis Ende aufzuführen, und wenn ja, welches?

Vor ein paar Jahren versuchten wir das mal mit PUMP, ohne es an die große Glocke zu hängen. Das Problem war aber, dass die Leute bei den weniger bekannten Stücken einfach nur so dagesessen sind.

PUMP wird dieses Jahr 25, aber es klingt, als würdet ihr das nicht noch mal in Erwägung ziehen.
Ist das so? Das war mir gar nicht bewusst. Es gibt da ziemlich viele Jubiläen in letzter Zeit. Ich achte nicht wirklich auf sowas, also wahrscheinlich eher nicht.

Letzten Sommer wurden du und Steven Tyler in die Songwriters Hall Of Fame aufgenommen. Wie war das?
Als wir den Anruf erhielten, habe ich erst mal eine Minute gebraucht, um zu verdauen, dass wir da mit ein paar dieser großen Namen in einer Reihe stehen würden.

Welches Stück würdest du als Songwriter sagen, fasst Aerosmith am besten zusammen?

›Let The Music Do The Talking‹. Das ist eines meiner Lieblingstempi. Wenn ich neue Songs schreibe, benutze ich es sowohl als Maßstab als auch als Inspiration. „Du hast es einmal getan, jetzt tu es wieder.“

Arbeitest du gerade an neuer Musik?

Ich schreibe immer, aber ich mache da keinen Unterschied, ob es für mich oder Aerosmith ist. Es gibt heute so viele Kanäle, inklusive Fernsehen und Filme. Es ist eine aufregende Zeit für Musik – nur leider eine wirklich schlechte Zeit, um mit Musik Geld zu verdienen.

Wie blickst du auf das gemischte Echo auf MUSIC FROM ANOTHER DIMENSION! zurück? Es war nicht ganz das „rohe, fiese, harte Rockalbum“, das du vorhergesagt hattest, oder?
Man hat immer diese Geschichten gehört, wie Mick und Keith ein Stones-Album gemacht haben, ohne zusammen im Studio gewesen zu sein, und ich kann jetzt verstehen, wie das läuft. Steven und ich haben unsere Ansichten und manchmal treffen wir uns auf halbem Weg, manchmal nicht. Da ist echt ass-kicking Zeug auf der Platte, aber da sind auch andere Sachen, die ich ehrlich gesagt lieber weggelassen hätte.
Es gab auch zwei große Rückschläge außerhalb unserer Kontrolle. Der Präsident unseres Labels verließ die Firma drei Wochen, bevor die Platte erschien, und sie wurde in den Mülleimer geworfen. Man hatte uns auch gesagt, dass die Leadsingle ›Legendary Child‹ im Film „G.I. Joe“ untergebracht und Paramount Millionen in die Promotion des Albums stecken würde. Wir saßen schon in der Limousine auf dem Weg zum Fernsehstudio, um das Stück bei „American Idol“ zu spielen, als wir erfuhren, dass der Film nun doch um sechs Monate verschoben wurde. Ich finde immer noch, dass das Album nicht die verdiente Anerkennung erfahren hat.

Verderben dir diese Probleme und illegale Downloads die Lust darauf, ein neues Aerosmith-Album zu machen?
Nein. Ich muss weiter Songs schreiben und ich liebe es zu sehr, im Studio zu sein. Ich bin mir sicher, dass wir noch ein Album machen werden. Aber angesichts der Zeit, die uns noch bleibt, wäre es vielleicht besser, diese damit zu verbringen, um die Welt zu fahren und live zu spielen.

Wie ist dein Verhältnis zu Steven Tyler jetzt? Ist alles in Ordnung zwischen euch?

Yeah. Einiges von dem, was in der Presse stand, war richtig, anderes wurde aufgeblasen. Steven und ich haben gelernt, diesen Scheiß nicht persönlich zu nehmen. Wir können uns wie Hund und Katz über Musik streiten und am nächsten Tag zusammen Motorradfahren gehen. Wir werden nie gleich denken, aber das macht uns aus. Es gibt immer eine unterschwellige Spannung. Wir sind nun einmal beide sehr launisch. Diese Feindschaft ist wie Arbeiten mit Dynamit, und bei Aerosmith ist immer ein glimmender Zigarettenstummel in der Nähe.

The Cadillac Three – Im Wendekreis des Caddies

CADILLAC BLACKGeboren und aufgewachsen in Nashville, sind The Cadillac Three in der Musikbranche bestens vernetzt. Auf ihrem Debüt TENNESSEE MOJO mischen sie lautstarken Country mit Garagenrock und finden so ihre eigene Nische.

Der Luxus-Ami-Schlitten steht für Geld, Erfolg, Macht und Potenz. In der amerikanischen Populärmusik symbolisiert der Cadillac das pure Glück. So verschenkte Elvis immer wieder Caddies an Freunde und Fans. Mit europäischen Augen betrachtet, mag so eine Karosse absurd überdimensioniert, Energie verschwendend und unpraktisch sein – für drei Jungs aus Nashville ist dieser Schlitten immer noch glamourös genug, sich The Cadillac Three zu nennen. Wir sitzen in Berlin im Kellergewölbe des einschlägig bekannten Rock’n’Roll-Clubs „White Trash“. Soeben haben Frontmann Jaren Johnstone (Gitarre, Gesang), Kelby Ray (Bass, Steelguitar, Dobro) und Neil Mason (Schlagzeug) den Soundcheck beendet. „Hier in Berlin fahren die Leute winzige Autos, bei uns sieht man immer noch SUVs und breitärschige Caddies“, lacht Ray. „Allerdings wird auf euren Autobahnen verdammt schnell gefahren. Mit einem Cadillac geht das nicht, bei uns in Nashville läuft alles ein wenig langsamer.“
„Alle drei kommen wir aus Tennessee und sind in Nashville geboren und aufgewachsen. Wir sind ein Jahrgang und gingen zur selben Zeit zur Highschool. Dann spielten wir alle in Bands, anfangs in Pizzaläden, aber auch im Ryman Auditorium in Nashville“, berichtet Jaren. „Letzteres war für uns ein Riesenschritt.“ Johnstone gründete die Combo, anfangs hieß sie American Bang, dann Cadillac Black und nun The Cadillac Three. Jaren ist bereits ein renommierter Songwriter in der Country-Szene, für Keith Urban schrieb er ›You Gonna Fly‹, für Tim McGraw ›Southern Girl‹ sowie weitere Nummern für Kenny Chesney und Dierks Bentley. Der Sänger und Gitarrist ist „genetisch vorbelastet“, sein Vater Jerry Ray Johnstone war Drummer in der Country-Band Bandana. „Es funktioniert so, du schreibst einen Song und dein Publisher bietet ihn an. Wenn ihn ein Künstler mag, nimmt er das Lied auf seine Platte. Wenn sie sich verkauft, bekommst du Geld, wenn nicht, gehst du leer aus“, beschreibt er den Prozess in breitem Südstaaten-Akzent. Wie sich heraus stellt, haben alle drei Mitglieder des Trios so einen Publishing Deal am Start.
Nashville ist (nach New York) der zweitwichtigste Ort der US-Musikproduktion, 19.000 Menschen arbeiten in der Branche. „Viele Musiker kellnern nebenher. Es gibt Liveclubs am Broadway, in denen du 15 Stunden am Tag spielen kannst, wenn du willst. Natürlich gibt es einen harten Wettbewerb, anderseits unterstützen wir uns gegenseitig – wir versuchen alle, irgendwie durchzukommen“, meint Ray nachdenklich. TENNESSEE MOJO ist der Erstling der Southern Rocker. „Er enthält die Musik, mit der wir aufgewachsen sind“, erläutert Kelby, „wir sind immer noch die Jugendlichen, die damals zusammen kamen und so laut wie möglich rockten – bis uns jemand sagte, wir müssten aufhören.“ Für Ray besteht ihr Sound aus „Garth Brooks, Hank Williams jr., Waylon Jennings und die Südstaatenrocker der letzten Jahrzehnte zusammengemischt, mit einem Verzerrer-Pedal dran.“ Zum Sound der Cadillac Three gehört auch noch eine gute Portion Garagenrock, wie man ihn etwa von Black Keys, White Stripes oder Hanni El Katib kennt. Country war ursprünglich die Musik europäischer Einwanderer – insbesondere aus Irland, England und Osteuropa. Im Lauf der Zeit wurde Country mit R&B vermischt und als Rockabilly bezeichnet. Die Southern Rocker der 70er wie Lynyrd Skynyrd, The Outlaws, Molly Hatchet etc. vermengten Blues, Country und Rock’n’Roll. Es gab Country Metal von Raging Slab, Four Horsemen und American Dog. Auch als Beigabe für den Punk eignete sich Country wie etwa Jason & The Scorchers, The Long Ryders und Drivin’n’Cryin demonstrierten. Und jetzt also Country und Garagenrock von The Cadillac Three.
Auf den Albumtitel seien sie gekommen, da sie in der Zeit vor den Aufnahmen besonders gerne die Tom-Petty-Scheibe MOJO (2010) gehört hätten. „Der Begriff ‚Mojo’ stammt aus dem Blues und der schwarzen Kultur. Man könnte ihn als ‚Talismann’ beschreiben. Für uns bedeutet TENNESSEE MOJO so etwas wie ,Südstaaten-Prahlerei‘, halb Merle Haggard und halb Mick Jagger“, grinst Jaren. „In dem Song geht es aber auch um die Freude, nach Hause zu kommen und unsere Frauen zu sehen. Nachdem wir uns den Hintern abgetourt haben, kommen wir wieder zurück nach Nashville, hängen unsere Mütze an den Haken, nehmen einen Schluck Whiskey und küssen unser Mädel.“
Im Gegensatz zur grassierenden Schwarzmalerei ist für das Trio aus Nashville das Glas halbvoll. „Eine junge Band hat heute eine Menge Möglichkeiten“, findet Ray. „Dieses Album haben wir selbst finanziert für ein paar Tausend Dollar. Wir ließen es pressen, gingen auf die Straße und endeten auf einigen großartigen Bills mit ZZ Top, Skynyrd und etlichen interessanten Countrystars. Wir konnten sogar ohne Major-Label von unserer Musik leben. (Anm.: Inzwischen sind sie in Europa bei Universal.) Wir haben gute Kontakte und kennen die Telefonnummern von einigen wichtigen Typen. In Nashville leben nun mal viele Leute aus der Musikindustrie, mit denen wir gut befreundet sind. Sicherlich muss deine Platte gut sein, aber daneben ist netzwerken absolut wichtig!“ Für eine junge Band heutzutage sei es zudem entscheidend, jedes Jahr ein neues Album heraus zu bringen. „Die Kids wollen content“, bringt es Johnstone auf den Punkt. „Wir sind mitten in der Arbeit zur neuen Platte und touren mit unserer alten Scheibe in Europa. Es ist, als hätte TENNESSEE MOJO zwei Leben.“
Noch einmal kommen wir auf Lynyrd Skynrd zurück, die 2009 mit GOD & GUNS ein beinah programmatisches Südstaatenrockalbum veröffentlichten. In Nashville leben 600.000 Einwohner, mit seinen über 700 Kirchen gilt die Stadt auch als „Buckle of the Bible Belt“, die Schnalle des Bibelgürtels. Über Religion zu reden fällt den Southern Boys schwer, „das ist zu persönlich“, findet Jaren. Aber von ihren Knarren zu sprechen, ist kein Problem. „Ich habe eine Neunmillimeter-Pistole, sie gehörte meiner Mutter, sie hat sie mir vererbt. Du kannst damit nicht in Bars gehen, viele Kneipen haben Schilder an der Tür: No Guns. Sie liegt bei mir im Haus, falls ein Einbrecher auftauchen sollte“, berichtet Trommler Neil. Johnstone besitzt gleich zwei Pistolen, „wir leben in einem unsicheren Stadtteil. Meine Frau hat eine Waffe, falls etwas Verrücktes passiert.“ Paranoia scheint der Preis zu sein, den Bewohner von „Gods own country“ zu zahlen haben.

Blackberry Smoke: München, Strom

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Blackberry SmokeDSC_0829Blackberry Smoke, Blackberry Smoke…!

Seit einem Monat kann jeder Europäer, der die amerikanischen Südstaaten im Rocker-Herzen trägt, das bereits zwei Jahre alte Album THE WHIPPOORWILL von Blackberry Smoke auch in heimischen Plattenläden kaufen. Vier Wochen also, in denen sich die Herren aus Georgia einen Namen machen konnten, damit sie auf ihrer Tour durch die alte Welt nicht vor halbleeren Hallen spielen müssen. So zumindest könnte man meinen und damit grandios falsch liegen. Berlin war bereits ein voller Erfolg, Hamburg und Köln waren ausverkauft und jetzt steht auch hinter dem Termin für München ein dickes „ausverkauft“. Beim Rundblick über das Publikum im Strøm gewinnt man den Eindruck, als hätten sich alle bayerischen Biker zu einem clubübergreifenden Konzertausflug getroffen. Aufgefüllt wird der Restraum des Stroms mit allen übrigen Gattungen der Spezies Rockfan. Es ist kaum zu glauben, denn die Stimmung ist nicht die eines Geheimtippkonzerts, sondern eine feierliche Spannung, als würden die Fans eine Band des Kalibers Lynyrd Skynyrd erwarten. So machen sich einige BBS-Anhänger ihrer Begeisterung kurz vor Show-Beginn mit „Blackberry Smoke!“-Sprechchören Luft. Nun betreten Charlie Starr und seine Südmänner die Bühne und eröffnen mit ›Leave A Scar‹ ein Set, das inklusive Zugaben ganze 20 Stücke umfassen wird und somit – das vorweggenommen – keine Wünsche offen lässt. Neben einem Großteil der Songs, die von THE WHIPPOORWILL stammen, spielen Blackberry Smoke einige ältere Lieder aus ihrem eigenen Repertoire und feiern ihre Wurzeln mit dem Traditional ›Deep Elem Blues‹. Der drahtige Koteletten-Charlie führt seine Band doch recht wortkarg, dafür um so stimmkräftiger während der Songs, durch zurückgelehnt coole Nummern zwischen County-Harmonien und Rock’n’Roll, auf die das Bier und Whisky-Cola-geneigte Publikum beinahe schon übermäßig reagiert. So wird zum Halbzeit-Song ›Everybody Knows She’s Mine‹, der eine eigentlich entspannte Liebeserklärung ist, röhrig mitgegrölt. Nach dem tonnenschweren ›Ain’t Much Left Of Me‹ verschwindet die Band kurz von der Bühne, um nochmal für zwei Stücke zurück zukommen. Nach ›Fire In The Hole‹ folgt das zweite noch traditionellere Traditional des Abends: ›Man Of Constant Sorrow‹, entstanden im Jahr 1913, beendet diesen Southern-Marathon. Na ja, nicht ganz. Zum Schluss ist noch einmal das Publikum an der Reihe: „Blackberry Smoke! Blackberry Smoke!…“

Status Quo: Oberhausen, König Pilsener-Arena

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Status-Quo_Press-Pictures_21Aufforderung zum letzten Tanz

Ein befreundeter Promoter erinnert sich: „Quo-Fans in den 70ern haben Bier getrunken, während fast alle anderen zur damaligen Mucke gekifft haben.“ Dementsprechend sieht das Publikum in der auf die Hälfte reduzierten Arena aus: Alte Quo-Shirts spannen sich über respektablen Bäuchen. Nach der erfolgreichen Reunion der legendären Rossi-Parfitt-Lancaster-Coghlan-Besetzung letztes Jahr in England ist dies die erste und letzte Deutschland-Tour seit der „Never Too Late“-Gastspielreise 1981. Nostalgie macht sich breit. Aber auch Ernüchterung, denn Status Quo erging es wie allen Rockbands mit einem Mega-Hit: Sie werden darauf reduziert. Wenn es auch noch eine Coverversion ist, wendet sich der Fan der ersten Stunde ab. Einige Anhänger von ›In The Army Now‹ (1986) hingegen geben teilweise ihre Karten zurück, als sie herausfinden, dass die ‚Frantic Four‘ (nach einem Zitat der Hollies) lieber ihr Frühwerk mit Perlen wie ›Backwater‹, ›Just Take Me‹, ›Blue-Eyed Lady‹, ›Oh Baby‹, ›Little Lady‹, ›Railroad‹ und ›(April) Spring, Summer And Wednesdays‹ ausgegraben haben.
Schon das legendäre Jackie-Lynton-Intro („Is there anybody out there who wants to rock?“) wird von 6.000 Kehlen mitgebrüllt, dann beginnen die 90 Minuten der drei Akkorde. Beinahe jede Zeile wird inbrünstig mitgesungen, auf den Stühlen hält es niemanden mehr. Quo präsentieren sich als Einheit, Francis Rossi und Rick Parfitt halten sich im Gegensatz zu 2013 nicht mehr vornehm zurück. Trotzdem liegt das Hauptaugenmerk auf Alan Lancaster und Drummer John Coghlan.
Vor allem der Bassist genießt die wieder gewonnene Aufmerksamkeit sichtlich, auch wenn er sich aufgrund seiner MS-Erkrankung kaum bewegen kann. Seinen Gesangsleistungen bei den Coverversionen ›Junior’s Wailing‹, ›Roadhouse Blues‹ oder ›Bye Bye Johnny‹ schadet es nicht, sein schleichender, tapsiger, seltsam steifer Gang macht trotzdem Angst und Bange.
Aber hier zählt die Musik. Quos letzter Tanz mit den Songs, die Jahrzehnte nach ihrem Erscheinen noch immer im Stammhirn sitzen, weil sie mit imaginären Schneidbrennern hineingefräst wurden: ›Is There A Better Way‹. ›Down Down‹. ›In My Chair‹. ›Rain‹. ›Most Of The Time‹. ›Forty Five Hundred Times‹, ›Big Fat Mama‹ und ›Caroline‹. Simpel, aber genial. Bis auf die üblichen zynischen Ansagen Rossis brettern Status Quo 90 Minuten ohne Verschnaufpause durch ein grandioses letztes Mal, das mit 18 Songs den Programmen aus den wilden 70ern in nichts nachsteht.

Rock Revelation Tour 2014: BERLIN, C-Club

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Tourposter_A1Ironische Inbrunst ohne Zugabe

Diesen Abend darf man sich nicht entgehen lassen. Das denken auch einige hundert Berliner, die sich am 24. April, pünktlich um 19:00 Uhr im C-Club einfinden, um die Rock Revelation Tour mit eigenen Augen zu sehen. Vintage Caravan eröffnen und haben mit einem sehr dürftigen Sound zu kämpfen. Trotz starker Bemühungen gelingt es den Isländern nicht, ihren Auftritt zu retten. Nach einer halben Stunde sind sie erlöst und verschwinden zwischen den Boxen-Türmen. Zurück bleibt die Vermutung, dass diese jungen Herren weitaus mehr zu bieten haben, als an diesem Abend zu hören war. Der erste klangliche Erfolg betritt mit Zodiac die Bühne. Die Blues-Rocker wählen den sanften Einstieg und jammen sich gefühlvoll in Höchstform. Auch als nach einigen Sekunden ein technischer Defekt das Bühnenlicht erlöschen lässt und die Band in totale Dunkelheit hüllt, gerät die perfekt eingespielte Einheit nicht ins Wanken. Ein Konzertbesucher spendet ihnen etwas Licht mit seinem Handy. Zum dritten Song wird endlich ein funktionstüchtiger Scheinwerfer gefunden und die Münsteraner bleiben von nun an sichtbar. Bei Audrey Horne strahlt das Bühnenlicht wieder einwandfrei und die Norweger schießen ›Redemption Blues‹ und ›Youngblood‹ in den Zuschauerraum. Die Nordmänner sind Vollprofis und wissen, wie man ein entfachtes Feuer am Lodern hält. ›There Goes A Lady‹ bringt die Köpfe zum Wippen, bis mit ›Gravity‹ ein brandneuer Song Live-Premiere feiert. Bei ›Straight Into Your Grave‹ gönnt sich Frontmann Toschie ein Bad in der Menge und beendet das Konzert ebenso beherzt, wie es begonnen hat. Einhundert Prozent Hardrock mit Hitpotenzial. Die etlichen Grand-Magus-Shirts haben bereits im Vorfeld gezeigt, wem an diesem Abend am eifrigsten entgegengefiebert wird. JB, Fox und Ludwig spielen kraftvoll auf und füllen den C-Club mit nordischem Pathos und schweren Riffs. Während ihrer Songs werden sie von Chören begleitet, dazwischen wird geklatscht. Die Wikinger präsentieren einen guten Querschnitt ihrer angesammelten Metal-Werke. Zur großen Freude aller Versammelten betritt überraschend Amon-Amarth-Sänger John Hegg die Bühne und unterstützt ›Iron Will‹ mit seinem gewaltigen Stimmvolumen. Die Hits ›Triumph And Power‹ und ›Hammer Of The North‹ bilden den Abschluss, haben es aber schwer, an das Techtelmechtel mit Hegg heranzukommen. Die Saalbeleuchtung wird angeschaltet und die von Grand Magus erschaffene Welt aus felsigen Einöden und tiefen Wäldern muss der Realität weichen. Ein mit Überraschungen und vielen Höhepunkten gespicktes Konzert endet hier.

The Brew: München, Backstage Halle

THE_BREW_BAND_PICStarker Stoff

Wenn The Brew in München, der Hauptstadt des Landes der Biere und des Reinheitsgebots aufspielen, kann das ja nur eine zünftige und ziemlich süffige Angelegenheit werden.
In der gut gefüllten Backstage-Halle legen um Punkt 20.00 Uhr Kismet Ryding, Landsleute und Homies von The Brew, mit ihrem leicht psychedelischen Britpop souverän los und machen 45 Minuten eine ordentliche Figur. Man merkt den Jungs die Freude über die gemeinsame Tournee mit den Jugendfreunden und Nachbarn aus Grimsby im UK förmlich an, und auch viele der ca. 250 Besucher sind ziemlich angetan. Sehr sympathisch auch, dass Kismet Ryding später beim Headliner mit einem Kasten Bier im Merchandise-Bereich begeistert mitgehen…
Wozu sie und die bunt gemischte Crowd aus Classic-Rockern mit Led-Zeppelin-Shirts, Althippies mit Batik-Oberteilen, Hipstern mit karierten Hemden und trendbewussten und neugierigen Mädels auch allen Grund haben. The Brew machen um 21.00 Uhr mit ›Repeat‹, dem Opener der aktuellen Hammerscheibe CONTROL, das sprichwörtliche Fass auf und drehen erst zwei Stunden später mit der Hitsingle ›A Million Dead Stars‹ den Hahn wieder zu. In den 120 Minuten dazwischen wird in der ersten Hälfte mehr und in der zweiten mit vielen Jam- und Instrumentalparts etwas weniger Gas gegeben. Besonders Ausnahmegitarrist und Sänger Jason Bartwick geht von der ersten bis zur letzten Minute ab, hüpft wie ein Irrer, legt eine Rockstar-Pose nach der andern auf die Bühne und lässt selbst eine beeindruckende Jimmy-Page-Einlage mit Geigenbogen nicht aus. Seine Fähigkeiten auf Stratocaster und Les Paul sind dabei ebenso beeindruckend wie die stimmliche Leistung. Aber auch Bassist Tim Smith und sein Sohn Kurtis am Schlagzeug vergessen bei aller handwerklichen und instrumentalen Finesse nicht das Showelement und grooven um die Wette. Mit seinem etwas zu langen Drumsolo, während dem er sogar mit bloßen Händen spielt, schießt Smith Jr. gegen Ende der regulären Spielzeit zwar etwas über das Ziel hinaus, aber nur wenige wandern auf die Toilette oder zur Bar ab.
Zum furiosen Finale mit zwei Zugaben ist dann auch wieder das komplette Trio auf der Bühne, die gesammelte Fanschar am Start und die energiegeladene Show der drei Britrocker hat nicht nur bei der Band selbst, sondern auch bei den Konzertbesuchern für viel Schweiß, Durst und Spaß gesorgt. Vergleiche mit Wolfmother, The Black Keys oder The Who kommen nicht von ungefähr und machen The Brew zu einer extrem starken, gegenwärtigen Rock-Kapelle mit besten Zukunftsaussichten.

Prince: London, Electric Ballroom

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prince-feb-5-electric-ballroomSeine Hoheit verteidigt den Thron

Vor sieben Jahren machte Prince Schlagzeilen mit 21 Konzerten in Londons größter Halle, aber diesmal bevorzugt er einen intimeren Rahmen. Nach einem Tag des Wartens im kalten Regen begrüßt die Menge ihn mit ohrenbetäubendem Geschrei und wird mit einer donnernden Neuinterpretation von ›Let’s Go Crazy‹ belohnt, gefolgt von einigen neuen Stücken.
Der Einfluss von Jimi Hendrix war immer offensichtlich, aber heute Abend beschwört er den Geist dieser Legende mit unheimlicher Präzision herauf. Fuß auf dem Wah-Wah-Pedal, Augen geschlossen, Mund offen, verliert er sich in der Musik – eine gottgleiche Afro-Silhouette im gleißenden Licht wie die Wiedergeburt von Jimi. ›Play That Funky Music‹ geht über in ›Love Rollercoaster‹ (natürlich), doch dann ertönen die Akkorde von ›Purple Rain‹ vor Gesichtern, die strahlen wie bei der Wiederkunft des Herrn. „Ich bin so gut wie fertig hier“, gesteht er gegen Mitternacht. Doch das ist er noch längst nicht. „Wisst ihr, wieviele Hits ich habe?“, grinst er zehn Minuten später. Die Menge dreht wieder durch, als Seine Hoheit der Absoluten Coolness sich hinter dem Keyboard ins Fäustchen lacht und die Heilige Gott-Mutter aller Medleys in Form von ›When Doves Cry‹, ›Alphabet St.‹ und ›I Would Die 4 U‹ abfeuert.
Und dann ist es vorbei. Und zwar wirklich, obwohl die Gerüchteküche schon brodelt. Einige ziehen weiter zum 100 Club in der Überzeugung, er werde in einer Stunden dort auftreten. Das wird er nicht, aber nachdem sie etwas bezeugt haben, das ohne Weiteres die Show des Jahres gewesen sein könnte, kann man es ihnen nicht vorwerfen.