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Start Blog Seite 1146

Ian Anderson – Lebensaufgabe: Musiker

Ian Anderson Band @ Carl Glover (1)Ian Anderson ging es immer nur um die Musik. Obwohl der heute 67-jährige Brite seit über 45 Jahren als Kopf der so ungemein vielschichtigen Rock-Institution Jethro Tull und als Solokünstler ohne Scheuklappen von Erfolg zu Erfolg eilt, ist ihm das Rockstar-Dasein immer genauso zuwider gewesen wie die Oberflächlichkeit der Popmusik. Dass er auf seinem neuen Solowerk HOMO ERRATICUS nicht nur musikalisch äußerst ambitioniert zu Werke geht, sondern auch gleich noch 7000 Jahre britischer Geschichte aufrollt, überrascht da wenig.

Ein klassisches Interview findet bei unserem Treffen mit Ian Anderson im Kölner Hilton Hotel nicht statt. Am Ende von zwei langen Tagen mit im Halbstundentakt wechselnden Pressevertretern hat der von jeher als dominanter Gesprächspartner bekannte Jethro-Tull-Vordenker alles gesagt. Gegenüber CLASSIC ROCK beschränkt er sich darauf, über die Dinge zu monologisieren, die er auch in den Liner Notes zu HOMO ERRATICUS bereits thematisiert hat, oder er schwadroniert über seine Enkel oder die Reaktionen der westlichen Welt auf die Krim-Krise, die in dem Satz „Ich habe das Gefühl, dass Obama keine allzu große Leuchte ist“ kulminiert. Gezielte Fragen sind praktisch unmöglich, und die Versuche, ihn zumindest hier und da in seinem Redeschwall zu zähmen und ihn mit Einwürfen in eine andere Richtung zu lenken, werden mehr als einmal einfach übergangen oder mit einem strengen Oberlehrerblick über den Brillenrand getadelt.
Das ist natürlich nur allzu verständlich, schließlich haben wir es hier mit einem Musiker zu tun, der in 45 Jahren gelernt hat, die Medien für seine Zwecke zu nutzen. Seitdem er 1969 erstmals einen ganzen Tag damit verbracht hat, ausschließlich über sich und seine Musik zu reden, weiß er, wie der Hase läuft. Doch bei aller Routine: Vor der Aufgabe, die ihn am Tag nach seiner Rückkehr aus Köln erwartet, hat er dennoch ein bisschen Bammel. „Ich muss morgen eine ganze Reihe von kurzen Interviews fürs Radio geben“, verrät er. „Für gewöhnlich läuft das so, dass jemand für dich die Anrufe erledigt und du im Zehn-Minuten-Takt live bei irgendwelchen morgendlichen Radiosendungen in den USA zugeschaltet wirst, die in der Regel von ach so witzigen Moderatoren vom Schlage eines Howard Stern moderiert werden. Das Schwierige dabei ist, dass sich ein Gespräch nahtlos an das nächste anschließt und du nur sehr wenig Zeit hast, dich auf ein Gegenüber einzustellen, das du nicht sehen kannst. Ich muss also sehr auf der Hut sein – und dabei freundlich bleiben. Inzwischen habe ich den Bogen raus, aber das Ganze ist dennoch sehr ermüdend. Am Ende muss ich ein Aspirin einwerfen, einen warmen Kakao trinken und mich erst mal hinlegen, weil ich so erschöpft bin!“
Dennoch akzeptiert Anderson, dass Trommeln zum Handwerk gehört. In manch anderer Hinsicht hat er dagegen nicht dem Gruppendruck nachgegeben. Während sich viele andere Musiker seiner Generation in den 60ern und 70ern kopfüber in Sex, Drugs und Rock’n’Roll stürzten, war Anderson nie jemand, der viel um die Häuser gezogen ist, auch wenn ihn das nicht immer besonders beliebt bei seinen Kollegen gemacht hat. „Ich bin nicht einfach weniger als andere um die Häuser gezogen, ich habe das überhaupt nicht gemacht“, stellt er lachend klar. „Ich habe auch nicht weniger Drogen genommen, sondern überhaupt keine! Aber natürlich hast du Recht: Es ist einigen meiner Musikerkollegen sauer aufgestoßen, dass ich nicht mit ihnen um die Wette saufen wollte und nicht an all den anderen üblichen Lifestyle-Aktivitäten teilnahm. Das war einfach nicht das, was mich interessierte. Ich wollte lieber früh ins Bett und ein gutes Buch lesen oder die ‚Dick Cavett Show‘ oder ‚Johnny Carson‘ gucken.“ Eine plausible Erklärung dafür hat er auch gleich noch parat: „Wir standen damals jeden Abend zwei Stunden vor Tausenden von Menschen auf der Bühne. Das ist eine Menge Gesellschaft! Danach wollte ich einfach nur noch allein sein.“
Daran hat sich bis heute nichts geändert, mal abgesehen davon, dass Anderson heute auf seinen US-Tourneen von seiner Frau begleitet wird, die für die Finanzen seiner Auftritte in Übersee verantwortlich ist und auch den Mietwagen kutschiert. „Das bedeutet, dass wir vier Wochen lang praktisch 22 Stunden am Tag zusammen sind“, rechnet der Brite vor. „Nur wenn ich auf der Bühne stehe, sind wir getrennt. Das ist eine sehr intensive Erfahrung! Danach weißt du wirklich, was es heißt, verheiratet zu sein!“ Dennoch ist Anderson seit inzwischen fast 40 Jahren glücklich mit seiner Gattin. „Ja, genau gesagt sind es 38, unser Hochzeitstag liegt gerade eine Woche zurück“, verbessert er. „Das Beste daran ist, dass wir – wenngleich unbeabsichtigt – ein gutes Vorbild für unsere Kinder sind. Mein Sohn arbeitet ja mit mir, seitdem er die Universität abgeschlossen hat, und meine Tochter hat gerade eine Produktionsfirma mit einigen berühmten Schauspielern gegründet. Das heißt leider, dass sie nicht mit mir zusammenarbeiten wird, sondern mit ihrem Ehemann, der auch Schauspieler ist. Trotzdem freut es mich, dass sie gewissermaßen die Tradition eines Familienunternehmens fortsetzt. Der Gedanke, dass man als Familie auch zusammen arbeitet und sich nicht nur gemeinsam zum Essen hinsetzt und dann und wann gemeinsam in den Urlaub fährt, gefällt mir sehr. Das mag sehr altmodisch erscheinen, aber wenn es funktioniert, ist es großartig.“
Bei so viel Bodenständigkeit verwundert es nicht, dass Anderson den Beruf des Musikers schon früh als Langzeit-Perspektive betrachtete, während viele seiner Zeitgenossen nur zur Gitarre griffen, um einige wenige Jahre das gute, wilde Leben zu genießen und so den Eintritt in die Welt der Nine-to-five-Jobs hinauszuzögern. „Die Jazz- und Bluesmusiker, die ich in jungen Jahren verehrt habe, waren alle so alt wie mein Vater“, setzt er zu einer Erklärung an. „Ich bin also mit der Annahme aufgewachsen, dass Musik etwas ist, das du machst, bis du alt bist und stirbst. Als ich mich 1967 auf eine professionelle Musikerkarriere festlegte, war ich deshalb einigermaßen sicher, dass ich daran festhalten würde, bis ich 60 oder 70 Jahre alt sein würde. Musiker zu sein, ist eben eine Lebensaufgabe.“
Jethro Tull starteten in den späten 60ern in den Blues-Zirkeln von London, doch schon Anfang der 70er war nach den ersten von vielen Umbesetzungen aus der Band ein ambitioniertes Kollektiv geworden, das Jazz, Rock, Prog und sogar Klassik verband und in dem vollbärtigen, zottelhaarigen, Querflöte-spielenden Anderson einen immer etwas exzentrisch anmutenden Frontmann ge-funden hatte. Mit Alben wie AQUALUNG oder THICK AS A BRICK rannte die Band schnell offene Türen ein, und bald waren weltweite Arena-Tourneen für die Briten an der Tagesordnung. Auch musikalische Kurskorrekturen – zunächst, mit MINSTREL IN THE GALLERY (1975) in Richtung Folk, später auch in Richtung härterer Gefilde, etwa mit dem Grammy-prämierten CREST OF A KNAVE (1987) – taten der Popularität dabei überhaupt keinen Abbruch.
Kein Wunder also, dass Anderson in der Rückschau nicht wirklich etwas zu bereuen hat. Lediglich die Tatsache, dass ihn der Name Jethro Tull praktisch sein gesamtes Musikerleben lang begleitet hat, nagt inzwischen doch ziemlich an ihm. Der echte Jethro Tull war ein Pionier der Landwirtschaft, der mit der Erfindung der Drillmaschine sein Gewerbe im frühen 18. Jahrhundert revolutionierte. Heute kann man ihn noch nicht einmal mehr richtig googeln, weil alle Verweise auf Jethro Tull zur Band führen. „Ich fühle mich wirklich schrecklich dabei, wenn ich daran denke, jemandem die Identität gestohlen zu haben“, gibt Anderson unumwunden zu. „Ich habe den Namen einer Person der Historie genommen und ihn kommerziell ausgeschlachtet. Das ist nun wirklich nicht die feine Art! Meine Entschuldigung dafür ist, dass ich solch ein fauler Geschichtsstudent war, dass ich nicht wusste, wer Jethro Tull war, als ich der Band 1968 den Namen gab. Ich bereue wirklich, dass ich damals keinen Namen finden konnte, mit dem ich auch heute noch glücklich sein könnte. So stolz ich auch auf unser Gesamtwerk bin und die Band mit all den 28 Musikern, die über die Jahre in Jethro Tull gespielt haben, fühle ich mich doch sehr schuldig wegen des Identitätsdiebstahls, und es wird immer schlimmer, je älter ich werde. Ehrlich gesagt kann ich mir nicht vorstellen, unter dem Namen in Zukunft noch einmal eine Platte zu veröffentlichen.“
Folglich erscheint Andersons neues Werk unter seinem eigenen Namen. Auf HOMO ERRATICUS (zu Deutsch: der Landstreicher) taucht er tief in die Geschichte seiner britischen Heimat ein, reist 7000 Jahre zurück nach Doggerland, der Landmasse, die vor dem Anstieg des Meeresspiegels Kontinentaleuropa und Großbritannien verband, streift das Zeitalter der Jäger und Sammler, den Alltag in der Eisenzeit, das aufkeimende Christentum, schlüpft in die Rolle eines Schuljungen im 17. Jahrhundert oder in die eines Eisenbahningenieurs in den 1840er-Jahren, thematisiert das Viktorianische Zeitalter, die Schrecken von zwei Weltkriegen und den Verlust des britischen Empires, um am Ende ein düsteres Zukunftsszenario zu malen, bei dem es nicht zuletzt um politisch heiße Eisen wie das Problem der Migration in einem immer stärker bevölkerten Europa geht.
Damit verfolgt Anderson zwei entgegengesetzte Ansätze, die ihn dennoch schon seit langem faszinieren: Einerseits sein Interesse an Geschichte und andererseits seine Liebe zu Science-Fiction, die ihn im Teenageralter nicht nur zu einem Fan der Kurzgeschichten der einschlägigen Autoren, sondern auch zu einem begeisterten Leser von Sci-Fi-Magazinen wie „If“ machte. Dabei beeindruckten ihn schon damals weniger die Storys von Monstern und anderen angsteinflößenden Dingen, sondern die cleveren Kommentare zur Gesellschaft der Zukunft. „Letztlich steckte die Idee dahinter, dass man etwas für die Gegenwart lernen kann, indem man sich vorstellt, wo die Reise in der Zukunft hingeht“, erklärt er. „Geschichte dagegen funktioniert ja andersherum. Man versucht, mit den Fehlern der Vergangenheit die Gegenwart zu erklären.“
Für HOMO ERRATICUS bedient sich Anderson einmal mehr des bereits auf den beiden THICK AS A BRICK-Alben aufgetauchten Gerald Bostock, der, wenn man der umfangreichen Hintergrundstory glaubt, die Anderson zu seinem neuen Album verbreitet, auf der Suche nach neuen Herausforderungen in einer kleinen Bücherei im Südwesten von England auf ein unveröffentlichtes Manuskript des Hobby-Historikers Ernest T. Parritt (1865-1928) stieß und dessen Aufzeichnungen – entsprechend dramatisiert und mit metaphorischen Bezügen zur Gegenwart aufgebauscht – zu Songtexten umformte, die Anderson anschließend nur noch vertonen musste. „Gerald ist ein prima Hilfsmittel beim Schreiben“, erklärt Anderson die erneute „Zusammenarbeit“. „Als mein Alter Ego sagt er all die Dinge, die ich nie sagen würde. Er kann sogar Sachen sagen, an die ich nicht glaube, denn seine Sichtweise muss nicht unbedingt meine sein.“ Noch wichtiger ist ihm allerdings, dass er mit Bostock eine Figur erfunden hat, die schillernder und unterhaltsamer ist als er selbst. „Das ist letztlich das, was immer passiert, wenn du über Menschen schreibst“, ist er sicher. „Du erfindest Figuren und Szenarien, die unterhaltsam sind. Wenn du für Film oder Fernsehen schreibst oder Buchautor bist, wird das als vollkommen normal akzeptiert. Allen ist klar, dass die Personen dort nicht real sind. Aus irgendeinem Grunde ist das bei der Pop- und Rockmusik anders. Dort wird immer angenommen, dass der Sänger ausschließlich von sich selbst singt. Das liegt daran, dass die Popmusik ein sehr begrenztes Vokabular besitzt. Viel mehr als ‚Ich bin verliebt!‘ / ‚Ich bin nicht verliebt!‘ existiert dort leider nicht. Es ist allerdings schlichtweg eine Fehlannahme, dass es keine Ausnahmen von dieser Regel gibt.“
Doch nicht nur inhaltlich geht Anderson auf seinem neuen Album ambitioniert zu Werke, auch musikalisch scheut er sich nicht, die Erwartungen seines Publikums auszuhebeln, indem er dieses Mal – durchaus passend zu den ungeschönten Wahrheiten der Texte – unerwartet harte Töne anschlägt. Die Gründe dafür sind allerdings pragmatischer. „Ich habe vor ein, zwei Jahren des Öfteren gesagt, dass meine nächste Veröffentlichung ein Rock-Album sein wird, auf dem ich praktisch keine Akustikgitarre spiele. Nachdem ich das einige Male öffentlich geäußert hatte, fühlte ich mich verpflichtet, der Idee treu zu bleiben“, erklärt er. „Außerdem habe ich auch gesagt, dass ich noch mal ein Rock-Album machen will, bevor ich sterbe, und vielleicht ist mir das mit HOMO ERRATICUS nun gelungen.“ Ganz abgesehen davon gefällt ihm die Idee, dass die meisten Menschen bei einem Ian-Anderson-Solowerk ein esoterisch-akustisches Werk erwarten, aber dieses Mal etwas ganz anderes bekommen.
Obwohl in den kommenden Monaten nun zunächst eine ausgiebige Tournee ansteht, auf der Anderson HOMO ERRATICUS aufführen wird, bevor er sich im zweiten Teil der Aufritte den Hits von Jethro Tull widmen will, ist er in Gedanken schon damit beschäftigt, seine nächste Veröffentlichung zu planen: Ein Album, auf dem er die Klassiker von Jethro Tull singt, begleitet lediglich von einem Streichquartett. Die Hälfte der Arrangements steht bereits, der Rest soll in Bälde folgen. „Ich bin in den letzten Jahren des Öfteren mit Streichern aufgetreten und habe das immer sehr genossen“, verrät er den Ursprung der Idee. Viel Kalkül steckt allerdings nicht hinter der Idee, die Greatest Hits noch einmal neu einzuspielen. „Ich sehe das nicht als Mainstream-Veröffentlichung, sondern als etwas, das sich in erster Linie an unsere eingefleischten Fans richtet“, unterstreicht er. „Die Musik ist für Hochzeiten und Beerdigungen gedacht. Obwohl das Album nur für einen kleinen Adressatenkreis interessant sein wird, muss ich mir also dennoch besondere Mühe geben. Denn wenn jemand zu meiner Musik beerdigt wird, sollte sie zumindest gut sein!“

Bob Wayne – Country im Slayer-Shirt

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Bob Wayne 3Er nennt seinen Stil Outlaw-Country, orientiert sich an Querköpfen wie Waylon Jennings und David Allan Coe und liebt Bluegrass. Dieser Tage veröffentlicht Bob Wayne sein neues Album BACK TO THE CAMPER und liefert damit wieder Country der anderen Art.
„In den 70er-Jahren gab es die typische Nashville-Formel und die Produzenten und Plattenfirmen erzählten den Musikern, was sie zu spielen hatten“, erzählt Bob. „Waylon Jennings wandte sich dann davon ab, entschied sich, seine Platten auf seine Weise aufzunehmen und stieg damit bis an die Spitze. So arbeite ich auch. Ich schreibe meine Songs und produziere und nehme sie dann selbst auf.“ Die Mainstream-Country-Bands in den USA findet er „fürchterlich“. Stattdessen begreift sich Bob als Underground-Musiker, der sich auch im Metal-Genre zuhause fühlt. „Als Teenager lernte ich so viele Metallica- und Black-Sabbath-Riffs wie ich konnte“, schmunzelt er. „Ich liebe diese Musik nach wie vor, aber mich hat Country-Musik eben auch immer sehr angezogen. Die ersten Songs, die ich spielen konnte, waren von Hank Williams sr., und mein erstes Live-Konzert war Johnny Cash, als ich elf Jahre alt war. Ich finde, die Metal- und Country-Legenden scheinen beide durch meine Musik – der Metal-Anteil vor allem live.“ So sieht man bei Bob-Wayne-Shows Slayer- neben Johnny-Cash-Shirts und Zwölfjährige neben ihren Großvätern stehen. „Wir blicken von der Bühne aus auf Black-Metaller ebenso wie auf Cowboy-Hüte und Durchschnittsmenschen“, lacht der Musiker, der laut einem seiner Songs hofft, eines Tages in den „Hillbilly Heaven“ zu kommen. Und was erwartet ihn dort? „Jesus betrunken in der ersten Reihe bei einem Lynyrd-Skynyrd-Konzert und natürlich viele schöne Frauen!“ Gute Aussichten. Auch für seine irdischen Überreste hat der Country-Punk klare Vorstellungen, wie er abschließend mit einem Songzitat klarmacht: „Spread my ashes on the highway after I am dead and gone, my last wish is for you all to remember me, in a song.“ Das Album BACK TO THE CAMPER sollte dabei helfen!

Black City – Feurige Newcomer

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black-city-fire-5664Ein Jahr nach der dänischen Heimat der Band kommt nun auch Deutschland in den Genuss des zweiten Black-City-Albums FIRE. Probleme, die Scheibe so viele Monate später noch mit dem nötigen Enthusiasmus zu promoten, haben unsere beiden Gesprächspartner, Sänger/Gitarrist Bjørn Poulsen und Lead-Gitarrist Kristian Klærke, keineswegs. „Dadurch, dass wir die Songs nun schon ein Jahr lang live spielen, kennen wir sie doch viel besser“, lacht Kristian. Im Vergleich zum selbstbetitelten Debüt aus dem Jahr 2010 sollte der aktuelle Longplayer persönlicher und organischer werden, weshalb sich Black City viel Zeit für das Songwriting ließen. Am Ende standen sie mit doppelt so vielen Stücken wie benötigt da und mussten erst einmal aussieben. Doch was hat sich konkret seitdem verändert? „Jede Band versucht doch, ihren eigenen Sound zu finden. Das ist bei uns nicht anders. Mit diesem Album sind wir wieder einen Schritt weiter“, entgegnet der Gitarrist lakonisch. Aufgenommen haben sie den Großteil der Tracks zusammen live im Studio, laut Kristian eine „großartige Erfahrung“. An den Reglern saß Nick Foss (D-A-D u.a.). „Er ist sehr streng und weiß genau, was er will“, so Bjørn. „Wir mussten unseren Stolz manchmal ganz schön überwinden, aber so-lange am Ende der Sound stimmt, hat er alles richtig gemacht.“
Nach ihrem Debüt verbrachten Black City viel Zeit mit Tourneen durch Dänemark, Finnland und Schweden. Das Highlight waren Opening-Shows für AC/DC und Ozzy Osbourne. „Es war fantastisch, aber auch irgendwie irreal“, so Bjørn, der zugibt, dass speziell die AC/DC-Show für ihn sehr hart war und dass er sich bis eine Stunde nach dem Auftritt schlecht gefühlt habe. „Ich hatte das Gefühl, im Weg zu stehen. Aber im Rückblick war es dennoch eine tolle Erfahrung“, sagt er. Persönlich getroffen haben sie die Stars aber nicht. „Nein, sie kamen erst kurz vor ihrer Show mit der Limousine. Da wollten wir nicht stören“, gibt sich Kristian be-scheiden. Das dürfte bei den kommenden Deutschland-Gigs mit Mono Inc. sicher ein wenig anders laufen. Kristian und Bjørn freuen sich jedenfalls schon sehr auf diese Tour und lassen sich die Laune auch davon nicht verderben, dass viel Gothic-Publikum zu erwarten ist. Bjørn betont: „Ich finde, beide Bands passen sehr gut zusammen, denn am Ende ist doch alles einfach Rock’n’Roll!“ Wo er Recht hat … In diesem Sinne: Feuer frei!

 

Kyng – Keine Tricks und hohe Ziele

KYNG-3-300dpi _Tory_Pendergrass copy„Heavy, ehrlich und fokussiert“, das sind die Schlagworte, die Kyng selbst benutzen, um ihr packendes Zweitwerk BURN THE SERUM zu beschreiben. Bei dem durchschlagskräftigen kalifornischen Trio mit mexikanischen Wurzeln trifft eine unverhohlene Liebe zum Metal und Hard Rock der 70er Jahre auf ein Faible für melodische Songs und durchdachte Texte. Dabei waren Sänger/Gitarrist Eddie Veliz, Bassist Tony Castaneda und Drummer Pepe Clarke Magana vor rund sechs Jahren eigentlich nur auf der Suche nach ein wenig musikalischer Zerstreuung abseits ihrer sonstigen Band-Aktivitäten, als sie sich zum ersten Mal im Proberaum trafen. Doch aus ein bisschen ungezwungenem Jammen wurde schnell mehr. „Magisch“ nennt Pepe die erste gemeinsame Probe, als wir ihn beim Tourstopp in Boise, Idaho, erwischen. „Ich kann mich nicht erinnern, jemals eine so starke Verbindung zu anderen Musikern gespürt zu haben“, sagt er und klingt selbst heute noch ein wenig verwundert über den unerwarteten Segen. Konkrete musikalische Ziele hatten Kyng allerdings zunächst nicht. „Wir haben die Band nicht gegründet, weil wir auf der Suche nach einem bestimmten Sound waren“, erklärt Pepe. „Unsere Musik spiegelt einfach wider, dass wir alles von Black Sabbath, Jethro Tull und Thin Lizzy über Alice In Chains, Foo Fighters und Soundgarden bis hin zu Slayer, Megadeth und Sepultura mögen.“ Bald klarer umrissen waren dagegen die Kyng’schen Ambitionen. „Wir hatten immer hohe Ziele“, bestätigt Pepe. „Wir wollten definitiv von Anfang an mehr sein als nur eine lokale Größe.“ Dafür hat das in Los Angeles heimische Trio in den drei Jahren seit der Veröffentlichung seines Debüts TRAMPLED SUN hart gearbeitet und viel Zeit mit The Sword, Black Stone Cherry und In Flames auf Tour verbracht. Für den Nachfolger griffen Kyng zudem auf das erfahrene Produzententeam Jim Rota und Andrew Alekel zurück. Doch auch wenn die beiden während der Sessions das Optimum aus Band und Material herauskitzelten, ist Pepe davon überzeugt, dass die Grenzen des in klassischer Power-Trio-Besetzung Machbaren für Kyng noch lange nicht erreicht sind. Spuren aus der Konserve dazu zu mogeln, kommt deshalb für seine Band nicht infrage. „Dass Musiker zu Backingtracks spielen, sieht man ja mittlerweile überall. Wir sind allerdings strikt dagegen“, sagt der Trommler bestimmt. „Wenn du uns live siehst, hörst du ausschließlich das, was wir selbst spielen!“ Schließlich sind Kyng nicht nur heavy und fokussiert, sondern eben auch ehrlich.

Santana – Spiel ohne Grenzen

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santana_illu15 Jahre nach SUPERNATURAL versucht es der Altmeister mit einer Latin-Variante des legendären Megasellers. Dass die Hälfte
der beteiligten Künstler hierzulande weitestgehend unbekannt sind, stört ihn wenig. Hauptsache, die Botschaft stimmt. Und die lautet  auf CORAZON einmal mehr Liebe, Frieden und multikulturelle, grenzüberschreitende Musik – eben wie einst in Woodstock.  CLASSIC ROCK hat den 66-Jährigen in Madrid getroffen und eine 30-minütige Lektion in Sachen Weltoffenheit erhalten.

Carlos, du hast immer gerne mit Latin-Vibes experimentiert, ihnen aber noch nie ein ganzes Album gewidmet. Bis jetzt…
Ich weiß. (lacht) Aber es war einfach Zeit dafür. Und es war mein Manager, der meinte: „Ich habe da eine Idee – warum machen wir nicht SUPERNATURAL mit Latin-Künstlern?“ Ich dachte erst, ich höre nicht richtig. Aber je mehr ich darüber nachdachte, desto besser fand ich den Vorschlag. Wir haben uns dann nach und nach befreundete Künstler ins Studio geholt und verschiedene Songs probiert, die so etwas wie Standards oder Klassiker dieses Genres sind. Was ein bisschen was davon hatte, als ob man einen Film dreht. Denn jeder Song stellt eine andere Szene mit anderen Schauspielern dar, die ich nach meinen Vorstellungen und Wünschen dirigieren konnte.

Da du gleichzeitig ein festes Engagement im House Of Blues in Las Vegas hattest: Bist du tagsüber ins Studio und abends auf die Bühne gegangen?
Ganz genau – ich habe einfach eine Doppelschicht geschoben. Und das hat sich gelohnt. Denn es war eine Offenbarung. Die Leute sind von überall gekommen – aus Argentinien, Kolumbien, Spanien, woher auch immer. Alles, was ich machen musste, war anwesend zu sein, ihnen tief in die Augen zu schauen und meinen Teil zu dem beizusteuern, was da passierte.
Was hat dich überhaupt ins Mekka des Glückspiels verschlagen? Und vermisst du San Francisco nicht – das Meer, die Luft, das Urbane?
Mein Zuhause befindet sich in meinem Herzen. Ich kann überall auf der Welt leben. Und jeder Ort, an dem ich mich aufhalte, ist nur ein weiterer Raum. Der Grund, warum ich gerade so viel Zeit in Las Vegas verbringe, ist einfach der, dass ich die Wüste liebe. Ganz abgesehen davon war ich von 1962 bis 2010 in San Francisco. Und nachdem ich mich erst einmal entschieden hatte, wegzuziehen, ist mir das auch nicht sonderlich schwer gefallen. Ich meine, ich bin immer noch oft in der Bay Area. Einfach, weil ich ein Haus in Tiburon habe – und vier Schwestern und zwei Brüder. Aber dort stehst du ständig im Stau, weil die Leute zu stolz sind, um öffentliche Transportmittel zu nutzen. Das wird seit 35 Jahren immer schlimmer. Und deshalb gibt es nur eine Lösung: Du musst die Dimension, in der du dich bewegst, ändern, und in eine andere, bessere wechseln. Darum geht es: Man muss über den Dingen stehen und es anders machen als alle anderen. Womit wir dann bei CORAZON wären, bei dem mentalen Schlüssel.

Also steckt hinter dem Titel nicht nur der spanische Begriff für „Herz“, sondern schon ein bisschen mehr?
Stimmt. Das Herz verteilt nicht nur das Blut in deinem Körper und deinem Gehirn, sondern von ihm gehen auch Inspiration, Anspruch und Wille aus. Das sind alles kraftvolle Energien. Also der Stoff, den Menschen brauchen, um Wunder zu bewirken, um etwas Besonderes zu leisten. Deshalb auch dieses Sprichwort: „Der Kopf ist nicht nur ein Huthalter und das Herz mehr als ein Organ, das Blut pumpt.“ Das Herz ist eine Tür zur Ewigkeit. Die Leitung, durch die Songs wie ›Imagine‹ oder ›One Love‹ fließen. Es ist zweifellos der Kanal, aus dem die besten Stücke dieser Welt stammen.

Nach welchen Kriterien hast du die Künstler für dieses Projekt ausgewählt? Und warum sind da etliche am Start, die in Europa gänzlich unbekannt sind – war dir das etwa nicht wichtig?
Na ja, in ihrer Heimat füllen sie sogar Stadien. Im Ernst: Los Fabulosos Cadillacs, Skank oder Diego Torres sind bei sich Zuhause absolute Superstars, die jedes Kind kennt. Und die Songs bzw. die jeweiligen Künstler für die einzelnen Songs auszusuchen, war für mich ein echter Traum. Wie etwa die Nummer von Cesaria Evora, der Königin der Latin-Musik, die jetzt Gloria Estefan singt. Was ja passt, denn Gloria ist die neue Königin dieser Musik. Und diesen Status fordert sie ein, sobald sie singt. Da ist sie wie Santana: Sie hat es einfach drauf – das gesamte Programm. (lacht)

Wobei du dich nicht auf traditionelle Latin-Töne beschränkst, sondern auch auf progressive Sachen wie etwa Ska zurückgreifst. Einfach, um Offenheit bzw. Flexibilität zu demonstrieren?
Und weil das tolle Musik ist. Sie basiert auf Polka, eine der fröhlichsten Sachen, die es gibt. Was ja auch der Grund ist, warum z.B. das Oktoberfest in München gefeiert wird – es ist einfach ein willkommener Anlass, um eine lokale Version davon zu spielen. Wenn du dann noch dieses afrikanische Element einfließen lässt, wird es zu Ska. Was nichts anderes ist als das, was in New Orleans als „Sadico“ und in Südafrika als „Zulu“-Musik bezeichnet wird. Es hat unterschiedliche Namen, aber im Grunde ist es Polka. (lacht) Und sie steht dafür zu feiern und fröhlich zu sein. Ich glaube, es ist das erste Mal überhaupt, dass ich mich daran versucht habe. Und ich würde gerne mehr davon machen. Denn ich mag den Klang des Akkordeons, egal ob es aus Südafrika, Argentinien, Frankreich oder New Orleans stammt.

Ist das die Zukunft: Santana goes Polka?
(lacht) Warum nicht? Das könnte ich mir durchaus vorstellen. Schließlich habe ich ja auch Gypsy-Blut in meinen Adern. Das schlägt immer wieder durch…

Warum dann aber ein Cover von Bob Marleys ›Iron, Lion, Zion‹, zusammen mit seinem ältesten Sohn Ziggy? Wie passt das in den Latin-Kontext?
Weil es letztlich gar nicht so wichtig ist, ob das Ganze auf Spanisch gesungen wird, von einem Spanish Lover handelt oder was auch immer. Der entscheidende Punkt ist vielmehr: Wir spielen alle afrikanische Musik. Also, egal was unter dem Begriff „Latin“ firmiert, es kommt alles von dort. Und ›Iron, Lion, Zion‹ ist ein unglaublich kraftvoller Song – wie ein Zug. Ich mag Stücke, die eine solche Dynamik haben. Deshalb freue ich mich auch wahnsinnig auf die US-Tournee mit meinem Bruder Rod Stewart, die Ende April anläuft. Und ›Iron, Lion, Zion‹ ist ein Stück, das ich gerne live mit ihm bringen würde. Oder alternativ dazu vielleicht auch ›Satisfaction‹ von den Rolling Stones. Allerdings in der Version, wie sie Otis Redding 1967 in Paris gebracht hat. Das war ebenfalls wie ein Zug – wie eine gut geölte Lokomotive. Und ich habe keinen Zweifel: Hätte Bob Marley uns nicht so früh verlassen, er und ich hätten garantiert zusammen Musik gemacht. Genau wie Marvin Gaye, Jimi Hendrix oder Stevie Ray Vaughan – sie alle hätten irgendwann mit mir gejammt. Einfach, weil wir für dieselbe Sache stehen: Für universelle Musik, die keine Grenzen und Schubladen kennt.

Und die nicht einmal vor einer Dance-Version von ›Oye Como Va‹ zurückschreckt?
Richtig. Ich habe mir meinen Bruder Pitbull sehr genau angeschaut, und alles, was er anfasst, verwandelt sich in Musik, die unzählige Menschen glücklich macht. In Amerika läuft sie überall. In jedem Stadion, bei Basketballspielen, in der Halbzeitpause von Football-Begegnungen, usw. Einfach, weil sie die Leute in Feierlaune versetzt und auch bei der Jugend ankommt. Wenn alles klappt, wird ›Oye‹ nun schon zum dritten Mal ein Hit. Denn es war ja bereits auf ABRAXAS und SUPERNATURAL vertreten. Insofern hat der Song etwas von einem Fluss, der nie versiegt.

Was will Carlos Santana der Jugend – sofern er sie erreicht – sagen bzw. mit auf den Weg geben?
Das sie endlich aufhören soll, Playback zu singen. Denn das ist unerträglich! Macht es wieder richtig und in realer, nicht virtueller Zeit. Habt das Selbstvertrauen, ein Mikro in die Hand zu nehmen und denjenigen, die euch zuhören, eine Gänsehaut zu verpassen. Denn mit Playback lässt sich das kaum erreichen. Das ist ja Musik aus der Konserve – sie hat einen Deckel, ein Dach. Also: Nehmt den Deckel ab, geht zurück in die Zukunft, aber hört auf mit diesem Playback-Blödsinn.

Hast du keine Angst, deine alten Fans mit ›Oye 2014‹ zu verschrecken? Stellst du sie da nicht auf eine ziemliche Belastungsprobe?
Wenn ich nur Sachen für die alten Fans machen würde, hätte es SUPERNATURAL nie gegeben. Und ich bin ja auch kein Hamster im Laufrad oder sonst ein Tier, das in einen Käfig gesperrt wird, um zu tun, was man von ihm erwartet. Natürlich gibt es immer Leute, die sagen: „Das Stück bedeutet mir so viel, weil ich dazu zum ersten Mal Sex auf dem Rücksitz eines Autos hatte.“ Dem kann ich nur entgegnen: „Hey, das ist OK. Aber besorg dir endlich ein neues Auto und versuch es noch mal.“ Stimmt doch, oder? Deshalb ist meine neue Lieblingsformulierung: „Seht bloß zu, dass euer Verstand nicht in eurem Hirn stecken bleibt. Und erwartet das auch nicht von mir.“ Denn ich bin frei und ich mache Musik mit wem ich will – egal, ob das Wayne Shorter, Herbie Hancock, Andrea Bocelli, Justin Timberlake, Justin Bieber oder Lady Gaga ist. Wenn sie mit mir aufnehmen wollen, ist das eine Ehre und ein Privileg. Punkt. Ich würde mir nie herausnehmen zu sagen: „Ich stehe über ihnen.“ Denn das tue ich nicht. Ich stehe nicht unter, aber auch nicht über anderen Künstlern. Wenn mich jemand einlädt, muss ich mir nur den jeweiligen Song anhören, um zu wissen, ob ich etwas dazu beitragen kann, oder nicht.

Wenn CORAZON das spanische SUPERNATURAL ist: Wird es einen zweiten Teil davon geben? Wen hast du dafür in der Hinterhand?
Das hängt allein von den Songs ab. Aber ganz ehrlich? Ich glaube nicht, dass es soweit kommen wird. Das haben wir ja schon einmal versucht – mit SHAMAN. Und wirklich funktioniert hat es nicht. Weshalb das, worauf ich mich als nächstes konzentriere, auch ein neues Album mit der Originalbesetzung von Santana sein wird – mit Gregg Rolie, Michael Shrieve und Michael Carabello. Das ist das Nächste, was kommt. Sprich: Sobald ich mit CORAZON und dem Buch durch bin, das kurz darauf erscheinen wird. Es heißt „The Universal Tone“ und soll ein bisschen Licht in meine Geschichte bringen.

Also eine offizielle Autobiographie?
Ganz genau. Es gibt zwar schon ein paar Bücher über mich, aber die wurden von Leuten geschrieben, die nicht wissen, wer ich bin und wie ich rieche. Von daher nenne ich sie Geier. (lacht)

Wonach riecht Carlos Santana?
Nach Mexiko. (lacht) Nach Woodstock. Nach Freiheit und nach Liebe.

Tri State Corner – Dreiländereck im Bergischen Land

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_mg_0044Bei Tri State Corner aus dem Bergischen Land spielt Multikulturalität eine tragende Rolle. Mit Mitgliedern aus Deutschland, Polen und Griechenland ist eine Vielzahl an Kulturen gegeben, die sich auch auf die Musik des Quintetts auswirken. „Der griechische Hintergrund ist bei uns zwar durch den Einsatz der Bouzouki als Substitut zur Leadgitarre sehr dominant,“ erklärt Sänger Vassilios „Lucky“ Maniatopoulos. „Darüber hinaus spielt aber der kulturelle Hintergrund jedes Bandmitglieds eine Rolle. Christoph wuchs mit klassisch polnischer Musik und Punk Rock auf. Ein Einfluss, der uns eine sehr interessante Klangfarbe verleiht und ein Hintergrund, den wir ohne ihn sicher nie entdeckt hätten. Markus, Janni und ich sind in Deutschland aufgewachsen und haben natürlich auch diese Traditionen mit aufgenommen.“
Diese sind in ihrem neuen Album HOME deutlich zu erkennen. Griechische Klänge treffen auf polnische Folklore, gepaart mit jeder Menge Rock’n’Roll. Inhaltlich spinnen die Musiker die Geschichte ihres Vorgängers HISTORIA weiter. Dort vertonten sie die wahre Geschichte einiger Migranten in den 60er Jahren, die damit endete, dass die Protagonisten die Fremde nie wieder verließen, sondern dort ihre neue Heimat fanden und sich ein Leben aufbauten. „Mit HOME setzen wir thematisch genau an diesem Punkt an und führen die Zeitspanne weiter“, erzählt Lucky. „In HISTORIA schilderten wir die Vergangenheit. Jetzt beschreiben wir die Gegenwart, was aus diesen Nachkommen geworden ist. Und damit stellen wir auch einen Ausschnitt aus unserem eigenen Leben dar. Wie erfahren wir unsere Welt heute? Welche Probleme sehen wir in unserer Zeit? Was ist uns wichtig und was nicht?“
Am 23. Mai wird HOME erscheinen, doch ausgeruht haben sich Tri State Corner in den letzten Monaten nicht. Im März und April waren sie mir Axxis auf deren „20 Years Of Axxis-Tour“ unterwegs. Ein Erlebnis, an das sie noch lange zurückdenken werden. „Es war einfach großartig. Das Publikum hat uns sehr herzlich aufgenommen und auch die Band selbst ist mehr als angenehm. Es sind Menschen, die man gerne zu seinen Freunden zählen möchte, wenn man dazu die Chance bekommt.“ Im Herbst reisen sie dann mit Rage. „Auf diese Tour freuen wir uns auch unheimlich. Zum einen bin ich wohl einer ihrer größten Fans. Zum anderen hat unser Schlagzeuger Christos mehr als zehn Jahre bei Rage getrommelt. Es wird sicher sehr interessant, ihn und Peavey nach so langer Zeit wieder zusammen zu bringen.“ Und sonst? „Nun ja, ich denke wir werden noch einige Shows spielen und uns dann sofort an den Nachfolger setzen. Ehrlich gesagt: Wir schreiben jetzt schon an neuen Songs.“ Stillstand ausgeschlossen.

Was macht eigentlich: Cherrie Currie?

hoCherieCurrieDavid Bowie ist schuld, er ist für die Karriere der Runaways mitverantwortlich. Zumindest für den Look von Sängerin Cherrie Currie…
Nachdem sie als Teenie ein Bowie-Konzert gesehen hatte, mussten die Locken zugunsten eines David-Bowie-Hairstyles der ALADDIN SANE-Phase dran glauben. Ob Joan Jett und Produzent Kim Fowley sie wegen der coolen Frisur ansprachen, ist nicht überliefert. Jedenfalls lernten sich die zukünftigen Runaways in einer Disco kennen und Joan und Kim luden Cherrie zum Vorsingen ein. Bei der Audition konnte CC mit der eben erst von den beiden anderen geschriebenen Nummer ›Cherry Bomb‹ überzeugen, und die Girlstruppe, zu der von 1976 bis 1979 auch die berüchtigte Lita Ford gehörte, war komplett. ›Cherry Bomb‹ wurde zu einem der größten Hits der Mädels und räumte vor allem in Japan mächtig ab.
Cherrie ist auf den ersten drei Alben der Runaways zu hören, nach der 77er-Japan-Tour stieg sie aus und legte mit WILD AND YOUNG solo los. In den 80ern zog es Cherrie Currie zum Film, sie absolvierte Auftritte in Streifen wie „Foxes“, „Parasite“ und „Rosebud Beach Motel“. Auch in Fernsehserien wie „Murder She Wrote“ und Opa Simpsons Lieblingsreihe „Matlock“ tauchte sie auf. Bis heute ist der Ex-Runaway im US-Fernsehen zu erleben, wie kürzlich in „Celebrity Ghost Stories“, wo paranormale Erlebnisse von Promis thematisiert werden. Anfang der 80er gab es die Currie-Blue Band, 1989 erschien ihre Biographie „Neon Angel“. In den 90ern kam es zu einer Live-Reunion der Runaways und zu einigen Gastauftritten auf Scheiben von Rick Derringer und Marky Ramone.
Dann tauschte die Allrounderin das Mikro gegen die Kettensäge und wurde zu einem der wenigen weiblichen Chainsaw Artists. Wer sehen will, wie sie das Werkzeug schwingt, bekommt davon einen Eindruck auf der coolen Site www.ChainsawChick.com. Hier sieht man auch, dass der Bowie-Cut zwar nicht mehr angesagt, Frau Currie aber immer noch ziemlich heiß ist. Musikalisch ist die „singende Säge“ immer noch aktiv, 2013 hat sie zusammen mit Lita Ford die Nummer ›Rock This Christmas Down‹ veröffentlicht. Aktuell ist Currie auf BEAUTIFUL DISASTER, dem neuen Album der deutsch-amerikanischen Poser Shame-less, unter anderem mit dem Marc-Bolan-Titel ›Life’s A Gas‹zu hören. Eine Fortsetzung ist laut Shameless geplant. Currie rocks – immer noch!

Jack Bruce – Lieder aus dem Jenseits

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Jack Bruce_Marek HofmanDass Jack Bruce sein erstes neues Album seit zehn Jahren veröffentlicht, ist schon eine kleine Sensation. Dass er damit auch auf Tournee gehen wird, versetzt Fans allerorten in Verzückung. Umso mehr, als es an ein Wunder grenzt, dass der einstige Cream-Bassist überhaupt noch am Leben ist… Während er seine Heroinsucht besiegt hatte, forderten Jahrzehnte des regen Alkoholzuspruchs ihren Tribut: 2004 wurde eine Lebertransplantation nötig. Eine Operation, die glückte, sein Körper stieß das neue Organ nicht ab. Die Medikamente, die dies verhindern sollten, brachten ihn allerdings fast um – was die Ärzte lange nicht als Ursache erkannten. „Es war schon so weit, dass sie sagten, ich würde nicht überleben. Meine Organe versagten reihenweise. Aber plötzlich regte sich da was, und der Arzt sagte: ‚Oh, es scheint ihm ein bisschen besser zu gehen. Wenn wir ihn wieder auf die Intensivsta­tion verlegen, kommt er vielleicht durch, auch wenn es unwahrscheinlich ist“, blickt Bruce heute zurück. Es folgte ein induziertes Koma, der sogenannte Heilschlaf. „Ich war in diesem Koma, als die Idee einer Cream-Reunion aufkam. Irgendwie muss das zu mir durchgedrungen sein, denn es machte mich umso entschlossener, wieder gesund zu werden.“
Im Mai 2005 war es dann so weit: Ginger Baker, Jack Bruce und Eric Clapton spielten zum ersten Mal seit 1993 (und zweiten seit 1968!) wieder zusammen und versetzten London mit vier Shows in der Royal Albert Hall in helle Aufregung. „Dieser erste nervöse Schritt auf die Bühne war ziemlich bewegend. Sehr emotional, und ich weiß, dass Eric sich genauso fühlte, denn er hat es mir gesagt.“
Auch Bruces Rückkehr mit dem Album SILVER RAILS trägt einiges an emotionalem Gewicht. Nicht nur, weil er sich wieder mit seinem langjährigen Kreativpartner Pete Brown zusammentat oder seine Töchter Kyla und Natasha darauf zu hören sind (neben Größen wie Phil Manzanera, Robin Trower und Uli John Roth), sondern weil es eine fast schon übernatürliche Entstehung für sich reklamieren kann. „Ich habe während meines Komas alles Mögliche geschrieben.“ Nach seinem Erwachen gelang ihm es dann tatsächlich, all die Musik, die er in seinem Kopf verfasst hatte, aus seiner Erinnerung abzurufen. Ein versteckter Schatz, und es ist durchaus möglich, dass sein nächstes Album noch viel mehr darüber offenbaren wird, was an der Schwelle zum Jenseits durch sein Unterbewusstsein ging. Hoffentlich nicht erst in weiteren zehn Jahren…