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Rival Sons – Mit Freunden geht es besser

Wie man auf Probleme oder Krisen reagiert, wussten Lennon und McCartney nur zu gut. Sie vertrauten auf die Kraft des persönlichen Kontakts. „I get by with a little help from my friends“, heißt es in einem der bekanntesten Beatles-Songs von 1967. Das ist schon eine Weile her, aber an der Wichtigkeit von Freundschaften im Leben hat sich seitdem nichts geändert. Das wissen auch Rival Sons.

Rival Sons 2014 (4)Die kalifornische Rockband musste sich ihren Erfolg selbst erarbeiten und konnte nicht auf Helfer aus der amerikanischen Musikindustrie zählen. Das hat sie nicht groß gestört. Ihr erstes Album BEFORE THE FIRE haben Rival Sons aus eigener Tasche finanziert. Eine Testphase in Eigenregie ganz ohne Druck von außen erschien ihnen direkt nach Gründung im Jahr 2009 nicht verkehrt zu sein. Sie waren sich nicht sicher, ob sie überhaupt auf positive Reaktionen stoßen würden. Gerade Gitarrist Scott Holiday hatte zuvor erfahren müssen, dass man sich vorschnelle Euphorie besser erspart. In den Nullerjahren war er Mitglied der Band Human Lab, die ein Album für Atlantic Records aufgenommen hatte, das dann aus unerfindlichen Gründen nie veröffentlicht wurde. Mit der Nachfolgeformation Black Summer Crush lief es für ihn dann auch nicht besonders, weil die Chemie zwischen dem Sänger und dem Rest der Band nicht stimmte. So kam Jay Buchanan ins Spiel, der vorher ebenfalls diverse Versuche unternommen hatte. Als Sänger einer von Blues beeinflussten Rock’n’Roll-Band hat er sich zunächst nicht gesehen. Aber er versuchte es einfach einmal.

Er hat diesen Schritt nie bereut. Auch deshalb, weil die Band Bekanntschaft mit einem Mann machte, der unbedingt ihre Platten auf den Markt bringen wollte. Es war Digby Pearson, der Gründer des englischen Labels Earache. Die im englischen Nottingham aus der Taufe gehobene und heute auch über einen Zweigsitz in New York geleitete Firma hat sich mit spezieller Musik einen Namen gemacht. Mit Death Metal und Bands wie Napalm Death, Cathedral, Bolt Thrower und Hate Eternal. Eine ganz andere Schule. Rival Sons haben jedoch nichts falsch gemacht, als sie dem Werben von Pearson nachgaben. Nach dem ersten Treffen mit dem Brutal-Rock-Mogul nahmen Buchanan und seine Mitstreiter die Alben PRESSURE & TIME, HEADS DOWN (ein Top-40-Album in Deutschland) und das neue Werk GREAT WESTERN VALKYRIE für Earache auf. Auf dem Weg dahin ist ein freundschaftliches Verhältnis entstanden. Wir sprachen mit Buchanan im Berliner Showroom des Gitarren-Herstellers Gibson.

Worin liegt für dich das Erfolgskonzept in der Zusammenarbeit mit Earache Records? Ihr passt nicht gerade perfekt ins Repertoire.
Wir passen überhaupt nicht zu Earache. Es gibt wirklich keinen gemeinsamen Nenner. Aber wir sind Musiker, die ein Label brauchen, das uns vertraut. Wir benötigen finanzielle Unterstützung und Hilfe bei der Veröffentlichung unserer Platten. Als Digby mit unserem Manager in Kontakt getreten ist, wussten wir im ersten Moment nicht, was wir davon halten sollen. Wir dachten, da erlaubt sich jemand einen Scherz. Aber er hat sein Interesse immer wieder bekräftigt. Für ihn würden wir auf Entwicklungslinien hinweisen, die es vor der Entstehung des Heavy Metal gab. Am Ende haben wir das verstanden. Außerdem gefiel uns der Gedanke, dass wir im Earache-Repertoire wie ein bunter Hund auffallen.

Digby Pearson ist Engländer. Du kommst aus dem Land, in dem der Rock’n’Roll entstanden ist, ebenso der Blues. Es gibt in den USA unzählige Indie-Labels. Warum ist es für Rival Sons so schwierig, bei denen unterzukommen?
Diese Frage kann man sich schon stellen. Allerdings muss ich sagen, dass wir am Anfang nicht aufreizend mit den Schwänzchen gewedelt haben. Ich persönlich hatte nicht gedacht, dass wir viele Fans erreichen und in Hollywood spielen könnten. Ich sah das Ganze mehr als Nebenprojekt. Mir war nicht bewusst, dass es eine Nachfrage nach echtem Rock’n’Roll gibt. Das ist eine Musik, die heute für viele wie ein Signal aus der Vergangenheit ankommt. Aber trotzdem spürt man den Einfluss noch. Jack White und The Black Keys orientieren sich am Blues. Auch bei diesen Leuten war es nicht so, dass sie über Nacht damit erfolgreich wurden. Sie brauchten eine Anlaufzeit. Jetzt kann man sagen, dass ihre Popularität dazu geführt hat, dass Menschen aller Generationen wieder auf den Blues und ursprünglichen Rock’n’Roll angespitzt sind. Aber es ist nicht so, dass man überall Mitarbeiter von Plattenfirmen trifft, die bereit sind, eine Band unter Vertrag zu nehmen. Denen ist es heute lieber, wenn schon etwas Vorarbeit geleistet worden ist und man sich ins gemachte Nest setzen kann.

Die White Stripes und Black Keys erzeugen durch ihre Duo-Besetzung eine besondere Dynamik. Welchen eigenen Stempel wollt ihr der Musik aufdrücken?
Das ist nicht so leicht herauszufiltern. Es wird sicher Leute geben, die meinen, bei uns hört sich alles gleich an. Sie hören vier Musiker mit schreienden Stimmen, lauten Gitarrensoli und entdecken im Vergleich zu den Classic-Rock-Bands von früher keinen Unterschied. Wer über geübte Ohren verfügt, der wird aber schon Feinheiten erkennen, auf die es ankommt. Wir halten uns nicht lange auf. Bisher brauchten wir für die Aufnahmen unserer Alben zwei bis drei Wochen, dieses Mal waren es sechs. Wir schreiben alle Songs im Studio. Sie sind komplett neu und basieren niemals auf älteren Ideen. Wir nehmen sie dann sofort auf. Wir tun das, weil wir so eine besondere Art von Energie wiedergeben wollen. Eine Art von Direktheit, die so stark ausgeprägt ist, dass keine Zeit zum Nachdenken bleibt. Niemand in der Band weiß an dieser Stelle genau, was er tut. Wir versuchen, den Sound eines Songs während der Geburt einzufangen. Das ist bei anderen Bands für mein Gefühl nicht der Fall. Bei denen höre ich eine Menge Aufwand und viel Produktion. Sie wollen davon ablenken, dass sie sich nicht richtig anstrengen.

GREAT WESTERN VALKYRIE hört sich noch bissiger als die Vorgängeralben an. Die sanften Soul-Einschübe sind verschwunden, jetzt spielt die Band wie ein wildes Rockbiest. Wie ist es dazu gekommen?
Es ist ein Album, auf dem der Gitarre und dem Schlagzeug die Hauptrollen zufallen. Davon umgeben zu sein, ist für mich immer noch ungewohnt. Ich sehe mich von Natur aus eher als Singer-Songwriter. Ich höre mir zu Hause keine Rock’n’Roll-Bands an, sondern setze mich mit Songschreibern auseinander. Meine Helden sind Leonard Cohen, Townes Van Zandt, Joni Mitchell, Bob Dylan, Steve Earle und Neil Young. Als wir am neuen Album arbeiteten, spürte ich aber, dass wir den Songs eine erdige Identität verleihen müssen. Ich habe Scott gesagt, dass er seine Gitarre stärker aufdrehen soll. Wir brauchten mehr Soli. Ich merkte, dass wir jetzt den Punkt erreicht haben, an dem wir genau das forcieren müssen. Die Gelegenheit dazu ist jetzt da, beim nächsten Mal kann es schon wieder völlig anders aussehen. Ich war auch gegen langsame Songs, die normalerweise auf jeder Rock’n’Roll-Platte zu finden sind. Sie fühlten sie sich dieses Mal wie Fremdkörper an.

Rival Sons 2014 (3)Wir müssen uns über die Farbe Schwarz unterhalten. Sie dominiert das Erscheinungsbild auf dem Cover und auf dem offiziellen Informationsmaterial. Der Einfluss von The Doors ist trotz des höheren Härtegrades ebenfalls geblieben. Warum spielt dieser Einfluss bei Rival Sons eine herausgehobene Rolle?
Ich denke, dass dieser Vergleich deshalb aufkommt, weil Ikey Owens auf diesem Album die Vox-Continental-Orgel spielt. Sie allein dürfte schon dafür verantwortlich sein, dass die Leute an The Doors denken. Ikey ist ein guter Kumpel aus Long Beach, er hat mit The Mars Volta gespielt und steht jetzt mit Jack White auf der Bühne. Wir haben ihm gesagt, dass er diese Orgel bedienen soll. Ich kann den Reiz der Doors grundsätzlich nicht abstreiten. Gerade Teenagern helfen sie sehr auf die Sprünge. Sie sind die idealen Begleiter, wenn man sich verloren fühlt und dem Leben mit Verwirrung ge-genüber steht. Sie hören sich sexy und düster an und haben ihren eigenen Sound. Sie sind nicht die besten Songschreiber, die es gegeben hat, aber als Erzeuger einer bestimmten Stimmung sind sie unschlagbar.

Beschreibe diese Stimmung mal etwas genauer.
Ich erinnere mich noch an die Zeiten, als ich von Joints und Rauschpilzen und existentialistischen Bücher von Nietzsche, Dostojewski und Camus umgeben war. Dazu passten die Doors mit ihren Songs über Abschottung perfekt. Wenn man das alles intensiv aufsaugt und für sich übernimmt, werden ihre Aussagen zum Lebensmotto. Bei mir hat der Existentialismus am Ende nichts bewirkt. Man muss sich meiner Meinung nach aus einem gewachsenen Ich auf die Menschen zubewegen, auch wenn das manchmal schwer ist. Ich möchte Musik machen, die den Leuten hilft, nach außen zu schauen. Sie sollen sich nicht nach innen orientieren und dabei alleine fühlen. Sie sollen sich als Teil von etwas verstehen.

Ihr seid immer wieder im Vorprogramm von bekannten Rock-Künstlern der Vergangenheit aufgetreten. In letzter Zeit zum Beispiel bei Shows von Sammy Hagar und Kiss. Entwickeln sich bei diesen Gelegenheiten Freundschaften?
Das mit Kiss war eine reine Arbeitsbeziehung auf Zeit. Man geht auf die Bühne und spielt für Fans mit bemalten Gesichtern, die wirklich erst voll bei der Sache sind, wenn sie ihre Helden sehen. Sie geben sich der Sache mehr hin als die Band, die nur ihren Job macht. Es ist gut, wenn man glückliche Menschen vor sich sieht, die sich fühlen, als wohnten sie dem einzigen Ereignis bei, das für sie zählt. Das mit Sammy ist ganz anders. Er ist tatsächlich mein Freund. Er stellt sich vor die Leute, weil er Spaß an der Sache hat. Er macht nicht viel Aufhebens und trägt keine aufsehenerregenden Klamotten. Sammy tritt nicht auf, um Geld zu verdienen, und lässt auch nicht heraushängen, dass er eigentlich nur gekommen ist, um einen Vertrag zu erfüllen. Für ihn ist Musik ein Lebenselixier. Ich finde es sehr inspirierend, ihn zu sehen. Ich möchte mich auch so fühlen wie er, wenn ich sein heutiges Alter erreicht habe.

Brother Firetribe – ZWISCHEN JOURNEY, SURVIVOR & DEF LEPPARD

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Brother FiretribeMusiker hören es normalerweise nicht gerne, wenn man sie des Mainstreams bezichtigt. Anspruch und Intellekt, Tiefgang und Niveau – wer etwas auf sich hält, weist Pop- und Kommerz-Attitüden weit von sich. Nicht so Pekka Ansio Heino, Sänger der skandinavischen Band Brother Firetribe, die in diesen Tagen ihr drittes Album DIAMOND IN THE FIREPIT veröffentlicht. Für den 38-Jährigen ist Mainstream kein Schimpfwort. „Ich bin mit dieser Art Musik aufgewachsen“, erzählt Pekka Heino, der so ganz nebenbei auch noch den Melodicrockern von Leverage Stimme und Gesicht gibt. „Meine Helden waren Def Leppard, Journey, Survivor. Deswegen habe ich nichts dagegen, wenn die Kritiker unsere Musik als AOR bezeichnen.“

Jede andere Klassifizierung wäre auch in der Tat falsch. Denn der handwarme Hybrid aus eingängigen Gesangsmelodien, flächendeckenden Keyboard-Attacken und moderaten Gitarrenriffs ist gefühlte Lichtjahre von Metal oder Hard Rock entfernt. Kein Wunder bei der erprobten Entstehungsformel ihrer Songs: „Fast alle Stücke werden von unserem Tastenmann Tomppa Nikulainen und mir geschrieben. Am Anfang stehen also immer Keyboards, meine Stimme und ein Drum-Computer. Wenn man die ersten Skizzen unserer Stücke hört, kann man sich noch nicht vorstellen, dass daraus mal ein Rocksong werden wird.“

An dieser Stelle kommt Emppu Vuorinen von den finnischen Bombastrockern Nightwish ins Spiel. Vuorinen versorgt die rudimentären AOR-Skizzen mit handfesten Gitarren-Hooks und -Licks und rettet sie damit vor allzu offensichtlicher Seichtigkeit. Allerdings nur in einem limitierten Rahmen, denn zu viel Metal ist in der Welt von Brother Firetribe nicht erwünscht, wie man am betont radiotauglichen Mix ihrer Studioproduktionen er-kennen kann. „Manche sagen, dass unsere Scheiben allzu poliert klingen und die Songs überproduziert sind. Aber wir wollen es so, unser Sound soll groß und mächtig sein, der Wohlfühlfaktor ist ein ganz wesentlicher Bestandteil in der Welt von Brother Firetribe.“ Dies hindert die fünf Musiker allerdings nicht daran, auf der Bühne spürbar härter und erdiger vorzugehen. Wenn denn mal die Zeit vorhanden ist, in dieser Konstellation loszuziehen. „Zeit ist das, was uns am meisten fehlt“, gesteht Pekka Hei-no, „deswegen sind seit unserem letzten Album HEART FULL OF FIRE ja auch sechs Jahre vergangen. Allein Emppu ist bei Nightwish stark eingebunden und nur von Brother Firetribe könnte keiner der fünf Beteiligten leben.“

Chris Robinson Brotherhood – Auf der Suche nach Tiefgründigkeit

11631743Nach 25 Jahren Black Crowes hat Chris Robinson mit seiner Band Brotherhood seine wahre Berufung gefunden. Entspannt und freigeistig geben sich die Amerikaner auch auf ihrem neuen Album PHOSPHORESCENT HARVEST.

Wenn man mit Chris Robinson spricht, hat man nie das Gefühl, es mit einem waschechten Rockstar zu tun zu haben, der rund 30 Millionen verkaufte Platten, eine Ehe mit einer Oscar-nominierten Hollywood-Schönheit und ein Eigenheim im sonnigen Santa Monica vorzuweisen hat. „Ich kann nicht Timothy Leary spielen und die ganze Zeit auf Acid sein. Ich muss morgens Haferbrei machen und meine Vierjährige zum Kindergarten bringen“, umreißt der 47-Jährige im CLASSIC ROCK-Interview knapp, aber grundsympathisch sein derzeitiges Leben. Dankbar und auch ein bisschen überrascht ist er nach eigener Aussage, dass er fast ein Vierteljahrhundert nach dem großen Durchbruch mit den Southern-Rockern Black Crowes immer noch erfolgreich auf der Bühne steht und mit dem betont relaxten Album PHOSPHORESCENT HARVEST nun das bereits dritte Werk seiner Chris Robinson Brotherhood veröffentlicht. Schließlich hat sich das musikalische Klima inzwischen ziemlich gewandelt. „Die Kids von heute finden Justin Timberlake cool“, sagt er kopfschüttelnd und muss lachen. „Früher hätte man nach so einem Steine geworfen!“
Dennoch kann sich die CRB nicht beschweren. Bei den kommenden Konzerten wird die Band allabendlich vor zehnmal mehr Menschen auftreten als bei den kleinen Clubshows, die vor drei Jahren den Grundstein für die 2012 in schneller Folge veröffentlichten Alben BIG MOON RITUAL und THE MAGIC DOOR legten. Dass sich das Quintett dabei einmal mehr auf die USA konzentriert, hat seine Gründe: „Bei euch in Europa würde sich einfach niemand an einem Dienstagabend psychedelische Drogen einwerfen und eine Vier-Stunden-Show von uns reinziehen wollen“, sagt Chris mit einem Schulterzucken. Geradezu unerwartet psychedelisch fällt auch PHOSPHORESCENT HARVEST aus, gleichzeitig ist ein dezenter Jazz-Funk-Fusion-Anstrich nicht zu übersehen. Der Bogen, den Chris und die Seinen dieses Mal spannen, reicht von Grateful Dead bis zu Herbie Hancocks Mwandishi und Gábor Szabó. „Wir sind inzwischen mehr an elektronischer und progressiver Musik interessiert und ich denke, das kann man der Platte auch anhören“, glaubt Chris. Ein weiterer wichtiger Impuls war, dass er erstmals den Löwenanteil der Lieder nicht allein, sondern gemeinsam mit seinem Gitarristen Neal Casal schrieb. „Wir beide mögen es sehr, wenn bestimmte Dinge nur einmal in einem Song auftauchen“, verrät Chris. „Letztlich wollten wir ein Stück weit weg von diesem Strophe-Refrain-Strophe-Ding, wenngleich wir uns natürlich nicht völlig davon trennen.“ Das führte zu Songs, die ausufernd, aber nicht ziellos, ungezwungen, aber nicht unverbindlich, freigeistig, aber dennoch nicht ohne Hooks sind. Zudem ist der CRB ein unwiderstehlicher Groove auch dieses Mal wieder wichtiger als unbändige Rockpower.
Das Ergebnis ist Cosmic American Music für das neue Jahrtausend, bei der Chris das Erfolgsrezept seiner ersten Band praktisch komplett außer Acht lässt. „Im Gegensatz zu den Black Crowes haben wir nicht den Blues“, bringt er den Hauptunterschied auf den Punkt. „Die CRB hat sehr positive Vibes. Uns geht es weniger um Riffs, sondern mehr um Melodien. Man könnte auch sagen, wir suchen nach Ausdrucksmöglichkeiten auf einem tiefgründigeren Level.“

Black Stone Cherry – Am Abgrund des Zauberbergs

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Black Stone Cherry 2014Black Stone Cherry, vier bescheidene Rocker aus Kentucky, entwickelten sich durch fleißiges Touren und Alben-Produzieren zu einer Attraktion unter Amerikas Nachwuchsbands. Mit BETWEEN THE DEVIL AND THE DEEP BLUE SEA gelang es ihnen, sich auch in Europa in die vorderste Riege zu spielen. Alles lief perfekt, wie es schien. Nun veröffentlichen sie ihre vierte Studioplatte. Warum MAGIC MOUNTAIN einem Wunder gleicht und sich wie ein Neubeginn für Black Stone Cherry anfühlt, verrieten Frontmann Chris Robertson und Schlagzeuger John Fred Young im Interview.

Verschiedener könnten zwei Interviewgäste kaum sein. Wie zwei entgegengesetzte Pole wirken der aufgedrehte Wuschelkopf John Fred auf der einen und der ruhige, mit zurückhaltend gedämpfter Stimme sinnierende Chris auf der anderen Seite. Dass hinter diesem ersten Eindruck sehr viel mehr steckt als bloß unterschiedliche Charakterzüge zweier Bandkollegen, wird sich erst im Laufe des Gesprächs herausstellen.
In einer Sache ticken sie zunächst einmal total gleich: Chris und John Fred sind mächtig stolz auf ihr im Mai erscheinendes Album MAGIC MOUNTAIN. Doch was haben sie in den vergangenen Monaten Neues erreicht, das sie nun so zuversichtlich stimmt? „Ich weiß nicht ob ‚neu’ das passende Wort ist. Vielmehr haben wir uns zurückbesonnen auf die Zeit, als wir 16 Jahre alt waren und die Band einige ihrer besten Songs geschrieben hat. Damals ging es nur um unsere Liebe zur Musik, die Lieder mussten keine riesigen Kreationen werden“, erklärt Chris, der im letzten Jahr deutlich einige Pfunde verloren hat. „Ja, irgendwie ist es wirklich eine Rückbesinnung zu unserem ersten Album, aber der Sound ist jetzt so viel besser. Damals waren wir vier Kids, die noch nichts erlebt hatten. Dafür waren wir ziemlich gut. Ich finde, diese Platte hatte sehr viel Magie“, ergänzt John Fred. Dennoch ist für ihn eine deutliche Weiterentwicklung erkennbar, auch wenn die äußerst sympathische Quasselstrippe immer noch Luft nach oben für Black Stone Cherry sieht. „Das neue Album zeigt sehr gut, was wir in all den Jahren gelernt haben. Die guten, die schlechten Erfahrung, das Touren und all das kann man auf MAGIC MOUNTAIN hören. Und klar lernen wir noch immer dazu. Bei unserem nächsten Album werden wir bestimmt wieder sagen: ‚Das ist das beste Album, das wir je gemacht haben!’ So wie das jede Band tut“, macht er sich über die beliebte Musiker-Floskel lustig und deutet dabei zum ersten Mal an, dass für BSC der Himmel über Kentucky nicht immer nur sonnig war.
Vor den Arbeiten an MAGIC MAOUNTAIN hatte sich mit einem Label-Wechsel und Joe Barresi (Queens Of The Stone Age, Backyard Babies) als neuem Produzenten einiges geändert, was dazu beitragen sollte, die angesprochene Leichtigkeit aus Jugendzeiten wieder zu erlangen. „Ich finde, die Aufnahmen mit Barresi waren fantastisch! Da war niemand, der uns Anweisungen gab, mehr oder weniger „southern“ zu klingen. Die letzte Platte – und ich liebe BETWEEN THE DEVIL AND THE DEEP BLUE SEA – war sehr viel glattgebügelter“, gesteht John Fred. „Ja, wir haben das bewusst gemacht, um im Radio gespielt zu werden. Sicher mag ich die Songs. Allerdings haben wir damals im Studio bei jedem Track versucht, ihn so radiokompatibel wie nur möglich zu machen. Klar, wer möchte keinen Radio-Hit landen? Doch der Schreibprozess beim letzten Album war wirklich aufreibend, denn wir haben so viele Lieder komponiert und mit so vielen externen Songwritern gearbeitet. Im Gegensatz dazu waren wir diesmal ganz entspannt und begannen, die Arbeit wieder zu genießen“, erklärt Chris in sonorem Brummen. „Joe besuchte uns auf unserer Farm in Kentucky. Dort hingen wir einfach nur zusammen ab und spielten ihm ein paar Songs vor. Er ermutigte uns, die Soli länger zu machen und unsere Jams voll zu entfalten. Das waren immer Dinge, die wir üblicherweise live machten, aber doch nicht auf Platte!“, so John Fred. Und Barresi, der die Band daraufhin mit in sein kleines, garagenartiges Studio im kalifornischen Pasadena nahm, setzte einen klaren, deutlich puristischeren Plan um, als es die vier Jungs aus Edmonton von ihrem letzten Studioaufenthalt gewohnt waren. John Fred: „Nichts an diesem Album ist ‚Copy/Paste’. Wir haben alles auf Zwei-Zoll-Tonband aufgenommen. Zum allerersten Mal, Mann! Und wir haben alles live gemeinsam eingespielt. Ich weiß, dieses Wort wird so oft gebraucht. Aber wirklich, es ist alles so organisch geworden und dabei sind viele coole Lieder entstanden.“
Nicht nur den Sound und den Stil des Albums betreffend, beweisen Black Stone Cherry auf MAGIC MOUNTAIN gehörig Mut. Einige der neuen Texte von Chris Robertson lassen tief blicken. Darauf angesprochen, senkt er seine Stimme und findet erst nach kurzem Stammeln die richtigen Worte: „Mann, die Band hat düstere Zeiten hinter sich. Vor ein paar Jahren hatte ich mit einigen privaten Problemen zu kämpfen. Viele der neuen Lieder greifen auf diese Phase zurück. Sie handeln vom Kampf gegen Sucht, Depressionen und andere Schwierigkeiten im Leben, allerdings enden sie alle positiv, denn ich habe gelernt, dass man eigentlich gar nicht allein ist. Deshalb gibt es auch echte Party-Nummern auf MAGIC MOUNTAIN. Denn weißt du Mann, ich sehe das so: Die besseren Zeiten, die da erst noch kommen, wären nicht so hell, wären da nicht die dunklen Tage gewesen, durch die ich erst durch musste.“ Kaum ist diese erste Hemmschwelle bei Chris überwunden, sind Nachfragen nicht mehr nötig, er spricht offenherzig über die Gründe seiner jahrelangen Krise: „Ich musste so eine lange Zeit Pillen nehmen. Das war nötig, weil ich seit meiner Kindheit alles, was mich belastet hat, in mich hinein gefressen habe. Jeder erlebt Dinge, die er vergeben muss. Das habe ich getan, nur habe ich das mit dem Vergessen nie geschafft. Das hat mich kaputt gemacht.“ Dass diese Zeit auch seine Band an den Rand der Selbstzerstörung geführt hat, ist ihm bewusst, weshalb er seinen Freunden dankbar ist für den besonderen Zusammenhalt:

„Das Coolste an dieser Sache ist, dass vermutlich jede andere Band aufgegeben und sich aufgelöst hätte. Als ich mich selbst schon aufgegeben hatte, haben sie mich nicht fallen lassen. Sie und meine Frau waren so großartig zu mir. Sie meinten nur: ‚Es mag viel Zeit brauchen, aber die Dinge werden wieder besser.’“ Robertson scheint der offene Umgang mit seinen persönlichen Angelegenheiten gut zu tun. Jedoch motiviert ihn ein weiterer Grund zu diesem Seelen-Striptease. „Ich hatte sehr viel Glück, wenn man betrachtet, wie sich alles für mich entwickelt hat. Für mich ist dieses Kapitel abgeschlossen und ich genieße jetzt diesen wundervollen Neuanfang. Wenn ich als Künstler offen darüber spreche und dadurch nur einer Person helfen kann, dann ist es das wert.“
Der ausschlaggebende Wendepunkt, der Chris geholfen hat, wirkt beinahe klischeehaft für einen typischen, einfachen jungen Mann aus dem Süden Kentuckys. „Für mich hat sich alles verändert, als Ben (Wells, Anm. d. Red.) mich in die Kirche einlud. Ich war bestimmt seit 15 Jahren nicht mehr dort, denn ich dachte, wenn es wirklich einen Gott gibt, warum bitte muss ich das alles durchmachen? An diesem ersten Sonntag dauerte es nicht lange und ich verstand, dass ich dort für mich war. Und ja, Jesus hat mein Leben verändert. Durch ihn kann ich jetzt alles genießen. Ich bin so zufrieden wie noch nie zuvor und ich war noch nie so begeistert von Musik wie heute.“ Dass er seine Texte und seinen Bekanntheitsgrad nicht zu missionarischen Zwecken nutzen möchte, ist Chris dabei dann aber doch sehr wichtig. Er verspricht, dass sein Glaube keine Auswirkung auf die Ausrichtung der Band hat und haben wird: „Nein, nein! Unsere Texte sind nicht religiös. Wir sind ja keine Christen-Rocker. Ich bin auch kein allzu religiöser Typ. Diese Kirche, in die ich da gehe, ist eine nicht-konfessionelle Kirche. Ich bin also kein Baptist oder sowas“, erklärt er.
In den – „Gott sei Dank“ – vergangenen Tagen seiner Depressionen wurde ein Hauptbestandteil des Bandalltags zu einem beinahe unüberwindbaren Problem. „Nach Konzerten ging ich immer direkt zum Tourbus und versuchte allen Menschen möglichst aus dem Weg zu gehen. Ich wollte vermeiden, dass sie dieses falsche Bild von mir sehen, das nur deshalb entstand, weil ich Medikamente nehmen musste, um mich einigermaßen gut zu fühlen. Für mich war es eine Qual, Musik machen und auf Tour gehen zu müssen! Jetzt kommen so viele Leute, die mich vor zwei Jahren gesehen haben, nach den Shows zu mir und meinen: ‚Es ist unglaublich, wie sehr du jetzt die Musik liebst.’ Sie können den Unterschied gar nicht fassen.“ Nun, da sich der Kopf der Band derart befreit dem Konzert-Trubel stellen kann, hatten sich Black Stone Cherry für ihre eben beendete Europa-Tour etwas besonderes ausgedacht, um die Nähe zu ihren Fans zu pflegen. Während der Shows legten Chris und Co. immer wieder Pausen ein, in denen das Publikum Fragen an die Band stellen konnte. „Ich hatte mich eigentlich darauf gefreut, das auch in Deutschland und den anderen Ländern zu machen, aber unsere Leute hatten wohl die Befürchtung, die Fans könnten uns nicht verstehen. Also gab es das nur in Großbritannien“, lacht er. „Das eigentliche Problem dabei sind aber eigentlich wir. Weißt du, wir haben so einen starken Akzent. Und auch für uns war es schwer, etwa die schottischen oder englischen Fans zu verstehen“, erklärt John Fred. „Eigentlich wäre es bei euch sogar einfacher. Wirklich jeder, mit dem ich in Deutschland geredet habe, spricht besseres Englisch als ich. Ich fühle mich bei euch so richtig ungebildet! Wir hatten ein bisschen Spanisch in der Highschool. Als ich aufwuchs, hätte ich nie geglaubt, dass ich jemals Fremdsprachen brauchen würde“, schämt sich John Fred gekonnt in deutsche Fan-Herzen. Darauf hingewiesen, dass er als Teenager natürlich nicht wissen konnte, dass er irgendwann als Rockstar die Welt bereisen würde, wird John Fred – unglaublich aber wahr – beinahe etwas kleinlaut: „Nein, aber es wird wirklich Zeit, dass ich Deutsch lerne. Jetzt komme ich schon seit sieben Jahren hierher und das einzige Wort, das ich kenne ist ‚Hefeweizen’. Klar ist das ein wichtiges Wort“, schmunzelt er, „aber es liegt mir am Herzen, diese Sprache zu lernen. Wir spielen hier so viel und ich fühle mich einfach nur dumm!“
Nachdem John Fred seinen Exkurs über seine Weiterbildungspläne beendet hat, erinnert sich Chris an die für ihn beste Frage, die ihm in England gestellt wurde: „Ich wurde gefragt, was mich dazu gebracht hat, singen zu wollen. Und die überraschende Wahrheit ist: ‚Absolut rein gar nichts!’ Ich wollte nie der Sänger in einer Band sein. Ich wollte nur Gitarre spielen, aber wir konnten keinen Sänger finden, also musste ich das lernen“. Die peinlichste Frage ging natürlich unter die Gürtellinie beziehungsweise einige Zentimeter darüber. „Ein Mädchen wollte wissen, ob wir amerikanische oder englische Brüste schöner finden. Ben hat gut reagiert und meinte nur, dass wir als Gentlemen weder die einen noch die anderen gesehen haben. Da haben alle im Publikum gelacht.“
Um herauszufinden, was die Fans außerhalb der USA eigentlich an ihrem Southern Rock finden, drehten Black Stone Cherry bei dieser Gelegenheit den Spieß auch gleich um. „Wir haben bei unseren UK-Shows die Leute gefragt, warum sie BSC eigentlich so sehr mögen und ihre Antwort war ziemlich einfach: ‚Ihr seid normale Typen und ihr seid ehrlich!’,“ erinnert sich Chris. Die Anmerkung, dass besonders MAGIC MOUNTAIN ja ohnehin nicht so stark Southern-Rock-lastig sei, stößt bei den beiden auf unerwartet großes Gefallen. „Cool Mann! Das ist wirklich cool, denn wir hatten uns nie das Ziel gesetzt, eine Southern-Rock-Band zu werden. Klar sind wir mit Gruppen wie Lynyrd Skynyrd aufgewachsen, aber wir sind definitiv Musiker mit einem weiter reichenden Geschmack als nur Südstaaten Rock. Wir ziehen unsere Inspiration aus Blues, Motown, Country, Metal, Rap und allen möglichen Musikrichtungen. Ja, wir sind eine Rock’n’Roll-Band, aber uns wirklich einzuordnen, ist nicht möglich. Und das ist echt cool“, sprudelt es aus John Fred.
Black Stone Cherry sind und wollen also gar nicht das Aushängeschild des zeitgenössischen Southern Rock sein. Deswegen, das betonen sie deutlich, seien sie in ihren Herzen aber nicht weniger Südstaatler. Ganz im Gegenteil, wie Chris über die Eigenheiten seines „Stars And Bars“- Völkchens philosophierend erklärt: „Unsere Musik ist gar nicht so südstaatlerisch. Wir als Personen sind es dafür um so mehr. Weißt du, wir sind ehrliche und anständige Dudes. Das kommt von der Art, wie wir aufgewachsen sind. ‘Yes, Ma’am. Yes, Sir.’ So war das bei uns. Und deshalb wirst du niemals erleben, dass einer von uns einem Menschen mit Ablehnung begegnen würde. Ich zum Beispiel – obwohl ich meine Probleme hatte – war immer höflich. Ich war nur eben kein John Fred, der dir sofort beide Ohren abkaut“, lacht er. Ein weiterer zentraler Wesenszug eines jeden „good ol’ boy from the South“ sei die tiefe und stolz nach außen getragene Verbundenheit zur Heimat. „Sagen wir mal so. Wenn du mit mir redest, wirst du sofort erkennen, dass ich nicht aus New York City komme. Und ja, unsere Heimatstadt ist alles für uns. Zeit meines Lebens wohne ich jetzt in Edmonton. Dort habe ich meine besten Freunde gefunden, angefangen Musik zu machen und meine Frau getroffen. Ohne mein Städtchen wäre ich niemand. Ich weiß noch, damals in der Schule konnten es alle gar nicht erwarten, endlich wegzuziehen. Ich, der das große Privileg hat durch die Welt reisen zu dürfen, kann sagen: ‚Gott, ich kann es nicht erwarten heimzukommen!’“
Black Stone Cherry wirken dermaßen geerdet, dass man sich fragt, ob sie mit MAGIC MOUNTAIN überhaupt noch weiter hinauf auf den Gipfel des Rock-Geschäfts stürmen wollen. „Wir haben ohnehin schon so viel erreicht“, so Chris. „Ganz ehrlich, der größte Erfolg ist es, wenn ich die Leute im Publikum sehe, wie sie lächeln und unsere Lieder mitsingen. Ich hoffe, dass besonders die tiefgründigeren Songs einigen Leuten durch ihre schwierigen Zeiten helfen. Das ist eigentlich schon alles.“

Chrissie Hynde – STOCKHOLM

Hynde, ChrissieReif & sexy.

Alle Achtung, Mrs Hynde! Mit über sechzig liefern Sie Ihr Debüt als Solokünstlerin ab: Elf elegante und überaus eingängige Songs, die mir, dem Rezensenten als Stream zugespielt wurden und allesamt recht lieblos als „Unknown Title“ angeführt werden. Informationen zu dem von Ihnen so wundervoll kreierten Album: Fehlanzeige! Ich weiß also nicht, wer Ihre Mitstreiter sind, wo die Songs entstanden und ob alle Nummern Ihrer eigenen Kreativität entspringen. Weil ich sie aber seit 1979 verehre und schätze – jenem Jahr, in dem sie erstmals mit Ihrer Band The Pretenders in Erscheinung traten – und ich Ihnen auch Ihre Ehen mit Ray Davies (The Kinks) und Jim Kerr (Simple Minds) verziehen habe, war ich so frei, mich selbst ein wenig schlau zu machen. ›Dark Sunglasses‹ lautet demnach der ganz und gar fabelhafte Popdiamant, der sich augenblicklich in meine Gehörgänge grub. Ihrem Ansehen nicht weniger würdig: ›Down The Wrong Way‹ und ›Sweet Nuthin’‹. Überhaupt ist auf STOCKHOLM alles elegant und wohltemperiert. Insbesondere ›You’re The One‹ hat es mir angetan, das ich als persönliche Liebeserklärung an mich zu deuten gewillt bin – weshalb ich mich nun endlich auch ins ›Du‹ zu wechseln traue, liebe, herrliche Chrissie. Damals, in meiner Sturm- und Drangzeit, warst Du ungestüm, selbstbewusst und sexy und hast als eine der ersten bewiesen, dass auch Frauen famose Bandleader sein können. Auf STOCKHOLM zeigst Du Dich fast drei Dekaden später reif, stilvoll und immer noch sexy. Wenn ich Dir ein Lied von Deinem eigenen Album widmen darf, dann ›You Or No One‹. Gar keine Frage: Unsere gemeinsame Beziehung funktioniert nach wie vor prächtig. Auf zur Goldenen Hochzeit, Angebetete! (P.S.: Zeig diesen Brief bitte nicht meiner Frau.)

Bob Mould – BEAUTY & RUIN

Mould, BobMit sich selbst im Reinen.

„If you don’t stop to smell the roses now, they might end up on you“, sang Bob Mould schon 1987 auf dem letzten Album seiner ersten Band Hüsker Dü. Wirklich beherzigt hat der Amerikaner das aber erst jetzt. Der Tod seines Vaters vor knapp zwei Jahren mag die textliche Triebfeder für BEAUTY & RUIN gewesen sein, doch trotz des ernsten Hintergrunds präsentiert sich der Wegbereiter des Alternative Rock auf diesem Album deutlich weniger griesgrämig als über weite Strecken seiner Solokarriere. Stärker noch als auf dem vielerorts hochgelobten Vorgänger SILVER AGE aus dem Jahre 2012 zeigt er sich hier versöhnt mit seinem Frühwerk und tritt bei Stücken wie ›Kid With Crooked Face‹ oder ›Little Glass Pill‹ so sehr aufs Gas wie seit 30 Jahren nicht mehr, während ›I Don’t Know You Anymore‹ mit der Eingängigkeit von Moulds Früh-90er-Erfolgsband Sugar kokettiert. Das unterstreicht zwar, dass der 53-Jährige auch mit BEAUTY & RUIN kein musikalisches Neuland betritt, dennoch besitzt die Platte genau die Dringlichkeit und Durchschlagskraft, die manch früherem Solowerk Moulds ein wenig gefehlt hatten.

Trailer kündigt neue Live-DVD an

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deep-purpleDeep Purple haben einen Ausschnitt aus ihrer kommenden DVD AROUND THE WORLD LIVE im Netz veröffentlicht.

Das Video zeigt die acht-minütige Version ihres Klassikers ›Black Night‹, aufgezeichnet in Birmingham.

Das gesamte Paket, das im Oktober erscheinen soll, wird drei komplette Shows sowie Teile einer vierten enthalten. Dazu kommen Interviews mit der Band, eine Dokumentation und ein 32-seitiges Booklet.

Seht hier den ersten Vorgeschmack auf DEEP PURPLE AROUND THE WORLD LIVE:

California Breed – Drei-Generationen-Haushalt

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JLX_2165mGlenn Hughes ist 62 Jahre alt und aktiver denn je. Nach dem Scheitern von  Black Country Communion setzt er mit Jason Bonham und dem 23-jährigen New Yorker Andrew Watt wieder auf das Trioformat und damit ein weiteres Rufzeichen in Sachen Retro-Rock.

Das dritte Interview in drei Jahren, und Glenn Hughes wiederholt sich nicht ein einziges Mal. Der Mann ist Profi, seit mehr als vier Jahrzehnten im Geschäft. Nach dem Ende der sogenannten „Supergruppe“ Black Country Communion hätte man erwartet, dass der seit Mitte der 70er in Los Angeles lebende Engländer zumindest ein bisschen frustriert sei. Das Gegenteil ist der Fall. Er weiß genau, dass er mit dem kommerziellen Erfolg von BCC (die letzten beiden Alben erreichten die  Top 10 in Deutschland) wieder zurück auf der ganz großen Bühne ist. Er, der alternde Held einer vergangenen Epoche, hat die nie erwartete „zweite Chance“ ergriffen. Und er will sie nutzen, solange es noch geht. Und jetzt endlich lässt man ihn. Auch alleine.
Eigentlich habe er genug zu tun gehabt, grinst er durch seine strahlendweiß gebleichten Zähne. „Ich war mit den Kings Of Chaos (eine Allstar-Truppe um Slash, Gene Simmons von Kiss, Joe Elliott von Def Leppard u.a.) auf Tour, hatte Songs für ein weiteres Soloalbum geschrieben, aber dann lernte ich Andrew kennen.“ Die Geschichte der Entstehung von California Breed ist typisch Hughes: Bevor er zum Kern der Sache kommt, muss er erst einmal wieder in fein abgestimmten Nebensätzen fallen lassen, wen er alles in der Welt der Schönen und Reichen kennt. „Als ich auf einer Modenschau meines Freundes John Varvatos mit Julian Lennon sprach, der dort die Fotos machte, erzählte er mir von einem Gitarristen und Sänger, den ich unbedingt kennenlernen sollte. Als ich die Demos von Andrew hörte, ließ ich ihn nach Los Angeles einfliegen und wir schrieben direkt am Nachmittag zwei Songs.“
Anfangs sei er wegen des Altersunterschiedes von fast 40 Jahren etwas skeptisch gewesen, aber als ihm seine Frau bestätigte, man höre dies auf den Demos überhaupt nicht, habe er Jason Bonham in Florida angerufen, um ihm mitzuteilen, dass sie wieder eine Band hätten.
„Denn Jason und ich hatten nach dem Ausstieg von Bonamassa beschlossen, weiter zusammen Musik zu machen, allerdings ohne Keyboards. Ich habe in einem Trio angefangen, also warum nicht zurück zu den Wurzeln?“ Im Stile eines Musikdozenten zählt er alle relevanten Trios der Rockgeschichte auf, komischerweise gehören für ihn auch Led Zeppelin dazu; wahrscheinlich, um den Bezug zum kreativen Kosmos von Jasons Vater John nicht zu verlieren. Hughes war damals schließlich bei einigen Proben dabei. Das darf man nicht unerwähnt lassen.
Mit Watt und Bonham schreibt er Songs, die vor allem eins nicht dürfen – nach Black Country Communion klingen. So sehr er Bonamassa auch über den grünen Klee lobt, zwischen den Zeilen beschwert sich Hughes immer wieder über den egozentrischen Blueser, mit dem er „auf der Bühne nie wirklich eine gemeinsame Ebene erreichen“ konnte. „Ich bin der ‚immer in die Fresse rein‘-Typ, während Joe eher zurückhaltend ist. Am Ende der letzten Tour spürte ich, dass er darauf keine Lust mehr hatte.“
Keinen Bock mehr hatte Hughes auch auf den Produzenten Kevin Shirley, den Strippenzieher hinter Black Country Communion. Schon bei der Erwähnung des Namens verzieht der überzeugte Sonnenbrillenträger sein Gesicht. Ob er froh sei, nicht mehr mit Kevin Shirley arbeiten zu müssen? Klassische Helmut-Schmidt-Antwort: „Das ist die falsche Fragestellung.“ Nächster Versuch: Hat er mit Dave Cobb einen neuen Produzenten mit ins Boot geholt, weil er damit unbedingt verhindern wollte, erneut wie Black Country Communion zu klingen? „Nicht nur das. Kevin ist mir zu eingefahren, was seinen Sound angeht. Ich brauche mehr Luft und auch mehr Dreck. California Breed lebt von der Mischung aus den drei verschiedenen Generationen, das sollte schon rüberkommen.“
Hughes kennt Cobb von dessen Arbeit mit den Rival Sons, einer Retro-Rock-Band aus LA, die seit vier Jahren mit ihren Alben und Live-Shows für Furore sorgt (California Breed haben im Dezember in Cobbs Studio in Nashville aufgenommen, die Rival Sons direkt danach im Januar). „Nashville ist toll“, schwärmt Hughes und erzählt von einigen Projekten, die er in den letzten Jahren dort aufgenommen hat. Die Leute seien irgendwie anders. Wie er da auf seinem Sessel thront und mit großartigen Grimassen den Südstaaten-Akzent nachahmt, möchte man am liebsten die Kamera zücken.
Die Aufnahmen seien völlig unkompliziert gewesen, fährt er fort. „Dave hat mich allerdings übertölpelt. Ich singe jeden Song immer zweimal ein, um dann daraus die beste Version zu basteln. Diesmal hat die erste gereicht.“ Hughes besteht darauf, dass die komplette Scheibe, bis auf ein paar Overdubs, live eingespielt wurde. „Der erste Gedanke ist immer der beste“, lässt er verlauten, live habe man schließlich auch nur eine Chance.
Besonders stolz sei er diesmal auf die Texte, denn er werde mit dem Alter immer besser. „Wenn ich mir meine Ergüsse aus Deep-Purple-Zeiten heute anhöre, schäme ich mich manchmal.“ Was das Gesamtpaket California Breed angeht, gibt es allerdings nichts zu meckern, da hat Hughes Recht: Mit Andrew Watt gelingt der Hälfte von Black Country Communion ein Album, das seine Wurzeln zwar tief in den 70ern hat, aber durch die Interpretation des spätgeborenen Gitarristen eine völlig andere Schlagseite bekommt. Ein bisschen Blues, ein bisschen Dreck, ein bisschen Grunge. ›Spit You Out‹ zum Beispiel, der beste Song, könnte auch von den Stone Temple Pilots stammen. Den Vergleich nimmt Hughes zufrieden lächelnd zur Kenntnis, schließlich kennt er die DeLeo-Brüder auch ganz gut.
Apropos: Hätte er jemals gedacht, wieder einen Song von Ritchie Blackmore im Studio zu singen, wie auf dem Dio-Tribute THIS IS YOUR LIFE mit ›Catch The Rainbow‹ geschehen? „Für meinen Freund Ronnie tue ich alles, auch wenn er tot ist! Da ich den Song schon auf seiner Beerdigung gesungen habe, lag die Studioversion auf der Hand. Es war übrigens Ronnies Witwe Wendy, die das Stück unbedingt auf dem Album haben wollte. Erst danach kamen dann die anderen Bands wie Metallica, Scorpions, Anthrax und Halestorm dazu. Einer muss ja den Anfang machen.“ Mangelndes Selbstbewusstsein kann man dem Mann wirklich nicht vorwerfen.