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Die Geburt des Glamrock

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Als die 60er in die 70er Jahre übergingen, wurde der Rock ein bisschen arg ernst und verlor seinen Glanz. Dann trat ihm jemand mit einer Plateausohle in den Hintern und brachte wieder Spaß, Extravaganz, Aufregung, Farbe und Glitter in die Musik. Der Glam Rock mit all seinem Pomp, Tüll und Make-up war gelandet!

„Are you ready, Steve?“ Manche Leute sagen, es war ›Hot Love‹ von T. Rex bei „Top Of The Pops“ 1971. Andere sagen, es war Bowies ›Starman‹ im folgenden Jahr. Und es gibt Leute, die behaupten, dass sei alles nicht so einfach gewesen. Oder andere, die sagen, einfacher ging es gar nicht. Tony Visconti, einer der wichtigsten Produzenten jener Ära, erzählte in seiner Autobiografie von einem Gig seiner Band The Hype 1970. Er trug „einen weißen Turnanzug, eine silberne gehäkelte Unterhose und ein grünes Cape“, während David Bowie seinen Turnanzug mit „mehreren durchsichtigen Schals“ kombinierte. „Zunächst gab es viele Zwischenrufe und man warf uns alle möglichen Beleidigungen für Homosexuelle an den Kopf. Für mich wird das immer der erste Abend des Glam Rock sein.“

Eines ist sicher: Als der Glam Rock auf unseren Fernsehbildschirmen explodierte – und für die meisten von uns fing er als TV-Phänomen an –, schien die Welt plötzlich in wunderschönen Farben zu erstrahlen. Diese Teenager-Rebellion war die Einstiegsdroge zu aufregender Gitarrenmusik für eine Generation, die ihre eigene Kontroverse, ihren eigenen Thrill wollte und nicht die Beatles, Stones oder den Dylan ihrer älteren Geschwister. Wir woll­ten unsere eigene Revolution. Und in einem kurzen, aber markanten und unglaublich schönen Blitzgewitter aus Glitter, Federboas, himmelhohen Stiefeln und stampfenden Proto-Punk-Hymnen bekamen wir sie.

Die neuen Stars erschienen uns wie Super­helden aus einer anderen Galaxie, keine Typen von nebenan – selbst wenn sie die Typen von nebenan waren. Es folgte Hysterie, als Großbritannien in einen schillernden Ozean aus Samt und Pailletten eintauchte. Vom elektrisierenden Ego eines Marc Bolan über den Artrock von Bowie und Roxy Music zum unwiderstehlichen Rausch von Slade und Sweet und weiteren opulenten Mitstreitern, die auf diesen Zug aufsprangen und ihn ausschmückten, war der Glamrock provokativ, narzisstisch – und notwendig. Die 60er waren tot. Lang leben die 70er!

„Catch a bright star and place it on your forehead“
(›Ride A White Swan‹, T. Rex)

Irgendwie zwang der Glam alles von Sci-Fi-Futurismus über Rock’n’Roll-Revivalismus bis zu Kabarett und Bubblegum-Pop unter einen flamboyanten Hut. Die Kritiker, die lieber fünf Stunden damit zubrachten, eine Zeile von Bob Dylan zu analysieren, hassten ihn. Doch die Jugend wusste es besser. Aufkommende Stars bemerkten diesen Wetterwechsel und begannen, sich entsprechend zu kleiden.

Andy Scott: „Ehrlich gesagt fängt doch alles bei Elvis an – Rock’n’Roll, dargeboten mit Flair. Dann hörten wir alle ›Rock And Roll Part 2‹ von jenem, dessen Name nie mehr wieder ausgesprochen werden soll, und das brachte uns zurück zu ›New Orleans‹ von Gary U.S. Bonds – all dieser komprimierte Rhythmus. Natürlich will jede Generation von Kids ihre eigenen Helden. Noddy Holder sagte mal zu mir, dass wir das Staffelholz der späten 60er übernahmen und es einfach schick anzogen.“

Dave Hill: „Es war total originell. Und es war manchmal verrückt. Frenetisch. In den 60ern hatten wir das Beatles-Phänomen, aber fast alles im Leben war schwarzweiß. Der Glam Rock machte alles bunt.“

David Bowie im „NME“, 1969: „Ich weigere mich, mir für irgendjemanden die Haare schneiden zu lassen oder mein Aussehen zu verändern.“

Marc Bolan im „NME“, 1970: „Der Erfolg von ›Ride A White Swan‹ ist ein Riesenspaß. T. Rex haben noch nicht mal richtig losgelegt. Wir haben noch keinen Zenit erreicht. Ich weiß, was die Leute wollen, und ich bedienen die Medien.“

Samling: AUTISTEN

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Das etwas ungewöhnlich betitelte Album AUTISTEN ist das vierte Werk von Samling, dem Projekt um den schwedischen Singer/Songwriter Max Groundstroem. Die zehn neuen Songs, meist auf schwedisch vorgetragen, changieren zwischen Indie, Pop, Neo Psychedelic, einer Prise verträumter 60s-Westcoast-Vibes und einem Hauch Disco (›Pappa‹). Zusammengebunden werden die Kompositionen von einer federleichten Luftigkeit, die einen subtilen Ausgleich zur melancholischen Note von AUTISTEN schafft.

Das Album erscheint am 06.10.2023 bei Robotor Records.

The Rolling Stones: Neue Single ›Sweet Sounds Of Heaven‹ veröffentlicht

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Am 20. Oktober erscheint HACKNEY DIAMONDS, das neue Album der Rolling Stones. Mit ›Sweet Sounds Of Heaven‹ präsentieren sie nun die zweite Single daraus.

Nur noch drei Wochen Wartezeit, dann erscheint HACKNEY DIAMONDS, das erste neue Studioalbum der Rolling Stones seit knapp 18 Jahren. Nach ›Angry‹ veröffentlichen die Rock’n’Roll-Urgesteine nun die zweite Single ›Sweet Sounds Of Heaven‹.

Mick Jagger schrieb das Gerüst für den Song spontan an einem sonnigen Nachmittag in seinem Haus in London. Draußen fielen die ersten Blätter von den Bäumen und er begann auf dem Klavier zu spielen. Als sie einen Teil des Songs in L.A. aufnahmen, baten die Stones Lady Gaga und Stevie Wonder ins Studio. Das Ergebnis könnt ihr euch unten anhören.

Außerdem interessiert uns eure Meinung: Wie gefällt euch der Song? Und was haltet ihr von den Gastauftritten von Lady Gaga und Stevie Wonder?

Was machen eigentlich Grand Funk Railroad?

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Poison, Autograph, Rob Zombie, Jackyll, Eric Church und viele andere haben den Grand-Funk-Railroad-Megahit und Trademarksong ›We’re An American Band‹ auf CD und live gecovert. Natürlich spielen dessen Schöpfer die Nummer von 1973 heute noch als Zugabe.

Die Geschichte der nach der „Grand Trunk Western Railroad“ benannten Band beginnt aber schon früher. Nach gemeinsamen Erfahrungen in anderen Formationen finden die beiden aus Flint, Michigan – hier fährt besagter Zug durch – stammenden Mark Farmer (Gitarre und Gesang) und Mel Schachner (Bass und Gesang) sowie Schlagzeuger und Sänger Don Brewer Ende der 60er zusammen und die Rock-Lok nimmt 1969 als Grand Funk Railroad Fahrt auf.

Am 4. Juli spielen sie auf dem riesigen „Atlanta Pop Festival“ und ein Plattenvertrag lässt nicht lange auf sich warten. Das Debüt ON TIME verkauft sich bestens, es folgen schnell weitere erfolgreiche Longplayer.

1971 hat die Band auch live große Anziehungskraft, füllt zweimal das New Yorker Shea Stadion und übertrifft in Sachen Ausverkaufsgeschwindigkeit sogar die Beatles. Zwei Jahre später ist man mit Keyboarder Craig Frost zum Quartett angewachsen und nimmt unter der Ägide von Todd Rundgren WE’RE A N AMERICAN BAND mit der gleichnamigen, chartstürmenden Single auf.

Das passend betitelte BORN TO DIE hätte 1976 der Schlussstrich sein sollen, aber mit Frank Zappa als Produzent wird GOOD SINGIN’, GOOD PLAY IN’ nachgelegt. Das vorübergehende Aus
folgt dann aber doch, als Mark Farmer die Band verlässt.

Anfang der 80er findet man wieder zusammen, den Bass bedient bis 1983 Dennis Bellinger. Doch schon nach einer Tour geht es bis 1995 aufs Abstellgleis. Als nach einer weiteren Reunion, Gitarrist und Sänger Farmer die Band endgültig verlässt, wird erneut die Bremse gezogen.

Die beiden Gründer Schacher und Brewer machen den Zug aber wieder flott und stellen bis heute die Weichen. Zusammen mit namhaften Mitstreitern wie Ex-Kiss Bruce Kulick an Gesang und Gitarre, dem ebenfalls Gitarre spielenden und singenden ehemaligen 38-Special-Mitglied Max Carl sowie Keyboarder Tim Cashion, der schon mit Bob Seger gespielt hat. In dieser Besetzung feierte die Band 2019 mit diversen Liveauftritten, die bis ins laufende Jahr hineinreichten, das 50. Bandjubiläum.

Zuletzt wurde am 7. März Atlantic City gerockt. Viele weitere geplante Termine fielen dann der Corona-Pandemie zum Opfer. Zwar sind auf der offiziellen Homepage noch einige Dates zu finden, aber die von Pressesprecher Mitch Schneider übermittelte Aussage der Band „wir freuen uns, 2021 auf die Straße zurückzukehren“ lässt darauf schließen, dass heuer wohl nichts mehr passieren wird. Zu Plänen wie einem neuen Album gibt es auf Nachfrage keinen Kommentar der american band, die bis heute über 25 Millionen Platten verkauft hat.

Mammoth WVH: In seine Rolle hineingewachsen

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Dieser Tage erscheint mit II das gelungene zweite Werk von Mammoth WVH, dem Soloprojekt von Wolfgang Van Halen. Er ist der Sohn von Gitarristenlegende Eddie Van Halen († 2020) und war der letzte Bassist in dessen mega-erfolgreicher Band.

Im Vorfeld unseres Gesprächs wurde darum gebeten, Wolfgang möglichst nicht auf den Tod seines Vaters anzusprechen. Er habe emotional noch immer an dem tragischen Verlust zu knabbern und deshalb in den USA schon ein paar Interviews abbrechen müssen. Diesem Wunsch entsprachen wir natürlich gern. Zumal es aktuell genügend andere Themen gibt, zu denen sich der Kalifornier äußern kann und will. Trotzdem kam im Lauf unseres Treffens dann doch kurz die Rede auf einen der einflussreichsten und wichtigsten Gitarristen der Rockhistorie, aufgebracht vom Junior selbst.

Es ist der Morgen, nachdem Mammoth WVH im ausverkauften Hamburger Volksparkstadion ihren ersten deutschen Auftritt in diesem Jahr feierten: Als Support für Metallica spielten sie zwar noch bei Tageslicht und vor einer sich erst im Lauf ihrer Show füllenden Arena. Dennoch zeigte sich der junge Mann mehr als zufrieden mit dem Abend: „Es war großartig. Ich weiß nicht wie es sich für das Publikum anfühlte, aber auf der Bühne war der Sound fantastisch. Den Reaktionen nach zu urteilen, muss es aber prima gewesen sein. Metallica und ihre Crew verhalten sich extrem großzügig uns gegenüber. Sie helfen uns, wo sie können, und lassen uns Teile ihres Equipments benutzen. Außerdem dürfen wir jeden Tag einen Soundcheck machen – was auf diesem Niveau alles andere als üblich ist.“ „Dass wir auf diese Tour gebucht wurden, ist ein echter Glücksfall“, freut er sich. „Wir erreichen dabei an einem Abend so viele Rockfans, wie wir es sonst in zwei, drei Monaten nicht schaffen. Diese Stadiontermine liegen zudem immer ein paar Tage auseinander. Wenn irgend möglich schieben wir immer noch eigene, kleine Clubshows dazwischen, so wie hier in Deutschland.“ Begonnen hat der Treck mit Metallica, der übrigens bis mindestens in den nächsten Sommer hinein unterwegs sein wird, wenn beide Acts weitere Shows in Deutschland spielen, in Amsterdam. „Das war sehr bewegend für mich“, blickt „Wolf“, wie er von seinen Kollegen und den Fans genannt wird, auf den zum Zeitpunkt dieses Gesprächs erst ein paar Tage

zurückliegenden Auftritt zurück. „Es ist der Ort, in dem mein Vater und auch mein Onkel Alex geboren wurden und zumindest teilweise noch aufgewachsen sind.“ Beim ersten Konzert einer Tour könne immer einiges schiefgehen, und meist tue es das dann auch, erklärt er. „Aber diesmal lief es wie am Schnürchen. Außerdem war das Publikum aufgeschlossen und reagierte, wie auch hier in Hamburg, richtig positiv auf unsere Lieder. Das war schon mal eine riesige Erleichterung und ein toller Einstieg. Sehr schön fand ich aber auch die Zeit vor und nach dem Auftritt. Ich habe versucht, mich ein wenig umzuschauen und ein Gefühl für die Stadt zu bekommen. Sie gefällt mir wirklich gut und ich werde bestimmt noch oft, sicher auch mal privat, zurückkehren. Leider spreche ich kein

Wort Niederländisch. Hoffentlich beherrsche ich bis zum nächsten Mal zumindest ein paar Sätze.“ Dabei helfen könnten ihm die Leute, die er traf, nachdem er in Amsterdam von der Bühne kam: „Ich hatte das Glück, ein paar mir bis dahin unbekannte Cousins und Cousinen zu treffen. Alex hatte den Kontakt hergestellt, da wir tatsächlich noch eine erstaunlich große Anzahl von Verwandten in Amsterdam und auch in Nijmegen haben. Ein paar von ihnen hatte ich bereits im letzten Jahr kennengelernt, als wir mit Alter Bridge in Europa tourten. Die haben nun noch weitere Familienmitglieder mitgebracht. Wunderbar. Zumal einige von ihnen sogar noch ein paar Geschichten von ihren Eltern und Großeltern erzählen konnten, die meinen Dad als kleines Kind kannten. Einer hatte sogar den Abzug eines Fotos von damals für mich dabei. Das war alles sehr emotional.“ Der eigentliche Grund des Trips ist aber natürlich kein Familientreffen, sondern die

Promotion des neuen Albums MAMMOTH II. Zwei der Stücke davon – die vorab als Singles ausgekoppelten ›Like A Pastime‹ und das stürmische ›Another Celebration At The End Of The World‹ – fanden sich bereits auf der Setlist. Bei beiden ist deutlich zu hören, wie sehr sich Wolfgang Van Halen als Komponist, aber noch mehr als Performer weiterentwickelt und an Selbstvertrauen gewonnen hat. Letzteres trifft ganz besonders auf seine Leistung am Mikrofon zu, die noch um einiges intensiver, kraftvoller und ausdrucksstärker ausfällt als auf dem diesbezüglich schon richtig guten Debüt vom Sommer 2021. Wie dieses wurde das Zweitwerk im Alleingang eingespielt. Was bedeutet, dass nicht nur der Gesang und die Gitarre, sondern auch sämtliche Schlagzeug-, Percussion-, Bass- und Keyboards-Parts von Van Halen selbst stammen. Aufgenommen wurde alles in den 5150 Studios, den einst von Eddie eingerichteten und nun vom Sohnemann übernommenen Aufnahmeräumen im Coldwater Canyon in Studio City vor den Toren von Los Angeles. „Es macht mir unglaublichen Spaß, im Studio zu arbeiten“, berichtet der Musiker mit einem ehrlichen Funkeln in den Augen. „Ich habe dort alles, was ich brauche, und kann in Ruhe, ohne Zeitdruck oder Störung, mein Ding machen. Ich habe bei der Fertigstellung des Erstlings viel gelernt und konnte so dieses Mal deutlich strukturierter zu Werke gehen. Immer wenn ich dann der Meinung war, dass ich einen Song fertig hatte, oder auch wenn ich mal mit einem anderen nicht weiterkam, schaute mein Produzent Michael ‚Elvis‘ Baskette rein. Wir kennen uns, seit ich damals in Mark Tremontis (der Creed- und Alter-Bridge-Gitarrist; Anm. d. Red.) Soloband am Bass aushalf und er CAUTERIZE und DUST für uns produzierte. Elvis hat ein fantastisches Gespür dafür, was ein Track braucht oder was überflüssig oder gar störend ist. Ich kann seinem Urteil uneingeschränkt vertrauen.“

Bereits für die Tour zur ersten Platte hatte Van Halen eine Handvoll kompetenter Instrumentalisten um sich versammelt – darunter Frank Sidoris (Slash), Ron Ficarro (ehemals Falling In Reverse) und seinen früheren Tremonti-Kollegen Garrett Whitlock. Laut Wolfgang sind sie alle mittlerweile zu einer echten Einheit zusammengewachsen. „Wobei ich immer noch dabei bin zu lernen, was es wirklich heißt, ein Bandleader zu sein. Das ist eine Rolle, in die ich erst noch hineinwachsen muss“, lacht er. „Wir sind mittlerweile echte Kumpels. Aber manchmal muss man trotzdem etwas lauter werden oder einfach entscheiden, was zu tun ist. Dafür bin ich eigentlich nicht so der Typ …“, sagt er verlegen, und fügt dann jedoch hinzu: „Aber die Jungs machen es mir leicht. Was wirklich schön ist.“

Bernie Marsden: Soloalbum erscheint posthum

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Am 24. August ist Bernie Marsden im Alter von 72 Jahren verstorben. Jetzt wurde verkündet, das der ehemalige Gitarrist von Whitesnake vor seinem Tod an seinem neuen Soloalbum WORKING MAN gearbeitet und dieses auch fertig gestellt hatte.

Die Platte erscheint nun posthum am 24. November, eine erste Single mit dem Titel ›Being Famous‹ gibt es bereits jetzt zu hören. Die schwungvolle Blues-Rock-Nummer behandelt die teilweise schon fast lächerlichen Reichtümer und Exzesse von Rockstars und enthält den schlichten Hinweis „don’t lose your mind“.

Bernie Marsden im Interview lest ihr in der aktuellen Ausgabe von CLASSIC ROCK. Jetzt hier versandkostenfrei bestellen.

Alice Cooper: Ode an die Straße

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Das Tourleben ist Sehnsuchtsort und Paralleluniversum gleichzeitig – ein fahrender Rock’n’Roll-Zirkus, von dem viele Musiker*innen träumen. Einer, der davon nicht mehr träumen muss, weil er seit Mitte der 60er fast nichts anderes tut, als auf Tour zu gehen, ist Alice Cooper. Und weil der inzwischen 75-jährige Meister des Schockrock es immer noch liebt, durch die Lande zu reisen und mit seiner grandiosen Liveband für seine Fans zu spielen, hat er sein neues Album ROAD um eben jenen Kosmos herum konzipiert. Es geht um schmerzliche Abschiede, flüchtige Liaisons, nicht enden wollende Highways, Groupies, Exzesse, die Roadcrew und den Adrenalinrausch bei Konzerten. Beim Songwriting hat er dabei konsequenterweise seine Liveband – bestehend aus Tommy Henriksen, Ryan Roxie und Nita Strauss (Gitarren), Chuck Garric (Bass) und Glen Sobel (Drums) – ins Boot geholt. Außerdem sind die Gastmusiker Kane Roberts, Tom Morello (Rage Against The Machine), Keith Nelson (Buckcherry) und Wayne Kramer (MC5) auf ROAD zu hören. Die genauen Hintergrundinformationen zur Genese der wirklich gelungenen Platte und das Geheimnis, wie man das Tourleben körperlich und psychisch unversehrt übersteht, verriet uns Mr. Cooper im Telefoninterview:

Ist ROAD die logische Konsequenz daraus, dass Alice Cooper nach der Pandemie wieder touren darf?

Oh ja! Und außerdem kommt es nicht allzu oft vor, dass du eine Tourband hast, die so gut ist, dass du unbedingt mit ihr angeben willst. (lacht) Ich wollte meine Band in den Albumprozess integrieren. Eigentlich schreiben Bob Ezrin [Coopers langjähriger Produzent und Arbeitspartner. Anm. d. Red.] und ich die Songs, diesmal wollte ich jedoch, dass die Band das tut. Anschließend dokterten Ezrin und ich an ihren Ideen herum, um sie zu unseren Liedern zu machen. Darüber hinaus wollte ich, dass sie all diese Tracks live im Studio einspielten – es gibt nur wenige Overdubs. Und da ich diese Menschen eigentlich nur sehe, wenn wir gemeinsam unterwegs sind, haben wir diese Platte logischerweise über das Leben auf Tour geschrieben. Über die Busfahrer, die Hotelzimmer, darüber, deine Frau zuhause zurückzulassen – mit meinen Texten habe ich diese Tracks zu ROAD-Songs werden lassen.

copyright_earMUSIC_photo_credit_Jenny_Risher

Hast du deiner Band irgendwelche Vorgaben gemacht?
Nicht wirklich, die wissen ja, wie Alice Cooper klingen muss. Nita beispielsweise ist jünger als alle anderen, sie ist viel stärker von Bands wie Rage Against The Machine beeinflusst – also sagte ich: kein Problem, dann arbeite an Nummern, die in diese Richtung gehen. Der einzige Unterschied zwischen Metal und Hard Rock ist am Ende eh nur die Haltung dahinter, aber es ist schon klar, dass wir nicht in die heavy, heavy Metal-Ecke abdriften bei Alice Cooper.

ROAD kommt ja nur zwei Jahre nach DETROIT STORIES heraus – ein solider Workflow für einen beschäftigten Mann wie dich. Wann habt ihr mit den Arbeiten an ROAD begonnen?

Wir denken immer weit im voraus. Ezrin und ich haben ja nicht nur ROAD fertig gestellt, sondern gerade auch schon 75% einer weiteren Platte abgehakt. Alice Cooper hat eine lange Historie und viele Menschen lieben besonders die alten Alben. Das verstehe ich, lebe jedoch überhaupt nicht in der Vergangenheit. Fast täglich erzählt mir irgendwer: ‚Hey, heute ist der Jahrestag von PRETTIES FOR YOU‘ oder so etwas und ich habe keinen blassen Schimmer, weil mich das nicht wirklich interessiert. (lacht) Ich denke lieber an das nächste und übernächste Album nach. Und dann steht ja mit den Hollywood Vampires auch noch irgendwann ein Album an.

Wieder mal hast du herrlich spitzzüngige Texte auf ROAD versammelt. Wie viele der Textideen hast du aus deinem persönlichen Erfahrungsfundus geschöpft?

Ich denke, ich suche in jeder Situation nach dem gewissen Quäntchen Humor. Zum Beispiel diese Geschichte über ein paar Typen, die an der Raststätte halten, um etwas zu essen. Die Kellnerin kommt, einer der Typen schaut auf ihre Schuhe und sagt: „She’s got big boots“ [„Sie hat große Stiefel.“ Anm. d. Red.] Jeder denkt, dass er auf ihre „big boobs“ [große Brüste. Anm. d. Red.] anspielt, doch er redet von ihren Schuhen. So etwas finde ich einfach lustig. (lacht) Es gibt natürlich auch Lieder, die nicht sonderlich witzig sind. ›Baby Please Don’t Go‹ beispielsweise erzählt von der Situation, wenn du dein Zuhause für die Tour verlassen musst. Der Typ im Lied steht morgens auf, ist schon fast bei der Tür draußen und seine Frau oder Freundin sagt: „baby, please don’t go!“ Das bricht dir das Herz, weil du ja weißt, dass du losziehen musst. Und sie weiß auch, dass du losziehen musst. Dieser letzte Versuch einer Bitte, das kann echt hart sein. Diesen Herzschmerz wollte ich einfangen. Tracks wie ›White Line Frankenstein‹ hingegen sind wieder sehr ulkig.

Wie bist du mit diesen Baby Please Don’t Go-Momenten in deiner Karriere umgegangen?

Meine Frau war Teil der Band ab WELCOME TO MY NIGHTMARE, sie war damals 18. Nach vier oder fünf Jahren bekamen wir unser erstes Kind, also musste sie die Tour verlassen, was echt schwer für sie war, weil sie als Primaballerina ja dort aufgewachsen war. Doch es half nichts, sie zog die Kinder groß, ich suchte nach einem Ersatz für sie. Als unsere Kinder schließlich alt genug und aus dem Haus waren, sagte ich sofort zu meiner Frau: „Sheryl, du musst wieder mit auf Tour kommen!“ Seit etwa acht Jahren ist sie also wieder mit dabei. Das ist herrlich, weil ich diese Abschiedsmomente jetzt nicht mehr durchmachen muss. Doch es gab Zeiten, da war es anders und das war schwer. Ich habe ein Foto im Haus davon, wie wir uns am Flughafen in Los Angeles voneinander verabschieden – puh, ganz schön hart! Wahrscheinlich habe ich deshalb diesen Song geschrieben.

Das glaube ich, du hast ja nicht nur deine Frau, sondern auch deine Kinder verabschieden müssen.

Absolut. Und inzwischen sind noch meine fünf Enkelkinder dazugekommen, großartige kleine Menschen, die auch alle einen tollen Sinn für Humor haben. Sie alle kapieren komplett, worum es bei Alice Cooper geht. (lacht)

Apropos: Der Opener I’m Alice ist eine kleine Vorstellungsrunde mit einem herrlichen Spoken-Word-Teil, in dem du wortreich erklärst, dass Alice eine Projektionsfläche ist. Wofür eigentlich? Was projizieren die Leute in diese Figur?

Ich glaube, die Menschen haben inzwischen verstanden, dass Alice Cooper ein Charakter ist, den ich spiele. Ansonsten wäre ich schon im Knast oder tot! (lacht) Ryan Roxie brachte diesen Song rein und ich brachte Alice Cooper hinein, diesen arroganten Bösewicht, der dem Publikum erzählt, wie großartig er doch ist. Das bringt mich zum Lachen! (lacht) Er erklärt, wer er ist. Ich wollte das Ganze sehr theatralisch gestalten, ein bisschen, als würde Captain Hook sich selbst vorstellen. Dann gibt es auch noch den Song namens ›Rules Of The Road‹, darin kommt ein Typ vor, der mit jungen Rockmusikern spricht und ihnen nur falsche Ratschläge gibt. (lacht) Nach dem Motto: ‚Wenn ihr all diese Regeln befolgt, verreckt ihr bevor ihr 27 Jahre alt seid‘.

Die Frage, die sich nach Hören dieses Songs aufdrängt: Wie oft hast du im Laufe deiner Karriere dein Geld nach einem Gig nicht bekommen? Das betonst du ja mehrmals.

Shep Gordon ist ja seit Ewigkeiten mein Manager, genauer gesagt seit 55 Jahren. Wir haben nicht mal einen Vertrag oder so etwas, wir arbeiten einfach zusammen. Das ist wahrscheinlich die einzige frühe Künstler-Manager-Geschichte in der Historie der Rockmusik, die gut gegangen ist. (lacht) Er sagt immer zu allen: ‚erste Regel – hol das Geld. Zweite Regel – vergiss nicht, das Geld zu holen. Dritte Regel: Denk immer daran, nicht zu vergessen, das Geld zu holen!‘ (lacht) In den frühen Tagen mussten wir echt öfter Mal um unsere Gage kämpfen, deswegen ist das quasi ein running Gag unter uns. Ich erinnere mich daran, wie wir mal eine Show in Mexico spielten, das war eh schon immer ein wenig riskant. Also wollte Shep das ganze Geld haben, bevor wir einreisten, was echt eine gute Idee war, weil der Promoter der Show einen Tag vor unserem Konzert ausgeraubt wurde – die ganze Kohle wäre also weg gewesen. Das sind so Dinge, die ein guter Manager für dich regelt. (lacht)

Ich finde es spannend, dass dieses Album eine Hommage an das Tourleben ist. Viele deiner Altersgenossen erzählen mir, dass das Touren für sie ziemlich anstrengend geworden ist.

Jeder hat einen anderen Tour-Stil. Erst letztens sprach ich mit Johnny Depp und Joe Perry über dieses Thema. Die beiden bleiben immer in ihren Hotelzimmern. Meine Frau und ich hingegen stehen morgens auf und gehen raus, wir bummeln, essen zu Mittag. Ich könnte das nicht aushalten, nur in meinem Hotel herumzusitzen. Aber für Johnny und Joe ist das der beste Weg. Jeder muss einen Weg finden, um mit der Straße klarzukommen. Ich habe mein halbes Leben auf ihr verbracht, ich habe gelernt, sie zu lieben. Ich mag es immer noch sehr, zu reisen.

Die Tour ist ja wie ein mystisches Paralleluniversum, das viele sehr anzieht. Wie du in einem Song ironisch erzählst, birgt dieses Paralleluniversum durchaus Gefahren, vor allem für junge Musiker*innen. Kann das Leben auf Tour den Charakter verderben?

Ohja, ich denke schon. Alice ist meine Art, damit umzugehen. Ich habe Alice erfunden, um meinen persönlichen Lieblingsrockstar verkörpern zu können. Ich habe mich gefragt, wie ich mir als Zuschauer meinen persönlichen Rockstar vorstellen würde. Ich kann also ehrlich sagen, dass Alice mein liebster Rockstar ist und ich es liebe, ihn zu spielen.

Aber da liegt der Unterschied: du spielst ihn…

Ganz genau! Es gab Zeiten, als ich trank und Drogen nahm, wo ich nicht mehr wusste, wo Alice aufhört und ich anfange. Als ich vor 40 Jahren nüchtern wurde, habe ich gelernt, die beiden zu trennen und seitdem liebe ich es, Alice zu mimen. Ich weiß nicht, ob es anderen Künstlern da draußen ähnlich geht. Bei Mick Jagger ist es bestimmt auch so, der ist auf der Bühne auch anders.

Birgt das Tourleben die Gefahr, dass man schlechtes Verhalten an den Tag legt? Man andere Menschen respektlos behandelt, weil man sich in diesem Paralleluniversum verliert?

Ich denke durchaus, dass das möglich ist. Schon als ich jung und auf Tour war, war ich stets sehr vorsichtig. Meine ganze Band war vorsichtig. Damals war das, als würde man ein Kind in einem Süßigkeitenladen loslassen. Du bekamst alles, was du wolltest. Und trotzdem bzw. gerade deswegen darf man seinen eigenen moralischen Kompass nicht verlieren. Und es gibt Bands, die haben so etwas gar nicht – Moralvorstellungen oder ähnliches. Sie nehmen sich alles, was sie kriegen können. Und eventuell müssen sie irgendwann dafür bezahlen. In den 60ern und 70ern war alles total verrückt und da ich das alles mitbekommen habe, kann ich nur sagen: Ja, wenn man als Band rücksichtslos handelt, ist das durchaus möglich.

Was sind einige ehrliche Tourregeln, wenn man nicht vor dem 27. Geburtstag das Zeitliche segnen will?

Die Show muss der wichtigste Teil des Tages sein. Wenn du drei Monate unterwegs bist, schaffst du es besser, ordentlich durch den Tag zu navigieren, so dass du zur Showtime dann 100 Prozent geben kannst. Bei mir ist das so: gegen 16 Uhr mache ich ein etwa eineinhalbstündiges Schläfchen, weil es mir einen Energiekick gibt. Früher nahm ich dazu Drogen, heute ist jeder brav und gesund. Alle nehmen Vitamine, schlafen viel, essen gesund – wenn du dir das zur Regel machst, eine großartige Show ablieferst und tolle Platten machst, dann kannst du solange auf Tour gehen, wie du willst.

Led Zeppelin: John Bonham – Seine letzten Tage

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John Bonham hat nicht einfach nur getrommelt: Er konnnte Led Zeppelin Durchschlagskraft ver­leihen. Daher war nach seinem Tod rasch klar: Bonham ist nicht ersetzbar, das Ende der Band ge­­kommen. CLASSIC ROCK erinnert sich an den Mann, der zwar stets so spielte, als würde er ein Erdbeben imitieren, sich im tiefsten Inneren aber nach einem ruhigeren Lebensstil sehnte.

John Bonham ist mehr als ein Drummer: Er ist der Herzschlag von Led Zeppelin. Und als der aussetzt, endet nicht nur sein Leben, sondern auch das der Band. Alle Energie scheint aus dem Körper von Led Zeppelin zu entweichen, als sich der 32-Jährige in der Nacht zum 25. September 1980 erstickt.

Eine Tragödie, selbstverständlich. Noch dazu eine, die zu einem unerwarteten Zeitpunkt passiert. Denn gerade erst haben sich die Dinge für die Gruppe zum Guten gewendet. Nach einer Reihe von dramatischen Ereignissen, die das Bandgefüge in den Mittsiebzigern erschütterten, ist die Lage im Spätsommer 1980 relativ stabil, alles läuft rund. Die Musiker proben für die größte Led Zep-Tour seit Jahren, als das Unglück seinen Lauf nimmt…

Der Grund, warum John Bonham in so jungen Jahren sterben muss, ist nicht der Alkohol allein, sondern das Phänomen ›Led Zeppelin‹ generell. Die Musiker stehen unter enormem Druck – schließlich spielen sie in einer der größten Rockbands der Welt. Das bringt den Vier zwar Ruhm, Ehre, Geld und Anerkennung ein, verändert aber nach und nach ihre Persön­lich­keit und zerstört ihre Gesundheit.

Dabei kann anfangs noch niemand ahnen, dass die Band später in einem monströsen Star-Strudel enden wird. Im Gegenteil: Für alle Beteiligten ist es ein wundervoller, bewegender Tag, als Bonham, ein Junge aus den britischen Midlands, im Jahr 1968 Mitglied der neuen Band von Jimmy Page wird. Er ist bodenständig, großzügig und umgänglich, also genau der Typ Mensch, von dem man denkt, dass er den Versuchungen des Rock’n’Roll locker widerstehen kann. Bonham stammt aus einfachen Verhältnissen, hat als Maurer und Bodenleger gearbeitet und seine gesamte Freizeit dem Schlagzeugspielen gewidmet. Er ist gut. So gut, dass er gerade erst von Tim Rose engagiert worden ist. Die Bezahlung stimmt. Daher denkt Bonham anfangs gar nicht daran, bei Page einzusteigen, als dieser die New Yardbirds (wie Led Zeppelin anfangs heißen) formiert und den Drummer an Bord haben möchte. Erst nach einer Reihe von Betteltelegrammen von Manager Peter Grant sagt er schließlich zu.

Page ist froh über das Ja, denn er will Bonham unbedingt für sich gewinnen. Der Drummer ist nämlich niemand, der sein Kit nur zärtlich streichelt. Wenn er es für nötig hält, kann er kräftig zulangen und auf die Kessel eintrümmern. Allerdings tut er das mit Bedacht, Sinn und Verstand – anders als beispielsweise Keith Moon von The Who, dessen Drumming sich durch eine natürliche, aber auch unkontrollierte Aggressivität auszeichnet.