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Ida Mae: THUNDER ABOVE YOU

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Beständig hohes Indieblues-Niveau vom sympathischen englischen Pärchen

Stephanie Jean Ward und Christopher Turpin sind das UK-Ehepaar, das nach der Uni drei Alben mit der
Grungeband Kill It Kid tourte, um schließlich beim Blues zu landen, sich in Nashville nieder zu lassen
und Promi-US-Fans wie Greta van Fleet und Marcus King zu sammeln. Rau und dirty, hübsch und
melodisch kann man ihre zwei bisherigen Alben zwischen anderen Noiseblues-Boy/Girl-Teams wie The
Kills und Shovels & Rope einordnen. Neues gab‘s im persönlichen Leben des Paars: Steph und Chris sind Eltern geworden. Das Kind soll daheim in England aufwachsen, also wurde die Dritte auf der Insel aufgenommen. Wie beim Debüt CHASING LIGHTS (2019) konnten damit die UK-Folkmaestros Ethan Johns (Drums, Produktion) und Nick Pini (Bass) die Band im Studio zum Quartett erweitern.
Nun ist der Blues, auch wenn man ihn mit Indierock aufpeppt, per definition kein Genre, bei dem sich
viel Neues tut. Ergo unterscheidet sich THUNDER ABOVE YOU nur in Nuancen von den Vorgängern.
Eine verstärkte Folknote, noch größere Trittsicherheit im Zusammenspiel, kleine Experimente (z.B. die
Drummachine in >>My Whispers Are Wildfire<<). Ein starkes drittes Album, das den Level seiner
Vorgänger hält, wenn nicht sogar leicht anhebt.

7 von 10 Punkten

Ida Mae/THUNDER ABOVE YOU/ROAD RECORDS/THE ORCHARD

The Judds: Wynonna Judd, Gwen Stefani und mehr zollen Tribut

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The Judds. Etwas ältere Semester werden sich an dieses einzigartige, aus Mutter Naomi und Tochter Wynonna bestehende Country-Duo erinnern. Die 80er waren ihre große Zeit. Ihre ersten drei Alben landeten jeweils auf Platz eins der Country- Bestenliste, die weiteren ernteten ebenfalls Gold- und Platin-Status. Anfang der 90er war dann, bis auf rare Ausnahmen, Schluss – und Wynonna ging auf Solo-Trip.


Tragisch: Letztes Jahr starb Naomi, einen Tag bevor der Act in die Country Music Hall Of Fame aufgenommen wurde. Das jetzt aufgelegte A TRIBUTE TO THE JUDDS erinnert mit 14 ihrer stärksten Lieder an dieses Ausnahme-Duo. (Gunther Matejka)

Als Vorgeschmack auf die Platte, die am 27. Oktober erscheint, gibt es heute zwei Single-Auskopplungen inklusive Lyricvide. Auf ›Cry Myself To Sleep‹ kooperieren Wynonna Judd und Trisha Yearwood, für die Adaption von ›Love Is Alive‹ haben Gwen Stefani und Blake Shelton zusammengearbeitet.

›Cry Myself To Sleep‹:

›Love Is Alive‹:

Tré Burt: TRAFFIC FICTION

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Reißnägel zum Frühstück und abends mit Rachenputzer gurgeln? Ein bisschen muss man wohl schon nachhelfen, um so eine rabiate Raureifstimme zu bekommen, wie sie Tré Burt sein Eigen nennt. Das ist aber längst nicht das einzige Besondere an dem aus Sacramento stammenden Singer/Songwriter. Moment: Eigentlich müsste man Tré Burt wohl als Dichter bezeichnen, als singenden Dichter. Wie schon auf seinen von der Kritik höchst wohlwollend aufgenommenen Vorgängerwerken erweist sich der ehemalige Mechaniker in den zwölf Tracks von TRAFFIC FICTION als detailverliebter, kritischer Beobachter und Chronist einer schwierigen Zeit. Ein, wenn man so will, moderner Protestsänger, eine raue Stimme der Arbeiterklasse. Ganz wie die Pioniere dieses Genres verpackt Burt seine kritischen Anmerkungen in rustikale Folk- und Americana-Arrangements. Pete Seeger hätte seine helle Freude an dem Knaben gehabt.

TRÉ BURT
TRAFFIC FICTION
OH BOY/THIRTY TIGERS/MEMBRAN

Trevor Rabin: RIO

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Zeitloser Rock-Pop mit Yes-Attitüde und virtuoser Fingertechnik

An den größten kommerziellen Erfolg, an dem der Südafrikaner Trevor Rabin jemals beteiligt war, erinnern auf seinem neuen Soloalbum vor allem die Gesänge inklusive ihrer Chorsätze: Wie schon auf „90125“, dem Jahrhundertwerk der britischen Progrock-Band Yes, garniert Rabin auch auf RIO so manchen Refrain mit einem Falsett-Background, der (im positiven Sinne) durch Mark und Bein geht. Auch der Leadgesang der Scheibe erinnert in manchen Stücken an Jon Anderson im Jahr 1983, als das erklärte Ziel lautete, den perfekten Poprock-Song zu produzieren. RIO ist die dritte Soloscheibe des Multiinstrumentalisten Rabin, der außer Schlagzeug sämtliche Instrumente eigenhändig gespielt und auch ein goldenes Händchen für komplexe Arrangements hat, die sich – einem kleinen Wunder gleich – stets auf raffinierteste Weise in feinste Hooks auflösen. Zudem zeigt der Ausnahmemusiker seine virtuose Fingertechnik an der klassischen Gitarre, die so manches Intro veredelt und wahres Können von bravem Handwerk abgrenzt. Bleibt abschließend nur die Frage: Weshalb hat Rabin für diese Scheibe 34 Jahre gebraucht?

7 von 10 Punkten

Trevor Rabin
RIO
INSIDEOUT/SONY

Prong: STATE OF EMERGENCY

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Zeitloser Crossover-Metal – großartig produziert

Die großen drei Alben von Prong liegen drei Jahrzehnte zurück: BEG TO DIFFER erschien 1990, ein Jahr später PROVE YOU WRONG und 1994 CLEANSING. Ihr Dampframmen-Hardcore, den sie zwischen Helmet und Biohazard mit Einflüssen aus Industrial, Groove-Metal und Sample- Techniken positionierten, setzte Maßstäbe. Ihr neues Werk STATE OF EMERGENCY ist wieder eine Ouvertüre aus schnittigen Stop-And-Go-Gitarren, Kopfnicker-Grooves und dicker Produktion. Das Schlagzeug klingt nicht mehr nach dem Stricknadel-Geknatter zu CLEANSING-Zeiten, hier hat Produzent Steve Evett (Sepultura, Dillinger Escape Clan) viel mehr Wumms und Tiefenschärfe eingesetzt. Die Songs stimmen auch und hauen ordentlich auf die Zwölf: Bei ›Breaking Point‹ heulen die Gitarren in Richtung Metal, bei ›Who Told Me‹ trifft New-York- Hardcore auf Ministry, und ›Disconnected‹ könnte mit seiner vielfältigen Dynamik sogar von Therapy? sein. Alle elf Tracks überzeugen in Form und Inhalt – und mit ›Working Man‹ endet die Platte mit einer schönen, würdevollen Rush-Coverversion. Tommy Victor & Co. sind eindrucksvoll zurück.

7 von 10 Punkten

Prong
STATE OF EMERGENCY
STEAMHAMMER/SPV

Gewinnspiel: Tickets von Alberta Cross im Lostopf

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Mitte Oktober spielen Alberta Cross zwei Shows in Deutschland. Am 15.10. tritt die Band in Köln im Yard Club auf, am 16.10. gibt es die Indie-Truppe um Sänger/Gitarrist Petter Ericson Stakee in Berlin im Badehaus zu sehen. CLASSIC ROCK verlost 2×2 Freikarten pro Stadt.

Jetzt mitmachen und gewinnen:

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Gewinnspiel: Freikarten für David Duchovny im Lostopf!

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David Duchovny ist ein Mann mit vielen Talenten. Nicht nur ist er ein berühmter Schauspieler, bekannt durch Formate wie „AkteX“ oder die erfolgreiche Serie „Californication“, zudem wirkt der Tausendsassa als Autor mehrerer Romane und ja, auch als Musiker.

Auf seinen Soloplatten wie HELL OR HIGH WATER und GESTURELAND taucht der Singer/Songwriter tief ein in die Klangwelt des Folkrock und Americana, präsentiert unaufgeregte, zurückgelehnte, raue und ehrliche Songs. Selbige wird der Star im November an zwei Terminen zusammen mit seiner Band in Deutschland live auf der Bühne präsentieren. CLASSIC ROCK verlost 2×2 Freikarten pro Stadt!

David Duchovny live erleben:

12.11.23 Hamburg, Große Freiheit

13.11.23 Köln, Carlswerk Victoria

Jetzt mitmachen und Freikarten gewinnen:

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(Teilnahmeschluss ist der 03.11.2023)

Rückblende: Sweet – ›Fox On The Run‹

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Das Stück, das insgeheim aufgenommen wurde, als die üblichen Songwriter gerade im Ausland weilten, verhalf der Band zu einem Riesenhit. Und genoss dank „Guardians Of The Galaxy“ einen zweiten Frühling …

Es ist 1974 und die Mitglieder von Sweet haben die Nase voll. Auf dem Papier sieht ihre Hitsträhne inklusive der UK-Nr.-1 aus dem vorigen Jahr ›Block Buster!‹ und einer Reihe von Platz-2-Singles (›Hell Raiser‹, ›The Ballroom Blitz‹ und ›Teenage Rampage‹) beneidenswert aus. Die Wahrheit ist aber, dass sich die Band zunehmend eingeengt fühlt von der öffentlichen Wahrnehmung: Sie gelten als Marionetten ihrer Songwriter Mike Chapman und Nicky Chinn so­­wie ihres Produzenten Phil Wainman. Bis ›Wig Wam Bam‹ zwei Jahre zuvor hatten die Mitglieder sogar darum kämpfen müssen, überhaupt auf ihren eigenen Singles spielen zu dürfen.

Nachdem sie wenigstens die B-Seiten dieser Singles geschrieben hatten, wurden sie hier in Deutschland mit einigem Erfolg als glaubwürdige Hardrocker betrachtet – ihr Album SWEET FANNY ADAMS von 1974 hatte sogar kurzfristig BURN von Deep Purple in den Verkäufen hinter sich gelassen. Doch in ihrer Heimat galten sie nach wie vor, wie Schlagzeuger Mick Tucker es einst so denkwürdig formulierte, als „vier ausgelaugte alte Huren, die durch ‚Top Of The Pops‘ wackelten und Computerpop am Fließband produzierten“.

Sie hatten es satt, minderwertiges Material vorgesetzt zu bekommen und im Künstlerstab von Chinn und Chapman (zu dem auch Suzi Quatro und Mud gehörten) immer weiter nach unten durchgereicht zu werden. Diese Unzufriedenheit erreichte schließlich ihren Siedepunkt, als die beiden Songwriter, die auch als Manager für die Band fungierten, immer mehr Zeit in Kalifornien verbrachten. „Sie versuchten, uns mit ein paar schwachen Stücken abzuspeisen, darunter auch ›Dynamite‹“, erinnert sich Gitarrist Andy Scott an den Hit, den Mud dann in die Top 5 brachten. „Aber was wir wirklich brauchten, war mehr von dem, was wir damals ‚deutsche Marschmusik‘ nannten.“

Der Song, der es Sweet endlich erlaubte, sich aus den Fängen von ChinniChap (wie die Autoren genannt wurden) und Wainman zu befreien, war als Albumtrack schon auf DE­­SOLATION BOULEVARD versteckt, dem Nachfolger von SWEET FANNY ADAMS. Ihr Label RCA hatte dabei das Potenzial von ›Fox On The Run‹ schon erkannt, das, wie Scott feststellt, „[von Wainman] im Stil einer Live-Band aufgenommen worden war“.

„Was wir wirklich brauchten, war mehr von dem, was wir damals ‚deutsche Marschmusik‘ nannten.“

Das Magazin „Sounds“ feierte SWEET FANNY ADAMS später zwar als „die vielleicht beste Sammlung von Glam-Metal-Wahnsinn, die je auf Vinyl gepresst wurde“, doch die Platte, die größtenteils von der Band selbst ge­­schrieben worden war, brachte keine wirklichen Hits hervor – der Druck auf sie wuchs. „Kurz vor Weihnachten [1974]“, so Scott, „waren gerade alle bei mir zuhause, als der Geschäftsführer von RCA anrief und sagte: ‚Wir bekommen nicht die richtigen Antworten von Mike und Nicky, aber wir glauben wirklich, dass ›Fox On The Run‹ ein Hit werden könnte‘. Eine Woche später waren wir in Ian Gillans Studio, wo uns niemand kannte. Das alles unter strengster Geheimhaltung durchzuziehen, war äußerst wichtig.“

In den Credits wird zwar die gesamte Band angegeben, doch eigentlich war der Song Scotts Baby. Das Thema des Stücks war ein nicht näher genanntes Groupie, daher die Zeilen: „You talk about just every band/But the names you drop are second-hand“. „Der Text wurde eilig im Pub geschrieben, bevor wir das Stück für das Album aufnahmen. Deswegen fehlt auch eine letzte Strophe“, so Scott mit einem Lachen. „Wir schworen, dass wir den Text umschreiben würden, wenn wir den Song jemals neu aufnehmen sollten, aber das taten wir dann doch nie.“

Als „angehender Produzent“ leitete Scott die Session (auch wenn es auf der Platte wiederum nur heißt: „Produced by Sweet“). Sein oberstes Ziel dabei war es, den Track fürs Radio sexier zu machen. Letztendlich aber fügte der Gitarrist ihm ein Element hinzu, das sich als entscheidend erweisen würde: „Der Rest der Band war schon in den Pub gegangen, als ich diesen pulsierenden Synthesizer-Klang am Anfang einbaute und ihn auch noch am Ende hinzufügte. Alle liebten ihn.“

RCA veröffentlichten diese neue Version von ›Fox On The Run‹ eilig, ohne Chinn und Chapman davon in Kenntnis zu setzen. Die bestiegen daraufhin sofort ein Flugzeug Richtung England. „Mikes Worte, ‚jetzt habt ihr es wohl endlich geschafft‘, waren das beste Kompliment, dass man mir hätte machen können“, sagt Scott heute lächelnd. Auf den folgenden Alben genossen Sweet diese neue Unabhängigkeit, und obwohl sie mehr Hardrock in ihren Sound einbrachten, landeten sie eine ganze Zeitlang noch weitere Hits. Frontmann Brian Connollys immer schlimmer werdende Alkoholsucht führte allerdings 1979 zu seiner Entlassung.

Nach seinem Tod 1997 und dem von Tucker 2002 gibt es nun zwei konkurrierende Line-ups von Sweet. Das von Steve Priest ist in den USA beheimatet, während Scotts Truppe in Europa immer noch neue Musik macht und live spielt. Scott hat oft seinen Wunsch geäußert, sich wieder auf die Hardrock-Wurzeln der Band zu besinnen, da passt es natürlich perfekt, dass Sweet als Special Guests von Ritchie Blackmore‘s Rainbow im Juni beim Stone Free Festival in London auftreten werden. Falls sie je die Absicht hatten, Songs wie ›Windy City‹ oder ›Yesterday‘s Rain‹ zu entmotten und ›Little Willy‹ und ›Wig Wam Bam‹ mal außen vor zu lassen, ist das sicher die perfekte Gelegenheit. „Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass wir das tun werden. Wir haben ohnehin zu viele Hits, um sie alle in 45 Minuten oder einer Stunde unterzubringen.“

Damals in den 70ern hatte Blackmore mit Sweet im Santa Monica Civic gejammt, wo sie eine zwei Meter große Penisattrappe hatten, die von der Decke schwang und Konfetti über das Publikum ejakulierte. Das wird diesmal aber wohl nicht passieren, oder? „Ich vermute nicht“, sagt Scott lachend. „Niemand weiß, wo dieser Riesenschwanz gelandet ist, nachdem wir damit fertig waren.“

›Fox On The Run‹ wurde unterdessen u.a. von den Red Hot Chili Peppers, Girlschool, Sweet Savage und den Scorpions (auf Deutsch!) gecovert. Und durch diverse Film­einsätze sind die Sweet-Singles heute wieder beliebter als seit Ewigkeiten. Letztes Jahr war ›The Ballroom Blitz‹ in „Suicide Squad“ zu hören, und dass ›Fox On The Run‹ im Trailer zu „Guardians Of The Galaxy Vol. 2“ vorkommt, hat es an die Spitze der amerikanischen iTunes-Rocksong-Charts katapultiert. „Die Zeiten ändern sich für Sweet, und ich bin begeistert davon, wie sich das auf die Auftritte auswirkt, die wir angeboten bekommen“, freut sich Scott abschließend.