David Gilmour: Thought I’d Something More To Say…

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Und ihr wart danach nicht versucht, weiterzumachen?
Wir haben das hinter uns. Natürlich verstehe ich, dass es Menschen gibt, die diese Legende sehen und hören wollen, die Pink Floyd waren, aber ich fürchte, das ist nicht meine Verantwortung. Für mich sind das nur zwei Wörter, die die Arbeit von vier Leuten beschreiben. Es ist nur eine Popgruppe. Ich brauche das nicht und muss da nicht mehr hin. Ich will nicht verschämt oder halsstarrig sein, finde aber, dass ich in meinem Alter das tun sollte, was ich wirklich will. Davon abgesehen ist es großartig, dass jede neue Generation uns zu entdecken scheint und wir mit den Jahren frische Fans und Hörer gewinnen. Ich bin mir allerdings nicht sicher, warum das bei uns so ist und bei vielen anderen nicht.
Roger sagte mir mal, dass Musiker, die euer Level von Erfolg erreichen, „ein Loch in ihrer Psyche haben müssen, das nur mit An­­betung gefüllt werden kann“. Ein ziemlich ehrliches Statement.
Das ist es und da hat er sogar Recht. Ich habe dieses Loch in meiner Psyche hoffentlich heute nicht mehr, denn ich habe kein Verlangen mehr nach Anbetung in diesem Maße. Das Seltsame an Stadien ist außerdem, dass man nie sagen kann, ob es gut läuft. Das ist eine Menschenmenge, im Singular eben. Man kann sie nicht mehr als Individuen wahrnehmen. Diese Kraft und Energie ihrer „Liebe“ ist eine tolle Droge, die dein Ego so weit stärkt, dass es zu groß wird.

Warum machen dann also Leute wie die Stones weiter, wenn es sich nicht mehr um Geld oder die Anerkennung der Kritiker dreht? Ist es die Bestätigung, die davon ausgeht, wenn 80.000 Menschen beim ersten Akkord ausflippen?
Ich weiß es nicht. Wenn irgendjemand anders in irgendeiner anderen Popgruppe das tun will, ist das super. Aber ich habe mir eine Karriere aufgebaut, die sehr gut zu mir passt. Einige dieser Leute haben das nicht geschafft, vielleicht machen sie deshalb weiter. Ich hatte einigen kommerziellen Erfolg und einige künstlerische Befriedigung. Wir werden sehen, ob sich das neue Album verkauft. Es wird wohl recht gut laufen.

Gab es einen bestimmten Musiker, der deine Sichtweise der Musik verändert hat?
Es gab einige Schlüsselmomente. Bill Haleys ›Rock Around The Clock‹ war wichtig für mich. Das wurde dann scheinbar innerhalb von Monaten von ›Jailhouse Rock‹ und Elvis abgelöst, ebenfalls sehr wichtig. Dann die Beatles, Jimi Hendrix. Pete Seeger war ebenfalls so ein Mo­­ment, als ich jung war. Von ihm habe ich das Gitarrespielen gelernt. Es sind zu viele, um sie alle zu nennen.

Was hörst du heute so?
Die neuen Platten von Bob, Neil oder Leonard [Dylan, Young, Cohen], aber kaum neue Musik. Wenn ich das Radio anmache, klingt das alles schrecklich formelhaft für mich, aber ich bin eben nicht das Publikum dafür. Mit 69 verbringt man nicht mehr jeden Tag damit, neue Popmusik zu suchen. Natürlich gibt es jene Musik außerhalb von dem, was wir im Radio oder Fernsehen be­­kommen. Es ist so wie das, was man über Ratten sagt: „In London ist man nie mehr als zwei Meter von einer Ratte entfernt“. Wahrscheinlich ist man nie mehr als 100 Meter von jemandem entfernt, der gerade ein tolles Konzert gibt, aber ich bekomme davon eben nichts mit. Wenn heute neue Pink Floyd auf den Plan träten, wüsste ich nichts davon.

Dein Plan ist jetzt also, weiter Soloalben zu machen und hin und wieder zu touren?
So weit habe ich noch gar nicht in die Zukunft geschaut. Ich war seit neun Jahren nicht mehr auf Tour. Ich spiele fünf Konzerte in Europa, dann fünf Abende in London im September und Oktober. Ich werde sehen, ob es mir gefällt. Wenn ja, werde ich weitermachen.

Hat es dir in den letzten neun Jahren gefehlt?
Nicht wirklich.

Nick Mason fehlt es sehr.
Er spielt Schlagzeug, da hat er weniger Verantwortung. Ich habe eine tolle Karriere gehabt und kann das machen, wenn ich es will, und dann wieder aufhören und all die anderen Dinge tun, die ein Leben so ausmachen. Ich habe dieses unermüdliche Allestun erlebt. Das muss man ja, wenn man sich durchboxt und die Art von Laufbahn erschaffen will, die wir hatten. Das brauche und will ich nicht mehr. Es ist in Ordnung. Ich bereue nichts und habe fast nur schöne Erinnerungen. Ich habe es getan. Und ich bin glücklich damit.

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