David Gilmour: Thought I’d Something More To Say…

Wenn du dir solche alten Aufnahmen der frühen Floyd ansiehst, erkennst du dann die Person, die du damals warst?
Ich sehe da schon diesen Burschen! Damals war die Musik experimentell und es war aufregend, zu experimentieren. Doch heute sieht das für mich wie ein Prozess aus. Einer um herauszufinden, was man mag und was nicht. Wenn man dann älter wird, findet man unweigerlich eben das, was einem gefällt, und vielleicht engt das ein bisschen die Perspektive ein. In jenen An­­fangstagen war das zwar spannend, aber vieles davon war auch peinlich und wir dachten: „Oh Gott, was machen wir nun?“

Wie meinst du das?
Wir hatten eine Art Blaupause davon, was wir live spielen würden. Einer zählte ein oder begann zu spielen, und man wusste, wie das Stück hieß und wie es in etwa ging, aber dann drehte man einfach in irgendeine beliebige Richtung ab, die Musik baute sich auf, ebbte wieder ab, flog davon und wanderte ganz woanders hin. Manchmal waren das Sackgassen, manchmal führte es zu etwas Spannendem.

Woran erinnerst du dich aus der kurzen Zeit, in der du und Syd Barrett gleichzeitig in der Band wart?
Das war eigentlich ziemlich tragisch. Wir spielten fünf Gigs zusammen und er… Wir haben einen kleinen Film von Syd in einer Garderobe bei irgendeinem dieser Konzerte, wo er ein bisschen schunkelt, so einen kleinen Tanz aufführt, und er lächelt und lacht. Aber man sieht ihn nur an und denkt, „Oh Gott, nein, wie traurig“. Armer Kerl. Ich kann mich nicht mehr an viel erinnern. Ich war gerade erst eingestiegen, aber ich denke, sie wussten, dass ich übernehmen würde.

Gab es ein Stück, das du nie zu spielen müde wurdest?
Ich werde Sachen wie ›Comfortably Numb‹ oder ›Wish You Were Here‹ niemals überdrüssig, allein schon wegen der spürbaren Freude, die sie dem Publikum bereiten. Ich weiß einfach, was diese Stücke bewirken. Immer wieder dasselbe zu spielen, mag vielleicht etwas langweilig erscheinen, aber ich spiele diese Lieder, die die Leute so lieben, wirklich immer wieder gerne.

Ich erinnere mich an das große Flugzeug aus Holz, das 1975 in Knebworth bei ›Dark Side Of The Moon‹ an einem Draht über das Publikum hinweg zur Bühne flog. Kommt dir diese komische alte Analog-Welt heute im 21. Jahrhundert etwas wundersam vor?
Sie ist komisch und wundersam. Man könnte all diese Dinge heute so viel besser machen, aber wären sie deswegen effektiver? Ich bin mir nicht sicher. Heute könnte das wie Magie passieren, aber alle würden denken: „Oh ja? Das habe ich schon in ‚Star Wars III‘ gesehen“. Damals war das aber richtig echt und schockierend und die Leute sagten: „Fuck! Ein Flugzeug fliegt über unsere Köpfe!“ Alles muss heute größer und besser sein, und besser ist größer, aber eben nicht besser.

Welche Erinnerungen hast du an Live 8?
Ich habe das sehr genossen, auch wenn wir ein paar sehr intensive Probentage hatten. Wir hatten ja jahrelang nicht miteinander geredet.

Wie habt ihr entschieden, was ihr spielen würdet?
Wir machten Vorschläge und Roger ebenso, aber ich hielt nicht viel von seinen. Letztlich dachte ich, wir sind Pink Floyd und er ist unser Gast, also kann er auch tun, was immer wir ihm sagen und die Klappe halten.

Was schlug er denn vor?
Er wollte ›Money‹, da waren wir uns einig, sowie ›Another Brick In The Wall‹ und ›In The Flesh‹.

Und er wurde überstimmt?
Im Wesentlichen ja.

Ich stand direkt vor der Bühne und es sah magisch aus.
Es war magisch. Wir waren entspannt und genossen es. Am Vorabend spielten wir einmal unser Set ohne Publikum im Park und das war toll. Das half uns, gelassen zu sein und uns sicher zu fühlen. Es lief sehr gut.

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