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CLASSIC ROCK präsentiert: Nathaniel Rateliff & The Nightsweats live

Ist er solo unterwegs, lebt die Show vom eher folkigen Charakter der Stücke, dem zurückhaltenden Gitarrenspiel und dem Schmelz in seiner Stimme. Kommt Rateliff aber mit seiner Band, den Night Sweats auf die Bühne, wird aus dem Mann und seinem Organ eine soulige Röhre. Ib Juni ist es endlich wieder so weit und die geniale Kombo lässt drei deutsche Bühnen erzittern. Als Support hat die Truppe William the Conqueror mit an Bord.

Hier live erleben:

19.06. Berlin, Kesselhaus

03.07. Köln, Gloria

08.07. München, Technikum

Sweet: Andy Scott über Steve Priests Extravaganz

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Im großen Titelstory-Interview sprach Andy Scott, „last man standing“ des Original-Line-Ups von Sweet, zweieinhalb Stunden über das Vermächtnis seiner Band und seine ehemaligen Bandkollegen, mit denen er Großes erreicht hat.


Andy, lass uns über die Glam­-Jahre spre­chen: Ihr wart ständig bei „Top Of The Pops“, die extravaganten Out­fits überschlugen sich. Wer hat bei Sweet mit dem Glitzer angefangen?
1971 waren wir bei der Preisverleihung eines deutschen Magazins namens Bravo. Wir bekamen eine Bronz-Auszeichnung in der Kategorie „Beste neue Band“, Marc Bolan war auf dem ersten Platz. Er war der Top-Künstler mit Hitsingles, wir hatten ein paar Pop-Singles und trotzdem war Brian Connolly das Titelgesicht auf allen Magazinen. Vor Ort kamen wir uns etwas altbacken vor, als Marc Bolan in seiner Glitzerjacke und mit einem Hauch von Silber unter den Augen hereingeschwebt kam. Ich erinnere mich daran, wie Mick und ich uns ansahen und dachten: „Aha, das ändert die Spielregeln!“ Danach plauderten wir mit Marc an der Bar, er war ein ziemlich aufgewecktes Kerlchen, wir mussten viel lachen. Er gab uns dann ein paar Tipps, in welchen Geschäften wir auf der Kings Road einkaufen sollten. Wir walzten also los und kauften so viel Scheiß, wie wir tragen konnten. (lacht) Die nächste Single, die wir veröffentlichten, war ›Little Willy‹ und wir waren ständig bei „Top Of The Pops“. Als wir mit ›Wig Wam Bam‹ dort waren, stand Bowie mit ›Starman‹ auf dem Programm. Ich kannte Mick Ronson und Trevor Bolder noch aus Elastic-Band-Zeiten. Ich erinnere mich daran, wie wir uns im Studio ansahen, ihre Band kom- plett in Satin-Einteilern, wir in unseren neuen Glitzer-Klamotten. Ich meinte nur: „Was zur Hölle ist passiert?“ Weißt du, eineinhalb Jahre zuvor waren wir noch in kleinen Bands, ich z.B. in der von [Paul McCart- neys Bruder] Mike McCartney, und hier stehen wir nun bei „Top Of The Pops“. Ich fragte Mick und Trevor nur: ‚Hättet ihr euch gedacht, dass ihr in dieser Aufmachung hier sein würdet?‘ Das war ein äußerst lustiger Moment. Und noch etwas: Steve Priest trug gerade sein Make-up auf, als David Bowie ihn ansah und meinte: „Ich wäre ein bisschen vorsichtig, ich denke, du übertreibst es“. (lacht) Steve Priest sah Bowie nur an und sagte: „Schau, du kümmerst dich um deins, ich mich um meins“. David nahm das alles sehr ernst.

Steve hatte ja sowieso einige interessante Outfits am Start.
Oh ja, er ließ sich von „Clockwork Orange“ inspirieren, er schminkte sich das eine Auge nach diesem Vorbild, es sah schon fast ein wenig nach Kiss aus. Und natürlich das weltberühmte „Gay Hitler“­ Outfit.

Was war denn da los?
Ich muss ehrlich betonen, dass wir davon nichts wussten. Wir standen in der Umkleide von „Top Of The Pops“ und Steve verschwand. Dann sprach er mit jemandem von der Kostümabteilung und irgendwo im Haus wurde gerade eine Kriegssendung ausgestrahlt. Irgendwann kam er zurück in genau jenem Outf it, das du gerade beschrieben hast. Wir waren alle ziemlich erstaunt und mussten sehr lachen. Ich meinte nur zu Steve: „Mal sehen, ob man dir das durchgehen lässt“. (lacht) Das war eine Weihnachtssendung und wir räumten richtig ab, jeder fand es zum Schreien komisch.

Philip Sayce: THE WOLVES ARE COMING

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Corona ist schuld: Der Guitar-Hero Philip mutiert zum Zappelphilip

Freunde der E-Gitarre kennen die Helden der Szene. Sayce spielte nicht nur für Jeff Healey und Melissa Etheridge, Stadionerfahrung hat er als Support für ZZ Top und Deep Purple gesammelt. Der gebürtige Waliser, geprägt in Kanada und wohnhaft in L. A., kann alles. Songs schreiben, singen und natürlich auf der Klampfe die Sau rauslassen. Viele gestandene Rocker brachten in der Pandemie Akustikalben und ähnliche Langweiler heraus. Bühnentier Sayce ließ seinen Frust an der Axt aus und veröffentlicht das Material erst jetzt. Bei den ersten vier Tracks kriegen wir nacheinander schon mal Griffbrettläufe und Texte mit „bitches“ oder „burning“ um die Ohren gehauen wie nichts Gutes. Auf Track fünf ›It’s Over Now‹, klar, endet eine Beziehung. Es folgen Balladen, dann packt der Philip den Springteufel wieder aus und tributet sich an Hendrix die Finger blutig. Leider fehlt etwas der rote Faden, die Krux bei Gitarristen-Solowerken ist halt leider, dass die Storyline oft fehlt und alles eher wie eine Leistungsschau oder ein Studiomusiker-Bewerbungsschreiben anmutet. Vor dem letzten Stück fiel ihm auf, dass er ja noch keinen Blues hatte. Dass der ausgerechnet ›This Is Hip‹ heißt, zeugt von Humor. Zweifelsfrei hervorragendes E-Gitarrenhandwerk, die Platte ist vielschichtig, oft etwas forscher, eine spezifische DNA kann ich aber nicht erkennen. Immerhin: Eine KI würde an der Aufgabe „Mache mir ein neues Philip Sayce Album“ gnadenlos scheitern.

6 von 10 Punkten

Philip Sayce
THE WOLVES ARE COMING
FORTY BELOW/BERTUS

Vanessa Peters: FLYING ON INSTRUMENTS

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Singer/Songwriterin mit eigener Note – und brillanten Lyrics

Vanessa Peters ist eine Wandlerin zwischen den Welten. Das ist durchaus geografisch gemeint, denn die aus Dallas stammende Singer/ Songwriterin pendelt seit Jahren zwischen ihrer texanischen Heimat und – man höre und staune – einer kleinen Stadt in der Toskana. Auch musikalisch wurde sie nicht so richtig sesshaft. Sie spielte mal mit dieser, mal mit jener Formation; mal war sie solo unterwegs, dann wieder mit Band. FLYING ON INSTRUMENTS, ihr neues Album, entstand unter ähnlichen Umständen. Viele Stücke schrieb sie in Italien, in Dallas nahm sie die neun Tracks mit ihren Begleitern auf. Stilistisch indes bleibt sich die Sängerin treu: Sie steht mit ihrer Musik ganz in der Tradition von klassischen Singer/Song-writerinnen wie Carly Simon, Joni Mitchell oder – nach eigenen Angaben ihr wichtigster Einfluss – Aimee Mann. Auch wenn Vanessa Peters kommerziell mit den erwähnten Legenden nicht mithalten kann, künstlerisch nimmt die samtkehlige Storytellerin allemal Tuchfühlung auf: Sie hat ein Gespür für eingängige, dennoch eher unkonventionelle Melodien, sie überzeugt als glaubwürdige Interpretin und als Textdichterin ist die einstige Creative-Writing-Studentin ohnehin eine Klasse für sich. Anspieltipps: das luftige ›Blind Curves‹, der stramme Folkrock von ›Out To Sea‹ und die herrliche
Ballade ›Wasted Days‹.

7 von 10 Punkten

Vanessa Peters
FLYING ON INSTRUMENTS
IDOL RECORDS/CARGO

Modern English: 1 2 3 4

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Urbesetzung mit neuem Schwung

Man redet nicht zuerst über sie, wenn es um Post-Punk geht, aber man darf sie nicht unterschätzen. MESH & LACE ist die richtige Platte, wenn man diesen Sound finster und unerbittlich haben will. Der Nachfolger AFTER THE SNOW ist wärmer und zugänglicher und lockt mit dem Hit ›I Melt With You‹. Dieses hohe Niveau erreichten Modern English weder mit den Platten unmittelbar danach noch mit TAKE ME TO THE TREES vor acht Jahren. Vergessen und vergeben, jetzt haben sie wieder Feuer im Hintern. Vielleicht animierte sie, dass viele jüngere Musiker wie sie klingen. Ziemlich sicher ekelt Sänger Robbie Grey die Politik heute genauso an wie damals unter Thatcher und Reagan, auf diesem Gefühl jedenfalls basiert ›Not My Leader‹. Die Abscheu vor zu viel Kunststoff in Müll und Meeren ist ›Plastic‹ anzuhören, ›Crazy Lovers‹ gehört ebenso in die Kategorie der widerborstigen New-Wave-Tracks auf dieser Platte. Es geht aber auch anders, ›I Know Your Soul‹ macht einen freundlicheren Eindruck als bei New Order. Zum Schluss geht es in ›Voices‹ auch mal besinnlich zu. „1 2 3 4“ ist ein Album ohne Schwachpunkte, brillant produziert von Mario McNulty.

8 von 10 Punkten

Modern English
1 2 3 4
INKIND MUSIC/THE ORCHARD

Robby Krieger And The Soul Savages: ROBBY KRIEGER AND THE SOUL SAVAGES

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Der Doors-Gitarrist macht es sich zwischen Soul, Jazz, Rock und Blues gemütlich

Wer es nicht wusste: Robby Krieger war Gründungsmitglied der legendären Doors (größte Hits: ›Light My Fire‹, ›Break On Through To The Other Side‹, ›Riders On The Storm‹, ›L.A. Woman‹) und einer der wichtigsten Impulsgeber der Rockmusik in den späten 1960ern. Mit The Soul Savages hat der 78-Jährige eine neue Band formiert und frönt hemmungslos einer – manche sagen: zeitlosen, andere: antiquierten Musikform, für die man über möglichst viel Erfahrung verfügen sollte. ROBBY KRIEGER & THE SOUL SAVAGES bietet eine bunte Mixtur aus Soul, Jazz, Rock und Blues und wurde mit Musikern eingespielt, die immerhin schon mit Lichtgestalten wie Lenny Kravitz, Stevie Wonder, Aretha Franklin oder Chaka Kahn musiziert haben. Kein Wunder also, dass es handwerklich hier nichts zu kritteln gibt. Allerdings wird so manchem Hörer der Gesang fehlen, denn Krieger weidet sich ausschließlich an Instrumentalnummern und setzt schwerpunktmäßig auf virtuose Fingertechnik. Dabei stechen besonders Pianist/Organist Ed Roth und Bassist Kevin „Brandino“ Brandon hervor, die quasi kontrapunktiert zu Kriegers allgegenwärtigen Gitarrenparts agieren.

7 von 10 Punkten

Robby Krieger And The Soul Savages
ROBBY KRIEGER AND THE SOUL SAVAGES
MASCOT/TONPOOL

Ace Frehley: 10.000 VOLTS

Atze – eins a

Ob das neue Album des früheren KISS-Gitarristen Ace Frehley die ehemaligen Kollegen Gene und Paul wirklich „wie Idioten aussehen lässt“, wie dieser im Vorfeld angekündigt hatte, lassen wir mal dahingestellt. Wahrscheinlich wird es den beiden wurscht sein, was der Atze mit 10,000 VOLTS veröffentlicht, aber extrem stark ist es auf alle Fälle. Zusammen mit Steve Brown von Trixter als Co-Komponist hat Space Ace seine besten und griffigsten Tracks seit Langem zustande gebracht. Gleich der Titelsong rockt als Opener extrem cool und catchy. Im Anschluss haut Frehley ein paar schön harte Grooves raus. Auch gesanglich ist das einstige Enfant terrible erstaunlich gut drauf. Gitarristisch natürlich sowieso … Stellenweise wird es beinahe schon poppig. ›Cherry Medicine‹ oder ›Back Into My Arms Again‹ sind unwiderstehlich eingängig. Das treibende und rockende ›Fighting For Life‹ rifft großartig. ›Blinded‹ ist straight und punktgenau, auch hier ein starker Refrain. Definitiv eine Eins-a-Ansammlung von Akkorden, Atmosphären und Aussagen, die Frehley und Brown hinbekommen haben. Auch die Hardrock-Variante des Europop-Stücks ›Life Of A Stranger‹ der Französin Nadia steht Ace mit einem gewissen ELO-Vibe gut zu Gesicht.

8 von 10 Punkten

Ace Frehley
10,000 VOLTS
MNRK/SPV

Ace Frehley: Neue Single ›Cherry Medicine‹

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Bevor er morgen, am 23. Februar, sein neues Studioalbum 10.000 VOLTS veröffentlicht, haut Ace Frehley heute noch eine neue Single namens ›Cherry Medicine‹ inklusive Video raus.

Nicht nur im Track selbst gibt es „black leather“-Anspielungen zu hören, so wie Space Ace es einst im Kiss-Song ›Shock Me‹ vom Album LOVE GUN (1977) sang, auch im Video geizen die neben Frehley abgebildeten Damen nicht mit schwarzem Leder und kirschroten Lippen. Doch seht und hört selbst: