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Ace Frehley: 10.000 VOLTS

Atze – eins a

Ob das neue Album des früheren KISS-Gitarristen Ace Frehley die ehemaligen Kollegen Gene und Paul wirklich „wie Idioten aussehen lässt“, wie dieser im Vorfeld angekündigt hatte, lassen wir mal dahingestellt. Wahrscheinlich wird es den beiden wurscht sein, was der Atze mit 10,000 VOLTS veröffentlicht, aber extrem stark ist es auf alle Fälle. Zusammen mit Steve Brown von Trixter als Co-Komponist hat Space Ace seine besten und griffigsten Tracks seit Langem zustande gebracht. Gleich der Titelsong rockt als Opener extrem cool und catchy. Im Anschluss haut Frehley ein paar schön harte Grooves raus. Auch gesanglich ist das einstige Enfant terrible erstaunlich gut drauf. Gitarristisch natürlich sowieso … Stellenweise wird es beinahe schon poppig. ›Cherry Medicine‹ oder ›Back Into My Arms Again‹ sind unwiderstehlich eingängig. Das treibende und rockende ›Fighting For Life‹ rifft großartig. ›Blinded‹ ist straight und punktgenau, auch hier ein starker Refrain. Definitiv eine Eins-a-Ansammlung von Akkorden, Atmosphären und Aussagen, die Frehley und Brown hinbekommen haben. Auch die Hardrock-Variante des Europop-Stücks ›Life Of A Stranger‹ der Französin Nadia steht Ace mit einem gewissen ELO-Vibe gut zu Gesicht.

8 von 10 Punkten

Ace Frehley
10,000 VOLTS
MNRK/SPV

Ace Frehley: Neue Single ›Cherry Medicine‹

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Bevor er morgen, am 23. Februar, sein neues Studioalbum 10.000 VOLTS veröffentlicht, haut Ace Frehley heute noch eine neue Single namens ›Cherry Medicine‹ inklusive Video raus.

Nicht nur im Track selbst gibt es „black leather“-Anspielungen zu hören, so wie Space Ace es einst im Kiss-Song ›Shock Me‹ vom Album LOVE GUN (1977) sang, auch im Video geizen die neben Frehley abgebildeten Damen nicht mit schwarzem Leder und kirschroten Lippen. Doch seht und hört selbst:

Das letzte Wort: Mark Lanegan

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Das Seattle-Urgestein über finstere Zeiten, den Segen der Kreativität und das beschauliche Leben in der irischen Provinz.

Mit den Screaming Trees schaffte er es in die zweite Garde der (imaginären) Grunge-Szene, während er die tiefsten Drogenabgründe durchschritt. Der Titel seiner Autobiografie, „Alles Dunkel dieser Welt“, ist dabei keineswegs übertrieben, doch lesenswert ist sie nicht nur wegen der verstörenden Einblicke in das Denken und (Beinahe-Ab)Leben eines hoffnungslosen Junkies. Bis zu seinem Tod im Februar 2022 genoss der Amerikaner mit dem einmalig gegerbten Timbre eine vielfältige Karriere als hochangesehener Musiker, Künstler und Autor, der kreativ nie stillstand.

Hallo Mark, wie geht es dir so in Irland?
Gut, danke. Ich wollte schon lange umziehen, aber es gab immer irgendwelche Verpflichtungen, die mich in den USA hielten. Die Pandemie gab mir dann die Chance, weil ich keine Arbeit und keine anstehenden Tourneen mehr hatte, also verkaufte ich meine Bleibe und bin im Sommer 2020 endlich hierhergekommen.

Dann hast du dich wohl auf der Smaragdinsel schon eingelebt. Obwohl zumindest das Wetter und die Landschaft keine so große Umstellung von deiner Heimat gewesen sein dürften.

Ich war ja schon viele Male hier, es war also nichts völlig Neues. Und ja, so anders als im pazifischen Nordwesten der USA ist es hier nicht, allerdings habe ich die letzten 20 Jahre in Los Angeles gelebt, von daher war es also schon ziemlich anders, wieder zu Regen und Winterwetter zurückzukehren.

Wie hast du die Pandemie durchlebt?
Tag für Tag, wie alle anderen auch. Das war schon ziemlich verrückt manchmal, als wären wir plötzlich in dem Film „Children Of Men“ aufgewacht. Und man fragt sich nur noch, was kommt als Nächstes? In den USA war es komplett durchgeknallt, das hatte auch viel mit mei- nem Umzug zu tun.

Dein Buch ist alles andere als leichte Kost, aber ich musste stellenweise auch herzhaft lachen, vor allem bei der Passage über deine Begegnung mit Liam Gallagher …
Naja, das war vor 30 Jahren. Wenn wir uns unter anderen Bedingungen getroffen hätten oder ich in einer besseren Stimmung gewesen wäre, hätte ich vielleicht eine ganz andere Meinung von ihm. Aber es ist schön, dass du lachen konntest. Das Buch ist ja ziemlich finster, da war es gut, auch ein paar lustige Momente zu
haben.

Es ist schon schmerzhaft, es zu lesen. Wie schwer war es für dich, das alles niederzuschreiben?
Es war keine spaßige Erfahrung, das kann ich dir sagen. Da war vieles, worüber ich sehr lange nicht mehr nachgedacht hatte. Das war schwer und ich war sehr unglücklich. Die Leute sagen, es sei eine kathartische Erfahrung, sowas aufzuschreiben, aber für mich war es eher das Gegenteil. Es war das Öffnen der Büchse der Pandora. Ich wollte es nur hinter mich bringen und versank teilweise so tief in dem Prozess, dass ich manchmal 12–14 Stunden am Stück arbeitete, ohne zu essen, trinken oder pinkeln zu gehen. Und zum Glück sind noch ein paar der Leute darin am Leben, die mir einige der Fakten bestätigen konnten.

Die Tourerlebnisse, vor allem mit Alice In Chains, waren verrückt, aber es ist herzerwärmend, wie sehr du sie auch als Künstler und Menschen geschätzt hast.
Wir waren alle völlig außer Kontrolle mit unserer Drogensucht, aber es war immer der Wahnsinn, sie spielen zu sehen. Layne Staley war nicht nur ein unglaublich lustiger, liebenswerter und intelligenter Mensch, sondern auch einer der überragendsten Musiker und Performer, die ich je gesehen habe. Es war trotz all des kranken Mists eine wunderbare Erfahrung, das miterleben zu dürfen.

Was hat dich überhaupt dazu veranlasst, das Buch zu schreiben, wenn es eine so schmerzhafte Erfahrung war?

Ein paar Freunde schlugen das vor, und wenn man mal den Vertrag unterschrieben hat, muss man es auch machen. Ich wollte nur keine dieser kitschigen Rockstar-Biografien abliefern. Doch Anthony Bourdain, mit dem ich gut befreundet war, gab mir dann den besten Ratschlag: „Um das zu erreichen, musst du so ehrlich sein, dass es dir selbst unangenehm ist“. Und ich erkannte, dass es wirklich ein gutes Buch abgeben würde, weil es einfach wahr ist. Viele Leute werden da in keinem guten Licht dargestellt, aber ich habe mir von allen noch
Lebenden, die erwähnt werden und mir etwas bedeuten, die Genehmigung eingeholt. Nie mand von ihnen verweigerte sich oder wollte Änderungen. Und letztlich bin ich derjenige, der darin am schlechtesten wegkommt.

Zum Glück hat sich das Blatt für dich gewendet. Was hast du aus dieser Zeit gelernt?
Meine Frau sagt, nichts! (lacht) Aber nein, ich weiß heute, dass ich Dinge vermeiden muss, die mir und/oder anderen Menschen um mich herum schaden und wehtun. Und je mehr geliebte Menschen man verliert, desto mehr lernt man, sich von den Flammen fernzuhalten.

Das Buch trieft nur so vor Selbstverachtung. Trägst du dieses Gefühl immer noch mit dir oder bist du heute mit dir im Reinen?
Wenn ich das nicht überwunden hätte, wäre ich nicht mehr am Leben. Ich kann nicht sagen, dass ich immer glücklich bin, aber ich erlebe viel Freude, ich würde mich als jemanden beschreiben, der das Leben liebt. Ich finde Glück in meiner Arbeit, ich liebe es, zu singen und Musik zu machen, ich zeichne gerne, schreibe gerne Gedichte. Und ich finde Glück in alltäglichen Dingen, wie Kaffeetrinken mit meiner Frau, Abendessen mit Freunden, Wandern an der Küste.

Und was steht nun an? Glaubst du, dass Tourneen bald wieder möglich sein werden?
Ich habe einiges im Köcher, eine neue Platte, einen Gedichtband und mehr. Aber live spielen … Ich weiß, viele Leute verhalten sich, als sei alles wieder okay, und viele Acts buchen schon wieder fleißig Konzerte, aber ich finde, das ist voreiliger Optimismus. Natürlich möchte ich wieder spielen, denn ich liebe es und das ist schließlich mein Lebensunterhalt. Aber auch geimpfte Menschen werden noch krank und sterben, also
halte ich das alles noch längst nicht für ausgestanden. Es ist eine verrückte Zeit und niemand weiß wirklich, was passieren wird.

Zeitzeichen: Judas Priest SIN AFTER SIN

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Im Jahr 1977 touren Judas Priest im Vorprogramm von REO Speedwagon durch Amerika. „Für mich war das etwas ganz Besonderes“, sagt Rob Halford, „denn als Kind liebte ich Cowboy- und Indianer-Geschichten. Ich träumte schon immer von der Weite der Landschaft im Südwesten Amerikas . Also da, wo Adler am Horizont zwischen Gebirgsengpässen und strahlend blauem Himmel ihre Kreise ziehen. Als ich das erste Mal in Arizona die Sonora-Wüste sah, deckte sich das mit meinen Erinnerungen, die ich als Kind hatte.“ So zog der Metal-God ins Paradise-Valley in die Nähe von Phoenix – auch, um der Tristesse in den britischen Arbeitervierteln zu entfliehen. „Die Atmosphäre meiner Heimatstadt mit den riesigen Stahlwerken hatte etwas Bedrückendes. Auf meinem Schulweg kam ich an einem Walzwerk vorbei, wo Tag und Nacht Stahl gekocht wurde. Diesen Geruch trage ich seit Kindertagen mit mir herum. Die Ecke, wo mein Elter nhaus stand, war geprägt von Eintönigkeit, grauem Himmel und kleinen Hinterhof-Schluchten. Kein Wunder, dass in unserer Stadt Black Sabbath das Heavy-Metal-Genre begründet haben – diese Tristesse war einfach der perfekte Ort für die gespenstischen Riffs von Tony Iommi.“ Halford, der im einfachen Malocher-Viertel von Walsall (16 Kilometer nördöstlich vom Stadtzentrum Birminghams) aufwuchs, hatte natürlich auch Working-Class-Wurzeln, und sein Vater Barrie hat sein Leben lang in einem Stahlwerk gearbeitet.

„Meine Eltern haben mich immer in meinen Wünschen unterstützt, Musiker zu werden. Mein Vater wusste ja, dass mir die Montan-Industrie nicht viel bieten konnte – außer einem grauen Alltag. Und wenn ich an ‚Metal‘ dachte, schwebte mir die Musikrichtung vor – und nicht ein Knochenjob am Stahlofen .“ Mit ihrem dritten Album SIN AFTER SIN geht es einen gewaltigen Schritt nach vorne. Die Gruppe wird von CBS gesignt, und dank einem gehörigen 60.000 Pfund schweren Vorschuss von der Plattenfirma lassen alle ihre Nebenjobs fallen. Gitarrist K.K. Downing malochte bislang für eine Stahlfabrik, Rob Halford arbeitete als Bühnenarbeiter, Bassist Ian Hill war Truckfahrer und Glenn Tipton jobbte in einer Gärtnerei. Und nicht nur das, das Geld reicht sogar für eine dicke Produktion in den Londoner Ramport Studios, die damals The Who gehören – und on top gibt es Roger Glover von Deep Purple als Produzenten. Außerdem sitzt mit Simon Phillips noch ein geübter Studio-Musiker hinter der Schießbude und spielt die Drums ein.

„Es fühlte sich an, als würden wir eine Fantasiewelt betreten“, erklärt Halford. Und mit dieser Platte im Rücken geht es dann zum ersten Mal auf Tour über den großen Teich. Doch hier tingeln sie von einem Unglück zum nächsten. In New York erleben sie mitten in der Nacht einen Stromausfall – Rob Halford und K .K . Downing schlafen in einem Hochhaus-Hotel im 20. Stockwerk und teilen sich ein Doppelzimmer. Sie tappen im Dunkeln auf der Nottreppe herunter und sammeln sich in einer Menschentraube vor der Rezeption, bis der Spuk vorüber ist. „K.K. hatte ein Päckchen Streichhölzer dabei – im Treppenhaus haben wir alle zehn Meter eins davon angezündet, weil wir wirklich überhaupt nichts sehen konnten“, sagt der Priest-Sänger. Ein paar Tage später begrüßt Halford das Publikum in Detroit mit den Worten „Hello Cleveland“. Es ist manchmal fast wie bei „Spinal Tap“.

Kevin Cronin von REO Speedwagon erinnert sich: „Als sie damals bei uns im Vorprogramm spielten, wurden sie als eine Art straighte AOR-Rockband von ihrer Plattenfirma vermarktet.“ Sie tragen noch Blumenhemden und Schlaghosen – und zielen mit der Joan -Baez-Cover version ›Diamonds And Rust‹ auf den amerikanischen Mainstream-Markt. Doch dann kam es noch mal anders, wie sich Kevin Cronin erinnert: „Nach ein paar Jahren erkannte ich sie kaum wieder: Rob kam mit der Harley auf die Bühne und alle trugen Lederanzüge. Es wirkte durch und durch martialisch. Aber ihr musikalisches Programm war stark und sie waren auch schon bei ihrer ersten US -Tour eine Band mit viel durchdringender Power. Mir gefällt es immer, wenn die Formation, die vor uns auftritt, eine atemberaubende Performance hinlegt. Denn das hat uns selbst immer gefordert, uns noch mehr reinzuhängen und dann auch irgendwie besser zu werden.“ Halford kommt die Idee, dass sich die ganze Gruppe in schwarzes Leder kleidet, übrigens dank Elvis Presley: „Der King trug bei seinem legendären Comeback-Special-Konzert im Jahr 1968 einen schwarzen Lederanzug. Darin wirkte er sehr gefährlich. Und das wollten wir natürlich auch sein.“

The Sonic Brewery: Eher Rival Sons als Daniel Küblböck oder Ozzy

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Die Niederbayern The Sonic Brewery melden sich am Tag nach ihrem Konzert im heimischen Eggenfelden anlässlich der Veröffentlichung von CAN’T KILL ROCK’N’ROLL. Wie lief der Auftritt? „Es war ein voller Erfolg! Wir hatten knapp 300 Gäste, was für die Musikszene in der Region eine überaus beachtliche Zahl ist. Nachdem es in unserer Region keine Musikklubs mehr gibt, in denen wir die Show hätten veranstalten können, waren wir gezwungen, alles selbst du planen und zu organisieren – von der Bühne über die Lichtshow bis zur Bar und Aftershowparty.“ Auch das ganze Merchandise bedruckte man im Vorfeld selbst. „Ein gehöriger Aufwand, der sich aber mehr als gelohnt hat und beim Publikum hervorragende Resonanz hervorrief.“ Sänger Benno Olbrich ist offensichtlich zufrieden. Natürlich hat man die komplette neue Platte durchgespielt, da sie laut Olbrich dynamisch ist und sich viele verschiedene Stimmungen und Instrumentierungen darauf finden. Jetzt aber noch mal kurz zu Eggenfelden. Hat da nicht mal ein gewisser Daniel Küblböck, seines Zeichens Castingshow-Teilnehmer und Pop-Paradiesvogel, gelebt? Witzigerweise wohnen Gitarrist Jonathan Niederer und Bassist Andreas Aigner sogar in seiner ehemaligen Wohnung. Aber die Stadt mit ihren 13.000 Einwohnern hat auch „echte“ Musiker zu bieten, wie der Sänger erzählt: „Hier wohnt unter anderem Richard Palmer-James. Er ist Mitbegründer von Supertramp und hat viel für King Crimson geschrieben.“ Nun aber endlich zu den 2018 gegründeten The Sonic Brewery. Seinerzeit kam man aufgrund einer gemeinsamen Vorliebe für die Rival Sons zusammen, was im Sound des niederbayerischen Quartetts durchaus zu hören ist.

Und obwohl man sich auch auf Ozzy Osbourne verständigen kann, hat der Albumtitel, der fast wie eine Ozzy-Nummer heißt, mit diesem nichts zu tun, wie Benno erklärt: „Aber im Song kommt die Stelle ‚We are ready to see the gates of Babylon‘ vor – eine Hommage von mir an den Rainbow-Song ›Gates Of Babylon‹.“ Obwohl die Bandmitglieder sich als erklärte Vinyl-Freaks und Longplayer-Künstler verstehen, möchte Benno Olbrich doch zwei Titel hervorheben: „›Don’t Wanna Die‹ steht im Moment am besten für uns als Musiker. Es spiegelt die Energie wider, die sich über die letzten Jahre angestaut hat, als wir das Album nicht veröffentlichen konnten.“ Den musikalischen roten Faden der Platte präsentiert seiner Meinung nach dagegen am besten ›Mercury Of Dreams‹. Olbrich sieht den eigenen Sound als Crossover aus Oldschool- und Modern-Rock. Vor allem die Aufnahmen laufen bei The Sonic Brewery eher im alten Stil, also live ab. ›Stop Talking‹ sei vielleicht sogar noch mehr alte (Hippie-) Schule, wie der Sänger erklärt: „Wir saßen uns im Viererkreis gegenüber und haben mit nur ein paar Mics die sehr intime Atmosphäre an diesem Morgen eingefangen, was der Stimmung des Stücks sehr zugutekommt.“ Am Ende noch ein paar Worte zum Release-Konzert am Vortag: „Mit der Show konnten wir den lokalen Fans und der Presse endgültig zeigen, dass wir es ernst meinen“, so Olbrich. Keine weiteren Fragen ..

Russ Ballard: „Mein Feuer brennt noch immer“

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Er zählt zu den großen Songwritern unserer Zeit, seine Hits hat jeder im Ohr. Im Frühjahr 2024 präsentiert Russ Ballard seine größten Erfolge bei „Rock Meets Classic“.

›Since You’ve Been Gone‹, ›I Surrender‹, ›New York Groove‹ und ›God Gave Rock’n’Roll To You‹ – unsterbliche Rockhymnen, die man kennt, von Rainbow, Hello, Ace Frehley und KISS. Weit weniger bekannt ist jedoch der Mann, der hinter diesen Klassikern steckt: Russell Glyn Ballard, kurz Russ. Der Musiker und Komponist war zwar Ende der 60er in seiner Heimat England ein gefeierter Star als Sänger von The Roulettes und Argent, doch später landeten andere Acts mit seinen Liedern größere Hits …

Russ, Rock trifft bald wieder Klassik! Bist du schon mal mit einem Sinfonie-Orchester aufgetreten?
Im Studio habe ich vor Jahren mit The Roulettes mal mit einem Orchester gearbeitet, aber auf der Bühne noch nie. Das wird spannend.

Welche Songs wirst du im Programm haben?
Am Ende werden es wohl ›You Can Do Magic‹ von America, ›Voices‹ und ›The Fire Still Burns‹, meine größten Soloerfolge, dazu ›Liar‹, mein erster Hit mit Argent, und natürlich ›God Gave Rock’n’Roll To You‹ sein.

Schreibst du deine Stücke eigentlich auch in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Acts?
Nein, nur für mich allein. Auch ›Since You’ve Been Gone‹ hatte ich ja bereits vor Rainbow selbst veröffentlicht. Aber die Rainbow-Version mit Graham Bonnet wurde der größere Hit. Auftragsarbeiten waren nur ›New York Groove‹ 1975 für Hello, das später auch Ace Frehley coverte, und ›You Can Do Magic‹ von America. Die wollten explizit ein Lied im Stil ihres Hits ›Horse With No Name‹ von mir. Hat funktioniert.

Apropos Rainbow. Wie kommst du mit Ritchie Blackmore aus?
Ich kenne ihn flüchtig seit 1963, als er noch mit Gene Vincent auf Tour war. Wir haben uns mal bei einem Konzert in Blackpool getroffen. Später nutzte er dann zwei meiner Lieder – ›Since You’ve Been Gone‹ und ›I Surrender‹ – für Rainbow. Klingt unglaublich, aber richtig kennengelernt habe ich Ritchie erst 2017, als er mich zum Rainbow-Gig in die Londoner O2-Arena einlud und bat, bei ›Since You’ve Been Gone‹ mitzurocken.

Auch KISS und Ace Frehley verdanken dir Hits, besonders ›God Gave Rock’n’Roll To You‹ …
1974 waren KISS meine Vorband, als ich mit Argent in New York in der Academy of Music auftrat. Ich sah sie beim Soundcheck in Straßenklamotten und dachte: nette Band. Aber als ich sie dann bei ihrer Show erlebte, mit all dem Make-up, den irren Outfits und riesigem KISS-Logo hinter dem Drumriser, wurde mir klar, dass aus denen mal was werden könnte. (lacht)

Du entstammst der Generation Jagger, McCartney, Daltrey, bist ein erfolgreicher Musiker, aber trotz aller Hits kein Rock-Superstar …
In den 1960ern und frühen 70ern war ich sehr bekannt mit den Roulettes und Argent. Doch als mein Sohn Christopher zur Welt kam, habe ich elf Jahre Tourpause gemacht, um ihn aufwachsen zu sehen. Das war mir wichtiger als Superstardom. Songs habe ich jedoch immer geschrieben, und ich bereue meine Entscheidung nicht.

Du bist jetzt 78. Und alles fit?
Im Grunde, ja. Ich mache Fitnesstraining mit einer Personal-Trainerin und laufe viel. Allerdings steht in Kürze noch eine Katarakt-Operation (Grauer Star) an. Auf dem rechten Auge bin ich seit Jahren blind. Mit 15 wurde ich in der Schulpause von einem Stein aus einer Steinschleuder getroffen. Dabei verlor ich fast komplett mein Augenlicht.

Über den privaten Ballard ist kaum was bekannt …
Ich lebe mit meiner Familie ganz normal im Norden Londons und verbringe viel Zeit im Studio. Früher habe ich Autos gesammelt, hatte jeden Wagen, von dem ich als Jugendlicher nur träumen konnte: Jaguars, einen Ferrari Dino und vier Rolls-Royce. Rückblickend reine Geldverschwendung, oh dear.

Dein musikalischer Output ist enorm. Bist du ständig am Komponieren?
Ja. Momentan schreibe ich meine besten Stücke, wartet’s ab! Inhaltlich wird’s aber schwieriger, mit Ü70 kannst du keine Texte mehr über Liebeskummer bringen. (lacht) Aber ganz ehrlich, the fire still burns …

Gitarrenheldin: Poison Ivy

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1976 gründete Kristy Marlana Wallace unter ihrem Künstlernamen Poison Ivy zusammen mit ihrem späteren Mann Erick Lee Purkhiser alias Lux Interior die Band The Cramps.

Inspiriert von Bo Diddleys Gitarristin The Duchess, brachte Poison Ivy von The Cramps Psych-Flair in den Rockabilly-Klassizismus. Ihr Sound lebte von viel Twang, eigentlich simplen Riffs und enormer Spielintensität. Doch obwohl sie die Bedrohlichkeit von Link Wray für die Punk-Generation intensivierte und den Rock’n’Roll auf seine absolute Essenz destillierte, bekommt sie nur selten den gebührenden Respekt dafür.

Anspieltipp: ›What’s Inside A Girl?‹

Black Sabbath: Tony Iommi im Interview – This Is The End

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„Die letzte Tour war eine Altmännerreise auf Luxusniveau.“

This is the end: Am 4. Februar 2017 spielten Black Sabbath ihren letzten Gig in ihrer Heimatstadt Birmingham, kurz danach traf sich die Band zu einer letzten Session – das soll es nun gewesen sein. Wir fragten Tony Iommi nach den Gründen für das Ende und seine Stimmung nach dem letzten Gig. Seine Antworten sind ehrlich und zeigen: Sein Leben als Musiker geht weiter. Nur halt nicht mehr als Senior auf Tour.

Tony, bei der letzten Black Sabbath-Show in Köln saß ich vor einer Familie, Vater und Mutter, zwei Söhne, beide noch Schüler – und beide sind wie ihre Eltern voll mitgegangen. Was bedeutet dir diese generationenübergreifende Bedeutung?
Es ist ein fantastisches Gefühl. Ich habe seit Jahren die Gewissheit, dass wir nicht nur unsere alten Fans behalten, sondern auch immer wieder neue hinzugewinnen. Bis zuletzt.

Hat dich das überrascht?
Nein. Wir waren nie eine Szeneband, standen immer außerhalb der Hypes, nahmen eine Außenseiterrolle ein. Gespielt haben wir die Musik von Beginn an in erster Linie für uns. In den ersten Jahren eigentlich ausschließlich für uns. (lacht) Das war aus kommerzieller Hinsicht manchmal ein Problem.

Warum?
Die Leute haben zuerst nicht begriffen, was wir da überhaupt machen. Unsere Musik war anders, sie war neu, keiner hat auf sie gewartet – bis auf ein paar eingeschweißte Fans, die von Beginn an dabei waren und uns gefolgt sind. Der Markt wartete jedoch auf etwas Anderes, also mussten wir uns zunächst Akzeptanz erkämpfen. Unsere Mitbewerber waren damals ja nicht die großen Acts, sondern durchgeknallte Okkultisten. Aus dieser Schublade mussten wir zunächst einmal herauskommen. Auf lange Sicht hat diese sperrige Haltung jedoch dafür gesorgt, dass wir nie richtig „out“ waren. Man hat uns immer in Ruhe gelassen, von uns hat niemals jemand verlangt, mehr elektronische Einflüsse zuzulassen oder Computer zu nutzen. Und je mehr Computer draußen in der Welt Aufgaben übernehmen und die Menschen verdrängen, desto wichtiger und letztlich auch erfolgreicher ist handgemachte Musik.

Nun ist für euch der letzte Vorhang gefallen: 4. Februar 2017, eure Heimatstadt Birmingham, ›Paranoid‹ als Zugabe – dann war Schluss. Wie hast du in der Nacht danach geschlafen?
Ganz gut. Ich habe mir eine Tasse Tee gekocht und den Fernseher angestellt, alles ganz normal also.

So banal endet also der Tag, an dem eine der bedeutsamsten Rockbands aller Zeiten das finale Kapitel beendet?
Ja, was vor allem an einem Trick lag, der uns davor beschützte, zu wehmütig zu werden.

Nämlich?
Wir haben uns zwei Tage nach dem letzten Gig in den Angelic Studios für eine Session getroffen, da habe ich die Jungs direkt wiedergesehen. Das war ein nettes Ende: ein kreatives Beisammensein, bei dem wir ein paar Songs eingespielt haben, die auf der Tour nicht ins Programm gepasst hatten. Als diese Session vorbei war, fühlte es sich weniger nach dem Ende an, als nach verdientem Feierabend.

Trotzdem erkennt man an den Nahaufnahmen im Film, dass ihr am Ende des finalen Gigs schon emotional berührt gewesen seid…
Natürlich. Die Leute reden von einem Heimspiel, was zunächst einmal stimmt: Wir kommen aus Birmingham, diese Stadt spielte für die Band immer eine besondere Rolle – vor allem, weil sie ein paar Meilen von London und den vielen Hypes entfernt war. Richtig ist aber auch, dass beim letzten Konzert nicht nur Leute aus der Stadt in der Arena waren. Es schien mir so, als sei die ganze Welt nach Birmingham gereist, um noch einmal diese Band zu sehen. Das hat mich sehr berührt, einige Fans haben beinahe Weltreisen auf sich genommen, um dabei zu sein.

Wie fühlt es sich an, die Energie dieser Menschen auf der Bühne zu spüren?
Hast du schon mal versucht, ein großartiges Gefühl zu beschreiben? Das ist sehr schwer.(überlegt) Du spürst, dass die Bewegung dieser Leute, es entsteht ein Vibe, der eine Wirkung auf jeden oben auf der Bühne hat. Das Publikum strahlt eine Art von Wärme aus. Das ging so weit, dass ich auf der Bühne gar nicht mehr in erster Linie daran dachte, dass es nun für mich vorbei ist: Mir war klar, dass den Fans der Abschied deutlich schwerer fallen würde. Du sprachst gerade von den Vätern im Publikum, ich weiß auch von einigen Großvätern, die uns seit den ersten Tagen die Treue gehalten haben. Auch für diese Leute ist nun etwas zu Ende gegangen, und ich kann mir gut vorstellen, wie schwer es einigen von ihnen fällt, damit leben zu müssen, dass es nun keine Tour mehr geben wird.

Wie würdest du die Verbindung zwischen der Band und euren Fans beschreiben?

Ganz einfach, unsere Fans haben die Musik von Black Sabbath so sehr geliebt, wie wir selbst es getan haben. Rückblickend gab mir diese enge Verbindung immer dann einen großen Schub, wenn es mal nicht so gut lief. Mir war immer klar, dass es draußen sehr viele Menschen gibt, die genau den Sound mögen, den wir am besten kreieren und spielen können. So entsteht eine Art von Verantwortung – oder zumindest ein Gefühl dafür, dass es nicht sinnvoll wäre, diese Verbindung wegen ein paar persönlicher Probleme zu gefährden.

Wir sprachen gerade schon über die Einzigartigkeit eurer Musik, glaubst du, dass es heute so etwas überhaupt noch geben kann: Eine Rockband, die wirklich etwas Neues erschafft?
Schwere Frage. Ich habe den Eindruck, dass es heute viel mehr Bands gibt als damals, zumindest schaffen es heute mehr Bands in den Focus. Aber was sie dort leisten, ist eher überschaubar. Klar, sie alle spielen irgendwie andere Musik, alle geben sich Mühe, sich nicht zu wiederholen. Aber wir hatten es damals leichter, und die anderen Bands unserer Zeit wie Deep Purple, Moody Blues, Led Zeppelin, Traffic oder E.L.O. auch: Der Markt war weder so voll wie heute, noch war er abgegrast. Es gab noch was zu holen, wobei ich schon sagen muss, dass die großen Bands dieser Zeit auch wirklich sehr kreativ und unbeirrbar waren. Wenn ich auf uns schaue, dann haben wir daran geglaubt, dass wir es schaffen würden. Obwohl unsere Musik zunächst aneckte, obwohl wir nicht aus London sondern Birmingham kamen: Wir glaubten, dass wir das packen.

Bist du rückblickend selbst erstaunt, wie naiv ihr damals gewesen seid?
Ich glaube nicht, dass wir naiv waren – wir hatten einen guten Instinkt. Es gab tatsächlich verwirrende Zeiten, vor allem in den 80er-Jahren, als täglich neue Bands auf den Radar kamen, alle mit ungewöhnlichen Frisuren und seltsam geschnittenen Klamotten – das war Pop, das war ein Trend. Ich habe mir das angeschaut, aber sehr genau gewusst, dass ich da nicht mitmachen will. Da gibt es nur ein Rezept: Weiter an deine Sache glauben und dein Ding durchziehen.

Und irgendwann ist dann eine Band wie Black Sabbath wieder im Trend.
Das kann passieren, ja, aber damit sollte man nicht rechnen. Trends darf man nicht vertrauen, das habe ich früh gelernt. Musik ist etwas, dass du in dir fühlst – oder eben nicht. Wenn dir eine Marketingagentur vorschreibst, was du zu hören hast, dann geht das vielleicht ein paar Wochen gut. Aber auf Dauer bringt das nichts.

Nun ist also Schluss mit Black Sabbath. Du wirst mehr Zeit haben, was wirst du mit ihr anstellen?
Diese letzte Tour war sehr anstrengend, sie hat mir noch einmal vor Augen geführt, warum es alternativlos ist, jetzt aufzuhören. Statt um die Welt zu reisen, werde ich nun wieder auf mich und meine Gesundheit acht geben. Es geht ganz gut, aber ich muss schon auf mich aufpassen.