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The Boxmasters im Interview: Schluss mit Verrücktsein

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Boxmasters InterviewDie Boxmasters: Das sind vor allen Dingen Schauspieler Billy Bob Thornton (auf dem Bild in der Mitte) und sein Kumpel JD Andrew (rechts). Seit mehr als zehn Jahren machen sie zusammen Americana- und British-Invasion-Musik. Zum neuen Album SPECK hatten wir die beiden am Telefon. Ein Gespräch über L.A., Geoff Emerick, Donald Trump, verschwendete Lebenszeit, Obdachlose, Idole und Bühnenangst.

Wo seid ihr gerade?
JD Andrew: Wir sind im Henson Recording Studio, den früheren A&M Studios. Ein historischer Ort in Hollywood. Wir arbeiten hier schon lange, es ist unser Lieblingsort und fühlt sich wie zuhause an.

Wie ist das Leben allgemein so in Los Angeles?
Billy Bob Thornton: L.A. hat oft einen schlechten Ruf, besonders bei Leuten aus New York. Es ist zunächst mal eine riesengroße Stadt, sehr weitläufig, anders als New York und Chicago, die eher in sich geschlossen sind. Es erstreckt sich unendlich weit, es ist gigantisch. Die Leute haben die falsche Vorstellung, dass sich hier alles um Swimming Pools und Models und das ganze Zeug dreht, in Wirklichkeit ist das nicht so. Gut, wenn du in Beverly Hills bist, vielleicht, aber sonst gibt es viele unterschiedliche Gegenden. Und das Wetter ist die meiste Zeit gut, von diesem Jahr mal abgesehen, da regnet es die ganze Zeit. Aber wenn du hierherkommen würdest, könntest du eine Menge Spaß haben, das verspreche ich, besonders, wenn du im Sunset Marquis Hotel absteigst, haha.
Andrew: Ich kann mich nicht erinnern, dass es im Mai mal geregnet hat. Aber was solls, wir nehmen das Gute mit dem Schlechten, und meist ist es gut.

Lasst uns gleich mal über Geoff Emerick sprechen. Er war der Toningenieur der Beatles, ihr habt euer neues Album SPECK mit ihm aufgenommen, kurz bevor er im Oktober 2018 gestorben ist. Wie habt ihr ihn kennengelernt?
Thornton: Wir kannten Geoff schon mehrere Jahre, er war ein Freund unseres Studiomanagers. Er hat immer davon gesprochen, dass er vielleicht mal ein paar unserer Lieder abmischen könnte. Wir mochten ihn, wir sind große Fans der Beatles-Alben und sehr davon beeinflusst. Eines Tages kam er zum Studio, als wir gerade hier waren. Wir sagten ihm, dass wir an einer neuen Platte arbeiten. Er fragte, ob er mal was davon hören könnte. Wir spielten ihm was vor und er sagte: Ich liebe diese Songs, würde es euch was ausmachen, wenn ich einen davon abmische. Wir mochten das Ergebnis – er hat bestimmte Sounds eingesetzt, die uns bekannt vorkamen, etwa von John Lennons Stimme –, also sagten wir uns: Warum soll er nicht das ganze Ding machen? Wir sind sehr stolz darauf, denn die letzten Songs, die er je produziert hat, sind unsere. Bittersüß. Eine große Ehre. Wir werden ihn sehr vermissen.

War es hart, die Verantwortung aus der Hand zu geben?
Andrew: Für eine Zeit lang, ja, weil es einfach so anders war. Aber dann genoss ich es, mich zurücklehnen zu können. Als ich die Stücke dann zum ersten Mal hörte, dachte ich: Holy Cow! Geoff ging einfach einen komplett anderen Weg, du denkst, deine Babys sind weg oder so. Aber allmählich erkennt man, wie erstaunlich das alles ist. Und letztendlich: Wir werden keine Mixes mehr aus Geoff herausbringen

Worum gehts auf SPECK?
Thornton: Nun, es ist kein Konzeptalbum, aber es ist in dem Sinn thematisch, als der Titel sich darauf bezieht, dass wir alle Staubkörnchen im Universum sind. Wir haben sowohl mit persönlichen als auch mit eher globalen Problemen zu tun. Es finden sich Songs über private Schwierigkeiten, über Obdachlose, Tornados, die Schönheit der Natur und ihre Zerstörungskraft. Darüber, wie klein sie uns in der Welt fühlen lässt.

„Wenn die Welt in drei Jahren untergeht, wars das. Wenn nicht, planen wir, länger zu machen als Mick Jagger.“

Auf ›Let The Bleeding Pray‹ singt ihr von einem „big storm“, der über den Ozean heranrollt. Geht die Welt, so wie wir sie kennen, zu Ende?
Thornton: Nun, ich weiß nicht, ob sie zu Ende geht. Wenn wir die nächsten paar Jahre überstehen, vielleicht nicht, haha. Im Song gehts darum, dass die USA immer die Nummer-eins-Supermacht waren und das heute aus der Hand zu geben scheinen. Wir werden in der Welt nicht mehr so gesehen wie früher einmal, wir sind der „big storm“, dem die anderen mit „mixed emotions“ entgegensehen. Manche Leute haben Angst vor uns, andere nicht. Im Grunde sagt der Song: Lasst uns alle mit dem Verrücktsein aufhören. Auch wenn in der Vergangenheit all unsere Länder ihre Probleme gehabt haben mögen, gab es doch Zeiten, wie in den 60ern und 70ern, als wir, oder zumindest die Jugend, unser Bestes getan haben. Und es sind auch heute die jungen Leute, die draußen auf der Straße sind, um etwas zu sagen. Ich weiß nicht, wer zuhört, aber ich hoffe, dass irgendwer es tut. Aber um die Wahrheit zu sagen, haben wir große Hoffnung, dass alles okay sein wird.

Der letzte Song des Albums sagt ja genau das: „We just need somebody to say it’s gonna be okay.“ Wenn du ein Kind bist, verlässt du dich auf deine Mutter und deinen Vater, du hältst sie fast für gottgleich. Wenn du draußen im Tornado bist und deine Eltern sind bei dir, dann werden sie dich beschützen. Aber wenn du dich nicht auf deine Mutter und deinen Vater verlassen kannst, dann bekommst du’s ziemlich mit der Angst zu tun. Darum geht’s: Wir sind innen drin alle immer noch Kinder, wir brauchen jemanden, der uns sicher führt.

Im selben Song spielt ihr auf Trump an. Wie stehen die Chancen, dass er wiedergewählt wird?
Thornton: Es gab Zeiten, da dachte ich, dass ich den Durchblick habe. Das ist heute nicht mehr so. Haha. Aber es geht nicht nur um Trump, sondern um jeden politischen Führer in dieser Position. Es geht um Macht, um den Kongress, den Senat, all das. Das Ding ist: Ich glaube nicht, dass wir alles auf eine Person schieben können. Es sind Regierungen, die Staaten führen, und dazu gehört ein Haufen Leute. Das Problem ist also weit größer. Ist Trump eine Figur in manchen unserer Lieder? Absolut. Aber es dreht sich um mehr. Und wer der nächste Präsident der USA sein wird? Ich hab keine Ahnung.

Trump ist also mehr Symptom als eigentliches Problem?
Thornton: Definitiv! Ich glaube, er ist auch ein Symptom der Gesellschaft, ganz ernsthaft. Ich versuch’s mal so: Sagen wir, es ist ein 500-Millionen-Dollar-Film darußen, der echter Mist ist, und dann kommt ein 2-Millionen-Dollar-Film, der brillant ist, aber keiner schaut ihn an. Dann kannst du nicht nur die Kritiker oder die Vertreiber dafür verantwortlich machen, irgendwann musst du auch die Leute verantwortlich machen. Wir müssen uns anschauen, was in unserer Gesellschaft vor sich geht, sie ist mehr und mehr gespalten. Politische Führer sind ein Symptom, und zugleich sind sie manchmal das Problem. Machen sie auf eigene Faust schlechte Dinge? Klar. Aber sie wurden von den Leuten dahin gesetzt, wo sie sind. Darüber müssen wir uns Gedanken machen.

Im Titelstück von SPECK sagt ihr: „When you live life askin‘ why, you’ve already said goodbybe.“ Was bedeutet das?
Thornton: Der Song handelt davon, wie klein wir sind. Doch im Grunde ist er hoffnungsvoll, denn er sagt: Vielleicht ist das okay. Es ist okay ein Staubkorn im Universum zu sein. Uns ist die Möglichkeit gegeben, hier zu leben, zu genießen. Schmerz zu leiden, Freude zu empfinden und viel mehr. Man muss gewissermaßen im Moment leben und jeden Tag lieben, oder zumindest sein Bestes tun. Und wenn du ständig nach dem Warum fragst, dann lebst du nicht im Moment. Es bedeutet, dass du jeden Tag an die Zukunft denkst und dich vielleicht fragst: Was, wenn ich Fußkrebs bekomme? Oder dass du in der Vergangenheit lebst, im Sinn von: Es gab eine Zeit, da war ich Quarterback im Football-Team. Wenn du dich jeden Tag fragst, warum wir nicht ewig leben können oder warum die Dinge so sein müssen, wie sie sind, dann vergeudest du deine Zeit. Du hast dich vom Leben verabschiedet, denn du lebst es nicht.

Paul McCartney: Duett mit Steven Tyler

Bei seiner Show in Vegas wurde Paul McCartney bei einem Song von Kollege Tyler unterstützt.

Am 28. Juni spielte Paul McCartney in der T-Mobile Arena in Las Vegas. Mit den Worten „Wir haben heute einen besonderen Gast für euch: Mr. Steven Tyler“ holte der ehemalige Beatle Steven Tyler von Aerosmith zu sich auf die Bühne.

Gemeinsam gaben sie den Beatles-Hit ›Helter Skelter‹ zum Besten.

Paul McCartney und Steven Tyler live:

Eagles: Vince Gill im Interview – Vom Fan zum Komplizen

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Eagles InterviewVince Gill (auf dem Bild 2.v.l.), einer der beiden Neuen, erzählt, wie er vom Fan zum Freund zum Mitglied der Eagles wurde.

Kannst du dich noch daran erinnern, wie du zum ersten Mal die Eagles gehört hast?
Oh ja. Ich war ein Junge in Oklahoma, der gerade versuchte, die Gitarre zu lernen, und das waren die Typen, die genau das taten, was ich liebte. Dieses erste Album hatte einen riesigen Einfluss auch mich, weil die Songs einfach so gut waren. Das ist es, was für mich die Zeit überdauert hat – die Songs. Es gibt nur sehr wenige Menschen, die in ihrem Leben so ein Gesamtwerk
er­­schaf­fen.

Wo warst du, als du gefragt wurdest, ob du einsteigen willst?
Ich war zuhause. Unsere Wege hatten sich schon häufig gekreuzt, also kam das aus hei­terem Himmel, aber auch wieder nicht, wenn du verstehst, was ich meine. Ich war mehr als ge­­schmeichelt, dass sie dachten, dass ich in diese Fußstapfen treten und diese Songs spielen und singen könnte. Es war leicht, Ja zu sagen. Der einzige Zweifel, den ich hatte, war, dass ich mir nicht sicher war, ob das akzeptiert würde.

Wie lange dauerte es, bis sich dieses Gefühl verflüchtigte?
Es verflog nach dem ersten Refrain von ›Take It To The Limit‹. Das war der erste Song, den ich mit ihnen sang, beim ersten Konzert. Ich fühlte, wie sich alle entspannten, ich selbst eingeschlossen.

„Ich ging von hinten zu ihm, legte meine Arme um ihn und sagte: Mann, hast du auch so viel Schiss wie ich?“

Hat dir irgendjemand in der Band Ratschläge gegeben?
Ja, absolut. Ich gehe die Dinge auf der Bühne anders an als sie, da lasse ich mich gerne von der Stimmung mitreißen und spiele oder singe etwas ganz anders als am Abend zuvor. So läuft das hier aber nicht, und da gibt es kein Schwarz oder Weiß. Bei diesen Jungs heißt es: „Es ist so.“ Das macht es einfach, und es macht Spaß.

Hattest du irgendeinen Rat für Deacon Frey als den anderen Neuen in der Band?
Ich kannte seinen Vater sehr gut, aber Deacon war ich vor der ersten Probe noch nie begegnet. Ich ging von hinten zu ihm, legte meine Arme um ihn und sagte: „Mann, hast du auch so viel Schiss wie ich?“ Er lachte und sagte: „Oh yeah, und wie.“ Darauf sagte ich: „Ich halte dir den Rücken frei, machst du das auch für mich? Lass uns Spaß haben.“

Welchen Deep Cut der Eagles würdest du gerne live mit ihnen spielen?
Oh Mann… Mich hat immer ›The Sad Café‹ angezogen [von THE LONG RUN, 1979]. Das sprach einfach zu mir. Sie haben nie daneben gegriffen, aber das war für mich ein besonders schönes Stück. Ich habe sie immerhin davon überzeugt, ›Ol‘ 55‹ zu spielen, den alten Song von Tom Waits. Ich fragte danach und sie sagten: „Nun, das haben wir schon seit Jahren nicht mehr gemacht.“ Es hat gut funktioniert.

Was macht die Eagles zu einer so großartigen amerikanischen Band?
Das fängt wirklich alles bei den Songs an. Aber auch, dass so viele legendäre Stimmen Teil dessen waren, was die Eagles sind. Ob Don singt oder Glenn oder Timothy oder Joe Walsh oder Randy, es hieß immer: „Und jetzt der Nächste“, und man dachte, „Verdammt!“ Dann brachte man sie alle zusammen und es ist ­ein­­zigartig.

Im Moment gibt es keine Pläne über diesen Sommer hinaus. Wenn sie dich wieder anrufen würden, würdest du zusagen?
Wann auch immer ich die Gelegenheit be­­komme, mit diesen Jungs da oben zu stehen und diese Songs zu singen und zu spielen, bin ich dabei, solange sie es wollen.

ZZ Top: So war es bei ihrer Show in Bietigheim-Bissingen

In diesem Sommer gibt es wieder ein besonders reiches Angebot an Konzerten. Von der jüngsten ZZ-Top-Show in Bietigheim-Bissingen haben wir hier ein paar Impressionen von euch.

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Alle Bilder: ©Frank Witzelmaier

Konzertkritik: ZZ Top, Foreigner u.m. live auf Burg Clam

Am Fuße der Burg liegt eine Perle von einem Festival…

Bereits vor drei Jahren schwärmte ein guter Bekannter bei einem kühlen Blonden im Schwimmbad von den sommerlichen Festivitäten auf Burg Clam und es wurde relativ schnell klar, dass man sich dieses Spektakel demnächst einmal aus der Nähe ansehen sollte. Als dann eines der Wochenend-Line-Ups dieses Jahres mit The Night Flight Orchestra, Ritchie Kotzen, Mother’s Finest, Foreigner und ZZ Top aufwartete, überlegte man nicht lang, sondern packte seinen Rucksack und fuhr zusammen mit drei weiteren Interessenten bei circa 32 Grad die drei Stunden von Regensburg Richtung Linz.

Staufrei vor Ort angekommen, gab es erst einmal eine kleine Privatführung über das wirklich schöne Festivalgelände: den mit Picknickdecken bespickten Hang hinauf zur mittelalterlichen Festung, die wunderschön über dem ganzen Event thront, durch den Aperol-bespritzten V.I.P. Bereich hinunter vor die Bühne, einmal durch das Backstage, wo aufgeheizte Künstler im dort angelegten Mini-Pool entspannen und schließlich in den Innenhof-Biergarten der wunderbaren Burgschenke: Erst einmal runterkommen, sich mit einem Spritzer abkühlen, einen belegten Kornspitz schnabulieren.

Von einem ruhigen Schattenplätzchen aus bemitleidet man dann klammheimlich The Night Flight Orchestra, denen die pralle Nachmittagssonne die Gesichter – und anders kann man es wirklich nicht sagen – erbarmungslos betoniert. Die Schweden schlagen sich wacker, aber wenn ich nur daran denke, mich in eines der pinken Satin-Stewardessen-Kostüme der Backgroundsängerinnen quälen zu müssen, falle ich vor Empathie fast in Ohnmacht. Als die Truppe danach jedoch quietschfidel mit Prosecco und Bier im Pool plantscht, ist der Bühnenschweiß schon wieder längst vergessen.

Etwas weniger vergnügt sieht man dafür Ritchie Kotzen kurz vor seinem Auftritt in jenem idyllischen Szenario auf und ab laufen wie ein Raubtier im Käfig, er wirkt nervös, auch der Veranstalter merkt knapp an: „Irgendwie ist er nicht gut drauf, glaub ich.“ Bei seiner Show spürt man davon jedoch kein bisschen. In schwarzer Leinen-Kluft performt dieser Mann in der flirrenden Hitze als gäbe es kein Morgen mehr. Obwohl er rein von den Naturgesetzen her vor lauter Schwitzen seine Gitarre nicht mehr halten können dürfte, soliert und singt der Frontmann mit so viel Virtuosität, dass es einem glatt ein wenig die Sprache verschlägt.

Auch den folgenden Mother’s Finest ist die Hitze noch nicht gnädiger gestimmt und trotzdem kommt die 71-jährige (!!!) Joyce Jean Kennedy in roten Latex-Schlaghosen, einem roten Spitzenoberteil und einer knallengen, ebenfalls roten Ledercorsage auf die Bühne, als wäre es die natürlichste Sache der Welt, im Rentenalter bei Suppentopftemperaturen höchst agil und mit kraftvoller Soul-Stimme vor einem 10.000er Publikum zu spielen. Während man selbst mit seinen 27 Jahren leicht überhitzt und fertig an einem schattigen Plätzchen am Hang liegt, notiert man sich geistig: Einfach nur bemerkenswert!

Nach einer tanzbaren Performance hält die Dame noch eine kleine Motivationsansprache und macht klar, dass jeder gleich viel wert ist und man sich von niemandem, absolut niemandem klein reden lassen soll. Dann entschwindet auch die legendäre „Baby Jean“ mit Konsorten von den Bühnenbrettern am Fuße der Burg Clam.

(c) Josef Schinner

Nachdem man sich schließlich noch ein letztes Stück hausgemachten Marillenkuchen zu Gemüte geführt hatte (auch kulinarisch gesehen gab es wirklich gar nichts zu meckern), nahm man langsam seine letzte Standardpositionierung für den restlichen Abend ein. Punkt 20:00 Uhr kamen Foreigner zu ›Double Vision‹ auf die Bühne gestoben. Man hatte diese Knaben bereits im Vorprogramm von Aerosmiths ‚Aerovederci‘-Tour gesehen und aufgrund mangelnder Soundqualität irgendwie überhaupt nicht mehr als besonders toll auf dem Schirm. Dieses vorschnelle Urteil sollte sich binnen der 1,5 stündigen Show schleunigst ändern, denn das, was diese Hitmaschinen um Mick Jones an jenem Abend ablieferten, war einfach nur bravourös: Selten hat man bisher eine solche Leidenschaft, Professionalität und Spielfreude auf einer Bühne vereint gesehen.

Allen voran Sänger Kelly Hansen lief wirklich auf Hochtouren, interagierte mit dem Publikum, warf sich in die Menge, rannte von links nach rechts, von vorne nach hinten, sprang wie ein junger Grashüpfer und hielt dabei seine Stimme so perfekt im Zaum, dass man irgendwann nur noch Bauklötze staunen konnte. Die fulminante Show ließ das gesamte Gelände jubelnd zurück und gen Dämmerung wartete man schließlich auf die bärtige Hauptattraktion des Abends.

Diese zeigte sich zwar weitaus weniger – um es in Gerhard Polts Worten zu sagen – ambulanter als ihr Vorprogramm, jedoch steht nach wie vor eines fest: ZZ Top gehören wohl gerade wegen ihres 50 jährigen Bestehens zu den coolsten Hunden im Rockbusiness. Dusty und Billy kleideten die gleichen schwarzen, mit Lederkreuzen bestickten Sakkos, Gibbons trug dazu ganze drei Kopfbedeckungen übereinander, die Doc Martens, die unter seiner Anzughose herauslugten, wurden von lila Schnürsenkeln geziert. Mit einer nonchalanten Version von ›Got Me Under Pressure‹ ging die texanische Soiree los und genauso nonchalant mit einer nicht überraschenden, aber schön bluesigen Setlist (›Waitin‘ For The Bus‹, ›Jesus Left Chicago‹, ›Beer Drinkers And Hellraisers‹, ›My Head’s In Mississippi‹, ›I Gotsa Get Paid‹, ›Just Got Paid‹ etc.) weiter.

(c) Frank Witzelmaier

Wie er es eben so macht, streute Billy ein paar ‚Clam Castle‘ in die Songs ein, fragte das Publikum „Are you having a good time?“ und überzeugte ansonsten mit den klassischen, mit Dusty abgestimmten, minimalistischen und so wunderbar selbstironischen ZZ-Top-Moves, für die man diese Band einfach lieben muss. Die beiden Frontmänner hatten sichtlich Freude an ihrem Auftritt, sie wirkten wie zwei aufgeweckte Lausbuben in den Körpern alter, stylischer Männer, denen man einfach jeden Streich verzeihen muss. Sogar dem stoischen Frank Beard – der den ganzen Firlefanz seiner Kollegen nicht mitmacht und in uralter Jogginghose und Schlabbershirt hinter seinem Tiki-Drum-Set sitzt – kommen ein paar Schmunzler aus, wenn seine Kollegen vorne gerade wieder besonders viel Kokolores treiben.

Irgendwie hat man das Gefühl, ZZ Top werden mit jedem Jahr noch besser. Nach einem letzten ›Jailhouse Rock‹ verabschiedet sich die Lil‘ Ol‘ Band from Texas schließlich gegen 23:20 Uhr. Völlig zufrieden mit sich und seiner Umwelt stapft man in sich ruhend zum Ausgang, an der bunt beleuchteten Burg und den Büdchen vorbei hin zum Parkplatz und fragt sich, warum nicht alle Festivals so dermaßen entspannt ablaufen können wie der heutige Tag auf Burg Clam. (Danke Josef für den Tipp!)

Eric Burdon & The Animals: München, Philharmonie (30.06.2019)

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Eric Burdon live

Noch ein Abschied

Die Reihen lichten sich. 2019 wird als ein Jahr der Bühnenabschiede in die Annalen eingehen. So mag der eine oder andere die Abschiedstournee von Heino noch verschmerzen, aber mit Kiss, Lynyrd Skynyrd, Elton John, den B-52’s oder Joan Baez sind doch einige Namen darunter, die man künftig vermissen wird. Nun also auch Eric Burdon.

Der 78-Jährige hatte im Vorfeld dieser Tournee erklärt, dass die aktuelle Konzertreise seine letzte sein wird. Auch wenn er auf der Bühne nicht mehr ganz so flink unterwegs ist wie einst, so merkt man seiner Stimme nichts an: markerschütternd bei den lauten, zärtlich bis bedrohlich bei den gewisperten Stellen. Begleitet von einer jungen sechsköpfigen Band, die mit zwei Bläsern an den Soul-Rock von War erinnert, hat Burdon neben den alten Animals-Krachern Raritäten ausgegraben wie seine Fassung von Randy Newmans ›Mama Told Me Not To Come‹ aus dem 1967 nur in dem Staaten veröffentlichten MGM-Album ERIC IS HERE, die der sonnenbebrillte Weißhaarige alle mit unnachahmlicher Leidenschaft singt wie kein Zweiter auf dieser Welt.

Was seinen Abschied umso schmerzvoller macht, ist die Tatsache, dass mit ihm nicht nur einer der besten Sänger geht, sondern auch ein grandioser Storyteller, der in München aus erster Hand Geschichten erzählt, etwa von Memphis Slim oder Leadbelly. Aber vielleicht hat es ja doch etwas zu bedeuten, dass Burdon nicht mit ›We’ve Gotta Get Out Of This Place‹ aufhört, sondern mit dem Sam & Dave-Titel ›Hold On I’m Coming‹.

SETLIST

1. Mercy Mercy Mercy (Instrumental), 2. Soul Of A Man, 3. Mama Told Me Not To Come, 4. Spill The Wine, 5. Mother Earth, 6. In The Pines (Where Did You Sleep Last Night), 7. When I Was Young, 8. It’s My Life, 9. Don’t Let Me Be Misunderstood, 10. House Of The Rising Sun, 11. Sometimes I Feel Like A Motherless Child, 12. Don’t Bring Me Down, 13. Bring It On Home To Me, 14. We’ve Gotta Get Out Of This Place, 15. Hold On I’m Coming

Video der Woche: Yngwie Malmsteen live mit ›Rising Force‹

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Zum Geburtstag von Yngwie Malmsteen widmen wir ihm heute unser ‚Video der Woche‘.

Im Februar 1988 spielte Yngwie Malmsteen im Zuge seiner Tournee durch die Sowjetunion eine Show im damaligen Leningrad. Die Aufnahmen jenes Gigs wurden ein Jahr später unter dem Titel TRIAL BY FIRE veröffentlicht.

Zum 56. Geburtstag des Königs des neoklassischen Heavy Metal gibt es heute seinen Hit ›Rising Force‹ mit Joe Lynn Turner am Gesang zu sehen.

Yngwie Malmsteen live mit ›Rising Force‹:

Deep Purple: Tauzeit im ewigen Eis?

Die liegende Acht, das Unendlichzeichen, schien das Symbol zu sein, unter dem der Eisbrecher des Hardrock Deep Purple – von einer Krisenpause von 1976 bis 1984 abgesehen – seit nunmehr 49 Jahren die Weltmeere durchkreuzt. Egal was kam, egal wer ging, von Mark I bis VIII, Deep Purple waren da und das sind sie noch immer. Bis heute hätte niemand gewagt, an diesem „In Rock“ ge­­meißelten, unablässig tourenden Bollwerk zu rütteln. Ausgerechnet die Band selbst (seit 2002 in der achten und mittlerweile beständigsten Besetzung aus Gillan, Paice, Glover, Morse und Airey) weckt nun mit INFINITE, dem 20. Studioalbum ihrer Geschichte, das uns alle beherrschende und so oft verdrängte Thema der Vergänglichkeit. War’s das also? Diese und viele weitere Fragen beantwortete Gentleman Ian Paice, hart shuffelnde Linkshänderlegende am Schlagzeug und einziges durchgängig aktives Stammmitglied der Band, im Interview mit CLASSIC ROCK.

Ian, zwischen eurem letzten Al­­bum NOW WHAT?!, das 2013 er­­schien, und seinem Vorgängerwerk lagen acht Jahre. Diesmal ging es euch scheinbar deutlich leichter von der Hand. Liegt das an Produzent Bob Ezrin, der euch jetzt zum zweiten Mal bei den Aufnahmen unterstützte?
Vor NOW WHAT?! hatte keiner ein Interesse daran, eine Platte aufzunehmen. Weißt du, wir bestreiten unser Leben in erster Linie live auf der Bühne und das Album davor machte auch nicht wirklich Spaß. Erst nach sechs Jahren dachten wir, dass wir wirklich wieder ein Album machen sollten. Dann bekamen wir einen An­­ruf von Bob. Der machte zwei ganz einfache Anmerkungen: Erstens sollten wir es vergessen, jemals ein zweites ›Smoke On The Water‹ zu schreiben und zweitens sollten wir nicht über Radio-Airplay nachdenken. Denn beides würde nicht passieren. „Geht einfach mit der selben Einstellung ins Studio, mit der ihr die Bühne betretet.“ Eigentlich wussten wir das schon immer, nur hatten wir es ir­­gendwie vergessen. Er nahm uns all die harte Arbeit ab. Wir mussten nur zu ihm nach Nashville ins Studio kommen, mit ein paar Ideen, die zu­­vor bereits in der Vorproduktion entstanden waren.

Damals hattet ihr euch für diesen ersten Arbeitsschritt eine Halle im abgelegenen westfälische Verne gemietet. Wo habt ihr euch diesmal inspirieren lassen?
Wir gingen wieder in so ein großes Rehearsal-Studio, für das Live-Gefühl. Allerdings war das diesmal direkt in Nashville. Was für ein wundervoller Ort für Musik! Du gehst dort rein und nebenan probt eine Countryband, auf der anderen Seite eine HipHop-Gruppe, aus einem weiteren Raum hörst du Jazz. Nashville ist so viel mehr als nur Country! Die ganze Musikindustrie ist jetzt dort. Dort sind die Studios, dort gibt es die Clubs. In London gibt es noch Abbey Road, das ein tolles Studio ist, allerdings ist es auch gnadenlos überteuert. New York und Los Angeles sind abgeschrieben.

Hat euch diese musikalisch vitale Umgebung inspiriert?
Oh ja. Pass auf, so läuft das dort: Du gehst die Straße runter und kommst an eine Ampel und irgendwo hängt ein Lautsprecher, der Musik spielt, an jeder Ecke! Musik umgibt einen dort überall. In der Innenstadt gibt es hunderte Bars und in jeder davon spielt eine Live-Band eine andere Stilrichtung. Das ist magisch und macht einfach Spaß.

Würdest du sagen, dass ihr für euch eine neue kreative Produktivität entdeckt habt?
Wir haben gelernt, dass wir uns von jeglicher Regel, die wir uns auferlegt hatten, befreien mussten. Es gibt kein „das geht doch nicht“. Diese neue Er­­kenntnis hat häufig ihren Weg auf INFINITE gefunden: Man kann doch ein Lied nicht mit einem Gedicht beenden. Klar können wir! Ihr könnt doch einen brutalen Rocksong nicht mit einem gregorianischen Choral er­­öffnen. Doch, können wir! Für eine junge Band mag so etwas schwieriger sein, für eine Band wie Purple aber ist es einfach. Nur gut muss das Ergebnis sein. Scheiße dürfen wir natürlich nicht raushauen!

Wer hat sich den Titel eures neuen Albums INFINITE ausgedacht?

Das musste für uns ein junger Durchstarter in der Werbebranche übernehmen, weil uns einfach nichts Besseres als der Name des Openers ›Time For Bedlam‹ („Zeit für Aufruhr“, Anm. d. Red. ) einfiel. Zusammen mit der uns vorgeschlagenen optischen Komponente verliebten wir uns alle schlagartig in die Idee, denn es ist simpel und hat Klasse zugleich und lässt auch noch einigen Interpretationsspielraum.