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Start Blog Seite 246

Gitarrenheldinnen: Nancy Wilson

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Traurig, aber wahr: Es gibt nach wie vor nur wenige wirklich bekannte Gitarristinnen. Die Saitenfrau von Heart ist eine dieser wenigen und hat andere inspiriert, um ihr Recht zu kämpfen.

Hätte man der zwölfjährigen Nancy Wilson erzählt, dass eines Tages Signature-E-Gitarren mit ihrem Namen in den Läden stehen würden, hätte sie vielleicht gelacht. Oder vielleicht hätte sie nichts Ungewöhnliches daran gefunden. In dem Alter verfolgte sie schon seit drei Jahren das, was sie als „die Berufung meines Lebens“ bezeichnet. „Ich war besessen“, sagt sie. „Ich lief immer zum örtlichen Musikladen und sah mir die Gitarren an, weil ich selbst noch keine gute hatte. Einer der Gründe, dass ich wirklich stark geworden bin, war, dass meine erste Gitarre unspielbar war. Zu lernen, wie man darauf einen F-Akkord greift, tat ichtig weh. Also schnappte ich mir im Laden eine gute Gitarre, setzte mich hin und spielte ›Anji‹ von Paul Simon. Die Leute blieben mit offener Kinnlade stehen und sagten: ‚Wow, sieh dir an, wie das kleine Mädchen auf dieser großen Gitarre abgeht!’“ Wilson erzählt diese Geschichte mit mehreren herzlichen Lachern. Die jüngere der Wilson-Schwestern zeigt im Gespräch eine charmante Mischung aus selbstironischem Humor und ernsthaftem Musiknerd-Wissen. Der Humor erwies sich als hilfreich über das vergangene Jahr, als die fast 50 Jahre währende Dynamik von Hearts Classic-Rock-Reise unerwartet pausieren musste, ebenso wie der Rest der Welt. Nancy nutzte den Zwangsurlaub, um zwei lange aufgeschobene Projekte zu realisieren: die Epiphone Fanatic Signature-Gitarre, die sie entwickelt hat, und ihr erstes Soloalbum, YOU AND ME, mit Gastauftritten von Sammy Hagar und Duff McKagan, Coverversionen von Bruce Springsteen und Pearl Jam sowie selbstkomponierten Rocknummern und akustischen Juwelen. „Ich weiß nicht, warum ich dafür so lange gebraucht habe. Vielleicht war ich in dem ganzen Heart-Strudel gefangen.“

Als du in den 80ern deinen ersten Entwurf für die Epiphone Fanatic designt hast, was war da deine Vision?
Der Grundgedanke war, eine Les Paul in Juniorgröße zu machen, die für eine Frau leichter handzuhaben war. Keine große, schwere Les Paul. Das sind die klassischen Könige von Gibson. Aber ich wollte etwas Leichteres, mit einem Ausschnitt, der eine weibliche Silhouette wiedergibt. Und mit derselben Rock’n’Roll-Autorität.

Wieso dauerte es so lang, bis sie Realität wurde?
Nachdem ich meinen Entwurf abgeliefert hatte, kam es bei Gibson zu einer großen Umstrukturierung und mein Projekt ging darin verloren. Dann kamen vor ungefähr fünf Jahren ein paar Leute von Epiphone [eine Marke von Gibson] zu einer Heart-Show und sagten: „Wir hörten, dass du mal eine Gitarre entworfen hast. Willst du das wieder aufgreifen?“ Sie hatten immer noch meine Zeichnungen, also bauten sie einen Prototyp und nannten ihn die Nighthawk. Ich fand sie ziemlich perfekt, aber ich wollte sie nur noch ein bisschen hilfreicher machen, mit Verzerrfähigkeit und einem Fünf-Wege-Schalter. Und ich wollte keine Goldbeschläge, sondern Silber. (lacht) Und so entstand dann das, was ich in die Fanatic umbenannte. Heart arbeiteten damals an dem Album FANATIC. Ich fand, das war ein viel rockigerer Name, „Nighthawk“ klang irgendwie zu banal. Für eine neue Gitarre klingt sie eigentlich mehr wie eine klassische Gitarre. Sie hat diese kräftige Dreckigkeit, die man will.

Wir stellen eine Liste von einflussreichen Gitarrist*innen zusammen. Wer wäre für dich die oder der unterbewertetste Gitarrenheld*in?
Paul McCartney, denn er spielt unglaublich gut Lead und akustisch. Möglicherweise ist er sogar der insgesamt unterschätzteste Gitarrist. Die Leute achten da nicht so darauf, weil sie sich auf sein Songwriting und seinen Gesang konzentrieren. Aber hör dir nur sein letztes Album an. Wie er sich da selbst auf der Akustischen begleitet, sein Lead-Spiel… Es ist umwerfend!

Paul hat als Leadgitarrist ein so unverwechselbares Vibrato, dass man ihn schon ab der ersten Note erkennt.
Ist das nicht verrückt? Es gibt einige Spieler, die man sofort erkennt – David Gilmour, Stephen Stills, Neil Young –, und Paul McCartney ist einer von ihnen.

Du bist auch Fan von Joni Mitchell. Kannst du etwas über ihr Spiel erzählen?
Ihr ganzer Ansatz an die Tunings und ihre Positionen innerhalb dieser Tunings sind eigentlich gar kein Gitarrenspiel mehr, sondern mehr wie ein Orchester. Das ist wie eine ganze Sprache, die sonst niemand spricht. (lacht) Ihr Spiel klingt, als würde sie Landschaften malen. Die Tunings, ebenso wie ihre Texte und Melodien, sind so großflächig. Wie wenn man aus der Vogelperspektive auf Menschen schaut.

Als Heart in den 70ern ihren Durchbruch hatten, wie hast du da die Wahrnehmung von dir als Gitarrenheldin erlebt?
Ich fühlte mich wie etwas Besonderes, und als hätte ich etwas erreicht. Und ein bisschen wie eine Angeberin. (lacht) Ich prahlte mit meinen Fähigkeiten, die niemand von mir erwartete. Denn ich hatte sehr hart dafür gearbeitet, spielen zu lernen, seit ich neun war und die Beatles im Fernsehen gesehen hatte. Ich habe oft in meinem Leben gehört: „Ziemlich gut für ein Mädchen“. Aber das war mir egal. Ich war einfach so stolz und hatte diesbezüglich auch ein ziemliches Ego. Das half mir, besser zu werden, später dann auch, in die Band zu kommen
und die ganze selbstdarstellerische Show abzuziehen, die mir so gefällt. (lacht)

Wie hat die Live-Pause 2020 den Klang deines ersten Soloalbums beeinflusst?
Es war fast, als hätte mir jemand als Hausaufgabe aufgezwungen, zu mir selbst vor Heart zurückzukehren. Ich stieg mit 21 bei Heart ein, und es war in den Jahrzehnten seither so ein Wirbelwind: Tournee, Album, Tournee, Album … So verdiente man seine Brötchen, und es war ein wirklich großartiger Job. Das Reisen ist schwer, aber die zwei Stunden auf der Bühne sind die ganze Erschöpfung wert, um dahin zu kommen. Ich wurde immer wieder mal gefragt: „Wann machst du ein Soloalbum?“ Ich veröffentlichte einen Live-Mitschnitt, LIVE AT MCCABE’S GUITAR SHOP. Das war eher ein nachträglicher Einfall. Ich hatte aber auch viele Scores für diverse Filme gemacht, und viel davon war auch, als würde man ein akustisches Solo-Instrumentalwerk herausbringen. Und dann hatte ich endlich dieses Jahr, und ich war gerade nach Nordkalifornien gezogen, wo ich zum ersten Mal überhaupt meinen eigenen Raum zum Musikmachen habe. Das gab mir die Chance, zu sagen: „Warum stelle ich nicht meine
tollen Verstärker und meine tollen Gitarren in die- sen Raum, wo ich alles aufgebaut lassen und so viel Lärm machen kann, wie ich will?“ (lacht)

Du hast dich wieder mit Sue Ennis zusammengetan, mit der du schon früher gearbeitet hast.
Es war schon immer eine großartige Erfahrung, mit ihr Musik zu schreiben, und ebenso mit meiner Schwester Ann. Für das Titelstück, ›You And Me‹, hatten wir zum Beispiel beide einen anderen Song an unsere Mütter geschrieben, die nicht mehr unter uns sind. Meiner hieß ›You And Me And Gravity‹, ihrer hieß ›Follow Me‹. Sue hatte diese wirklich coole Musik, also sagte ich, warum machen wir nicht einen Hybriden aus unser beider Texten? Wir strickten sie dann zusammen und nannten es ›You And Me‹. Das lief per SMS und Telefonaten, wir schickten einander Texte und Ausschnitte. Für das gesamte Album war nie jemand gleichzeitig im selben Raum. Aber die Typen, die darauf gespielt haben, waren alle mit mir und Heart auf Tour, also wissen wir alle, wie die jeweils anderen spielen.

Du hast vier Coverversionen aufgenommen, darunter Songs von Bruce Springsteen und Pearl Jam. Was bewegt dich dazu, ein bestimmtes Stück covern zu wollen?
Ich hatte Springsteen am Broadway gesehen, und diese Songs, reduziert auf Gitarre und Stimme, waren so kraftvoll. An dem Abend schwor ich gewissermaßen, dass ich einen dieser Songs singen würde. Und ich dachte, nachdem ›The Rising‹ über 9/11 geschrieben worden war und wir uns in einer Art neuen 9/11-Situation befanden, wo die Seelen so vieler Menschen von uns gingen, dass es relevant wäre. Ich liebe das Ergebnis. Der Standpunkt einer Frau verlieh dem Song einen mütterlichen Aspekt, den ich gar nicht erwartet hatte.

›4 Edward‹ ist ein wunderschönes Instrumental, das du Edward Van Halen gewidmet hast.
Wir tourten in den 80ern mit ihnen und Eddie sagte mir eines Abends nach einer Show, dass er nicht eine einzige akustische Gitarre besaß. Also nahm ich mir meine Lieblings-Ovation, kam damit in sein Hotelzimmer und drückte sie ihm in die Hand. Im Morgengrauen am nächsten Tag – er war eindeutig die ganze Nacht wachgeblieben (lacht) – rief er mich auf meinem Zimmer an und sagte: „Hey, ich habe etwas für dich auf der Gitarre geschrieben, die du mir gegeben hast. Hör’s dir mal an!“ Er saß wahrscheinlich im Schneidersitz auf seinem Bett mit dem Hörer neben sich, und ich lag einfach nur da und hörte zu. Es war ein wirklich wunderschönes Akustikstück. Ich wünschte so sehr, dass ich es wieder hören könnte. Vielleicht existiert irgendwo eine Aufnahme davon. Ich dachte mir dann, ich sollte ihm auf diesem Album meinerseits ein akustisches Instrumental widmen. Es war ein so trauriger Tag für den Rock’n’Roll, als der Einstein der Gitarristen verschwinden musste. Eddie spielte immer mit solcher Freude. Er hatte dieses Drei-Meilen-Lächeln.

Dee Snider: Das blonde Metal-Sprachrohr

Auf der einen Seite der Leitung ist es kalt und regnerisch um 23 Uhr, während einen von der anderen Seite aus ein braungebrannter Dee Snider aus seinem Domizil in Belize anstrahlt. Seine einstündige Verspätung rührt daher, dass er noch sieben Autos anmelden musste und nicht alle Papiere dabei hatte. Trotz kleiner Bissspuren auf der Nase, die vermutlich vom Kampf mit einem Piranha zeugen, besteht Grund zur Freude im Hause Snider, hat die Pandemie beim vielbeschäftigten Sänger doch die Genese einer neuen Platte angestoßen. Zusammen mit seinem Produzenten Jamey Jasta, Sänger von Hatebreed, trällerte Dee ein weiteres, modern klingendes Metal-Album ein. LEAVE A SCAR ist ein wütendes Statement und soll als Sprachrohr für all jene fungieren, die ihre Stimme selbst nicht ganz so laut erheben können …

Eigentlich hattest du dir überlegt, deine Metal-Karriere an den Nagel zu hängen …
Ja, 2019 hatte ich meinem Management, meiner Familie und meinen Freunden erzählt, dass es das war. Ich wollte es nicht an die große Glocke hängen, das passiert viel zu oft. Rush haben das am besten gemacht, einfach nach der Tour gesagt: „Das war’s“. Dann kam 2020 um die Ecke und ich hatte das Gefühl, etwas zu sagen zu haben. Also rief ich Jamey und meine Band an und es stellte sich heraus: Es hatte mir eh niemand geglaubt, dass ich aufhören würde! (lacht)

Also können wir uns bei Corona bedanken?
Auf jeden Fall. Ich habe seit WIDOWMAKER in den 90ern keine Texte mehr selbst geschrieben. Wenn ich also nicht unbedingt etwas sagen hätte wollen – über Covid, die verrückte Lage der Weltpolitik –, wäre das nicht passiert. Jamey schreibt grandiose Texte, versteh mich nicht falsch. Und es regt mich auch auf, wenn die Leute Dinge sagen wie: „Wie kannst du die Worte von jemand anderem singen?“ Passt mal auf, Sinatra hat ›My Way‹ auch nicht selbst geschrieben, aber er hat den Text gefühlt. Ich singe gern die Lyrics anderer, aber auf LEAVE A SCAR wollte ich selbst Hand anlegen. Während der Aufnahmen war ich dann im passenden Dee-Snider-Modus. Total wütend und mit ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn. Mein Leben ist fast schon magisch, aber es ist meine Aufgabe, für diejenigen zu sprechen, die es selbst nicht können, denen niemand zuhört. Die Pandemie hat Narben hinterlassen.

Sind Narben Stigmata oder Erinnerungen?
Für mich sind es Erinnerungen, wie ich im Song ›Stand‹ ja singe. „Don’t leave a mark, leave a scar“. Markierungen kann man entfernen, Narben nicht. Als Kind habe ich meinen Namen mal in einen Baum geritzt und er ist immer noch da.

Auf der Platte findet sich ein liebliches Duett mit Corpsegrinder von Cannibal Corpse …
Ich wollte das unbedingt machen! (lacht) Ich bin ein echter Fan von Heavy Metal in all seinen Formen. Ich f inde diese Aufsplitterung der Metal-Community bescheuert, man muss nicht alles mögen, aber man sollte sich gegenseitig unterstützen. Wir sind doch eine schräge Familie. Aber ich mag diesen Sound ehrlich und ich bin gesegnet mit Kindern, die Metalheads sind und mir Neues zeigen. George war hin und weg von der Idee, auf einer Dee-Snider-Platte mitzuwirken, und ich fand es toll, die Metal-Generationen miteinander zu verbinden. Viele meiner gleichaltrigen Kollegen respektieren jüngere Musiker nicht, sie denken, ihre eigene Art und Weise sei die einzig richtige. Was für ein Bullshit! Ohne diese jüngeren Musiker hätte ich meinen neuen Platz in der Musikwelt gar nicht gefunden. Jamey half mir dabei.

Was ist das Beste daran, Dee Snider zu sein?
Ich lebe am Strand, ich fahre tolle Autos, habe eine großartige Frau, die nach 45 Jahren Ehe immer noch heiß ist wie eh und je – sie führt jede „Rockstar-Ehefrauen-Liste“ an! Ich habe keine Geldsorgen, ich bin mental und körperlich fit und habe noch einige Hirnzellen, die ich nutzen kann

Robert Plant: Seine acht Lieblingssongs

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Jüngst war Robert Plant zu Gast beim BBC-Format „Desert Island Disc“. Dort verriet der ehemalige Sänger von Led Zeppelin die Lieder, die er auf eine verlassene Insel mitnehmen würde.

Robert Plants Traum-Playlist:

Eddie Cochrane – ›Pink Peg Slacks‹
Mario Lanza – ›Serenade‹
Howlin’ Wolf – ›I Ain’t Superstitious‹
Baba Brooks – ›Teenage Ska‹
Crosby, Stills, Nash & Young – ›Ohio‹
Mohammed Rafi – ›Mein Hardam Raha Gardishon‹
Ali Farka Touré with Ry Cooder – ›Diaraby‹
Robert Plant and Alison Krauss – ›Your Long Journey‹

Was machen eigentlich Poison?

poisonVor 32 Jahren erschien das Debüt LOOK WHAT THE CAT DRAGGED IN von Poison. Wie kaum eine andere Band prägten sie den Begriff des Posers, auf und abseits der Bühne. Die von vielen Fans erwarteten Aktivitäten zum Jubiläum des Megasellers blieben aus, aktuell jedoch tourt die Gruppe in Originalbesetzung.

Poison werden 1983 in Harrisburg gegründet. Anfangs noch unter dem Namen Paris und mit Matt Smith an der Gitarre. Mit dem Umzug ein Jahr später nach L.A. und dem neuen Gitarristen C.C. Deville – auch Slash hatte vorgespielt – nehmen Bobby Dall, Rikki Rokkett und Bret Michaels ihren ersten Longplayer auf. Dank MTV, dem aufkommenden Glam- und Hair-Metal und einer Tour mit Ratt schafft es das Album auf Platz 3 der Billboard Charts und verkauft sich drei Millionen mal.

1988 dann OPEN UP AND SAY… AH! mit der Megaballade ›Every Rose Has Its Thorn‹. Auch FLESH & BLOOD im Anschluss hat mit ›Unskinny Bop‹ und ›Something To Believe In‹ große Kommerzkracher am Start. In den 90ern scheinen Substanzen und Ruhm Dall und Deville zu Kopf zu steigen, denn es kommt zu Handgreiflichkeiten innerhalb der Band. Legendär die Schlägerei hinter der Bühne zwischen C.C. Deville und Bret Michaels bei den 1991er MTV Awards sowie die Auseinandersetzung des Sängers mit Bobby Dall 2006 bei einem Konzert.

In den 90ern läuft die Band ohne Deville, mit Gitarristen wie Richie Kotzen und Blues Saraceno ihrem früheren Ruhm hinterher. Erst im neuen Millennium erscheinen wieder Studioscheiben wie CRACK A SMILE… AND MORE und HOLLYWEIRD. Während der ehemalige Gitarrist in seiner Abwesenheit mit Samantha 7 nur mäßigen Erfolg hat, startet Bret Michaels solo als Sänger, Schauspieler und Geschäftsmann durch. Michaels hat nicht nur TV-Shows wie „Rock Of Love“ auf der Habenseite, er verkauft heute auch Inneneinrichtungs- und Lifestyle-Produkte. Rikki Rokkett ist unternehmerisch mit Schlagzeug-Sonderanfertigungen und Merchandise unter dem Namen Fallen Angel Customs aktiv. Auch gesundheitlich sind die beiden häufiger in den Schlagzeilen – Michaels mit seinem Kampf gegen Diabetes und Rokkett mit einer kürzlich überstandenen Krebserkrankung. Deville hielt sich über die letzten Jahre durch Fernsehrollen im Gespräch, während Dall nur wenig in der Öffentlichkeit gesichtet wurde.

Seit der großen 2012er US-Tour in Originalbesetzung zusammen mit Def ­Leppard und einzelnen Auftritten auf Groß- und Privatveranstaltungen gibt es Poison-Songs vorrangig bei den Konzerten von Bret Michaels – oder bei einer der raren Shows der Special Guests mit Ricki Rockett und Mitgliedern seiner Forma­tion Devil City Angels.

2018 war eine Konzertreihe in Nordamerika zusammen mit Cheap Trick geplant. Die Tour lief unter dem Titel „Nothin‘ But A Good Time“. Poison waren in Originalbesetzung am Werk. Im Sommer dieses Jahren gehen sie zusammen mit Mötley Crüe, Def Leppard und Joan Jett auf große Stadion-Tour durch die Staaten. Ob die Band später auch nach Europa kommen wird, steht noch in den Sternen.

Die skurrilsten Cover der Rock-Welt: Poison – HOLLYWEIRD

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hÑssliches cover

Poison sind seit jeher ein giftiger Stachel in der so dünnen Haut des guten Geschmacks. Schon zu Anfangszeiten schossen sie den bunten Vogel ab. So bei ihrem Debütalbum LOOK WHAT THE CAT DRAGGED IN, auf dessen Cover die vier mit allen bunten Farben angeben, die ihre Schminkkästchen so hergegeben haben. Mit dieser Kriegsbemalung scheinen sie ihren bandinternen Poison-Duck-Face-Wettbewerb 1986 auszufechten. Eine solche längst verjährte Sünde ist allerdings aus zwei Gründen zu verzeihen: Erstens ist dieses „Kunstwerk“ als Zeitdokument einer fehlgeleiteten Popkultur von historischer Bedeutung, zweitens ist es doch irgendwie cool.

Was war aber 2002 los? Gut, zur Jahrtausendwende ging es der L.A. Rockszene wirklich nicht gut, aber ein solches Armutszeugnis muss sogar bei einem Glam Rock verachtenden Seattle Head aufrichtiges Mitleid erweckt haben. Auf den ersten Blick funktioniert das Cover von HOLLYWEIRD ja noch: „Geil, die is‘ ja nackt!“ Doch dann folgen ein zweiter, dritter und endgültig verstörender vierter Blick auf diese Szene, die so sehr aus dem Leben gegriffen ist. Das Tattoo, das die Rückansicht der Dame schmücken soll, ist keine Glanztat eines Tätowierers. Noch viel weniger aber die eines besonders guten Grafikers. Diesem ist es auch zu verdanken, dass die Ritze der vier Meter großen Bikerin von einem kurzerhand eingefügten, neongrünen Totenkopf verdeckt wird – schließlich möchte man ja geschmackvoll bleiben. Da man von den Glamern schon lange fragwürdige Kopfbedeckungen gewohnt ist, soll erst gar nicht auf den Schlapp-Lack-Stetson eingegangen werden. Nun aber zur Band. Poison zeigen sich – warum auch immer – von ihrer schönsten Werbetafel-Seite. Immerhin schließt sich an dieser Stelle der Kreis zu Poisons erstem Artwork: Bret Michaels‘ Lippen sind voller denn je – voll von Botox.

MC5: Wayne Kramer kündigt neues Album an

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Unter dem Banner „We are all MC5“ soll am 1. Oktober ein neues Album erscheinen. Maßgeblich wird Wayne Kramer an der Entstehung von HEAVY LIFTING beteiligt sein, produziert wird die Platte von Alice-Cooper-Liebling Bob Ezrin.

HEAVY LIFTING wird somit das erste MC5-Album nach über 50 Jahren Studiopause sein. Der letzte Release war HIGH TIME von 1971. Mitwirken werden Sänger Brad Brooks, Tom Morello, Don Was, Kesha, Jil Sobule, Tim McIlrath von Rage Against the Machine, Alejandro Escovedo und MC5-Schlagzeuger Dennis Thompson.

Wayne Kramer dazu wörtlich: „Gerade haben wir gerade so vier katastrophale Jahre überlebt, eine gescheiterte Präsidentschaft und eine schreckliche Pandemie. Brad und ich haben mit Songwriting begonnen, um gegen die omnipräsente Grausamkeit anzukämpfen. Irgendwann war alles so polarisiert und deprimierend, dass die Inklusion anderer Songwriter wie eine kleine Hoffnungsspritze wirkte.“

The Rolling Stones: Deutschlandkonzerte angekündigt

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Auf Social Media sorgen die Rolling Stones seit einigen Tagen für Aufsehen. Erst teilte die Band einen kleinen Clip, in dem die Rolling-Stones-Zunge auf mehrere Orte auf der europäischen Landkarte niederprasselten, dann kündigte die Band ihr 60-jähriges Jubiläum mit einem coolen Teaservideo an.

Jetzt ist die Geheimnistuerei endlich einer echten Ankündigung gewichen: Die Stones gehen auf „Sixty“-Europatour und werden dabei auch in Deutschland Halt machen. Ab 16.03. um 12 Uhr gibt es Tickets im Presale zu kaufen.

The Rolling Stones live:

05.06. München, Olympiastadion

27.07. Veltins-Arena, Gelsenkirchen

Band Of Horses: Songs aus dem Scherbenhaufen

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Berühmt wurden Band Of Horses einst, weil sie es wie kaum sonst jemand verstanden, die Sorgen der Millennials in wunderbar rauen Indierock-Hymnen greifbar zu machen. 15 Jahre später sieht sich das in South Carolina beheimatete Quintett mit ganz anderen Herausforderungen konfrontiert. Auf THINGS ARE GREAT, dem ironisch betitelten sechsten Album seiner Band, kehrt Mastermind Ben Bridwell den Scherbenhaufen seines eigenen Lebens zusammen.

Der Band-Of-Horses-Frontmann sieht ganz schön zerzaust aus, als wir ihn zum mittäglichen Videochat treffen. Freimütig gibt er zu, erst seit zehn Minuten auf den Beinen zu sein, und geduscht ist er auch noch nicht. Die Erklärung dafür lässt allerdings nicht lange auf sich warten. „Ich bin diese Woche geschieden worden“, sagt er entschuldigend. Das Scheitern seiner 2009 geschlossenen Ehe, aus der vier Töchter hervorgegangen sind, bleibt für den Rest des Gesprächs ein wiederkehrendes Thema, nicht zuletzt, weil viele Songs der neuen Platte um
Beziehungen kreisen, ohne dass es Bridwell darum ging, schmutzige Wäsche zu waschen. Vielmehr nutzt er die neuen Lieder, um seinen Blick als unermüdlicher Beobachter zu schärfen. „Ich wollte vermeiden, allzu viele Metaphern zu verwenden, die meine Schilderung vernebeln, und ich hoffe, das hat funktioniert. Es war gar nicht so leicht, all das offen auszusprechen, aber es war mir wichtig, nicht nur meine Sicht der Dinge zu erzählen, sondern meine, ihre und die Wahrheit. Ich wollte fair bleiben.“ Klingt ganz schön erwachsen, allerdings hat das die Trennung für ihn nicht leichter gemacht.

„Nicht zuletzt wegen meiner vier Kinder war das Ganze unglaublich schmerzhaft“, sagt er zerknirscht. „Selbst abgehärtet durch 43 Jahre Lebenserfahrung bin ich zart wie Pudding. Ich würde sogar sagen, ich bin heute mitfühlender denn je und näher am Wasser gebaut.“ Die Ehe mit seiner Frau ist nicht die einzige gescheiterte Beziehung, mit der sich Bridwell auf THINGS ARE GREAT auseinandersetzt. Auch das Verhältnis zu seinen langjährigen Mitstreitern Tyler Ramsey und Bill Reynolds, das schon bei der Arbeit am letzten Album WHY ARE YOU OK zu bröckeln begonnen hatte, war nicht mehr zu kitten. Inzwischen sorgen zwei neue Leute für frischen Wind. „Neues Blut ist immer gut, und das findet auf dieser Platte seinen Widerhall“, sinniert Bridwell und muss lachen. „Wenn THINGS ARE GREAT gut läuft, haben wir alles richtig gemacht, wenn nicht, dann muss ich mit den neuen Jungs wohl mal ein Wörtchen reden!“ Allen persönlichen Turbulenzen zum Trotz klingt THINGS ARE GREAT musikalisch wie eine Rückbesinnung auf alte Tugenden, eine Rückkehr zu den unbeschwerten frühen Tagen, als die
Band mit EVERYTHING ALL THE TIME und CEASE TO BEGIN den Grundstein für ihre beeindruckende Erfolgskarriere legte.

Mehr noch: Die neue LP ist so gitarrenlastig und wuchtig, dass man sie musikalisch fast für ein „lost album“ aus den frühen Sub-Pop- Jahren der Band halten könnte. Der Grund dafür ist denkbar einfach. Standen Bridwell in der Vergangenheit Könner wie Glyn Johns, Phil Ek oder Grandaddys Jason Lytle als Produzenten zur Seite, nahm er dieses Mal die Zügel selbst in die Hand. „Ich wollte davon wegkommen, dass mir jemand diktiert, wie die Songs zu sein haben, und das nicht nur klanglich. Ich wollte für diese Platte so schreiben, wie mir der Schnabel gewachsen ist – Scheiß-Schimpfwörter inklusive“, erklärt er triumphierend grinsend. „Ich suchte nach einem Gefühl von Unabhängigkeit!“