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Peace, Love & Harmonies: Soli-Sampler auf Vinyl

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Aufgrund des Krieges, den Russland gegen die Ukraine führt, haben sich zahlreiche Künstler und Künstlerinnen unter dem Banner „Peace, Love & Harmonies“ zusammengetan und Songs für einen Soli-Sampler beigesteuert. Die Einnahmen von CD und Vinyl kommen Geflüchteten aus der Ukraine zugute.

Initiatorin des Projekts ist Marleen Retsina, Frontfrau der Berliner Band Bonsai Kitten. Zusammen mit dem Indie-Label Sunny Bastard Records hat sie die Charity-Compilation auf die Beine gestellt und 40.000 Euro gesammelt, die an die Organisation „Mission Lifeline“ gespendet wurden. Weitere Spenden sollen folgen.

Neben Größen wie Udo Lindenberg, die Toten Hosen, Doro, Wolfgang Niedecken, U.D.O., den Broilers und Beatsteaks sind insgesamt 39 Bands vertreten. Tocotronic, Betontod, Anti-Flag (USA), Seeed, Slime, Kreator, Jesper Binzer (DAD), Amanda Palmer (USA), The Toy Dolls, Anti-Flag, The BossHoss, NOFX (USA), Bülent Ceylan, Stoppok, Meute, Bonsai Kitten, Buster Shuffle (UK), The Sensitives (SE) Shirley Holmes, Wally, Suchtpotenzial, The Busters, Supernova Plasmajets, Hooligans Gegen Satzbau, Eugen Balanskat (Die Skeptiker), 100 Kilo Herz, Hayseed Dixie (USA), Torsun (Egotronic), Psychopunch (SE), The Toten Crackhuren im Kofferraum, Menschabstinenz, Emscherkurve 77 und Abwärts haben alle einen Beitrag zu dieser Herzensangelegenheit geleistet.

Die Doppel-CD erschien bereits im Mai und stieg sogar auf Platz 4 der Charts ein, heute erscheint der Soli-Sampler auf Vinyl und kann u.a. hier bestellt werden.

The Rolling Stones: Live in der Waldbühne, Berlin (03.08.)

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Mit Sidestep und Kick

Keith Richards: so präzise wie seit Ewigkeiten nicht, Ronnie Wood: gewohnt souverän, Mick Jagger: ein Weltwunder. Die Rolling Stones spielen das letzte Konzert ihrer aktuellen Europa-Tour – es darf nicht die letzte sein.

Eigentlich ist es gleich am Anfang klar – als Keith Richards nach vorne kommt, als erster, und sich locker in den Knien wiegt, gefolgt von Mick Jagger, tänzelnd, hüpfend, einmal Sidestep und Kick –, dass das heute ein grandioser Abend wird. Hier in dieser monströs großen aber für Stones-Verhältnisse doch wieder kleinen Amphitheater-Schüssel namens Waldbühne. Nach einer kurzen Würdigung mit Filmaufnahmen des verstorbenen Charlie Watts auf der Bühnen-Leinwand geht es los, mit ›Street Fighting Man‹, soviel war nach den vorangegangen Konzerten der Tour zu erwarten, und doch ist es überwältigend, da unten jetzt die echten Rolling Stones als kleine Männchen rumturnen zu sehen.

Es folgen: Ein kurzer EXILE ON MAIN ST-Block, mit ›Tumbling Dice‹ und ›Rocks Off‹ – und ›Out Of Time‹, ein Song von 1966, der eigentlich erst so richtig bei dieser Tour ins Programm gerutscht und mit allseits in der Luft geschwenkten Armen sowas wie der Gute-Laune-Party-Song des Abends ist: „Baby, baby, baby, you’re out of time…“ Er habe tagsüber Currywurst und Hackepeterbrötchen gegessen, teilt Mick Jagger mit, „und nach fünf Schnäpsen war mein Deutsch perfekt“. Johlen und Applaus.

The Rolling Stones live in Berlin 2022:

Während ›Fool To Cry‹ (genau wie ›All Down The Line‹ zum ersten Mal bei dieser Europa-Tour gespielt) zu Tränen rührt, muss man sich an das neue ›Living In A Ghost Town‹ erst noch so richtig gewöhnen, zumindest geht‘s mir so. Das Publikum aber singt sich die „Woahohos“ im Frage-und-Antwort-Modus noch zu, als der Song schon lange vorbei ist, so lange, bis Keith Richards das Riff von ›Honky Tonk Woman‹ anschlägt – und bei ›You Got The Silver‹ und ›Happy‹ auch gleich noch ans Mikro darf. Jagger macht kurz Pause. Dafür zwingt er seine Stimme in ›Miss You‹ gleich darauf aber in extraterrestrische Höhen. ›Midnight Rambler‹, gefühlt eine Viertelstunde lang, wird erst Stück für Stück in seine Einzelteile zerlegt, um danach umso kraftvoller, schneller, dringlicher zurückzukommen. Und ab da nur noch Gassenhauer: ›Paint It Black‹, ›Start Me Up‹, ›Gimme Shelter‹ (großartig mit Sängerin Sasha Allen), ›Jumpin‘ Jack Flash‹. Mit ›Sympathy For The Devil‹ und ›Satisfaction‹ (samt Wahnsinns-Solo von Keith Richards) geht es zu Ende.

„Was für ein toller Abend“, sagt Jagger wahrheitsgemäß in seinem drolligen, aber doch erstaunlich gut verständlichen Deutsch, „was für eine tolle Nacht, wow!“ Es ist anscheinend wirklich das mittlerweile 118. Konzert der Stones in Deutschland – und heute ist man sich sicher: Es kann, es darf nicht das letzte sein. Richards spielt so gut, so präzise wie seit Ewigkeiten nicht, Ronnie Wood stellt seine gewohnt coole Souveränität zur Schau, und was Jagger mit seinen 79 Jahren macht, ist ein Weltwunder.

So sah es nach dem berüchtigten Konzert der Stones vor 57 Jahren in der Waldbühne aus:

Was machen eigentlich: Little Feat?

Frank Zappa ist schuld! Ob er nun Lowell George von den Mothers Of Invention gefeuert hat oder dieser freiwillig ging, weil Zappa seinen Song ›Willin’‹ ablehnte, ist nicht ganz klar. Tut aber nichts zur Sache, denn
der „Rausschmiss“ ist die Geburt von Little Feat. Jedenfalls gründet Sänger und Gitarrist George zusammen mit den ebenfalls von den Mothers kommenden Roy Estrada und Sänger und Keyboarder Bill Payne 1969 die eklektische und energetische Truppe in Los Angeles. Weder das 1971er-Debüt noch das zwei Jahre später folgende SAILIN’ SHOES bescheren trotz guter Kritiken große Erfolge. 1972 verlässt Basser Estrada die Band und wird durch Kenny Gradney ersetzt. Perkussionist Sam Clayton steigt im gleichen Jahr ein.

Zusammen mit Gründungsmitglied Payne sind sie heute noch dabei. Mitte der 70er-Jahre stellt sich zusehends Erfolg ein und die Alben, die mal bluesiger, mal jazziger und mal mehr countryesque ausfallen, verkaufen sich gut. 1975 erfolgt mit THE LAST RECORD ALBUM endlich der Durchbruch und internationale Tourneen u. a. im Vorprogramm der Rolling Stones werden absolviert. 1978 stößt man mit über einer Million verkaufter Exemplare des Doppel-Livealbums WAITNG FOR COLUMBUS in Platin-Regionen vor. George verlässt gegen Ende des Jahrzehnts die Band und stirbt 1979 an einem Herzanfall. Die Band löst sich auf. Erst 1986 kommt es mit Sänger Payne und dem langjährigen Gitarristen Paul Barrère zu einer Reunion und es geht bald wieder auf Achse. Erfolgreiche Longplayer wie LET IT ROLL und REPRESENTING THE MAMBO folgen. Auf dem eigenen Label Hot Tomato Records wird in den 90ern vorrangig Material aus den Archiven veröffentlicht. 2003 hingegen
erscheint neues auf KICKIN’ IT AT THE BARN. Auf JOIN THE BAND von 2003 gibt es Gastbeiträge von Dave Matthews und Emmylou Harris auf neu aufgenommenen Klassikern wie ›Fat Man‹.

https://youtube.com/watch?v=_vVmW6FrgUo

2013 dann wieder neue Songs auf ROOSTER RAG. Bereits 2010 stirbt jedoch Schlagzeuger Richie Hayward, der für beinahe vier Jahrzehnte am Drumkit saß. Paul Barrère folgt ihm 2019 in den Musiker-Himmel. Für ihn ist bis heute Scott Sharrard aktiv. Nach einer zweijährigen, pandemiebedingten Pause hat man diesen März die Tour zum 45-jährigen Jubiläum des Konzertklassikers WAITING FOR COLUMBUS begonnen. Zwei Shows mit Gaststars wie Rosanne Cash und Tommy Emanuel im Ryman Auditorium in Nashville wurden mitgeschnit-
ten und sollen laut Presseagent Dennis McNally diesen Sommer im öffentlichen US-Fernsehen zu sehen sein. McNally berichtet weiterhin, die Band sei zurzeit im Urlaub, werde aber im Juli wieder auf Tournee gehen. Es stünden bereits Termine bis in den März 2023 fest. Noch eine gute Nachricht von McNally zum Schluss: „Ich
erwarte ein neues Album, aber es ist noch zu früh, um etwas darüber zu sagen.“ Letztes Jahr ist mit ›When All Boats Rise‹ zumindest schon ein neuer Song erschienen.

Brad Paisley: Live in Schwetzingen (31.07.)

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Ein Cowboy in Schwetzingen

Jetzt kommt dieser amerikanische Country-Star zum zweiten Mal nach Deutschland (2019 erstmals in Berlin) und nur zu einem einzigen Konzert und dann ausgerechnet in diese 20.000 Seelengemeinde in der Provinz. Die meisten Fans mussten sich zuerst auf der Landkarte orientieren, wo der zugegebenermaßen hübsche Ort Schwetzingen liegt. Inmitten der sehr atmosphärischen Schlossanlage wurde eine Open-Air Stage aufgebaut und somit war die Bühne für Brad Paisley bereit.

Es war ein mitreissendes Konzert, was auch dem Umstand geschuldet war, dass Paisley verschiedene Musikstile bei seinem Gig vereint. Brad Paisley ist ein Star der modernen Country Musik. Er spielt kraftvoll und rockorientiert und er ist ein klasse Gitarrist. Seine Gitarrensoli sind ein Genuss und es macht richtig Spaß ihm zuzuhören. Besonders eindrucksvoll hat er es bei „Hot For Teacher“, im Original von Van Halen, und seinem selbst komponierten Instrumental „The Nervous Breakdown“ unter Beweis gestellt.

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Auf einer großen Leinwand werden zu den jeweiligen Songs passende Videos eingespielt. Brad Paisley versteht es sein Publikum originell und witzig zu unterhalten, er ist ein hervorragender Entertainer. Begleitet wurde er von einer sechsköpfigen Band (Rhythmusgitarre, Bass, Schlagzeug, Keyboards, Lap Steel sowie gelegentlich auch Geige) welche kompetent im Hintergrund für kraftvolle Unterstützung sorgte. Mit „Mud On The Tires“, „The Mona Lisa“ und „Alcohol“ endete das aus insgesamt 27 Titeln bestehende Konzert. Die 90 minütige Darbietung war viel zu schnell vorbei. Wir hätten ihm gerne noch länger zugehört. Es bleibt nur zu hoffen, dass er bald wieder für mehr Auftritte nach Deutschland zurückkehrt.

Text und Fotos: Frank Witzelmaier

Setlist:

American Saturday Night / Beat This Summer / Online / Perfect Storm / The Love Boat / Water / Waitin‘ On A Woman/ Then / Celebrity / I’m Still A Guy / This Is Country Music / The Nervous Breakdown / Last Time For Everything / Purple Rain (Prince) / Hot For Teacher (Van Halen)/ Mountain Music (Alabama) / Old Alabama / River Bank / She’s Everything / Take Me Home, Country Roads (John Denver) / Whiskey Lullaby (Jon Randall) / I’m Gonna Miss Her (The Fishin‘ Song) / Ticks / Mud On The Tires / The Mona Lisa / Zugabe: Alcohol

Werkschau: John Fogerty und CCR

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Mit CCR brachte er der Hippie-Generation Roots-Music und Americana nahe. Solo rockte er „all over the world“…

John Fogerty ist eine wahre amerikanische Ikone. Als Anführer von Creedence Clear­water Revival schrieb und sang er in den späten 60ern und frühen 70ern einige der größten Evergreens des Rock’n’Roll: ›Proud Mary‹, ›Bad Moon Rising‹ oder ›Travelin‘ Band‹ sind nur einige von vielen Songs, die beispielsweise Kurt Cobain und Krist Novoselic mit ihrer Creedence-Tribute- Band spielten, bevor sie Nirvana gründeten. Aber wenn es einen Tag in der Geschichte gibt, an dem die ganze Welt die Macht von Fogertys Song­writing zu spüren bekam, dann war es der 13. Juli 1985: Um Punkt 12:02 Uhr eröffneten die mächtigen Status Quo das berühmte Live Aid mit einem Song, den Fogerty zehn Jahre zuvor geschrieben hatte und der wie gemacht schien für dieses weltbekannte Musikevent: ›Rockin‘ All Over The World‹.

Ganz am Anfang gestaltete sich Fogertys Wer­degang jedoch etwas holprig: Mitte der 60er gründete er zusammen mit seinem älteren Bruder Tom eine Band in El Cerrito, Kalifornien, deren Name heute unbegreiflich scheint: The Golliwogs. [angelehnt an den Namen einer Puppe bzw. Zei­chen­trickfigur der Britin Florence Upton. Die Figur hatte dunkle Haut- und Haarfarbe, Anm. d. Redaktion] In einer Zeit, als neue soziale Werte immer wichtiger wurden – darunter vor allem auch die Bürger­rechts­­bewegung – waren die Golliwogs zum Scheitern verurteilt. Das änderte sich jedoch ra­­sant, als die Band 1967 ihren Namen zu Creedence Clearwater Revival änderte.

Mindestens genauso wichtig wie die Namensänderung war auch die Verschiebung der Hierarchie innerhalb der Gruppe zugunsten John Fogertys. Ursprünglich als Sänger der Gruppe gedacht, erzählte Tom im Nachhinein: „Ich konnte singen, aber John hatte einen ganz eigenen Sound.“ Besagter Sound sollte einer der Mächtigsten in der amerikanischen Musikgeschichte werden. Unterstützt durch Tom an der Rhythmusgitarre, Bassist Stu Cook und Drummer Doug Clifford, blühte John Fogerty als Sänger, Gitarrist und Songwriter der besonderen Sorte auf.

Sein Sound war zeitlos, das jüngere Rock-Publikum war ihm zugetan, obwohl er gleichzeitig tief in uralten Americana eintauchte. Seine Musik vermengte Blues, Folk, Soul, Country, Rock’n’Roll und psychedelische Elemente und strahlte eine erdige Provinz-Aura aus, was Musik­kritiker damals zur Bezeichnung „Swamp Rock“ [Sumpf Rock] verleitete. Zwischen 1968 und 1972 veröffentlichten Creedence Clearwater Revival sieben Alben und erzielten zwölf Top-Ten-Plat­zierungen in den Staaten und dem Vereinigten Königreich. Trotzdem lösten sie sich ’72 auf und nach Tom Fogertys Tod im Jahr 1990 standen die Chancen auf eine Reunion gleich Null. Im Gegensatz zum über-produktiven Output von CCR, hat John Fogerty in den letzten fast 40 Jahren nur neun Soloalben herausgebracht. Als er nach REVIVAL von 2007 jedoch nur zwei Jahre später THE BLUE RIDGE RANGERS RIDES ankündigte, schien es, als ob der damals 65-Jährige ein bisschen von der verlorenen Zeit wieder gutmachen wollte.

Unverzichtbar

COSMO’S FACTORY
CCR
Fantasy, 1970


Das Jahr 1970 gebar CCRs größten Verkaufsschlager: COSMO’S FACTORY schoss in den UK und den Staaten an die Spitze der Charts und bleibt John Fogertys Meisterwerk. Zu­­erst enthält das Album schon einmal zwei glühende Songs, die heute als unsterbliche Stan­dards des Rock’n’Roll gelten: Die wilde Straßenhymne ›Travelin‘ Band‹ und ›Up Around The Bend‹, eine weitere fröhliche Rocknummer, die später von Hanoi Rocks gecovert wurde. Vor allem aber die düsteren Mo­­mente verleihen der Platte ihr eigentliches Gewicht: das schaurige ›Run Through The Jungle‹, das melancholische ›Who’ll Stop The Rain‹ und eine elfminütige Stoner-Jam-Version des feinen Motown-Klassikers ›I Heard It Through The Grapevine‹.

GREEN RIVER
CCR
Fantasy, 1969

CCR Green River
Auf GREEN RIVER, dem ersten CCR-Album, das die Spitze der US-Charts erklomm, wurde John Fogerty wirklich erwachsen. Die Platte war tighter und ausdrucksstärker als die ersten beiden LPs und ließ Fogertys unheimliche Seite auf dem größten darauf befindlichen Hit in den Vorder­grund treten: ›Bad Moon Rising‹ mag eine muntere Rock’n’Roll-Melodie besitzen, aber mit seinen beängstigenden Visionen einer bevorstehenden Apoka­lypse ist es doch recht gruselig für einen Nummer-1-Hit. Auf ›Green River‹ wurde Fogerty richtig heavy und hangelte sich dann von der urbanen Paranoia in ›Commotion‹ zum teuflischen Blues von ›Tombstone Shadow‹. In ›Wrote A Song For Everyone‹ tritt er als mächtiger Beobachter des sozialen Geschehens auf.

Wunderbar

BAYOU COUNTRY
CCR
Fantasy, 1969

CCR Bayou Country
Das dritte Album von CCR war ihr Durchbruch und erreichte Platz 7 in den US-Charts. Auf BAYOU COUNTRY nahm der CCR-Sound Form an. Zwar war Fogerty in Kalifornien geboren, trotzdem legte der Titel nahe, dass sein Sound und seine Sym­bolik Richtung Süden tendierten: ›Proud Mary‹, ein transatlantischer Top-Ten-Hit, ist eine Elegie auf „Old South“ und seine mächtigen Flussboote, während die Swamp-Rock-Nummer ›Born On The Bayou‹ die altertümliche Mystik des Südens heraufbeschwört. Wie Nathan Follo­will [Kings Of Leon] erklärt: „CCR machten den Süden cool.“

WILLY AND THE POOR BOYS
CCR
Fantasy, 1969

CCR Willy And The Poor Boys
Das letzte ihrer drei großen Al­­ben von 1969 kam nur drei Mo­­nate nach GREEN RIVER und präsentierte sich in einer lockereren, fröhlicheren Stimmung. Fogerty hatte immer noch einige Hühnchen zu rupfen, warnte auf ›Effigy‹ vor sozialen Unruhen und lieferte einen der größten Protestsongs mit dem flammenden ›Fortunate Son‹. Aber abgesehen davon verlieh er WILLY AND THE POOR BOYS einen sanfteren Anstrich, was Songs wie ›Down On The Corner‹ und die traditionelle Knastbruder-Ballade ›The Midnight Special‹ im Gospel-Stil beweisen.

PENDULUM
CCR
Fantasy, 1970

CCR Pendulum
Das sechste CCR-Album war gleichzeitig das letzte mit Tom Fogerty. PENDULUM enthält zwei von John Fogertys Favori­ten, das knisternde ›Hey To­­night‹ und das wunderschöne ›Have You Ever Seen The Rain?‹. Sie werden begleitet von qualitativ gleichwertigen Nummern: vom wütenden Opener ›Pagan Baby‹ über die Stax-Hommage ›Chameleon‹ bis hin zu Nach­­denklicherem wie ›Sailor’s La­­ment‹ und ›It’s Just A Thought‹. Die Band würde nie wieder so gut werden. Für John Fogerty würden 13 Jahre verstreichen, bevor er eine Platte aufnimmt, die seines Namens würdig ist.

CENTERFIELD
John Fogerty
Warner Bros. 1985

John Fogerty Centerfield
Fogerty landete keinen Hit mit dem berühmtesten Song seiner Solokarriere: Status Quo waren es, die ›Rockin‘ All Over The World‹ in eine Rockhymne verwandelten. Sein größter Solo-Erfolg war ›Centerfield‹: Die Platte führte die US-Charts an und schoss mit den Giftpfeilen ›Mr. Greed‹ und ›Zanz Kant Danz‹ gegen Fogertys Erzfeind, Saul Zaentz von Fantasy Re­­cords. Der Labelboss verklagte Fogerty wegen der Platte und warf ihm vor, sein eigenes CCR-Material plagiiert zu haben, das damals Zaentz gehörte. Der Supreme Court entschied aber zugunsten des Song­writers.

Anhörbar

Creedence Clearwater Revival
CCR
Fantasy 1968

Creedence Clearwater Revival
Auf dem Debüt war Fogerty noch dabei, sein Handwerk zu lernen. Bezeichnenderweise handelt es sich bei den zwei einflussreichsten Songs um Cover-Versionen. Einmal spielt er den Buhmann in Screamin‘ Jay Haw­kins‘ ›I Put A Spell On You‹ und verwandelt das andere Mal ›Su­zie Q‹ – einen Rockabilly-Hit von Dale Hawkins – in einen launischen Acht­minuten-Schlepper. In gekürzter Fassung schaffte es das Stück auf Platz 11 der US-Charts. Im Gegensatz dazu sind seine eigenen Songs, mit Ausnahme des kantigen ›Por­terville‹, ein wenig nüchtern.

THE BLUE RIDGE RANGERS
John Fogerty
Fantasy, 1973

John Fogerty Blue Ridge Rangers
Nach dem Niedergang von CCR zog Fogerty einen Schlussstrich: Bei THE BLUE RIDGE RANGERS handelte es sich um ein Coun­try-Album – ein ziemlich gewagter Schritt, zumal Country als passé galt. Es bestand auch ausschließlich aus „American Stan­dards“. Fogerty, einer der wichtigsten Songwriter seiner Gene­ration, wollte seine Karriere mit einer Platte wiederbeleben, für die er nicht einen einzigen Ton selbst geschrieben hatte. Den­noch schimmerte sein gutes Gespür durch, vor allem bei ›She Thinks I Still Care‹. 26 Jahre später kam THE BLUE RIDGE RANGERS RIDES AGAIN.

REVIVAL
John Fogerty
Fantasy 2007

John Fogerty Revival
Fogertys bestes Album der letzten Jahre stellt einen Rückblick auf seine glorreichen Zeiten dar. REVIVAL war die erste Arbeit seit seiner Rückkehr zu CCRs Label Fantasy und sprüht nicht nur im Titel vor Nostalgie, sondern enthält sogar einen flirrenden Boogie namens ›Creedence Song‹. Fogerty ging auf Nummer sicher, auch wenn einige Über­raschungen geboten waren. ›Longshot‹ rockt wie ein AC/DC-Hit, ›I Can’t Take It No Mo­­re‹ gleicht einer Punk-getränk­ten Schimpftirade und beweist, dass der alte Rocker immer noch Feuer unterm Hintern hat. Eindrucksvoll: ›Gunslinger‹ und ›Broken Down Cowboy‹.

Sonderbar

Mardi Gras
CCR
Fantasy 1972

CCR Mardi Gras
Kritiker Jon Landau, der die personifizierte Zukunft des Rock’n’­Roll namens Bruce Springsteen managen sollte, lag nicht immer richtig: Er veriss Meisterwerke wie Dylans BLOOD ON THE TRACKS oder STICKY FINGERS von den Sto­nes. Aber seine At­­tacke auf das siebte CCR-Album war völlig gerechtfertigt. Deut­lich von Tom Fogertys Ausstieg entkräftet, schlafwandelte die Gruppe als Trio durch MARDI GRAS und wachte erst beim letzten Track auf: ›Sweet Hitch-Hiker‹ zumindest ist ein echter Krawallmacher. Landau be­­zeichnete es als „schlechtestes Album, dass ich je von einem großen Rockact gehört habe“.

Toto: So sah es bei ihrer Show in Hamburg aus

Unser Fotograf Frank C. Dünnhaupt war in Hamburg, um die Show von Toto für euch festzuhalten. Einen Bericht über das Konzert von Toto in Tüßling lest ihr in der kommenden Ausgabe von CLASSIC ROCK, die am 11. August am Kiosk erscheint.

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Def Leppard: Millionenschweres Puzzlespiel – HYSTERIA

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Am 3. August 1987 erschien HYSTERIA, das vierte und mit bis heute über 30 Millionen verkauften Einheiten erfolgreichste Studioalbum der britischen Hardrock-Band Def Leppard. Zum runden Jubiläum legte die Band damals eine remasterte 30th Anniversary Edition in diversen Formaten nach. Wir sprangen zu diesem Anlass mit Gitarrist Phil Collen in die Zeitmaschine, um die Entstehungsgeschichte eines der teuersten und aufwendigsten Alben der Rockgeschichte Revue passieren zu lassen.

Es ist verrückt, surreal, magisch. Die lange Zeit ist so schnell vergangen“, so der redselige Brite zu Beginn des Interviews. „Ich kann mich noch gut an all die Details erinnern. Wie wir zusammen in einem Raum saßen und die Songs schrieben, wie wir in Holland im Wisseloord-Studio waren und an die verschiedenen Versionen der Stücke.“ Dass HYSTERIA zu einem der größten Alben aller Zeiten wurde, war indes kein Produkt des Zufalls, sondern die logische Folge eines dreijährigen Produktionsprozesses, wo nichts dem Zufall überlassen wurde. Nach dem Erfolgsgeheimnis gefragt, ist sich Collen sicher: „Es sind die Songs! Ich habe darüber erst mit Robert DeLeo von den Stone Temple Pilots geredet. Wir kamen überein, dass die Stücke noch heute der Wahnsinn sind. Wir haben damals extrem viel Mühe in die Aufnahmen investiert und unser Produzent Robert John ‚Mutt‘ Lange insistierte immer wieder darauf, dass wir sie noch besser machen. Es war keine Option für uns, gewöhnlich, standardisiert oder normal zu sein. Die Tracks sollten unsterblich werden. Daher haben wir immer noch weiter an den Lyrics, Melodien und Gegenmelodien, Grooves, Drums, Loops und der Performance gefeilt, bis alles stark genug war.“ Geschrieben wurden die Tracks von der Band und ihrem Produzenten Lange in einem Einfamilienhaus am Stadtrand von Dublin, das man als Headquarter mietete, um das vor allem in den USA verdiente Geld nicht an den englischen Fiskus abführen zu müssen.

Hardrock-Version von „Thriller“

Ursprünglich eher von der New Wave Of British Heavy Metal beeinflusst, fanden Def Leppard mit HYSTERIA endgültig ihren eigenen Sound. Von klassischem Heavy Metal war kaum noch etwas übrig, stattdessen klang die Band nach einem Hybrid aus Hardrock und massentauglichem Pop-Rock. Doch kein Wunder, schließlich hatte Produzent Lange den Leitgedanken ausgerufen, eine Hardrock-Version von Michael Jacksons THRILLER zu produzieren. Ein Album also, auf dem ausnahmslos jeder Song ein Hit war. „Auf den ersten drei Platten haben wir noch versucht, unseren eigenen Sound zu finden“, erklärt Phil Collen. „Auf HIGH N‘ DRY waren wir noch stark von AC/DC beeinflusst. PYROMANIA klang dann schon eigenständiger, aber erst HYSTERIA hatte diesen Sound, den man von keiner Band zuvor ge­­hört hatte. Es klang endgültig nach Def Leppard. Natürlich waren wir auch darauf nicht frei von Einflüssen. Ich höre zum Beispiel deutliche Inspirationen von Queen. Aber es klang dennoch einzigartig. Und danach strebt doch eigentlich jeder Künstler. Bei Prince war es PURPLE RAIN, das ihn definiert hat, bei AC/DC BACK IN BLACK und bei uns eben HYSTERIA. Seitdem sind wir die Dinge an­­ders angegangen und haben auf andere Weise Songs geschrieben, da wir nicht mehr versucht haben, andere Bands zu kopieren, sondern unseren eigenen Weg zu gehen.“ Einen riesigen Einfluss hatte dabei laut Collen Produzent Mutt Lange, den er unverblümt als „Genie“ bezeichnet. „Er half uns so sehr. Wir haben extrem viel von ihm gelernt“, lobt er den Wahlbriten, der seinen Durchbruch mit AC/DCs HIGHWAY TO HELL (1979) hatte. „Ich habe jüngst das nächste Tesla-Album pro­­­­duziert und alles, was ich eingebracht habe, habe ich von Mutt gelernt.“

Produktions-Overkill

Die Arbeit mit Mutt Lange indes verlief nicht von Anfang an glatt, da dieser nach der Vorproduktion aus dem Team ausschied, weil er von diversen anderen Aufträgen zu er­­schöpft war. Die Band sucht hernach erfolglos nach anderen Lösungen. „Die Wahrheit ist, dass Mutt noch ein Album mit The Cars fertig stellen musste, da er sich dazu verpflichtet hatte“, erklärt Phil. „Als er keine Zeit mehr hatte, schauten wir uns nach Al­­ternativen um und holten u.a. Jim Steinman dazu und versuchten es mit verschiedenen Engineers. Aber es fühlte sich alles nicht richtig an. Wir hatten die Songs mit Mutt geschrieben und er hatte die ultimative Idee, wie sie klingen sollen. Am Ende kam er zurück und plötzlich loderte die Flamme wieder.“ Meat-Loaf-Songwriter Steinman, so heißt es, habe versucht, der Band einen rauen, erdigen Sound aufzudrücken, was bei Def Leppard auf keine Gegenliebe stieß.

Stattdessen wollte man mit Liebe zum Detail ein perfektes, glatt poliertes Album machen, das auch produktionstechnisch über Jahre hinweg eine Referenz darstellen sollte. So wurden bei den Drums mittels Fairlight-Programming diverse Schichten an Samples hinzugefügt, der Gesang stark technisch bearbeitet und auch an den Reverse-, Delay- und vor allem Hall-Effekten im Mix nicht gespart. „Es gibt eigentlich kein Element, das nicht extrem viel Zeit beansprucht hat“, grinst Collen. „Auch in Songs, die keine Single werden sollten, wie ›Don‘t Shoot Shotgun‹, haben wir viel Mühe investiert. „Es fühlte sich wie ein großes Puzzle an.“ Insbesondere der für den Gesang betriebene Aufwand sucht seinesgleichen. „Es gibt so un­­glaublich viele Backing Vocals in all den Songs“, bestätigt der Gitarrist. „Letztendlich war es einfach wichtig, für jeden Part das richtige Element zu finden. Dieses Puzzlespiel war viel schwieriger als die eigentliche Performance.

Als ›Love Bites‹ auf Nummer 1 schoss, hatten wir den Song noch nie am Stück zusammen gespielt, nur einzelne Teile. Daher haben wir uns extra zwei Tage in Vancouver getroffen, um zu lernen, es live zu spielen. Bei den Aufnahmen hingegen dreht sich alles um Inspiration.“ Sänger Joe Elliot, der durch eine Mumps-Erkrankung seinerseits noch für eine Verzögerung der Aufnahmen sorgte, hat das Album später als „überproduziert“ bezeichnet. Eine Einschätzung, die Collen nicht teilt. „Ich denke, es ist perfekt so, wie es ist und das beste, das wir je gemacht haben“, betont er. „Es sollte ja überproduziert klingen. Das war die Idee dahinter. Wenn man sich einige Queen-Platten oder SGT. PEPPER‘S LONELY HEARTS CLUB BAND von den Beatles an­­hört, klingen sie auch überproduziert. Aber sie sind eben für die Ewigkeit gemacht, nicht für den Moment wie ein Konzert. Daher halte ich es für angebracht, eine Platte so weit wie nötig auszuproduzieren.“

Drumsound mit NASA-Unterstützung

Zu einem dramatischen Zwischenfall kam es am 31. Dezember 1984 in der Frühphase der Albumentstehung, als Schlagzeuger Rick Allen einen Autounfall hatte. Er war aufgrund erhöhter Geschwindigkeit mit seiner Corvette von der Straße abgekommen und verlor den linken Arm. „Es war am Neujahrstag und Steve Clark (Def-Leppard-Gitarrist, der 1991 verstarb – Anm. d. A.) und ich waren in Paris“, erinnert sich Collen. „Wir bekamen einen Anruf unseres Managers Peter Mensch, der uns mitteilte, dass Ricks Arm abgetrennt wurde. Wir hatten zuerst keine Ahnung, was er meinte. Ich konnte es nicht glauben. Es war schwer, damit umzugehen. Als wir Rick im Krankenhaus besuchten, hatte er schon die Entscheidung getroffen, weiter Drums zu spielen. Auch hier hatte Mutt Lange seine Finger im Spiel, denn er war es, der zu Rick sagte, ‚nur weil du den linken Arm verloren hast, bedeutet das nicht, dass du stattdessen nicht den linken Fuß einsetzen kannst. Es gibt spezielle Pedale und du kannst das lernen.‘ Im Krankenhaus war er schon wieder sehr positiv und aufgeregt. Er meinte, er würde auf jeden Fall weiter spielen. Wir fanden das verrückt, aber er hat uns alle überzeugt, dass er es kann.“ Die Hysterie in den Medien, die der Unfall nach sich zog, inspirierte die Band zum Titel HYSTERIA. In der Folge wurde mit Unterstützung des Herstellers Simmons ein spezielles Drumkit gebaut, das es dem Trommler ermöglichte, Becken-Trigger-Sounds mit einem Fußpedal zu spielen. Für dieses halb elektronische, halb organische Drumkit kam sogar Technik der NASA zum Einsatz. Das änderte nicht nur das Spielgefühl der Band, sondern auch deren Sound. „Ja, aber das Großartige war, dass HYSTERIA unseren Sound so oder so verändert hat“, gibt Collen zu bedenken. „Das Album klang anders als alles, was wir zuvor gemacht hatten oder man bis dato im Radio gehört hatte. Als Rick zurück kam und wir wieder zusammen spielten, klang es wirklich cool. Es war ein größerer Sound und wir hatten mehr Kontrolle über alles.“

Gov’t Mule: So sah es bei ihrer Show in Winterbach aus

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Am 23. Juli spielten Gov’t Mule beim Winterbacher Zeltspektakel. Unser Fotograf Frank Witzelmaier war vor Ort und hat die Show für euch festgehalten.

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