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Start Blog Seite 205

King King: So sah es bei ihrer Show in Winterbach aus

Am 23. Juli spielten King King beim Zeltspektakel Winterbach. Unser Fotograf Frank Witzelmaier war vor Ort und hat die Show der Bluesrocker aus Bath festgehalten.

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Neil Young & Promise Of The Real: NOISE & FLOWERS

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Grandios scheppernde Aufnahmen von der letzten Europa-Tour

Wer bei den krachenden Deutschlandkonzerten von Neil Young im Sommer 2019 dabei war, weiß
ungefähr über NOISE & FLOWERS Bescheid. Denn die Liveplatte wurde aus Mitschnitten von der damaligen
Europatour zusammengestellt. Wenn man die jetzt erscheinenden Aufnahmen zum Beispiel mit der München-Show vergleicht, fehlen ein paar Songs, ›Powderfinger‹ oder ›Like A Hurricane‹ etwa, dafür sind ›Everybody Knows This Is Nowhere‹ und ›On The Beach‹ dabei. Nimmt sich nicht viel. Es dominieren – keine Überraschung – die 60er und vor allem die 70er: die Zeit, in der Young die meisten seiner großen Songs geschrieben hat.

Es fängt schon gut an, großartig wird es nach dem ersten Viertel: mit ›Alabama‹, gefolgt von ›Throw Your Hatred Down‹ und ›Rockin’ In The Free World‹. Die beiden letzten sind hier an die zehn Minuten lange, gewaltige Gitarrenexzesse – die freilich dazu verleiten, sie in einer Lautstärke zu hören, dass es nicht mehr gesund sein kann. Begleitet wird Young von den viel jüngeren Promise Of The Real. Anders als mit Crazy Horse hat das immer etwas von einer Schüler-Lehrer-Dynamik, aber das stört zumindest in dem Fall überhaupt nicht. Zu Ende geht’s mit dem scheppernden ›Fuckin’ Up‹. NOISE & FLOWERS erscheint regulär auf Vinyl und CD, aber auch in einer Deluxe-Version mitsamt Konzertfilm. Gewidmet ist das Album Youngs langjährigem Manager Elliot Roberts, der damals kurz vor der Tour gestorben ist.

9 von 10 Punkten

Neil Young & Promise Of The Real
NOISE & FLOWERS
REPRISE/WARNER

The Dead Daisies: Neue Single ›Hypnotize Yourself‹

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Am 30. September veröffentlichen die Dead Daisies ihr neues Studioalbum RADIANCE. Die Platte ist Album Nummer 6 der Formation und das zweite, bei dem der aktuelle Frontmann Glenn Hughes mit von der Partie ist. Drummer Brian Tichy, der Anfang 2022 wieder bei den Daisies einstieg, ist auch zu hören.

Die neue Single ›Hypnotize Yourself‹ ist die dritte Auskopplung von der kommenden Platte. Glenn Hughes über den Song: „Die vier Akkorde, die so charakteristisch für die frühen Jahre der britischen Rockmusik sind, kommen hier in einem meiner Lieblingssongs zusammen. Zurück zu den Wurzeln, ursprünglich, frech, organisch und sehr gefühlvoll.“

Peace, Love & Harmonies: Soli-Sampler auf Vinyl

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Aufgrund des Krieges, den Russland gegen die Ukraine führt, haben sich zahlreiche Künstler und Künstlerinnen unter dem Banner „Peace, Love & Harmonies“ zusammengetan und Songs für einen Soli-Sampler beigesteuert. Die Einnahmen von CD und Vinyl kommen Geflüchteten aus der Ukraine zugute.

Initiatorin des Projekts ist Marleen Retsina, Frontfrau der Berliner Band Bonsai Kitten. Zusammen mit dem Indie-Label Sunny Bastard Records hat sie die Charity-Compilation auf die Beine gestellt und 40.000 Euro gesammelt, die an die Organisation „Mission Lifeline“ gespendet wurden. Weitere Spenden sollen folgen.

Neben Größen wie Udo Lindenberg, die Toten Hosen, Doro, Wolfgang Niedecken, U.D.O., den Broilers und Beatsteaks sind insgesamt 39 Bands vertreten. Tocotronic, Betontod, Anti-Flag (USA), Seeed, Slime, Kreator, Jesper Binzer (DAD), Amanda Palmer (USA), The Toy Dolls, Anti-Flag, The BossHoss, NOFX (USA), Bülent Ceylan, Stoppok, Meute, Bonsai Kitten, Buster Shuffle (UK), The Sensitives (SE) Shirley Holmes, Wally, Suchtpotenzial, The Busters, Supernova Plasmajets, Hooligans Gegen Satzbau, Eugen Balanskat (Die Skeptiker), 100 Kilo Herz, Hayseed Dixie (USA), Torsun (Egotronic), Psychopunch (SE), The Toten Crackhuren im Kofferraum, Menschabstinenz, Emscherkurve 77 und Abwärts haben alle einen Beitrag zu dieser Herzensangelegenheit geleistet.

Die Doppel-CD erschien bereits im Mai und stieg sogar auf Platz 4 der Charts ein, heute erscheint der Soli-Sampler auf Vinyl und kann u.a. hier bestellt werden.

The Rolling Stones: Live in der Waldbühne, Berlin (03.08.)

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Mit Sidestep und Kick

Keith Richards: so präzise wie seit Ewigkeiten nicht, Ronnie Wood: gewohnt souverän, Mick Jagger: ein Weltwunder. Die Rolling Stones spielen das letzte Konzert ihrer aktuellen Europa-Tour – es darf nicht die letzte sein.

Eigentlich ist es gleich am Anfang klar – als Keith Richards nach vorne kommt, als erster, und sich locker in den Knien wiegt, gefolgt von Mick Jagger, tänzelnd, hüpfend, einmal Sidestep und Kick –, dass das heute ein grandioser Abend wird. Hier in dieser monströs großen aber für Stones-Verhältnisse doch wieder kleinen Amphitheater-Schüssel namens Waldbühne. Nach einer kurzen Würdigung mit Filmaufnahmen des verstorbenen Charlie Watts auf der Bühnen-Leinwand geht es los, mit ›Street Fighting Man‹, soviel war nach den vorangegangen Konzerten der Tour zu erwarten, und doch ist es überwältigend, da unten jetzt die echten Rolling Stones als kleine Männchen rumturnen zu sehen.

Es folgen: Ein kurzer EXILE ON MAIN ST-Block, mit ›Tumbling Dice‹ und ›Rocks Off‹ – und ›Out Of Time‹, ein Song von 1966, der eigentlich erst so richtig bei dieser Tour ins Programm gerutscht und mit allseits in der Luft geschwenkten Armen sowas wie der Gute-Laune-Party-Song des Abends ist: „Baby, baby, baby, you’re out of time…“ Er habe tagsüber Currywurst und Hackepeterbrötchen gegessen, teilt Mick Jagger mit, „und nach fünf Schnäpsen war mein Deutsch perfekt“. Johlen und Applaus.

The Rolling Stones live in Berlin 2022:

Während ›Fool To Cry‹ (genau wie ›All Down The Line‹ zum ersten Mal bei dieser Europa-Tour gespielt) zu Tränen rührt, muss man sich an das neue ›Living In A Ghost Town‹ erst noch so richtig gewöhnen, zumindest geht‘s mir so. Das Publikum aber singt sich die „Woahohos“ im Frage-und-Antwort-Modus noch zu, als der Song schon lange vorbei ist, so lange, bis Keith Richards das Riff von ›Honky Tonk Woman‹ anschlägt – und bei ›You Got The Silver‹ und ›Happy‹ auch gleich noch ans Mikro darf. Jagger macht kurz Pause. Dafür zwingt er seine Stimme in ›Miss You‹ gleich darauf aber in extraterrestrische Höhen. ›Midnight Rambler‹, gefühlt eine Viertelstunde lang, wird erst Stück für Stück in seine Einzelteile zerlegt, um danach umso kraftvoller, schneller, dringlicher zurückzukommen. Und ab da nur noch Gassenhauer: ›Paint It Black‹, ›Start Me Up‹, ›Gimme Shelter‹ (großartig mit Sängerin Sasha Allen), ›Jumpin‘ Jack Flash‹. Mit ›Sympathy For The Devil‹ und ›Satisfaction‹ (samt Wahnsinns-Solo von Keith Richards) geht es zu Ende.

„Was für ein toller Abend“, sagt Jagger wahrheitsgemäß in seinem drolligen, aber doch erstaunlich gut verständlichen Deutsch, „was für eine tolle Nacht, wow!“ Es ist anscheinend wirklich das mittlerweile 118. Konzert der Stones in Deutschland – und heute ist man sich sicher: Es kann, es darf nicht das letzte sein. Richards spielt so gut, so präzise wie seit Ewigkeiten nicht, Ronnie Wood stellt seine gewohnt coole Souveränität zur Schau, und was Jagger mit seinen 79 Jahren macht, ist ein Weltwunder.

So sah es nach dem berüchtigten Konzert der Stones vor 57 Jahren in der Waldbühne aus:

Was machen eigentlich: Little Feat?

Frank Zappa ist schuld! Ob er nun Lowell George von den Mothers Of Invention gefeuert hat oder dieser freiwillig ging, weil Zappa seinen Song ›Willin’‹ ablehnte, ist nicht ganz klar. Tut aber nichts zur Sache, denn
der „Rausschmiss“ ist die Geburt von Little Feat. Jedenfalls gründet Sänger und Gitarrist George zusammen mit den ebenfalls von den Mothers kommenden Roy Estrada und Sänger und Keyboarder Bill Payne 1969 die eklektische und energetische Truppe in Los Angeles. Weder das 1971er-Debüt noch das zwei Jahre später folgende SAILIN’ SHOES bescheren trotz guter Kritiken große Erfolge. 1972 verlässt Basser Estrada die Band und wird durch Kenny Gradney ersetzt. Perkussionist Sam Clayton steigt im gleichen Jahr ein.

Zusammen mit Gründungsmitglied Payne sind sie heute noch dabei. Mitte der 70er-Jahre stellt sich zusehends Erfolg ein und die Alben, die mal bluesiger, mal jazziger und mal mehr countryesque ausfallen, verkaufen sich gut. 1975 erfolgt mit THE LAST RECORD ALBUM endlich der Durchbruch und internationale Tourneen u. a. im Vorprogramm der Rolling Stones werden absolviert. 1978 stößt man mit über einer Million verkaufter Exemplare des Doppel-Livealbums WAITNG FOR COLUMBUS in Platin-Regionen vor. George verlässt gegen Ende des Jahrzehnts die Band und stirbt 1979 an einem Herzanfall. Die Band löst sich auf. Erst 1986 kommt es mit Sänger Payne und dem langjährigen Gitarristen Paul Barrère zu einer Reunion und es geht bald wieder auf Achse. Erfolgreiche Longplayer wie LET IT ROLL und REPRESENTING THE MAMBO folgen. Auf dem eigenen Label Hot Tomato Records wird in den 90ern vorrangig Material aus den Archiven veröffentlicht. 2003 hingegen
erscheint neues auf KICKIN’ IT AT THE BARN. Auf JOIN THE BAND von 2003 gibt es Gastbeiträge von Dave Matthews und Emmylou Harris auf neu aufgenommenen Klassikern wie ›Fat Man‹.

https://youtube.com/watch?v=_vVmW6FrgUo

2013 dann wieder neue Songs auf ROOSTER RAG. Bereits 2010 stirbt jedoch Schlagzeuger Richie Hayward, der für beinahe vier Jahrzehnte am Drumkit saß. Paul Barrère folgt ihm 2019 in den Musiker-Himmel. Für ihn ist bis heute Scott Sharrard aktiv. Nach einer zweijährigen, pandemiebedingten Pause hat man diesen März die Tour zum 45-jährigen Jubiläum des Konzertklassikers WAITING FOR COLUMBUS begonnen. Zwei Shows mit Gaststars wie Rosanne Cash und Tommy Emanuel im Ryman Auditorium in Nashville wurden mitgeschnit-
ten und sollen laut Presseagent Dennis McNally diesen Sommer im öffentlichen US-Fernsehen zu sehen sein. McNally berichtet weiterhin, die Band sei zurzeit im Urlaub, werde aber im Juli wieder auf Tournee gehen. Es stünden bereits Termine bis in den März 2023 fest. Noch eine gute Nachricht von McNally zum Schluss: „Ich
erwarte ein neues Album, aber es ist noch zu früh, um etwas darüber zu sagen.“ Letztes Jahr ist mit ›When All Boats Rise‹ zumindest schon ein neuer Song erschienen.

Brad Paisley: Live in Schwetzingen (31.07.)

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Ein Cowboy in Schwetzingen

Jetzt kommt dieser amerikanische Country-Star zum zweiten Mal nach Deutschland (2019 erstmals in Berlin) und nur zu einem einzigen Konzert und dann ausgerechnet in diese 20.000 Seelengemeinde in der Provinz. Die meisten Fans mussten sich zuerst auf der Landkarte orientieren, wo der zugegebenermaßen hübsche Ort Schwetzingen liegt. Inmitten der sehr atmosphärischen Schlossanlage wurde eine Open-Air Stage aufgebaut und somit war die Bühne für Brad Paisley bereit.

Es war ein mitreissendes Konzert, was auch dem Umstand geschuldet war, dass Paisley verschiedene Musikstile bei seinem Gig vereint. Brad Paisley ist ein Star der modernen Country Musik. Er spielt kraftvoll und rockorientiert und er ist ein klasse Gitarrist. Seine Gitarrensoli sind ein Genuss und es macht richtig Spaß ihm zuzuhören. Besonders eindrucksvoll hat er es bei „Hot For Teacher“, im Original von Van Halen, und seinem selbst komponierten Instrumental „The Nervous Breakdown“ unter Beweis gestellt.

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Auf einer großen Leinwand werden zu den jeweiligen Songs passende Videos eingespielt. Brad Paisley versteht es sein Publikum originell und witzig zu unterhalten, er ist ein hervorragender Entertainer. Begleitet wurde er von einer sechsköpfigen Band (Rhythmusgitarre, Bass, Schlagzeug, Keyboards, Lap Steel sowie gelegentlich auch Geige) welche kompetent im Hintergrund für kraftvolle Unterstützung sorgte. Mit „Mud On The Tires“, „The Mona Lisa“ und „Alcohol“ endete das aus insgesamt 27 Titeln bestehende Konzert. Die 90 minütige Darbietung war viel zu schnell vorbei. Wir hätten ihm gerne noch länger zugehört. Es bleibt nur zu hoffen, dass er bald wieder für mehr Auftritte nach Deutschland zurückkehrt.

Text und Fotos: Frank Witzelmaier

Setlist:

American Saturday Night / Beat This Summer / Online / Perfect Storm / The Love Boat / Water / Waitin‘ On A Woman/ Then / Celebrity / I’m Still A Guy / This Is Country Music / The Nervous Breakdown / Last Time For Everything / Purple Rain (Prince) / Hot For Teacher (Van Halen)/ Mountain Music (Alabama) / Old Alabama / River Bank / She’s Everything / Take Me Home, Country Roads (John Denver) / Whiskey Lullaby (Jon Randall) / I’m Gonna Miss Her (The Fishin‘ Song) / Ticks / Mud On The Tires / The Mona Lisa / Zugabe: Alcohol

Werkschau: John Fogerty und CCR

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Mit CCR brachte er der Hippie-Generation Roots-Music und Americana nahe. Solo rockte er „all over the world“…

John Fogerty ist eine wahre amerikanische Ikone. Als Anführer von Creedence Clear­water Revival schrieb und sang er in den späten 60ern und frühen 70ern einige der größten Evergreens des Rock’n’Roll: ›Proud Mary‹, ›Bad Moon Rising‹ oder ›Travelin‘ Band‹ sind nur einige von vielen Songs, die beispielsweise Kurt Cobain und Krist Novoselic mit ihrer Creedence-Tribute- Band spielten, bevor sie Nirvana gründeten. Aber wenn es einen Tag in der Geschichte gibt, an dem die ganze Welt die Macht von Fogertys Song­writing zu spüren bekam, dann war es der 13. Juli 1985: Um Punkt 12:02 Uhr eröffneten die mächtigen Status Quo das berühmte Live Aid mit einem Song, den Fogerty zehn Jahre zuvor geschrieben hatte und der wie gemacht schien für dieses weltbekannte Musikevent: ›Rockin‘ All Over The World‹.

Ganz am Anfang gestaltete sich Fogertys Wer­degang jedoch etwas holprig: Mitte der 60er gründete er zusammen mit seinem älteren Bruder Tom eine Band in El Cerrito, Kalifornien, deren Name heute unbegreiflich scheint: The Golliwogs. [angelehnt an den Namen einer Puppe bzw. Zei­chen­trickfigur der Britin Florence Upton. Die Figur hatte dunkle Haut- und Haarfarbe, Anm. d. Redaktion] In einer Zeit, als neue soziale Werte immer wichtiger wurden – darunter vor allem auch die Bürger­rechts­­bewegung – waren die Golliwogs zum Scheitern verurteilt. Das änderte sich jedoch ra­­sant, als die Band 1967 ihren Namen zu Creedence Clearwater Revival änderte.

Mindestens genauso wichtig wie die Namensänderung war auch die Verschiebung der Hierarchie innerhalb der Gruppe zugunsten John Fogertys. Ursprünglich als Sänger der Gruppe gedacht, erzählte Tom im Nachhinein: „Ich konnte singen, aber John hatte einen ganz eigenen Sound.“ Besagter Sound sollte einer der Mächtigsten in der amerikanischen Musikgeschichte werden. Unterstützt durch Tom an der Rhythmusgitarre, Bassist Stu Cook und Drummer Doug Clifford, blühte John Fogerty als Sänger, Gitarrist und Songwriter der besonderen Sorte auf.

Sein Sound war zeitlos, das jüngere Rock-Publikum war ihm zugetan, obwohl er gleichzeitig tief in uralten Americana eintauchte. Seine Musik vermengte Blues, Folk, Soul, Country, Rock’n’Roll und psychedelische Elemente und strahlte eine erdige Provinz-Aura aus, was Musik­kritiker damals zur Bezeichnung „Swamp Rock“ [Sumpf Rock] verleitete. Zwischen 1968 und 1972 veröffentlichten Creedence Clearwater Revival sieben Alben und erzielten zwölf Top-Ten-Plat­zierungen in den Staaten und dem Vereinigten Königreich. Trotzdem lösten sie sich ’72 auf und nach Tom Fogertys Tod im Jahr 1990 standen die Chancen auf eine Reunion gleich Null. Im Gegensatz zum über-produktiven Output von CCR, hat John Fogerty in den letzten fast 40 Jahren nur neun Soloalben herausgebracht. Als er nach REVIVAL von 2007 jedoch nur zwei Jahre später THE BLUE RIDGE RANGERS RIDES ankündigte, schien es, als ob der damals 65-Jährige ein bisschen von der verlorenen Zeit wieder gutmachen wollte.

Unverzichtbar

COSMO’S FACTORY
CCR
Fantasy, 1970


Das Jahr 1970 gebar CCRs größten Verkaufsschlager: COSMO’S FACTORY schoss in den UK und den Staaten an die Spitze der Charts und bleibt John Fogertys Meisterwerk. Zu­­erst enthält das Album schon einmal zwei glühende Songs, die heute als unsterbliche Stan­dards des Rock’n’Roll gelten: Die wilde Straßenhymne ›Travelin‘ Band‹ und ›Up Around The Bend‹, eine weitere fröhliche Rocknummer, die später von Hanoi Rocks gecovert wurde. Vor allem aber die düsteren Mo­­mente verleihen der Platte ihr eigentliches Gewicht: das schaurige ›Run Through The Jungle‹, das melancholische ›Who’ll Stop The Rain‹ und eine elfminütige Stoner-Jam-Version des feinen Motown-Klassikers ›I Heard It Through The Grapevine‹.

GREEN RIVER
CCR
Fantasy, 1969

CCR Green River
Auf GREEN RIVER, dem ersten CCR-Album, das die Spitze der US-Charts erklomm, wurde John Fogerty wirklich erwachsen. Die Platte war tighter und ausdrucksstärker als die ersten beiden LPs und ließ Fogertys unheimliche Seite auf dem größten darauf befindlichen Hit in den Vorder­grund treten: ›Bad Moon Rising‹ mag eine muntere Rock’n’Roll-Melodie besitzen, aber mit seinen beängstigenden Visionen einer bevorstehenden Apoka­lypse ist es doch recht gruselig für einen Nummer-1-Hit. Auf ›Green River‹ wurde Fogerty richtig heavy und hangelte sich dann von der urbanen Paranoia in ›Commotion‹ zum teuflischen Blues von ›Tombstone Shadow‹. In ›Wrote A Song For Everyone‹ tritt er als mächtiger Beobachter des sozialen Geschehens auf.

Wunderbar

BAYOU COUNTRY
CCR
Fantasy, 1969

CCR Bayou Country
Das dritte Album von CCR war ihr Durchbruch und erreichte Platz 7 in den US-Charts. Auf BAYOU COUNTRY nahm der CCR-Sound Form an. Zwar war Fogerty in Kalifornien geboren, trotzdem legte der Titel nahe, dass sein Sound und seine Sym­bolik Richtung Süden tendierten: ›Proud Mary‹, ein transatlantischer Top-Ten-Hit, ist eine Elegie auf „Old South“ und seine mächtigen Flussboote, während die Swamp-Rock-Nummer ›Born On The Bayou‹ die altertümliche Mystik des Südens heraufbeschwört. Wie Nathan Follo­will [Kings Of Leon] erklärt: „CCR machten den Süden cool.“

WILLY AND THE POOR BOYS
CCR
Fantasy, 1969

CCR Willy And The Poor Boys
Das letzte ihrer drei großen Al­­ben von 1969 kam nur drei Mo­­nate nach GREEN RIVER und präsentierte sich in einer lockereren, fröhlicheren Stimmung. Fogerty hatte immer noch einige Hühnchen zu rupfen, warnte auf ›Effigy‹ vor sozialen Unruhen und lieferte einen der größten Protestsongs mit dem flammenden ›Fortunate Son‹. Aber abgesehen davon verlieh er WILLY AND THE POOR BOYS einen sanfteren Anstrich, was Songs wie ›Down On The Corner‹ und die traditionelle Knastbruder-Ballade ›The Midnight Special‹ im Gospel-Stil beweisen.

PENDULUM
CCR
Fantasy, 1970

CCR Pendulum
Das sechste CCR-Album war gleichzeitig das letzte mit Tom Fogerty. PENDULUM enthält zwei von John Fogertys Favori­ten, das knisternde ›Hey To­­night‹ und das wunderschöne ›Have You Ever Seen The Rain?‹. Sie werden begleitet von qualitativ gleichwertigen Nummern: vom wütenden Opener ›Pagan Baby‹ über die Stax-Hommage ›Chameleon‹ bis hin zu Nach­­denklicherem wie ›Sailor’s La­­ment‹ und ›It’s Just A Thought‹. Die Band würde nie wieder so gut werden. Für John Fogerty würden 13 Jahre verstreichen, bevor er eine Platte aufnimmt, die seines Namens würdig ist.

CENTERFIELD
John Fogerty
Warner Bros. 1985

John Fogerty Centerfield
Fogerty landete keinen Hit mit dem berühmtesten Song seiner Solokarriere: Status Quo waren es, die ›Rockin‘ All Over The World‹ in eine Rockhymne verwandelten. Sein größter Solo-Erfolg war ›Centerfield‹: Die Platte führte die US-Charts an und schoss mit den Giftpfeilen ›Mr. Greed‹ und ›Zanz Kant Danz‹ gegen Fogertys Erzfeind, Saul Zaentz von Fantasy Re­­cords. Der Labelboss verklagte Fogerty wegen der Platte und warf ihm vor, sein eigenes CCR-Material plagiiert zu haben, das damals Zaentz gehörte. Der Supreme Court entschied aber zugunsten des Song­writers.

Anhörbar

Creedence Clearwater Revival
CCR
Fantasy 1968

Creedence Clearwater Revival
Auf dem Debüt war Fogerty noch dabei, sein Handwerk zu lernen. Bezeichnenderweise handelt es sich bei den zwei einflussreichsten Songs um Cover-Versionen. Einmal spielt er den Buhmann in Screamin‘ Jay Haw­kins‘ ›I Put A Spell On You‹ und verwandelt das andere Mal ›Su­zie Q‹ – einen Rockabilly-Hit von Dale Hawkins – in einen launischen Acht­minuten-Schlepper. In gekürzter Fassung schaffte es das Stück auf Platz 11 der US-Charts. Im Gegensatz dazu sind seine eigenen Songs, mit Ausnahme des kantigen ›Por­terville‹, ein wenig nüchtern.

THE BLUE RIDGE RANGERS
John Fogerty
Fantasy, 1973

John Fogerty Blue Ridge Rangers
Nach dem Niedergang von CCR zog Fogerty einen Schlussstrich: Bei THE BLUE RIDGE RANGERS handelte es sich um ein Coun­try-Album – ein ziemlich gewagter Schritt, zumal Country als passé galt. Es bestand auch ausschließlich aus „American Stan­dards“. Fogerty, einer der wichtigsten Songwriter seiner Gene­ration, wollte seine Karriere mit einer Platte wiederbeleben, für die er nicht einen einzigen Ton selbst geschrieben hatte. Den­noch schimmerte sein gutes Gespür durch, vor allem bei ›She Thinks I Still Care‹. 26 Jahre später kam THE BLUE RIDGE RANGERS RIDES AGAIN.

REVIVAL
John Fogerty
Fantasy 2007

John Fogerty Revival
Fogertys bestes Album der letzten Jahre stellt einen Rückblick auf seine glorreichen Zeiten dar. REVIVAL war die erste Arbeit seit seiner Rückkehr zu CCRs Label Fantasy und sprüht nicht nur im Titel vor Nostalgie, sondern enthält sogar einen flirrenden Boogie namens ›Creedence Song‹. Fogerty ging auf Nummer sicher, auch wenn einige Über­raschungen geboten waren. ›Longshot‹ rockt wie ein AC/DC-Hit, ›I Can’t Take It No Mo­­re‹ gleicht einer Punk-getränk­ten Schimpftirade und beweist, dass der alte Rocker immer noch Feuer unterm Hintern hat. Eindrucksvoll: ›Gunslinger‹ und ›Broken Down Cowboy‹.

Sonderbar

Mardi Gras
CCR
Fantasy 1972

CCR Mardi Gras
Kritiker Jon Landau, der die personifizierte Zukunft des Rock’n’­Roll namens Bruce Springsteen managen sollte, lag nicht immer richtig: Er veriss Meisterwerke wie Dylans BLOOD ON THE TRACKS oder STICKY FINGERS von den Sto­nes. Aber seine At­­tacke auf das siebte CCR-Album war völlig gerechtfertigt. Deut­lich von Tom Fogertys Ausstieg entkräftet, schlafwandelte die Gruppe als Trio durch MARDI GRAS und wachte erst beim letzten Track auf: ›Sweet Hitch-Hiker‹ zumindest ist ein echter Krawallmacher. Landau be­­zeichnete es als „schlechtestes Album, dass ich je von einem großen Rockact gehört habe“.