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Asia – Triple Fit

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ASIA BAND SHOT TWO-2 MONOAnfang der 80er Jahre schrieben sie mit ihren Alben ASIA und ALPHA Musikgeschichte. Nach diesem kometenhaften Aufstieg ging es für Asia jedoch erst einmal bergab. Erst 2008 konnten sie mit PHOENIX ihren Siegeszug fortsetzen – mit XXX soll der nun auch weitergehen. Und Gitarrist Steve Howe weiß ganz genau warum.

Hybris und Un-vernunft, Gigantomanie und der Verlust von Realität: Diese teuflische Mischung hat schon so manch anderer Rockgruppe die Karriere verhagelt. Heute kann Steve Howe jedoch darüber lachen, dass seine Band Asia in den Jahren 1983/84 innerhalb weniger Monate all das vor den Baum fuhr, was sich ihr durch den immensen Erfolg des Debütalbums plötzlich an Erfolgen, Möglichkeiten und glänzenden Perspektiven eröffnet hatte. „Jeder kennt das Phänomen: Nach einem exzessiven Champagner-Frühstück kommt ziemlich schnell der Kater“, schmunzelt der 65-jährige Gitarrist und verweist damit unverhohlen auf die massiven Alkoholprobleme seines Mitstreiters John Wetton, der sich und die Band innerhalb kürzester Zeit um eine glänzende Zukunft soff. Aber Howe ist Gentleman, ganz Brite, und spart auch sich selbst nicht aus dem Fokus vergangener Verfehlungen aus: „Wir waren dumm und unerfahren, anders kann man die damaligen Exzesse nicht erklären. Der Erfolg machte uns alle kirre, wir konnten mit all dem Geld, dem Ruhm nicht umgehen.“

Die Originalbesetzung der Band hielt gerade mal drei Jahre und zwei Alben. Erschreckend wenig, bedenkt man das grandiose Talent der vier Einzelkönner Howe, Bassist Wetton, Schlagzeuger Carl Palmer und Keyboarder Geoff Downes. Die Presse sprach seinerzeit von einer Supergroup und stellte sie direkt in den Kontext von Blind Faith. Mit Recht: Howe und Downes ka-men von der Prog-Elite Yes, John Wetton von den Kult-Avantgardisten King Crimson und Carl Palmer von den genialen Emerson, Lake & Palmer. Asias Debüt kletterte aufgrund des alles überragenden Singlehits ›Heat Of The Moment‹ binnen dreier Wochen auf Platz 1 der amerikanischen Charts und konnte sich bis heute mehr als sieben Millionen Mal verkaufen. Doch bereits auf dem dritten Album ASTRA war Howe gefeuert, fortan verkümmerten Asia zum Durchlauferhitzer mit wechselnden Besetzungen.

Anno 2012 ist die Situation diametral entgegengesetzt: Seit sechs Jahren haben sich die vier Originalmitglieder wieder zusammengerauft und legen mit XXX (gesprochen: Triple X) nun bereits das dritte gemeinsame Werk seit der Wiedervereinigung vor. „Sechs Jahre bedeutet: dreimal so lange wie damals“, rechnet Howe nach und genießt, dass die mittlerweile ergrauten Herren an Vernunft und Professionalität gewonnen haben. „Natürlich sind wir reifer geworden. Wir respektieren einander und freuen uns, dass es diese unvergleichliche Besetzung wieder gibt.“

Howe bezeichnet Asia 2012 im Vergleich zu vor 30 Jahren als „deutlich besser organisiertes Schiff.“ Vor allem respektiere man die Privatsphäre des jeweils Anderen und hocke während der Tourneen nicht permanent zusammen. „Ich kann mich noch gut an die 83er Tour erinnern, als es hieß, das gemeinsame Reisen per Flugzeug sei alternativlos. Ich aber wollte das nicht, also kaufte ich mir ein Auto und ließ mich von einem Fahrer von Auftrittsort zu Auftrittsort fahren. Die anderen schüttelten nur den Kopf und erklärten mich für verrückt, ich aber nahm mir die Freiheit so zu reisen, wie es für mich am angenehmsten ist. Damals gab es viel Streit darüber, heute dagegen zählt nur, dass jeder zum vereinbarten Zeitpunkt am abgesprochenen Ort ist. Egal, wie er dorthin gekommen ist.“

Aber es sind nicht nur diese neuen Freiheiten, die sich die vier Musiker mittlerweile nehmen (dürfen) und die das ehemalige Flaggschiff des Radio-Rocks seit nunmehr sechs Jahren auf Kurs halten. Es ist auch der geänderte Zeitgeist, der Asia auf einer warmen Woge der Zustimmung schwimmen lässt, sprich: die Rückkehr der melodischen Rockmusik. „Natürlich waren wir mit PHOENIX zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, blickt Howe auf den Zeitpunkt der Reunion zurück. „Alle freuten sich, dass es Asia wieder gab, niemand sagte: Ihr nervt, haut ab! So macht ein Comeback natürlich Spaß.“

Und es gibt noch ein weiteres schlagendes Ar-gument, das Asia aus der Flut ähnlich gearteter Comeback-Versuche herausstechen ließ: Dieses hier ist tatsächlich die komplette – in Worten: KOMPLETTE! – Originalbesetzung. Asia füllen den großen Namen tatsächlich mit sämtlichen Gründungsmitgliedern. „Das unterscheidet uns von fast allen anderen Wiedervereinigungen“, findet Howe, um gleich mit dem krassesten Gegenbeispiel aufzuwarten: „Bei Foreigner steht phasenweise kein einziges Originalmitglied auf der Bühne. Kein einziges! Das muss man sich mal vorstellen!“

Dass dieser Gesichtspunkt keineswegs eine Marginalie ist, erklärt sich dann auch sofort am neuen Album: XXX klingt genauso wie ASIA (1982) oder ALPHA (1983), nur halt mit neuen Songs versehen. Es gehört zum vereinbarten Konzept, dass diese Band ihre signifikanten Stil-mittel keinen Deut einem vermeintlich geänderten Zeitgeist geopfert hat. Geschweige denn den Gelüsten einzelner Bandmitglieder, sich als individuelle Künstler neu erfinden zu wollen. Für Howe ist der typische Asia-Sound auf XXX allerdings selbstverständlich: „Die Frage wäre vielmehr gewesen: Wie hätten wir ihn verhindern sollen? Denn wenn man unser 82er Debüt als Startpunkt betrachtet und weiß, dass man damit etwas ganz Eigenes, Unverwechselbares geschaffen hat, kann die Konsequenz daraus nur lauten: nichts ändern, sondern mit neuen Ideen weiterführen. Und genau das haben wir mit XXX nun auch getan.“
Wobei Howe gar nicht verschweigen möchte, dass hinter den Kulissen mitunter noch immer erhebliche Anspannung herrscht. Bei Asia wird auch nach 30 Jahren heftig gerungen, um Ideen, Arrangements, Songs, Sounds. Aber: Die Band akzeptiert wieder einen – wie Howe es nennt – Schiedsrichter.

Sein Name ist Mike Paxman, er legt die stilistischen Grundregeln fest. Howe: „Mit Mike Stone war es 1982 durchaus ähnlich. Damals vertrauten wir unserem Produzenten und legten die finale Entscheidung in seine Hände. Auch Mike Paxman füllt diese Funktion perfekt aus. Er hat unsere Regeln verstanden, seine eigenen Bedingungen klar dargelegt – und immer dann, wenn sich sowieso alle einig waren, noch brauchbare Ideen zur Sache beigetragen. Besser kann es mit einem Produzenten nicht laufen.“

Das neue Album soll jetzt also wieder das ty-pische AOR-Klientel bedienen, mit eingängigen Melodien, starken Hooks und handzahmen Tex-ten. Und warum, so fragt sich Howe, könnten nicht auch noch einmal hohe Charts-Notierungen wie Anfang der Achtziger dabei rausspringen?

Das Argument eines brach darniederliegenden Musikmarktes will er jedenfalls nicht als Ausrede gelten lassen: „Skeptiker behaupten ja ständig, dass es von nun an immer nur schlechter werden wird. Ich sehe das nicht so pessimistisch. Ich vermute, es ist wie in jedem anderen Wirtschaftszweig ein ständiges Auf und Ab. CDs verschwinden zwar zunehmend, dafür er-lebt das Vinyl ein Comeback. Soll man sich darüber die wenigen Haare raufen, die man in un-serem Alter noch hat? Nein, denn ich denke, dass die Menschen immer noch Musik lieben und bereit sind, dafür Geld auszugeben. Sie wollen es heute nur in einem für sie attraktiven Format geliefert bekommen.“

The Pineapple Thief – Prog ist endlich kein Schimpfwort mehr

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the_pineapple_thief_1_credit_rob_monkDieses so ureigene Genre hat sich über die Jahre zwar prächtig entwickelt, was Verkaufszahlen und Publikumszuspruch angeht, sah sich aber immer einiger Häme seitens des Mainstreams ausgesetzt. Was sich endlich ändert. „Bands wie Oceansize, Porcupine Tree und Anathema haben wir es zu verdanken, dass Prog heute kein Schimpfwort mehr ist“, konstatiert Bruce Soord, Frontmann und Kreativkopf von The Pine­apple Thieß.

Dabei könnte es ihm mittlerweile eigentlich egal sein, denn mit ALL THE WARS verabschiedet sich der Brite aus dem idyllischen Yeovil endgültig von überbordendem Instrumentalgegniedel und Geek-Fantasterei und findet stattdessen zu einem so vielschichtigen wie zielsicheren Sound, der auch ohne Musikprofessur genossen werden kann. Die Spezialität dieses epischen Prog‘n‘Roll besteht vor allem in wuchtigen Rocknummern, die sich in mitreißenden Crescendos zu wahren Monstern auswachsen, ohne dass je die Bombastkeule geschwungen werden muss.
„Ich liebe es, wenn ein Lied sich so aufbaut und dann explodiert. Vor allem live ist es toll, zu beobachten, wie das Publikum auf dieser Welle mit nach oben getragen wird.“ Eine Hammerplatte, oder anders gesagt: das Album, das Oceansize statt ihres enttäuschenden letzten Werks hätten machen sollen. Und noch ein „Was wäre, wenn“-Erlebnis bieten The Pineapple Thief, denn stellenweise klingt Bruce doch tatsächlich wie Billy Corgan – wenn dieser singen könnte. „Das habe ich schon mal gehört, und die frühen Pumpkins waren auch ein großer Einfluss für mich am Anfang.“

Dieser Anfang liegt nun schon 13 Jahre zurück, ALL THE WARS ist bereits das neunte Album. „Eigentlich ist es aber erst seit 2007 ein richtiges ernstes Projekt. Die ersten Jahre war es ein reines Soloprojekt, erst als ich nach vier Platten eine kleine Fan­base hatte, musste ich überhaupt eine Band für Auftritte suchen. Und seit dem Wechsel zu Kscope geht es langsam, aber stetig aufwärts.“

SOMEONE HERE IS MISSING brachte 2010 den ersten kleinen Durchbruch, „und damit haben sich viele Türen für uns geöffnet. Wir hatten einen größeren Vorschuss, unser Name war gewissen Leuten geläufig, mit denen wir nun arbeiten konnten. Und das haben wir für diese Platte so gut wie möglich ausgenutzt.“

Das Ergebnis ist grandios, doch Bruce ruht sich nie auf Lorbeeren aus. „Ich lerne immer mehr, wie man Musik schreibt, die eine Verbindung zum Publikum aufbaut. Die Leute sollen sagen, ‚hey, hast du schon von The Pineapple Thief gehört?‘. Aber meine größte Angst ist es, eines Tages aufzuwachen und keine Ideen mehr zu haben.“ Wir machen uns da vorerst keine Sorgen!

Thin Lizzy

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thin lizzyDas neue Album steht in den Startlöchern. Thin Lizzy arbeiten an erstem Album ohne Phil Lynott.

Thin Lizzy haben mit den Arbeiten an ihrem neuen Album begonnen. Es wird das erste seit dem Tod von Sänger Phil Lynott im Jahr 1986 sein. Die Band besteht momentan aus Sänger Ricky Warwick, den Gitarristen Scott Gorham und Damon Johnson, dem Bassisten Marco Mendoza, Keyboarder Darren Wharton und Schlagzeuger Brian Downey. Momentan befinden sich die Musiker in den Blast Recording Studios in Newcastle und basteln an den 13 Stücken, die auf das neue Album kommen sollen. CLASSIC ROCK warf einen Blick in den Aufnahmeraum und quatsche mit Scott Gorham.

Wie weit seit ihr mit dem Album?
Vor etwa sechs Wochen verbrachten wir drei Tage im Studio, um mit Akustikgitarren an unseren Ideen zu feilen. Jetzt haben wir die Verstärker angesteckt und nehmen mit dem klassischen Thin Lizzy Set-Up auf. Es läuft also alles ziemlich gut.

Wie klingen die neuen Stücke und gibt es schon Songtitel?
Nein. Wir versuchen, uns nicht zu sehr unter Druck zu setzen. Es sind fast 30 Jahre vergangen, seit wir unser letztes Album eingespielt haben. Deswegen schaden ein paar Wochen mehr auch nicht mehr. Aber wir werden sicher noch dieses Jahr aufnehmen.

Gibt es schon einen Produzenten?
Momentan produzieren wir noch selbst. Aber wir hätten gerne Bob Rock und haben auch schon bei ihm angefragt. Er würde es sehr gerne machen, aber er hat einen sehr vollen Terminkalender. Wir werden sehen, ob es klappt.

Es gibt viele Fans, die sagen, ein Album ohne Phil Lynott wäre kein Thin Lizzy-Album.
Ja, das höre ich auch oft. Aber wir spielen jetzt schon so lange in diesem Line-Up, dass es einfach Zeit wird. Wir mussten einfach ins Studio.

Gibt es alte unveröffentlichte Songs von Phil, die ihr verwenden wollt?
Vielleicht zwei. Aber wir werden die Songs erst noch genauer betrachten und sehen, ob sie sich richtig anfühlen

Rival Sons

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Rival Sons 2012(null)Vor gerade einmal vier Jahren wurden die Rival Sons in Los Angeles gegründet. Seitdem haben sich diese vier bluesbeeinflussten Rock‘n‘Roller den Ruf einer der hoffnungsvollsten Bands des Rock erarbeitet, die gesamte Musikwelt scheint sie zu lieben und die Presse will in ihnen die neuen Led Zeppelin sehen.

Mit ihrem zweiten Album PRESSURE & TIME haben die Rival Sons den Grundstock zu einer steilen Rock‘n‘Roll-Karriere gesetzt. Nun waren sie wieder im Studio und bringen im September ihr neues Werk HEAD DOWN auf den Markt. Scott Holiday, der zwirbelbärtige Gitarrist der Rival Sons, hat sich für CLASSIC ROCK die Zeit genommen, um über das Phänomen Rival Sons, den schwindelerregenden Aufstieg und das neue Album seiner Band zu sprechen.

In unglaublichen 20 Tagen haben Sänger Jay Buchanan, Gitarrist Scott Holiday, Drummer Michael Miley und Bassist Robin Evenhart ihr kommendes Album HEAD DOWN in Nashville geschrieben, eingespielt und gemixt. Denkt man an andere Künstler, die oft mehrere Jahre an einer Platte herumbasteln, stellt sich einem doch die Frage, wie sich die Rival Sons ihr so wichtiges drittes Album scheinbar aus den Ärmeln schütteln konnten. „Ich kann gar nicht erklären, wie wir das geschafft haben. Wir haben uns selbst in diese Lage gebracht. Wir nehmen seit Jahren unsere Alben so auf. Zum Glück hatten wir einen Produzenten, der verstand, wie man mit uns umgehen muss, um so mit uns arbeiten zu können. Während wir auf Tour sind – was wir ja ein ganzes Jahr am Stück waren – sammeln wir die Ideen in unseren Köpfen, spielen sie aber den anderen nicht vor. Das passiert dann erst im Studio“, bleibt Scott Holiday auch sich selbst eine klare Antwort schuldig. Alles scheint bei den Rival Sons aus einer Art magischen Verbindung zwischen den vier Mitgliedern zu entstehen, weiß auch Holiday. „Nun alle Musiker, die lange genug zusammen gespielt haben entwickeln diese Art gemeinsamen Instinkts. Das ist wie in einer Unterhaltung mit einem vertrauten Menschen. Man weiß schon, was das Gegenüber sagen wird, bevor es geschieht. Wenn Miley etwas spielt, reagiere ich automatisch darauf.“ So ist Scott Holiday sehr dankbar mit genau seinen drei Kollegen spielen zu dürfen. „Ich kann nicht genau sagen, wie es mit anderen Musikern wäre, denn auf diese schnelle und spontane Weise habe ich nur in dieser Konstellation Lieder geschrieben. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass nur diese Kombination von uns vier Individuen unsere Art des Songwritings ermöglicht“, beschreibt Holiday die besondere Chemie innerhalb der Rival Sons.

Seit wenigen Jahren erst sind sie mit ihrer Band unterwegs und doch können Scott und seine drei Gefährten seit geraumer Zeit von sich behaupten, solch prominente Fürsprecher und Fans wie Nikki Sixx von Mötley Crüe zu haben. Auch Megabands wie AC/DC oder Guns N’ Roses wollten sie in ihrem Vorprogramm auf Tour dabei haben. Für einen aufstrebenden Musiker kann es ja nichts Schöneres geben. „Natürlich ist es großartig, Lob von unseren Helden zu bekommen. Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll“, lacht Scott etwas beschämt. „Es ist ja immer cool, wenn Leuten das gefällt, was du tust“, versucht er bescheiden mit all den Lorbeeren umzugehen, mit denen die Rival Sons derzeit überhäuft werden. Aber nicht nur von Musikern werden sie hochgelobt. Die internationale Musikpresse scheint in den Rival Sons ihren neuen Liebling gefunden zu haben. Eine Tatsache, die Holiday nicht zu stören aber auch nicht zu genießen zu scheint: „Für mich ist das eine Sache, die ich nur schwer verstehen kann“, entschuldigt er sich beinahe, während er sich das Lachen nicht verkneifen kann. „Ich fühle mich nicht so, als wären wir die Lieblinge der Presse. Wir sind doch eine einfache Rock‘n‘Roll-Band.“

Neben all den Auszeichnungen, die die Kalifornier einheimsen, müssen sie sich mit einem Vergleich, der zuweilen einem Vorwurf gleich kommt, herumschlagen. Aufgrund ihrer tiefen Verwurzelung im bluesigen Rock der Siebziger, werden die Rival Sons häufig als die neuen Led Zeppelin tituliert. Ausschließlich mit früheren Bands verglichen zu werden, scheint ein Schicksal zu sein, das sie mit anderen jungen Bands wie Black Stone Cherry oder The Gaslight Anthem teilen. Daran gewöhnt, versucht Scott zunächst abgeklärt klar zu machen, dass sie eben nicht die 2000er Version einer Legende sind. „Nun, die Wahrheit ist, dass wir uns das sicher nicht zum Ziel gesetzt haben oder uns das sehr willkommen ist. Wir versuchen einfach nur, die Rival Sons zu sein und das, so gut wir können. Natürlich werden wir verglichen. Das passiert jeder Band. Ich vergleiche selbst Bands miteinander. Tatsächlich versuchen wir aber, weg von den offensichtlichen Einflüssen zu kommen. Denn wir wollten ja niemals Led Zeppelin oder Free kopieren.“ Obwohl diese offiziell anmutende Erklärung als Rechtfertigung reichen würde, hat Holiday offensichtlich das Bedürfnis, den Ursprung des Rival Sons-Stils weiter zu erklären und setzt erneut an. „Es ist so: Wir haben unzählige Einflüsse, dazu gehört natürlich der Blues, aber auch Jazz aus den Dreißiger Jahren, Bibop, Soul und Rock‘n‘Roll. Wir hören soviel Musik. Wenn wir spielen, entsteht eine Mischung aus allem, was wir lieben. Das kommt einfach aus uns heraus. Das geschieht nicht aus Intention. Zudem kombinieren wir die unterschiedlichen Genres und Epochen. Ich kann zum Beispiel etwas spielen, das sehr nach den Fünfziger Jahren klingt und Miley spielt dann einen Siebziger-Groove dazu. Dann kommt Robin dazu und packt ein Motown-Ding aus. Wenn sich dann Jay noch aus der traditionellen Folk-Nische bedient, wird das zu unserer eigenen Idee.“ Manchmal werde auch zuviel in ihre Musik hineininterpretiert, nur weil sie vor einiger Zeit den Stempel der 70s-Rock-Band aufgedrückt bekommen hätten, meint Holiday: „Manchmal sind wir uns selbst gar nicht einig, wonach gewisse Elemente klingen. Für den einen mag dann ein Stück nach 1996 klingen, für mich nach 1976 und wieder ein anderer fühlt sich an 1989 erinnert.“ Außerdem hat er die Zuversicht nicht verloren, dass sich dieses Problem irgendwann legen wird. „Mit der Zeit werden uns die Leute und die Medien hoffentlich als das sehen und hören, was wir wirklich sind – eine eigenständige Band“, so Holiday.

Je mehr ihnen dies gelingen wird, umso größer wird dann natürlich auch das Publikum, das von ihnen bedient werden will. Für eine soulige und atmosphärische Band wie die Rival Sons kann eine daraus nötig werdende Umstellung auf größere Veranstaltungen jedoch einige Schwierigkeiten mit sich bringen. Nachdem die Rival Sons bereits Jobs als Vorband von AC/DC und Guns N’ Roses hatten und große Festivals wie das diesjährige Rock Am Ring gespielt haben, weiß Holiday um die Unterschiede zwischen Club- und Stadionbühne. „Ich glaube, nein ich weiß, dass wir Rock‘n‘Roll machen, um beides zu tun. Ich für mich persönlich bevorzuge Clubs. Dort kann man einen großartigen Eindruck von dem gewinnen, was uns ausmacht. Bei Stadion-Shows spielen die eigene Beleuchtung, der Backdrop, Videos, Kulissen und all dieser optische Bullshit eine tragende Rolle. Das alles hat einen starken Effekt auf das Publikum. Deshalb glaube ich, dass für uns – an diesem Punkt unserer Karriere – Clubs und Theater passender sind. Aber selbst wenn wir riesig werden sollten, würden wir versuchen, neben den großen Hallen weiterhin Clubs zu bespielen.“

Egal wo sie denn in Zukunft spielen werden, die Rival Sons haben sich in früheren Aussagen als die Band angekündigt, die dem Rock‘n‘Roll seine gefährliche Seite zurückbringen will. Wer dabei an die ausschweifenden Orgien und Drogenexzesse vergangener Jahrzehnte denkt, täuscht sich jedoch laut Holiday: „Oh ja, das ist wohl ein Statement, das wir einmal abgegeben haben. Das kann man natürlich falsch verstehen. Es geht dabei mehr um die Rohheit der Musik, die wir lieben. Ich meine damit Bands, die nicht vorhersehbar waren. Ich will ungeschliffene Live-Auftritte und Aufnahmen. Jeff Beck oder auch Chuck Berry sind perfekte Beispiele dafür. Dabei dürfen auch Fehler passieren, das spielt keine Rolle. Auch im Studio muss ich das Gefühl haben, dass der Künstler aus dem Moment heraus Feuer fängt und darauf spontan reagiert. Wir geben unser Bestes, um diese Idee in unserer Musik und unseren Auftritten umzusetzen. Es geht darum, nicht ängstlich zu sein und Spaß zu haben“, erklärt er sinnierend.

Dass die Rival Sons auch in ihren Texten zu so manch philosophischer Ader neigen, zeigen sie auf ihrem aktuellen Album. Auf HEAD DOWN befinden sich neben elf weiteren Nummern zwei Stücke, die auf die Namen ›Manifest Destiny Pt. 1‹ und ›Manifest Destiny Pt. 2‹ hören. Dieser Begriff beschreibt den Glauben der frühen US-Bürger an ihre offenkundige Bestimmung und Pflicht, sich über den gesamten Kontinent auszudehnen und ihre Form von Zivilisation zu verbreiten. Wenn sich eine Rock‘n‘Roll-Band mit derart tiefgründigen Themen auseinandersetzt, kann man sich schon die Frage stellen, was denn die Rival Sons als ihre ganz eigene Mission ansehen. „Um die langweilige Wahrheit auszusprechen. Unser Auftrag als Rock‘n‘Roll-Band ist es, möglichst aufrichtig und direkt mit unserer Musik zu sein. Wann immer wir etwas herausbringen, sollen wir dahinter stehen können. Ich glaube diese Ehrlichkeit ist ein starkes Element im Rock‘n‘Roll und jeder Art von Musik, ach, in allen Formen von Kunst. Es ist eben die Gefahr, diese Unerschrockenheit, die den Unterschied macht“, meint Scott Holiday.

Track by Track

Der Rival Sons-Gitarrist hat sich mit CLASSIC ROCK durch das neue Album geklickt. Erfahrt hier bereits jetzt von Scott Holiday die Geschichten, die hinter den herausragenden Songs von HEAD DOWN stecken:

›Keep On Swinging‹ war ursprünglich ein akustischer Blues-Song, den ich mitbrachte. Ich wollte ein Lied, bei dem wir auf den typischen Riff-basierten Rival Sons-Sound zurückkehren, nachdem wir ja teilweise neue Territorien auf HEAD DOWN betreten. Wir hatten das Lied sehr schnell fertig.

›Wild Animal‹ entstand aus einem Riff von mir. Jay singt hier in einer ganz anderen Stimmlage als sonst. Die Gitarre bei diesem Song klingt sehr Yardbirdig und hat diesen Garagen-Band-Stil und Jay singt beinahe wie Ray Davies von den Kinks. Inspiriert haben uns dazu aber The Monks, von denen wir gemeinsam ein Video auf Youtube angesehen hatten als wir auf Tour waren.

›Until The Sun Comes‹ sollte eine sehr tanzbare gute Laune-Nummer werden, die live richtig cool für die Leute ist. Dieses Lied klingt wie der Sommer!

›All The Way‹ ist sozusagen Jays Liebling. Er brachte diesen Song mit. Hier singt er nicht nur, er erzählt eine richtige Geschichte, beinahe wie The Animals bei ihrem Lied ›The Story Of Bo Diddley‹. ›All The Way‹ ist gewissermaßen eine Hommage an diesen Song. Ich habe mich hier weitest gehend herausgehalten. Im Refrain spiele ich einen Part, der weniger wie eine Gitarre und mehr wie ein Fünfziger Jahre Bariton Saxophon klingt. Das gefällt mir sehr gut.

›Navav‹ ist das einzige Instrumentalstück auf HEAD DOWN. Ich habe diesen Song für meine Tochter Nava geschrieben. Ich saß in Nashville, spielte meine Akustik-Gitarre und dachte an meine Familie. Ich gab ihn Jay, damit er etwas dazu schreibt. ›Nava‹ ist nur das Intro des Schlussliedes ›True‹. Wir haben den Song sozusagen aufgeteilt und zwei andere Lieder dazwischen gesetzt.

›Manifest Destiny Pt.1‹ entwickelte sich aus einer Spielerei von mir zwischen den Aufnahmen zweier anderer Lieder. Ich saß zusammen mit Jay und unserem Produzenten im Studio. Ich wusste gar nicht, was ich da so spielte und plötzlich meinte unser Produzent nur: „Hey, das gefällt mir, was du da gerade spielst!“ Ich wusste gar nicht, was er meinte und deshalb spielte er mir die Aufnahmen vor. Wir machten also den einen Song fertig und spielten danach gleich ›Manifest Destiny Pt.1‹ in einem Take ein. Der Song erzählt die Geschichte, in der amerikanische Ureinwohner die Kavalerie der weißen Siedler kommen sehen und wissen, dass es zu einer Schlacht kommen wird. Die Erzählung endet in einem Massaker.

›Manifest Destiny Pt.2‹ hatten wir schon vor dem ersten Teil aufgenommen. Jay schrieb zu dem fertigen Instrumentalspuren einen Text, der die Geschichte weiter erzählt. Darin geht es dann um die Heimzahlung der Ureinwohner und um ihre Schlacht. Ich versuchte meine Gitarre dazu möglichst wild klingen zu lassen, um ein passendes Geräuschbild zu erschaffen.

Kiss – Kanonen auf Spatzen

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Kiss (3)

›Hell Or Hallelujah‹ heißt die erste Single des kommenden Kiss-Albums MONSTER. Wenn Stanley, Simmons und Co. ein neues Werk veröffentlichen, dann machen sie das nicht mit einer schlichten Internetmeldung; da muss es schon eine Uraufführung im Londoner HMV Forum sein. Das Art Deco Theater, das mit über 2.000 Kiss Army-Anhängern aus ganz Europa bis zum Bersten gefüllt ist, bietet den geschichtsträchtigen Rahmen für einen historischen Abend.
Seltenheitswert besitzt dieses Konzert, dessen Einnahmen zugunsten der Organisation „Help For Heroes“ gestiftet werden, allemal. Der Vorhang mit den gigantischen silbernen Kiss-Lettern wirkt in dieser Halle beinahe überdimensioniert. Bevor Kiss die Bühne betreten wird die Stimmung mit englischem Liedgut von Led Zeppelin und The Who angeheizt. Nach einem etwas holprigen ›Detroit Rock City‹ kommt es bereits zur Bühnenpremiere von ›Hell or Hallelujah‹, das eine knallharte und vielversprechende Ansage ist. Leider hat Stanleys Stimme nicht mehr die Konstanz von früher. Dennoch: Die mächtige Kiss-Maschinerie wälzt mit neun weiteren Klassikern inklusive Soli und den gewohnten Show-Einlagen das kleine Forum nieder, zumal Licht- und Pyrotechnik auch für 50.000 Zuschauer ausgereicht hätten. Jede Explosion wirkt wie ein guter Saunaaufguss, der Saal ist voll Nebel und Rauch und das englische Publikum stellt seine Gesangsqualitäten unter Beweis. Nach zwei Zugaben folgt das obligatorische ›Rock And Roll All Nite‹, zu dem das Forum mit weißem Konfetti vollgepumt wird, bis sich die Sichtweite auf wenige Meter verkürzt – monströs!

Joe Walsh – Kehrtwende ins Glück

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Joe Walsh 2012b @ Andrew MacPhersonEr zählt zu den größten Gitarristen Amerikas, ist mitverantwortlich für den Eagles-Megaerfolg HOTEL CALIFORNIA, war Jahre lang hoffnungsloser Alkoholiker und kennt alle Höhen und Tiefen des Lebens. Nun ist er zurück und bringt sein erstes Solo-Album in 20 Jahren heraus. Heute scheint Joe Walsh einer der zufriedensten Menschen auf diesem Planeten zu sein. Im Interview mit CLASSIC ROCK verrät er, wie sich die Welt und sein Leben gewandelt haben.

Auf seinem aktuellen Solo-Werk ANALOG MAN setzt sich Joe Walsh mit den Schwierigkeiten seiner in die Jahre gekommenen Generation in einer sich verändernden Welt auseinander. Das lässt vermuten, dass sich die Gitarren-Legende mit seinen 64 Jahren durchaus alt fühlen könnte. „Oh nein, ich fühle mich nicht alt! Ich hatte mir nie Gedanken über das Altwerden gemacht, denn das lag in so ferner Zukunft. An diesem Punkt in meinem Leben versuche ich von Neuem zu beginnen, um nicht zu sehr in der Vergangenheit zu leben und wütend darüber zu werden. Es geht darum, im Hier und Jetzt zu sein. Denn hier und jetzt ist alles in Ordnung.“

Wenn Walsh sich in seinem Titelsong als „analogen Mann“ bezeichnet, meint er damit eine Spezies, die in der heutigen „digitalen Welt“ auf einige Herausforderungen und Probleme stößt. Er will dabei aber nicht wie ein alter Herr wirken, der den guten alten Zeiten nachtrauert. Immerhin verfügt Walsh über seine eigenen Facebook- und Twitter-Accounts. „Ich habe ja nie behauptet, dass analog besser ist als digital. Vergesst aber nicht, dass wir auf einem analogen Planeten leben. Du sollst eben keine eMail versenden, während du Auto fährst und dann in den Kerl vor dir brettern. Du kannst nicht in beiden Welten zugleich unterwegs sein“, erklärt er lachend mit seinem unverwechselbar sympathischen Zungenschlag.

Walsh, der zwar stets mit den Eagles unterwegs war, als Solo-Künstler aber seit ganzen zwei Jahrzenten auf neue Ergüsse warten ließ, scheint präsenter als je zuvor zu sein. Nun, da ANALOG MAN endlich da ist, ist das Interesse an ihm beeindruckend groß. „ Irgendwie fühlt es sich schon wie ein Comeback an. Ich bin zurück, ja! Aber ich erwarte doch nicht, auf meiner Comeback-Tour eine Headliner-Show im Madison Square Garden zu spielen.“
Nicht nur die Musikpresse ist sich Walshs Stellenwertes bewusst. Bei den Feierlichkeiten zur Veröffentlichung seines Albums in London erweisen ihm Musikgrößen wie Ronnie Wood, James McCartney und Olivia Harrison (Witwe von Goerge Harrison) die Ehre. Zu den Fab Four hat Walsh ohnehin eine ganz besondere Beziehung. Seine Frau, die nach Walshs Aussagen sein Leben grundlegend verändert hat, ist Ringo Starrs Schwägerin. „Sagen wir, ich befinde mich im Dunstkreis der Beatles-Familie. Ich habe in eine Großfamilie eingeheiratet. Das ist eine Dynamik, die ich zuvor nie erlebt habe, weil ich ein Einzelgänger war“, schwärmt der Neufamilienmensch. Auch musikalisch stimmt es mit der Verwandtschaft und so ist ein echtes Beatles-Schlagzeug auf Walshs Song ›Lucky That Way‹ zu hören.

Mit Hilfe derart wertvoller Menschen, denen er sein Lied ›Family‹ gewidmet hat, hat Walsh es heute geschafft, beinahe beneidenswert glücklich zu sein: „Ich fühle mich geerdet, fokussiert, selbstbewusst und habe meine Mitte gefunden. Ich befinde mich in einer kreativen Phase meines Lebens und werde sicherlich nicht wieder 20 Jahre warten, bis ich das nächste Album schreibe. Ich war einige Male reich und berühmt. Das brauche ich nicht mehr. Was mir zu tun bleibt, ist wieder ans Werk zu gehen und Musik zu machen.“

Fozzy – Rockmusik, Wrestling und ein offener Hosenstall

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Fozzy 2012 (1)Mehr als zehn Jahre haben Fozzy nun schon auf dem musikalischen Buckel. Das Ergebnis: große Tourneen rund um den Globus, eine immer größer werdende Fanbasis und das mittlerweile fünfte Album SIN AND BONES. Sänger Chris Jericho hat einige lustige Geschichten für CLASSIC ROCK ausgepackt.

„Zwei Herzen wohnen, ach, in meiner Brust“ – dieses Zitat aus Goethes „Faust“ könnte im übertragenen Sinne auch von Chris Jericho stammen. Denn der große blonde Hüne hat zwei große Leidenschaften: seine Rock-Band Fozzy und professionelles Wrestling. Bevor der 41-Jährige seine Leidenschaft für Musik entdeckte, zog es ihn erst einmal in den Ring. Während seiner Schulzeit in Kanada trat er mit 19 in die sogenannte „Hart Brothers School Of Wrestling“ ein und hatte kurz darauf schon seinen ersten halb-professionellen Kampf. Schnell wurde aus Christopher Keith Irvine (so sein bürgerlicher Name) Chris Jericho.

1999 kam dann eine weitere Leidenschaft hinzu: die Musik. Nach einer Wrestling Show in San Antonio traf er auf Rich Ward, der neben seinen Aktivitäten als Gitarrist der Rap Metal-Kombo Stuck Mojo eine Coverband namens Fozzy Osbourne ( in Anlehnung an den Madman natürlich) auf die Beine stellte. Chris wurde zu den Proben eingeladen und war schnell fester Bestandteil der Band, die sich bald einfach nur noch Fozzy nannte. Im Jahr 2000 erschien ihr selbstbetiteltes Debüt und jetzt, 13 Jahre später, präsentieren sie schon ihren fünften Langspieler SIN AND BONES.

Im Grunde hat sich in diesen Jahren bei der Band jedoch nicht viel verändert, meint Jericho. „Unsere musikalischen Ansichten beziehungsweise Vorlieben sind immer noch die selben“, erzählt der Blonde mit den breiten Schultern fröhlich. „Wir machen immer noch eine Mischung aus Pantera mit einem guten Schuss Iron Maiden und einer deftigen Prise Journey! Wir haben die unterschiedlichsten Vorlieben wie Metallica oder AC/DC. Meine Lieblingsband sind die Beatles, wieder eine ganz andere Richtung. Das wichtigste ist für uns die Melodie. Wenn die passt, dann setzen wir uns keine Grenzen.“ Und so sieht das auch auf SIN AND BONES aus: es rockt und eine Ohrwurmmelodie reiht sich an die nächste.

Spaß haben Fozzy an ihrer Musik und am Leben auf Tour, wo hin und wieder auch gerne mal ein paar lustige Sachen passieren. „Oh ja, da gibt es so einige“, lacht Chris schallend. „Ich kann mich an ein Konzert erinnern, bei dem zwei hübsche Damen in der ersten Reihe standen und mich anlächelten. Dabei starrten sie immer wieder auf meinen Schritt. Ich habe dann stolz zurück gelächelt – typisch Mann eben – bis ich zufällig nach unten schaute und bemerkte, dass mein Hosenstall offen stand und meine Unterhose nach draußen hing… Und was lernen wir daraus? Das ist der Grund, warum David Lee Roth immer Spandex trägt – da gibt es nämlich keinen Reißverschluss.“
Nach einem lauten Lachanfall, zieht er noch eine Story aus dem Ärmel: „Als ich eines Abend nach einem Konzert aus meiner Garderobe kam, war das Gebäude völlig dunkel und niemand war mehr zu sehen. Ich ging also zur Tür und wollte sie öffnen, bis ich bemerkte, dass sie die Absperrgitter schon runtergelassen hatten. Man hatte mich also völlig vergessen. Ich habe dann mein Handy als Taschenlampe benutzt und einen Ausgang gesucht. Irgendwie habe ich dabei aber den Alarm ausgelöst. Ich rief völlig verschreckt meinen Tourmanager an, damit er mich abholt. Doch die Polizei war schneller und rannte mit erhobenen Schlagstöcken auf mich zu. Sie hätten mich beinahe verhaftet. Dazu kann ich nur sagen: Danke Cleveland!“ Mit SIN AND BONES werden sie sicher noch einige lustige Dinge erleben.

Muse – Die Rückkehr der Rock-Nerds

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Muse NEUWer dachte, mit THE RESISTANCE hätte sich das Kollektiv um Matthew Bellamy endgültig in die Liga der Coldplays und U2s gespielt, sieht sich getäuscht: Ihr sechster Streich THE 2ND LAW proklamiert vielmehr die Rückkehr der Rocknerds, die auf Beach Boys und Queen stehen, auch mal mit Skrillex flirten und einen Haufen wilder sozio-politischer Ideen haben. Eben Wölfe im Schaafspelz, die nebenher die olympische Fackel tragen, Elektroautos fahren und Kinder namens Bingham zeugen. Noch Fragen?

Das Ambiente ist gediegen: Muse und ihr Tross aus Management, Plattenfirma und persönlichen Assistenten residieren im Schlosshotel im Grunewald, einer der exklusivsten Adressen der Hauptstadt. Was nicht nur während der Fashionweek ein kleines Vermögen kostet. Doch Muse sind schließlich Rockstars, die von ihrem letzten Werk THE RESISTANCE drei Millionen Exemplare umgesetzt und die größten Hallen der Welt gefüllt haben. Da lässt ihr Label schon mal ein paar Suiten springen, in denen sonst Karl Lagerfeld oder Mick Jagger residieren, und organisiert Pressetermine im mondänen Kaminzimmer, das an den Spiegelsaal von Versailles erinnert. Was bei Matthew Bellamy für dezente Irritation sorgt. „Was ist das hier für ein Laden?“, fragt er nach kurzer Begrüßung. „Ich habe schon viel gesehen, aber das ist fast ein bisschen too much“, spricht´s und lässt sich in einen schwarzen Ledersessel plumpsen, in dem das zierliche, kleine Männchen aus dem britischen Teignmouth regelrecht versinkt. Denn der 34-Jährige ist spindeldürr, wenn nicht klapprig, und auch sonst alles andere als der typische Rockstar. Dafür ist er zu nett, redet viel zu offen und besitzt einen gesunden Humor, der vielen Kollegen spätestens nach dem ersten Grammy abgeht – weil alles nur noch big, big Business ist.

Ganz anders Bellamy. Der ist zwar seit 2010 mit Hollywood-Darling Kate Hudson liiert, gerade Vater eines kleinen Jungen mit dem denkwürdigen Namen Bingham geworden und hat die offizielle Hymne zu den olympischen Spielen komponiert, kommt aber immer noch ohne Star-Allüren aus. „Ich hätte nie gedacht, dass ich mal eine Familie gründen und die Hälfte des Jahres in Los Angeles leben würde. Das ist ein Traum. Und ich weiß das sehr wohl zu schätzen. Gleichzeitig habe ich mich aber kaum verändert – weil ich darauf achte, mich nicht von meiner Umgebung korrumpieren zu lassen, sondern an dem festzuhalten, was mir wichtig ist. Ich werfe meine Ideale nicht für eine Handvoll Dollar und einen Swimming-Pool in Beverly Hills über Bord. Und ich liebe Kate nicht, weil sie ein Filmstar ist, sondern ein toller Mensch.“ Der ihn mittlerweile auf allen Reisen begleitet. Außer in Berlin: „Sie hat sich entschieden, in Paris zu bleiben und shoppen zu gehen. Was mir die Gelegenheit gibt, einen netten Tag mit den Jungs zu verbringen.“ Und mit einem Haufen Pressevertretern, die hier und heute die Weltpremiere des kommenden, sechsten Muse-Albums THE 2ND LAW erleben. Das wird in einem Konferenzraum unter strenger notarieller Aufsicht vorgespielt und birgt eine Reihe von Überraschungen. Angefangen beim Gesangs- und Songwriting-Debüt von Bassist Christopher Wolstenholme, der wie ein junger Brian Wilson klingt, über deutliche U2-Momente in Songs wie ›Follow Me‹ und ungenierte Queen-Anleihen in ›Big Freeze‹, bis hin zu lupenreinem Dubstep, mit dem Muse auf den Spuren von Skrillex und Dangermau5 wandeln. Was Matt zumindest ein bisschen in Erklärungsnot bringt. „Wir lieben es einfach, zu experimentieren und Sachen zu probieren, die man nicht unbedingt von uns erwartet“, setzt er mit breitem Grinsen an. „Ich meine, was wäre langweiliger, als sich einfach auf das zu verlassen, was schon beim letzten Mal funktioniert hat? Das wäre mir zu wenig – und den Fehler begehen viel zu viele Bands. Sie halten sich an einer bestimmten Formel fest, und wollen lieber das wiederholen, was sie schon einmal erreicht haben. Deshalb gehen sie auch keine Risiken ein. Wozu die Musikindustrie ihren Teil beiträgt, indem sie ihren Künstlern auch gar nicht mehr die nötige Freiheit lässt. Sondern ein Ansatz muss bis zuletzt ausgereizt werden. Und das ist eine Sache, bei der wir nicht mitspielen. Zum Glück sind wir in einer Position, in der wir uns das leisten können. Wir verkaufen genug CDs, um unsere Vorstellungen durchdrücken zu können – was nicht heißt, dass es nicht immer noch ein gewisser Kampf ist. Gerade im Bezug auf die Dubstep-Nummern.“

Die, so betont Matt, nichts mit dem aktuellen Hype aus Amerika zu tun hätten, sondern vielmehr das reflektieren, was seit fast fünf Jahren in britischen Clubs läuft – und was er auch privat hört. „Ich weiß, dass jetzt viele meinen, wir würden hier Skrillex kopieren. Aber Tatsache ist: Das ist eine Sache, die inzwischen so etwas wie der neue Punk oder der neue Heavy Metal ist. Einfach, weil die Musik immer Rock-orientierter wird, und weil es bei den Konzerten einen Moshpit gibt, gegen den Slipknot-Konzerte wie ein Kaffeekränzchen wirken. Schaut euch mal an, was da abgeht. Also da würde ich mich nur in Nahkampfmontur reinwagen. Der Wahnsinn!“

Und die Bono- und Queen-Referenzen? „Wir waren 2011 mit U2 in Südamerika, und wahrscheinlich hat das ein bisschen abgefärbt – weil wir die Band wirklich mögen und weil ACHTUNG BABY eines der besten Alben aller Zeiten ist. Und was Queen betrifft: Das ist definitiv eine unserer Lieblingsbands, schon immer gewesen. Denn sie sind nie stehen geblieben, sondern hatten immer den Mut, etwas anderes zu probieren – zum Beispiel jede Menge elektronische Sounds. Insofern sind wir wahnsinnig stolz, dass sie uns als ihre Nachfolger bezeichnen. Das ist eine unglaubliche Ehre. Zumal Brian May wirklich einer der besten Gitarristen der Welt ist. Und die Tatsache, dass viele meiner Soli an ihn erinnern, kommt nicht von ungefähr: Man kann es gar nicht besser machen.“

Weshalb Matt auf der kommenden Welttournee, die im Oktober startet, auch auf den einen oder anderen Gastauftritt der Altmeister hofft. „Das wäre das Größte. Zumal wir diesmal keine wackeligen Türme dabei haben, auf denen wir spielen, sondern wir stehen auf dem Bühnenboden und setzen verstärkt auf Videoprojektionen. Das muss reichen. Beim letzten Mal war es einfach zu viel. Es gab so viele Spinal Tap-Momente, dass es nicht mehr lustig war. Also in dem Sinne, dass die Hydraulik versagte, und wir da oben festhingen oder beinahe umgekippt wären. Was in der Höhe tödlich enden kann. Aber hey: Was wäre das Leben ohne Risiko?“, spricht´s und schlürft ein 5-Euro-Mineralwasser mit Blick auf den Sommergarten…