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Soundgarden

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Press Image Soundgarden4

Nach 15 Jahren der Trennung haben sich Soundgarden „durch Zufall“ wieder vereint. Aber könnte ihre Rückkehr zu schlechten Gewohnheiten führen?

„Wir waren 13 Jahre oder so nicht mehr im selben Raum gesessen, und nach fünf Minuten war es, als sei überhaupt keine Zeit vergangen. Wir hatten einander vermisst.“ Chris Cornell war einer Reunion seiner alten Band am skeptischsten gegenüber gestanden, das er ihr Erbe nicht entwerten wollte. Über Interviews zu dem Thema ließe sich dasselbe sagen. Doch nun ist seine Leidenschaft für seine Band neu entfacht, er freut sich über ihre Rückkehr, über die Konzerte und das überraschend starke neue Studioalbum KING ANIMAL.

„Die einzige Sorge dabei, ein neues Album zu machen, war dass ich das Gefühl hatte, dass wir gewonnen hatten. Wir hatten noch nie ein Album gemacht, das ich nicht für kreativ oder gewagt hielt und das keine deutliche Weiterentwicklung für uns darstellte“, sagt er. „Ich dachte, wir hatten dieses perfekte Vermächtnis hinterlassen, das nur wir zerstören konnten, und das ist nicht gut. Wenn wir also nicht mindestens so gut zurückkehren wie mit dem letzten Album, wäre es möglich, dass wir den gesamten Katalog damit runterziehen.“
Manche Bands gehen in Flammen unter, entweder des Ruhms oder des eigenen Versagens. Aber nicht Soundgarden. Sie drifteten einfach ans Ende ihres Wegs, ohne Wind in den Segeln nach einem Jahrzehnt oder mehr fast permanenten Tourens. Bei ihrem letzten Konzert in Honolulu im Februar 1997 warf Ben Shepherd seinen Bass auf den Boden, nachdem sein Amp versagt hatte, und stürmte von der Bühne, mit dem Rest der Band im Schlepptau. Nur Cornell kehrte zurück, um solo noch eine Zugabe zu spielen. Wenig später gab die Band, erschlagen und ausgelaugt, ihre Auflösung bekannt.

„Die Band endete nicht im Bösen“, sagt Gitarrist Kim Thayil. „Sie verlor irgendwie den Zusammenhalt. Uns war einfach das Benzin ausgegangen.“

„Es gab keinerlei böses Blut, als wir uns auflösten“, stimmt Drummer Matt Cameron zu. „Wir waren einfach erst mal fertig mit der Sache. Sie starb einfach.“

„Wir hatten am Gipfel unseres Schaffens aufgehört“, sagt Cornell.

„Es gab nichts, das mich davon abhielt zurückzukommen“, sagt Bassist Ben Shepherd, nachdem er daran erinnert wurde, dass er es war, der damals in Hawaii seinen Bass wegschmiss und von der Bühne ging.

Wie man es dreht und wendet, ist KING ANIMAL ein glücklicher Zufall. Beim ersten Bandtreffen 2009 ging es nur ums Geschäft – ihre Website, den Backkatalog, welche alten T-Shirts neu gedruckt werden sollten. Sie schützten ihr Vermächtnis, verdienten vielleicht etwas Geld daran. Eine unschuldige Ankündingung am 1. Januar 2010, dass eine neue Website gebaut werde, wurde von der Presse und einem sehnsüchtigen Publikum missverstanden als Beleg, dass die Band wieder zurück sei. Und dann entwickelten die Dinge ihre Eigendynamik. Plötzlich wurden einer Band, die gar nicht existierte, Auftritte angeboten, inklusive eines Headliner-Slots beim Lollapalooza in Chicago in jenem August – dabei wollten sie doch einfach nur ein bisschen Merchandise online verkaufen.

„Niemand sagte, willst du die Band wieder an den Start bringen?“, so Thayil. „In einem Moment reden wir mit Leuten über eine Website, im nächsten sehen wir uns T-Shirt-Designs an, und dann kamen die Angebote für Shows. Es machte Spaß, dann fingen wir an, zu jammen, und dann dachten wir darüber nach, diese Jams aufzunehmen… Als wir dann begonnen hatten, dieses Album zu schreiben, und wieder eine kreative Einheit waren, dachte ich mir, Hm, sieht aus, als sei die Band wieder aktiv.‘ Und wir gingen in die Studios und nahmen diese Sachen auf und sagten, ‚Yep, wir sind Soundgarden.‘ Es war seltsam, denn eigentlich hatte ich daran überhaupt kein Interesse. Als die Band sich auflöste, vermisste ich sie am Anfang, aber ich ließ sie hinter mir wie eine schlechte Ehe: Ich blickte nach vorn. Und ich war sehr zufrieden und gefestigt in meinem Leben, nachdem ich dieses Kapitel abgeschlossen hatte, und wollte es ganz und gar nicht wieder aufleben lassen. Bis wir es tatsächlich taten.“

„Ich machte gerade ein Soloalbum fertig und dachte, nie im Leben können Soundgarden wieder auferstehen“, sagt Shepherd, hoch erfreut über das Geschehene. „Und genau das sagte ich den Jungs im Studio auch: Es wird nie wieder eine Band geben; das ist es nicht wert. Aber ein paar Tage später trafen wir uns wieder! Ich denke mal, wenn ich schon in einer Band bin, kann es wohl genauso gut diese sein. Ein Haufen Lohnsöldner!“
In den Jahren der Bandpause hatten sich die Dinge verändert. Cornell wurde zum Solostar und ließ Soundgarden auch mit der Multiplatin-Band Audioslave hinter sich. Matt Cameron hatte seit 1998 bei Pearl Jam gespielt. Beide waren selten nicht auf Tour.

„Ich habe es den Jungs bei Pearl Jam so offen wie möglich gesagt, und sie unterstützen mich alle total“, sagt Cameron über seinen Hauptjob. Wegen seines und Cornells Arbeitspensums wurde KING ANIMAL jedoch stückweise mal hier, mal da aufgenommen, anders als jedes andere Soundgarden-Album. Die Sessions begannen im März 2011 in den Bad Animals-Studios in Seattle. Während Online-Berichte andeuteten, das Album stehe kurz vor seiner Fertigstellung, wurde der Aufnahmeprozess zum Stückwerk.

„Wenn wir erst mal im Studio waren, gab es kein Problem“, sagt Cameron. „Es hat genervt, immer wieder aufhören und anfangen zu müssen, aber das ließ sich wohl nicht vermeiden. Wir hatten die erste Session im Frühling, und dann gingen wir über den Sommer des letzten Jahres immer wieder ans Werk. Also war es insgesamt wohl fast ein Jahr in der Mache. Wir sind wie Def Leppard!“

„Ich denke, die Pausen haben das Album beeinflusst“, sagt Cornell. „Aber wenn ich mich hinsetze und nachdenke, wie sie sich ausgewirkt haben, würde ich sagen, in erster Linie positiv, vor allem als Texter und Arrangeur. Ich hätte einfach wie früher das Schreiben, Arrangieren und Abschließen eines Lieds flott erledigen können. Bei ›Been Away Too Long‹ z.B. schrieb ich die Musik, machte ein Demo davon, spielte es der Band vor, und das war eines der ersten Dinge, an denen wir arbeiteten. Es gab keinen Text, keine Melodie oder irgendwas, und jeder liebte es, wir spielten es ein Jahr lang und nahmen es dann auf. Ich hatte nichts, was dazu passte, keine Ideen, die mir kamen, und nichts schien mir offensichtlich, was passieren kann. Und ich denke, die Zeit hat geholfen, denn eines Tages kam einfach alles in meinem Kopf zusammen. Manchmal geht das beim Songwriting so. Ich habe Lieder fertiggestellt Jahre, nachdem ich sie angefangen habe, die dann auf anderen Alben landeten. Bei ein paar Songs glaube ich also, dass dieses ständige Aufhören und wieder Anfangen hilfreich war, denn so ging ich das Songwriting immer wieder aus einer frischen Perspektive an.“

„Es hat sich eigentlich von Anfang an wieder ziemlich natürlich angefühlt, im Studio zu sein“, sagt Thayil. „Wir waren vielleicht in bisschen eingerostet und mussten die Gelenke neu ölen… aber im Großen und Ganzen war es leichter, Musik zu machen und mit diesen Jungs zu spielen, als ich das je mit irgendeiner anderen Gruppe von Musikern erlebt habe. Es war sehr natürlich, wie ein Treffen mit einer alten Ex-Freundin: Man zögert erst ein bisschen, aber man weiß, wie man miteinander reden kann. Und wenn ich das sage, bezeichne ich Soundgarden nicht als meine Ex-Frau. Ich bezeichne sie als meine Bitch!“
„Irgendwo in meinem Hinterkopf, falls es mitten unter den Aufnahmen klar würde, dass es nicht funktioniert, waren wir uns einig, dass wir es nicht veröffentlichen würden“, sagt Cornell. „Falls es unser und des Bandnamens nicht würdig wäre, konnten wir es einfach nicht tun. Und dann, als wir begannen, zu schreiben und zu arrangieren, fühlte es sich wie jedes andere Album an. Es gab Momente, wo man ein Lied oder Stücke davon in Frage stellte, aber es gab nie Zweifel, ob das Album gut werden würde, oder dass unsere Fans nicht glücklich damit sein würden. Und jetzt, wo ich mich hingesetzt und mir die fertige, gemixte, gemasterte Version angehört habe, fühlt es sich total erhebend an. Vielleicht sogar mehr als das, denn wir hatten eine 15-jährige Pause und es fühlt sich frisch, lebendig und sehr nach uns an. Das Album hört sich nicht an wie eine Band, die lange weg war, jetzt wieder zusammen ist und ein neues Album herausbringt, weil wir nichts Besseres zu tun haben. Wir haben hart daran gearbeitet und es war uns genauso wichtig wie jede andere Platte, die wir gemacht haben. Wir haben einige Elemente genauso gut hinbekommen wie früher, und einige neue Sachen gemacht, die wir nie gemacht haben, und ganz sicher niemand anders. Also bin ich wirklich glücklich, dass wir dieses Risiko eingegangen sind.“

Und das sollte er sein. Zu viele Bands sind lebende Beispiele für das Gesetz der abnehmende Erträge, verkaufen nur ihren früheren Ruhm und leben in der Vergangenheit. Wie Cornell sagt, war das das Letzte, was er wollte: Er wollte nicht, dass sich die Zukunft der Band auf ihre Vergangenheit auswirkt. Henry Rollins beschrieb Soundgarden einst als seltsame Metalband, und diese kopfgesteuerte, instinktive, dunkle und schwere Einzigartigkeit – diese trotzige Trostlosigkeit – ist auch der Kern von KING ANIMAL. Es ist sofort unmissverständlich Soundgarden in seinen unheilvollen Klängen: ›Bones Of Birds‹ und ›Black Saturday‹ (mit dissonanten Bläserparts) sind unablässige Abwärtsspiralen, in voller Schönheit zum Ausdruck gebracht. Das bereits erwähnte ›Been Away Too Long‹ und ›Non-State Actor‹ wiederum haben die rohe Energie, die es ihnen erlaubt, den Grundstein ihrer brachialen Heavy Metal-Vergangenheit auszugraben. Man fühlt sofort, dass sie zu lange weg waren, aber auch, dass sie uns eigentlich nie verlassen haben. Es zeichnet sie aus als eine der beständigsten und einfallsreichsten Gruppen, die es durch das Dickicht überhypeter Bands geschafft haben, die Ende der 80er aus dem Nordwesten der USA aufkamen.

Es war Cornell, der schließlich Seattle verließ, um nach Los Angeles zu ziehen, für eine neue Band und eine neue Familie. Die anderen drei leben immer noch in der Stadt oder ihrer Nähe. Es schien klar, dass sie alle zurückkehren würden, um zu schreiben und aufzunehmen, stückweise, wie es sich dann herausstellen sollte. Aber war es schwer für den Sänger, zurückzukehren, oder fühlte es sich so vertraut an, wie sich das Treffen mit seiner alten Band zunächst tat?

„Es gibt Dinge dabei, dort zu leben oder nicht dort zu leben“, sagt Cornell über seine alte Heimatstadt. „Wenn ich dort bin, bin ich für Soundgarden dort, und das hilft, mich zu konzentrieren. Und es gibt eine weitere Zutat, die beim Schreiben hilft, und das ist eins dieser Dinge, aber Seattle hat eine gewisse Stimmung, die manchmal dabei hilft, Soundgarden-Musik zu machen. Ein bisschen Zeit dort zu verbringen, auch wenn ich nur zum Proben oder Schreiben kam und dann wieder zurückführ, reichte aus, um wieder eine Verbindung zu finden zu dieser Stimmung, was auch immer sie sein mag. Der Himmel hängt sehr tief dort. Mein Schwager ist Drehbuchautor, und er kam einmal mit, als ich probte. Er saß in unserer Wohnung und schrieb ein paar Tage, und es war diese Jahreszeit, in der die Wolken dir auf den Kopf drücken und die Sonne nie wirklich rauskommt. Es war schwer für ihn, irgendwas auf die Reihe zu kriegen.“

Wenn man die anderen Soundgarden-Mitglieder fragt, wie ihre Freunde und Familien auf die Nachricht von der Reunion reagierten, ist die Antwort ziemlich einhellige Freude. Matt Camerons Frau zeigt sich besorgt darüber, wieviel er nun auf Tour sein werde, wo er bei zwei Vollzeitbands war, aber generell überwog das Gefühl, dass es eine positive Entwicklung sei. Die einzigen warnenden Töne kamen von denen, die Cornell am nächsten stehen, genauso wie von ihm selbst. Cornell hatte schon mit zwölf angefangen, Drogen zu nehmen und zu trinken, und ging schließlich 2002 in den Entzug. Eine der größten Veränderungen seit der Reunion letztes Jahr sei das Fehlen von Alkohol. „Wir haben uns nicht wirklich darüber unterhalten, aber es stehen keine Bierflaschen oder Jack Daniel‘s mehr rum… sie sind einfach weg.“

Man kann die Zurückhaltung seiner Freunde und Familie verstehen. In den Straßen von Seattle richtete Cornell sich fast zu Grunde, betrunken und süchtig zog umher, mit den ständigen Begleitern Depression und Selbsthass auf seinen Schultern.

„Ich denke, es gab einen gewissen Grad von Sorge, in erster Linie wegen des schlimmen Geistes- und körperlichen Zustands, in dem ich damals weggegangen war“, sagt Cornell mit einem überraschend lautem Lachen. „Es ging mir richtig schlecht, geistig, körperlich und emotional. Mein Verhalten war eine einzige Nullsumme. Und das liegt zum Teil am Ort selbst. Werde ich an die Dinge erinnert, die auf dem Teil meines Lebens basieren, der so unglücklich und schlecht war? Darum machten sie sich Sorgen, und das war berechtigt, denn es war nicht leicht gewesen. Es gab Momente, in denen ich da saß und die Geister der Vergangenheit spürte, und ich will nicht damit konfrontiert oder daran erinnert werden. Wenn es an jeder einzelnen Ecke jeder Straße, auf der du fährst, eine Erinnerung gibt, und viele davon, ist das nicht gut, und das ist eine Herausforderung. Also ja, es gab Zweifel und Sorgen diesbezüglich, aber auch jede Menge Unterstützung.“

Soundgarden begleitete die Mitglieder durch ihre Zwanziger in ihre später Dreißiger. Es ist keine Übertreibung, zu sagen, die Band habe ihre Leben geformt. Sie waren junge Männer, als sie Lieder wie ›Beyond The Wheel‹, ›Ugly Truth‹ und ›Get On The Snake‹ schrieben und aufnahmen. Als sie wieder anfingen, zusammen aufzutreten, füllten sie ihr Set mit viel Material aus den 80ern. War es schwer, so weit zurückzugreifen und diese verwegene Energie dieser vier jungen Männer wiederzuerwachen?

„Das musste seltsam werden, wie wir alle versuchten, wieder den Weg zu diesem Ort zurückzufinden, als die Band noch so jung war“, sagt Cameron. „Jugend ist ein großer Teil der Gleichung für gute Rockmusik; sie muss einfach diese Energie haben. Wir werden heute keinen Song wie ›Full On Kevin‘s Mom‹ [von LOUDER THAN LOVE, 1989] mehr schreiben. Es wird sich komisch anfühlen, diese Lieder jetzt zu spielen, sie sind so jugendlich, aber es macht großen Spaß, es zu versuchen, wieder dahin zurückzukehren und sich daran zu erinnern.“

„Wir sind in fast jedem Sinn gewachsen und haben uns verändert“, sagt Thayil. „In vielerlei Hinsicht sind wir andere Menschen. Wir befinden uns gesellschaftlich und kulturell in anderen Teilen unseres Lebens, und es wird anders sein, ein Lied wie ›Hunted Down‹ zu hören. Ich war 26, als wir das machten; das wird ein anderes Licht werfen und andere Gefühle und Bilder heraufbeschwören, jetzt wo ich 50 bin. Ich würde sagen, ich habe es damals stärker gespielt als jetzt, weil ich es damals anders verstand. Ich mag es immer noch, aber auf andere Art und Weise. Aber nimm ›Ugly Truth‹: Ich habe diesen Song immer sehr gemocht. Das tue ich immer noch, und sehr intensiv. Aber es ist völlig anders. Ich finde, ich spiele dieses Lied heute viel besser als damals, weil ich es heute anders verstehe.“

„Nach so langer Zeit, in der wir kein Soundgarden-Album gemacht haben, war ich richtig scharf drauf, wieder reinzugehen, zu versuchen, es besser als früher zu machen, und diese Herausforderung wieder anzunehmen“, sagt Cornell. „Das ist ein aufregendes Pro-blem, rauszugehen und wieder diese Typen zu sein. Aber wir haben es immer richtig gemacht und wir waren immer echt und ehrlich. Ich glaube nicht, dass ich mir je 100 % sicher war, dass wir wieder zusammenkommen würden – da war immer mehr Druck, als es mir lieb war, es gab immer dieses große Fragezeichen. Aber jetzt sind wir hier und wir haben endlich die Antwort.“

 

Somke & Jackal – Kleine Freuden unter Freunden

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Das Leben ist hart. Vor allem, wenn man Mitte 20 ist und nichts lieber tut, als vor großen Menschenmassen zu spielen, mit seinen besten Kumpels zu feiern und reihenweise Bräute flachzulegen. Ein Lifestyle, an den sich Jared Followill in den letzten Jahren derart gewöhnt hat, dass er gar nicht mehr ohne kann. Doch weil sich die Kings Of Leon, deren Bassist er ist, gerade eine wohlverdiente Pause gönnen, um Kinder in die Welt zu setzen, Häuser zu bauen und den heimischen Weinkeller aufzustocken, fühlt sich der Benjamin der Band regelrecht ausgebremst. „Ich wusste monatelang nicht, was ich mit mir anfangen sollte. Was dann darin gipfelte, dass ich jeden Abend in irgendwelchen Bars in Nashville gefeiert habe.“

Sein favorisierter Saufkumpan: Nick Brown, Sänger der vergleichsweise erfolglosen Mona. Mit ihm stellte er – „nach ein paar Flaschen Sauvignon Blanc“ – ein Spaßprojekt namens Smoke & Jackal auf die Beine, das nun seine erste Veröffentlichung unter dem vielsagenden Titel EP1 vorlegt. Inhalt: ein halbes Dutzend Lo-Fi-Rock-Traktate in der Schnittmenge zwischen Beach House, Magnetic Fields, The Cure und Joy Division, die nach langen Nächten im Kellerstudio schmecken – bei bewusstseinserweiternden Rauchwaren und jeder Menge Männerschweiß. „Es war definitiv gesünder und kreativer, als ständig vor die Tür zu gehen“, so Jared. Selbst, wenn seine Brüder das Ergebnis wenig schmeichelhaft als „weird pussy shit“ bezeichnen. „Das waren Calebs Worte. Was eigentlich als Kompliment gemeint war. Nach dem Motto: Die Weiber werden darauf abfahren.“ Und tatsächlich: Jared ist seit neuestem mit dem US-Model Martha Patterson liiert, die – entgegen anders lautenden Gerüchten – aber nicht das Cover der Singleauskopplung ›No Tell‹ ziert. „Das ist ein anderes Model“, erklärt Jared. „Oder glaubt ihr, ich würde der ganzen Welt die Titten meines Mädels zeigen? Die gehören allein mir!“ Ein Anspruch, den er 2013 mit dem Gang vor den Altar unterstreichen will – ehe die Kings Of Leon im Sommer mit einer Welttournee und einem neuen Album aufwarten. „Momentan sind wir dabei, verschiedene Producer auszuprobieren. Und ich kann es kaum erwarten, endlich loszulegen. Die neuen Songs sind der absolute Hammer.“ Womit die Halbwertzeit von Smoke & Jackal allerdings mit einem großen Fragezeichen versehen sein dürfte. Sprich: Es wird vorerst weder ein Album noch Live-Termine geben. „Wir setzen das fort, sobald wir Zeit dafür haben. Versprochen.“ Wir nehmen ihn beim Wort…“

 

Allah-Las: Kalifornien für Fortgeschrittene.

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Vom Plattenladen auf die Bühnen dieser Welt.

Dicke Luft im Kleinbus. „Die zwei langsamen Bandmitglieder gemeinsam in ein Zimmer zu stecken, war keine gute Idee,“ murrt Miles Michaud, Sänger der Allah-Las. „Zur Strafe gibt’s auf der Rückfahrt Musik, die Pedrum hasst!“ feixt Spencer Dunham, Bass. Wenige Minuten später sind die Nachzügler da, es geht mit Gitarrist Pedrum Siadation und Drummer Matt Correia an Bord vom Münchner Hotel zurück zum Atomic Café.

„Was willst du jetzt auf gar keinen Fall hören, Pedrum?“ fragt Spencer also, der den Bus-Ipod bedient. Der aber riecht den Braten und verlautbart grinsend: „Oh, bloß kein ›Under My Thumb‹!“ Was tue ich im Van der vier Kalifornier? Es lief alles etwas chaotisch heute. Das ursprünglich im Club geplante Interview wurde kurzfristig ins Hotel verlegt. Dort angekommen zeigt sich: Will die Band noch einen Mini-Soundcheck nutzen, bevor sich die Türen fürs ausverkaufte Nick Waterhouse-Konzert öffnen, den die Allah-Las heute supporten, muss das Gespräch noch mal hinten angestellt werden. Also zurück zum Club.

Kein Problem. Sogar lustig. Schon im Bus kriegt man einen guten Eindruck, was dieses Quartett ausmacht. Über die Sessel verteilen sich vier in-jokes austauschende, sympathische Musiknerds. Auch der Soundtrack auf den kurzen Trips ist bezeichnend: Es laufen die ghanaische 70s-Highlife-Band Vis-vis, das Nordpazifik-Duo Donnie & Joe Emerson und The Leopards, eine 80s-Band aus Kansas, die das Erbe der Kinks auf die Spitze treibt. Erstens ist dies alles absoluter Kennerkram – kein Wunder, alle vier Allah-Las arbeiteten in LAs Platten-Mekka Amoeba Records. Zweitens ist das alles Musik, die man in den 60s einordnen würde, die aber nicht in dem Jahrzehnt entstand.Und damit sind wir bei den Allah-Las, denn auch ihr hochgelobtes, gleichnamiges Debüt wird gerne in die 60s-Schublade gesteckt. Gegen ihren Willen. „Wir nutzen Aufnahmetechnik aus den 60s, okay. Aber unsere Songs hätten in jeder Ära geschrieben werden können,“ findet Matt, als backstage endlich das Aufnahmegerät läuft. Pedrum führt aus: „Wir wollen nicht nach einer spezifischen Ära klingen, sondern zeitlos.“. Das frühe Video ›Tell Me‹, in dem die Band sich in 60s-Anzügen präsentiert, hätte Miles im Nachhinein daher lieber nie gedreht. „Eine Parodie. Nur, das peilt niemand. Alle denken jetzt, wir legen Wert auf das Retro-Ding.“

 

Shakra – Auf Höhenflug im Alpenland

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In ihrer Heimat Schweiz werden Shakra schon seit Jahren wie echte Superstars gehandelt: Wo immer die Band in ihrem Land auftritt, sind die Clubs prallgefüllt und die Gazetten voll des Lobes. Ihre Alben schießen regelmäßig hoch in die Charts, die 2011er Veröffentlichung BACK ON TRACK schaffte es sogar bis auf Rang 2 der Verkaufsauswertungen. Zahlen und Positionen, mit denen zwischen Basel, Zürich, Genf und Lugano ansonsten nur Gotthard verwöhnt werden. Für Shakra-Gitarrist Thomas Muster (nein, nicht der ehemalige Tennisprofi) liegen die Grundlagen für den flächendeckenden Boom seiner Band allerdings viele Jahre zurück: „Wir haben für unseren Erfolg hier in der Schweiz halt sehr viel investiert. Zu Beginn vor fast 20 Jahren haben wir in nahezu jeder Kneipe gespielt und immer den Kontakt zu unseren Fans gepflegt. Das hat sich Stück für Stück ausgezahlt.“

Fleißig sind die traditionellen Hardrocker aus dem Alpenland in der Tat auch heute noch. Vor allem Muster sorgt dafür, dass seiner Gruppe nie die Ideen ausgehen: „Ich schreibe ständig Songs, oft rund um die Uhr, wochen- und sogar monatelang. Neben vielen Abfall-Tracks sind dann glücklicherweise jeweils auch ein paar wirkliche Perlen dabei.“

Diese Perlen haben Shakra nun auf ihrem neuesten Album POWERPLAY veröffentlicht und blicken dementsprechend zuversichtlich in die Zukunft. „Wir gehen immer mit dem Vorsatz an ein neues Album, das möglichst Beste zu schreiben. Wo genau sich das Album tatsächlich einordnen lässt, kann man erst in ein paar Monaten wirklich sagen. Im Moment fehlt einfach noch der Abstand dazu. Aber eines ist sicher: Songs wie ›The Mask‹, ›Dream Of Mankind‹ oder auch ›Too Good To Be True‹ würde ich schon als etwas vom Allerbesten einstufen, was wir je gemacht haben.“

Durchaus möglich, dass es im Gerangel mit den Platzhirschen Gotthard um die Pole Position am Schweizer Rockmarkt zu einer Wachablösung kommen könnte. Zumal Gotthard nach dem Unfalltod ihres Frontmannes Steve Lee zurzeit mit Nachfolger Nic Maeder um die Fortsetzung ihrer Führungsrolle kämpfen. Doch Muster beurteilt den tragischen Vorfall natürlich nicht unter marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten, sondern rein kollegial: „Wir waren gerade mit den Gesangsaufnahmen für BACK ON TRACK beschäftigt, als uns die Nachricht erreichte. Es wird dir in so einem Fall wieder schmerzlich bewusst, wie schnell sich im Leben alles von einem Moment auf den anderen brutal verändern kann. Ich bin froh, dass die Gotthard-Jungs einen Weg gefunden haben, ihren Traum weiter zu leben.“

 

Mammoth Mammoth

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Einfach nur fett. Vier Australier machen ihrem Namen alle Ehre.

AC/DC, Airbourne… mit diesen zwei As muss sich wohl jede Band vergleichen lassen, die vom Koala-Kontinent stammt und mit Schmackes in die Saiten haut. Mammoth Mammoth jedoch haben noch viel mehr vor, als den klassischen „Pub Rock“ in die weltweiten Charts zu führen. Was sie mit einer ordentlichen Kampfansage gleich mal doppelt unterstreichen. Ihr Name schürt schon die Erwartungen, dass uns auf VOL. 3 – HELL‘S LIKELY monumentaler Sound erwartet, auf ihrem MySpace-Profil (ja, sowas gibt‘s noch) reißen sie dann so richtig weit die Klappe auf: „We are the hairiest and loudest band in the world. We slay riffs like Rod Stewart slays pussy. Our music murders unicorns. We are the exact opposite of gay. We are bigger than Jesus. And louder than hell.“

Klare Ansage also, doch das mit dem Augenzwinkern hat man down under ja auch schon immer ganz gut beherrscht. Dabei ist der vollmundige Auftritt des Quartetts durchaus kein überhobenes Wunschdenken – diese Kerle blasen tatsächlich so ziemlich alles in die Hecke, was sich ihnen in den Weg stellt. Radiofreundliches Balladenfutter? Fehlanzeige! Nette Midtempo-Mitwipper, um auch die Ü-40-Hörer nicht zu vergraulen? Nie im Leben! Mam­moth Mammoth kennen nur Vollgas, verbinden seismische Rumpelwucht à la Motörhead mit viel Schweiß und punkigem Rotz – ohne dabei die Killermelodien zu vergessen. Diese Dickhäuter könnten den ganz großen Siegeszug um den Globus antreten.

 

The Black Explosions – Mit neuer Band wird alles gut

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Aus Schweden bekommen wir seit Oktober gewohnte Klänge von einer neuen Band geliefert. Gänzlich unbekannt sind uns die Psychedellic-Retro-Rocker von The Black Explosion jedoch nicht. SERVITORS OF THE OUTER GODS, wie ihr Debüt-Langspieler heißt, ist nämlich ein Wiedersehen mit dem ehemaligen Dollhouse-Frontmann Chris Winter. Im Interview mit CLASSIC ROCK berichtet er von seiner neuen Band und der damit einhergehenden musikalischen Freiheit.

„Für mich schlägt dieses Album eine Brücke zwischen meiner alten und meiner neuen Band“, erklärt Winter. Während es zwischen den Mitgliedern von Dollhouse immer weniger stimmen wollte, widmete er sich damals immer intensiver seinen eigenen Songs. Allerdings war The Black Explosion nicht immer als vollwertige Band geplant. „Irgendwie fing das alles als eine Art lockeres Solo-Projekt an. Ginger Love, Andreas Lindquist und ich trafen uns noch zu Dollhouse-Zeiten, um ein wenig zu jammen“, so der Gitarrist und Sänger. Als sich seine Band dann endgültig auflöste, bot sich Chris die Gelegenheit, etwas ganz neues zu starten und aus früheren Fehlern zu lernen: „Während Dollhouse oft Lieder schnell und gehetzt fertig machten, weil in Kürze Konzerte geplant waren, stehen jetzt die Songs an erster Stelle. Ich hasse diesen Stress. Wenn ich Musik schreibe, muss alles perfekt sein. Außerdem wollte ich mit The Black Explosion heavier werden. Jetzt ist die Zeit gekommen, um psychedelische und experimentelle Nummern zu schreiben.“ Doch nicht nur künstlerisch hat sich einiges für Winter geändert. Er hat nun auch einen Weg gefunden, seinen Alltag als Berufsmusiker entspannter zu meistern. „Ich stehe jetzt viel weniger unter Zugzwang. Früher ging es darum, irgendwie von der Musik leben zu können. Jetzt arbeite ich nebenberuflich in einem Gartencenter, was ein cooler Job ist. So habe ich genug Zeit für die Musik und muss nicht unter diesem Druck leiden“, berichtet Chris Winter hoch zufrieden.

Dermaßen motiviert ist Winters Blick ganz klar in Richtung Zukunft gewandt. Und wenn sich auch seit den Aufnahmen zum Erstlingswerks nochmal einiges an der Bandbesetzung geändert habe (Joel Bergström ist nun der Mann an der zusätzlichen zweiten Gitarre und Simon Haraldson der neue Bassist bei The Black Explosion), eine erneute Bandauflösung fürchte er nicht; ganz im Gegenteil: „Im Frühjahr wollen wir auf Tour gehen und auch nach Deutschland kommen. Danach werden wir dann wohl unser nächstes Album aufnehmen. Das Material dafür ist auch schon beinahe fertig.“

 

Das letzte Wort: Myles Kennedy

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Myles Kennedy über verschwiegene Tourneen, klingelnde Ohren und das Glück dieser Erde

Einem Jungen, der seine frühe Kindheit in Idaho verbrachte und später auf einem Bauernhof in Spokane, Washington aufwuchs, möchte man nicht das Leben zutrauen, das Myles Kennedy bislang gelebt hat. Ohne ein Rockstar im herkömmlichen Sinne zu sein, arbeitet der bescheidene Sänger und Gitarrist mit wahren Legenden der Rockgeschichte. Velvet Revolver und Led Zeppelin waren an seinen Gesangskünsten interessiert, doch er lehnte dankend ab. Neben seiner Band Alter Bridge schenkt er Slash und seinen Conspirators seine Stimme. Hier erklärt er, warum ein Interview mit CLASSIC ROCK vor seiner Show in Bamberg nicht möglich war, und zeigt sich dabei von seiner ganz bescheidenen Seite.

Für einen Rockstar scheinst du ein ziemlich normaler Typ zu sein. Warst du schon immer so bodenständig?
Nun, meine Eltern haben mir einen gewissen Weg aufgezeigt und ich versuchte immer, mein Leben danach zu richten. Ich fühle mich wohl damit, so normal wie möglich zu sein und dankbar für das zu sein, was ich habe.

Ist es denn so einfach, den Versuchungen des Rock‘n‘Roll zu widerstehen? In dem Song ›Not For Me‹ auf dem neuen Slash-Album APOCALYPTIC LOVE entsagst du ja diesem Lifestyle.
In der Vergangenheit lernte ich aus Entscheidungen, die, sagen wir mal, nicht die gesündesten für mich waren. Wenn du erst mal derartige Schläge einstecken musstest, hast du nicht wirklich das Bedürfnis, so etwas zu wiederholen. Es ist einfach kein Spaß. Diese Erfahrung hat es mir schon leichter gemacht, mich davon fernzuhalten.

Wie fühlt sich ein Typ, der auf einer Farm aufwächst, nach Hollywood zieht und dann plötzlich der Lead-Sänger von Slash ist?
(lacht) Das ist schon interessant. Ich sehe mich selbst nicht als Rockstar, sondern als Berufsmusiker. Ich glaube, dass mir diese Sicht der Dinge geholfen hat. Vom Land zu kommen und dann in den Trubel einer weit entfernten Stadt wie Los Angeles oder New York zu ziehen, war am Anfang schon ein Schock. Als ich in den 90ern als junger Künstler zum ersten Mal nach L.A. kam, war ich von der Größe der Szene überwältigt. Da gibt es diesen Stevie Wonder-Song namens ›Living For The City‹. Er ist mein absoluter Liebling. Darin erzählt die Hauptfigur – ein unschuldiger Kerl vom Land –, wie sie in die große Stadt kommt. Ich hatte diesen Song immer in meinem Kopf, als ich in gefährliche Situationen kam oder vor ihnen gewarnt wurde.

Hast du Angst vor dem Tod? Immerhin handeln viele deiner Texte davon.
Ich weiß nicht, ob ich mich wirklich vor dem Sterben fürchte. Aber ich bin mir sicher, dass ich es liebe, zu leben. Ich habe ein unglaublich wundervolles Leben. Ich darf tun, was ich liebe. Ich spiele Musik für andere Menschen und bin mit einem fantastischen Mädchen verheiratet. Ich könnte mir nicht mehr wünschen. Die Tatsache, dass das alles enden wird, ist einfach ätzend.

Was würdest du tun, wenn du eine Sache in den USA ändert könntest?
Ich wünschte, Rock‘n‘Roll hätte einen höheren Stellenwert. Klar gibt es hier auch einige Die-hard-Fans, aber sie sind hier nicht so konzentriert wie in Europa oder Südamerika. Früher war das anders. Na ja, das würde ich ändern. Sicher haben wir auch einen Haufen anderer Probleme. Die USA sind eine noch recht junge Nation, in der noch so einiges nicht richtig läuft.

Stimmt es, dass du am Tag einer Show möglichst vermeidest, zu sprechen?
Ja, das tue ich! Deshalb ist es so toll, dass ich gerade zu Hause bin. Jetzt kann ich mich mit dir unterhalten, über Musik reden und Spaß daran haben. Wenn ich auf Tour bin, rede ich sogar an freien Tagen sehr wenig, um meine Stimme für die Shows zu schonen. Darum geht es. Die Leute kommen zu unseren Konzerten und ich will sie glücklich machen. Also muss ich die Songs so singen, wie sie sie hören wollen.

Sind deine Mitmusiker bei Alter Bridge und Slash eher Arbeitskollegen oder Freunde?
Sie sind meine Freunde. Wenn man lange genug zusammen auf Tour war, erreicht man ein familiäres Level. Aus den vielen gemeinsamen Erfahrungen – gut und schlecht – entwickelt sich eine Art Brüderschaft und Kameradschaft. Nur in einer Band baut man eine solche Art von Beziehung auf.

Wie fühlt es sich an, dass einer dieser engen Freunde Slash ist?
Ha…das ist ziemlich cool! Es ist cool, weil er so ein großartiger Kerl ist. Er ist sehr bodenständig, witzig und clever. Das ist viel wichtiger als die Tatsache, dass die Leute ihn als Ikone bewundern. Mit ihm Musik machen zu dürfen, ist wirklich fantastisch. Nicht nur mit Slash, auch mit den Jungs bei Alter Bridge zu spielen, ist sehr gesund für uns alle. Da gibt es keinerlei Drama.

Ist Marc Tremonti von Alter Bridge nicht neidisch auf Slash?
Ganz im Gegenteil. Er unterstützt meine Zusammenarbeit mit ihm. Als wir mit ›You‘re A Lie‹ auf Platz eins charteten, gratulierte er mir sofort. Ich bin auch mehr als stolz auf Marcs Soloalbum, die Platte ist unfassbar gut. Dieser Kerl ist so talentiert. Er ist nicht nur ein guter Gitarrist und Songwriter. Jetzt können die Leute ihn auch singen hören. Wir gönnen einander nur das Beste.

Wie war es für dich, als bei dir Tinnitus diagnostiziert wurde und deine Karriere damit auf Messers Schneide stand?
Das war die Hölle. Ich wäre beinahe ausgerastet. Als mir klar wurde, dass ich das Klingeln für den Rest meines Lebens hören würde, hat mich das hart getroffen. Jetzt lebe ich aber schon über zehn Jahre damit und mit der Zeit wurde das Geräusch normal für mich. Jetzt geht es nur darum, es nicht schlimmer werden zu lassen. Mit all der neuen Technik, die ich verwende, funktioniert das ganz gut. Ich habe die Lautstärke meiner InEar-Monitore nur minimal aufgedreht.

Wo wärst du heute, wenn deine Karriere als Musiker damals ein Ende genommen hätte?
Oh, das ist eine schwierige Frage. Ich vermute, ich wäre nicht der glückliche Mensch, der ich jetzt bin. Ich hätte wohl wieder als Gitarrenlehrer angefangen. Aber ohne den Nervenkitzel, auf die Bühne zu gehen, Musik zu schreiben und Platten zu machen, wäre mein Leben sicherlich grundlegend anders.

 

Creature with the Atom Brain

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Die geheimen Stars des “Stoner Rock”

Naja, eigentlich wollen sie nicht in diese musikalische Schublade gesteckt werden und ja, diese Bezeichnung trifft auch nicht wirklich zu. Jedoch ist man durchaus geneigt, die vier Belgier von Creature With The Atom Brain als Wüstenrocker zu titulieren. Das liegt an den illustresten Kreisen, in denen sich Frontmann Aldo Struyf und seine Kollegen bewegen: Welcher mitteuropäische Musiker kann schon Stars wie Josh Hommie, Mark Lanegan oder Alain Johannes zu seinen engen Freunden zählen?

Letzterer hat dann auch das neue Creature-Album THE BIRDS FLY HIGH gemischt und Mark Lanegan hat wie bei jedem Langspieler auf einen Song (›Black Rider Run‹) seine Gesangskünste beigsteuert. Damit aber nicht genug, auch Millionaire-Sänger Tim Vanhalen ist auf dem dritten Album zu hören. „Nun das ist schon toll mit ihnen befreundet zu sein. Nicht weil sie Stars sind, sondern weil sie gut sind. Und deshalb dürfen sie auch sehr gerne auf meinem Album spielen. Übrigens, berühmte Leute sind auch nicht anders als ‚normale‘ Menschen“, scherzt Aldo über seine bekannten Bekannten.

Mit der Hilfe dieser und zahlreicher anderer Freunde ist eine Platte entstanden, auf die sich nicht nur Struyf sehr stolz zeigt. Im offiziellen Pressetext wird THE BIRDS FLY HIGH als bislang bestes Album der Band angepriesen. „Wirklich? Ich wusste gar nicht, dass das so drin steht“, meint Aldo lachend. „Oft behauptet man das einfach, aber diesmal stimmt es, weil wir uns weiterentwickelt haben. Wir haben jetzt einen ganz eigenen Stil, den man nicht mehr so leicht mit anderen Bands vergleichen kann.Ich wollte alle Einflüsse, die in meiner Plattensammlung zu finden sind, hörbar machen. Deshalb haben wir jetzt auch Bläser, Percussions und Orgeln auf den Aufnahmen“, erklärt Aldo.

Derzeit befinden sich Creature With The Atom Brain als Support der Mark Lanegan Band auf Tour. Das bedeutet für Craeture With The Atom Brain jeden Abend doppelten Einsatz, sie alle spielen nebenher auch bei Lanegan. Als Headliner werden wir die Atom-Hirn-Kreaturen auch bald zu sehen bekommen. „.Wir freuen uns schon, länger als eine halbe Stunde spielen und unsere neuen Songs auf die Bühne bringen zu können. Sie sind viel positiver als unsere früheren Nummern. Ihr könnt euch also auf eine echte Partyeinstellen“, verspricht Struyf.