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Wolvespirit: Gesamtkunstwerk

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Wolvespirit

 

Die Retro-Rocker aus Würzburg präsentieren ihr Debüt

Die Rockmusik der sechziger und siebziger Jahre hat eine neue Heimat gefunden. Nämlich die schöne, kleine, idyllische, bayerische Stadt Würzburg. Dort leben und arbeiten WolveSpirit. In den 60ern und 70ern füllte die Musik für viele Bands einen Großteil des alltäglichen Lebens aus. Bands schrieben nicht nur zusammen Songs oder musizierten in großer Runde. Sie wohnten und lebten auch zusammen wie eine kleine musikalische Familie. Dieses von der Kunst geprägte Leben haben auch WolveSpirit verinnerlicht. Wie ihre großen Rockvorbilder leben Sängerin Debbie, Gitarrist Rio, Bassist Andy, Organist Oliver und Schlagzeuger Yannik zusammen mit anderen Künstlern und Designern in einer Art „kreativen Kommune“.

Kennen gelernt haben sich die Musiker bei einer Jamsession im Jahr 2009. Rio und sein Bruder Oliver trafen dort auf Debbie. Was dann geschah, beschreiben die drei mit einem einfachen Wort: Magie. Rio und Oliver begannen, einige gemeinsam erdachte Passagen zu spielen, und Debbie sang mit ihrer rauen Rockstimme spontan dazu. Schnell war ihnen allen klar, dass Debbies Stimme perfekt mit ihren Kompositionen harmoniert. Ein paar Treffen und Proben später waren WolveSpirit geboren.

In ihrer Band-WG fingen sie schnell an, gemeinsam Songs zu komponieren. Ende letzten Jahres erschien schließlich ihre EP BLOWIN UP mit vier Songs, die sie von November 2011 bis August 2012 zusammen entwickelt hatten. Nun folgt endlich ihr Albumdebüt ­DREAMCATCHER, für das die Band weitere sechs Songs einspielte. In ihrer Musik fangen sie den Rock der sechziger und siebziger Jahre perfekt ein. Es scheint fast so, als hätten die fünf Musiker eine Zeitreise unternommen und lebten in Wahrheit wirklich vor mehr als 50 Jahren. Wolve­Spirit sind Künstler durch und durch, die Band ein Gesamtkunstwerk, und auch das Artwork stammt konsequenterweise aus ihrer Hand. Alle Zeichnungen und das Logo der Band wurden von Sängerin Debbie entworfen und umgesetzt. Ihr Leben ist Kunst und das zeigen sie auf DREAMCATCHER sehr eindrucksvoll!

Werkschau: Rick Rubin

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masters

 

Wie König Midas verwandelt dieser Produzent (fast) alles, was er berührt, in Gold. Sein Lebenslauf – von Slayer bis Johnny Cash – beinhaltet einige der größten Meisterwerke des Rock der letzten 30 Jahre.

Man kann Rick Rubins Einfluss auf die Musik unserer Zeit eigentlich gar nicht übertreiben. MTV bezeichnete ihn einst als „den wichtigsten Produzenten der letzten 20 Jahre“, eine Umfrage des „Time“-Magazins führte ihn 2007 unter den 100 einflussreichsten Menschen der Welt.

Seit er 1984 mit Russell Simmons Def Jam Records gründete, hat Rubin die Entwicklung von Rap und Metal entscheidend mitgeprägt. Er ist auch bekannt für seine Gabe, jene Eigenschaften, die Künstler einzigartig machen, zu isolieren und herauszuheben. Das berühmteste Beispiel dafür ist wohl seine langjährige Zusammenarbeit mit Johnny Cash ab den 90ern, die zu einigen der besten Alben in der Karriere der Country-Ikone führte.
„Ich weiß nicht, was jemanden hip macht“, sagte Rubin einst. „Das Ziel ist es, das Beste aus einem Künstler heraus zu holen, ohne Grenzen.“ Diese Herangehensweise hat zu einer schwindelerregenden Anzahl von Projekten geführt, die sowohl mit ihrer Qualität als auch ihrer Vielfalt beeindrucken. Mit bald 200 Alben in seinem Lebenslauf hat der siebenfache Grammy-Gewinner Werke von den Red Hot Chili Peppers, Metallica, den Beastie Boys, ­Slayer, Tom Petty, Rage Against The Machine, AC/DC, Donovan, Neil Diamond und Adele produziert, um nur einige zu nennen.

Er explodierte erstmals 1986 in den Mainstream, als er sowohl LICENSED TO ILL von den Beastie Boys – ein Album, das die Kolli­sion von weißem Rap und Metal einleitete – als auch RAISING HELL von Run DMC betreute. Letzteres sollte Geschichte schreiben mit dem ersten Crossover-Rap-Hit der USA, als Aerosmith sich den New Yorkern für ein Remake ihres ‘77er Hits ›Walk This Way‹ anschlossen.

1988 verließ Rubin Def Jam und zog nach Los Angeles, wo er Def American Records ins Leben rief. Diesmal lag der Fokus auf Metal. Unter den ersten Acts, die er unter Vertrag nahm, waren Danzig, Masters Of Reality, Wolfsbane und Slayer. Als aus Def American Anfang der 90er American Recordings wurde, war es Rubins erste Aufgabe, die Karriere von Johnny Cash, mittlerweile über 60, wiederzubeleben. Die daraus resultierenden Alben führten ihn erstmals seit 30 Jahren wieder in die Charts.

Heute sitzt Rubin bei Columbia Records mit im Vorstand und ist u.a. in ein neues Metallica-Album und das heiß ersehnte Black-Sabbath-Comeback-Album 13 involviert.Er besteht immer noch darauf, dass sein Job„sehr wenig mit Musik zu tun hat. Es geht mehr um Geschmack, Kultur und Ausgewogenheit.“

Text: Rob Hughes

Unverzichtbar

Slayer
REIGN IN BLOOD
DEF JAM, 1986

Für Slayer, einen der Eckpfeiler der 80s-US-Thrash-Szene, war ihr drittes Album der Beginn einer langen Partnerschaft mit Rubin. Für beide Parteien war es offensichtlich ein Lernprozess. Nachdem er sich im Rap seinen Namen gemacht hatte, räumte er bei seinem ersten Ausflug in den Metal den Sound der Band auf und brachte das Reduzierte des Rap in ihren Vollgaslärm. Das Ergebnis war ein 28-minütiges Meisterwerk ohne jegliches Echo oder Gramm Fett, das eine Brücke zwischen Speed-Metal und Hardcore-Punk baute wie niemand zuvor. Sogar die Band selbst war von dem Resultat erstaunt. „Wow, man kann alles hören!“, stellte Gitarrist Kerry King fest.

Johnny Cash
AMERICAN IV: THE MAN COMES AROUND
AMERICAN RECORDINGS, 2002

Auf dem vierten und besten von Rubins Alben mit Cash coverte die dahinscheidende Country-Legende Stücke von u.a. den Eagles, Ewan MacColl und Depeche Mode. Der Geniestreich war jedoch ›Hurt‹ von Nine Inch Nails, dessen Wirkung noch von einem herzzerreißenden Video verstärkt wurde, das sieben Monate vor seinem Tod gedreht wurde und in dem Cash seine mythische Vergangenheit und zunehmend gebrechliche Gegenwart thematisierte. Die reduzierten Arrangements des Albums heben die spröde Schönheit von Cashs gebrochener Stimme hervor. Das bewegende ›Give My Love To Rose‹ brachte ihm einen Grammy ein.

Wunderbar

Masters Of Reality
MASTERS OF REALITY
DEF AMERICAN, 1989

Das Debütalbum von Chris Goss & Co. gehört zu den weniger oft erwähnten Juwelen der Rubin-Vita. Pumpender Blues traf auf Psychedelik-Elemente, düsteren Doom-Rock und Lieder über öffentliches Hängen, schwarze Spinnen und entfesselten Sex. Die Doors, Zeppelin und Cream fanden ebenfalls ihren Weg in den Sound der Band. ›The Blue Garden‹ näherte sich trippig dem Prog an, während ›Domino‹ und ›The Eyes Of Texas‹ zeigten, dass die Masters sich auch auf heftigere Klänge verstanden.

Red Hot Chili Peppers
BLOOD SUGAR SEX MAGIK
Warner, 1991

Nach dem durchwachsenen MOTHER‘S MILK (1989) waren die Peppers im Umbruch, unsicher, wohin die Reise gehen sollte, und unzufrieden mit EMI. Sie entschieden sich für ein neues Label und einen neuen Produzenten. Rubin transportierte ihren chaotischen Sound in melodischeres Terrain, verband ihre kopulativen Basslinien mit fetten Metal-Riffs und knackigen HipHop-Beats. ›Under The Bridge‹, verfasst über Anthony Kiedis‘ Drogensucht, machte die Band zu Superstars. Das Album hat sich bis heute weltweit über 15 Millionen mal verkauft.

Tom Petty
WILDFLOWERS
Warner, 1994

Eigentlich ein Heartbreakers-Album, doch Petty entschied sich offenbar auf Rubins Anraten dazu, seine Band-Kollegen als Session-Musiker zu deklarieren. Petty war selten besser in Form als hier, der ersten seiner drei Kollaborationen mit dem Produzenten. Rubins fokussierte Bearbeitung dieser Lieder über die unschuldigen Jugendzeiten und Selbstzweifel unterstrich Pettys Stärken: belesener Roots-Rock, aufgeladen mit dem rauen Thrill der Stones und dem Feinsinn der Byrds. ›You Don‘t Know How It Feels‹ war ein Hit, die Pianoballade ›Wake Up Time‹ ist gleichsam denkwürdig.

System Of A Down
TOXICITY
AMERICAN RECORDINGS, 2001

Rubin zügelte die ausgefalleneren Elemente des Debütalbums der Band für diesen belebenden Nachfolger. Ihre Markenzeichen – eckige Riffs, Prog-Rhythmen, dicht gewobene Texte – waren nach wie vor vorhanden, wurden nun aber ausbalanciert von feinem Melodiegespür und einem strukturierteren Ansatz. Stellenweise scheint Serj Tankian von einem Dämonen besessen zu sein, anderswo gibt es Parallelen zu Slayer oder Rage Against The Machine. ›Chop Suey!‹ und das Titelstück enterten die US-Singlecharts, während das Album allein in der ersten Woche 220.000 Käufer fand.

Anhörbar

The Cult
ELECTRIC
BEGGARS BANQUET, 1987

ELECTRIC war nicht nur so tief im Rock der späten 60s und 70s verwurzelt, dass man fast die Räucherstäbchen riechen konnte, es markierte auch den Wandel von The Cult von Indie-Goth-Rockern zu echten Metal-Anwärtern. Das Überra­schendste daran war, dass es so gut funktionierte. Ian Astbury schrie auf ›Li‘l Devil‹, ›Love Removal Machine‹ und ›Aphrodisiac Jacket‹ wie der Bastard-Cousin von Steven Tyler und Jim Morrison und Billy Duffy legte genau die köstlich stupiden Riffs hin, für die man Angus Young verehrt. Obwohl das Album seine Einflüsse so plakativ preisgab, war es ein Riesenspaß.

Danzig
DANZIG
DEF AMERICAN, 1988

Angeblich wies Metallicas Bassist Cliff Burton Rubin einst auf die Qualitäten von Glenn Danzig hin, als dessen ehemalige Band Samhain 1986 in New York spielte. Auf Rubins Anraten änderten sie ihren Namen in Danzig und veröffentlichten ein schroffes Debüt, dessen widerspenstige Mischung aus Blues und Metal vom Brüllen des Frontmanns gekrönt wurde. Auf den folgenden Alben verkamen Danzig zu ihrer eigenen Parodie, doch die Stücke auf diesem Werk sind von unleugbarer Macht, vor allem ›Twist Of Cain‹ (mit James Hetfield als Backing-Sänger) und das grandiose ›Mother‹.

AC/DC
BALLBREAKER
EPIC, 1995

Niemand erwartete, dass Rubin den monolithischen Drive von Australia‘s Finest generalüberholen würde, doch BALLBREAKER trägt unverkennbar seine Spuren. Auf ihrem ersten Album seit fünf Jahren arbeiteten AC/DC mit ihm an einem simplen, minimalistischen Ansatz. Der Groove ist hier König und kanalisiert die Headbang-Riffs der Youngs ins Heavy-Metal-Nirvana. Sehr anspruchsvoll ist das nicht, vor allem wenn die Musik auf Brian Johnson trifft, der dieselbe Textzeile ad nauseam wiederholt. Aber es besteht keinerlei Zweifel an der schieren Urkraft der Songs.

Sonderbar

Wolfsbane
LIVE FAST, DIE FAST
DEF AMERICAN, 1989

Der unumstößliche Beweis dafür, dass Rubins Händchen nicht immer wie das des Midas funk­tioniert. Dieses Debüt der britischen Heavy-Rocker versprach deutlich mehr, als es einlöste. Statt der Uraggression der Band freien Lauf zu lassen, beschloss Rubin, alles in einen formlosen, austauschbaren Brei zu pressen. Nur ›Manhunt‹ und ›Killing Machine‹ behielten die punkige Energie von Wolfsbane bei Vollgas. Auch bei einigen anderen Projekten gelang es Rubin nicht, seine Magie zu versprühen, vor allem Mick Jaggers WANDERING SPIRIT und Kula Shakers Torheit PEASANTS, PIGS & ASTRONAUTS.

Joe Bonamassa – Zu ehrlich für fehlende Ideale

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7-11-2010 Amsterdam, Carre Joe Bonamassa, guitarist. Copyright Paul BergenSeine Band Black Country Communion scheint bereits wieder aufgelöst zu sein. Doch der amerikanische Wundergitarrist hat so viele andere Projekte am Köcheln, dass er der Allstar-Truppe wohl nicht lange nachtrauern wird.

Das Feuer brannte lichterloh. Es schien sogar so, dass es auf unbestimmte Zeit ebenso hell leuchten könnte wie einst der Glamour von Deep Purple oder Led Zeppelin. Doch nach nur drei Studioalben und einer Live-Scheibe/DVD hat sich das Thema Black Country Communion offensichtlich schon wieder erledigt. Bassist und Sänger Glenn Hughes hat vor wenigen Tagen das Aus der Band bekannt gegeben und fast im gleichen Atemzug Joe Bonamassa als den Hauptschuldigen des jähen Endes benannt. Laut Hughes stand der amerikanische Wundergitarrist nicht im abgesprochenen Maße für Tourneen zur Verfügung, außerdem habe er den drei verbliebenen Bandmitgliedern Hughes, Jason Bonham und Derek Sherinian untersagt, ohne ihn den schon jetzt renommierten Bandnamen weiterzuführen. Die Schlammschlacht kann also beginnen. Zumal Bonamassa die Vorwürfe natürlich nicht unkommentiert lässt: „Im Studio hatte ich mit Black Country Communion immer viel Spaß, aber auf den Tourneen war aus meiner Sicht das Engagement für Ego und Reputation größer als das für die Musik und die Fans. So etwas ist falsch und ein Problem, also stand für mich fest, dass ich daran nicht teilnehmen möchte. Ich möchte kein Bestandteil einer solchen Szene sein.“

Dabei hatte es fast wie im Märchen begonnen: Mit Bonamassa, Hughes und Bonham fanden sich der zurzeit beste Bluesrock-Gitarrist, eine der großartigsten Stimmen der Rockmusik und der Sohn des legendären Led Zeppelin-Schlagzeugers Jason Bonham zusammen, ergänzt um den schillernden Ex-Dream-Theater-Keyboarder Derek Sherinian. Eine Allstar-Truppe also, wie sie die Annalen der Rockmusik nur selten gesehen haben. Die Erwartungshaltung der Öffentlichkeit war entsprechend hoch und wurde sogar noch übertroffen: Nicht nur das 2010er Debütalbum war eine überragende Rockscheibe, auch die Nachfolger BLACK COUNTRY COMMUNION 2 (2011) und AFTERGLOW (2012) erwiesen sich als grandiose Werke, auf denen handwerkliche Extraklasse, kompositorische Höchstleistungen und die Magie lebender Rocklegenden zu einem siedend heißen Gebräu verschmolzen. Noch im Sommer 2011 verkündete Hughes stolz, Vater dieser Band zu sein, die Galionsfigur: „Man nennt mich den Anführer. Joe ist mein Partner, um das klarzustellen, und Joe spielt Gitarre in dieser Band, er setzt meine Ideen um. Joe Bonamassa ist mein engster Bruder.“ Bonamassa sieht die Sache heute allerdings etwas differenzierter: „Das Debüt war unsere beste Veröffentlichung, weil alles neu und elektrisierend war, es sind die stärksten Songs darauf. Die zweite Scheibe war gut, vor allem der Sound war besser. Die dritte Scheibe dagegen war ein wenig mühselig, jeder hatte seine ganz eigene Vision, dementsprechend war sie nicht so einheitlich wie die zwei anderen.“

Was genau war schief gelaufen? Ab wann geriet diese mächtige Rockgaleere in Schieflage? Und wer sind die Schuldigen? Bonamassa erklärt die Sache wie folgt, ohne allerdings konkret Namen zu nennen: „Ich habe so viele Musiker auf der Black-Country-Tour getroffen, deren ganzes Leben ausschließlich darauf fokussiert ist, abends auf die Bühne zu gehen. Sie hängen den ganzen Tag im Hotel herum, sind ständig herausgeputzt, gehen herausgeputzt auf die Straße, sie scheinen vergessen zu haben, was eigentlich ihre ursprüngliche Absicht war, nämlich gute Musik zu machen. Ich bin anders, ich bin Musiker, Blues-Gitarrist, der durch ein Geschenk Gottes in der Lage ist, jeden Abend ein paar Tausend Zuschauer in seine Konzerte zu locken. Wenn du mir auf der Straße begegnest, würdest du mich kaum erkennen, weil ich immer noch die gleiche Art Kleidung wie in meiner Jugend trage, also Jeans, Hemd, Pullover. Ich bin Musiker, ich möchte meine Songs spielen.“

Und das macht der Mann weiterhin mit bewundernswertem Fleiß und riesigem Engagement: Ende März hat Bonamassa in London innerhalb einer Woche (!) vier (!!) neue DVDs aufgenommen – in Triobesetzung im 200er-Club Borderline, mit Bläsern im Shepherd‘s Bush Empire vor 2000 Leuten, als fünfköpfige Rockband im Hammersmith Apollo und als Akustikgruppe plus vierköpfige Bluesrock-Besetzung in der Royal Albert Hall. Darüber hinaus war er Teil des Funk-Projekts Rock Candy Funk Party („Ich sehe mich dort wie Tommy Bolin bei Billy Cobham, ich versuche gar nicht erst, mich als Blues-Gitarrist mit Jazz/Fusion-Meistern wie John McLaughlin zu messen, denn dann kann man nur verlieren. Ich sehe mich eher als bluesiger Kontrapart, als Kontrastfarbe“) und hat erneut mit der US-Rocksängerin Beth Hart im Studio gearbeitet. „Die Erfahrungen mit Beth Hart sind grandios. Wir werden in diesem Sommer fünf Shows mit großer Besetzung spielen, also auch mit Bläsern, außerdem haben wir soeben eine richtig starke Scheibe fertiggestellt, ein Killer-Album. Für mich ist Beth Hart der pure Spaß, ich bin Teil einer Band, die von einer fabelhaften Sängerin angeführt wird. Ich bin also einfach nur der Gitarrist in einer großartigen Formation mit einer tollen Stimme, die mir ausgesprochen gut gefällt.“

Bonamassa klingt trotz der unschönen Entwicklung bei Black Country Communion ausgeglichen und voller Vorfreude auf die kommenden Aufgaben, die ihn auch über das Jahr 2013 hinaus als wichtigsten Bluesrock-Gitarristen der Gegenwart auszeichnen werden. Zumal der Mann seine Ideale behalten hat und sich den Luxus leisten kann, ausschließlich seinem Bauchgefühl zu folgen. „Für mich gilt: Wenn ich schon so lange von zu Hause weg muss, dann sollte es eine absolut inspirierende Sache sein. Mit Black Country ist es eine tolle Erfahrung, wenn man zwei oder drei Shows hintereinander spielt und dann jeder erst einmal wieder seine eigenen Wege geht. Denn wenn man sich dann wieder trifft, ist alles neu und aufregend. Aber nach neun Wochen pausenlos unterwegs wird es ziemlich mühsam. Und ich muss nicht Teil einer Mühsal sein. Wenn mich jemand vor die Entscheidung stellt: ,Es gibt zwei Optionen – du kehrst wieder zu deinen Anfängen zurück, spielst vor 200 Leuten und hast deinen Spaß, oder aber du spielst mit Black Country in riesigen Hallen, wobei es etwas mühsam werden wird‘, dann bin ich glücklicherweise in der Position, zu antworten: Okay, ich spiele vor 200 Leuten und habe meinen Spaß. Alles andere wäre unehrlich. Und es wäre nicht fair, das Geld von Fans einzustecken, die merken, dass man keinen Spaß an der Sache hat.“

Matthias Mineur

Neuigkeiten zu: Black Sabbath

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sabbath

Classic Rock durfte vorab in 13, das Comeback-Album der Metal-Legenden, reinhören.
Die bezeichnen es als „Sabbath, aufs Wesentliche reduziert”.

Das Warten hat bald ein Ende. Im Juni erscheint 13, das heiß ersehnte neue Black-Sabbath-Album und das erste mit Sänger Ozzy Osbourne seit NEVER SAY DIE von 1978. Nach all den Jahren stellt sich eine große Frage: Klingt es wie die klassischen Black Sabbath? „Definitiv“, sagt Gitarrist Tony Iommi. „Aber es klingt auch wie Black Sabbath heute.“ „Ich denke, es wird Sabbath-Fans gefallen“, fügt Bassist Geezer Butler hinzu, „und das ist das einzige, was zählt. One-Direction-Fans werden sicher nichts damit anfangen können.“

Classic Rock hat drei Tracks des Albums gehört – ›God Is Dead‹, ›Age Of Reason‹ und ›The End Of The Beginning‹ – und alle stehen in der Tradition der ersten sechs Alben, die die Band in den frühen 70ern aufgenommen hatte. Den Alben also, die zur Blaupause für so viele Heavy-Metal-Bands wurden, die folgen sollten. Doch für Iommi und Butler gibt es am Vorabend des jüngsten Sabbath-Comebacks wichtigere Fragen zu beantworten. Beim Gespräch in einem Londoner Hotel erklären sie, warum der Original-Schlagzeuger Bill Ward gegenwärtig von der Band ausgeschlossen ist. Und an allererster Stelle steht, inwieweit die Zukunftspläne der Band von Iommis fortlaufender Behandlung seines Lymphoms abhängen. Sie erörtern auch die Schlüsselrolle, die Produzent Rick Rubin auf dem neuen Album spielt.

Schon 2001 hatte der mit Sabbath an einem Album gearbeitet, dass jedoch wieder auf Eis gelegt wurde, als Ozzy zu seiner Solokarriere zurückkehrte. Zehn Jahre später nahmen er und die Band (noch mit Ward) die Arbeit an einem neuen Album wieder auf. Rubin versammelte die Band im Studio, spielte ihr erstes Album von 1970 vor und schlug vor, wie man wieder die Musik ihrer Vergangenheit heraufbeschwören könnte. „Rubin wollte, dass wir dieselbe Stimmung wie auf dem ersten Album kreieren“, sagt Iommi, „und es hat funktioniert.“ Zwar wurde nichts aus den Sessions von 2001 auf 13 verwendet, doch der Großteil des Albums basiert auf Riffs, die Iommi über mehrere Jahre angesammelt hatte. „Tony hatte CDs voller Riffs“, so Butler. „Ozzy und ich hörten sie uns an – jeweils alleine – und als wir uns alle trafen, hatten wir beide dieselben Riffs ausgesucht, die auch er verwenden wollte.“

„Das war ein guter Ausgangspunkt“, so Iommi, „statt in einem Zimmer zu sitzen und mit nichts anzufangen. Wenn alle ein bestimmtes Riff mochten, arbeiteten wir daran und machten einen Song daraus. Es war sehr hilfreich, eine Vorstellung davon zu haben, wo wir hin wollten.“ Das erste Stück, das sie Rubin präsentierten, lehnte er allerdings umgehend ab. „Es klang ein bisschen wie Van Halen“, sagt Butler, „ein bisschen 80s. Rubin sagte sofort: ‚Das könnt ihr nicht verwenden.‘ Wir wussten, dass er Recht hatte.“

Anfang 2012 stand die Band vor einem viel größeren Problem, als Ward bekannt gab, dass er sich wegen finanzieller Unstimmigkeiten von Black Sabbath zurückziehen würde. Er behauptete, er habe keinen „unterschriftsreifen Vertrag“ angeboten bekommen. „Ursprünglich wollten wir die kompletten Original-Sabbath“, so Butler, „aber sobald sich Bills Management oder Anwälte oder wer auch immer einmischten, machten sie leider alles zunichte. Wir wollen Bill aber nicht beleidigen, denn wir lieben ihn immer noch.“

Ohne Ward wurden diverse Schlagzeuger als Ersatz in Betracht gezogen. Auf Rubins Anraten engagierten Sabbath Brad Wilke von Rage Against The Machine, der 13 komplett eingespielt hat. „Brad war sehr nervös – er ist ein großer Sabbath-Fan –, aber er hat tolle Arbeit geleistet“, sagt Iommi.

Das Album wurde innerhalb von sechs Wochen in Rubins Shangri-La-Studio in Los Angeles aufgenommen, das einst Bob Dylan gehörte, und es entstand auf die althergebrachte Art und Weise. „Es wurde so ziemlich alles live im Studio eingespielt“, sagt Butler, „Wir spielten live als Band, und Ozzy sang, während wir spielten.“

Das Endergebnis bezeichnet Iommi als „eine aufs Wesentliche reduzierte Version von Sabbath“. Und sowohl er als auch Butler loben Rubin dafür, das Beste aus Ozzy als Sänger herausgeholt zu haben. „Ozzy denkt immer, er muss in dieser hohen Stimme singen“, erklärt Iommi. „Über die Jahre hat er bei seinem Solozeug damit angefangen und ging immer und immer höher. Aber auf dem ersten Sabbath-Album sang er noch in einer tieferen Stimmlage. Wir ermutigten ihn, das wieder zu tun, und Rubin bekräftigte uns darin.“

Butler gibt zu, dass das Gewicht der Bandhistorie bei der Entstehung von 13 durchaus auf ihnen lastete. „Es ist schwer, sich nicht selbst zu parodieren. Darauf mussten wir achten, aber wir haben es hinbekommen.“ Er gesteht auch, sich darüber Sorgen zu machen, wie das Album von Medien und Sabbath-Fans aufgenommen werden wird. „Vielleicht wird es heftig kritisiert, schließlich ist es nach all den Jahren ein neues Album. Wie immer werden es einige Menschen lieben, andere hassen.“

Die größte Sorge bei Sabbath dreht sich aber natürlich um Iommis Gesundheitszustand. Seit einem Jahr unterzieht er sich einer Chemotherapie, bei diesem London-Besuch sieht er dünner und etwas hager aus, obwohl seine Bewegungen keine Gebrechlichkeit erkennen lassen. „Ich fühle mich gut“, sagt er. „Ich werde müde, aber ich wage zu sagen, dass ich mich ziemlich gut fühle.“

Am 20. April begann eine sechswöchige Tour in Auckland, Neuseeland, die auch nach Australien und Japan führen wird. Darüberhinaus steht jedoch noch nichts im Terminkalender. „Leider müssen wir wegen meiner Behandlung etappenweise touren“, so Iommi. „Alle sechs bis sieben Wochen muss ich zur Chemotherapie. Das muss zu bestimmten Zeiten passieren, ich kann nicht mal für zehn Wochen weg oder so. Wir sind mit unserem Plan am Limit.“
Die Situation wird in regelmäßigen Abständen neu geprüft werden. „Wir wollen so viel wie möglich touren“, so Geezer Butler, „aber letztlich hängt es davon ab, ob wir, du weißt schon, am Leben sind. Und in unserem Alter“, lacht er, „gilt das für uns alle.“

3 von 13 – Die erste Hörprobe vom neuen Album

›God Is Dead‹
Der klassische Sabbath-Sound ersteht wieder auf in diesem monolithischen Neun-Minuten-Track, der mit einem langsamen, unheilvollen Gitarrenriff beginnt, wie es nur Tony Iommi spielen kann. Ozzy bietet Geezers Text todernst mit frostiger Autorität dar: „With God and Satan at my side, from darkness will come light.“ („mit Gott und Satan an meiner Seite wird aus Dunkelheit Licht kommen“). Absoluter heavy Scheiß.

›The End Of The Beginning‹
Mit über acht Minuten ein weiteres episches Stück mit einem sinistren Riff am Anfang, das sich langsam wie ein Gletscher bewegt und Echos des definitiven Stücks der Band,
›Black Sabbath‹ selbst, evoziert. Als das Tempo anzieht, erinnert uns ein trippiger Groove daran, dass Sabbath einst den Stoner-Rock ebenso wie den Heavy Metal erfanden.

›Age Of Reason‹
Im Gegensatz zu dem reduzierten Stil, den Rubin bevorzugt, endet dieses Stück in einer pompösen Coda, die an die SABBATH-BLOODY-SABBATH-Ära erinnert. Außerdem: nicht eins, sondern zwei Killer-Riffs und ein Freakout mitten im Song.

Paul Elliott

Joe Satriani – Nicht aufzuhalten

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Joe Satriani

 

Erstaunlich, wie aufregend instrumentaler Rock sein kann – Joe Satriani verzichtet auch auf seinem neuesten Studioalbum UNSTOPPABLE MOMENTUM komplett auf Gesang und fasziniert dennoch auf ganzer Linie!

Eigentlich dürfte es einen Gitarrengott wie Joe Satriani in dieser Form überhaupt nicht geben. Mehr als einmal in den zurückliegenden vier Jahrzehnten wurde die Gitarre für tot erklärt, wurden Saitenhexer wie er, wie Steve Vai, Eddy Van Halen, Yngwie Malm­steen oder – ganz aktuell – Joe Bonamassa als aussterbende Spezies bezeichnet. Vor allem in den 1980ern waren sich Fachleute einig: Synthesizer und Sampler, digitale Technik und modernste Studioaufnahmeverfahren – das alles wird innerhalb kürzester Zeit der handgemachten Musik den Rang ablaufen. Und trotzdem kommt der Amerikaner Joe Satriani anno 2013 mit seinem neuesten Studioalbum UNSTOPPABLE MOMENTUM als Superstar daher und straft all jene Kulturpessimisten Lügen, die immer wieder das nahende Ende von gitarrenlastiger Instrumentalmusik prophezeien. Satriani sieht derlei Prognosen gelassen und kann allen Epochen der Kulturgeschichte positive Seiten abgewinnen: „Jede Zeit hat ihre kreativen Künstler, und natürlich brauchen sie ein Werkzeug, um sich artikulieren zu können. Als die Bildhauer Marmor entdeckten, hatten sie ihr Medium gefunden. Darauf bauen sich Skulpturen auf, die Jahrhunderte überlebt haben. Als Macintosh mit ihrem Grafikcomputer herauskamen, hatten plötzlich völlig andere Menschen ein neues Medium für ihren künstlerischen Ausdruck gefunden. Die Chemical Brothers kreieren ihre Songs mit dem Computer, sie erklärten: ‚Das ist mein Instrument!‘ Es gibt zwar keine Saiten auf einem Computer, aber dennoch kann man damit kreativ sein.“

Satriani ist Pragmatiker, er nimmt die Dinge so, wie sie sich darstellen, und steht auch vermeintlich kulturfeindlichen Neuerungen zunächst einmal offen und interessiert gegenüber. Denn der 56-Jährige weiß aus der Erfahrung seiner seit Ende der Achtziger andauernden Karriere nur zu genau, dass auch seine Kunst bestimmte technische Voraussetzungen benötigt, sprich: eine moderne E-Gitarre, einen möglichst flexiblen Verstärker, diverse Effektgeräte. Auch ein vergleichsweise traditionelles Rockalbum wie UNSTOPPABLE MOMENTUM lässt sich nicht auf der Wandergitarre am Lagerfeuer spielen. Satriani sagt: „Natürlich braucht man eine bestimmte Technik, um das, was man ausdrücken will, auch umzusetzen. Jimi Hendrix mit dem Wahwah-Pedal, Keith Richards mit der Fuzzbox, das Reverb für den Gesang im Rockabilly, Drumcomputer zum Disco-Sound.“ Für ihn ist Technik eine dem Lineal oder einer Brille vergleichbare Hilfe. „Eine Brille alleine kann nicht sehen. Wenn du einen Song in G spielen willst, brauchst du die Technik, wie man ein G spielt. Wenn du einen Song mit nur einem Akkord schreibst, so musst du diesen Akkord auch spielen können. Wenn also beispielsweise Kurt Cobain versucht hätte, ›Voodoo Chile‹ von Hendrix zu spielen, wäre er gescheitert. Er hatte weder die Technik noch den Sound dafür. Natürlich können Leute mit einer exzellenten Technik die Stücke von Komponisten spielen, die eine nicht so ausgefeilte Technik hatten. Das Resultat ist dennoch niemals das gleiche. Ich nenne gerne das Beispiel der zwei Küchenchefs bei einem Kochwettbewerb. Einer hat alle Gewürze, die es auf dieser Welt gibt, der andere nur Öl und Salz. Wer kann nun das ausgefallenste Gericht kochen? Der Koch mit Salz und Öl wird niemals ein derartig pikantes Menü herstellen können wie der Typ mit den 119 Gewürzen aus allen Teilen der Erde. Auf die Rockmusik umgemünzt heißt das: Niemand kann gleichzeitig Songs von Metallica, Steve Vai und Jimi Hendrix spielen.“

DIE ANFÄNGE
Aufgewachsen ist Joe Satriani in Westbury, Long Island, New York. Im Alter von acht Jahren begann er, Schlagzeug zu spielen, ein Jahr später entdeckte er die Gitarre für sich. Nach ersten Gehversuchen als Autodidakt sowie als Schüler seiner Mutter und seiner Schwester nahm er einige Unterrichtsstunden und belegte später einen Kurs in Musiktheorie an der Hochschule. Gleichzeitig lernte er Klavierspielen und Notenlesen. Bereits mit 18 reiste er als Musiker durch die Gegend, lebte eine Zeitlang in Japan und kehrte nach Amerika zurück. Eine seiner ersten Bands nannte sich The Squares, doch Satriani dürstete bereits früh nach einem Soloalbum. Auf seinem eigenen Label Rubina (benannt nach seiner Ehefrau) erschien 1984 eine erste, selbstbetitelte EP, zwei Jahre später das Album NOT OF THIS EARTH, das Satriani zunächst selbst vorfinanzierte, bevor er die Lizenzen der Plattenfirma Relativity Records verkaufte. Anschließend unterzeichnete er einen Vertrag bei Relativity und nahm 1987 das Album SURFING WITH THE ALIEN auf, das ihm ein größeres Publikum bescherte und sich mehr als eine Million mal verkaufte. Seine Solokarriere setzte er mit weiteren sagenhaften Alben fort, darunter FLYING IN A BLUE DREAM (1989), THE EXTREMIST (1992), TIME MACHINE (1993), IS THERE LOVE IN SPACE? (2004) oder auch SUPER COLOSSAL (2006).

Schon als junger Musiker machte sich Satriani in der Szene einen Namen als prominenter Gitarrenlehrer, die Liste seiner Schüler klingt wie das „Who‘s who“ der Rockmusik: Steve Vai, Kirk Hammett (Metallica), David Bryson (Counting Crows), Larry La­Londe (Primus), Alex Scornick (Testament), Jeff Tyson (T-Ride) usw. Einen seiner größten Radiohits landete er 1992 mit dem ›Summer Song‹, den er anlässlich der Olympischen Spiele 1992 in Barcelona komponierte und den der Technikgigant Sony als Soundtrack der Werbekampagne für den Discman verwendete. Einige Jahre zuvor hatte sich Satriani als Mitglied der Tourband von Rolling-Stones-Frontmann Mick Jagger verdingt, im November 1993 wurde er als Nachfolger von Ritchie Blackmore bei Deep Purple verpflichtet. Satriani spielte mit der britischen Rocklegende eine Reihe umjubelter Konzerte und konnte sogar die beinharten Fans der Gruppe überzeugen. Doch der Wundergitarrist verließ Deep Purple wieder – für ihn folgte Steve Morse – und konzentrierte sich auf seine Solokarriere. „Ich gebe zu, dass ein Traum für mich wahr geworden war, denn plötzlich spielte ich bei der besten Hard-Rock-Band der Welt, mit meinen eigenen Idolen“, erinnert sich der Gitarrenhexer an eine besonders aufregende Periode seines Lebens. „Die Jungs sind so unglaublich gut, es machte riesigen Spaß, mit ihnen zu musizieren. Doch gleichzeitig war es für mich eine sonderbare Zeit, denn ich fühlte mich nie als wirkliches Bandmitglied, sondern immer als Fan, der mit ihnen ihre Songs abfeiert. Außerdem hätte ich niemals aus dem Schatten von Ritchie Blackmore heraus treten können. Der Mann ist einfach eine Legende. Ich aber wollte meine eigenen Duftmarken in dieser Musikszene setzen, zumal ich ja damals bereits als erfolgreicher Solomusiker auf immerhin zehn Millionen verkaufte Tonträger zurückblicken konnte. Nein, unter diesen Umständen musste ich mich für meine Solokarriere entscheiden.“

CHICKENFOOT
Seinen Wunsch nach einer Rockband konnte Satriani gut 15 Jahre später mit einem ausgewiesenen Sänger auf andere Weise realisieren: Gemeinsam mit den beiden Van-Halen-Abtrünnigen Michael Anthony (Bass) und Sammy Hagar (Gesang) sowie Schlagzeuger Chad Smith von den Red Hot Chili Peppers formierte er 2008 die Gruppe Chickenfoot. Hagar und er hatten sechs Jahre zuvor schon einmal eine Band namens Planet US, konnten sich jedoch nicht umfassend um sie kümmern, weil die beiden Superstars zu stark anderweitig beschäftigt waren. Im Januar 2008 rief Hagar bei Satriani an und lud ihn zu einer Show nach Las Vegas ein, bei der im Zugabenteil der Gitarrist auf die Bühne kommen und gemeinsam mit Smith und Anthony spielen sollte: „Ich flog also hin, hatte meinen Spaß und stellte fest, dass es unglaublich gut klang. Wir kamen von der Bühne und sagten uns: ‚Das ist einfach zu gut, um es bei diesem einen Gig zu belassen.‘ Ein paar Tage später traf ich mich mit Sam, um herauszufinden, ob wir gemeinsam komponieren können.“ Innerhalb einer einzigen Stunde schrieben die beiden gleich mehrere neue Stücke. Hagar flog anschließend nach Hause und arbeitete an den Texten, Satriani fuhr noch unmittelbar vor Beginn seiner Tour zum Album PROFESSOR SATCHAFUNKILUS AND THE MUSTERION OF ROCK (2008) in sein Studio und bereitete dort erste Demos vor: „Sam rief mich ständig an und sagte: ‚Ich habe bereits alle Texte fertig, auch die Gesangsmelodien sind schon ausgearbeitet, lass uns die Songs so schnell wie möglich aufnehmen‘.“ In den kommenden acht Monaten gingen Satriani, Hagar & Co. immer dann, wenn es ihre Zeit erlaubte, für ein paar Tage ins Studio und arbeiteten am geplanten Album. Im Dezember 2008 holten sich Chickenfoot den Produzenten Andy Johns zu Hilfe und nahmen die Debütscheibe endgültig auf. „Die meisten Sachen wurden live eingespielt, sogar die Gesänge. Für mich war es eine tolle künstlerische Reise, sowohl mein Soloding machen zu können als auch diese Band voran zu treiben.“

Denn im Gegensatz zum Engagement bei Deep Purple kann Satriani bei Chickenfoot das Tempo und die Arbeitsintensität selbst bestimmen. Natürlich in Absprache mit Hagar, Anthony und Neuzugang Kenny Aronoff, der nach der Veröffentlichung von CHICKENFOOT III (interessanterweise das zweite Album der Band) für den bei den Chili Peppers doch zu sehr eingebundenen Chad Smith kam.

Dennoch schwört Satriani, dass es sich bei Chickenfoot wirklich um eine richtige Band und nicht nur um ein temporäres Nebenprojekt handelt. „Wenn es ein Projekt wäre, hätten wir uns zunächst ein Label gesucht und viel Geld gefordert. Aber da wir keinerlei Einmischung von außen wollten, bezahlten wir unsere Studiokosten aus eigener Tasche, machten unsere eigene Scheibe, ohne irgendwelche Auflagen zu bekommen, und erst als alles fertig war und uns das Ergebnis gefiel, boten wir es Plattenfirmen an. Es gibt eine enge Verbundenheit unter uns Bandmitgliedern, wir alle sind erwachsen, wir wissen, dass wir auch noch andere Jobs haben und uns alle irgendwann wieder darum kümmern müssen. Aber dennoch herrscht ein Gefühl wie in einer echten Band.“

G3: SOLO ZU DRITT
Soloaktivitäten kennt Satriani ansonsten zur Genüge. Bereits Mitte der Neunziger etablierte er die sogenannte G3-Tour, bei der er fast jährlich mit renommierten Kollegen gemeinsame Sache macht. 1996 zog er mit Eric Johnson und Steve Vai auf eine 24-tägige Nordamerika-Tournee, dokumentiert auf dem Album G3 LIVE IN CONCERT, und wiederholt seither dieses Arbeitsprinzip in unregelmäßigen Abständen, mit wechselnden Personen, aber konzep­tionell immer gleichen Parametern: Drei Gitarristen spielen mit ihren eigenen Bands eigene Songs, zum Finale trifft sich dann der gesamte Tourtross zu einer Jamsession mit Coversongs, überwiegend von Jimi Hendrix, dem gefühlten Paten dieses Showkonzepts. Satriani war bislang jedes Jahr dabei, neben ihm konnte man bereits Lichtgestalten wie Steve Vai, Yngwie Malmsteen, Robert Fripp, John Petrucci (Dream Theater), Paul Gilbert (Mr. Big), Adrian Legg, Kenny Wayne Shepherd, Michael Schenker, Uli Jon Roth oder auch Steve Morse (Deep Purple) bewundern. Satriani: „Die G3-Tour feiert die Freiheit des Ausdrucks von Gitarristen. Die Gitarre steht im Zentrum von drei phänomenalen Instrumentalbands, ein einzigartiges Unterfangen. Jedem von uns jeweils drei ergibt sich dadurch die einmalige Chance, uns nicht nur dem Publikum zu zeigen, sondern auch Erfahrungen mit drei unterschiedlichen Spielarten zu sammeln, beginnend bei der Art, wie wir Gitarren, Verstärker und Effekte einsetzen, bis zu der Art, wie wir Songs strukturieren und wie mehr oder minder theatralisch die jeweilige Show ist. All dieses zu teilen, macht riesigen Spaß und unterscheidet sich von jeder anderen Show mit Gesang.“

UNSTOPPABLE MOMENTUM
Trotz Chickenfoot und G3 ist ein Ende seiner vielschichtigen Solo­aktivitäten auch anno 2013 gottlob nicht in Sicht. Im Herbst 2012 zog es Satriani erneut in das von ihm neuerdings bevorzugte Skywalker Sound Studio von Filmproduzent George Lucas („Star Wars“, „Indiana Jones“) in Kalifornien, um sein mittlerweile 14. Soloalbum einzuspielen. Mitte Februar war es schließlich vollbracht: UNSTOPPABLE MOMENTUM klingt wie die folgerichtige Fortsetzung von BLACK SWANS AND WORMHOLE WIZARDS, mit dem der Amerikaner vor drei Jahren immerhin unter die Top 50 der US-Billboard-Charts vorrückte, ein wahrhaft erstaunlicher Erfolg für eine Instrumentalscheibe.

Aber Satriani schafft es halt immer wieder, den Verzicht auf eine menschliche Stimme durch seine unglaublich gefühlvollen Gitarrensoli auszugleichen. Gleichzeitig vermeidet er überflüssiges Skalengedudel oder selbstsüchtige Egoausflüge. Überhaupt geht der Mann für einen Sologitarristen erstaunlich diszipliniert zu Werke und ordnet sein Spiel immer der entsprechenden Songidee unter. Außerdem variiert er permanent Tempo, Stimmung und Genre, ohne dabei jedoch den roten Faden seiner unzweifelhaft am Blues und klassischen Rock orientierten Spielweise zu verlassen.

„Ich zelebriere mit meiner Gitarre das gesamte Genre der Rockmusik“, umschreibt er seine aktuellen Taten. „Rockmusik hat schon immer stilistische Elemente aus allen Teilen der Erde in sich vereint. Man denke nur mal an die folkloristischen Einflüsse bei Led Zeppelin oder die Vorlieben für orientalische Arrangements bei den Beatles. Bei mir gibt es sowohl den typischen amerikanischen Blues als auch Melodien, die mehr als 500 Jahre alt sind. Ich wuchs in den späten Fünfzigern auf, hörte bei meinen älteren Geschwistern aber eine Menge Musik, die vor meiner Zeit entstand, also ganz frühen Rock‘n‘Roll, Motown, Jazz, klassische Musik, die Explosion der Rockmusik in den späten Sechzigern, Psychedelic, bis hin zum Heavy Metal und klassischen Hard Rock. Wenn ich spiele, öffne ich quasi ein Buch, in dem meine gesamte musikalische Geschichte steht. Zudem komponiere ich manchmal nur auf der Grundlage eines faszinierenden Sounds.“

Allerdings: Auch nach 25 Jahren und weit mehr als einem Dutzend Soloveröffentlichungen ist der Amerikaner bis in die Haarspitzen konzentriert: „Immer, wenn ich ein Album aufnehme, zweifle ich ein wenig daran, ob bis zum letzten Teil des Puzzles, also dem Mastering, alles zusammen funktioniert“, gesteht er, schränkt allerdings ein: „Zweifel ist möglicherweise ein zu großes Wort, aber ich bin zumindest immer außerordentlich angespannt.“ Seiner Musik hört man dies nicht an.

 

Meat Loaf – Der letzte Vohang

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Mit 65 Jahren ist Schluss. Endgültig. Sagt zumindest Marvin Lee Aday, das schwergewichtige Berufsunikum und ewige Stehaufmännchen des Rock‘n‘Roll. Nicht, weil der Mann aus Dallas nicht mehr mag, sondern weil er nicht mehr kann. Wehleidig und leise fällt der Abschied mit sechs Deutschland-Konzerten aber nicht aus. Im Gegenteil: Es gibt noch einmal Drama, Pathos und die geballte Dosis BAT OUT OF HELL.

Der füllige Herr mit den kurzen, grauen Haaren, der in einer Suite des Londoner Landmark Hotels empfängt, wirkt angespannt. Kein Wunder: Nach sechs Dekaden Showbiz, in denen er mal ganz oben und dann wieder ganz unten war, muss Meat Loaf seinen Rückzug von den Brettern, die die Welt bedeuten, erklären. Ein Schritt, der ihm keineswegs leicht fällt. Deshalb sitzt er stocksteif in einem plüschigen Sessel, fixiert seinen Gesprächspartner mit großen, weit aufgerissenen Augen und erklärt in hastigen, oft endlos langen Sätzen, bei denen er ständig den Faden verliert, das Wieso, Weshalb, Warum. Wobei er eins überdeutlich macht: Es gibt ein Leben nach dem Abschied. Und davon hat er ganz konkrete Vorstellungen.

Viele deiner Kollegen verabschieden sich in schöner Regelmäßigkeit von der Bühne, werden aber stets rückfällig. Wie steht es mit dir?
Bei mir gibt es kein Zurück. Und der Grund ist: Ich habe gerade ein neues, linkes Knie bekommen und befinde mich immer noch in der Physiotherapie. Was man auf der Bühne allerdings kaum merken wird – weil ich das nicht zulasse. Aber ich muss demnächst noch das rechte Knie machen lassen und dann ist es endgültig vorbei. Außerdem hatte ich in den letzten Jahren 18 Gehirnerschütterungen, was dafür sorgt, dass ich regelmäßig mein Gleichgewicht verliere. Ich spüre dann ein Schwindelgefühl, stolpere vor mich hin und bewege mich seltsam. Worauf die Leute meinen: „Der ist doch betrunken.“ Was ich ihnen nicht verübeln kann. Denn wie oft hört man, dass Rockstars betrunken auf die Bühne gehen oder dort nicht Herr ihrer Sinne sind? Ich meine, ich war selbst schon mal in der allerersten Reihe bei einer Show und wurde von meinem Lieblingssänger angekotzt. Was ekelig war. Nur: Das gilt eben nicht für mich. Ich bin nicht betrunken und ich kotze niemanden an. Ich habe echte Probleme.

Warum gehst du dann noch einmal auf große Tournee?
Wie heißt es so schön: Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. (lacht) Hinzu kommt, dass ich keine Lust mehr aufs Reisen habe. Weshalb ich ernsthaft darüber nachdenke, ein festes Engagement in Las Vegas anzunehmen. Wir spielen da dieses Jahr vier Wochen, und reden über etwas Langfristiges ab 2014. Was auch keine klassischen Rockkonzerte wären, sondern eine Mischform aus Musik, Geschichten aus meiner Karriere und richtiger Stand-up-Comedy. Das würde unter dem Titel „Rocktales & Cocktails“ laufen und ich hätte großen Spaß daran. Einfach, weil ich frei improvisieren könnte und direkten Kontakt zum Publikum hätte.

Wir reden also nicht von Ruhestand?
Nicht wirklich. Ich habe nicht vor, mit den Filmen aufzuhören. Und mit der Musik schon gar nicht. Schließlich habe ich bereits vier Songs für mein nächstes Album BRAVE AND CRAZY fertig. Und sobald die Tour vorbei ist, werde ich daran weiterarbeiten. Vielleicht sogar mit Jim Steinman, mit dem ich schon über zwei oder drei Stücke gesprochen habe.

Demnach ist es wahrscheinlicher, dass du im Studio als auf der Bühne stirbst, was du ja immer als Motto ausgegeben hast?
Ich bin mir noch nicht sicher, wo das passieren wird. Aber es wird garantiert nicht im Flugzeug sein. Und auch nicht in einem Krankenhaus. Denn das wäre einfach schlimm. Also das Letzte, was ich jemandem wünschen würde, weil es wahnsinnig deprimierend ist. Man sollte besser irgendwo sterben, wo es aufregend ist.

Ein Abgang mit Stil?
Ganz genau… Was ja eigentlich im Rahmen der Abschiedstournee wäre. Aber: Beschreien wir es nicht! (lacht)

Wenn schon kein Exitus: Was erwartet uns bei „Last At Bat“?
BAT OUT OF HELL in derselben Reihenfolge wie auf Platte. Was mir mein Manager vorgeschlagen hat und was ich für eine großartige Idee hielt – bis die Tickets in den Vorverkauf gingen, und ich es mit der Angst zu tun bekam. Eben: „Oh mein Gott, was habe ich getan? Kriege ich das überhaupt hin?“ Doch die Proben waren ein Riesenspaß. Was nicht zuletzt daran lag, dass wir einen unglaublichen Soundmann haben, der BAT OUT OF HELL scheinbar bis ins letzte Detail studiert hat. Insofern ist der Klang der pure Wahnsinn. Ich meine, er lässt einen komplexen Song wie ›You Took The Words Right Out Of My Mouth‹ fast genauso klingen wie auf dem Album – was vor ihm noch keiner geschafft hat. Und auch ›Paradise‹, ›Crying Out Loud‹ und ›Two Out Of Three‹ sind wirklich toll.

Also reden wir von den größten Hits plus dem BAT-Album?
Es sind nicht alle Hits. Ansonsten wäre die Show viereinhalb Stunden lang geworden. Was nicht machbar ist. Von daher mussten wir das Ganze zusammen stutzen – den ersten Teil von über zwei Stunden auf vielleicht 55 Minuten. Was ein gutes Mischverhältnis zu BAT OUT OF HELL ergibt.

Das Album hat sich 45 Millionen Mal verkauft und findet pro Jahr 200.000 Abnehmer. Wie erklärst du dir den anhaltenden Erfolg? Wie konnten Jim Steinman und du Mitte der 70er einen solchen Klassiker schaffen?
Ganz einfach: Jim ist wie Samuel Beckett. Er ist ein Meister in der Darstellung des menschlichen Befindens. Und er hat die Fähigkeit, diese starken, klaren Bilder zu erschaffen, die man beim Hören sofort vor seinem geistigen Auge sieht. Zudem ist er sehr scharfsinnig und humorvoll – in allem was er tut. Er ist kein typischer Pop-Komponist, aber auch kein Broadway-Schreiber. Er ist einfach anders. Und er hat mich z.B. dahingehend motiviert, viel zu lesen – und nicht einfach einer dieser Idioten zu sein, die keine Ahnung haben, was in der Welt geschieht und die einen Präsidenten nur deshalb wählen, weil sie sein Gesicht mögen. Ich habe mich immer für Politik interessiert, genau verfolgt, was da passiert. Als ich am College war, habe ich u.a. einen Kurs in Verfassungslehre besucht. Denn ich wollte Geschichtslehrer werden.

Wie bitte?
Das war mein Berufsziel. Und deshalb musste ich mich auch mit der Verfassung der USA auskennen. Was ja dasselbe ist, was Barack Obama an der Uni gelernt hat. Deshalb würde ich mich auch gerne mal mit ihm hinsetzen und darüber diskutieren.

Und was machst du den ganzen Tag vor einer Show bzw. in den freien Tagen dazwischen, von denen du ja einige hast?
Ich beschäftige mich mit meinen Auftritten. Das ist alles, worum meine Gedanken kreisen: Es geht nur um die Show, bei der ich täglich etwas verändere, was mir nicht gefällt oder von dem ich glaube, dass man es besser machen könnte. Ich meine, ich nehme jedes einzelne Konzert auf und höre es mir noch einmal von Anfang bis Ende an, um herauszufinden, was vielleicht nicht so toll war. Das sind zwar oft nur Kleinigkeiten, die das Publikum vielleicht gar nicht mitbekommt. Aber ich sage meiner Band nach jeder Show, was ich geändert haben möchte. Eben mehr Melodie hier, ein anderes Schlagzeug-Fill da. Was für drastische Veränderungen in der Präsentation eines Songs sorgt. Und wozu ich mir jede Nacht seitenweise Notizen mache.

Wie ein Trainer, der ein Spiel analysiert?
Das ist es: Es ist wie eine Spielanalyse. Und mein Problem ist, dass ich nie abschalten kann. Was auch bedeutet, dass ich selten vor vier Uhr morgens einschlafe, weil ich die gesamte Show noch einmal in meinem Kopf durchspiele. Wenn ich dann aufwache, schreibe ich E-Mails an meinen Tourmanager und die Band und sage ihnen was mir vorschwebt. Bin ich damit durch, muss ich noch einmal acht Stunden schlafen, weil ich sonst keine Energie habe.

Wenn die Tour vorbei und das nächste Album im Kasten ist, wie geht es bei dir weiter?
Ich werde mich aufs Schauspielen verlegen. Meine Töchter Amanda, Pearl, ihr Ehemann Scott Ian und ich haben einen Vertrag beim Sci Fi-Channel unterschrieben. Und zwar für unsere Show „Paranormal“, die keine dieser üblichen Reality-TV-Serien ist, sondern eher etwas von einer Studie hat. Es ist nicht dieser übliche Quatsch von wegen: „An diesem Ort spukt es, da muss ein Geist sein.“ Sondern wir besuchen diese Orte als Ungläubige, als Zweifler. Und wenn da tatsächlich etwas passiert, lassen wir uns gerne vom Gegenteil überzeugen. Wobei ich mir sicher bin, dass es definitiv Orte gibt, an denen es spukt.

Schlägst du den Geist dann singend in die Flucht?
Nein, aber vielleicht spielt Scott ja ein bisschen Gitarre. Einfach, weil er so gut darin ist. Ansonsten wirke ich noch in einem Film namens „Polish Bar“ mit, der gerade in den USA angelaufen ist und sehr gute Kritiken bekommt. Ich agiere an der Seite von Judd Hirsch, Richard Belzer, Vincent Piazza und James Badge Dale.

Welche Rolle spielst du da?
Einen richtig fiesen Kerl. (lacht) Was eine tolle Rolle ist. Ich meine, es ist nicht die Hauptfigur, aber doch eine gute Nebenrolle. Und ich bin einmal mehr als Charakterdarsteller gefragt, wofür ich ja bekannt bin. Das liegt mir und da kann ich mich immer sehr reinsteigern. Und im Grunde habe ich auch gar keine Lust auf richtig große Parts bzw. auf TV-Serien. Das ist mir zu viel Arbeit. Aber eine Nebenrolle in einem richtig guten Film, dafür bin ich immer zu haben.

Welche elementaren Erkenntnisse hast du in fast 50 Jahren Showbiz sonst noch gewonnen?
Verleihe niemals – und ich meine unter gar keinen Umständen – dein Equipment.

Inwiefern?
1968 habe ich mit Floating Circus die Grateful Dead im Grande Ballroom in Detroit supportet. Das Problem war, dass ihr Equipment im Schnee stecken geblieben war. Also fragten sie mich, ob sie sich unser Schlagzeug und die Verstärker borgen könnten. Ich dachte: „Kein Problem. Wahrscheinlich spielen sie nur eine Stunde oder anderthalb.“ Doch was passiert? Die haben da viereinhalb Stunden abgerissen. Wobei sie um elf Uhr nachts angefangen haben, und als sie um drei Uhr morgens endlich zum Ende kamen, waren da noch die Band, der Hausmeister, ich und 50 von ihren Hardcore-Fans. Das wars. Und natürlich war ich sauer – weil sie meine Gutmütigkeit ausgenutzt haben. Mehr noch: Sie sind einfach abgehauen, ohne mir beim Abbauen zu helfen. Was bedeutete, dass ich bis fünf Uhr geschuftet habe, um alles zu verladen. Insofern kann ich nur sagen: Macht niemals den Fehler, den ich an diesem Abend begangen habe. Auch, wenn man euch für geizig oder was auch immer hält.

Marcel Anders

Todd Rundgren

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Todd Rundgren hätte einer der größten Popstars der 70er Jahre sein können. Doch das oft verkannte Genie folgte lieber seinem Herzen als dem Ruf des Geldes. Auch auf seinem neuen Album STATE macht der liebenswert spleenige Visionär wieder, was er will.

Ein geringes Maß an Popularität zu akzeptieren, ist völlig in Ordnung“, sagt Rundgren bestimmt, als wir ihn daheim in Kauai, Hawaii erwischen. „Nur weil Musik nicht im Radio gespielt wird, heißt das nicht, dass es kein Publikum dafür gibt.“ Deshalb verlegte er sich Anfang der 70er nach Hits wie ›I Saw The Light‹ und ›Hello It’s Me‹ und dem herrlich abgedrehten Popmeisterwerk SOMETHING/ANYTHING? aufs Experimentieren und tauschte Starrummel gegen Kultstatus. Er wandte sich elektronischem Noise zu, zelebrierte später mit seiner Band Utopia kosmischen Prog-Rock und machte als Pionier auf dem Feld digitaler Medien von sich reden.

Folglich sind es längst nicht mehr nur die Power-Pop-Epigonen, die Rund­gren als Vorbild nennen. Auch die aktuellen Heroen elektronischer Klangerzeugung wie Daft Punk und Hot Chip bezeichnen ihn als wichtige Inspiration. Das wiederum färbte auf das neue Werk des Altmeisters mit der schillernden Persönlichkeit ab. „Ich wollte einfach herausfinden, was zum Teufel es war, das ich damals getan habe und das jetzt wieder relevant ist!“, sagt er lachend. Deshalb klickte er sich am Computer durch viele, viele YouTube-Links. „So bekommt man einen tollen Überblick über das, was gerade angesagt ist“, ist er überzeugt. „Allerdings läuft man Gefahr, lediglich zu imitieren, wenn man sich zu sehr mit der Musik anderer beschäftigt. Deshalb habe ich immer sofort abgeschaltet, wenn mir auf YouTube etwas gefallen hat!“ Die ausführlichen Recherchen sorgten dafür, dass Rundgren mit STATE keinesfalls ein gedämpftes Roots-Alterswerk abgeliefert hat. Im Gegenteil! Mit der Melange aus Rock, Soul, R&B und Electronica darf er sich durchaus auf Augenhöhe mit dem Zeitgeist wähnen. Die Idee dahinter ist allerdings altbewährt. „Es geht stets schlicht und ergreifend darum, konventionelle Techniken auf interessante Weise anzuwenden“, sagt der bekennende Fan moderner Produktionsstandards. Vorbei die Zeiten der horrenden Studiokosten, die früher nötig waren, damit ihn die Inspiration finden konnte, wann immer sie wollte. „Heute“, freut er sich, „gibt es diese Freiheit in einem handlichen Laptop.“

Allerdings hat der technische Fortschritt auch dazu geführt, dass der Mann, der Meat Loafs BAT OUT OF HELL, Patti Smiths WAVE, das Debütalbum der New York Dolls und zahllose weitere Klassiker produziert hat, heute nur noch selten für andere Künstler am Mischpult sitzt. „Die moderne Studiotechnik ist so benutzerfreundlich, dass ich als Produzent oft gar nicht mehr gebraucht werde“, sagt er bescheiden. Zudem hat er inzwischen andere Einnahmequellen. „Früher stammte mein Einkommen hauptsächlich aus Produzentenjobs, doch seit mein Song ›Bang The Drum All Day‹ der Knüller auf allen Carnival-Cruise-Kreuzfahrten ist, machen die Tantiemen für diese eine Nummer einen wesentlichen Teil meines Jahreseinkommens aus“, verrät er lachend.

Dennoch denkt Rundgren mit knapp 65 nicht daran, kürzer zu treten. Seiner eigenen Welttournee diesen Sommer folgt deshalb im Herbst eine Südamerikareise als Mitglied von Ringo Starrs All-Starr Band. „Musikmachen ist nicht wie Radfahren“, erklärt der Tausendsassa sein unvermindert großes Arbeitspensum. „Man kann nicht einfach ein paar Jahre pausieren. Wenn man mit der Musik aufhört, ist es vorbei.“

Carsten Wohlfeld

Ray Wilson – Am Ende des Regenbogens

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Ray Wilson ist wohl das, was man einen bodenständigen, schottischen Rock‘n‘Roll-Arbeiter nennt. Gut gelaunt gibt der mittlerweile in Polen lebende Ex-Stiltskin-, Ex-Genesis-, dann wieder Stiltskin-Barde Auskunft über sein neues Soloalbum, die Seele von Popmusik und den Drang zum Gutmenschentum.

Hallo Ray, vielen Dank, dass du an einem Ostermontag für ein Interview zur Verfügung stehst – nicht besonders religiös, oder?
An Gott glaube ich schon, aber diese ganzen Konfessionen – der eine weiß es besser als der andere, was ein Quatsch! Wenn man nur an Gott als spirituelle Energie glaubt, kann man auch an Feiertagen Promo machen. (lacht)

Dein neues Soloalbum, das überraschend nicht unter dem Stiltskin-Banner läuft, hört auf den Namen CHASING RAINBOWS und ist ein sehr melodisches, ruhiges Werk geworden.
Ja, ich bin auch ein total ruhiger Typ. (lacht) Im Ernst: Ich hatte verstärkt akustische Arrangements, die ich mit Peter Hoff ausgearbeitet habe. Da wäre Stiltskin unpassend gewesen.

Auch das Saxofon klingt nicht gerade nach Post-Grunge, gefällt mir aber sehr gut.
Danke, das war ein heißes Eisen. Peter wollte es partout nicht auf dem Album haben, aber ich war fest überzeugt, dass dies das gewisse Etwas bei den Stücken ausmacht. Schön, dass es dir gefällt, das werde ich ihm gleich auf die Nase binden… (lacht)

Es verleiht Stücken wie dem Opener ›Take It Slow‹ erst die nötige Seele, die man mitunter in der heutigen Radiolandschaft nicht mehr findet.
Hör bloß auf! Gerade in meiner britischen Heimat ist es besonders schlimm. Alles klingt gleich, Spartensender gibt es schon lange nicht mehr. Echte DJs, die Platten vorstellen – Fehlanzeige! Leute wie John Peel [legendärer britischer Radio-DJ; Anm.d.Verf.] sind ausgestorben. Es gibt doch maximal noch drei Produzenten, die heute Popmusik erschaffen – oder sollte ich sagen gleichschalten? Wenn es einen USB-Stick mit „Seele und Emotionen für Popsongs“ gäbe, diese Leute würden ihn kaufen und einfach in jedes Laufwerk reinstecken.

Zum Glück funktioniert das noch nicht bei Live-Musik…
Nein, und deshalb definiert und finanziert sich die Ray Wilson Band auch über ausgedehnte Tourneen. Wir spielen mit den verschiedenen Formaten ca. 160 Shows im Jahr, Airplay und Albumverkäufe sind nur Bonus.

Du hast die verschiedenen Formate, mit denen du unterwegs bist, schon angesprochen. Etwas verwirrend mitunter?
Das gebe ich zu, aber meine musikalische Vergangenheit erlaubt mir hier etwas Einmaliges: Ich kann drei völlig unterschiedliche Live-Projekte anbieten. Hast du ein Theater und möchtest Ray Wilson buchen? Kein Problem, wir kommen mit Orchester und spielen eine Genesis-Classic-Show. Du hast nur einen kleinen Pub? Auch okay, ich komme solo mit Gitarre unter dem Arm. Alternativ dazu gibt es die Ray Wilson+Stiltskin-Schiene, die wir fahren können. Alles mit eigenem Equipment, Transport und Technikern. Ich war nie ein Künstler mit einem Erfolg wie David Bowie. Aber ich habe die Freiheit, dies alles möglich zu machen. Das ist für Fans, Booker und uns als Musiker verdammt spannend.

Spannend ist auch deine Hilfsorganisation, die Ray Wilson Foundation.
Ein tolles Projekt, das ich seit Jahren unterstütze. Die Stiftung lebt von privaten Gönnern, und wir fördern z.B. Lernbetreuung von unterprivilegierten Kindern oder ein DanceLab. Ich habe immer Sorge, dafür Werbung zu machen.

Warum das?
Es hat mal den Vorwurf gegeben, ich wolle damit nur meine Musik promoten.