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Neuigkeiten zu: Excuse Me Moses

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EMM liveMit ihrem neuen Album III starten die Österreicher eine großflächige Expansion.

Aller guten Dinge sind drei. So scheint das Motto von Excuse Me Moses zu lauten. Denn diese Zahl ist beim neuen Studioalbum der österreichischen Alternative-Rocker allgegenwärtig: Es ist das dritte Album der Wiener, sie haben drei Jahre am neuen Material gearbeitet und es dann auch ganz schlicht III betitelt. „Wir haben uns dieses Mal bewusst so viel Zeit gelassen wie nötig, um zu einem Ergebnis zu kommen, mit dem wir alle zufrieden sind“, erzählt Sänger Michael Paukner. „Ohne den Druck einer Plattenfirma im Rücken konnten wir einfach so lange an den Songs schrauben, bis wir alle glücklich waren. Mit dem Ergebnis sind wir mehr als zufrieden.“

In ihrer Heimat sind sie schon lange ein fester Bestandteil von Festivals, wurden 2008 für den Amadeus Award nominiert, nahmen am Grand-Prix-Vorentscheid teil und konnten einige Chartplatzierungen erreichen. Auch im Vorprogramm von Nickelback und Bon Jovi durften sie schon spielen. Jetzt wollen sie über die Grenzen Österreichs hinaus punkten. „Wir wollen expandieren“, erklärt Michael. „Wir sind froh, dass III jetzt auch in Deutschland und der Schweiz erhältlich ist. Das neue Material ist verdammt gut. Es ist sehr abwechslungsreich und rockt!“
Die erste Etappe zur Eroberung der Welt ist Deutschland, wo sie im Frühjahr und Sommer einige Konzerte spielen werden.

 

Das letzte Wort: Mike Tramp

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Mike Tramp 1Mike Tramp wurde in Dänemark geboren und wuchs musikalisch mit Folk auf. Nach einem kurzen Ausflug in die Popwelt und einer Teilnahme am Eurovision Song Contest ging er im zarten Alter von 18 Jahren in die USA, wo er zum gefeierten Sänger der 80s Glam Metal-Band White Lion wurde. Nach acht erfolgreichen Jahren gründete er seine eigene Hard Rock Band Freak Of Nature, um erst jetzt endlich wieder zu seinen Wurzeln zurückzukehren. Mit seinem Solo-Album COBBLESTONE Street kehrt er nun Amerika und dem Rockrummel den Rücken. Warum, erzählte er im Interview mit CLASSIC ROCK.

Mit deinem neuen Album hast du dich von alten stilistischen Fesseln losgerissen. Zeigst du damit, dass du eine neue Phase in deinem Leben erreicht hast?
Nun, durch diese Platte schließe ich mit White Lion und Freak Of Nature ab, und genau das war auch das Ziel. Das ist das echte, persönliche Mike Tramp-Album. So klingt Mike Tramp, wenn er ganz bei sich ist.

Hattest du das Gefühl, dass du dem dekadenten Rock-Zirkus der Achtziger endgültig entkommen
musstest?

Ja und nein. Ich habe mich eben weiter entwickelt. Anders als für viele Künstler ist es für mich mit 52 Jahren auf dem Buckel einfach eine Unmöglichkeit, noch immer so klingen zu wollen wie in den 80s.

Was waren die besten und was die schwierigsten Zeiten deines Lebens?
In vielerlei Hinsicht hoffe ich, dass ich noch genug Zeit habe, um beides erst zu erleben. Am schönsten ist es jedenfalls immer, wenn man seinem Herzen folgen kann und das tut, was man liebt.

Musstest du dich früher zuweilen verstellen und Musik machen, hinter der du nicht vollkommen stehen konntest?
Wenn ich ein Album gemacht habe, war es immer genau das, was ich machen wollte. Gut, manchmal bereute ich es nach einem Jahr, aber meine Platten basierten immer auf meinen wahren Erlebnissen. Den großen Rockstar habe ich nie gespielt. In dieser Rolle fühlte ich mich nicht wohl.

›Cobblestone Street‹ ist ein Lied über Heimat. Welchen Ort auf dieser Welt würdest du als dein Zuhause bezeichnen?
Naja, wo meine Heimat liegt, weiß ich wirklich nicht. Ich weiß aber, dass es mich dahin gezogen hat, wo ich herkomme. Das war nötig, um zu mir selbst zu finden und der Mensch zu werden, der ich jetzt bin. Irgendwie wusste ich das schon immer, doch erst, als ich kürzlich das Album in Kopenhagen aufnahm – nur wenige Schritte von meinem Geburtshaus entfernt – fühlte sich alles zum ersten Mal so an, als würde alles passen.

Denkst du, du warst in deinem Leben zu lange weg von dort?
Ja, ich war viel zu lange weg. Und ja: Ich musste einen großen Preis dafür zahlen, so früh von zuhause weggegangen und 35 Jahre lang dem endlosen Rock‘n‘Roll-Highway gefolgt zu sein.

Du singst davon, dass du alleine von deiner Mutter großgezogen wurdest. War es manchmal hart, ohne einen Vater aufzuwachsen?
Um ehrlich zu sein, war es nicht so schlimm für mich, bis ich erwachsen war und begann, darüber nachzudenken. Ich habe nicht viele Erinnerungen an meinen Vater, aber trotzdem war ich ein sehr glückliches Kind mit vielen Freunden und einem großen Park zum Fußballspielen.

Tut es dir weh, dass du selbst auch nicht bei allen deinen Kinder sein kannst?
Kinder zu haben, sie nicht großziehen zu können und nicht das Leben zu führen, das ich mir wünsche, ist extrem schmerzhaft für mich. Ich hoffe nur, dass sich das bald ändern wird.
Was macht dich wirklich glücklich?

Wenn ich mich nur eine Sekunde lang wahrhaft glücklich fühle, weil ich mit meinen Kindern im Pool spiele oder etwas anderes mit ihnen unternehme, schießt es mir wieder in den Kopf: „Hey du musst bald wieder los!” Das bricht mir jedes Mal das Herz. Deshalb genieße ich jeden Augenblick mit ihnen.

Bist du heute dem Leben näher, das du schon immer leben wolltest?
Ich würde sagen ja. Ich stamme aus sehr einfachen Verhältnissen. In dieser Welt fühle ich mich auch am wohlsten. Für mich wäre es eine echte Qual, Gene Simmons zu sein. Jeden Morgen in dem Bewusstsein aufzuwachen, dass ich nur glücklich sein kann, wenn ich es schaffe, mehr

Geld zu verdienen, bevor ich abends wieder zu Bett gehe. Das bin ich einfach nicht.
Bist du eigentlich religiös?

Nein, ich bin Atheist. Ich bin ein Mann der Vernunft und des gesunden Menschenverstandes. Zugleich habe ich aber kein Problem, wenn jemand glaubt. Ich will nur nicht bekehrt werden. Ich finde, der Glaube sollte wie Sex sein. Praktiziert ihn hinter verschlossenen Türen, das ist was Privates, kein Fußballspiel.

Wofür möchtest du den Menschen im Gedächtnis bleiben?
Ich wäre zufrieden, wenn sie sich so an mich erinnern, wie ich wirklich war. Ich glaube, jeder, der mich kennt, weiß wer ich bin und wofür ich stehe. Nur meine Frau hat keinen Schimmer, wer ich bin. Irgendwie traurig und zugleich erschreckend.

 

Live: THE ANIMALS & STEVE CROPPER sowie FAMILY

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The AnimalsTHE ANIMALS & STEVE CROPPER
The Stables, Milton Keynes
Illustre Kombination

Auf den ersten Blick ist es schon eine reichlich seltsame Kombination: The Animals – minus Eric Burdon, Alan Price und Hilton Valentine (der Mann, dessen Arpeggio-Akkorde auf ›House Of The Rising Sun‹ für so viele angehende Gitarristen den Anfang markierten), dafür aber mit Steve Cropper. Ja, genau dem Steve Cropper. The Colonel. Booker T & The MGs, Stax Records, die Blues Brothers. Und das noch dazu in Milton Keynes, Englands womöglich langweiligster, gesichtslosester Stadt. Doch dann spielen sie und man beginnt, diese Verbindung zu verstehen: Die Animals sind ziemlich genau das fehlende Glied zwischen Booker T & The MGs und Deep Purple. John Steel am Schlagzeug ist zwar das einzige verbliebene Originalmitglied der Animals, aber an der Hammond-Orgel gesellt sich Mickey Gallagher zu ihm, der bereits 1965 Alan Price ersetzt hatte. Dass Mickey Gallagher später sowohl bei The Clash als auch bei den Blockheads spielte, ist einerseits zwar schwer zu glauben, macht andererseits aber auch absolut Sinn: Alle drei Bands waren schließlich auf knallharten Rhythm’n’Blues spezialisiert, dargeboten mit einem gehörigen Zähnefletschend.

Und diese raubeinige Haltung hat bis heute überlebt: ›We Gotta Get Out Of This Place‹ wird als alptraumhafter Garagen-Song dargebracht, der einst ganz sicher den Weg für die Doors ebnete. Steve Cropper kommt für MGs-Klassiker wie ›Time Is Tight‹ und ›Green Onions‹ auf die Bühne und singt (!) dann ein paar Liedchen, die er selbst verfasst hat – ›Soul Man‹, ›In The Midnight Hour‹, ›Sittin‘ At The Dock Of The Bay‹ –, während die donnernden Akkorde von ›Knock On Wood‹ die Vergleiche mit dem Deep-Purple-Überhit ›Smoke On The Water‹ einmal mehr heraufbeschwören. Eine sehr gelungene und willkommene Geschichtsstunde – selbst in Milton Keynes.

Scott Rowley

FAMILY
Shepherd’s Bush Empire, London
Überraschendes Familientreffen

Von all den Reunions, die wir in den letzten Jahren bezeugen durften, ist die von Family sicher eine der überraschendsten, und zwar aus zwei Gründen.

Erstens: Nachdem seit ihrer Abschiedstour tatsächlich schon 40 Jahre ins Land gezogen sind, wäre wohl nur ein Vollidiot auf die Idee gekommen, ins nächste Wettbüro zu laufen, um zu erfahren, wie die Chancen stehen, dass Family in nächster Zeit wieder auftreten würden. Und doch sind sie jetzt hier und haben zwei Abende im Shepherd’s Bush Empire komplett ausverkauft.

Zweitens: Sie sind, um es kurz und knapp auszudrücken, verdammt gut. Wo nur die Wenigsten erwartet hätten, dass es überhaupt je zu diesen Konzerten kommen wird, hätten noch viel weniger Menschen damit gerechnet, dass Family ein so ausladendes Set spielen würden. Denn das beinhaltet Stücke aus allen Alben (außer dem freakigen Debütwerk MUSIC IN A DOLL’S HOUSE – gleichermaßen traurig wie verständlich), reicht also von ihrer „Erkennungsmelodie” ›The Weaver’s Answer‹ über Hits wie ›In My Own Time‹ und ›Burlesque‹ bis hin zu Lieblingsstücken aus dem Spätwerk wie ›My Friend The Sun‹ und ›Top Of The Hill‹ sowie unerwartetem, aber besonders enthusiastisch begrüßtem Old-School-„Familiensilber” wie ›Drowned In Wine‹, ›Hung Up Down‹ und dem gemütlich-jazzigen ›Some Poor Soul‹.

Eine Tatsache kann man dabei natürlich nicht leugnen: Die einstigen Mitglieder der Band sind ganz sicher nicht jünger geworden, weswegen klugerweise auch Verstärkung an den Instrumenten ins Boot geholt wurde. Und auch wenn Roger Chapmans ledendäre Vibrato-Stimme hin und wieder mal umkippt, stört das nicht wirklich und ändert letztlich auch nichts an einer insgesamt äußerst bewundernswerten Darbietung.

Sollte sich herausstellen, dass diese zwei Konzerte auch schon wieder das Ende der wiedervereinten Family markieren, dann wäre das wirklich außerordentlich schade. Einerseits für die Band, die bewiesen hat, dass sie auch auf ihre alten Tage noch eine ganze Menge zu bieten hat, andererseits für zahlreiche Fans, die sich über weiterreichende Aktivitäten des Familienunternehmens ganz gewiss freuen würden.

Paul Henderson

Live: Biffy Clyro und Brad

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Biffy_Clyro_06_FoitzikBIFFY CLYRO
Große Freiheit, Hamburg

Schottlands Rockmagier überwältigen

Endlich: Mit Album Nummer sechs, dem wundervollen OPPOSITES, wird den Rockhymnenschmieden Biffy Clyro nun auch hierzulande jene Anerkennung zuteil, die ihrer fantastischen Musik gebührt: Ihr Gig in der Großen Freiheit zu Hamburg ist, wie auch der Rest der Tour, restlos ausverkauft. Vor ziemlich genau fünf Jahren haben die Schotten an gleicher Stelle noch Queens Of The Stone Age supportet, nun sind sie selbst die Attraktion des Abends – und das völlig zu Recht.

Zunächst eröffnen Blood Command den Reigen, deren Sängerin Silje nach dem Gig blaue Beine haben dürfte, so eng sitzt ihre Hose. Die Band wirkt lustlos und genervt, man hat sich wohl einen Titel des aktuellen Albums zu sehr zu Herzen genommen: ›Pissed Off And Slightly Offended!‹

Zwar erweisen sich Biffy Clyro auch nicht gerade als Ansagen-Spaßgranaten, doch ihnen merkt man bei jeder Note und Bewegung an, dass sie ihre Musik mit hundertprozentiger Leidenschaft leben. Mit dem verträumten OPPOSITES-Intro ›Different People‹ eröffnet das um die üblichen Tourmusikanten erweiterte Trio das 23 Tracks starke Set – und lässt den Saal schon beim darauffolgenden ›That Golden Rule‹ explodieren. Ein emotionaler Zustand, der über die nächsten 90 Minuten anhält: Mal grölen die 1500 Fans textsicher jede Zeile mit, mal geben sie sich hemmungslos pogend den Staccato-Salven älterer Biffy-Songs hin. Und nach dem finalen ›Mountains‹ ist Sänger Simon Neills Hose so durchnässt, als hätte er ein Inkontinenzproblem. Aber keine Sorge, es ist nur Schweiß, ein Kollateralschaden maximaler musikalischer Leidenschaft. Ben Foitzik

BRAD
Strøm, München

Kult im kleinen Kreis. Brad kommen endlich nach Europa.

Wer hätte es noch zu hoffen gewagt? Mehr als 20 Jahre nach ihrer Gründung verirren sich Brad, diese kultisch verehrte Seattle-Supergroup, doch tatsächlich zum ersten Mal nach Europa. Und unfassbarerweise erscheint ein gerade mal so dreistelliges Publikum zu diesem einmaligen Ereignis im Strøm. Noch unfassbarer ist, dass dann auch noch ein beträchtlicher Teil dieser Schar mit respektlos lautem Geplapper sein Bestes tut, um die andachtsartige Stimmung bei jedem langsameren Stück zu stören.

Von den Ablenkungen solch Unwürdiger mal abgesehen, bieten die fünf Herren auf der Bühne aber eine Show, die man so schnell nicht vergessen wird. Und das nicht mal nur der Musik wegen: Frontmann Shawn Smith ist als einzigartig proportionierte Mischung aus Heilsbringer, Hippie-Alien und Mafia-Don ein echter Blickfang, Zweitgitarrist Happy Chichester macht seinem Namen alle Ehre und hat ganz offensichtlich das Geheimnis der dauerorgasmischen Daseinsebene geknackt, während Stone Gossard, eigentlich ja die große Berühmtheit im Line-up, sich bis auf eine Darbietung seines belanglosen Solostücks ›Bayleaf‹ im Hintergrund hält – sofern das auf einer kaum handtuchgroßen Bühne möglich ist.

Andererseits hätte wohl selbst Lady Gaga ihre Schwierigkeiten, hier die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, denn Smith ist ein souveräner Zeremonienmeister, dessen Charisma völlig mühelos den Raum regiert. Sympathisch schüchtern tritt er auf die Bühne, seine einzigartige Stimme sorgt umgehend für Seelentrost, doch wenn er dann mal in Fahrt kommt, ist man immer wieder erstaunt, dass dieser Knuddelbär so in Wallung geraten kann.

Einer ersten Tour gebührend, liefern Brad einen ausgewogenen Querschnitt ihrer bisherigen Alben ab, gespickt mit ein paar Coverversionen, wobei man gerne noch mehr von ihrem sträflich übergangenem Meisterwerk UNITED WE STAND von 2012 gehört hätte. Bemängeln könnte man höchstens, dass aufkommendes Temperament bisweilen zu schnell mit Balladeskem abgewürgt wurde, doch letztlich verlässt man den Saal und weiß: Brad dürfen auf keinen Fall noch mal 20 Jahre bis zum nächsten Mal verstreichen lassen. Groß!

 

Live: Rock meets Classic und Jake Bugg

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RMC3nROCK MEETS CLASSIC
SAP Arena, Mannheim

Gitarren, Geigen, Greatest Hits

Paul Rodgers (Free, Bad Company und kurzfristig Queen), Eric Bazilian (The Hooters), Steve Augeri (Journey), Chris Thompson (Manfred Mann’s Earth Band), Bonnie Tyler – allesamt prominente Namen, mit deren Hilfe die nach der Wiederbelebung im Jahre 2010 dritte Ausgabe von Rock Meets Classic zum Erlebnis wurde. Wie schon die Jahre zuvor war auch diesmal das Bohemian Symphony Orchestra Prague im Verbund mit der Mat Sinner Band für das musikalische Grundgerüst verantwortlich, auf dem sich die zuvor erwähnten Vokalisten dann stimmgewaltig austoben durften. Chris Thompson brauchte zwar zwei, drei Songs, bis die Stimme endlich auf Betriebstemperatur war, ebenso Steve Augeri, doch letztendlich gaben beide ihre jeweiligen Hits mit Verve und Leidenschaft zum Besten.

Augeris Interpretation von ›Faithful‹ zauberte den Zuhörern gar ein glückliches Grinsen ins Gesicht. Eric Bazilian brillierte schließlich als sympathische Ein-Mann-Entertainment-Maschine, deren gesanglich perfekte Darbietung ihren Höhepunkt in einer fulminanten Version von ›Johnny B.‹ fand. Special Guest Bonnie Tyler, traditionell eigentlich eher im Pop denn im Rock beheimatet, erstaunte mit ihrer kraftvollen, rauchigen Stimme und einer charismatischen Bühnenpräsenz, ihre Show gipfelte in einer hervorragenden Version des Klassikers ›The Best‹. Der eigentliche Star des Abends war zweifellos Paul Rodgers, der ganz ohne Anlaufschwierigkeiten Großtaten wie ›Wishing Well‹, ›Feels Like Makin‘ Love‹, ›All Right Now‹ und ›Rock’n’Roll Fantasy‹ aus dem Ärmel schüttelte und damit seinem Ruf als einer der besten Rocksänger aller Zeiten absolut gerecht wurde. Beim großen Finale des Abends zogen Orchester, Band und Sänger dann noch einmal alle Register – und lieferten den Beweis, dass Klassik und Rock bestens miteinander harmonieren können. Ein unterhaltsamer Abend also, der vor allem eine Frage aufkommen ließ: Wer wird wohl bei der nächsten Tournee dabei sein?

Jürgen Tschamler

JAKE BUGG
Zoom, Frankfurt

Erwartungen erfüllt

Nur einen Tag älter als Justin Bieber sei er, betont Jake Bugg gerne in Interviews. Tatsächlich feierte der wichtigste Nachwuchskünstler Großbritanniens 2012 am 28. Februar seinen 19. Geburtstag. Bieber zog einen Tag später nach. Doch wo der eine weltweit Heerscharen an Zahnspangenträgerinnen mit Reißbrett-Pop verzückt, zieht der andere ein Publikum, dass durchschnittlich mehr als doppelt so alt ist wie der junge Protagonist, der in Schwarzweißästhetik ernst vom Cover seines selbstbetitelten Debüts blickt. Doch Jake Bugg versteht nicht nur zu posieren. Mit der Folkballade ›Fire‹ eröffnet er zur Akustikgitarre den Songreigen, bevor sich für das temporeiche ›Kentucky‹ seine Begleiter an Bass und Schlagzeug zu ihm gesellen.

18 Songs werden es unterm Strich bis zum Finale sein. Vier mehr, als sein mit 14 selbstkomponierten Nummern bestückter Erstling hergibt. Handwerklich erstklassige Ware zwischen dynamischem Tempo und introspektiver Kontemplation. Mit klaren Textbotschaften, die einem ob des Alters seines Urhebers immer wieder in Erstaunen versetzen. ›Seen It All‹ formuliert er in Abgeklärtheit. In ›Note To Self‹ kritisiert er seine charakterlichen Schwächen. Man fragt sich: Woher nimmt der Spätteen nur seine Weisheit? Über das Trinken und das Rauchen singt er auch. Und, was für einen Jungen seines Alters wenig verblüfft, über zerbrochene oder unerwiderte Liebe.
Bei jedem Song wechselt er die Gitarrenmodelle. Doch die größte Überraschung, abgesehen davon, dass er mit Stimme und auf Retro getrimmtem Klangbild alle an ihn gestellten Erwartungen optimal erfüllt, dürfte sein, dass er auch noch unglaublich präzise Solis und Licks spielt. ›Someone Told Me‹ und ›Country Song‹ bestreitet er solo. Für ›Broken‹, eine der beiden Zugaben, packt er die ganz großen Gefühle aus. Doch zündet vor allem Verrocktes und Verrolltes wie ›Trouble Town‹, ›Taste It‹ und ›Lightning Bolt‹. Selbst die einzige Coverversion, Johnny Cashs ›Folsom Prison Blues‹, klingt, als stamme sie aus Buggs eigener Feder.

 

Live: Sound City Players und The Killers

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Concert For The Premiere Of "Sound City" At The Hollywood PalladiumSOUND CITY PLAYERS
Utah Park City Live
Park City

In einer brechend vollen Halle an der verschneiten Main Street in Park City eröffnet Dave Grohl das berühmte Sundance Film Festival 2013 mit stilvollem Ehrgeiz – und sogar richtiggehend geschichtsträchtig. Er ist hier, um sein Regiedebüt „Sound City” zu promoten, seine Dokumentation über die Geschichte des geheiligten Aufnahmestudios gleichen Namens in Los Angeles, wo Nirvana einst mit Butch Vig ihr legendäres NEVERMIND eingespielt haben. Zu diesem Anlass hat er eine imposante Aufstellung ehemaliger Kunden dieser Institution versammelt, um ihre größten Hits und Stücke aus dem begleitenden Album REAL TO REEL zu spielen.

Während es draußen ziemlich kühl (OK, seien wir ehrlich: arschkalt) ist, wird die Stimmung drinnen mächtig angeheizt von der einzigartigen Chemie dieser kontinuierlich fluktuierenden Supergroup, stets zusammengehalten von Zirkusdirektor Grohl (abwechselnd an der Gitarre und am Schlagzeug) und seinem ansteckenden, kindlichen Enthusiasmus. Über die mehr als dreistündige Show werden wir verwöhnt mit äußerst lebhaften Gesangsdarbietungen von Alain Johannes, Rick Springfield, Corey Taylor (Slipknot, Stone Sour) und Stevie Nicks, unterstützt von u.a. Trent Reznor, Taylor Hawkins (Foo Fighters) und Ex-Nirvana-Kollege Krist Novoselic. Ein wahres Who’s Who des Rock’n’Roll-Hochadels also, und es ist einfach grandios, diese Musiker alle eine Bühne teilen zu sehen.

Es bleibt dabei kaum Raum zum Atmen, während dieses konstant formwandelnde Line-up aus Hochkarätern das Staffelholz weiterreicht, was die Aufmerksamkeit des Publikums dann auch keine Sekunde schwinden lässt. Sowohl Rick Springfields ›Jessie’s Girl‹ als auch John Fogertys Creedence-Clearwater-Revival-Hit ›Proud Mary‹ werden von der Menge ohrenbetäubend laut und begeistert mitgesungen.

Das wahrhaft krönende Highlight kommt allerdings von der himmlischen Stevie Nicks, die mit Grohl eine hochemotionale Akustikversion von Fleetwood Macs ›Landslide‹ darbietet – ein richtiges Gänsehaut-Finale zu einem fantastisch surrealen Abend.

Richard Jordan

THE KILLERS
Zenith, München

Vegas Baby, Vegas!

The Killers aus Las Vegas, Nevada, sind zu Besuch in München. Die Formation, die von Hardlinern nicht immer als vollwertige Rockband anerkannt wird, genießt zumindest den Ruf als erstklassige Livekapelle. Das wird schon durch die Tatsache demonstriert, dass das Konzert im Zenith bereits seit Wochen ausverkauft ist. Der passende Rahmen ist also geboten, um sich durch eine reinrassige Rockshow zu beweisen.

Das Publikum, das so zahlreich in die Halle strömt, spiegelt das real existierende Image der Herren um Sänger Brandon Flowers wider. Viele junge, nicht gerade mit Jeans-Kutte und Lederhose aufwartende, überwiegend weibliche Fans besuchen The Killers, um in Pathos badend zu feiern. Wie sich an diesem Abend noch herausstellen soll, haben sie sich dafür die perfekte Veranstaltung ausgesucht.

Das Licht geht aus. Jetzt ist Zeit für eine knapp zweistündige, amerikanisch bombastische Materialschlacht. Doch: Das Licht geht wieder an. Ronnie Vannucci Jr., Flowers, Dave Keuning und Mark Stoermer betreten gemeinsam mit ihren beiden Zusatz-Gitarristen/Pianisten in aller Ruhe – gefeiert von tausenden Menschen – die Bühne in der hell erleuchteten Halle. Es scheint, als wollten die Musiker jeden einzelnen der Menschen sehen, für die sie gleich spielen werden. Sofort geht es mit einem ihrer größten Hits, ›Mr. Brightside‹, los. Der einfache aber ebenso geniale Trick mit der Hallenbeleuchtung gibt dem Auftakt eine feierliche Stimmung, bei der das Publikum den eigentlich spektakulären Effekt erzeugt. Dass The Killers aus der schillerndsten Stadt der Welt kommen und die Gesetze des Showgeschäfts schon mit der Muttermilch zu sich genommen haben dürften, beweisen sie mit dem gesamten folgenden Auftritt. Durchaus geschmackvoll stellen sie vermutlich einen LED-Rekord für das Zenith auf und ihr exzessiver Einsatz von Pyrotechnik (während ›Miss Atomic Bomb‹ steigen gefolgt von Explosionen kleine Pseudo-Atompilze an die Hallendecke) ist für Konzerte dieser Größenordnung höchst selten. Die Battle Born Tour ist eine imposante Mega-Produktion auf höchstem musikalischem Niveau. Genau das versteht man unter Rock’n’Roll, meine Damen und Herren!

Paul Schmitz

Live: Gary Clark Jr. – Atomic Café, München

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Gerry Clark Junior _4Manic Expression & Communication Breakdown

Ein bisschen verstrahlt ist er ja!“ Stimmt, was die Nachbarin anmerkt. Gary Clark Jr., 29 Jahre alt und heiß gehandelt als „neuer Hendrix“ (New York Times), erscheint einigermaßen unbeholfen. Zumindest bei den wenigen Versuchen, im bis auf den letzten Winkel vollgestopften Münchener Atomic Café mit dem Publikum zu kommunizieren. Jedes Mal wenn er ans Mikro tritt, ist allenfalls ein leises Murmeln zu vernehmen, die Silben scheinen im dichten Gestrüpp seines Vollbarts hängen zu bleiben, wobei er verlegen an seiner Wollmütze zupft und linkisch grinst.

Macht aber nichts, denn auch wenn der schlaksige Bursche aus Austin, Texas, kein Entertainer ist, ein grandioser Musiker ist er allemal. Gleich zu Beginn packt er mit ›When My Train Pulls In‹ einen der zentralen Bluesrockstampfer seines Major-Debüts BLAK AND BLU aus, zehn Minuten manic expression zum schwer durch die Lärmwogen rollenden Gitarrenriff. Gefolgt vom drängenden Shuffle ›Don’t Owe You A Thing‹.

Interessant: Als hauptsächliches Handwerkszeug bevorzugt Clark eine Gitarre, die Hendrix keines Blickes gewürdigt hätte. Die halbakustische Epiphone Casino war zuletzt in den Händen der Beatles während der Bravo-Blitztournee 1966 populär. Clark, der die Gitarre mit einem museumsreifen Fender-Amp verstärkt, schätzt, so ließ er ein Fachmagazin wissen, den holzigen, warmen und dynamischen Ton des Instruments. Was ihm bei seinen manisch emotionalen, auf der Kante zu quietschenden Feedbackabgründen balancierenden Soli zugute kommt. Mit unendlichen Triolen-Ketten schafft er eine fast mit den Händen zu greifende Intensität, die das Publikum immer wieder zu Szenenapplaus hinreißt.

Deutlich rauer, energetischer und kraftvoller klingt all das als auf Clarks sorgsam für ein Massenpublikum geschminktem Album, Songs wie ›Numb‹, ›Ain’t Messin’ Around‹, ›If You Love Me Like You Say‹ mit dem eingearbeiteten Hendrix-Thema ›Third Stone From The Sun‹ sowie ›Travis County‹ kommen dem rustikalen Spiel der Band ebenso entgegen wie der außergewöhnlich warmen Soulstimme von Clark. Dennoch will die Party nicht recht zünden. Der Mann aus Austin schafft es nicht, das Publikum wirklich zu berühren – auch wenn er mit einer meditativen Lesung von ›Blak And Blu‹ demonstriert, dass der Song deutlich mehr Tiefe hat als die Neo-R’n’B-Schunkel-Version auf dem Album vermuten lässt, und das Ganze zum Abschied mit einem dröhnenden ›Bright Lights‹-Finale krönt. Nach 100 Minuten schlurfen Clark und seine drei Begleiter von der Bühne. Ohne Zugabe.

Ernst Hofacker

Nachruf: Alvin Lee – Going Home 1944-2013

Alvin Lee

 

Als Ende der 60er Jahre das Zeitalter der Gitarrengötter anbrach, erspielte er sich einen wohlverdienten Platz im Olymp: Der in Nottingham geborene Graham Alvin Barnes, so sein bürgerlicher Name, startete seine Profikarriere 1962 mit den Jaybirds, die auch im Hamburger Star Club gastierten. Doch erst mit den 1967 gegründeten Ten Years After ging es wirklich bergauf – auf den ersten Blick ein typisches Kind des britischen Blues-Booms jener Jahre, avancierte die Band zu einer Plattform für ausgefeilte, genreübergreifende Improvisationen. Denn Lee, der mit wahrhaft atemberaubender Geschwindigkeit solieren konnte, war weit mehr als nur ein technisch versierter Schnellspieler, er inkorporierte Jazz, Rockabilly, Folk und war auch dem psychedelischen Experiment nicht abgeneigt. Das ganz große Publikum erreichte die Band allerdings erst mit dem Konzertfilm „Woodstock“. Ten Years Afters rasantes ›I’m Going Home‹, über zehn Minuten lang und verfeinert mit Lees Scat-Gesang sowie Reminiszenzen an die Rockabilly-Ära, wurde quasi zur Erkennungsmelodie des virtuosen Quartetts. In den frühen 70ern gelang Ten Years After das Kunststück, sowohl Blues-Fans zu begeistern, die sich an Stücken wie ›I Can’t Keep From Crying, Some­times‹ und ›Help Me‹ delektierten, als auch progressiver gesinnte Hörer anzusprechen, die den technisch anspruchsvollen Improvisationsrock der Band goutierten.

1974 trennten sich Ten Years After, Lee hatte bereits ein Jahr zuvor mit Freunden wie Mylon LeFevre, George Harrison und Steve Winwood das Album ON THE ROAD TO FREEDOM aufgenommen. Mit seinen neuen Formationen Alvin Lee & Company und Ten Years Later veröffentlichte er jeweils zwei Alben und blieb dem Bluesrock auch in den folgenden Jahren treu. 1989 entstand mit Ten Years After das Reunion-Album ABOUT TIME, ein Kindheitstraum wurde für Lee dann im Jahre 2004 wahr: Mit Gitarrist Scotty Moore und Schlagzeuger D.J. Fontana, Mitgliedern von Elvis Presleys erster Begleitband, nahm er das Album IN TENNESSEE auf – Ende der 50er war Lee nur deshalb in den Elvis-Fanclub eingetreten, um an Fotos seines Idols Scotty Moore zu kommen. Noch im vergangenen Herbst erschien sein letztes Album STILL ON THE ROAD TO FREEDOM.

Völlig unerwartet verstarb Alvin Lee am 6. März in Spanien an den Folgen einer „Routine-OP“, wie seine Familie verlauten ließ. Er wurde 68 Jahre alt. Seine legendäre Gibson ES-335 in Cherry Red, verziert mit einem Peace-Aufkleber und allerlei weiteren Stickern, wird nun für immer schweigen.