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Amplifier – Gute Ideen kosten nix

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amplifier 2010

Amplifier zeigen, wie man mit kleinem Kontostand große Alben erschaffen kann. Das eigenständige Trio aus Manchester zählt zu den Aufsteigern der europäischen Rockszene.

Die Grippewelle rollt, Sel Balamir ist sichtlich angeschlagen. Er hat seine Magen-und-Darmgrippe kaum auskuriert. Dennoch streckt er mir freundlich lächelnd die Hand entgegen, die ich zögernd ergreife. Wir sitzen in einem Restaurant in Berlin-Mitte, wo der Frontmann von Amplifier sich löffelweise Tomatensuppe einflößt. „Inzwischen gibt es uns siebzehn Jahre“, blickt Sel schniefend zurück. „Matt (Brobin, Schlagzeug) und ich begannen 1996. Bei uns in Manchester regierten damals Oasis, daneben war die Hacienda ein Zentrum der Popmusik.“ Der Sänger und Gitarrist bezieht sich auf den ersten Electro House Club Europas, der überall Nachahmer fand. „Außerdem gab es akustische Acts wie Badly Drawn Boy und Elbow. Wir passten in keinen der Trends, unsere Musik war forschend, wir haben keine fertigen Songs gespielt.“ Amplifier guckten eher nach Seattle als nach Manchester, experimenteller Grunge stand ihnen näher als wehleidiger Brit-Pop. „Einige der Titel, die wir bei unserem allerersten Gig spielten – im Vorprogramm von Elbow – haben wir heute noch im Set. Und ich finde sie immer noch aufregend.“

Balamir teilt die Entwicklung seiner Band in drei Phasen. „Es gab die goldene Zeit, bevor wir einen Plattenvertrag hatten. Alles war Spaß und Liebe. Wir hatten große Ambitionen und Träume, aber keine Erwartungen. Das war eine produktive Phase. Die dunkle Periode fing mit unserem Record Deal an. Unser erstes Label wurde verkauft in der Woche, in der unser Debütalbum AMPLIFIER herauskam. Dann hatten wir eine deutsche Plattenfirma, die recht distanziert war. Sie wollte unbedingt ein zweites Album, wir gaben ihnen INSIDER, aber sie mochten es nicht“, berichtet Sel stockend. Daraufhin hatte das Trio die Nase voll von Plattenfirmen. Ihr Opus Magnum THE OCTOPUS (2011) vermarkteten sie selbst. „Niemand gab uns Anweisungen, niemand redete uns drein, keiner wollte Singles. Wir brachten ein Doppelalbum heraus und konnten 20.000 Stück davon verkaufen“, gluckst der Brite mit türkischen Wurzeln vor Vergnügen. „Alles machten wir selbst, wir haben die CDs quasi aus der Garage unseres Drummers verkauft – mit Hilfe von Vertrieben. Jede einzelne Kopie enthält Sticker und Infos, die meine Frau und ich persönlich hinein gesteckt haben.“ Diese Garagen-Rock-Vermarktung hatte zwei große Vorteile: Zum einen musste die Band das verdiente Geld mit niemandem teilen; zum zweiten lernte die Band gründlich, wie das Musikgeschäft funktioniert.

Der aktuelle Dreher ECHO STREET erscheint auf K Scope, dem Label von Steven Wilson. Der Prog-Papst ist momentan in aller Munde, er ziert Titelblätter der Musikpresse, alles, was er anfasst, kann sich der Aufmerksamkeit der Medien sicher sein. „Prog-Fans mögen alles, was auf diesem Label erscheint“, wundert sich Sel. Er berichtet, dass sie 2011 neben THE OCTOPUS noch eine dritte Platte eingespielt hätten, „mit völlig anderem Charakter, euphorisch und erhaben, voller Regenbögen und UFOs. Aber an der Scheibe müssen wir noch arbeiten, sie wird „Mystoria“ heißen.“ Im Gegensatz zu dem geheimnisvollen, zukünftigen Album ist das vorliegende ECHO STREET sehr bodenständig, fließend und melancholisch. „Unsere Platten haben immer mit den Umständen zu tun, in denen sich die Band befindet. Wir hatten schlicht kein Geld, „Mystoria“ zu beenden. So nutzten wir für ECHO STREET alte Ideen, die im letzten Jahrzehnt liegen geblieben waren. Deshalb haben die Songs etwas Nostalgisches, Nachdenkliches und Melancholisches,“ sagt Sel zum Ende des Gesprächs. Die Interviewzeit ist abgelaufen. Ich winke, zum Abschied gibt´s kein Händeschütteln.

 

Kadavar – Trips und Bärte

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Kadavar2013aEinem der tiefsten Keller Berlins entsteigen die drei Vollbärte von Kadavar. Und halten der strahlenden Sonne nun ein mitreißendes Stück Musik entgegen.

Tiger steht pünktlich am vereinbarten Treffpunkt, einem Gleis der U-Bahnstation Osloer Straße im Berliner Stadtteil Wedding. Der stets ernste Trommler und Tontechniker von Kadavar (mit drei a!) ist baumlang und spindeldürr, trägt rotblonde lange Haare, dazu einen mächtigen Bart. Er steckt in engen Jeans und uralten Stiefeletten mit durchlöchertem Oberleder, durch das man seine dunkelblauen Strümpfe sieht. Tiger führt mich in den nahegelegenen Übungskeller des Trios, einen feuchten, fensterlosen Raum, durchzogen von Heizungsrohren, voller Flaschen und Gerümpel. An zentraler Stelle stehen ein durchsichtiges Acryl-Schlagzeug, eine Analog-Bandmaschine und ein Computer. Bassist Mammut, ein kräftiger Österreicher mit unverkennbarem Akzent, schwarzem Hut und nicht minder schwarzem Bart, sitzt auf der Couch und lädt freundlich dazu ein, sich am kleinen, aber feinen Kalten Buffet zu stärken.

Tiger serviert einen kräftigen Espresso und drückt auf die Starttaste des Computers. Es erschallt ABRA KADAVAR, das neue, zweite Album des Dreiers. Die leidenschaftliche Mischung aus Stoner-Klängen, Psychedelic und Hardrock wirkt frisch und vorwärts gewandt. St.Vitus, Pentagram, Black Sabbath und Hawkwind lassen grüßen, doch es ertönt auch eine unverkennbar eigene Note. Im Verlauf der Listening-Session trifft Lupus Lindemann ein, Gitarrist, Sänger und Texter von Kadavar. Ursprünglich aus Thüringen stammend, erweist sich Lindemann als alter Hase der Berliner Rockszene, der über vier Jahre das Live-Booking eines angesagten Clubs erledigt hat. „Man kann aus klassischen Rockklängen etwas Neues kreieren“, ist Lupus überzeugt. „Wir filtern die Parts heraus, die wir gut finden, und kombinieren sie. Ich kenne keine Band, die Psychedelic der Sixties spielt wie wir das zum Ende von ABRA KADAVAR tun.“ Die Idee sei es gewesen, „für jeden etwas dabei zu haben“, erklärt Mammut. „Für den einen Garagen-Sound, für den anderen etwas Psychedelisches und für den dritten Sixties-Rock. Wir wollen auf keinen Fall in eine einzige Schublade gesteckt werden!“

Die Qualität der Scheibe erstaunt umso mehr, wenn man weiß, dass sie in nur zwei Wochen im Kasten war. „Spontaneität ist uns wichtig. Klar, wir haben mit altem Equipment aufgenommen, man hört den analogen Sound, ich wollte ungeschönte Aufnahmen“, unterstreicht Tiger, der eine Tontechniker-Schule absolviert hat. Kadavar profitieren dabei von ihrer Live-Erfahrung, im letzten Jahr hat das Trio über neunzig Gigs gespielt. Doch nicht nur auf der Straße wuchs die Band zusammen: „Wir haben zu dritt gewisse Substanzen genommen“, erzählt Lupus. „Wenn man solche Trips erlebt, schweißt das zusammen. Man lernt sich kennen. Wenn einer querschlägt, kommt man schlecht drauf, das ist bei uns nicht passiert. Von diesen Trips handeln die Texte der letzten beiden Songs.“

Ursprünglich wollten Tiger und Mammut ein Duo a la Black Keys starten. „Dann sahen wir Lupus mit einer Band in einem Club an der Schönhauser Allee. Er hatte einen schönen Bart und so haben wir ihn zu einer Probe eingeladen“, so Mammut. Bärte scheinen essentiell für die Wahl-Berliner, genau wie Klamotten aus den Sixties. „Das hat sich so ergeben. Wir haben nie über ein Konzept oder Image geredet. Wir mögen diesen Look einfach“, versichert Tiger. Der Bandname Kadavar erinnert dagegen eher an den Death Metal der 90er. „Das hören wir oft“, bestätigt Lupus, „aber es ist auch nicht schlecht, wenn die Leute zunächst auf einer falschen Fährte sind. Wenn sie uns dann hören, ist der Überraschungseffekt umso größer.“

 

Avantasia – Aus dem stillen Kämmerlein

Avantasia2010aVor Jahren bereits ein Fall fürs Abstellgleis, setzt das Nebenprojekt des Edguy-Sängers Tobias Sammet wieder zum Überholen an. Erneut sind allerlei illustre Passagiere an Bord.

Beim Wacken Festival 2011, das Avantasia als einer der Headliner absolvierten, verkündeteTobias Sammet das Ende seines Nebenprojekts. Lange daran gehalten hat sich der kleine kreative Mann mit der großen Stimme allerdings nicht. Mit THE MYSTERY OF TIME liegt nun knapp zwei Jahre nach dem offiziellen Schlussstrich das sechste Album vor, das die ohnehin schon sehr gelungenen Vorgänger in Sachen Songs, Gästen und musikalischer Größe noch deutlich übertrumpft. Sammet: „Für mich war es 2011 sehr wichtig, mit Avantasia abzuschließen. Als ich in Wacken auf der Bühne stand, habe ich mich gefragt, ob das überhaupt noch zu toppen wäre. Wir standen als einer der Hauptacts auf der Bühne des größten Metal-Festivals der Welt! Wir hielten Platz zwei der deutschen Charts, was man nicht als selbstverständlich hinnehmen sollte, waren darüber hinaus weltweit in den Charts vertreten. Was kann danach noch kommen? Ich dachte, es wäre ein geiler Moment, um die Geschichte zu beenden. Also konzentrierte ich mich wieder auf Edguy, die neue Platte war im Kasten, die Promo ging los. Doch irgendwann fing ich abends wieder damit an, mich in mein stilles Kämmerlein zurück zu ziehen, um als Ausgleich an Songideen zu basteln. Es klingt vielleicht paradox, als Ausgleich zu einem musikalischen Alltag abends Musik zu machen, aber genau so war das. Irgendwann kam die Eingebung, dass das, was ich da gerade mache, nichts anderes ist als Avantasia. In dem Moment war klar, dass es keine Grenzen mehr gibt und ich mein kleines Paralleluniversum aufbauen kann.“

Somit war der Startschuss zu einem neuen Album im Lauf, es musste nur noch abgedrückt werden. Das war das eigentlich Anstrengende. Bekanntermaßen waren die bisherigen Avantasia-Alben bestens bestückt mit hochkarätigen Gastmusikern, was es erneut zu toppen galt. So geben sich auf THE MYSTERY OF TIME u.a. Bruce Kulick (ex-Kiss), Eric Martin (Mr.Big), Biff Byford (Saxon), Ronnie Atkins (Pretty Maids), Michael Kiske (Gamma Ray, Unisonic), Arhen Lucassen (ex-Vengeance, Star One, Ayreon) und Joe Lynn Turner (u.a. Rainbow, Malmsteen, Brazen Abbot etc.) die Klinke in die Hand.

Tobias Sammet: „Es war eine wahre Freude, mit solchen Musikern zusammen zu arbeiten. Hervorzuheben ist sicher Ronnie Atkins, den ich schon für ein früheres Album haben wollte, was aber aus Termingründen leider nie geklappt hatte. Joe Lynn Turner war zeitlich gesehen der problematischste Musiker. Als er endlich ein Zeitfenster gefunden hatte, kam Hurrikan Sandy dazwischen und machte die ganze Sache noch komplizierter als sie ohnehin schon war, da an der Ostküste ja tagelang der Strom ausfiel. Richtig klasse war Schlagzeuger Russell Gilbrook von Uriah Heep. Ein sehr dynamischer, druckvoller Rockdrummer, der auch ganz ausgezeichnet Heavy Metal spielen kann.“

THE MYSTERY OF TIME klingt in seiner Gesamtheit erdiger, teils rockiger, weniger steril und überproduziert, worauf Tobias Sammet schon zu Beginn der Aufnahmen höchsten Wert legte: „Wichtig war mir, einen organischen Sound zu schaffen, was dazu führte, dass wir zum ersten Mal mit einem echten Orchester, in diesem Fall dem Filmorchester Babelsberg, zusammenarbeiteten. Wir haben dem Orchester viel Raum gelassen, denn ich stehe total darauf, wenn man echte Instrumente heraushört. Die Gitarren genossen natürlich dennoch oberste Priorität, denn unterm Strich ist die Gitarre immer noch das Hauptinstrument in unserer Musik.“

 

Stephen Stills – Leader of the pack

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Stephen_Stills_1_credit_Eleanor_StillsBei Buffalo Springfield fing er gemeinsam mit Neil Young den Zeitgeist der turbulenten Spät-60er so perfekt ein wie sonst niemand. Mit Crosby, Stills & Nash setzte er nicht nur gesanglich Glanzlichter, als De-facto-Bandleader schrieb er auch praktisch sämtliche Hits der ersten Supergroup der Rock-Geschichte. Als notorisch unterschätzter Gitarrist durfte er sich mit seinem Freund Jimi Hendrix messen. Sein Leben als Rockstar und sein ausschweifender Drogenkonsum sind legendär. Nun fasst das mit 25 unveröffentlichten Songs gespickte 4-CD-Boxset CARRY ON das beeindruckende Schaffen von Stephen Stills zusammen.

Graham Nash nervt mich mit der Idee eines Boxsets bereits seit mehr als zehn Jahren”, sagt der inzwischen 67-jährige Amerikaner im Interview mit CLASSIC ROCK lachend. Lange Zeit war er allerdings körperlich und mental nicht in der Verfassung, sich mit seiner eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen. Ausgerechnet der von seinem alten Weggefährten Neil Young gedrehte Tour-Film „CSNY Déjà Vu“ brachte die endgültige Wende. „Ich bin auf dem Gesundheitstrip, seitdem ich mich in diesem albernen politischen Film – Betonung auf ‚albern‘! – gesehen habe“, sagt Stills heute. „Ich dachte nur: ‚Oh mein Gott!‘“ Seitdem hat der Multiinstrumentalist seine Ernährung umgestellt, rund 20 Kilo Gewicht verloren, eine Prostataoperation gut überstanden und endlich Muße zur Rückschau gefunden. Den Löwenanteil der Arbeit überließ er dennoch seinem Bandkollegen Nash und Archivar Joel Bernstein. „Sie haben die Recherchen übernommen, denn ich habe nicht die Nerven dafür“, gesteht er grinsend.

Der Perfektionist in ihm hätte des Öfteren lieber die Originalversionen der Platten statt Alternativ-Takes verwendet. Trotzdem ist er sehr zufrieden mit dem Ergebnis, das seine sagenhafte 50-jährige Karriere in 82 Songs Revue passieren lässt. Ausgerechnet die ›No Name Jam‹ mit Jimi Hendrix von 1970 hätte er allerdings am liebsten zurückgehalten. Der nun veröffentlichten Instrumental-Version fügte Stills letztes Jahr neue Overdubs hinzu. Auf den damals angedachten Text verzichtete er aber – vorerst. „Die Nummer sollte eigentlich ›White Nigger‹ heißen, denn wir waren damals ziemlich wagemutig und wollten die Rassenbarrieren niederreißen“, erinnert er sich. „Eines Tages werde ich den Song fertigstellen, aber für den Moment ist dies alles, was ihr kriegt!“

Das Boxset dokumentiert auch Stills’ Aufnahmedebüt mit 17. Der lupenreine Folk-Song ›Travelin’‹ von 1962 steht am Anfang der umfassenden Werkschau. „Ich war ziemlich baff, als ich die Nummer jetzt wieder hörte“, verrät der gleich zweimal in der Rock’n’Roll Hall Of Fame vertretene Ausnahmegitarrist. „Mein Travis-Picking ist schon ziemlich ausgereift. Diesen Stil habe ich bis zum heutigen Tag beibehalten.“ Entstanden ist der Mitschnitt in Costa Rica, wo der Spross einer Militärfamilie damals lebte. „Dort konnte man abends einfach nichts unternehmen“, sagt er rückblickend. „Die meiste Zeit saß ich zu Hause in unserem wunderschön gekachelten Bad und spielte Gitarre. Eines Tages schleppte mich dann ein Typ von der Botschaft in sein mit hochwertigem Aufnahmeequipment vollgestelltes Apartment. Dort habe ich für den Sender Voice Of America meinen ersten Song aufgenommen. Er handelte von dem, was ich kannte: dem Herumreisen. Ich machte ja nichts, außer ständig umzuziehen und ein Fremder zu sein!“

Der Rest ist Geschichte. Nach einer Stippvisite in New Yorks Folk-Zirkel ging Stills 1966 nach Kalifornien und gründete gemeinsam mit Neil Young Buffalo Springfield. Das Quintett verband Rock, Folk und Country in bis dahin ungekannter Weise und Vollendung. Allerdings bedauert Stills bis heute, dass der Bühnen-Sound der Band auf Platte nie richtig eingefangen wurde. Auch deshalb bezeichnet er Buffalo Springfield lediglich als die „Baby-Version“ dessen, was ihm musikalisch vorschwebte. „Live haben wir damals viel langsamer und viel rhythmusbetonter gespielt“, erklärt er. „Leider waren wir im Studio viel zu aufgeregt. Wenn man die Aufnahmen mit Pro Tools verlangsamt, ohne die Tonart zu ändern, klingt’s großartig!“

Trotzdem machte die Band Stills zum Star: Die von ihm geschriebene Single ›For What It’s Worth‹ verkaufte sich eine Million Mal und entwickelte sich zu einer der wichtigsten politischen Hymnen der Ära. Doch mit dem Erfolg kamen auch Probleme. „Ruhm kann sehr gefährlich sein. Mehr muss ich dazu eigentlich nicht sagen“, bringt er es heute auf den Punkt. Nach nur zwei Jahren zerfiel die Band. „Alles, was mir blieb, war meine Gitarre, mein kleiner Bungalow und mein Ferrari“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

In dem gerade bei den Byrds gefeuerten David Crosby fand Stills aber bald einen Leidensgefährten und in Cass Elliot von The Mamas And The Papas eine gute Freundin mit einem offenen Ohr für seine Sorgen. Mama Cass war es auch, die1968 in ihrem Haus für die Zusammenkunft sorgte, die Stills’ Leben für immer verändern sollte. „Ich erinnere mich wirklich nicht mehr an viel, aber das weiß ich noch wie gestern“, sagt er und erzählt – ungefragt und detailverliebt – noch einmal die ganze Geschichte: Wie er vollkommen begeistert The Hollies im Whiskey A Go-Go sah, wie ihn Elliot kurz darauf fragte, ob er und Crosby nicht noch eine dritte Stimme für ihre neuen Songs brauchen könnten, wie er mit der Gitarre unter dem Arm in Elliots Haus auftauchte und dort zu seiner Überraschung nicht nur Crosby, sondern auch Hollies-Sänger Graham Nash vorfand und die drei zum ersten Mal gemeinsam ›You Don’t Have To Cry‹ sangen. „In diesem Moment“, ist sich Stills sicher, „wurden wir eine Familie“.

Wie in den meisten Familien, gingen sich auch diese drei Brüder im Geiste über die Jahre ganz gehörig auf den Zeiger. Auch wenn ihr federleichter, Harmonie-beseelter Folk-Pop bis heute unerreicht blieb: Nach ersten Erfolgen mit ihrem bahnbrechenden selbstbetitelten Debütalbum und der gemeinsam mit Neil Young eingespielten Nummer-1-LP DEJA VU 1969/70 driftete die Band immer wieder auseinander. In den 70ern wurde in den Musikgazetten regelmäßig in aller Öffentlichkeit dreckige Wäsche gewaschen. Stills fand derweil auch als Solist und mit dem Projekt Manassas Erfolg, wagte sich stilistisch sogar in Richtung Salsa und Jazz vor. Trotzdem haben sich Crosby, Stills und Nash immer wieder zusammengerauft. Ihre Live-Version von Bob Dylans ›Girl Of The North Country‹ vom letzten Oktober ist die neueste Aufnahme auf CARRY ON. Im Sommer gehen sie auch wieder gemeinsam in Deutschland auf Tour. Das simple Geheimnis der Langlebigkeit von CSN lüftet Stills zum Abschluss gern: Die drei Musikerlegenden gehen sich schlicht und ergreifend aus dem Weg, wenn sie nicht an einem gemeinsamen Projekt arbeiten. Die Liebe wächst bekanntlich mit der Entfernung.

 

Neuigkeiten zu: Frank Turner – Anti-Rockstar-Kampagne

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turner, frankJetzt müssen Mötley Crüe aber stark sein!

Frank Turner ist ein Phänomen der heutigen Zeit. Der Folk Punk Songwriter aus Hampshire ist der Superstar unter den Antistars. Im Auftreten unscheinbar und nahbar wie der nette junge Mann von nebenan, füllt Turner riesige Hallen wie zuletzt die Wembley Arena. Jahre lang war er mit seiner Akustik-Gitarre in der Welt unterwegs und bespaßte jede WG-Party, die ihm dafür einen Schlafplatz bot, bis er plötzlich 2012 mit Paul McCartney und Duran Duran die Olympischen Spiele eröffnete. Dennoch bleibt Turner bodenständig und zieht in seinen Texten charmant („So fuck you Mötley Crüe“) über das Rockstar-Image der Achtziger her. „Ich fand es immer geschmacklos, dass manche Leute glauben, Musiker hätten einen Freifahrtschein für ihr Benehmen. Das ist doch eine scheißdumme Ansicht. Ich bin nicht besser als andere, nur weil ich abgefahrenes Zeug erleben darf. Nikki Sixx und seine Kollegen dürften das aber wegstecken können“, meint er schmunzelnd. Nun veröffentlicht Turner sein neues Album TAPE DECK HEART, auf dem er erneut persönliche Themen verarbeitet. „Zu drei Vierteln ist es ein Trennungs-Album“, erklärt Turner, der sich auf dem Vorgängerwerk ENGLAND KEEP MY BONES vorwiegend mit Vergänglichkeit und Tod auseinandergesetzt hatte. „Vieles ist heute eben anders. Einige Leute werfen mir vor, dass ich mich verändert hätte. Klar habe ich mich verändert. Geht es nicht genau darum im Leben?“

 

Neuigkeiten zu: The Black Angels – In Öl gemalt

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The Black Angels_byCourtney Chavanell 3Ihren Namen haben The Black Angels aus Austin, Texas, von ›The Black Angel’s Death Song‹, einem Lied von Velvet Underground. Und genau dort – im Untergrund – haben sich die fünf Musiker seit Gründung der Band im Jahr 2004 kontinuierlich einen immer größeren Namen gemacht. Musikalische Beiträge auf Soundtracks von „Death Sentence“ und den Serienhits „Fringe – Grenzfälle des FBI“ und „Californication“ trieben ihre Popularität immer mehr voran. Jetzt, drei Jahre nach dem Vorgänger PHOSPHENE DREAM, präsentieren die Texaner ihr viertes Album INDIGO MEADOW und wollen einen weiteren Schritt nach vorn wagen, raus aus dem Underground.

Um dies zu erreichen wollten sie nichts überstürzen, sondern ließen sich für das neue Material Zeit. „Die meisten Songs wurden schon 2011 geschrieben. Im Januar 2012 haben wir uns dann in Austin zusammengesetzt und bis Juni etwa 30 neue Stücke ausgearbeitet“, beschreibt Gitarrist Christian Bland die Entstehung von INDIGO MEADOW. „Im August sind wir dann nach Tornillo in Texas gefahren, um in der Sonic Ranch zusammen mit Produzent John Congleton das neue Material einzuspielen. Wir haben insgesamt 16 Songs aufgenommen und davon 13 auf das Album gepackt.“ PHOSPHENE DREAM entstand damals in den Sunset Sound Studios in L. A. zusammen mit Dave Sardy. Der Orts- und Produzentenwechsel schlug sich auch auf die neue Platte nieder. „John Congletons Arbeitsweise hat die neuen Stücke schon merklich beeinflusst”, erzählt Bland. „Es war anders mit ihm. Wir haben auch sehr gerne mit Dave gearbeitet. Man kann ihre Arbeitsweise mit einem Gemälde vergleichen. Bei dem einen malt man mit Wasserfarben und der andere drückt einem plötzlich Ölfarben in die Hand: Es ist der selbe Prozess, nur mit anderem Werkzeug.“

Bei all den Veränderungen ist die Aussage ihrer Musik jedoch die gleiche geblieben. „Unsere Botschaft war schon immer die, die auch 13th Floor Elevators in ihrem Song ›Rollercoaster‹ vermittelt haben“, philosophiert Bland. „Du musst deinen Geist öffnen und alles darin aufsaugen. Wir möchten, dass die Menschen ihre vorgefassten Meinungen noch einmal überdenken und sich für einen kurzen Zeitraum einfach auf unsere Welt einlassen.“

 

Neuigkeiten zu: Heartless Bastards – Das Glück liegt auf der Straße

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heartless-bastards-arrow-3984Es gibt viele Wege, eine Schreibblockade zu bekämpfen. Erika Wennerstrom setzte sich ins Auto.

Ich hatte ganz schlimmen writer‘s block“, gesteht Erika, was umso ärgerlicher war, als THE MOUNTAIN, das letzte Album ihrer Heartless Bastards, mit großem Kritikerwohlwollen begrüßt und der Nachfolger entsprechend sehnlich erwartet wurde. „Ich beschloss, kleine Fahrten zu machen, ohne besonderes Ziel. Mal war ich einen Monat weg, habe Freunde besucht, mich dann wieder isoliert. Aber auch das fruchtete nicht, ich kam von diesen Trips zurück und hatte so gut wie nichts.“

Der Knoten platzte schließlich, als Erika endlich das richtige Umfeld fand. „Ein Freund von mir hat eine Ranch im Westen von Texas. Da steht ein Haus leer, das er mir überließ, und das war ideal. Nicht nur hatte ich dort die Idee, einfach über diese Reisen zu schreiben – die Inspiration dieser Landschaft war auch immens. In der Gegend wurden ‚No Country For Old Men‘ und ‚There Will Be Blood‘ gedreht und man kann sich vorstellen, wie die Büffelherden über den Horizont streifen.“

Das Ergebnis heißt ARROW und ist wunderschön erdiger Roots-Rock, der von Erikas dunklem Timbre veredelt wird und sich in etwa anhört wie leicht beschleunigte Cowboy Junkies mit Patti Smith am Mikro. „Es ist genau die Musik, die ich schon immer machen wollte“, resümiert Erika. Und die ist grandios!

Matthias Jost

Neuigkeiten zu: Clutch – Ehrenswerte Riffmaschine

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ClutchIm Winter ist Detroit, einst der Inbegriff des amerikanischen Traums und heute in großen Teilen eine Ruinenstadt, besonders deprimierend: kein Grün an den Bäumen, das die Industriebrachen verdecken könnte, dafür pfeift vom Lake Michigan her ein eisiger Wind. Ein hartes Pflaster, 386 Morde im vergangenen Jahr. Aber zumindest lebt hier ein Publikum, das geradlinigen, ungekünstelten Rock’n’Roll zu schätzen weiß, wie Neil Fallon, Sänger von Clutch, einräumt: „Die Leute hier haben einen Detektor für Unaufrichtigkeit.“ Seine Bandkollegen nicken stumm. Wir suchen eine Location fürs Foto-Shooting, aber der Wagen bleibt stets abfahrbereit. Wie gesagt: ein hartes Pflaster.

Nach 23 Jahren, neun Studioalben, fünf Live-Mitschnitten und über 2000 Konzerten sind Clutch zu einer Riffmaschine gereift, der man alles Mögliche vorwerfen kann – unaufrichtig zu sein aber ganz gewiss nicht. In Detroit ist die Band aus Germantown, Maryland, jedenfalls immer gerne gesehen.

Im US-Radio weniger. Bassist Dan Maines erzählt: „Als ich einem Sender während seiner Rockshow ein Interview gab, schwärmte ich dem Moderator von Lucifer’s Friend und Captain Beefheart vor. Er starrte mich entgeistert an und hat unsere Musik seitdem bestimmt nicht mehr gespielt. Wenn man sich beliebt machen will, muss man sagen: ‚Oh, ich stehe auf Alter Bridge’.“ Aber sich beliebt zu machen, ist nicht das Hauptziel von Clutch, ihre Fusion aus Hardcore, Funk, Rock und Metal ist dezidiert eigenwillig, zumal Sänger Neil Fallon auch noch einen Hang zum politischen Klartext hat, und zwar auf intellektuell und sprachlich hohem Niveau. Was – ebenso wie ihr Faible für 20-minütige Live-Jams – zwar eine hochgradig loyale, aber eben auch zahlenmäßig überschaubare Fan Gefolgschaft generiert hat, die Clutch jetzt mit ihrem neuen Werk EARTH ROCKER erfreuen. Musik für die Massen? Eher nicht. Aber Musik für Leute, die keine Lust auf hohle Posen haben, sondern Substanz fordern. Auch außerhalb von Detroit.