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The Quireboys – Verflucht gut

the_quireboys_2_ lee_thompsonIn der Karriere von The Quireboys gab es höchste Höhen und tiefste Tiefen. Gitarrist Guy Griffin beleuchtet diese Achterbahnfahrt, die 2013 mit BEAUTIFUL CURSE eine ihrer aufregendsten Stationen erreicht.

Text: Chris Franzkowiak

Guy, euer neues Album hört auf den Namen BEAUTIFUL CURSE – ist es euer „wunderbarer Fluch“ hervorragende Platten aufzunehmen und großartige Shows zu spielen?
(lacht) Den Titel der Scheibe haben wir ganz bewusst gewählt: Wenn du in einer Band spielst und das wirklich mit Inbrunst tust, denkst du überhaupt nicht weiter darüber nach, was gerade passiert. Dein Stil, deine Songs und wie du das Ganze auf die Bühne bringst, ist ein unfassbar magisches Ding, das sich durch eine Verknüpfung von Zufällen ergibt. The Quireboys ist unser BEAUTIFUL CURSE, an dem wir immer noch eine Menge Spaß haben.

…und das seit 29 Jahren. Wie schafft ihr es, derart unverbraucht zu klingen? Bei exakt gleichen Produktionsbedingungen wäre es unmöglich zu entscheiden, ob euer Debütalbum A BIT OF WHAT YOU FANCY oder BEAUTIFUL CURSE das erste oder jüngste Werk ist…
Das ist wahrlich eine lange Zeit. Unsere aktuelle Besetzung rockt inzwischen auch schon seit einer Dekade zusammen. Ich denke mal, dass wir in der glücklichen Situation sind, dass dieses Line-Up dieselbe Chemie besitzt wie die Band, die damals A BIT OF WHAT YOU FANCY im Studio einspielte. In der Retrospektive betrachtet, ist es wahrscheinlich auch ein wichtiger Aspekt in unserer Karriere, dass wir nie irgendwelchen Trends hinterher rannten und uns immer treu blieben. Das war eigentlich auch nicht schwer, wenn man, wie von uns praktiziert, verschiedenste Einflüsse in seinen Sound einarbeitet. Der Eckpfeiler ist logischerweise Rock’n’Roll, gewürzt mit Country, Blues, Soul und noch eine ganze Menge mehr. Mit diesem einfachen Trick landeten wir nie in einer Sackgasse, waren auch nie von uns selbst gelangweilt.

Denkst du, dass das der Grund ist, warum euch euere Fans zu einem sehr hohen Prozentsatz treu geblieben sind?
Auf jeden Fall! Warum zur Hölle hätten wir etwas ändern sollen? Man beendet ja auch keine Beziehung aus einer Laune heraus. Fast jeder bei uns hat Projekte außerhalb der Band laufen, bei denen er seinen anderen Vorlieben freien Lauf lassen kann.

Ganz so glatt lief es bei eurem Bandnamen allerdings nicht: von The Queerboys zu The Quireboys und in den USA zu The London Quireboys…
(lacht) Ursprünglich hieß die Gruppe The Choirboys, allerdings sagte dann irgendjemand, dass doch The Queerboys (Die wunderlichen Jungs; kann auch als schwule Jungs ausgelegt werden – Anm.d.A) besser zu den Gebaren passe, die an den Tag gelegt wurden. Aus irgendeinem Grund schien das ’ne Superidee zu sein. Dann kam jedoch eine Bookinganfrage für das Reading Festival ins Haus geflattert und die Veranstalter wollten unter keinen Umständen eine Band mit so einem Namen auf dem Billing stehen haben. So wurden The Quireboys – mit dieser sonderbaren Buchstabierung – geboren. Was das US-Ding anbelangt, gab es schon einen Act aus Australien, allerdings mit konventioneller Schreibweise. Um Verwechslungen bei Radioansagen oder rechtlichen Problemen aus dem Weg zu gehen, setzten wir einfach London vor den Namen, denn A BIT OF WHAT YOU FANCY stand gerade in den Startlöchern.

Kurz vor den Aufnahmen kamst du für den „gegangen wordenen“ Ginger ins Boot…
Nun, was passierte war…die Geschichte habe ich, wenn ich darüber nachdenke wirklich noch nie erzählt… seltsam (lacht)… ich fange mal so an: Es ist eigentlich ziemlich lustig, dass ich bei The Quireboys schon einsteigen sollte, bevor Ginger überhaupt in der Band war. Damals ging ich mit einer Freundin von Spike. Als die Beziehung in Scherben lag, bat sie Spike, dass er unbedingt mit mir reden solle, ob noch etwas zu retten wäre… in dem Gespräch ging es jedoch ziemlich schnell um Musik und ich bekam den Gig angeboten. Da ich damals nicht in London lebte, zögerte ich mit meiner Antwort. Als meine Entscheidung dann final feststand, bei The Quireboys einzusteigen, rief ich Spike an. Und erfuhr, dass mir Ginger den vakanten Posten leider schon weggeschnappt hatte. Warum er dann später nicht mehr Teil der Band war, soll er lieber selbst erzählen (lacht). Irgendwann wurde er gefeuert und ich bekam einen Anruf von Spike… Mist, jetzt hab ich’s doch verraten, dass er nicht freiwillig ging (lacht)… Spaß beiseite, es war für alle das Beste, denn ab diesem Zeitpunkt spielte jeder die Musik, die ihm wirklich am Herzen lag. Ich hatte das große Glück, dass ich meine Sachen packen durfte und direkt nach Los Angels zu den Aufnahmen zu A BIT OF WHAT YOU FANCY flog. Du kannst dir vorstellen, was das für eine aufregende Zeit war!

…die wahrscheinlich euer Leben auf den Kopf stellte…
Es war wie ein Sportwagen, der von 0 auf 100 in ein paar Sekunden beschleunigte: Du hast eine weltweit erfolgreiche Platte, bekommst eine Anfrage, mit den Rolling Stones zu spielen und rockst obendrein noch mit deiner Band in deiner Heimatstadt in einem Fußballstadion, während Mick Jagger und Ronnie Wood von der Bühnenseite zuschauen …das war alles mehr, als wir uns jemals erträumen konnten.

Danach wurde euer Höhenflug extrem gebremst, da Grunge auf der Bildfläche erschien…
Das war Scheiße! Stell dir mal vor, du bist auf dem Weg, eine wirklich große Band zu werden und dann passiert so ein Dreck! Wir hatten das „Glück“, genau in diesen „Machtwechsel“ des Rock’n’Roll hineinzurutschen und wurden obendrein noch in ein Genre gesteckt, in das wir bei aller Liebe nicht hineingehörten. Ich möchte mal wissen, wie uns jemand ernsthaft als Glam oder Hair Metal Act sehen kann? Jedenfalls waren The Quireboys über Nacht Schnee von gestern…so einen herben Rückschlag muss du erst mal wegstecken!

Zum Glück konntet ihr das Ruder ein paar Jahre später wieder herumreißen und seid zwei Dekaden nach dieser Chose mit einem euerer besten Alben immer noch hier. Wo hat eigentlich die Reise zu BEAUTIFUL CURSE angefangen?
Die startete leider etwas später als geplant, denn wir wechselten unser Management, eine Verhandlung mit einem Label lief ins Leere und am Schluss waren nur noch zwölf Tage für die Aufnahmen übrig. Pro Tag tüteten wir einen Song ein – dank unseres Produzenten Chris Tsangarides klappte alles wie am Schnürchen. Er lieferte uns den perfekten Sound für die Stücke und wir als eingespieltes Team erledigten den Rest. Ich freue mich jetzt schon, wenn wir wieder auf Tour gehen und zielsicher auf 30 Jahre The Quireboys zusteuern…aber das ist eine andere Geschichte (lacht).

Blackfield – DNA entschlüsselt

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Blackfield 2Seit dem letzten Blackfield-Album WELCOME TO MY DNA hat Aviv Geffen ganz das Steuer bei der Kollaboration mit Steven Wilson übernommen. Israels Rockstar #1 erklärt uns das Bandgefüge anno 2013 anlässlich des Erscheinens von BLACKFIELD IV.

Text: Matthias Jost

„Ich war immer der Kopf von Blackfield, und Steven und ich waren uns einig, dass ich eher der Songwriter bin, während er eher der Soundarchitekt ist. Also bin ich in die Führungsrolle geschlüpft. Steven ist immer noch ein großer Teil des Puzzles, auf dem neuen Album findet man ihn auf den meisten Stücken, ob er nun singt, Gitarre spielt oder mit mir zusammen singt, und natürlich hat er das ganze Album gemixt.“ Klingt nach einer sehr erwachsenen Beziehung, die der Nahost-Rockgott und Prog-Titan da pflegen. Was hat Aviv daraus gelernt, das er nie gelernt hätte, wäre er Wilson nie begegnet? „In einer echten Freundschaft lernt man jeden Tag voneinander. Ich kam aus dem Orchester- und Klavierbereich, er ist mehr das Gitarrengenie, und wir haben viele Ideen miteinander geteilt. Ich glaube, er ist in meinen Songs und ich in seinen, seit wir uns kennengelernt haben. Das ist die Magie der Kunstwelt, wir reagieren aufeinander und verändern uns mit der Zeit.“

Für Geffen war dieses Jahrzehnt tatsächlich ein großer Schritt, nicht nur aus seinem musikalisch angestammten Terrain, sondern auch der Blase des Starruhms zu Hause. „Es ist so toll, außerhalb Israels keine Berühmtheit zu sein. Das lässt die Kunst unverfälscht. Blackfield-Fans schätzen meine Lieder, ohne viel über meinen Hintergrund, meine Ansichten zu wissen. Ich muss sagen, das ist sehr gesund für mein Ego.“

Und für die Musik von Blackfield, die wirklich ihre ganz eigenen Bahnen zieht, irgendwo zwischen Pop, Alternative, Elektronik und Prog, und auf IV einen neuen Reifegrad erreicht hat. „Da ist einfach eine gewisse Magie, wenn Steven und ich zusammenarbeiten, die ich mit keinem anderen Musiker erlebt habe. Wir haben das Glück, eine neue musikalische Sprache zu erschaffen. Nichts klingt wie Blackfield, wir passen in kein bestimmtes Genre und das ist auch unser Ziel. Du kannst den ganzen Tag darüber nachdenken, ob das nun Pop, Prog oder Rock ist, aber wen interessiert das? Wenn es gut ist, ist es gut. Ich bin kein großer Fan von Gitarren- oder Keyboard-Soli, ich glaube an Songs. Man wird immer den Floyd- oder Crimson-Einfluss hören, aber der Sound ist andererseits auch moderner. Wir müssen uns entwickeln, sonst würden wir ja wie irgendeine andere Band klingen, oder?“

Andere Bands finden sich auf IV dafür in Form prominenter Gäste, nämlich Vincent Cavanagh von Anathema, Jonathan Donaghue von Mercury Rev und Brett Anderson von Suede. Ersterer ist vielleicht keine so große Überraschung, aber Brett Anderson? „Ich bin früher durch die ganze Welt gereist, um Suede live zu sehen! Du kannst dir also vorstellen, was es für mich für ein Moment war, als er eines meiner Lieder sang. Es war ein gewisses Statement, diese Leute auf dem Album zu haben. Vincent kommt eher aus Steves Welt, Jonathan und Brett aus meiner, aber sie sind alle sehr dramatisch und dunkel, was perfekt zum Blackfield-Sound passt.“

Stichwort dramatisch und dunkel…wie sieht Aviv, eine der prominentesten Stimmen für nachhaltigen Frieden in Israel, die Zukunft seines Landes? „Ich vertraue der Regierung nicht. Der Friede wird von der Straße kommen. Wir sprechen täglich mit Palästinensern im Netz, und das sind sehr positive Gespräche. Ich glaube immer noch, dass sie ihren eigenen Staat haben sollen, ich bin gegen die Besatzung und der Friede ist die einzige Zukunft, die wir auf beiden Seiten haben.“

Black Water Rising – Auf voller Drehzahl gegen die Ignoranz

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black water risingLang, lang ist es her, da war New York mal die Hauptstadt der amerikanischen Rockwelt. Sehr lang. Black Water Rising aber stemmen sich gegen all den Hipster-Müll, der heute in ihrer Heimat regiert, und bringen den Big Apple mit mächtig wütendem Power-Rock zum Beben.

Text: Matthias Jost

Die Ostküstenmetropole, einst Keimzelle unzähliger Trends und der Inbegriff kantiger Coolness, ist zum Spielplatz der Superreichen verkommen, und wo das ganz große Geld regiert, ist nur noch wenig Platz für Subkultur. Eine solche ist die Rockmusik in den USA nämlich offenbar wieder geworden. „Ja, die Hardrock/Metal-Szene ist leider nicht mehr das, was sie mal war“, bestätigt Black-Water-Rising-Frontmann Rob Traynor. „Ich bin mir nicht ganz sicher, wo alle hin sind, aber viel ist nicht mehr übrig. Wir leben in Brooklyn und hatten mal ein Studio in Williamsburg, der Hipster-Hauptstadt. Da wird einem nur noch übel. Ich würde ja gerne glauben, dass die Szene in den Untergrund abgetaucht ist, aber ich kann sie nirgends finden! Für uns ist das Ziel jedenfalls, aus dieser Stadt rauszukommen.“

Und rein in das große, fiese Haifischbecken des Musikbusiness. „Pop, und das schließt Rap mit ein, bekommt hier die ganze Aufmerksamkeit. Da wird das Geld verdient, also wird es da auch hineingesteckt. Popmusik ist harmlos, sie sagt nichts aus, geht konform mit dem kommerziellen Diktat und ist leicht verpackt für den Konsum einer Bevölkerung von hirnlosen Zombies, die nach leichtverdaulichem Ohrenzucker süchtig sind.“

Ist der Mann wütend? Oh ja, wie auch der Titel des zweiten BWR-Albums verrät. PISSED AND DRIVEN heißt nicht nur so viel wie „angepisst und angetrieben“, sondern ist auch ein Wortspiel auf „piston-driven“, also „kolbengetrieben“. Rob: „Ja, wir sind nicht nur stinksauer, sondern auch auf 180, wie ein Motor, der aufheult, wenn du ordentlich Gas gibst. Ich sehe, was um mich herum passiert, sehe meinen Gehaltsscheck, sehe die Nachrichten im Fernsehen und werde wütend. Wir haben bei uns eine beschissene Regierung, die ganz offensichtlich vor Jahren von raffgierigen Konzernen gekauft wurde, die die ehrlich arbeitende Bevölkerung Tag für Tag ficken. Das System ist ein Scherbenhaufen und der absolut niedrigste Abschaum hält die Fäden in der Hand. Das inspiriert mich dazu, meine Meinung in die Welt hinaus zu schreien und zu schreiben. Musik ist meine Stimme, die Stimme eines einfachen Mannes im täglichen Kampf gegen korrupte Regierungen, gierige Konzerne und kranke Religionen, die unseren Willen brechen und unseren Geist versklaven möchten.“

Da ist es natürlich kein Wunder, dass BWR mit ihrer Musik nicht unbedingt auf Samtpfoten durch die Welt huschen, sondern die schweren Kaliber auffahren. PISSED AND DRIVEN ist ein Dampfhammer von einem Album, schwer, laut, gewaltig, aber auch melodisch, eingängig und gekonnt. Rob beschreibt es so: „Es geht um Substanz. Puren, stolzen, direkt auf die Fresse hauenden, turbogeladenen, Kickass-Power-Rock mit Botschaft. Musik, die dir einen Magenschwinger verpasst, mit Texten, die dein Hirn ansprechen. Da ist nichts codiert. Ich bin stolz darauf, meine Meinung so klar wie möglich zum Ausdruck zu bringen. Auch musikalisch sind meine Einflüsse kein Geheimnis: Sabbath, Priest, Zeppelin, Alice In Chains, Soundgarden, Pantera, Helmet, COC, Clutch etc…“

Bleibt also noch eine entscheidende Frage: Wenn Rob eine Sache ändern könnte auf dieser Welt, was wäre es? „Oh Mann, das könnte den ganzen Tag dauern. Ich denke mal, die größte Veränderung würde man erzielen, wenn man bekämpfen könnte, dass die Welt so voller Ignoranz ist. Dann hätten wir vielleicht eine Chance. Aber das wird natürlich nicht passieren, denn die Massen sind nun mal Idioten.

The Clash – Revolution in der Pappschachtel

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?????????27 Jahre nach ihrer Trennung genießen The Clash einen Ruf, von dem viele ihrer Zeitgenossen nur träumen können: Als bissige Rock-Revoluzzer, die auf ein einflussreiches musikalisches Erbe blicken, nie rückfällig wurden und für eine unschlagbare Mischung aus Idealismus, Integrität und Kreativität stehen.

Text: Marcel Anders

achzuerleben mit SOUND SYSTEM – einer Pappschachtel mit den Maßen 42 mal 10 mal 23 Zentimeter, die die Form eines Ghettoblasters besitzt, und für ca. 120 Euro alles enthält, was diese Band ausmacht: fünf Album-Klassiker, remastert von Gitarrist Mick Jones. Dazu unveröffentlichtes Audio- und Videomaterial sowie jede Menge Gimmicks, designt von Bassist Paul Simonon: Poster, Sticker, Badges, Army-Halskette, Fanzine, etc. Eben nette Kleinigkeiten mit Charme, die das Phänomen The Clash auf den Punkt bringen: Eine Band mit starkem Image, ausgeprägtem Mitteilungsbedürfnis und „value for money“-Bewusstsein. „Ich habe mir viele Boxsets angeschaut, die in letzter Zeit erschienen sind“, so Simonon. „Die meisten sind zu teuer und extrem langweilig – weil sie nichts Besonderes bieten. Deshalb haben wir alles aus den Archiven geholt, was qualitativ halbwegs in Ordnung war. Wir haben die Alben komplett überarbeitet, wir haben Leute aus unserem Umfeld gebeten, etwas für das Fanzine zu verfassen, und uns eine Aufmachung überlegt, die repräsentativ für die Band ist. Nämlich ein tragbarer Kassettenrecorder, wie ihn damals jeder von uns hatte, den wir überall mitnahmen und auf dem wir Leuten unsere Musik vorspielten, weil das für aufregende Gespräche sorgte. Also nicht wie heute, da jeder ein iPhone hat und Musik ganz alleine konsumiert – ohne sie mit anderen zu teilen oder sich darüber auszutauschen. Das war eine viel kommunikativere Zeit.“

Und wie die Sex Pistols, Buzzcocks, 999 oder The Damned waren auch The Clash ein Spiegelbild der späten 70er/frühen 80er – ein subversives Kollektiv, das Musik als Medium sah, um gegen die menschenverachtende Politik der Thatcher-Regierung, gegen den Rassenhass der National Front und die Tristesse des einstigen Empires vorzugehen. Wobei Simonon offen zugibt, dass sie dabei sehr naiv waren. „Uns ging es eigentlich um persönliche Politik. Sprich: Wir haben keine Partei oder Gruppe unterstützt, sondern das reflektiert, was um uns herum passiert ist, was uns störte und was wir ändern wollten. Quasi Dinge aus dem alltäglichen Leben. Aber irgendwann fingen wir an, die Bodenhaftung zu verlieren und uns für die Contras in Nicaragua stark zu machen – einfach, weil das eine positive Sache zu sein schien. Bis sich herausstellte, dass da ein Regime von einem anderen abgelöst wurde. Was uns unglaublich peinlich war. Eben, weil es zeigte, dass wir keine Ahnung von den großen politischen Dingen auf dieser Welt hatten.“

Weitaus besser waren Jones, Simonon und Strummer als Musiker, die mit jedem Album einen neuen Sound auffuhren, mit Rockabilly, Funk, Reggae, Dub und Ska flirteten, visionäre Produzenten wie Guy Stevens (Mott The Hoople) aufboten und sich mit rasender Geschwindigkeit weiterentwickelten. „Wir setzten einfach um, was wir auf unseren Reisen entdeckt hatten. Wir wären nie auf den Gedanken gekommen, zwei Mal dasselbe zu machen. Einfach, weil wir das langweilig fanden, weil es einem kreativen Stillstand gleichgekommen wäre, der mit unserem Anspruch nicht zu vereinbaren war.“

Denn The Clash waren eben keine typische Punkband, die sich auf einen Sound reduzierte, sondern die nach mehr strebte. Die wachsen wollte, und das auch optisch zum Ausdruck brachte, indem sie von Teddyboy-Klamotten zum Spaghetti-Western-Look zu Militäroutfits wechselte und sich richtige Grabenkämpfe mit ihrer Plattenfirma lieferte. Schließlich bestand man darauf, Doppel- und Dreifachalben zum Preis einer einzelnen LP anzubieten, verzichtete dafür sogar auf Tantiemen und geriet tief in die roten Zahlen, weil Tourneen und Studioaufenthalte aus eigener Tasche finanziert werden mussten. „Ich denke, wir hatten den miesesten Deal aller Zeiten – unter dem wir bis heute leiden“, so Simonon. „Denn nach der Trennung der Band hat man uns einfach unter Vertrag behalten, weil man dachte, wir würden uns schon wieder zusammenfinden – und dann ließe sich noch mehr Geld mit uns verdienen. Was auch bedeutete, dass man sich einen Dreck um unsere Solo-Projekte kümmerte. Wir wurden gezielt ausgehungert.“

Weshalb der 57-Jährige beteuert, nie wirklich Geld mit The Clash verdient zu haben – trotz Meilensteinen wie LONDON CALLING und COMBAT ROCK, die ganze Musikergenerationen prägten. Eben von Green Day bis Kings Of Leon, die sich offen auf „the only band that matters“ (eine Wortkreation von Manager Bernie Rhodes) beziehen und sich nichts sehnlicher gewünscht haben als das, wozu es nie gekommen ist: die große Reunion. „Natürlich haben wir das diskutiert. Einfach, weil wir nach dem Split von 1986 immer in Kontakt geblieben sind. Aber wir haben uns damals getrennt, weil das alles zu groß wurde. Und weil unser letztes Album CUT THE CRAP quasi von Management und Label hinter unserem Rücken zusammengeschustert wurde. Was sehr frustrierend war. Deshalb haben wir uns entschieden, die Sache nicht noch einmal aufzuwärmen, selbst wenn man uns Unsummen bieten würde. Im Ernst: Ich wäre ein gemachter Mann, wenn es je dazu gekommen wäre. Aber wir haben halt unseren Dickkopf ausgelebt. So, wie wir es immer getan haben. Selbst, wenn es wehtat.“

Was wörtlich zu nehmen ist. Und vielleicht auch den hohen Stellenwert und die Anerkennung erklärt, die das Ur-Trio bis heute genießt. Denn The Clash waren bereit, für ihre Ansichten und Ideale zu leiden. Allen voran Sänger/Gitarrist Joe Strummer, der bis zu seinem tödlichen Herzinfarkt im Dezember 2002 ein verbitterter Alkoholiker war – während sich Gitarrist Mick Jones, der 1983 nach internen Streitereien aus der Band geflogen war, mit Big Audio Dynamite und Carbon/Silicon bewusst auf Projekte fernab des Mainstream verlegte. Der einzige, der erst nach The Clash richtig Karriere machte, ist denn auch Simonon. Der Mann mit dem Hut gilt inzwischen als gefragter Künstler, dessen Werke Zehntausende von Euro kosten und von Nicky Wire (Manic Street Preachers) und Lily Allen gesammelt werden. „Das ist es, womit ich meinen Lebensunterhalt verdiene“, stapelt der studierte Maler tief. „Musik mache ich nur noch zum Spaß. Etwa mit The Good, The Bad & The Queen und den Gorillaz. Da spielen wir zwar keine Clash-Songs, aber ich höre unsere Sachen überall. Und das macht mich stolz. Denn sie leben nicht nur in einer Pappschachtel – auch, wenn sie nett aussieht.“

Kings Of Chaos

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Kings Of Chaos Live @ Sean Brand (5)»Es geht hier nicht um Egos. Es geht darum, fucking Spaß zu haben«

Mit Mitgliedern von Guns N‘ Roses, Def Leppard und Deep Purple mangelt es den Kings Of Chaos sicher nicht an Glaubwürdigkeit. Aber sind sie nun die erste Milliarden-Dollar-Supergroup oder einfach nur eine bessere Cover-Band?

Text: Dave Everly

Erst nach der Hälfte der ersten von zwei Kings-Of-Chaos-Shows in der GrandWest Arena, einem Konzerthallen/Casino-Komplex mit einer Kapazität von 7.000 Menschen in der nördlichen Vorstadt von Kapstadt, wird einem bewusst, wieviel Geld da gerade auf der Bühne steht. Bis jetzt arbeiteten die neun Mitglieder dieses Allstar-Kollektivs im Schichtbetrieb: Geht einer der vier Sänger oder drei Gitarristen von der Bühne, kommt ein anderer, um ihn zu ersetzen. Sie haben schon eine ganze Jukebox voller Hits ihrer diversen Hauptbands dargeboten und dafür frenetische Publikumsreaktionen geerntet. Doch jetzt gehen sie vom Gas. Die Lichter fahren runter und ein paar Sofas, zwei bequeme Sessel und eine Stehlampe in ansprechendem Design werden für einen akustischen Part aus sechs Stücken auf die Bühne gerollt. Erst jetzt, versammelt in einem Halbkreis inmitten dieser künstlichen Wohnzimmeratmosphäre, erscheint erstmals das komplette Line-up.

Der einstige Deep-Purple-Mann Glenn Hughes sieht gediegen aus, Joe Elliott von Def Leppard wie ein Rockstar. Dann ist da Myles Kennedy von Alter Bridge, der in letzter Minute zur Band stieß, sowie Ed Roland von den platinveredelten Post-Grungern Collective Soul. Velvet-Revolver-Gitarrist Dave Kushner trägt einen Beanie-Hat und Stierhorn-Schnurrbart. Und dann sind da noch vier – ja, vier – Mitglieder des USE YOUR ILLUSION-Tour-Line-ups von Guns N‘ Roses: Slash, Duff McKagan, Schlagzeuger Matt Sorum und Gitarrist Gilby Clarke.

Wäre Rock’n’Roll Fußball, dann stünden die Kings Of Chaos in der oberen Tabellenhälfte der ersten Liga. Zusammen haben sie mehr als 200 Millionen Platten verkauft und jene Art von Wohlstand angehäuft, mit der sich der Lebensstil eines nicht übermäßig verschwenderischen zentralamerikanischen Diktators finanzieren ließe. Je nach persönlicher Sichtweise sind sie entweder die berühmteste Cover-Band oder die erste Milliarden-Dollar-Supergroup der Welt. Dazu Duff McKagan: „Es ist Def Leppard plus Guns N‘ Roses plus Deep Purple. Ein starkes Line-up, nicht wahr?“ Man kann ihm nicht wirklich widersprechen.

Südafrika ist zwar kein weißer Fleck auf der Rock-Landkarte, aber es gehört bestimmt nicht zu den Standardstationen des internationalen Tourneegeschäfts. Die Logistik, eine Band hierher zu bringen, ist kompliziert und kostspielig: Ein Flug aus London dauert elf, die Anreise aus Los Angeles an die 30 Stunden. Die Tatsache, dass man in diesem Teil der Erde nicht ausgedehnt touren kann, bedeutet, dass es sich nur die Megabands – Metallica, Linkin Park oder die Red Hot Chili Peppers – leisten können, hier zu spielen.

Doch es ist den Aufwand wert, allein schon für die Erfahrung, an einem einzigartigen Ort zu sein. Kapstadt breitet sich glorreich in der brennenden Sonne der Westküste des Landes aus. Das auffälligste Wahrzeichen ist der Tafelberg, ein 1087 Meter hoher Felsbrocken, der sich unpassenderweise mitten in der Stadt befindet. Seit Mitte der 90er Jahre ist das Land zwar nicht mehr international geächtet, aber die Wunden der Apartheid sind nach wie vor sichtbar, sowohl in den Townships, die sich an der Straße vom Flughafen entlang reihen, als auch in den Hütten mit Blechdach – nicht genehmigt und kaum bewohnbar –, die überall aus dem Boden gewachsen sind. Wo jedoch Wohlstand existiert, ist er auch für alle sichtbar: Üppig ausstaffierte Häuser, mehrere Millionen Rand teuer, säumen die Strände.

Vielsagend wird jedes Haus von Stacheldraht umzäunt, der ungebetene Gäste fernhalten soll. Und falls das nicht reicht, sorgen die Schusswaffen, die fast jeder Hausbesitzer hat, in der Regel für Abhilfe. Es gibt viele Viertel in Kapstadt, in die man sich bei Dunkelheit nicht wagen sollte. Und eine ganze Menge, die man auch bei Tageslicht besser meidet. Vom Hotel zur Halle bewegt sich die Band in einem Konvoi aus Vans mit Wachpersonal. Dabei geht es nicht nur um Bequemlichkeit, sondern auch um Sicherheit. „Da sind viele Wertsachen in den Autos“, sagt ein Begleiter der Band und bezieht sich damit auf die Mitglieder, nicht ihren Schmuck.

Nur zwei der neun Musiker, aus denen die Kings Of Chaos bestehen, waren schon mal hier. Def Leppard tourten 1997 durch Südafrika, während Ed Roland sowohl mit Collective Soul als auch solo zu Besuch war. Selbst Guns N‘ Roses schafften es im Zenit ihrer Karriere Anfang der 90er nicht hierher, auch wenn das weniger mit ihren Ansichten zur Apartheid zu tun hatte als mit der Tatsache, dass sie es einfach nicht auf die Reihe bekamen. „Wir sprachen darüber“, sagt Slash typisch nonchalant, „so nach dem Motto, ‚lasst es uns tun, nur, um allen damit auf den Sack zu gehen’, aber es kam nie dazu.“

Doch das war damals und jetzt ist heute. Vorbei die Tage, als sich Queen heftigster Kritik stellen mussten, weil sie im berüchtigten Resort Sun City spielten (wo die Kings Of Chaos am nächsten Wochenende zwei Konzerte geben werden). Heute ist Südafrika definitiv „open for business“ für internationale Acts. Und in einer Zeit, in der selbst die Erfolgreichsten unter ihnen an sinkenden Platten- und Ticketverkäufen leiden, macht es Sinn, einen reisenden Zirkus in die weniger gesättigten Erdteile zu bringen, vor allem, wenn Geld auf dem Tisch liegt.
Was genau sind nun also die Kings Of Chaos? Das ist eine Frage, deren Beantwortung sogar der Band schwerfällt. „Es ist ein Konglomerat verschiedener Musiker“, so Duff McKagan, „die Stücke von jemandem spielen, der auf dieser Bühne steht. Es ist ein Haufen Typen, die sich ihren Platz im Rock’n’Roll verdient haben.“ Sind sie also eine Cover-Band? „[denkt ein paar Sekunden nach] Äh…nee, nicht wirklich“, sagt er, was auch nicht hilfreich ist.

Wenn es ein Zentrum gibt, um dass sich Kings Of Chaos drehen, ist es Matt Sorum. Es ist die ultimative Rache eines Schlagzeugers: Er ist es, der die Anrufe machte, auf der Bühne das Sagen hat und sogar die Setlist auswählt. Joe Elliott – von seinen eigenen Bands Down’N’Outz und The Cybernauts mit solchen Geschichten vertraut – nennt Sorum „den Boss“. „Ich bin der Boss“, sagt Sorum und lächelt so selig, wie das nur ein 52-jähriger kalifornischer Rockstar kann. Er sitzt in seiner geschmackvoll eingerichteten, stimmungsbeleuchteten Star Lounge (Normalsterbliche nennen es Garderobe). „Ich habe immer versucht, der Boss zu sein. Ich habe nur nie rausgekriegt, wie das geht. Schlagzeuger werden immer übergangen und respektlos behandelt – du bist der Typ am hinteren Bühnenrand ohne Beleuchtung.“

Sorum hat diesbezüglich reichlich Erfahrung: Er gehört zu Camp Freddy, der Cover-Band, die er vor zehn Jahren mit Billy Morrison gründete. Doch wo Camp Freddy einfach nur als netter Abend für ein paar Sunset-Strip-Berühmtheiten existieren, sind Kings Of Chaos ein wesentlich ernsthafteres – und lukrativeres – Projekt. „Als das alles mit Velvet Revolver in die Binsen ging, dachte ich, fuck, kann ich noch eine Band zusammentrommeln? Das ist eine Menge fucking Arbeit – du bist da neun Monate unterwegs auf Tour, um eine Marke zu etablieren.“
Stattdessen sprach er mit Duff McKagan darüber, sich für eine kleine Tour zusammenzutun. „Dann sagte Duff: ‚Wieso holen wir nicht ein paar Jungs ins Boot, spielen unsere Songs und haben Spaß?’ Und ich sagte, ja, das klingt cool – ich kann mal meine Freunde fragen, wir können eine ordentliche Tour machen, gut bezahlt werden, in schönen Hotels absteigen.“ Und wie hat er entschieden, wer eingeladen wird? „Mit vielen dieser Typen verbindet mich eine gemeinsame Vergangenheit, und das ist ein wichtiger Grund dafür, dass ich sie angerufen habe. Ich habe ein gutes Empfinden dafür, wer ein Arschloch und ist und wer nicht.“ Und wieder dieses kalifornische Grinsen. „Die Bedingungen waren: kein Drama, kein Bullshit, kein Streit, keine Egos. Kommt einfach und spielt.“

Der Name Kings Of Chaos schwirrte schon seit mindestens 15 Jahren in Sorums Kopf herum. Ursprünglich wollte er ihn für die Supergroup verwenden, die er Mitte der 90er mit McKagan, Sex-Pistols-Gitarrist Steve Jones und Duran-Duran-Bassist John Taylor gegründet hatte, aber sie entschieden sich stattdessen für Neurotic Boy Outsiders. Die Ironie dabei ist, dass der Backstage-Bereich der Kings Of Chaos nicht chaotisch ist, sondern so aufgeräumt, als wenn er von der Kapstädter Zweigstelle der Heilsarmee organisiert worden wäre. Es findet sich kaum ein Tropfen Alkohol, von Drogen ganz zu schweigen, was allerdings nicht wirklich überraschend ist, wenn man bedenkt, dass mindestens ein Drittel der Beteiligten einstige Alkoholiker oder Junkies sind. Es spricht Bände über den Zustand des Rock’n’Roll im Jahre 2013, wenn man hört, wie ein Crewmitglied Gurken-und-Sellerie-Smoothies vor dem Zubettgehen empfiehlt – anscheinend sind sie „extrem gut für die Haut“. Nun gut.
Dafür findet man einen spürbaren Kameradschaftsgeist. Sorums „kein Drama, kein Bullshit“ klingt auf dem Papier vielleicht etwas abgedroschen, doch vor Ort scheint es der Wahrheit zu entsprechen. Sorum und Slash haben als einzige eigene Garderoben. Die anderen haben kein Problem damit, sich eine zu zweit zu teilen oder, wie Myles Kennedy, gleich in ein anderes Stockwerk des Gebäudes ausquartiert zu werden, und niemand macht deswegen einen Aufstand.

Als ich einen Blick in den Green Room werfe, sehe ich, wie Slash, McKagan, Gilby Clarke und Dave Kushner auf den Sofas sitzen und eine akustische Version von ›Knockin’ On Heaven’s Door‹ spielen. Zwei Türen weiter führt Joe Elliott zur gleichen Zeit Glenn Hughes durch die Gesangsnuancen von ›Animal‹. „Komm rein“, ruft Elliott, als sie fertig sind. „Willkommen im Zimmer der Trällerburschen. Sie wollten uns eigentlich nach oben verbannen, aber ich sagte: ‚Äh, nein danke. Myles Kennedy kann das machen’.“

Der Mann aus Yorkshire war schon früh Teil dieses Projekts. Er kennt Guns N‘ Roses, seit sie sich beim 1991er-Tribute-Konzert für Freddie Mercury begegneten. Als Sorum anfragte, ob er interessiert sei, zögerte er nicht lange. „Er sagte: ‚Willst du auf diesen verrückten kleinen Zug aufspringen? Es wird ein großer Spaß’. Das war es, was hängenblieb: Spaß. Es ist spontan.“ Elliott legt viel Wert darauf, den Spaßaspekt zu betonen, und er ist nicht alleine: Sorum und McKagan sagen exakt dasselbe, unabhängig von einander. „Fuck yeah“, sagt der Bassist, „es macht eine Menge Spaß.“

Ihr erster Versuch sah allerdings nicht sehr lustig aus. Letztes Jahr flogen sie mit Gene Simmons, Sebastian Bach und The-Cult-Gitarrist Billy Duffy im Schlepptau für eine Kurztour unter dem Namen Rock And Roll All Stars nach Südamerika. Zehn Konzerte waren geplant, doch sie spielten nur vier. Ein Debakel. „Es war ganz klassisch“, so Elliott. „Wir saßen in einem alten Flugzeug aus den 70ern, mit einem Promoter aus den 70ern, der all die Dinge tat, die Promoter aus den 70ern tun. Er kümmerte sich nicht richtig um die örtlichen Veranstalter. Sie wollten uns nicht bezahlen. Und wenn sie uns nicht bezahlten, spielten wir eben nicht.“

Von außen betrachtet, hatten sie sich mit dieser Episode keinen Gefallen getan. Im besten Fall würden sie als ein Haufen reicher Rockstars durchgehen, die ihre Bräune auffrischen wollen und sich für die Unannehmlichkeit fürstlich entlohnen lassen. Im schlimmsten Fall war es ein zynischer Versuch, abseits der Öffentlichkeit Geld abzustauben. Elliott wartet nur darauf und hat seine Verteidigung schon einstudiert: „Die Leute, die uns dafür kritisieren, verstehen überhaupt nicht, worum es geht. Wir tun das, weil es eine Chance ist, etwas anderes zu machen. Du steigst aus dem Hamsterrad und vielleicht bringst du was in deinen Hauptjob zurück. Es ist nicht so, als ob wir das Geld bräuchten.“

Eine Neuauflage des Desasters von Südamerika steht hier garantiert nicht auf dem Programm. Andy MacPherson hat sie hierher gebracht, ein übernatürlich freundlicher Kapstädter, der sowohl als Promoter als auch als Musiker tätig ist. Er weiß, dass das für Südafrikas Konzertszene genauso wichtig ist wie für die Band selbst. „Hier kommt nun mal nicht jede Band vorbei“, sagt er, „aber wenn diese Jungs nach Hause fahren und anderen Musikern sagen, dass sie hier eine tolle Zeit hatten, kommen hoffentlich mehr Bands.“

MacPherson sorgt dafür, dass der rote Teppich ausgerollt wird. An ihrem freien Tag organisiert er einen Ausflug auf den Tafelberg, den man mit einer schwindelerregend steilen Seilbahn erreicht. Danach folgt ein üppiges Mittagessen in einem Fünf-Sterne-Strand-Lodge, in das man wiederum nur über eine Bergstraße gelangt, die sich Hunderte von Metern über dem Ozean entlang windet. Starke Nerven braucht man für beides: Ein versagendes Seilbahnkabel oder ein plötzlicher Reifenplatzer, und Rockstars im Wert von mehreren Millionen Dollar wären dahin.

Doch natürlich muss man sich auch mit der schnöden Realität des Lebens auf Tour auseinandersetzen. Selbst Multimillionäre kommen nicht um den Soundcheck vor der Show herum. Sorum, ganz der Chef, führt von hinten an, während diverse Musiker und Crewmitglieder kommen und gehen und kaum verständliches Fachchinesisch über Pedale und Monitor-Lautstärken murmeln. Einmal scheitert Sorum am Ende von Def Leppards ›Animal‹. Elliott erklärt es ihm geduldig, während Duff McKagan zusieht. An diesem Punkt begreift man, wie unglaublich surreal das ist: Def Leppard mit der Rhythmusgruppe von Guns N‘ Roses. „Für uns war das auch etwas seltsam“, sagt McKagan eine Stunde später, und seine Stimme hallt durch die große, grell beleuchtete Garderobe, die er sich mit Gilby Clarke teilt. „Hätte nie gedacht, einmal ›Animal‹ zu spielen.“

Der Kern dieser Band, mit Ausnahme von Hughes, ist mehr oder weniger derselben Generation entsprungen und dominierte den Rock ungefähr zur gleichen Zeit. Man kommt nicht umhin, sich zu fragen, wie es gewesen wäre, wenn es damals passiert wäre. „Wenn wir das vor 25 Jahren gemacht hätten, ja, dann hätte das einen anderen Vibe gehabt“, so McKagan. „Andererseits wäre das vor 25 Jahren wahrscheinlich nicht passiert, weil wir ja alle unser eigenes Ding am Laufen hatten.“

Natürlich hat jeder hier auch heute noch sein eigenes Ding am Laufen, was ein logistischer Kraftakt ist für die Leute, die versuchen, neun Musiker in denselben Raum zu bekommen. Diese Aufgabe fällt Steve Wood zu, einem charmant rasant redenden Briten, der in L.A. lebt. Wood ist einer der Manager von Alter Bridge und dafür verantwortlich, seine Schützlinge in diesen Saal am anderen Ende der Welt zu verfrachten. „Oh, es ist ein Alptraum“, sagt er ganz entspannt und nur halb im Scherz. Es wäre leicht, wenn keiner dieser Typen etwas anderes täte, aber sie haben alle mindestens eine Band, manche von ihnen zwei oder drei. Jeder hat Anwälte, Agenten, Manager. Es ist Geld im Spiel und alle wollen sicherstellen, dass ihr Künstler denkt, er mache einen guten Job für sie.“ Er zuckt mit den Schultern. „Ein Haufen Arbeit.“ Ist das der Grund, warum noch nie zuvor jemand versucht hat, das zu tun? „Genau. Es ist eine große Herausforderung. Und man braucht Leute von einem gewissen Kaliber. Im Prinzip brauchst du Megastars. Nun, wir haben vier der Jungs von Guns N‘ Roses. Das sind viermal so viele, wie die echten Guns N‘ Roses mittlerweile haben.“

Dies ist, abgesehen von ein paar Stücken bei der Rock-And-Roll-Hall-Of-Fame-Zeremonie letzten Jahres, das erste Mal in fast 20 Jahren, dass die USE YOUR ILLUSION-Besetzung minus Axl zusammen gespielt hat, und das könnte viele Leute interessieren – doch als ich das zu Duff McKagan sage, sieht er überrascht aus. „Oh wow, das ist wahr. Ich kann mich nicht mal daran erinnern, welche vier von uns damals gespielt haben. Ich habe nie darüber nachgedacht, bis du es gerade erwähnt hast.“ Wirklich? Das ist doch eine ziemlich große Sache. „Ja, das ist es wohl. Nun ja, Gilby ist mein Nachbar, wir sind Freunde, er kam mit, um das Ding in der Rock And Roll Hall Of Fame mit uns zu machen.“

Scott Weiland wäre verfügbar. Schon mal daran gedacht, ihn zu fragen? „Haha, nein. Er ist, äh… Du siehst, wie es hier läuft – jeder erscheint pünktlich und macht seinen Job. Ich denke einfach nicht, dass er das kann.“ McKagan ist sich seiner Geschichte absolut bewusst. Einige Stunden später wird er für das Cover der britischen CLASSIC ROCK fotografiert, in einem Flur backstage, kurz bevor die Band auf die Bühne geht. Der Fotograf hat ein kleines Problem und fängt an, an seiner Kamera rumzufummeln. „Komm schon, Mann, du lässt die Leute warten“, sagt der Bassist. „Ich habe schon mit Sängern wie dir gearbeitet“. Er wirft mir einen wissenden Blick zu. „Hey, ich sagte Sängern.“

Während der Akustik-Session bei der ersten der beiden Kings-Of-Chaos-Shows gibt es einen wirklich erstaunlichen Moment. Während der Rest der Band im Halbkreis auf den Sofas im hinteren Bühnenbereich sitzt, tritt Glenn Hughes ans Mikrofon, um ›Mistreated‹ zu singen, die sich langsam aufbauende Ballade von Deep Purples Album BURN. Was als einfache Unplugged-Version eines Stücks beginnt, das offenbar ziemlich vielen Leuten hier nicht sehr geläufig ist, verwandelt sich allmählich in eine Demonstration von Hughes’ Gesangsqualitäten. Während sich seine Stimmakrobatik entfaltet, sieht man Blicke echter Überraschung auf den Gesichtern der Band hinter ihm, die sich bald in Erstaunen verwandelt. Als er sechs oder sieben Minuten später zum Ende kommt, stehen alle auf und applaudieren ebenso hingerissen wie das Publikum. Es ist eine der brillantesten Gesangsdarbietungen, die jemals jemand in diesem Raum gehört hat.

Hughes, der eine warme Intensität ausstrahlt und sich für seine 61 Jahre trotz seiner turbulenten Vergangenheit gut gehalten hat, ist auf Sorums Anfrage hier. Der Schlagzeuger ist ein riesiger Deep-Purple-Fan – „sogar mehr als Zeppelin oder Sabbath“, wie er bekundet – und es war Sorum, der ihn bat, ›Mistreated‹ zu singen. Hughes schätzt mehr als irgendwer sonst den Wert einer funktionierenden Gruppe. Black Country Communion, sein jüngstes Projekt mit Joe Bonamassa und Jason Bonham, hat seinen Marktwert so hoch wie lange nicht mehr geschraubt. In Sachen Starpower ist das hier BCC hoch neun, und Hughes denkt schon über die Zukunft nach. „Ich habe Rob Halford eingeladen“, sagt er. „Er wäre toll für bestimmte Märkte. Steven Tyler hätte ich sehr gerne dabei. Wir haben in Australien mit Aerosmith gespielt und er hat mich umgehauen.“

Tyler ist der Traumkandidat für Kings Of Chaos. Jeder, mit dem ich spreche, erwähnt seinen Namen, weshalb man sich fragen muss, ob entsprechende Anfragen schon erfolgt sind. Joe Elliott fügt der Wunschliste noch Robin Zander und Sammy Hagar hinzu. Duff McKagan, ganz der Punkrocker, sagt, er hätte gerne Iggy Pop und den Stooges-Mitstreiter James Williamson an Bord, ebenso wie den einstigen The-Damned-Gitarristen Brian James. „Matt und ich haben uns darüber unterhalten, dass wir die Punk-Version der Kings Of Chaos machen könnten, vielleicht etwas in einem kleineren Maßstab“, sagt er. Sorum wiederum würde gerne Chester Bennington von Linkin Park und Corey Taylor von Slipknot ins Boot holen, ganz zu schweigen von ein paar noch größeren Namen. „Jimmy Page wäre cool. Und Keith Richards. Ich habe Keith Richards sogar angerufen deswegen. Ich sagte: ‚Wie wär’s, wenn du einfach nur zum Jammen vorbei kommst?’“ Und was hat er gesagt? Er lacht. „Sein Manager sagte: ‚Keith hat schon eine Band. Sie heißt The Rolling Stones’.“

Auch in einem Rudel von platinschweren Rockstars gibt es eine Hierarchie. Wenn die GN’R/Def-Leppard/Deep-Purple-Achse die Hauptattraktion ist, sind Gilby Clarke und Dave Kushner essenzielle Unterstützung. Ersterer sieht mit seinem pechschwarzen Haar und dem „Pirates Of The Caribbean“-Bart ziemlich schnittig aus, Letzterer ist eine eher unauffällige, aber freundliche Erscheinung, deren einziges Zugeständnis an den Rockstar-Look in einem Stierhorn-Schnurrbart besteht, der ihn aussehen lässt wie ein verirrtes Mitglied der Village People. Kushner hat wohl den härtesten Job auf der Bühne, schließlich muss er die Riff-Pyrotechnik eines Ritchie Blackmore bei den Deep-Purple-Stücken heraufbeschwören. „Eine ganz schöne Herausforderung. Ich habe ihn mir stundenlang auf YouTube angesehen und seine Parts gespielt. Aber wenn man mal drin ist, macht es viel Spaß.“

Wenn Kushner der Ruhige bei den Kings Of Chaos ist, so ist Ed Roland das Überraschungspaket. Während der Rest der Band sich in den 80ern (oder im Fall von Glenn Hughes den 70ern) einen Namen gemacht hat, ist der Sänger von Collective Soul ein Star der 90er. Seine Band war eine von vielen, die nach Nirvana die Szene dominierten. In den USA gelang ihr eine Reihe von Platinalben. In Europa sind sie zwar nie so richtig eingeschlagen, in Südafrika hatten sie dagegen mehrere echte Hits und waren folglich schon mehrmals hier auf Tour – tatsächlich spielen die Kings Of Chaos zu einem nicht unwesentlichen Teil hier, weil Roland es vorschlug. Er ist zwar selbst erfolgreich, doch in so illustrer Gesellschaft ist er auch immer noch ehrfürchtiger Fan. „Ich war in der örtlichen Crew, als Def Leppard 1988 in Atlanta spielten“, verrät er. „Ich habe immer noch das Shirt. Und jetzt stehe ich buchstäblich neben Joe Elliott auf der Bühne. Guns N‘ Roses waren Teil meiner musikalischen Erziehung. Und was Slash macht…er ist wie ein Orchester für mich.“

Und so kommen wir zu Slash. Dies ist das erste Mal, dass er mit Kings Of Chaos spielt. Er ist zweifellos einer der größten Publikumsmagneten, aber man kann nur schwer festmachen, was sein Platz in diesem großen Ganzen ist. Wie Sorum hat er seine eigene Star Lounge. Aber anders als seine Kollegen hält er sich größtenteils abseits von den anderen auf. In der Halle zieht er sich mit seiner Frau Perla und ihren beiden kleinen Kindern zurück. Als alle an ihrem freien Tag Essen gehen, sitzt er an einem eigenen Tisch. Es herrschen keine schlechten Vibes, er zeigt keine Allüren, aber anders als die anderen bleibt er sehr reserviert.

Man spürt, dass es hier um Politik geht. Slash hat einen anderen Manager als alle anderen, weswegen er zu einem gewissen Grad anders behandelt wird. Mir wird mitgeteilt, dass er zwar ein Interview geben wird, aber mit Bedingungen: Es muss gemeinsam mit Myles Kennedy sein und er will über die gemeinsame Band reden, nicht über die Kings Of Chaos. Wir sollen offenbar klarstellen, dass Slash bei diesen Konzerten eher ein Special Guest ist als ein Teil der Band, aber auf Fotos muss er in der Mitte stehen. All das geht zwar aller Wahrscheinlichkeit nicht von dem gelassenen Gitarristen aus, doch es widerspricht dem „Kein Bullshit“-Prinzip und sorgt auf jeden Fall für ein kurzes, gestelztes Interview bei Caesar Salad im Catering-Bereich. Hier sind die editierten „Highlights“.

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Also, Slash, was treibst du gerade so?
Jetzt? Ich bin nach Hause gekommen und habe mit der Arbeit an „Nothing To Fear“ [dem Horrorfilm, den er produziert] begonnen. Das ist nun fertig, aber ich habe gerade erst das Mixen und Mastern abgeschlossen. Und ich arbeite ständig an Material für unsere nächste Platte.

Ist das hier anders als in einer normalen Band?
Natürlich sehr anders. Aber, weißt du, ich kenne viele dieser Jungs schon die meiste Zeit meines Lebens.

Hattest du Mitspracherecht bei der Songauswahl?
Nicht wirklich. Matt hat das Sagen. Aber wir haben alles noch mal geändert. Er ließ uns ein paar Stücke spielen, die wir dann abgewandelt haben.

Potenziell sind da eine Menge Egos auf der Bühne. Wie gehst du damit um?
Es geht hier nicht um Egos. Es geht darum, fucking Spaß zu haben.

Kannst du das mit deinem Hauptjob vereinbaren? Wenn Matt wieder anriefe und sagte: „Hast du Lust, es noch mal zu tun?“, was würdest du sagen?
Yeah…ich jamme viel, also liebe ich es, mit Leuten da oben zu stehen. Deine eigene Band am Laufen zu halten, ist mit einem gewissen Druck verbunden, du musst in Form bleiben, immer Songs schreiben usw. Und du hast in deine eigene Band investiert. Aber das ist einfach eine Sache, wo du auf die Bühne gehst und spielst, und das ist etwas entspannter. Ich liebe es, zu jammen, weil es mich herausfordert.

Heißt das also ja oder nein?
Keine Ahnung. Wir werden sehen.

Myles Kennedy wiederum hat kein Problem damit, über seine Rolle bei Kings Of Chaos zu sprechen. Er ist das Mädchen für alles und spielt die Rollen von Axl Rose, Scott Weiland und bei ›Communication Breakdown‹ sogar Robert Plant. Kennedy stieß in letzter Sekunde zum Line-up, nachdem Sebastian Bach ausstieg, um eine Reality-TV-Show zu machen. Als er den Anruf bekam, war er gerade auf Tour mit Slash und arbeitete parallel am neuen Alter-Bridge-Album. „Das ist ein Mindfuck“, sagt er an dem ausgelagerten Stützpunkt, der seine Garderobe ist. „Aber in den letzten Jahren war das bei mir Normalzustand.“

Kennedy ist ein bescheidener Mann und kennt seinen Platz in dieser illustren Gesellschaft. Er fühle sich wie der Junge aus Foreigners ›Juke Box Hero‹, der anfängt, seine Lieblingsbands aus dem Publikum anzusehen, bevor er auf der Bühne zu ihnen stößt. Man kann die Ehrfurcht förmlich in seinem Gesicht sehen, wenn er ›Sweet Child O‘ Mine‹ oder ›Paradise City‹ singt. „So ist das eigentlich die ganze Zeit“, lacht er. „Es gab viele Momente, in denen ich mich fragte, wieso bin ich fucking hier?“

Kings Of Chaos sind im Moment Kennedys dritte Band neben Alter Bridge und seiner Kollaboration mit Slash. Macht er so viel, weil ein Teil von ihm befürchtet, dass es alles wieder vorbei sein könnte? „Das auch, ja. Es hat sehr, sehr, sehr lange gedauert, bis ich diese Chancen bekommen habe, und ich habe das Gefühl, dass es alles verschwinden wird, wenn ich kürzer trete. Und letztendlich liebe ich es. Es ist fantastisch.“ Er entschuldigt sich und sagt, er müsse sich warm singen gehen. „Ich muss ziemlich verrücktes Zeug machen. Glaub mir, das willst du nicht hören.“ Wir nehmen ihn beim Wort.

Während die Stimmung backstage so entspannt ist, dass es schon ans Komatöse grenzt, sieht es vor der Bühne ganz anders aus. Dieses elektrische Knistern froher Erwartung spürt man nur noch in einem Publikum, dessen Durst nach solchen Ereignissen noch nicht durch Übersättigung gestillt wurde. Gut zwei Drittel der je 7.000 Zuschauer, die an beiden Abenden das GrandWest füllen, tragen T-Shirts von Bands, deren Mitglieder hier auf der Bühne stehen.
Aber Kings Of Chaos haben auch alles richtig gemacht. Sie haben nicht nur eine Marktlücke entdeckt, sie haben auch beschlossen, weit abseits der medialen Aufmerksamkeit an den Start zu gehen. Joe Elliott: „Im UK würden die Kritiker uns niedermachen. Sie würden einfach nur sagen, ‚warum?’. Wenn man damit aber an Orte geht, die noch hungrig auf Musik sind, verstehen sie es.“

Sobald das Intro vom Band in ›Highway Star‹ übergeht, ist klar, dass hier niemand niedergemacht werden wird. Wo internationale Acts so selten vorbeischauen, wird man seinen Abend nicht damit verbringen, Flaschen auf die Bühne zu werfen. Und dass Kings Of Chaos im Kollektiv den ein oder anderen Hit vorzuweisen haben, kann auch nicht schaden.

Die Show besteht aus drei abgegrenzten Teilen, bei denen die Sänger und Gitarristen im Schichtbetrieb arbeiten (nur Sorum und McKagan verlassen die Bühne nie). Erst kommt die Greatest-Hits-Strecke, dann die Sofa-Akustik-Session, und im dritten Teil fahren sie die wirklich großen Kaliber auf. Jeder kriegt seinen Moment im Rampenlicht: Velvet Revolver sind mit zwei Stücken vertreten, Collective Soul, Def Leppard und Deep Purple je drei. Doch es ist unvermeidlich, dass Guns N‘ Roses mit vier Stücken – fünf, wenn man ›Knockin‘ On Heaven’s Door‹ mit Gilby Clarke am Mikro mitzählt – am meisten Platz auf der Setlist beanspruchen. Dazu kommen noch ein paar Coverversionen – ›Communication Breakdown‹, ›Tie Your Mother Down‹ und ›All The Young Dudes‹ – und man fragt sich, warum das vorher noch niemand getan hat.

Wie diese Musiker aufeinanderprallen, ist sowohl beruhigend vertraut als auch verwirrend eigenartig. McKagan spielt Bass auf ›Animal‹? Seltsam. Slash dreht ›Communication Breakdown‹ durch die Mangel? Komisch. Ed Roland im weißen Anzug windet sich durch ›Slither‹? Verrückt. Joe Elliott, Glenn Hughes und Ed Roland steuern Backing Vocals zu einem triumphalen ›Paradise City‹ bei? Einfach undenkbar. Und doch eigentümlich brillant.

Aber dann ist da die 64.000-€-Frage: Ist das nicht nur eine Cover-Band? Eine weltberühmte, sehr gut bezahlte Cover-Band, aber trotzdem immer noch eine Cover-Band? Denkt man zu viel darüber nach, könnte man ein künstlerisches Moraldilemma daraus machen. Oder man könnte sich abregen und es einfach als das genießen, was es ist: eine lebendige Jukebox. Um es einfacher zu formulieren: ein grandios unterhaltsamer Abend.

Nach der Show erwacht der Backstage-Bereich endlich zum Leben. Diverse Musiker und ihre Familien gehen in ihre Garderoben und kommen wieder raus, und sie gratulieren einander für ihre gut gemachte Arbeit. Joe Elliott ist in typisch überschwänglicher Stimmung. „Siehst du? Was habe ich gesagt? Es geht um Spaß. Wir, die Menge, alle. Wie hat es dir gefallen?“ Es war toll, aber vielleicht hättet ihr noch ein paar mehr Hits spielen können. „Was?“, stammelt er und sieht kurz erstaunt aus, bevor sein Ironiedetektor anschlägt. „Aber das ist es, was die Leute heutzutage wollen. Schreien sie nach einem neuen Def-Leppard-Album? Das denke ich ehrlich gesagt nicht. Wollen sie sehen, wie wir in Las Vegas HYSTERIA spielen? Fucking natürlich wollen sie das.“

Und das ist genau das, was Kings Of Chaos sind: eine Hitmaschine. Keine hohe Kunst, nicht mal mittelhohe Kunst, wenn wir schonungslos ehrlich sind. Aber eine garantiert tolle Zeit für alle Beteiligten, Publikum wie Musiker.
Wie man es in heutigem Marketingsprech sagt, sind Kings Of Chaos nicht nur eine Band, sondern auch eine Marke. Manche werden kommen, manche gehen, aber alle sind willkommen, solange sie ihre Hits mitbringen. Wo die Attraktivität von Dreifach-Headliner-Package-Tourneen schwindet, könnte dieses Prinzip richtig Reibach machen. Schon wird von Auftritten im Libanon geredet, einem weiteren der „musikhungrigen“ Orte, von denen Elliott sprach. Man kann sich prima vorstellen, wie Kings Of Chaos bei einem der Festivals nächstes Jahr weit oben auf dem Billing stehen, mit Steven Tyler oder Chester Bennington im Schlepptau. Matt Sorum hält den Ball flach: „Wir mögen einander, wir spielen gerne Rock’n’Roll, wir mögen Abwechslung.“ Wieder dieses kalifornische Lächeln. „So schwer zu verstehen ist das nicht, oder?“

The Rides – Anders als geplant

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The Rides 1 @ Eleanor StillsEigentlich wollte Stephen Stills’ Manager Elliot Roberts nur ein einmaliges All-Star-Projekt nach dem Vorbild der SUPER SESSION anstoßen, die seinen Schützling 1968 mit Mike Bloomfield, Al Kooper und Barry Goldberg zusammengebracht hatte. Am Ende wurde daraus nicht nur ein nostalgisches Klassentreffen, sondern eine ganz neue Band: The Rides vereinen Stills und Goldberg mit „Jungspund“ Kenny Wayne Shepherd in einem Trio, das Ersterer als „die Bluesband meiner Träume“ und Letzterer als „musikalische Bruderschaft“ bezeichnet. CAN’T GET ENOUGH heißt ihr Debüt.

Text: Carsten Wohlfeld

„Natürlich kannte ich die SUPER SESSION, denn der Großteil der Musik, mit der ich aufgewachsen bin, ist lange vor meiner Geburt entstanden“, erklärt Kenny Wayne Shepherd, Jahrgang 1977, im Gespräch mit CLASSIC ROCK. „SUPER SESSION II war die ursprüngliche Idee, aber sobald wir zusammenkamen und als Gruppe anfingen zu arbeiten, wurde etwas anderes daraus. Bei dem damaligen Album hatten die Beteiligten ja nicht zusammen in einem Studio aufgenommen und waren ganz sicher keine Band. Aus The Rides wurde dagegen eine echte Band. Wir haben gemeinsam Songs geschrieben und eingespielt und werden nun auch zusammen auf Tour gehen. Die Chemie zwischen uns dreien stimmte einfach, sowohl beim Songwriting als auch beim Zusammenspiel.“

Entstanden war die Idee zu gemeinsamen Aufnahmen letzten September, Ende November trafen sich die drei Protagonisten, um zusammen Songs zu schreiben. Direkt im Anschluss wurde CAN’T GET ENOUGH gemeinsam mit Bassist Kevin McCormick (Jackson Browne, Crosby, Stills & Nash) und Drummer Chris Layton (von Stevie Ray Vaughans Double Trouble) innerhalb kürzester Zeit unter Live-Bedingungen aufgenommen. „Für die Aufnahmen haben wir alle gemeinsam in einem Raum gespielt“, bestätigt Shepherd. „Damit war bereits von vornherein klar, dass wir nachträglich nicht besonders viel daran herumpfuschen könnten, weil die Mikrofone nie nur ein Instrument oder eine Stimme abgenommen haben. Wir haben uns also gewissermaßen selbst unter Druck gesetzt, es von Anfang an richtig zu machen.“

Entstanden ist so eine knackige Blues-Platte, die als Hommage an die alten Helden des Genres und wunderbar spontane Fingerübung dreier echter Könner gleichermaßen durchgeht. „Die Atmosphäre bei den Sessions war sehr angenehm und ungezwungen“, erinnert sich Shepherd. Probleme, wie sie Stills einst bei seinen Sessions mit Jimi Hendrix erlebte, als zu viel gegenseitiger Respekt die beiden Gitarristen lähmte, gab es für The Rides anscheinend nicht. „Natürlich haben wir als Musiker alle großen Respekt voreinander, aber es war keinesfalls so, dass wir zögerlich gewesen wären. Im Gegenteil, wir haben uns gegenseitig angespornt“, sagt der jüngste Musiker im Bunde. „Wir verstehen uns untereinander blendend und jede Meinung zählt. Was ich an Jugend zur Band beitrage, wiegen die anderen beiden mit Reife und Erfahrung auf.“

Erfahrung, davon haben die beiden alten Hasen in der Band wahrlich genug. Der gleich zweimal in die Rock’n’Roll Hall Of Fame aufgenommene Stills gründete einst in Los Angeles gemeinsam mit Neil Young Buffalo Springfield, stieg Ende der 60er mit Crosby, Stills & Nash in die Liga der Unantastbaren auf und gilt als einer der besten Gitarristen überhaupt. Keyboarder Goldberg kollaborierte schon in jungen Jahren in seiner Heimat Chicago mit Legenden wie Muddy Waters und Howlin’ Wolf, später begleitete er Bob Dylan bei dessen sagenumwobenem ersten elektrisch verstärkten Konzert in Newport 1965, war Mitgründer von The Electric Flag und schrieb an der Seite von Gerry Goffin eine Reihe Hits. Doch auch Shepherd muss sich längst nicht mehr verstecken. Seit seinem Debüt als 16-Jähriger hat sich der aus Louisiana stammende Gitarrist zu einem der bedeutendsten Fackelträger des Blues im 21. Jahrhundert entwickelt und gleich eine Handvoll Grammy-Nominierungen einheimsen können. Bei The Rides eint die drei Musiker die Liebe zum klassischen Blues, aber auch der Wunsch nach einem Abenteuer. „Natürlich haben wir alle eigene Karrieren, aber wir waren an einem Punkt angekommen, an dem wir Lust auf etwas anderes hatten, auf neue Musiker, neue Situationen“, erklärt Shepherd. „Schließlich war keiner von uns je darum verlegen, Risiken einzugehen und Neues zu wagen.“

So finden sich auf CAN’T GET ENOUGH neben den brandneuen Stücken aus der Feder des Trios nicht nur fulminante Neuinterpretationen von Blues-Klassikern wie ›Honey Bee‹ (Muddy Waters) und ›Talk To Me Baby‹ von Elmore James wieder, sondern sogar ein ausgerechnet von Stills initiiertes Cover von ›Rockin’ In The Free World‹, mit dem er gewissermaßen seiner Hassliebe zu seinem langjährigen musikalischen Partner Neil Young Tribut zollt. „Wir haben den Song genau ein Mal gespielt, und das ist die Version, die du auf der Platte hörst“, verrät Shepherd. „Die ursprüngliche Idee war, dass wir die Strophen im Wechsel und den Refrain gemeinsam singen, aber weil Stephen es beim ersten Take so großartig gesungen hat, gab es für mich keinen Grund mehr, nachträglich auch noch eine Gesangsspur aufzunehmen.“

Noch erstaunlicher ist nur, dass es sogar die Proto-Punk-Hymne ›Search And Destroy‹ aufs Album geschafft hat. Hand aufs Herz, Mr. Shepherd, wie reagieren zwei ältere Herren wie Stills (68) und Goldberg (70) auf den Vorschlag, sich an Iggy Pops wildester Nummer zu versuchen? „Nicht besonders wohlwollend!“, erwidert er lachend, zeigt aber durchaus Verständnis für die anfängliche Ablehnung seiner Bandkollegen. „Bei Iggy & The Stooges klingt der Song nun mal ziemlich urwüchsig und rau. Stephen und Barry sahen The Rides eher als Blues-Band, und da wollte diese Nummer nicht so recht ins Konzept passen. Das Tolle an den beiden ist allerdings, dass sie problemlos ihre Egos aus dem Weg räumen können. Sie sagten nur: ‚Okay, wir versuchen’s einfach mal!‘“

Vorgeschlagen hatte die Nummer Produzent Jerry Harrison, der seine Karriere vor vier Jahrzehnten bei Jonathan Richmans Modern Lovers begonnen hatte und als Mitglied der New-Wave-Heroen Talking Heads zu Ehren gekommen war, bevor er sich zu Shepherds Stamm-Produzenten entwickelte. „Ich arbeite ja nun schon eine ganze Weile mit Jerry zusammen, und er ist großartig darin, unerwartete, aber interessante Songs aus dem Hut zu zaubern“, sagt Shepherd. „Zu Beginn meiner Karriere habe ich öfter mit einem ‚Echt jetzt? Ich bin doch ein Blues-Typ!‘ reagiert, aber inzwischen verstehe ich besser, wie er seine Auswahl trifft, und bin immer für einen Versuch offen. Schlimmstenfalls verschwendest du eine Stunde oder zwei, aber oft geschieht auch etwas Magisches!“

The Winery Dogs – Nicht nur Männermucke

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TheWineryDogs_Image2Die Definition einer Supergroup? All-Star-Ego-Truppe mit der Lizenz zum Abkassieren. Entsprechend kurz war oft die Lebensdauer vermeintlicher Kult-Kombos wie The Firm oder Bad English, BBM oder GTR, Audioslave oder Black Country Communion. Bei den Winery Dogs ist angeblich alles anders.

Text: Gerhard Mertens

Im Frühjahr 2011 treten Schlagzeuger Mike Portnoy und Bassist Billy Sheehan mit dem Anspruch an, „Spaß haben zu wollen“ und dem Publikum „gehörig in den Hintern zu treten“. Zugegeben: Ihre bisherigen Formationen Dream Theater und Transatlantic, Dave Lee Roth Band und Mr. Big waren derart erfolgreich, dass die beiden virtuosen Veteranen eine Rock-Rentenaufbesserung nicht wirklich nötig haben. Die wollen nur Spielen.

Dabei beginnt alles mit Frust. In ersten Sessions mit Ex-Thin-Lizzy-Gitarrist John Sykes entsteht zwar ein Duzend Demos, doch das Trio scheitert an einer „unterschiedlichen Arbeitsauffassung“. Soweit die offizielle Darstellung. „Ich liebe John, er ist ein netter Kerl und besitzt unglaubliches Talent“, erklärt Portnoy. „Aber ich war enttäuscht, weil er einfach nicht aus dem Knick kam. Ich will machen, machen, machen! Ich will kontinuierlich voran kommen und mich weiter entwickeln. John steht sich manchmal selbst im Weg. Schau dir an, wie viele Alben er in den vergangenen Jahren veröffentlicht hat. Ich habe vermutlich zehnmal so viel rausgehauen. Ich hatte einfach keinen Bock mehr auf ihn zu warten.“

Als Ersatz kontaktieren Portnoy und Sheehan schließlich Richie Kotzen auf Empfehlung von Eddie Trunk, Moderator der US-Kultsendung „That Metal Show“. „Richie rief uns am gleichen Tag zurück, dass er sich geehrt fühle und Lust auf eine Band habe, da er seit Jahren solo unterwegs sei. Wir trafen uns in seinem Studio und schon hoben wir ab.“ Kotzen füllt die Rolle des Frontmanns perfekt aus, macht als Gitarrist und Sänger eine famose Figur. Kein Wunder: Anfang der 90er galt er als eines der größten Gitarrentalente Amerikas, was er bei den Glam-Metallern Poison unter Beweis stellte. Zum anderen ist er ein begnadeter Sänger mit sexy Soul-Vibe in der Stimme. Der positive Nebeneffekt: Sheehan und Kotzen haben bereits bei Mr. Big zusammen gespielt. „Billy ist einer der nettesten Typen, die du treffen kannst“, schwärmt der Mann aus Pennsylvania, „ein fantastischer Musiker dazu. Billy hat einfach ein unglaubliches Gespür für Musik.“

Die Qualität der hochbegabten Herren zeigt exemplarisch ein Song wie ›Elevate‹: In der Strophe zeigen Sheehan und Kotzen atemberaubende Griffbrettakrobatik, die vornehmlich männlichen Fans gefallen dürfte. Auf der anderen Seite besitzt der Refrain derart viel Pop-Appeal, um auch die Herzen weiblicher Fans zum Schmelzen zu bringen. Der Gesang ist der heimliche Star des Debütwerks. „Wir haben eine Menge Gesangs-Sessions gemacht und probiert, wer welche Stimmen singen sollte“, verrät Portnoy. „Zum Glück singen wir in unterschiedlichen Lagen, wobei Richie richtig singt und Billy und ich nur nebenher brummen.“ Kotzen grinst: „Fans, die mich vielleicht noch von Mr. Big kennen, wissen gar nicht, was ich sonst so mache und wissen auch nicht, dass ich auch singe. Ich finde das hier alles gerade sehr spannend.“

So steht dem Status einer Supergroup also nichts im Wege. Doch die hat bekanntlich eine eher kurze Lebensdauer. „Das ist der schlimmste Stempel, den die Presse dir aufdrücken kann“, findet Portnoy. „Aber auch Led Zeppelin wurden so genannt. Und die haben das doch ganz gut hingekriegt, oder?“ Immerhin: Selbstbewusstsein hat er.

Karnivool: Spaß, Schmerz und Leid

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karnivoolKarnivool-Fan zu sein, heißt, geduldig zu sein: Auch ihr drittes Album ASYMMETRY ließen die australischen Prog-Rock-Meister über vier Jahre reifen. Kein Wunder, denn während „normale“ Bands einfach nur ein neues Album schreiben, begibt sich das Aussie-Quintett stets auf eine Odyssee durch die unerforschten Weiten der Rockmusik – Ziel ungewiss. Einer Sache jedoch kann man sich nach wie vor sicher sein: Ein Karnivool-Album ist ein großartiges Album.

Text: Ben Foitzik

Sowohl Sänger Ian Kenny, als auch Gitarrist Mark Hosking reagieren auf die Frage nach der langen Wartezeit auf den Nachfolger des 2009er-Prachtwerks SOUND AWAKE mit einem verlegenen Lachen. „Wir wissen einfach nicht, wie wir es anders machen sollen“, gibt Kelly zu Protokoll. „Zuerst schreiben wir immer einzelne Parts, die wir dann in uns gären lassen, bevor wir sie zu ganzen Songs zusammenbasteln. Wir folgen da nur unserem Bauchgefühl und stolpern permanent im Dunkeln herum, bevor wir zufällig auf etwas Cooles stoßen.“ Bandkollege Hosking ergänzt: „Einige der neuen Songs haben wir in zwei Monaten geschrieben, andere brauchten ungelogen drei Jahre. Wir haben einfach eine komische Art zu schreiben: Manchmal passt es auf Anhieb, manchmal ist alles falsch und wir reißen den Song wieder auseinander und fangen noch mal von vorne an. Das ist natürlich ziemlich ermüdend und zeitaufwändig. Aber wenn es darum geht, etwas abzuschließen, stehen wir uns oft selbst im Weg.“ Doch genug gejammert, denn nun ist es ja endlich da, das dritte Karnivool-Baby, und mit 67 Minuten fast genau so episch wie sein Vorgänger. Bei diesen sympathischen Jungs aus Down Under gibt’s noch value for money – quantitativ und qualitativ.

Neue klangliche Territorien zu erschließen war stets Leitmotiv der Band, denn sich lediglich auf das zu konzentrieren, was man ohnehin schon gut kann, entspricht nicht der künstlerischen Vision der Musiker. Sich stetig neuen Herausforderungen zu stellen, schon eher. Auch deswegen wechselte man auf ASYMMETRY erstmals den Produzenten und heuerte mit Nick DiDia eine frische Kraft von außen an. Ohne dadurch die Arbeit des Vorgängers Forrester Savell schmälern zu wollen, versteht sich. „Das war ein bewusster Schritt – selbst Forrester, mit dem wir gut befreundet sind, hat nach SOUND AWAKE gesagt, dass wir beim nächsten Album mal einen anderen Produzenten und ein anderes Studio ausprobieren sollen. Einfach, um nicht in diese Komfortzone hineinzurutschen, in der kreativer Stillstand herrscht“, so Hopsging.

Das Ergebnis dieser Luftveränderung ist ein Album, das genau so wunderbar bunt, spannend und aussagekräftig wie das starke Albumcover des mexikanischen Künstlers Rene Almanza ist und dessen faszinierende Soundlandschaften eine ähnliche Erhabenheit verströmen wie die einzigartige Umgebung, in der sie entstanden sind.

„Unsere Heimatstadt Perth ist eine der isoliertesten Städte der Welt: Im Westen nur Ozean, im Osten nur Hügellandschaften und gigantische Wüsten. Wenn du von dort irgendwo anders hin willst, musst du schon fliegen. Dieses besondere Szenario hatte natürlich auch einen starken Einfluss auf das neue Album“, erklärt Hosking. So vereinen sich auf ASYMMETRY das Harte und das Softe, das Licht und das Dunkel, das Männliche und Weibliche, das Yin und das Yang zu einem majestätischen Klanggebäude, das nur Rock-Gelehrte wie Karnivool erbauen können. „Neben Spaß hat uns das Aufnehmen dieses Albums aber auch viel Schmerz und Leid gebracht“, gesteht Hosking. „Doch das war es wert.“ Das Warten auch.