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Trouble – Ende gut, alles gut

troubleMit der Veröffentlichung von PSALM9 erwiesen Trouble dem jungen Doom-Metal Genre 1984 einen großen Dienst. Gemeinsam mit Candlemass und Saint Vitus prägten sie ebenjenen Stil, der sich heute größerer Beliebtheit denn je erfreut. Mit THE DISTORTION FIELD kehrt einer der ganz großen Black-Sabbath-Sprösslinge nach sechsjähriger Funkstille zurück und zeigt sich durchaus wohlauf. Dennoch denkt Gitarrist Rick Wartell über das Ende nach.

Text: Björn Springorum

Wenn geschlagene sechs Jahre seit dem letzten Album vergangen sind, muss die Frage erlaubt sein, ob ihr zwischenzeitlich überhaupt noch an die Vollendung von THE DISTORTION FIELD geglaubt habt?
Wir waren fest davon überzeugt, dass wir dieses Album eines Tages vollenden würden. Wir nahmen uns eben die Zeit dazu, die wir brauchten. Wir ließen uns nicht hetzen, ließen die Dinge auf uns zukommen – auch bei der Suche nach einem neuen Label.

Haben euch die vielen Jahre zur Ruhe kommen lassen?
Vielleicht. Vielleicht lag es aber auch daran, dass wir uns mittlerweile in einer neuen Ära befinden, was Albumaufnahmen angeht. Das digitale Zeitalter erlaubt es uns, überall, wo wir sind, Songs aufzunehmen. Ich nehme beispielsweise oft bei mir zuhause oder in meinem Büro auf und muss nicht immer in einem Studio sein, wo jede Sekunde zählt, weil sie Geld kostet. Dennoch gab es auch Momente, an denen ich mir dachte, dass wir uns doch zu viel Zeit lassen und uns zu sehr verzetteln – eben weil wir keinerlei Druck verspüren. Das Interessante ist, dass der Großteil des Songwritings in einer Woche über die Bühne ging. Es waren die Aufnahmen, die sehr langsam voran schritten. Mehr als vier Stunden pro Woche widmeten wir diesem Prozess nicht.

Ursprünglich sollte das Werk ja THE DARK RIFF heißen – ein gar nicht mal unpassender Name. Wie nah ist THE DISTORTION FIELD noch an dieser Vorlage?
Sehr nah. Die Songs entstanden vor einigen Jahren und wurden danach nicht wirklich verändert. Bis auf den Gesang logischerweise, denn die Stücke mussten an unseren neuen Sänger Kyle angepasst werden, der ja erst seit 2012 fest an Bord ist. Das dauerte natürlich seine Zeit, doch die Grundsubstanz der Stücke blieb all die Jahre unverändert.

Was man von der Musikindustrie nicht sagen kann. Seit 2007 hat sich enorm viel getan…
Ach, Veränderungen gehören zum Leben. Die Musik verändert sich, die Fans verändern sich, die Technik verändert sich. Die größten Veränderungen gibt es jedoch auf der Businessseite: illegale Downloads, Streaming-Dienste und so weiter… wir alle haben die Wahl, diese neuen Technologien zu begrüßen oder uns dagegen zu stellen, und mit Trouble entschlossen wir uns dazu, alles Neue Willkommen zu heißen. Es führt doch ohnehin kein Weg daran vorbei.

Daher gibt es auch alles von euch bei Spotify.
Ja, und das finde ich gut. Wenn sich jemand unsere Musik anhört, ist das immer eine gute Sache. Spotify ist toll, um neue Fans auf sich aufmerksam zu machen. Die Bezahlung ist da natürlich eine ganz andere Sache, denn Musiker zu sein ist heutzutage mehr denn je eine Herzensangelegenheit. Und das ist es für alle von uns.

Klingt, als wäre die Stimmung innerhalb der Band ausgezeichnet. Eine derart lange Pause bedeutet doch bestimmt auch viele persönliche Veränderungen…
Die Band sprüht geradezu vor neuer Energie. Daran hat auch Kyle seinen Anteil, der in Sachen stimmlicher Bandbreite ein echtes Großkaliber ist. Zu sehen, was wir damit alles machen können, treibt mich und Bruce zu neuen Höchstleistungen an, denn plötzlich wollen wir diesem Typen die bestmöglichen Riffs bieten, zu denen er singen kann.

Die existentiellen Fragen über Leben und Tod werden von euch auch weiterhin, trotz des neuen Sängers, gestellt.
Trouble reflektiert nun mal die Erfahrungen des Lebens: Tod und Leben, Gut und Böse. Im Laufe der Zeit wurden die Texte deutlich persönlicher, und das greift nun auch Kyle auf. Einen großen Unterschied gibt es also nicht. Jetzt werden die Inhalte eben durch die Augen eines anderen Menschen gesehen. Das Tolle ist: Ich kenne niemanden, der Trouble so gut kennt wie er. Es ist eine riesige Erleichterung, einen derartigen Ersatz gefunden zu haben.

Hattet ihr keinerlei Bedenken, ob es für Trouble überhaupt noch einen Platz geben würde?
Darüber haben wir uns nie gesorgt. Klar wussten wir, dass einige Leute von unserer langen Abwesenheit angepisst sein würden, doch unsere Fanbase ist im Kern äußerst loyal und hat uns das auch oft genug mitgeteilt. Es geht nicht mehr darum, etwas zu machen, weil wir es machen müssen, sondern weil wir es machen wollen. Und das ist den Fans natürlich mehr als recht.

Welchen Stellenwert nehmen eure alten Platten für dich ein?
Ich weiß natürlich, was wir ihnen zu verdanken haben, doch ich habe sie ewig nicht mehr gehört. Manchmal spielen sie einen Song im Radio, doch damit hat es sich schon. Trouble läuft bei mir zuhause nie, obwohl ich mich sehr gerne an die frühen Doom-Tage erinnere. Wir hingen oft mit Candlemass rum. Wenn sie mal in Chicago spielten, hingen sie mit uns ab und warfen sich die ganze Nacht LSD ein. Ach, das waren gute Zeiten… (lacht) Das Genre war natürlich deutlich kleiner besetzt als es heute ist, doch wir fühlten uns pudelwohl darin. Jeder wollte genau das – diesen langsamen, schweren Sound. Das war alles, was wir wollten. Mich freut es ungemein, dass dieser Szene heute so viel Aufmerksamkeit zuteil wird. Sie hat es verdient.

In der Zwischenzeit wurden eure Werke Meilensteine der ersten Doom-Welle. Wie geht ihr heute als Band mit solchen frühen Erfolgen um?
Daran denken wir eigentlich gar nicht. Wir versuchen, so kreativ wie möglich zu sein und zu schreiben, was uns jetzt gerade im Kopf herumgeht. Das Schöne an THE DISTORTION FIELD ist, dass das Album ohne jeglichen Außeneinfluss entstanden ist. Wir brachten genau das zu Papier, was wir wollten. Das resultierte in einem extrem ehrlichen Album.

Habt ihr denn in den vergangenen sechs Jahren komplett pausiert, oder wart ihr weiterhin ein aktiver Teil der Szene? Spielte Musik noch eine Rolle?
Wir werden älter, haben mittlerweile Familien und Jobs. Es gibt also eine Menge Leben zu leben, das überhaupt nichts mit Musik zu tun hat – und in den vergangenen sechs Jahren war das sicher ganz besonders ausgeprägt. Doch Trouble ist natürlich ebenfalls ein großer Teil meines Lebens, zu dem ich immer wieder gern zurückkehre. Es tut gut, noch immer dieses Ventil zu besitzen.

Zumal das Werk überraschend hart klingt und eine deutliche Metal-Schlagseite aufweist. Natürliche Evolution?
Wir haben früh gemerkt, dass wir nicht immer und ewig das gleiche Riff spielen wollen. Evolution war von Anfang an ein wichtiges Thema bei Trouble, deshalb schreckten wir auch vor Stoner Rock nicht zurück. Wenn wir für Trouble Musik machen, schließen wir die Gitarren an die Verstärker an und legen einfach los. THE DISTORTION FIELD Album beinhaltet eben jene Riffs, die uns dabei in den Sinn kamen.

Woher kommt denn diese Energie?
Eine gute Frage! Damit verhält es sich wie im richtigen Leben: Manchmal hat man die Energie, manchmal nicht. Manchmal ist man wütend, manchmal glücklich. Darauf gibt es also wahrscheinlich keine Antwort, doch es kommt immer darauf an, weshalb man ein Album schreibt. Manchmal will man etwas beweisen, manchmal etwas ausdrücken, manchmal einfach nur drauflos rocken. Ich glaube, wir wollten von jedem etwas.

Die juvenile Frische und Härte auf THE DISTORTION FIELD macht es beinahe unmöglich, nicht von einem Neuanfang zu sprechen…
Es ist nicht nur ein Neuanfang, sondern vielleicht auch ein angemessenes Ende. Es ist gut möglich, dass wir mit diesem Album unsere Karriere beenden. Und sollte dies das Ende sein, wäre es ein würdevoller Abgang voller neuer Energie und kein Versinken in der Bedeutungslosigkeit.

Wie konkret sind denn die Pläne, jetzt tatsächlich aufzuhören?
Ganz sicher ist es nicht, doch in Stein gemeißelt ist, dass wir nur dann ein weiteres Album herausbringen, wenn wir wirklich starkes Material haben. Es ist heute schwieriger, ein Album herauszubringen, als es vor 25 Jahren war. Wir sind keine 20 mehr, leben weit auseinander und können nicht mehr ohne Weiteres so viel Zeit in diese Band investieren. Die Zeit wird also zeigen, ob dies das letzte Trouble-Album ist.

Titelstory: Motörhead

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MotîrheadIhres Status würdig

Bands kamen und gingen, Trends kamen und gingen, Motörhead kamen… und blieben. Seit 38 Jahren zieht die räudige Rockmaschine nun schon unbeirrt ihre Bahnen und steht dabei wie ein unverrückbarer Fels in der harschen Brandung musikalischer Entwicklungen und Styles. Mit ihrem 21. Album AFTERSHOCK stellen Lemmy Kilmister, Phil Campbell und Mikkey Dee nun einmal mehr klar: Motörhead sind Motörhead sind Motörhead. Mehr klassisch und mehr Rock geht kaum.

Text: Ben Foitzik

Viel wurde in den vergangenen Monaten im Internet über den maroden Gesundheitszustand von Motörhead-Fronter Lemmy Kilmister gegossipt: Defibrillator-OP, anschließender Schwächeanfall, einige hatten den laut (im Angesicht der Ernsthaftigkeit plötzlich ziemlich albern wirkender) Fan-Legende unkaputtbaren Rocker gar schon unter die Erde geschrieben. Interessiert uns alles nicht. Natürlich hat der heute 67-Jährige im vergangenen halben Jahrhundert wie kaum ein Zweiter den Rock’n Roll zelebriert, Jacky Coke wie andere Wasser gesoffen und tonnenweise Amphetamine eingeworfen. Und natürlich kann so ein Lebensstil an keinem menschlichen Körper spurlos vorübergehen. Aber es wäre doch irgendwie respektlos, die lebende Ikone Lemmy nun mit Fragen über (die Angst vor dem) Tod, seinen „Zustand“ oder die potenzielle Inschrift auf seinem Grabstein zu nerven. Das wirklich Wichtige ist schließlich: Lemmy ist gut drauf und schaut gut aus an diesem unerträglich heißen Sommertag, an dem wir das Rock-Unikat in Berlin treffen, um mit ihm über das neue Motörhead-Album AFTERSHOCK zu sprechen.
DJ Lemmy

Bevor gesprochen wird, ist zunächst einmal Lauschen angesagt: Der Maestro persönlich spielt bei der Hotelzimmer-Privataudienz auf einem iPad den Rohmix des neuen Werks vor, das satte 13 Tracks enthält und allein deswegen schon besser als der lediglich zehn Songs starke Vorgänger THE WÖRLD IS YOURS sein müsse, wie Lemmy später vorrechnet. Ein mathematischer Ansatz, dessen Logik man schlichtweg nicht widerlegen kann.

Eigentlich könnte sich der zunächst etwas ausgemergelt wirkende Rock-Gott mit dem ikonischen „Chief“-Stanton auf der Birne die Zeit ja sparen, indem er dem Journo ein Motörheadphöne aufsetzt, auf „Play“ drückt und irgendwo die Füße hochlegt, doch er besteht darauf, AFTERSHOCK – das mittlerweile 21. Motörhead-Studioalbum – höchstselbst als DJ zu präsentieren. Umso besser: Allein diesen kauzigen Typen dabei zu beobachten, wie er am Hotelschreibtisch sitzt, von der ersten Sekunde an nonstop mit den in schwarze Jogger eingepackten Beinen mitwippt, dabei permanent mit seinen Fingern den Luftbass zupft und bei jedem Song still die Lippen bewegt, ist ein Anblick für die Rock’n’Roll-Ewigkeit. Neben ihm steht ein Glas mit einer dunkelbraunen Flüssigkeit und Eiswürfeln, von hinten bläst ihm ein Standventilator volle Möhre eiskalte Luft ins Kreuz.

Die ersten beiden Albumtracks erweisen sich als furiose Motörhead-Rocker, bei denen man sich schon inbrünstig mitgrölend im Moshpit toben sieht. „Der hier heißt ›Heartbreaker‹“, brüllt Lemmy plötzlich aus voller Teerlunge durch die Wall-of-Sound. „Der davor war ›Death Machine‹!“ Bis dahin war ihm bis auf ein kurzes „Hallo, wie geht’s?“ eigentlich kein Wort über die Lippen gekommen. Doch je länger das Album spielt, desto mehr blüht der legendäre Rock-Kauz auf: Es ist nicht zu übersehen, dass ihn das, was er hört, glücklich macht. Heilung durch Eigenmusik quasi. Phil Campbells tonnenschwere Riffs sirren durch den Raum, Mikkey Dee trommelt sich den schwedischen Teufel aus dem Leib, Lemmy lässt seine finsteren Bass-Grooves wummern und schmettert mit bewährter whiskeygestählter Stimme etwas von „rock’n’roll is coming back to you“, „Lucifer right on your heels“ und „do what your soul demands“. Beim sechsten Song dreht er den Volume-Regler plötzlich auf Maximum und muss den Titel folglich noch lauter schreien: „Queen of the Damned!“ „What?!?“ „QUEEN OF THE DAMNED!!!“ „Ah, okay.“ Ein hypnotisierendes Riff windet sich in den Gehörgang, kurzer Break, fulminantes Solo – ein waschechter Motörhead-Kracher. Gerade als man denkt, eine Verschnaufpause gut vertragen zu können, kommt mit ›Lost Woman Blues‹ die erste Midtempo-Nummer des Albums, deren elektrisierende Bass- und Gitarrenläufe einen bewussten Kontrast zum Vollgas-Modus der ersten Hälfte darstellen. Fast schon romantisch, das Ding – und damit nicht ganz allein auf der Platte: Auch das superbe ›Dust And Glass‹ ist eine astreine Blues-Ballade, die fast schon Tito & Tarantula-Flair verströmt. Doch keine Sorge, Motörhead werfen im 38. Jahr ihres Bestehens nicht etwa den Weichspülmodus ein: Schon bei ›Paralyzed‹, bei dem sich die Monsterriffs die Klinke in die Hand geben, wird man wieder gnadenlos von einer Rock-Dampfwalze überrollt. Der Mann unter dem Hut ist inzwischen warmgelaufen und bietet eine Kippe an. Ist es uncool abzulehnen? Egal, muss er mit klarkommen. Viel interessanter ist ohnehin, dass direkt neben dem iPad ein Hinweis-Schild des Hotels aufgestellt ist: Rauchen verboten. Wer es doch tut, muss eine „Cleaning Fee“ in Höhe von 150 Euro berappen. Als wenn Lemmy das kümmerte! Letzte Relikte intensiv gelebter Rock’n’Roll-Anarchie. Und schon beim nächsten gnadenlos nach vorne hämmernden Song, dessen Name auch nach fünfmaligem Nachfragen nicht verständlicher wird (später als ›Coup De Grace‹ identifiziert), möchte man selbst zum Hotelzimmerberserker mutieren und den Flatscreen aus dem Fenster schmeißen. Auf Lemmys Rechnung, versteht sich.

Beim anschließenden ›Silence When You Speak To Me‹ zückt die lebende Legende dann ein in ein Motörhead-Case gehülltes (weißes!) iPhone und präsentiert das Cover von AFTERSHOCK: Der klassische, dezent zerschmelzende Motörhead auf apokalyptischer Wüstenlandschaft. Plötzlich fährt Lemmy mit einer pfeilschnellen Bewegung die Rechte aus, so dass man instinktiv Deckung sucht. Doch statt einen unwürdigen Journalisten zu verdreschen, trommelt er nur den Schlagzeugpart mit – Glück gehabt. Nach einem kurzen Ausflug ins Badezimmer während der potenziellen neuen Hymne ›Knife‹ steckt sich der Meister beim finalen ›At The End Of Time‹ (der es letztendlich wohl doch nicht aufs Album geschafft hat) die nächste Fluppe an und singt ein letztes Mal mit: „Dancing with the devil at the end of time“. Lass dir mit diesem Date gerne noch sehr viel Zeit, Lemmy!

Lemmy & L.A. = in Love!

Ein Interview mit Lemmy Kilmister ist eigentlich kein wirkliches Interview. Es ist eher wie eine Gesprächs-Odyssee, durch die man sich einfach willenlos treiben lässt. Man kann zwar versuchen gegenzusteuern, indem man dann und wann eine der gut 50 Fragen stellt, die auf dem Zettel stehen, doch wirkliche Kontrolle hat man über dieses Gespräch selten. Lemmy gibt den Takt vor und redet letzten Endes über alles, was ihm spontan in den Kopf kommt. „Stell mal den Ventilator runter“, fordert er, nachdem die letzten Klänge von AFTERSHOCK verklungen sind. Ob in seiner vollgeramschten 2-Zimmer-Bude in L.A. (siehe die großartige Doku „Lemmy“ von 2010) denn auch ständig der Ventilator brummen würde, so die beiläufige Eisbrecher-Small-Talk-Frage. „Ich hab‘ noch nicht mal einen“, brummt er zunächst, kommt dann aber plötzlich munter ins Schwärmen über seine kalifornische Wahlheimat. „Dort ist einfach das Business zu Hause – wir hätten nicht die Hälfte unserer Musik-Awards bekommen, wenn wir in England geblieben wären. Ach, die Band wäre heute tot, wäre ich nicht vor 21 Jahren nach L.A. gegangen! Und es hat mir dort ja auch immer gut gefallen: Viele leicht bekleidete Mädchen, alles kostet nur halb so viel – noch Fragen?“ Natürlich nicht, leuchtet absolut ein! An seinem Heimatland scheint Lemmy ohnehin nicht sonderlich zu hängen – seine Geburt war schließlich eh nur ein „beschissener geographischer Zufall“: „Ich bin wie ein Straßenköter, der nirgendwo hingehört. Das einzig Wichtige ist, dass du mit dir selbst im Reinen bist. Wenn das nicht der Fall ist, wirst du dich nirgends zu Hause fühlen. Ich habe nicht darum geben, in England geboren zu werden, ich habe nicht darum gebeten, in England zu bleiben – warum sollte ich auch? Das Scheißland ist den Bach runtergegangen, wen interessiert’s?!“ Aber Lemmy, was soll denn der frisch gepresste George Alexander Louis, Königliche Hoheit Prinz von Cambridge dazu sagen? Doch Lemmy ist schon längst wieder back in the USA und erzählt davon, wie er gleich am Anfang seiner L.A.-Zeit ins 1992er Erdbeben geriet und auf der Suche nach einer Unterhose durch seine dunkle Wohnung stolperte. „Dass ich meinen Nachbarn nicht meinen Schwanz zeigen wollte, hat mir damals vermutlich das Leben gerettet. Draußen wäre ich bestimmt von irgendeinem einstürzenden Gebäude erschlagen worden.“ Da hat es das Schicksal wohl gut mit ihm gemeint – und natürlich irgendwie auch mit uns. Was war eigentlich noch mal die Frage gewesen? Ach, richtig: Es gab noch gar keine. Wenn Lemmy redet, dann hält man gefälligst die Fresse und lauscht andächtig. Ganz nach dem eben gehörten neuen Song: „Silence when you speak to me“. Eine Frage jedoch will gestellt werden: Wie funktioniert eine Band, deren drei Mitglieder an der US-Westküste, in Wales und in Schweden leben? „Wo die anderen leben, ist ja ihre Entscheidung“, findet Lemmy. „Phil liebt Wales und ist sehr walisisch. Dabei spricht er noch nicht mal die Sprache – zum Totlachen eigentlich. Und Mikkey ist professionell schwedisch. Der kommt nicht aus Schweden raus.“ Cut. Behauptungen, die verifiziert werden wollen. Fast Forward.

Alter Schwede!

Ein paar Tage später steht ein Telefoninterview mit Motörhead-Drummer Mikkey Dee auf dem Prögramm, der sich im schwedischen Göteborg herumtreibt – im wahrsten Sinne des Wortes: Der erste Gesprächs-Versuch wird verschoben, weil Mikkey spontan seinen Sohn irgendwo hinfahren muss. Beim zweiten Anruf eine Stunde später düst er dann gerade durch die Stadt, um ein paar Kartons Motörheadphönes abzuholen und woanders hinzufahren. Nach einer weiteren Verschiebung sitzt er dann zwar immer noch am Steuer, hat aber immerhin Muße für ein kurzes Gespräch. Na dann fahren wir doch mal ein bisschen mit ihm durchs wunderschöne Schweden.

Was hat Lemmy eigentlich damit gemeint, dass sein Drummer „professionell schwedisch“ sei und nicht außerhalb Schwedens leben wolle? „Das kann ich dir auch nicht sagen: Ich habe selbst elf Jahre in L.A. gelebt, und zwar schon vor Lemmy, weil ich 1987 mit King Diamond dorthin gezogen bin. Aber irgendwann bin ich es dann leid gewesen und zurück nach Europa gegangen, wo ich noch mal drei Jahre in Kopenhagen gelebt habe und schließlich wieder nach Schweden gezogen bin. Womit er Recht hat, ist, dass ich Schweden heute liebe. En Big Mac och en stor vatten, tack.“ Äh… wie meinen? Kurios: Der Mann fährt tatsächlich gerade durch den Drive-in einer internationalen Fastfoodkette. Aber hat ja auch mal was – wann fährt man schon mal mit einem Rockstar an der Strippe durch eine schwedische Burger-Bude? Dass das irgendwie sonderbar ist, erkennt auch Mikkey und erklärt: „Sorry, ich muss leider nebenbei Mittag essen. Ich fahre hier echt den ganzen Tag wie ein verdammter Idiot durch die Gegend!“ Gut, verdrängen wir die Mampfgeräusche und konzentrieren uns auf AFTERSHOCK, über dessen Qualität Mikkey nach eigenen Aussagen noch nicht so viel sagen kann, da es noch ein wenig reifen müsse. Dass man freilich eine „sehr, sehr gute“ Platte aufgenommen habe, ist natürlich klar. „Ich weiß, dass es gut ist, ich weiß nur nicht, wie gut es ist. Ich sage nie über ein neues Album, dass es unser bestes ist, denn was soll ein bestes Album sein? Was für mich das beste ist, könnte für dich das schlechteste Album sein. Wenn du einen Motörhead-Fan fragst, was sein Lieblingsalbum ist, wird er vermutlich sagen ’nacheinander ACE OF SPADES und OVERKILL auf jedem Song‘. Und der nächste sagt dann vielleicht, ‚das alte Zeug ist gut, aber mir gefällt das neue trotzdem viel besser‘. Was soll also das beste sein? Ich habe keine Ahnung.“

Alles ist subjektiv, klar, aber Motörhead haben immerhin einen entscheidenden Vorteil: Dadurch, dass sie ihren markigen Sound nie großartig verändert haben, sind sie eine sichere Bank für ihre Fans. Andersrum gesehen, bleiben sie für jene, die sie aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen nicht mögen, auch stets ein rotes Tuch. Beide Lager können wohl gut damit leben. „Wir machen immer nur kleine Schritte nach vorne“, bestätigt Mikkey. „Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass wir die Musik vor allem anderen für uns selbst schreiben. Wenn es den Leuten gefällt, ist das ein willkommener Bonus. Aber wenn du mir jetzt sagen würdest, dass das neue Album totale Scheiße ist, dann müsste ich auch damit leben. Wenn wir uns an den Tisch setzen und überlegen würden, welche Art von Musik die Leute wohl gerne von uns hören wollen, dann wäre es mit dieser Band schon vor langer Zeit zu Ende gewesen. Man muss da einfach hart bleiben: Wir schreiben diese Musik, das ist der Motörhead-Sound. Friss oder stirb!“ Wir fressen natürlich – aber natürlich kein Fastfood, denn dann sterben wir ja schneller. Doch gesunde Ernährung war ohnehin noch nie Motörheads Sache. Wenn die Jungs aber, wie Mikkey und vermutlich jeder Motörhead-Fan dieser Welt hofft, noch ein paar weitere Jahre lang „coolen Stuff“ raushauen wollen, müssen sie auf ihre späten Jahre tatsächlich noch einmal ihre Gewohnheiten ändern. Allen voran natürlich der große Kilmister höchstselbst, der locker Mikkeys und theoretisch sogar Phils Vater sein könnte. Mikkey über Lemmys Lebenswandel: „Ich hoffe, dass er gesund bleiben kann, das alles ernst nimmt und erkennt, dass er keine 28 mehr ist.“ Gut, wer ist das schon? Aber fragen wir doch einfach mal nach, was Gitarrist Phil Campbell von der Gesundheitsdebatte hält, der in seiner Karriere ja auch nicht gerade als Kostverächter in Erscheinung getreten ist.

PHIL UND DIE SCHAFE

Phil Campbell hockt gerade irgendwo in einem seiner diversen Anwesen in Wales und legt im Gegensatz zu Mikkey ein wenig die Beine hoch. Auf die Frage, was er gerade so treibe, antwortet er: „Ich habe angefangen, Stepptanzstunden zu nehmen. Ist doch mal was anderes! Ich bin aber nicht wirklich gut und brauche noch viel Übung.“ Vor dem geistigen Auge zieht ein Bild auf, wie Phil Campbell auf der Bühne während eines Motörhead-Gigs statt in die Saiten zu hauen eine Stepptanzeinlage abliefert. Hinfort, grausige Vorstellung! „Abgesehen davon gehe ich hier jeden Tag mit meinen Hunden raus, spiele ein bisschen in meinem Studio, sitze auf dem Klo und lese.“ Es scheint, als wollten die grausigen Vorstellungen nicht abreißen. Thema-Wechsel: Was hat Lemmy gemeint, als er sagte „Phil ist sehr walisisch“? „Keine Ahnung – wahrscheinlich, dass ich es mit Schafen treibe?“ Okay, Kapitulation. Phil: 1 – Contenance: 0. Immerhin scheint der Gitarrero gut drauf zu sein, und das soll ja nicht unbedingt immer der Fall sein, wie er selbst bestätigt: „Manchmal bin ich nett, manchmal bin ich ein Arschloch – du musst schon Glück haben, um mich in einer guten Stimmung zu treffen.“ Anscheinend ist heute so ein glücklicher Tag, denn nach dem anfänglichen Trash-Talk gibt Phil dann doch noch ein paar interessante Einblicke in den Motör der Band, der nicht nur beim 67-jährigen Sänger, sondern auch beim 15 Jahre jüngeren Gitarristen mittlerweile ein wenig ins Stottern geraten ist. „Der Doc hat mir gesagt, ich soll mit dem Rauchen und Trinken aufhören“, verrät er. „Wir werden alle nicht jünger – ich muss mich ein bisschen um meine Leber kümmern und gesünder leben. Ich sag dir, das ist gar nicht so einfach, zur Abwechslung auch mal an die eigene Gesundheit zu denken.“ Da sind sie dann ja immerhin schon zu zweit in der Band. „Auch Lem musste sich ein bisschen erholen. Es war natürlich schade, dass wir einige Festivals canceln mussten, aber Gesundheit geht doch vor, oder? Wir müssen einfach ein bisschen vom Gaspedal gehen und statt 150 Shows pro Jahr vielleicht nur halb so viele spielen. Dann können wir eventuell noch drei, vier, fünf Jahre so weitermachen. Und selbst wenn wir nur zehn Shows pro Jahr spielten, könnten sich die Leute nicht beschweren, denn wir haben in den letzten eine Million Jahren eine Million Shows jährlich gemacht. Wir haben natürlich immer noch Spaß daran und wollen das so lange wie möglich weitermachen, aber in unserem Alter muss man auch mal kürzer treten anstatt in einer Tour zu keulen.“

Anders als Trommler Mikkey, ist Phil auch ohne Karenzzeit schon jetzt ziemlich zufrieden mit AFTERSHOCK. Auf die beiden Blues-Balladen angesprochen, entpuppen sich diese auch als seine Album-Favoriten – und waren natürlich auch seine Idee. „Mir gefällt das sehr gut“, sagt er über die Tempovariation auf der neuen Platte. „Ich mag es nicht, wenn du zwölf Songs hast, die die ganze Zeit bangbangbang gehen. Es ist doch angenehm, wenn man auch mal ein bisschen Entspannung und Raum beim Hören bekommt.“ Wo er Recht hat, hat er nicht Unrecht! Doch langsam wird der gute Mann ungeduldig. „Nach meiner Rechnung hast du schon 17 Minuten – die gute Laune ist also vorbei. Siehst du, da ist das Arschloch!“, lacht er.

DAS. IST. LEMMY!!!

Zurück nach Berlin, wo Lemmy weiter munter auf Zeitreise ist: Von den 92er Unruhen in L.A., die ausbrachen, als die Polizisten freigesprochen wurden, die Rodney King mit Brecheisen verdroschen hatten („Es gab ein Video davon – wie kann man da ’nicht schuldig‘ sein?!“), geht’s in die Hochzeit des Rock’n’Rolls in den 60ern bis zum Status quo der „schwarzen Musik“ („Das musikalische Erbe von Musikern wie Little Richard, Fats Domino oder Chuck Berry soll Hip-Hop sein?! Wohl kaum.“). Überhaupt, Little Richard: Von kaum einem anderen Rock-Musiker scheint Lemmy so angetan wie ihm: „Er ist der König des Rock’n’Rolls. Oder die Königin – wie man es nimmt. Schwarz und schwul im Macon der 50er Jahre, das war bestimmt kein Zuckerschlecken! Er hat Kleider angezogen, sich einen Schnurrbart aufgepinselt und oft ein hautenges rotes Kostüm getragen – es ist ein Wunder, dass er nicht von diesen Ku-Klux-Idioten gelyncht wurde. Kennst du ›Tutti Frutti‹? Little Richard hatte den Song eigentlich über Schwule geschrieben: ‚Tutti Frutti, good booty… you can grease it, make it easy.‘ Das war verdammt eklig. Doch dann kam Dorothy LaBostrie und hat den Text umgeschrieben.”

Und weil’s so amüsant ist, hier noch ein weiteres Beispiel dafür, wie kurios die Synapsen von Lemmy Kilmister arbeiten: Auf die Frage, wofür er sich entscheiden würde, wenn er zwischen Rock’n’Roll, Frauen und Alkohol wählen müsste, sagt er: „Muss ich ja glücklicherweise nicht, denn das eine führt dich automatisch immer auch zum anderen. Frauen sind für einen Kerl natürlich immer ein großer Teil seines Lebens, und so sollte es ja auch sein: So wahren wir das Recht, die Bevölkerung am Leben zu erhalten – obwohl das inzwischen ein wenig außer Kontrolle geraten ist. Aber es gibt in Amerika und auch England noch so viel freies Land, das von der Army benutzt wird. Oder diese ganzen Golfplätze, denk doch nur mal, was du mit dem ganzen Land machen könntest: Wohnungen darauf bauen oder einen Park errichten! Stattdessen schlagen da ein paar Bastarde in komischen Kleidern Bälle hin und her. Was für ein Scheißsport! Du schlägst einen Ball mit einem Stock und gehst ihm dann hinterher (lacht). Steck‘ ihn einfach in die Tasche und geh‘ stattdessen einen trinken – dann hast du ein verdammt gutes Handicap.“ Von einer Ode an die Frau zu einer Tirade über Golfer in weniger als einer Minute – das ist Lemmy. In der bereits angesprochen „Lemmy“-Dokumentation, die kein Motörhead-Fan nicht kennen sollte, sagt Metallica-Drummer Lars Ulrich über die einzigartigen (Rock-)Kulturikone: „Lemmy sollte ein Verb sein.“ Eine hervorragende Idee, nur was genau würde „to lemmy“ bedeuten? Lemmy lacht: „Keine Ahnung, wie Lars darauf gekommen ist. Ich hätte ja gedacht, dass ich eher ein Adjektiv bin. Oder vielleicht jemanden entlemmyen? Ich fürchte, wir müssen uns mit dem Substantiv zufrieden geben.“ Obwohl „to unlemmy someone“ gar nicht so verkehrt klingt. Für: „Jemandem den Stock aus dem Arsch ziehen.“

NACHBEBEN

Warum das Album AFTERSHOCK heißt, weiß Lemmy eigentlich auch nicht so genau. „Das war Mikkeys Idee“, sagt er. „Wenn die Leute den Titel nicht mögen, trägt er die Verantwortung.“ Nachfrage am schwedischen Fastfood-Drive-in: Wieso AFTERSHOCK? „Lemmy wollte irgendetwas wie ‚After the War‘ oder so, aber ich persönlich wollte das Wort ‚War‘ einfach nicht auf unserem Albumcover haben, das ist doch viel zu deprimierend – ich hab‘ so die Schnauze voll von ‚Krieg hier und Krieg dort‘. Ich denke, ‚Aftershock‘ ist einfach ein viel besseres Wort.“ Soviel zum Mythos, dass bei Motörhead allein Lemmy Kilmister das Sagen hat und sonst niemand. Auch wenn Lemmy die Band im fernen 1975 gegründet hat und seine jetzigen Mitstreiter erst sehr viel später dazustießen (Phil 1983, Mikkey 1992), lässt er nicht den Diktator raushängen, sondern setzt auf das Prinzip Gleichberechtigung. „Letzten Endes haben wir vermutlich alle gleich viel für das neue Album geschrieben“, bestätigt Mikkey. „Phil und ich schreiben viele Riffs und setzen sie dann mit Lemmy in L.A. zusammen, wo wir auch noch mal viel gemeinsam schreiben. Deswegen klingt das Album ja auch so, wie Motörhead heute klingen sollten.“ Wie das ist? Motörhead klingen nun mal wie Motörhead – und das ist auch gut so. „Wenn Lemmy anfängt zu singen, glaubst du ja nicht, dass das Jon Bon Jovi ist, oder?“, heißt es dazu aus Wales, und auch Lemmy ist sich des klanglichen Motörhead-Trademarks bewusst: „Du erkennst die Beatles und du erkennst die Stones, weil sie einen markanten Sound haben. Bei uns ist es auch so, nur sind wir in-die-Fresse-markant. Das ist einfach unser Sound, und deswegen werden auch all unsere Alben immer ähnlich klingen, weil es nun mal die gleiche Scheiß-Band ist, oder? Wenn die Leute sagen, dass wir immer wieder den gleichen Song spielen, dann ist das völliger Schwachsinn und zeigt einfach nur, dass sie nicht hinhören.“ Stichwort ›Ace of Spades‹? „Du würdest dich wundern, wie viele es von denen gibt: ‚Yo, dude, Ace of Spades, dude!‘ Ja, genau, an den kann ich mich erinnern. Du nicht, du bist fünf Jahre alt.“

Wie schon bei den vorangegangenen vier Motörhead-Studioalben saß auch diesmal wieder Cameron Webb im Produzentenstuhl und verschaffte AFTERSHOCK den gewohnt räudigen Sound. Man kennt sich, man schätzt sich, und man geigt sich auch schon mal gegenseitig die Meinung, wie Phil verrät. Doch während andere (jüngere) Rockbands regelmäßig ihren Produzenten wechseln, um nicht in der vielbeschworenen, beinahe mythischen „Komfortzone“ zu landen, setzen Lemmy und Co. auch in diesem Punkt auf Kontinuität. „Es ist gut, jemanden zu haben, der intelligent und kompetent ist und auf deine Musik steht. Viele andere machen es doch nur fürs Geld – das Produzentengewerbe ist derzeit in einem ziemlich kläglichen Zustand. Es gibt diese Star-Produzenten wie Rick Rubin… ich bin mir sicher, dass der Mann gut ist, aber er macht keine Motörhead- oder Kiss-Alben, sondern er macht Rick-Rubin-Alben. Warum auch nicht? Er hat sein ganzes Leben darum gekämpft, diesen Status zu erlangen. Aber wir könnten kein Album mit ihm machen, denn dann würden wir klingen, als kämen wir gerade von der Metallica-Session. Ein guter Produzent sollte interpretieren, was du zu machen versuchst.“ Mit anderen Worten: Wenn der Produzent zum Rockstar wird, läuft irgendetwas falsch.

DER ZUSTAND

Ganz umhin kommt man um „den ganzen Bull-shit und die Gerüchte da draußen“ (Mikkey) bezüglich Lemmys Gesundheit nach alledem dann irgendwie doch nicht. Und am Ende des Gesprächs entscheidet der Meister aus freien Stücken, noch ein paar Einblicke in sein Seelenleben zu geben: „Es geht mir jetzt schon wieder viel besser, das war einfach nur ein schlechter Start. Nach dem ersten Schritt auf der Leiter wird jeder weitere immer leichter.“ Ein Grund dafür, warum die Internet-Gerüchteküche so wild brodelte, war sicherlich, weil Lemmy selbst einmal gesagt hat, dass Motörhead einen Auftritt nur dann canceln würden, wenn einer von ihnen ernsthaft krank sei. Lemmy kann einfach den Gedanken nicht ertragen, die Leute zu enttäuschen. Doch wer im Krankenhaus liegt, kann keine Rockshow spielen – und kein einziger Motörhead-Fan auf dieser Welt hätte wohl einen Gig sehen wollen, bei dem Lemmy auf der Bühne kollabiert.

Wie sehr sich seine Fans auf der ganzen Welt um ihn gesorgt haben, ist dem nur scheinbar unterkühlten Rocker dabei sehr zu Herzen gegangen. „Ich war wirklich beeindruckt, wie viele Menschen mir Genesungswünsche und nette Worte geschickt haben“, sagt er und beugt sich plötzlich ganz dicht über das Aufnahmegerät: „Hallo ihr alle – vielen, vielen Dank! Das hat mir sehr geholfen. Mein Herz ist bei euch.“ „My heart goes out to you“ – angesichts seiner jüngsten Herzprobleme nicht einfach bloß eine Redewendung, sondern auch eine wunderschöne Metapher mit unterschiedlichen Deutungsansätzen. „Die Leute scheinen mich wirklich zu lieben“, hat Lemmy in seinen schweren Stunden erkannt, „und das ist ein wunderbares Gefühl. Ist mir jetzt aber fast schon wieder ein bisschen peinlich.“ Und dann lacht er dieses herrlich kernige Lemmy-Lachen.

DIE ZUKUNFT

Und nun? „Wir werden wieder durchstarten. Und es allen beweisen.“ Entschuldigung, aber du bist Lemmy, ihr seid Motörhead – was solltet ihr wem denn bitte noch beweisen müssen?! „Na dass man seines Status würdig ist! Wenn du eine scheiß Ikone sein willst, solltest du dich dessen doch besser als würdig erweisen, oder nicht? Du bist immer nur so gut wie deine letzte Show. Und selbst wenn ich nie wieder ein Konzert spielen könnte, würde ich für immer Alben machen. Sogar im verdammten Ganzkörpergipskorsett könnte ich noch neue Alben aufnehmen! Na gut, wenn es soweit kommen sollte, höre ich vielleicht auf.“ Aber auch nur vielleicht.

Was am Ende dieses Gesprächs bleibt, ist das besondere Gefühl, einen wahnsinnig interessanten, sympathischen und freundlichen Menschen getroffen zu haben – einen der letzten natürlich coolen Typen dieses Planeten. To lemmy or not to lemmy? Das ist doch die eigentliche Frage hier.

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Hunger macht glücklich

Sprachrohr, Gitarrist und Keyboarder Søren V. Christensen beschreibt es so: „Wir kennen uns nicht nur alle vier, seit wir in einem Kaff zusammen aufwuchsen, wir haben auch so ziemlich denselben Musikschmack. Dieser ist aber auch bei uns allen extrem breit gefächert. So waren unsere ersten beiden Alben eher Garage-Rock oder von der Mod-Szene beeinflusst, dann ging es mehr Richtung 70s. Unsere letzte Platte war dann sehr produziert, sehr elektronisch ausgerichtet, und jetzt wollten wir wieder zu einem mehr live-orientierten Sound zurück.“

Außerdem wollte man mit dem Titel ein Statement abgeben. „Ich sah eines Abends diese Dokumentation zum Thema Religion und wie fucked up sie ist. Das machte mich so wütend, dass ich sofort in den Keller ging und zu schreiben begann. Am Anfang war das alles sehr antireligiös, doch mit der Zeit wurde dann etwas anderes daraus. Viele Menschen suchen ihr Heil im Glauben, doch wir fragten uns letztlich, was man selbst verändern kann, um sein Leben zu verbessern. Und so kam es zum Albumtitel WOULD YOU CHANGE YOUR LIFE?… Das Schöne daran: Wenn ich mir diese Frage selber stelle, muss ich sagen, dass ich eigentlich ziemlich glücklich bin!“

Glücklich darüber, dass seine Band auch über die dänischen Landesgrenzen zunehmend bekannter wird, darüber, dass ihre Musik in diversen US-Fernsehproduktionen verwendet wurde („eine der wenigen Möglichkeiten, die man heute als Musiker noch hat, um überleben und weitermachen zu können – das sind nicht mehr die 90er, wo man in seiner Limousine saß und Heroin nahm“), vor allem aber darüber, dass man sich nie festlegen ließ. „Man kann nur frisch bleiben, wenn man sich immer wieder verändert. Viele Bands haben sich da in eine Ecke gemalt. Wir lieben die Hives, aber sie haben eben ihren charakteristischen Sound, aus dem sie nicht mehr ausbrechen können. Oder AC/DC. Klar, Millionen Menschen wollen, dass sie exakt so sind und bleiben. Aber muss es nicht unglaublich langweilig sein, AC/DC zu sein?“ Gut möglich…The Blue Van packen sicher mehr Abwechslung auf ihr neuestes Werk als AC/DC in den letzten 30 Jahren demonstriert haben. Mal rumpeln sie ungehobelt wie Jon Spencer Blues Explosion, mal gibt es geschliffenen Pop à la Killers, dann schwelgen sie wieder in 60s-Hippie-Klängen. Auf jeden Fall aber bleiben sie immer spannend und energiegeladen. Eine Dynamik, die dem kreativen Drang ebenso entspringt wie der Notwendigkeit. „Man muss einfach immer hungrig bleiben, sonst wird es irgendwann langweilig. Ich muss jedes Wochenende auftreten, um meine Miete zahlen zu können – und das liebe ich.“

Text: Matthias Jost

Neuigkeiten zu: Brainbogs

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Die jungen Wilden geben Gas

Es brodelt im Untergrund. Und das nicht ausschließlich in den skandinavischen Ländern. Auch hierzulande bemühen sich bekanntlich aufstrebende Combos, es ihren Vorbildern gleichzutun und auf der großen Bühne mitzuspielen. Eine dieser Truppen, die vollen Einsatz auf dem Weg nach oben geben, sind die Brainbogs („Gehirnsumpf). Das sympathische Trio ist bereits seit 2006 gemeinsam unterwegs, wobei ausschließlich Sänger und Gitarrist Chris noch zur Urbesetzung zählt. Drummer Toby und Bassistin Conny stiegen erst später ein. Musikalisch hat sich die Combo ganz dem Heavy Rock verschrieben – damit verdient sie sich mit Sicherheit keinen Sonderpreis in der Kategorie Originalität, was die Umsetzung betrifft, darf allerdings guten Gewissens besonderes Lob ausgesprochen werden: Erdig und rotzig frech finden die Songs zielsicher ihren Weg aufs Trommelfell des Konsumenten und sind noch dazu angemessen wuchtig geraten. Also genau so, wie die Musik aus diesem Genre eben klingen muss! Obwohl Chris quasi als Bandchef und Hauptsongwriter fungiert, sind seine Mitstreiter bei der kompositorischen Arbeit nicht völlig außen vor. Dazu der Gitarrist: „Unsere Stücke schreibe ich alleine, jedoch heißt das noch lange nicht, dass meine Vorstellungen auch so auf die Platte kommen. Jedes Bandmitglied steuert seine Ideen bei und hat natürlich auch ein Mitspracherecht – bei unseren wöchentlichen Treffen im Probenraum werden so den Liedern die letzten Schliffe verpasst“. Wobei in besagter Lokalität natürlich auch fleißig für die Live-Shows trainiert wird: „Auf der Bühne erleichtert uns dies die Arbeit ungemein, da wir als eingespielter Haufen die Show absolvieren und so leichter den Besuchern im Auditorium einen genussvollen Abend präsentieren können – denn live vor den Fans zu spielen ist und bleibt für uns das Nonplusultra“. Oftmals sind die Texte im Heavy Rock bekanntlich auf die typischen Klischees des Sex & Drugs & Rock’n’Roll ausgerichtet, wovon sich die Brainbogs auch nicht gänzlich distanzieren wollen. Andererseits scheuen sie auch nicht davor zurück, Aussagen zu treffen, die als relativ sozialkritisch zu bezeichnen sind. Aber dennoch: Hochpolitische Weltverbesserung mit erhobenem Zeigefinger findet hier nicht statt, meist geht es nur darum, persönliche Erlebnisse und Anschauungen verbal umzusetzen. Wer nach dieser Lektüre Appetit bekommen, diese junge Band hautnah zu erleben, hat dazu am 30. August die Gelegenheit: Im Club „Nachtleben“, beheimatet in Frankfurt am Main, stellt das Trio sein neues Opus MARVIN seinen Anhängern vor, Tickets können vor Ort oder über einen entsprechenden Link auf der facebook-Seite der Truppe geordert werden..

Text: Gerhard „Hartl“ Grill

Zeitzeichen: Neil Young

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Neil Young liebt seine Eisenbahn

Im Leben des Schöpfers von ›Heart Of Gold‹ und ›Southern Pacific‹ gibt es noch eine weitere Leidenschaft: zu Schienen und Miniatur-Loks.

Seine Musik-Karriere währt nun schon seit einem halben Jahrhundert. Im Jahr 1963 nahm der „Godfather Of Grunge“ die Single ›Sultan‹ mit der Gruppe The Squires auf. Danach folgten fast 40 reguläre Alben, zwölf Live-Platten und vier Soundtracks. Außerdem ist Young politischer Aktivist, Vater von acht Kindern, Umweltschützer und federführend aktiv bei diversen sozialen Projekten.

Seit vielen Jahren ist er allerdings auch Mitinhaber der Modelleisenbahn-Firma Lionel, dem amerikanischen Pendant zu Märklin. „Meine Eisenbahn-Anlage selbst ist eine historische Anlage“ – diese Worte stehen gleich im ersten Kapitel der Young-Autobiographie „Ein Hippie-Traum“.

Für sie hat Young eine Blockhütte bauen lassen, die am Rande seines Anwesens steht. Außerdem wurde die Modellwelt in handwerklicher Detailarbeit aus Naturmaterialien wie echtem Moos, Mammutbaum-Wurzeln und sogar künstlich bewässerten Pflanzen aufgebaut. „Das hat was sehr Beglückendes und Befreiendes“, sagt Young über sein Hobby.

Auch in technische Bereiche mischte er sich mit viel Enthusiasmus ein. Ihm gefiel der Sound der Lokomotiven nicht, er war nicht echt und fulminant genug. In Zusammenarbeit mit der Firma Quinn-Severson wurde also ein Soundsystem für Modellbahnen entwickelt. Außerdem entstand ein modernes Ton- und Steuerungssystem für die Triebwagen, inklusive einer neuartigen Rauch-Einheit für die Lok. Seitdem geht es viel realistischer auf den Mini-Schienen zu.

Doch lief nicht immer alles in reibungslosen Bahnen: 1995 geriet Lionel in eine schwere Krise. Damals kaufte Young Firmenanteile, um das Unternehmen zu retten. Weitere Einschnitte und Veränderungen folgten, doch im November 2004 ging Lionel in die Insolvenz. Nur durch eine Umstrukturierung in eine andere Gesellschaftsform konnte das Unternehmen gerettet werden, außerdem mussten die Produktionsstätten nach China und Korea verlagert werden. Doch Neil Young bleibt wie so oft stur: Seine Firmenanteile hat er bis heute nicht verkauft.

Text: Peter Hesse

Die skurrilsten Cover: Foreigner – Foreigner

skurriles Cover Foreigner

 

Als 1977 Foreigners gleichnamiges Debüt erschien, war Punk gerade dabei, die eingefahrenen Rockstrukturen aufzubrechen und seinen kurzfristigen Siegeszug um die Welt anzutreten. Wie konnte eine junge Rockband, die eigentlich auf den, nennen wir es für damalige Verhältnisse, „antiquierten Pfaden des Arena Rocks“ wandelte, den anarchisch geprägten Bands Paroli bieten ohne schon durch ihr Äußeres Vorurteile aufzubauen? Wer immer die Idee für dieses Cover hatte, wusste, wie die Uhren damals tickten, hüstel…. Unter den Mänteln dieser sechs unscheinbaren jungen Männer konnte alles stecken…. man überlies es dem Betrachter und seiner Phantasie.

Gepiercte Brustwarzen? Sexuell verklemmte Flitzer? Exhibitionisten? Was wollte man mit diesen Männern und ihren Koffern ausdrücken? Hier ist eine Band, die auf den Erfolgszug an die Spitzen der Charts wartet? Oder sind die Herren gerade angekommen und warten auf….hm,…wen und was? Anderseits, wer will schon solche spießig aussehenden Typen zu irgendwas einladen? Wer immer damals das Album kaufte hatte Mut, weil die Koffer auch hätten ausdrücken können: „Der Zug ist abgefahren, wir haben den Anschluss verpasst!?“ Oder standen diese Mäntel damals für avantgardistischen Mainstream, der einem suggerieren sollte, hier gibt es was Neues auf die Ohren? Anderseits, drei der Herren verschränken ihre Arme hinterm Rücken, was eine gewisse Souveränität ausstrahlt. Ist das Rock‘n‘Roll? Nein, dieses in blassen Farben erstellte Cover sagt nichts, rein gar nichts im Zusammenhang mit der Musik aus. Oder vielleicht doch? Wollte man hier den Track ›Cold As Ice‹ visualisieren? Es ist mehr als verwunderlich, dass ein so spießiges Artwork ohne Message für ein Album steht, das mit Mehrfach-Platin ausgezeichnet wurde. Im Umkehrschluss heißt das aber auch, damals waren Äußerlichkeiten eher sekundär, der Inhalt zählte… zum Glück, sonst wäre die Rockgeschichte um ein grandioses Album ärmer.

Text: Jürgen Tschamler

Neuigkeiten zu: The Jokers

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2009 veröffentlichten die Briten mit dem etwas unoriginellen Bandnamen The Jokers ihr Debüt THE BIG ROCK’N’ROLL SHOW, das man im Liverpooler Wohnzimmer von Gitarrist Paul Hurst aufgenommen hatte. Abgemischt wurde es allerdings in Vancouver von keinem Geringeren als Mike Fraser, kurz nachdem er AC/DCs BLACK ICE finalisiert hatte. Das Werk verkaufte sich in der britischen Heimat überraschend gut, ist dank des neuen Albums ROCK’N’ROLL IS ALIVE aber auch schon wieder Schnee von Gestern. Wiederum bieten The Jokers satten, kernigen Rock’n’Roll mit bluesiger Schlagseite, der eindeutig im aktuellen Vintage Rock zuhause ist. Sänger Wane Parry kann mit dieser Genrezuordnung gut leben: „Ich bin stolz auf diese Einordnung, denn sie assoziiert, dass wir mit Bands wie Free, The Who, AC/DC und Led Zeppelin auf einer musikalischen Linie liegen.“

Was hat es mit dem Titel ROCK’N’ROLL IS ALIVE auf sich?
Echter R’n’R ist eine sterbende Spezies, die meisten Menschen nehmen sich nicht mehr die Zeit dafür. Image und Mode regieren die Musik, nicht mehr hart arbeitende Bands, die Zeit und Leidenschaft investieren. Der Titel ist an jene Leute adressiert, die nicht mehr an den R’n’R glauben. Und an Bands wie The Jokers, die eine Mission haben: den R’n’R wieder zu den Leuten zu bringen.

Aber ist R’n’R heutzutage nicht doch nur noch ein Klischee?
Er ist eine Glaubensfrage und gibt den Menschen die Möglichkeit, sich durch den Geist der Musik auszudrücken. Ich glaube nicht, dass er lediglich ein Klischee ist. Viele Menschen sind all der Casting-Shows überdrüssig geworden und suchen mittlerweile wieder den wahren R’n’R. Ich hoffe, dass wir dazu etwas beitragen können.

Welche Bands haben den größten Einfluss auf eure aktuelle Musik?
Free, AC/DC, The Who und ZZ Top. Diese Bands waren der Grund, warum wie begannen Musik zu machen. Sie sind von jeher ein integraler Bestandteil unseres Stils.

Was ist der markanteste Unterschied zwischen dem ersten und dem neuen Album?
Die letzten drei Jahre haben wir viel getourt und dabei gemerkt, wo unsere Stärken liegen und worauf das Publikum am meisten reagiert. Shows mit Anvil, Argent, Y&T, Joe Elliot und Fozzy waren wertvolle Erfahrungen. Ich denke, unser neues Album ist wesentlich fokussierter auf Stücke, die schnell zur Sache kommen.

Was man auf Platte hört, ist das, was man auch live von euch bekommt?
Ganz genau. Wir versuchen, das echte R’n’R-Erlebnis zu liefern. Viel Energie, jede Menge Adrenalin. Eine musikalische Achterbahn, die die Fans überrascht und – ha – verjüngt!

Text: Jürgen Tschamler

Neuigkeiten zu: Jonny Lang

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Jonny Lang_2013 @ Piper Fergussonjonny langLang, lang ist’s her

Sieben Jahre dauerte es, bis Jonny Lang den Nachfolger zu seinem Grammy-prämierten Album TURN AROUND fertiggestellt hat. Warum FIGHT FOR MY SOUL so lange hat auf sich warten lassen, weiß der Bluesrockgitarrist aber zu entschuldigen. „Nun, ich habe dieses Album ohne die Unterstützung einer Plattenfirma produziert. Und ich bin nicht gerade ein Held in Organisationsfragen“, gesteht er lächelnd. Jedoch gab es einen noch viel wichtigeren Grund für ihn, eine Pause einzulegen. „Meine Familie hat Nachwuchs bekommen hat. Vor sechs Jahren kam das erste Kind und jetzt haben wir schon vier! Wenn ich also gerade mal nicht auf Tour war, wollte ich nicht auch noch sagen müssen: ‚Na dann ist Daddy mal im Studio und nimmt eine neue Platte auf!‘“ Diese entspannte Herangehensweise hat sich laut Lang, der seinen ersten Langspieler im zarten Alter von 16 Jahren veröffentlichte, durchaus gelohnt. „So zufrieden war ich noch nie. Zum ersten Mal habe ich das Gefühl, mich stilistisch nicht zurückgehalten zu haben“, so Lang stolz. Was ihn da so freudig stimmt, dürfte allerdings bei einigen seiner Fans nicht gerade auf Gegenliebe stoßen. Ist ihm FIGHT FOR MY SOUL doch stark Pop-orientiert geraten. „Ach, diese Schlacht kämpfe ich schon seit Jahren. Mit jedem Album habe ich mich vom Bluesrock entfernt und jedes Mal gab es die Leute, die wieder einmal mein erstes Album erwartet hatten. Ohne jeden Zweifel werden diese Leute mich für die neue Platte lynchen wollen“, lacht er. Trotz seiner bisherigen Entwicklung ist Lang aber so gar nicht festgelegt und wagt sogar schon jetzt einen Ausblick auf ein mögliches nächstes Album. „Vielleicht wird das ja auch wieder so ein richtiges Blues-Ding. Wer weiß?“ Ob man darauf wieder sieben Jahre lang warten muss? Lang kontert: „Wenn das nochmal so lange dauert, bin ich raus aus der Nummer“, frotzelt er.

Text: Paul Schmitz