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Neuigkeiten zu: The Flying Eyes

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TheFlyingEyes by HennPict 4Demut vor den Fans

Obwohl sich der Begriff geradezu aufdrängt, mögen The Flying Eyes die Einordnung als Stoner-Rock-Band nicht sonderlich. Ihre Musik sei offener, melodischer, findet Frontmann William Kelly, zudem: „Außerhalb der Musikszene hat das Wort ‚Stoner’ einen negativen Beigeschmack, man denkt an Drogen und all diese Dinge. Wir haben damit nichts am Hut, insofern gefällt mir die Definition einer Psychedelic-Rock-Gruppe weitaus besser.“
Kelly, damals 18 Jahre alt, hat die Band im Frühjahr 2007 gegründet, er gibt ihr mit seiner kräftigen Stimme die entscheidende Richtung. Heute hat er sechs Lebensjahre mehr auf dem Buckel und blickt stolz auf die Veröffentlichung des dritten Studioalbums LOWLANDS. Das begeistert mit knochentrockenen Gitarrenriffs, stoisch marschierenden Rhythmen und einer Reihe bunter Instrumente wie Pedal Steel, Akustikgitarren oder auch Mellotron. Die Einflüsse auf LOWLANDS reichen bis tief in die 60er zurück, reiben sich aber auch an Versatzstücken von Prog und Grunge.

Die Vitalität der neuen Songs hat ihren Ursprung in zahllosen Konzerten. Die vielen Shows in kleinen schmuddeligen Clubs, mit miesen Gagen und noch mieserer Bewirtung, haben Kelly Demut gelehrt. „Man sollte nichts für selbstverständlich nehmen“, sagt er, „jede noch so kleine Show ist ein Geschenk. Selbst wenn nur 20 Zuschauer da sind, haben sie es verdient, dass man als Band alles gibt. Wenn man am Ende der Show nur fünf Zuschauer für sich gewinnen konnte, ist das immer noch besser, als wenn man sofort wieder vergessen ist. Außerdem, man weiß ja nie, wer sich gerade im Publikum befindet.“

Überzeugen können The Flying Eyes auch mit LOWLANDS, das nach dem Debüt und dessen 2009er-Nachfolger DONE SO WRONG spürbar härter, dunkler und aggressiver ausfällt. „Vor allem die größeren und besseren Fuzz-Pedale sind unüberhörbar“, erläutert Gitarrist Adam Bufano, dem man seine gerade mal 25 Lenze nicht anhört. Der Mann spielt eine souveräne, sehr vielseitige Axt und achtet genau darauf, dass Abwechslung auf LOWLANDS großgeschrieben wird. „Bei uns waren die Alben noch nie eindimensional“, resümiert er, „nach einem krachenden Track wie ›Smile‹ folgt beispielsweise sofort das sanfte, mit Akustikgitarre intonierte ›Alive In Time‹. Vor allem als Songschreiber haben wir uns kräftig weiterentwickelt, seitdem wir vor drei Jahren in Baltimore zusammengezogen sind. Seither proben wir mindestens drei Mal pro Woche, weshalb die Band von Monat zu Monat besser und reifer wird. Und genau das kann man auf LOWLANDS hören.“

Text: Matthias Mineur

Neuigkeiten zu: End Of Green

EndOfGreen_LogoLachend in den Untergang
Klassischer Hard Rock in düster-gotischen Mollhymnen

Selbstzerstörung, Verzweiflung, Verlust… bleischwere Konzepte wie diese prägten das Schaffen End Of Greens in den letzten 20 Jahren. Daran hat sich zwar auch auf ihrem achten Album nichts geändert, dennoch schimmern vermehrt Hoffnung und Humor durch – wenn auch auf äußerst zynische Weise. „Manchmal erleichtert Zynismus tatsächlich das Leben“, weiß Gitarrist Michael Setzer. „Da muss aber mehr sein, sonst endest du als menschenfeindliches Arschloch, dass sich mit nichts mehr auseinandersetzt außer Pointen.“ Setzer, der „Sad Sir“ der Stuttgarter Düsterbrigade, weiß, wovon er spricht und setzt sich auch auf THE PAINSTREAM mit den kleinen und großen Katastrophen auseinander, die so ein Leben bereithält. „Wenn dich das Leben auf die Matte haut, dann ist es Ehrensache, aufzustehen und das mit dem nötigen Humor zu nehmen. Ich glaube fest daran, dass Humor Grundlage und Kraft schafft, mit erhobenem Haupt oder wenigstens Mittelfinger weiter zu machen.“

Beides trifft tatsächlich auf das jüngste Werk zu. Der Labelwechsel zu Napalm scheint die Kreativmotoren der Musiker abermals befeuert zu haben, der düster-treibende Rocksound wird um Post Punk, Seventies-Rock und Achtziger-Schweiß ergänzt – ohne Doom, Goth Rock und jene feine Prise Indie zu vernachlässigen, versteht sich. Ein Chamäleon war diese Band schon immer. Zum Glück. „Wir machen die Musik, die aus uns rauskommt, das sind wir. Ich glaube, letztendlich gibt es nur eines: Liebe zu Musik“, so Setzer. „Wenn ich ein gutes Lied höre, dann ist mir wirklich egal, was der Sänger für Hosen trägt. The Sound, Danzig, Bolt Thrower, The Cure, Black Keys oder Creedence Clearwater Revival stehen bei mir aus dem gleichen Grund im Plattenregal: Ich stehe eben auf das Zeug.“

Text: Björn Springorum

Krautrock Special 1974

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Kraftwerk 3Als im November 1974 die Düsseldorfer Elektronik-Band Kraftwerk ihr Meisterwerk AUTOBAHN veröffentlichte, glich dies einem Erdrutsch. Für die internationale Presse kam das Album aus völlig heiterem Himmel, in England und Amerika überschlug man sich vor Begeisterung über „the krauts“ und attestierte den Beteiligten, die perfekte Melange aus zeitgenössischer und futuristischer Popmusik gefunden zu haben. Entstanden war die Gruppe 1968 an der Remscheider Akademie, ein Jahr später gaben Ralf Hütter und Florian Schneider (noch unter dem alten Namen Hütter/Schneider-Organisation) in Berlin ein Testkonzert, bei dem es aus Protest über den künstlerischen Dilettantismus Gurken und Tomaten hagelte. 1970 veröffentlichte das Duo sein viel gelobtes Debüt KRAFTWERK, gab auf der Bühne (teilweise durch drei Begleitmusiker verstärkt) aber ein weiterhin sonderbares Bild ab: Regungslos standen Kraftwerk an ihren elektronischen Geräten und ließen sich lediglich von einer alten Stehlampe mit drei vergilbten Pergamentschirmen beleuchten. Die Musikszene hatte ihre Anti-Stars: introvertiert, roboterhaft, virtuell. Nach der Veröffentlichung von KRAFTWERK 2 (1971) und RALF & FLORIAN (1973) spielte die Band in Frankreich und entschied im März 1973, vorerst weder Interviews noch weitere Konzerte zu geben. Stattdessen verschanzten sich Hütter und Schneider plus Gastmusiker Klaus Röder und Wolfgang Flür sowie Produzent Conny Plank ins eigene „Kling-Klang“-Studio. Die Initialzündung zu AUTOBAHN (Anzeigentext: „Neu! Kraftwerk zum Mitsingen“) war eine Autobahnfahrt in Hütters Volkswagen, bei dem ein Kassettenrecorder aus dem Fenster gehalten, Verkehrsgeräusche aufgenommen und anschließend im Studio mit einem Moog-Synthesizer nachempfunden wurden. Zur Veröffentlichung lud die Band Journalisten zu einer Autofahrt ein und ließ das Album aus den Lautsprechern dröhnen. Kraftwerk hatten eine Hymne geschaffen auf das Statussymbol einer florierenden Industrie-Nation und ihren Exportschlager, das Auto!

Im April 1975 gingen Kraftwerk auf US-Tournee, unterstützt durch Karl Bartos und Wolfgang Flür, die fortan zur festen Besetzung gehörten. Das Publikum reagierte zunächst verhalten:

Die Musiker standen im Nostalgie-Look (kurze Haare, Schlips und Anzug) auf der Bühne und provozierten mit einer bewegungsarmen Show, über die der „San Francisco Examiner“ befand, dass „Kraftwerk seine Mitspieler zu Robotern entmenschlicht“. Das sah Ralf Hütter natürlich vollkommen anders: „Man kann sich AUTOBAHN anhören und dann auf der Autobahn losfahren, um festzustellen, dass unser Auto ein Musikinstrument ist.“

Weniger experimentell, dafür aber ähnlich innovativ gingen Kraan zu Werke. Die Band fusionierte Rock mit Jazz, bezeichnete ihren Stil als „Wintrup Musik“, benannt nach ihrem Zuhause, und orientierte sich vor allem rhythmisch gen Übersee: „Die Farbigen sorgen dort für den Rhythmus. In England gibt’s keine einzige Band, die gute Percussions bringt.“ Eine Erbschaft im Mai 1970 war quasi der Startschuss von Kraan: Peter Wolbrandt, Jan Fride, Helmut Hattler und Alto Pappert warfen ihr Geld zusammen und kauften sich eine Anlage nebst Bandbus. Ihr Debütalbum nahmen sie in einer nur zweitägigen Studiosession auf und pflegten auch sonst einen ausgeprägten Hang zur Spontaneität.

Kraan genossen das Leben einer musikalischen Kommune auf einem 1871 erbauten, mittlerweile stillgelegten Bauernhof am Rande des Teutoburger Waldes mit 4000 Quadratmetern Land. Das ehemalige Pferdegestüt hatte Mineralwasserproduzent Graf Metternich der Band zur Verfügung gestellt – kostenlos und ohne Bedingungen. Dort wohnten Kraan mit vier Musikern, ihrem Manager, zwei Roadies, drei Frauen, drei Kindern und etlichen Katzen und Hunden. Hattler charakterisierte die Philosophie des Zusammenlebens: „Es ist hier eine freundliche Anarchie. Wir haben absichtlich keine Pläne gemacht, wer wann wo putzen muss oder Spüldienst hat. Wenn in der Küche alles stimmt, geht auch die Musik in Ordnung.“ Im täglichen Leben mit derlei Banalitäten konfrontiert, entwickelte sich die Band zu eine der angesehensten deutschen Formationen. Nach drei Studiowerken wurde im Oktober 1974 im Berliner „Quartier Latin“ ihr Doppelalbum KRAAN LIVE mitgeschnitten, eines der herausragenden Jazzrock-Alben jener Tage, das von Conny Plank aufgezeichnet und bearbeitet wurde. Nach einem umjubelten Auftritt beim Roskilde Festival in Dänemark im Juni 1975 erweiterten Kraan ihre Besetzung durch den Pianisten und Organisten Ingo Bischoff. Mit dem folgenden, großartigen LET IT OUT, das mit einem mobilen Studio in Wintrup, quasi zwischen Pferdestall und Küchenherd, ebenfalls von Conny Plank produziert wurde, avancierten Kraan im Magazin „Sounds“ zur Gruppe des Jahres. Kraan waren ein typisch deutsches Phänomen, schafften zwar Achtungserfolge im europäischen Ausland, der Sprung nach Übersee blieb ihnen hingegen verwehrt. Hattler: „Ich hätte gerne einen Dreijahresvertrag mit irgendeinem Amerikaner unterschrieben. Unser Schlagzeuger aber war das pure Gegenteil, lieber wollte er gar nichts machen, als nach Amerika zu gehen.“

Eine derartige Haltung war Karthago völlig fremd. Im Gegensatz zu Kraan oder Avantgardisten á la Can und Popol Vuh spielten die Berliner schnörkellose, laute Rocksongs. „Mit dieser Musik, die Lahme wieder gehend machen kann, beziehen sie – bei ihrem scheinbar einfachen musikalischen Rezept mag das paradox klingen – in Deutschland eine Außenseiterposition“, schrieb „Sounds“. Gegründet wurde Karthago von Gitarrist und Sänger Joey Albrecht, ihr Debütalbum KARTHAGO (1971) mit offenkundigen Anleihen bei Bands wie Chicago und Argent stellte – glaubt man dem Cover-Text – einen Akt künstlerischer Befreiung dar: Die Musiker hatten „jahrelanges Suchen und Versuchen, viele Gedanken, viele Ups und Downs, immer nur Geld genug für die tägliche Tüte“ hinter sich. Nun aber, so der Hüllentext „entdecken sie das feste Fundament Freundschaft – und von da an fügt sich langsam Stein auf Stein für dieses neue Karthago“. Das zweite Album SECOND STEP kam im Juli 1973 in die Läden, Ende August starteten die Musiker auf eine Tournee durch Deutschland, Schweden, Luxemburg, die Schweiz und Italien und gastierten in deutschen Fernsehsendungen wie „Disco 74“, „Musikreport“ und „Music Today“. Im Oktober 1974 schloss sich Jethro-Tull-Bassist Glenn Cornick der Truppe an, bereits einen Monat später spielten Karthago im Oxforder „Chipping Norton Studio“ ihr drittes Album ROCK’N’ROLL TESTAMENT ein. Das Werk wurde nicht nur aufgrund seiner exzellenten Produktion euphorisch gefeiert. „Sounds“ befand, dass „sich die Platte durchaus an internationalen Standards messen kann“ und jubelte: „Perfekt, Jungs! ROCK’N’ROLL TESTAMENT als das bisher beste Rockalbum einer deutschen Band zu bezeichnen, ist diesmal wirklich keine Übertreibung.“

DISkOGRAfIE

KRAFTWERK

Kraftwerk (1970)
Kraftwerk 2 (1971)
Ralf + Florian (1973)
Autobahn (1974)
Radio-Aktivität (1975)
Trans Europa Express (1977)
Mensch-Maschine (1978)
*(viele weitere Alben ab den 1980ern)

KRAAN

Kraan (1972)
Wintrup (1973)
Andy Nogger (1974)
Live (1975)
Let It Out (1975)
Wiederhören (1977)
Flyday (1980)
*(viele weitere Alben ab den 1980ern)

KARTHAGO

Karthago (1971)
Second Step (1973)
Rock’n’Roll Testament (1974)
Live At The Roxy (1976)
Love Is A Cake (1977)
Best Of (1978)
Zeitzeugen

CONNY PLANK

Als Produzent und Experimentalmusiker gehörte Konrad „Conny“ Plank zu den wichtigsten Katalysatoren der deutschen Rockmusik. In seinem Tonstudio, einem umgebauten Bauernhof im Bergischen Land – der Aufnahmeraum war im ehemaligem Schweinestall, der Regieraum im früheren Pferdestall – herrschte pure Kreativität, wenn er die deutsche Rockelite wie Kraftwerk, Neu!, Cluster, Can, Kraan, später Ideal und DAF mit seinem kreativen Geist zu Höchstleistungen anspornte. „Sein Motto lautete: Too much ist gerade gut genug“, erinnert sich Kraan-Bassist Hellmut Hattler. „Conny hatte klare Vorstellungen von musikalischen Werten und Normen. Zudem schaute er niemals auf die Uhr, sondern ließ die Künstler ohne Zeitdruck arbeiten.“

Plank war ein eiserner Verfechter größtmöglicher Natürlichkeit. Für ihn bestand Musik aus stetem Austausch von Ideen, Tönen, Echos, Reflexionen, aus „natürlichen Phänomenen“, wie er Resonanz und Interferenz nannte. „Ich versuche, Situationen zu schaffen, um gute Musik herstellen zu können“, erklärte er, „auf den Ausdruck kommt es mir an, nicht auf Technik oder hochwertige Studioparameter.“

Hemmungslos experimentierte er mit altertümlichen Echomaschinen oder setzte den Brummkreisel seines Sohnes Stephan ein (zu hören auf Kraans ›Die Maschine‹). Trotz eines Computer-gesteuerten Mischpultes, mit dem Plank in den Achtzigern auch für internationale Bands wie Devo und Ultravox arbeitete, gehörte sein Herz der analogen Technik. „Je älter der Schrott ist, um so erdigere Musik kommt raus“, war seine Arbeitsphilosophie, „das hängt mit dem Umkippen in neue Qualitäten zusammen“. Seine größte Popularität erreichte Plank als Produzent und Toningenieur für Kraftwerk auf ihren ersten vier Alben (inklusive AUTOBAHN). Aber auch Michael Rothers FLAMMENDE HERZEN, CLUSTER 71, oder DAFs ALLES IST GUT gehören zu seinen Meisterwerken.

Gelegentlich wurde Plank auch als Musiker aktiv. Mit Hans Joachim Roedelius veröffentlichte er DURCH DIE WÜSTE, mit Dieter Möbius mehrere Scheiben, er musizierte mit Holger Czukay von Can und war Mitglied der kurzlebigen Formation Lilienthal. Conny Plank starb im Dezember 1987 an Krebs, überlebt hat sein Ruf als wichtiger Pionier und Impulsgeber der deutschen Rockgeschichte.

STEPHAN PLANK, CONNY PLANKS SOHN

Stephan Plank (39) studierte Wirtschaftspolitik, leitete bis 2005 das Plank-Studio, war Manager von Nina Hagen und dreht zurzeit eine Kinodokumentation über das Leben seines Vaters.

Stephan, ab wann war dir bewusst, in einem ganz besonderen Haushalt aufzuwachsen?
Ich bin 1974 geboren und kann mich ab 1978 daran erinnern, dass ständig lustige kreative Menschen bei uns am Küchentisch saßen. Musik war bei uns allgegenwärtig, und auch die damit verbundenen Phänomene. Eine meiner ersten Fragen lautete: „Mama, warum riechen die Leute am Tisch so komisch?“ Meine Mutter erklärte den süßlichen Duft der Joints mit Medizin, was natürlich reichlich geschönt war.

An welche Musiker kannst du dich namentlich erinnern?
Mit Gianna Nannini und den Eurythmics bin ich noch heute befreundet, sie waren in den Achtzigern häufig da. Aber auch Michael Rother hat oft mit mir gespielt, Dieter Möbius war quasi durchgehend anwesend, und auch an Brian Eno erinnere ich mich, obwohl er nie mit mir gespielt hat.

Was passierte nach dem Tod deines Vaters?
Es ging zunächst mit dem Studio weiter, meine Mutter und ich vermieteten es fortan. Die Einstürzenden Neubauten waren da, Die Ärzte, Fanta 4. Ab 2001 wurde es wirtschaftlich schwierig, denn die Branche geriet in die Rezession und damit brachen die Budgets für Studioproduktionen ein. Meine Mutter hielt bis kurz vor ihrem Tod dennoch in Gedenken an meinen Vater am Studio fest. 2005 musste es geschlossen werden, weil es wirtschaftlich nicht mehr tragbar war.

Existieren die Räumlichkeiten noch?
Nein, der alte Bauernhof wurde abgerissen, dort stehen heute Mietwohnungen. Aber es existieren bei vielen Musikern noch unzählige schöne Erinnerungen, und die sind viel wichtiger als das bloße Mauerwerk.

Matthias Mineur

Gov’t Mule – Elf Mal Zwei

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Gov't Mule ©Anna Webber 2013

Nach seinem Soloalbum MAN IN MOTION hat sich Warren Haynes nun wieder mit seiner Band Gov‘t Mule zusammengetan. Auf SHOUT zeigen die Blues Rocker nicht nur, was sie selbst auf dem Kasten haben, sondern glänzen auch mit allerlei Gastsängern wie Elvis Costello und Glenn Hughes.

Es sind die spontanen Entscheidungen und kleinen Herausforderungen, die Warren Haynes besonders liebt. Mal nutzt der amerikanische Sänger und Gitarrist die Pause seiner Band Gov‘t Mule für ein Soloalbum (MAN IN MOTION) und huldigt den eigenen Soul-Helden. Dann wiederum sind es die Gastsänger, die für ihn das neue Album SHOUT der Blues Rock-Gruppe so außergewöhnlich und hörenswert machen. Denn illustre Namen wie Elvis Costello, Steve Winwood, Dr. John, Ben Harper, Toots Hibbert, Glenn Hughes, Myles Kennedy, Dave Matthews und Grace Potter findet man in dieser Dichte auf keiner anderen zeitgenössischen Veröffentlichung. „Alles fing mit der Idee an, die eine oder andere Strophe von einem Freund singen zu lassen“, erzählt Haynes, „doch je mehr diese Idee reifte, umso stärker empfanden wir es als Schande, solch grandiose Musiker nur bei einem Teil des jeweiligen Songs einzusetzen. Also entschieden wir: Zu jedem der elf neuen Stücke fertigen wir eine alternative Version mit Gastsängern an, die ihre jeweils eigene Interpretationsweise umsetzen dürfen.“

Elvis Costello beispielsweise singt das schroffe ›Funny Little Tragedy‹ – es scheint ihm auf den Leib geschneidert. Steve Windwood veredelt die Nummer ›When The World Gets Small‹ – und entwickelt dabei bemerkenswerte Rock-Prosa. Und Glenn Hughes legt auf dem Pink Floyd‘schen ›No Reward‹ seine Seele offen – so kennen wir den extravaganten Exzentriker, so lieben wir ihn auch. Warren Haynes jedenfalls ist in gleichem Maße restlos begeistert wie total verblüfft: „Es ist einfach unglaublich, wie unterschiedlich einige Nummern klingen, wenn der Gesang einen anderen Ansatz hat. Ich wüsste gar nicht, welche dieser alternativen Versionen mich am meisten begeistert, ich liebe sie einfach alle.“

Interessant ist auch, dass die eine Hälfte der Gäste älter ist als Haynes und zu seinen erklärten Vorbildern zählt, die andere Hälfte jedoch zum Teil deutlich jünger ist als er: „Es handelt sich um gute Freunde, um Vorbilder und um jüngere Künstler, die ich zurzeit besonders gerne höre. Eine tolle Mischung!“

In der Tat ist dieses ungewöhnliche Experiment gelungen. Man darf dennoch nicht vergessen, dass es ja auch die elf neuen originalen Gov‘t Mule-Stücke gibt, die Haynes, Schlagzeuger Matt Abts, Organist Danny Louis und Bassist Jorgen Carlsson aufgenommen haben. Songs, die allesamt die Extraklasse dieser Band dokumentieren und noch vielseitiger als die bisherigen Veröffentlichungen ausfallen. „Man kann sagen, dass Gov‘t Mule Schritt für Schritt variantenreicher geworden sind“, findet Haynes, „wir nehmen uns mittlerweile die Freiheit, alles zu spielen, was uns gefällt. So viele verschiedene Stile wie auf SHOUT findet man auf keiner unserer bisherigen Scheiben. Wer hätte eine solch umfangreiche Stilistik erwartet, als wir 1994 loslegten?“

Diese Frage wird sich der beleibte Musiker in den kommenden Monaten sicherlich noch öfter stellen. Denn im nächsten Jahr feiert seine Gruppe ihr 20-jähriges Dienstjubiläum und damit ihren Sieg über die Kurzlebigkeit des Musikbusiness. „Eigentlich war Gov‘t Mule lediglich als Sideprojekt zu meiner Tätigkeit bei den Allman Brothers gedacht, nur so zum Spaß und als kleines Experiment. Es gab keine weiterführenden Pläne und auch keine speziellen Erwartungen. Wir wussten anfangs nicht einmal, ob es überhaupt ein zweites Studioalbum geben würde. Aber nach und nach gewann die Band immer mehr an Bedeutung und heute kann ich mir ein Leben ohne Gov‘t Mule gar nicht mehr vorstellen.“ Klingt, als ob Haynes & Co. irgendwann auch ihr 30-Jähriges feiern werden.

3 Dayz Whizkey – Schwarze Wasser im Donau-Delta

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3 Dayz Whizkey 3London, New York, Berlin? Die wirklich coolen Newcomer Stammen aus der Provinz. Etwa aus Regensburg. Von dort kommen 3 Dayz Whiskey, die mit energetischem Bluesrock die Szene aufmischen. Soeben ist ihr zweites Album `Black Water’ erschienen – Grund genug für eine Erkundungsreise ins Donau-Delta.

Blues hat mit Hipness nichts zu tun!“ Gelassen nimmt Tilo George Copperfield einen tiefen Schluck aus dem Weißbierglas. Der Gitarrist, der ohne Hut und „Ray Ban“-Sonnenbrille, Modell „Wayfarer“, das Haus nicht verlässt, ist das Herz von 3 Dayz Whizkey. Wenn man sich mit ihm unterhält, kommen erstaunliche Erkenntnisse zu Gehör. Etwa diese: „Du kannst dich nicht hinstellen und sagen: Jetzt machen wir mal ein bisschen Bluesrock. Du brauchst eine gewisse Reife. Beim Blues muss man gelernt haben, wie man diese Musik spielt. Zwar ist das nicht unbedingt eine Frage des Alters, aber es hilft, wenn du schon mal übers Ohr gehauen wurdest, auf die Schnauze geflogen bist oder den einen oder anderen schwarzen Flecken auf der Seele hast.“ Muddy Waters, Hound Dog Taylor und Jimmy Reed hätten das sofort unterschrieben, und nicht nur die afroamerikanischen Originale, auch ihre weißen Schüler von Keith Richards bis Lemmy Kilmister würden beifällig nicken. Den Popstar-Job sollen andere machen, hier geht’s um Wichtigeres. Womit wir mitten drin wären in der Welt von 3 Dayz Whiskey, der vielleicht besten Bluesrock-Band, die derzeit südlich des Weißwurst-Äquators ihre Verstärker aufdreht.

Es ist einer dieser Sommerabende, an denen man versteht, warum Regensburg auch als die nördlichste Stadt Italiens gilt. Die Pflastersteine dampfen von der Hitze des Tages, alles was Beine hat ist draußen, und auf den Plätzen der Altstadt flanieren entspannte Spaziergänger. T. G. Copperfield, Sänger Myles Tyler, Gitarrist Brad the Snake sowie die Brüder Big Tony (Bass) und Little Chris (Drums) hocken auf einer Treppe am Bismarckplatz. Allerdings sehen sie ein wenig anders aus als der leichtbekleidete Rest: Ihr einziges textiles Zugeständnis an die hochsommerliche Bruthitze ist Snakes ärmelloses T-Shirt, ansonsten tragen die fünf Musiker Jeanskutte, Stiefel, Hut und Sonnenbrille – wie es sich für aufrechte Bluesmänner geziemt. Auffällig auch die erschreckend hohe Raucherquote, lediglich Bassist Tony lebt nikotinfrei.

3 Dayz Whizkey sind, was sie sind, und sie lieben, was sie tun. Was andere sagen, juckt sie wenig. Eine zwingend notwendige Haltung, wenn man es als Musiker in der Oberpfalz zu etwas bringen will. Zumal mit dem Blues, einer Musik also, die bei den großen Plattenfirmen allenfalls ein müdes Lächeln hervorruft, schließlich verfährt man dort gerne nach der Devise „Ist das Pop oder kann das weg?“

Den fünf Blues-Aficionados aus dem Donau-Delta geht derlei Arroganz allerdings am Hintern vorbei – dafür wissen sie zu genau, was sie tun. Und dafür sind sie inzwischen auch zu erfolgreich. Was viel damit zu tun hat, dass sie eben weit ab vom urbanen Schuss leben. Tilo: „In den großen Städten sind Musikprojekte schnelllebiger und meistens auf eine aktuelle Marktsituation bezogen. Auf dem Land aber hast du mehr Möglichkeiten, mehr Platz, mehr Zeit. Es ist nicht so hektisch, du kannst in Ruhe an deiner Sache arbeiten. Was wir machen, soll Hand und Fuß haben und ist dauerhaft angelegt.“ Zwar bestehen 3 Dayz Whizkey in dieser Formation erst seit Mitte letzten Jahres, Tony, Chris und Tilo jedoch spielen bereits seit rund zehn Jahren zusammen. Mal hier, mal dort, mal mit einem eigenen Projekt, mal in Coverbands, seit sehr langer Zeit aber auch schon unter dem Label 3 Dayz Whizkey, allerdings noch als Trio, in dem Tilo neben der Gitarre auch den Gesang übernommen hatte.

Vor zwei Jahren dann nahmen die Drei, die allesamt aus Dörfern im nordöstlich von Regensburg gelegenen Landkreis Cham stammen, im eigenen Studio ein paar Demos auf, aus denen bald Material für ein erstes Album wurde. Prompt biss das kleine, aber feine Osnabrücker Indie- und Blueslabel Timezone an, und im August 2012 stand das Debüt THE DEVIL AND THE DEEP BLUE SEA in den Läden. Für die Release-Party in einer Regensburger Kneipe hatten sich Chris, Tony und Tilo mit ihrem alten Freund Brad als zweitem Gitarristen verstärkt. Brad, ein stoischer Geselle mit spitzem Wieselgesicht, grinst schelmisch, als er anmerkt: „Sie sagten, du musst alles spielen, was auf der CD im rechten Kanal zu hören ist. Bis morgen natürlich!“ Ob es tatsächlich eine Nacht- und Nebelaktion war, lässt er offen, jedenfalls bekam er‘s hin. Nach vollbrachter Tat zog das Quartett an jenem Abend noch weiter in eine andere Bar, das „Irish Harp“ – und dort wartete Myles: „Als Tilo und die anderen reinkamen, spielte ich mit meinem Duo gerade ›Sweet Child O‘Mine‹ von Guns N‘ Roses.“ Tilo lacht: „Das ist echt nicht leicht zu singen, aber er hat‘s super gemacht. Also dachten wir, dass wir ihn eigentlich mal fragen könnten, ob er bei uns mitmachen will.“

Gefragt, beschlossen – 3 Dayz Whizkey waren komplett. THE DEVIL AND THE DEEP BLUE SEA entwickelte sich schnell zum Geheimtipp, erreichte sogar höchst respektable fünfstellige Absatzzahlen und erhielt ziemlich ordentliches Airplay, etwa bei „Classic Rock“-Instanz Tom Glas von Bayern 3. Und 3 Dayz Whizkey taten, was sie am allerliebsten tun: ein Konzert nach dem anderen spielen. Inzwischen gilt die Band als Süddeutschlands „Rhythm‘n‘Blues Dampflokomotive Nr. 1“ (Bandinfo), ein Ehrentitel, dem sie vollauf gerecht wird. Und das Bild passt, denn so stoisch und gleichermaßen unaufhaltsam wie eine Lokomotive marschiert das Quartett durch sein Repertoire, wobei Tony und Chris im Maschinenraum unaufgeregt, brüderlich und mit präzisester Dosierung für den nötigen Dampf sorgen. Derweil schreiten Tilo und Snake souverän die komplette Gitarrenliteratur von Robert Johnson bis Stevie Ray Vaughan ab. Tilo übernimmt mit seiner Les Paul den Löwenanteil der Soloarbeit, „Strat-Mann“ Brad liefert unauffällig, aber mit größtmöglicher Effizienz die Basics. Eine Rollenaufteilung, die er genau so bevorzugt: „Nimm zum Beispiel AC/DC: Ich mochte immer schon lieber Malcolm als Angus Young, das Rumturnen da vorne hat mich nie interessiert.“ Für den Part mit dem Turnen ist neben Tilo auch Sänger Myles zuständig. Der Frontmann überzeugt mit raumfüllender Bühnenpräsenz sowie einem ebenso an Joe Cocker wie an Steve Perry (Journey) geschulten Gesangsorgan. Kurz: Die Chemie im Whizkey-Train stimmt. Da haben sich fünf gefunden.
Musikalisch erfinden 3 Dayz Whizkey das Rad natürlich nicht neu – wie auch nach einem Jahrhundert Blues? Dennoch schaffen sie Seltenes: Obwohl sich ihre Musik innerhalb der seit Ewigkeiten bewährten Bluesrock-Koordinaten bewegt, klingt jeder ihrer Songs eigenständig. Was viel damit zu tun hat, dass die Band größten Wert auf das Songwriting legt. Tilo: „Toni und Chris sind unsere Qualitätskontrolle. Wenn man ihnen was vorspielt, sitzen sie da wie Kaiser Nero: Daumen hoch oder“, er lacht, „Daumen runter.“ Im nächsten Moment wird er wieder ernst: „Wir kennen uns lange genug, dass wir offen reden können, ohne das jemand beleidigt ist. Ehrliche Kritik kommt am Ende den Songs zugute.“

3 Dayz Whizkey wissen: Der Schlüssel für ihre Zukunft liegt im Songwriting, nur mit guten Songs können sie sich von der Konkurrenz absetzen. Virtuosentum interessiert dabei nicht, und gespielt wird aus dem Bauch. Tony: „Wir überlegen nicht groß, wer was zu spielen hat. Keiner von uns hat sich je hingesetzt und andere Songs analysiert um herauszufinden, welche Licks da gespielt werden. Wir haben diese Musik aufgesaugt wie Schwämme. Und wenn Tilo eine neue Melodie geschrieben hat, weiß automatisch jeder, was er zu tun hat.“

Genauso hört es sich an – unangestrengt, natürlich, schlüssig. Beispiel ›The Gambler‹ vom neuen Album BLACK WATER (siehe Review): Ein gradliniger Rocker, der rasant aus dem Startlöchern schnellt, dabei gelassen an allen Klischee-Fallen vorbeitrabt und doch so wirkt, als hätte er seinen Platz im Repertoire von George Thorogood, Status Quo, Humble Pie oder Dr. Feelgood haben können.

Logisch, dass 3 Dayz Whizkey auch thematisch bodenständig und blueskompatibel bleiben. Sie müssen nicht mal eben schnell die Welt retten, und mit der Innenschau hipper Hornbrillenträger haben sie schon gar nichts am Hut. Stattdessen geht es bei ihnen um das, was der Ami „good clean fun“ nennt. Wenn der dann mal nicht ganz so clean ist – auch nicht verkehrt. Die Figuren, die 3 Dayz Whizkeys Songs bevölkern, sind denn auch von der handfesteren Sorte. Da gibt es den Spieler, die ›Bad Luck Women‹, den Teufel und die dazu passende ›Devil Woman‹, den einsamen Wolf und dergleichen Stereotype mehr. Sie alle tun das, was sie in Bluessongs seit hundert Jahren tun: lieben, leiden, lügen, betrügen, zocken und saufen. Aber: All diese Figuren wirken bei 3 Dayz Whizkey frisch und lebendig, so als hätte die Band den alten Blueskosmos gerade erst entdeckt und nun erstaunt festgestellt, dass dessen holzschnittartige Weltsicht in vielerlei Hinsicht auch für eine Orientierung im Hier und Heute taugt. Niemand also sattelt hier tote Pferde. Und schon gar nicht greift das alte Vorurteil, mitteleuropäische Weißbrote könnten den Blues nicht glaubhaft rüberbringen. Unsinn, findet Tilo, und er hat gute Argumente: „Wir alle sind mit dieser Musik aufgewachsen. Kein Ami hat in seinem Leben mehr Rock’n’Roll gehört als wir. Seit ich klein war, hab’ ich Rolling Stones, Aero-smith und Deep Purple rauf und runter gehört.“ Wie Recht er mit dieser selbstbewussten Einschätzung hat, beweist das ausschließlich positive Feedback, das 3 Dayz Whizkey auch aus Übersee erfahren.

Eines aber ist auch klar: Berühmt wird man mit so was nicht, und Popstar schon gar nicht. Was Tilo, Tony, Chris, Brad und Myles egal ist. Tony: „Wir haben längst das, was uns glücklich macht: Eine Zweigitarrenband, mit der wir auf die Bühne gehen und die wir selber geil finden!“ Beifälliges Nicken in der Runde. Bis auf Myles, der lauthals protestiert: „Quatsch, ey, ich will groß, reich und berühmt werden!“ Sagt‘s und bricht in wieherndes Gelächter aus.

Ernst Hofacker

Rampenlicht: Bon Jovi

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__Bandbild Bon JoviBON JOVI
Köln, Müngersdorfer Stadion

30 Jahre perfektionierter Stadionrock

Was haben Bon Jovi im Classic Rock zu suchen? Diese Frage spaltete die Leserschaft wie lange keine Titel-Story auf den Leserbriefseiten. Hierzu später mehr. Unter den im Anreise-Stau zum Kölner Stadion steckenden Bon-Jovi-Jüngern war die am häufigsten gestellte bange Frage: „Wie werden Bon Jovi ohne Richie Sambora funktionieren?“ Der immer noch reichlich nebulöse Rausschmiss des Gitarristen schlug in der proppevollen Bahn hohe Wellen und sorgte für angeregte Diskussionen. Eine Bombenentschärfung, eine Demo und der Shopping-Samstags-Termin sorgten dafür, dass wir Christina Stürmer und Band als Support-Act verpassten. Die Reaktionen sollen laut Augenzeugen überraschend positiv ausgefallen sein. Wie man ein volles Fussballstadion trotz der herrschenden Skepsis im Sturm erobert, zeigten die New Jersey Boys im Anschluss: ein überdimensionaler Straßenkreuzer als Bühne, unzählige verfahrbare Leinwände und der Einstieg mit einem Status Quo-Medley – Köln hatte direkt Spaß in den Backen. Die Stimmung wurde mühelos gehalten, alte Gassenhauer a la ›You Give Love A Bad Name‹, ›Keep The Faith‹ oder ›Have A Nice Day‹ wurden gekonnt mit Stücken vom aktuellen Album WHAT ABOUT NOW vermischt. Und wo waren die Balladen? Es gab keine! In Köln wurde gerockt, was der Backkatalog hergab – Classic Rock-Kompatibilität garantiert! Erst im Zugabenblock hatten Bon Jovi ein Erbarmen mit den anwesenden Mädels und drosselten mit dem selten gespielten ›This Ain’t A Love Song‹ das Tempo. Und wie schlug sich bei alledem Phil X, der Sambora-Vertreter an der Sechssaitigen? Professionell hielt er sich dezent im Hintergrund und spulte seine Licks und Riffs herunter. Technisch einwandfrei, aber gerade bei den Talkbox-Attacken in ›It’s My Life‹ und ›Livin‘ On A Prayer‹ fehlte das Sambora-Flair. Bei ›Wanted Dead Or Alive‹ wurde dann auch der letzten verklärten Mittfünfzigerin klar, dass Bon Jovi als Band eben doch viel mehr sind, als ein hervorragend bei Stimme befindlicher Jon Bon Jovi. Dieser legte sich voll ins Zeug, wirkte aber ohne seinen Sidekick Sambora doch recht verloren an der Bühenfront. Insgesamt 26 Songs wurden den Anwesenden mit voller Energie dargeboten, viel mehr als auf der „offiziellen“ Setlist auf der Bühne zu erspähen waren. Summa summarum ein absolut gelungener Tag, der einmal mehr bewiesen hat, dass Bon Jovi nach wie vor für Überraschungen im Set (›Wild Is The Wind‹, ›Bad Medicine + Pretty Wo-man‹, kein ›Always‹ oder ›Bed Of Roses‹) gut sind und es nicht jedem Recht machen wollen. Auf der Rückreise murmelten Männer mit pergamentartigen Bon Jovi-Tourshirts von 1988 Sätze wie „mit Sambora wäre es legendär gewesen“ vor sich hin und erklärten der Dame neben sich bei einem warmen Piccolo, warum weniger Herzschmerz beim Fünfer aus New Jersey manchmal einfach mehr ist … because they can!

Alex Stauf

Joe Satriani
Berlin, Columbia Halle

Grandioses Saitenspiel

Originellerweise eröffnete ein Schlagzeugsolo das Konzert des kahlköpfigen Flitzfingers. Dann setzten die übrigen drei Musiker ein, um ein paar Satriani-Klassiker wie ›Cool #9‹ und ›Flying In A Blue Dream‹ zu zelebrieren. Angesichts der Klasse des schmächtigen Saitensurfers aus Kalifornien versteht es sich von selbst, dass seine Band auf ähnlichem Niveau agiert. Keyboarder und Co-Gitarrist Mike Keneally liefert sich gelegentlich hitzige Griffbrettduelle mit Satch. Am Bass vervollständigte Chris Chany den stets dynamischen Vierer. Fehlerlos meisterte dieser alle Kurven, Geraden, Steigungen, Abfahrten und das gelegentliche Kopfsteinpflaster, wenn Satriani sich etwa auf Fusion-Terrain begab. Dann wurde es Zeit, neues Material von UNSTOPPABLE MOMENTUM vorzustellen. Dem griffigen Titelsong folgte das klassisch angehauchte ›The Weight Of The World‹. Spätestens jetzt griffen etliche der Besucher zur Luftgitarre. Illuminiert von fantastischen farbigen Videoprojektionen steuerte der quirlige Saitenheld seine Band zurück zu Klassikern wie ›Satch Boogie‹ und ›Surfing With An Alien‹. Joe Satriani gehört zu den wenigen Gitarristen der Szene, die aus einem reinen Instrumental-Konzert eine höchst unterhaltsame Show machen können. Als die Töne vom Schlusspunkt ›Rubina‹ verklungen waren, wusste wohl jeder, ganz großes Gitarren-Kino erlebt zu haben.

Henning Richter

ZZ TOP
München, Tollwood Musik-Arena

Ritt in den Sonnenuntergang

Knapp 4.000 Fans ließen sich von ZZ Top an diesem Sommerabend aus der Sonne in das riesige Zelt auf dem Tollwood-Gelände locken. Und irgendwie passt das Klima in der Musik-Arena zum Thema, denn die texanisch anmutende Hitze vermittelt ein Wüstengefühl, das um ein Weiteres verstärkt wird, als das Intro startet und auf den Video-Wänden die Protagonisten des Abends Billy F. Gibbons, Dusty Hill und Frank Beard in einem Road Movie-artigen Filmvorspann vorgestellt werden. Die Hauptrolle bei ZZ Top hat aber noch immer ihr unverwechselbar rumpeliger und grober Bluesrock. Mit ›Got Me Under Pressure‹ eröffnen ZZ Top eine etwa 75-minütige Demonstration ihrer „Coolness“ – im wahrsten Sinne des Wortes, denn ihre gesamten Auftritt bestreiten Billy und Dusty in Jacke, Mütze, Hut und natürlich hinter dicker Gesichtswolle, ohne einen Tropfen Schweiß zu verlieren. Nur Frank scheint schwer an seine Grenzen zu kommen. Einige Songs dauert es, bis ihre Bemühungen bei den überhitzten Fans ankommen. Dann aber grooven sich ZZ Top auf einzigartige Weise durch insgesamt 18 Songs inklusive vier Zugaben und verabschieden das Publikum nach ihrer Hitparade mit einer Coverversion von ›Jailhouse Rock‹. Danach dürfen die Münchner wieder in die Sonne, die um 21:15 auch noch nicht untergegangen ist.

Paul Schmitz

SAXON
Aschaffenburg, Colos-Saal

Solider Gig inklusive Gehörschaden

Saxon gehören zu den langlebigsten Metal Bands der Szene und stehen wie Motörhead für einen unverwechselbaren Sound und eine lange Liste Klassiker. Dass der Colos-Saal Club binnen weniger Tage für die Saxon-Show ausverkauft war, ist daher nicht verwunderlich. Die Herren um Frontsirene und markantem Aushängeschild der Briten, Biff Byford, fallen unter die Kategorie Arbeitstiere. Zwischen großen Festivalauftritten absolvierte die NWOBHM-Legende einige Clubshows und lies verbrannte Erde hinter sich. Bevor einem die Ohren durch eine unangenehme Überlautstärke von Saxon abfaulten, heizten AC Angry den Club amtlich auf. Der Mix aus Power Rock, Heavy Metal und AC/DC-lastigen Riffs war simpel aber effizient. Das Gebräu kam gut an, zumal die Herren auch eine bewegungsfreudige Performance im Kontext zu ihren Powerhymnen ablieferten. Saxon waren sich ihres Status bewusst und stiegen erst einmal mit neuem Material vom aktuellen Album SACRIFICE ein um den Spannungsbogen bis zu den gewünschten Klassikern zu erhöhen. Routiniert und vor allem mörderisch laut lieferte man Hit auf Hit. Kollektives ausrasten war dann bei ›Power & The Glory‹, ›Dallas 1 Pm‹, ›Strong Arm Of The Law‹, ›Wheels Of Steel‹ oder ›To Hell An Back Again‹ angesagt, bevor ein Drumsolo aus dem Hause Nigel Glockler die Stimmung etwas abbremste. Byford ist ein perfekter Frontmann, der 62-Jährige weiß, wie man die Fans bei der Stange hält und scheute sich auch nicht, immer mal wieder zu bangen! Man erinnere sich an das Alter! Die abendschließende Triple-Attack in Form von ›Crusader‹, ›Denim & Leather‹ sowie ›Princess Of The Night‹ rundeten einen schweißtreibenden und gehörschädigenden Abend ab. Kritisieren kann man eigentlich nur, dass die Band bei diesem Club-Gig Songs spielte, die nicht dem klassischen Best-of Festival Programm entsprechen.

Henning Richter

RUSH
Köln, Lanxess Arena

Rausch der Sinne

Die kanadischen Prog-Götter um Sänger und Bassist Geddy Lee, Gitarrenikone Alex Lifeson und dem Ausnahme-Schlagzeuger Neil Peart hatten für den 4. Juni ihre Erscheinung in der Kölner Lanxess-Arena angekündigt und ihre Fans reisten zahlreich aus ganz Europa an. Und Rush bewiesen wieder einmal ihre absolute Meisterklasse. Eingerahmt von einer opulenten Lichtshow mit modernster LED-Technik samt einer gigantischen Leinwand im Hintergrund. Es gibt wohl keine andere Band, die ein so intensives, technisch hoch anspruchsvolles und dabei ungemein unterhaltsames Brett abliefert, wie Rush. Was die drei Musiker hier in den dreieinhalb Stunden Netto-Spielzeit abfeuerten, ist schlichtweg atemberaubend und einzigartig. Das Konzeptalbum CLOCKWORK ANGELS wurde in perfekter Optik in Szene gesetzt. Mit kinotauglichen Einspielsequenzen, überraschenden Flammensäulen und perfekt choreografierten Live-Bildern auf der Leinwand konnte man das nur begeistert genießen. Unterteilt in zwei Akte, spielten Rush im ersten Teil unter anderem Stücke wie ›The Big Money‹, ›Grand Designs‹ und ›Far Cry‹, bevor es nach einer kurzen Verschnaufpause und unterstützt vom kraftvollen Clockwork Angels Streicher-Quartett mit ›Caravan‹, dem Titeltrack ›Clockwork Angels‹ und ›YYZ‹ imposant weiter ging. Mit der Zugabe in Form von ›Tom Sawyer‹ sowie den einzelnen „2112“- Kapiteln ›Overture‹, ›The Temples Of Syrinx‹ und dem ›Grand Finale‹ machten Rush endgültig kurzen Prozess mit ihren Fans. So ein ekstatisches Raunen und Jubeln erlebt man sonst nur bei großen Fußball-Endspielen.

Torsten Wohlgemuth

BETH HART & JOE BONAMASSA
Amsterdam, Theater Carré
High Heels N‘ Blues Licks

Die Luft knistert an der Amstel: Fans jeglicher Couleur, von Mitgliedern der Hell‘s Angels über altgediente Bluesrocker bis hin zur Amsterdamer High Society, warten am Eingang des berühmten Theater Carré auf den Einlass. Einen derart breitgefächerten Mix an Charakteren trifft der geneigte Konzertgänger sonst wahrscheinlich nur bei Mainstream Acts wie etwa Bon Jovi, The Rolling Stones oder Bruce Springsteen. So vielfältig wie das Publikum ist auch die heutige Liveband von Joe und Beth, bei der unter anderem Blondie Chaplin („The 5th Rolling Stone“) an der Rhythmusgitarre und Drummer Anton Fig (die Studiovertretung für Peter „Catman“ Criss auf den KISS Alben UNMASKED und DYNASTY) mit von der Party sind. Bevor es jedoch auf der Bühne los geht, ist erstmal ein ausführlicher Lichttest angesagt, denn die beiden Gastspiele im Carré werden für die erste Hart/Bonamassa Live Blue-Ray festgehalten. Als um kurz nach 20.00 Uhr die inzwischen perfekt abgestimmte Beleuchtung gedimmt wird und Joe plus Backing Band inkl. Blechbläserensemble das Theaterrund betritt, sind die Reaktionen so vielfältig wie die Konzertbesucher – von euphorischen Standing Ovations bis zu höflichem Beifall ist alles zu vernehmen. Joe Bonamassa steht heute in der zweiten Reihe und mimt den Bandleader, der Beth Hart für ihre Performance gut die halbe Bühne überlässt. Nach einem kurzen Instrumental Jam stürmt Beth die Bretter und erinnert dabei an eine Symbiose aus Tina Turner und ein Aufziehmännchen. Harts positive Aura verbreitet sich innerhalb von Sekunden im Saal. Ihre einzigartige Stimme, ihr Blick und ihre Bewegungen strahlen eine derartige Coolness aus, dass man in manchen Momenten ganz vergisst, dass hinter ihr einer der bedeutendsten Gitarristen des neuen Jahrtausends an der Sechssaitigen herrliche Riffs und Licks aus seinen Gibson Les Paul, Fender Tele- sowie Stratocaster-Modellen zaubert. Inspiriert von der ausgelassenen Stimmung im Auditorium, klettert Beth kurzerhand in den schmalen Bühnengraben und rockt von dort aus weiter. Leider zwingt sie eine garstige Rückkopplung zur zwanghaften Rückkehr nach oben. Angesichts der Leistung, die Hart im Carré an den Tag legt, ist es nicht verwunderlich, dass sie zur Halbzeit Bonamassa für ›Someday After A While‹ – einer grandios vorgetragenen Version des Eric Clapton Songs – das Publikum überlässt. Die zweite Hälfte des Sets ist ebenso perfekt und kurzweilig zusammengestellt, dass man, als die immer noch tadellos eingestellten Lichter im Theater wieder voll erstrahlen, noch einen dritten Akt des explosiven Duos sehen möchte.

Chris Franzkowiak

Queens Of The Stone Age & Masters Of Reality
Berlin, Zitadelle

Neuland für den Rock

Auf dem Weg zur Zitadelle fallen einem parkende Autos aus allen Ecken der Republik auf. Von überall her sind Fans zusammen geströmt, um den einzigen QOTSA-Auftritt außerhalb von Festivals zu erleben. Die äußeren Bedingungen sind ideal, die Sonne strahlt am blauen Himmel, die altertümliche Festung bietet eine malerische Kulisse, die gekühlten Getränke rinnen süffig die Kehle herunter. Chris Goss, Kopf der Masters Of Reality, und QOTSA-Chef Josh Homme haben immer wieder eng zusammen gearbeitet. Wer also die eine Band mag, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die andere mögen. „It’s a rock show“, stellt Goss gleich zu Anfang klar, seine MOR ziehen alle Register: Sie intonieren Rock’n’Roll alter Schule, stampfende Kracher mit wuchtigem Groove und fein gewobenen Psychedelic. Goss, der Vater des Desert Rock, also von Bands wie Kyuss und QOTSA, hat illustre Musiker versammelt wie seinen Langzeittrommler John Leamy, den bärtigen Dave Catching an der Gitarre, den Berliner Mathias Schneeberger an den Tasten und Paul Powell am Bass. Neun Alben haben MOR veröffentlicht, besonders die rockigen Nummern werden präsentiert, sogar vom Debüt BLUE DARDEN (1988) spielen sie Material. Die Stimmung in der Zitadelle, mit mehreren tausend Besuchern nahezu ausverkauft, ist blendend. Die Leute rocken definitiv auf der gleichen Wellenlänge wie Chris Goss und seine formidable Band.

Kurz nach Erscheinen von … LIKE CLOCKWORK, ihrem ersten Studioalbum seit sechs Jahren, brachen Queens Of The Stone Age zu ihrer Europa-Tournee auf. Mit den neuen Songs versucht der ambitionierte Josh Homme einmal mehr, die Grenzen des Genres Rock zu erweitern, ein Versuch, der bei Kritikern gelegentlich ein zwiespältiges Echo findet. ›Keep Your Eyes Peeled‹ startet den Reigen von kantigen Krachern, deren Beats Kraft und Klang von Gewitterdonner besitzen. Natürlich werden die alten Hits vom Überalbum SONGS FOR THE DEAF (2002) mit gigantischem Jubel begrüßt, darunter der Titelsong sowie ›First It Giveth‹ und ›No One Knows‹. Dann probieren sich Homme & seine Musiker, viele davon neu in der Band, an schrägen Songs, die bohren, feilen und sägen. Es geht dem großen Rotblonden um nichts Geringeres als Neuland für den Rock, während es dem Publikum in der Hauptsache um Party geht. Das passt nicht immer zusammen, hin und wieder sackt die Stimmung ab. Doch dann folgt die Rettung in Form eines Fußstampfers wie etwa ›Little Sister‹ von 2005 und alle stehen Kopf. Inzwischen ist der Mond aufgegangen, das Ende kündigt sich an. Mit ›A Song For The Dead‹ (2002) setzen QOTSA den Schlusspunkt eines furiosen Konzerts, in dem Josh Homme das Publikum forderte, aber zum Glück nicht überforderte.

Henning Richter

Auslese Games

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DiabloIIIDIABLO III (dt. Version)
Mac, PC, PlayStation 3, PlayStation 4 (angekündigt) Xbox 360
BLIZZARD ENTERTAINMENT/VÖ: 03.09.

Der teuflische Rollenspiel-Fürst treibt jetzt auch auf Konsolen sein Unwesen.

Seit tapfere Helden Sanktuario in DIABLO II vor Baal, Diablo und Mephisto retteten, sind 20 virtuelle Jahre verstrichen. Nun bedrohen neue Dämonenmächte die schaurige Fantasy-Welt. Bevor man sich den Höllenlegionen stellt, bittet DIABLO III zur Erstellung eines neuen Helden aus fünf Charakterklassen: Barbar, Dämonenjäger, Hexendoktor, Mönch und Zauberer. Im Anschluss steht einzigartigem DIABLO-Flair nichts mehr im Weg: Sobald Action-Rollenspieler die ersten Schritte in Sanktuario gemacht, die ersten Dungeons erforscht und die ersten Monsterhorden bekämpft haben, fühlen sie sich sofort heimisch.

Dass DIABLO III keinesfalls auf dem Niveau seines 2000er-Vorgängers stehengeblieben ist, demonstrieren unter anderem ein neues Questsystem, eine frische Grafik-Engine, interaktive 3D-Umgebungen, geschmeidig animierte Protagonisten, geheimnisvoller Surround-Klang und unzählige Gameplay-Erweiterungen unmissverständlich. Das wichtigste Wort im Zusammenhang mit DIABLO III lautet „Vielfalt“: Angefangen bei abwechslungsreichen Haupt-/Neben-Quests über dynamische Begegnungen mit fantasievoll zum Leben erweckten (Boss-)Gegnertypen und Mitstreitern (zur Auswahl stehen Dieb/Armbrustschütze Lyndon, Magierin Eirena sowie der kampferprobte Tempelritter Kormac) bis zu mannigfaltigen Spezialisierungsmöglichkeiten dank freispielbarer Fähigkeiten, Waffen, Zaubersprüche und Gegenstände, bietet das Action-Rollenspiel mehr tatsächlich Inhalt als ganze Serien mancher Mitbewerber.

Dem Entdeckerdrang setzt das erfreulicherweise sogar in Deutschland ungeschnittene DIABLO III dementsprechend keine Grenzen. Dem Datenverkehr ebenso wenig, denn eines steht fest: Wer einmal gegen andere Spieler oder Seite an Seite mit Verbündeten in Sanktuarios Schlachten zieht, wird sich und seiner Internetverbindung in den nächsten Wochen und Monaten keine Pause mehr gönnen (können).

THE BUREAU: XCOM DECLASSIFIED (dt. Version)
PC, PlayStation 3, Xbox 360
2K/VÖ: 23.08.

Mit Köpfchen gegen Außerirdische.

Während die Kubakrise 1962 den Kalten Krieg in neue Dimensionen treibt, untersucht die streng geheime US-Regierungsorganisation The Bureau eine Alien-Invasion. In einem unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit geführten Krieg muss Special Agent William Carter die gesamte Menschheit vor der außerirdischen Gefahr beschützen.

Als Carter schmieden Spieler Schlachtpläne und befehligen aus der Schulterperspektive zwei Elite-Agenten mit individuellen (kontinuierlich erweiterbaren) Talenten/Ausrüstungsgegenständen. Ähnlich eines Schachspiels mit Waffen, will jeder Zug detailliert vorbereitet sein: Wer nur einen falschen Schritt tätigt oder das ausgeklügelte Deckungssystem nicht regelmäßig in Anspruch nimmt, landet binnen Sekunden auf der extraterrestrischen Speisekarte.

Als Hilfestellung dient eine sogenannte „Battle Focus“-Funktion: Einmal aktiviert, verlangsamt sich die Zeit, wodurch größere Freiräume für die Zuweisung der Befehle entstehen. Doch Vorsicht: Dieses Feature lässt sich nicht beliebig oft verwenden! Dass THE BUREAU seinen Helden keine übermäßig lange Energieleiste spendiert und getötete Team-Mitglieder nicht reanimiert werden können, erhöht die Charakterbindung sowie Spannung des fordernden Taktik-Shooters zusätzlich.

FINAL FANTASY XIV: A REALM REBORN
PC, PlayStation 3
SQUARE ENIX/VÖ: 27.08.

MMORPG in neuem Glanz.

Mit unterschiedlichen Völkern, eisigen Berg-, staubigen Wüsten- und grünen Waldgebieten sowie wechselnden Zyklen aus gedeihenden Zeitaltern des Lichts und verhängnisvollen Zeitaltern der Schatten präsentiert sich Eorzea als Schauplatz voller Kontraste. Nun stehen die Eorzäer an der Wende zu einer neuen Ära: Während aus dem Osten der Fantasiewelt die Truppen des Garleischen Kaiserreichs die Invasion vorantreiben, beschwören die wilden Stämme die Primae (Wesen mit göttlichen Kräften) zu ihrer Unterstützung. Mit dem Ziel, die Schatten ein für alle Mal zu vertreiben und den Frieden der von Kriegen zerrütteten Kulisse sicherzustellen, müssen Spieler die grenzenlosen Weiten Eorzeas erkunden und unzählige Quests meistern. FINAL FANTASY XIV erschien bereits 2010, litt jedoch unter diversen Problemen, was 2012 in einer Deaktivierung der Server mündete. Mit dem Zusatz A REALM REBORN veröffentlichen Square Enix nun glücklicherweise eine neue, komplett überarbeitete Version, welche die Mängel beseitigt und das Massively Multiplayer Online Role-Playing Game in einem völlig neuen Glanz erstrahlen lässt: Unter anderem locken eine verbesserte Benutzerführung, individuell anpassbare Steuerung, eine neue Grafik-Engine und vieles mehr.

SPLINTER CELL: BLACKLIST (dt. Version)
PC, PlayStation 3, Xbox 360, Wii U
UBISOFT/VÖ: 22.08.

Kinoreifer Stealth-Actioner.

Eine zwölfköpfige Terroristen-gruppierung stellt den Vereinigten Staaten ein „Blacklist“ benanntes Ultimatum und kündigt eine Reihe von Terroranschlägen an. SPLINTER CELL-Serienheld Sam Fisher, Einsatzleiterin Anna „Grim“ Grimsdottir, der schießwütige CIA-Agent Isaac Briggs sowie Hacker Charlie Cole finden sich in einem Wettlauf gegen die Zeit wieder: Um den Countdown und somit die – im Vergleich zu den Vorgängern noch cleverer agierenden – Schergen aufzuhalten, muss die Anti-Terror-Einheit schnelle Abzugsfinger, gesetzeswidrige Verhörmethoden (Jack Bauer lässt grüßen…) und Taktikgespür beweisen.

Dass Sam und Co. allerlei bekannte und neue, erweiterbare Gimmicks/Waffen zur Verfügung stehen, versteht sich dabei von selbst. Auch realistischere Bewegungsabläufe stehen auf dem Programm: Die „Kill In Motion“-Funktion spendiert tödliche Präzision und erlaubt das Ausschalten mehrerer Gegner in einem Rutsch, dank „Active Sprint“ rennt, schleicht, klettert und springt Fisher wendiger denn je durch die abwechslungsreichen, rund um den Globus verstreuten Kulissen. Diverse Koop-/Versus-Multiplayer-Modi runden das Stealth-Action-Adventure ab.

» Zusammengestellt von Dominik Winter

Auslese Filme

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Spring_Breakers_DVD_Standard_888837254991_2DSpring Breakers

USA 2012/Universum

Mit dem Finger am Puls der Zeit und dem Ohr auf den Schienen der Gegenwartskultur hat sich Filmemacher Harmony Korine als letzter verbliebener Schockkünstler der USA etabliert: Als Autor der damaligen Skandalfilme „Kids“ und „Ken Park“, als Regisseur der surrealen bis hyperrealistischen Momentaufnahme der Kehrseiten des amerikanischen Traums in „Gummo“ und schließlich als Kopf hinter der gehirnschmelzend unanschaubaren Mockumentary „Trash Humpers“ bastelte Korine fleißig an seinem Ruf als unnachgiebiger Chronist des dysfunktionalen und bizarren Amerikas. Warum dieser Blick auf Korines Schaffen? Schlicht aus dem Grund, da Korines neon-poppiger „Spring Breakers“ je nach Wissenstand über die Ideenwelt des Regisseurs wahlweise als bemerkenswert belangloser eineinhalbstündiger Videoclip samt schmierigen Päderastenfantasien gesehen werden kann. Oder eben als in Moet-Flaschen abgefüllter, hochexplosiver Molotv-Coktail verstanden werden kann, den Korine zielsicher in die Schaufensterauslage des pervertierten amerikanischen Traums schleudert. Denn seine Geschichte einer Mädels-Clique, die auf Suche nach dem ultimativen Springbreak-Partyexzess einen Überfall begehen, um wenig später mit dem Möchtegern-Drogendealer Alien (James Franco) anzubandeln, ist eine bitterböse Abrechnung mit der allseits zelebrierten Kultur absoluter Inhaltsleere, hedonistischer Flachheit und des moralischen Nihilismus. Die meist leicht geschürzte Cast aus Ex-Disney-Prinzessin Vanessa Hudgens, Pop-Göre Selena Gomez sowie Ashley Benson und Rachel Korine sind dabei zwar vordergründig Augenzucker, letztendlich aber eine bonbonbunt verpackte Gratwanderung zwischen der provokanten Exploitation männlicher Phantasien und schneidender Anklage der Scheinheiligkeiten amerikanischer Prüderie.


Die Jagd
DAN/SWE 2012/Universum

Der dänische Schauspieler Mad Mikkelsen – zu Recht einer der aufregendsten Schaupielexporte Dänemarks – hat endgültig den Durchbruch geschafft. Wer Mikkelsens Schaffen in den letzten Jahren genießen durfte, kann sich glücklich schätzen, denn spätestens wenn diesen Herbst die Serienkiller-Serie „Hannibal“ um den berühmten Humangourmet Dr. Lecter auch hierzulande zu sehen sein wird, wird man Mikkelsen mental unweigerlich als durchtriebenen und unmenschlichen Killer abspeichern. Deshalb sollte man nach Möglichkeit jetzt noch das hervorragende Thrillerdrama „Die Jagd“ sehen, solang noch uneingeschränktes Mitgefühl für den von Mikkelsen verkörperten Protagonisten Lucas empfunden wird. Der wird in einer kleinen dänischen Gemeinde fälschlicherweise des Kindesmissbrauchs angeklagt und sieht daraufhin sein Leben zerbrechen. Mikkelsen begeistert mit einer feinfühligen und nuancierten Darbietung des in die Ecke getrieben Mannes. Es ist jedoch garantiert, dass sich nach „Hannibal“-Sichtung eine unbequeme Mischung aus uneingeschränkter Sympathie und unerklärlicher Abneigung gegenüber Mikkelsens Figur ergibt. Deshalb: „Die Jagd“ jetzt anschauen.

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The Newsroom – Season 1
USA seit 2012/Warner

Keine Frage: Aaron Sorkin ist der Meister des rasiermesserscharfen Dialogs. Was der Autor und Serienschöpfer bereits mit seiner Politserie „The West Wing“ und dem Drehbuch zum wortgewaltigen „The Social Network“ bewies, zeigt er selbstverständlich auch in seiner neuen Serie „Newsroom“. Darin liefern sich Jeff Daniels als angegrauter Medienstar mit wieder erwachtem journalistischen Ehrgeiz und sein Team der Nachrichtensendung Atlantic Cable News pointengespickte Wortgefechte einer Geschwindigkeit, die selbst dauerquasselnde Verkäufer auf dem Hamburger Fischmarkt schwindelig machen. Selbstverständlich dürfen bissige Seitenhiebe auf gesellschaftliche und politische Großereignisse nicht fehlen, selbstverständlich versehen mit Sorkins echauffierter und liberaler Perspektive, die sich explizit gegen die vorherrschende konservative Stoßrichtung des öffentlichen Diskurses stellt. Manchmal eine Spur zu neunmalklug, dafür stets mit der richtigen Mischung aus Humor, Drama und manischer Energie versehen, ist „Newsroom“ auf dem besten Weg zum legitimen „West Wing“-Nachfolger.

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Stand Up Guys
USA 2012/Universum

Fast drei Jahrzehnte saß Gangster Val (Al Pacino) hinter Gittern, Ex-Komplize und Kumpel Doc (Christopher Walken) bereitet ihm einen warmen Empfang: Alkohol, Drogen und leichte Mädchen stehen auf der To Do-Liste des restlichen Tages. Doch das herzliche Wiedersehen trügt, Doc hat einen Auftrag zu erledigen: Er soll Val aus Vergeltung für einen alten Fehltritt just am ersten Tag in Freiheit ins Jenseits befördern. So gefühlskalt ist der Doc dann aber doch nicht, dass er seinen Kollegen von einst sofort eine Bleiimpfung verpasst: Er will seinem alten Freund Val zumindest einen standesgemäßen Abschied bereiten. Als vergnügliche Gangsterkomödie weiß „Stand Up Guys“ trotz einer Handvoll fehlgeleiteter Pointen, schmalzigen Sentimentalitäten und leidlich witziger Selbst-parodie bestens zu unterhalten. Letztendlich ist es aber die Qualität des Darstellertrios aus Pacino, Walken und Alan Arkin, das dem Film die nötige Würze verleiht, um sich vom Genredurchschnitt abzuheben.

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Zusammengestellt von Gerhard Maier