Auslese Filme

-

Auslese Filme

Spring_Breakers_DVD_Standard_888837254991_2DSpring Breakers

USA 2012/Universum

Mit dem Finger am Puls der Zeit und dem Ohr auf den Schienen der Gegenwartskultur hat sich Filmemacher Harmony Korine als letzter verbliebener Schockkünstler der USA etabliert: Als Autor der damaligen Skandalfilme „Kids“ und „Ken Park“, als Regisseur der surrealen bis hyperrealistischen Momentaufnahme der Kehrseiten des amerikanischen Traums in „Gummo“ und schließlich als Kopf hinter der gehirnschmelzend unanschaubaren Mockumentary „Trash Humpers“ bastelte Korine fleißig an seinem Ruf als unnachgiebiger Chronist des dysfunktionalen und bizarren Amerikas. Warum dieser Blick auf Korines Schaffen? Schlicht aus dem Grund, da Korines neon-poppiger „Spring Breakers“ je nach Wissenstand über die Ideenwelt des Regisseurs wahlweise als bemerkenswert belangloser eineinhalbstündiger Videoclip samt schmierigen Päderastenfantasien gesehen werden kann. Oder eben als in Moet-Flaschen abgefüllter, hochexplosiver Molotv-Coktail verstanden werden kann, den Korine zielsicher in die Schaufensterauslage des pervertierten amerikanischen Traums schleudert. Denn seine Geschichte einer Mädels-Clique, die auf Suche nach dem ultimativen Springbreak-Partyexzess einen Überfall begehen, um wenig später mit dem Möchtegern-Drogendealer Alien (James Franco) anzubandeln, ist eine bitterböse Abrechnung mit der allseits zelebrierten Kultur absoluter Inhaltsleere, hedonistischer Flachheit und des moralischen Nihilismus. Die meist leicht geschürzte Cast aus Ex-Disney-Prinzessin Vanessa Hudgens, Pop-Göre Selena Gomez sowie Ashley Benson und Rachel Korine sind dabei zwar vordergründig Augenzucker, letztendlich aber eine bonbonbunt verpackte Gratwanderung zwischen der provokanten Exploitation männlicher Phantasien und schneidender Anklage der Scheinheiligkeiten amerikanischer Prüderie.


Die Jagd
DAN/SWE 2012/Universum

Der dänische Schauspieler Mad Mikkelsen – zu Recht einer der aufregendsten Schaupielexporte Dänemarks – hat endgültig den Durchbruch geschafft. Wer Mikkelsens Schaffen in den letzten Jahren genießen durfte, kann sich glücklich schätzen, denn spätestens wenn diesen Herbst die Serienkiller-Serie „Hannibal“ um den berühmten Humangourmet Dr. Lecter auch hierzulande zu sehen sein wird, wird man Mikkelsen mental unweigerlich als durchtriebenen und unmenschlichen Killer abspeichern. Deshalb sollte man nach Möglichkeit jetzt noch das hervorragende Thrillerdrama „Die Jagd“ sehen, solang noch uneingeschränktes Mitgefühl für den von Mikkelsen verkörperten Protagonisten Lucas empfunden wird. Der wird in einer kleinen dänischen Gemeinde fälschlicherweise des Kindesmissbrauchs angeklagt und sieht daraufhin sein Leben zerbrechen. Mikkelsen begeistert mit einer feinfühligen und nuancierten Darbietung des in die Ecke getrieben Mannes. Es ist jedoch garantiert, dass sich nach „Hannibal“-Sichtung eine unbequeme Mischung aus uneingeschränkter Sympathie und unerklärlicher Abneigung gegenüber Mikkelsens Figur ergibt. Deshalb: „Die Jagd“ jetzt anschauen.

7

The Newsroom – Season 1
USA seit 2012/Warner

Keine Frage: Aaron Sorkin ist der Meister des rasiermesserscharfen Dialogs. Was der Autor und Serienschöpfer bereits mit seiner Politserie „The West Wing“ und dem Drehbuch zum wortgewaltigen „The Social Network“ bewies, zeigt er selbstverständlich auch in seiner neuen Serie „Newsroom“. Darin liefern sich Jeff Daniels als angegrauter Medienstar mit wieder erwachtem journalistischen Ehrgeiz und sein Team der Nachrichtensendung Atlantic Cable News pointengespickte Wortgefechte einer Geschwindigkeit, die selbst dauerquasselnde Verkäufer auf dem Hamburger Fischmarkt schwindelig machen. Selbstverständlich dürfen bissige Seitenhiebe auf gesellschaftliche und politische Großereignisse nicht fehlen, selbstverständlich versehen mit Sorkins echauffierter und liberaler Perspektive, die sich explizit gegen die vorherrschende konservative Stoßrichtung des öffentlichen Diskurses stellt. Manchmal eine Spur zu neunmalklug, dafür stets mit der richtigen Mischung aus Humor, Drama und manischer Energie versehen, ist „Newsroom“ auf dem besten Weg zum legitimen „West Wing“-Nachfolger.

7

Stand Up Guys
USA 2012/Universum

Fast drei Jahrzehnte saß Gangster Val (Al Pacino) hinter Gittern, Ex-Komplize und Kumpel Doc (Christopher Walken) bereitet ihm einen warmen Empfang: Alkohol, Drogen und leichte Mädchen stehen auf der To Do-Liste des restlichen Tages. Doch das herzliche Wiedersehen trügt, Doc hat einen Auftrag zu erledigen: Er soll Val aus Vergeltung für einen alten Fehltritt just am ersten Tag in Freiheit ins Jenseits befördern. So gefühlskalt ist der Doc dann aber doch nicht, dass er seinen Kollegen von einst sofort eine Bleiimpfung verpasst: Er will seinem alten Freund Val zumindest einen standesgemäßen Abschied bereiten. Als vergnügliche Gangsterkomödie weiß „Stand Up Guys“ trotz einer Handvoll fehlgeleiteter Pointen, schmalzigen Sentimentalitäten und leidlich witziger Selbst-parodie bestens zu unterhalten. Letztendlich ist es aber die Qualität des Darstellertrios aus Pacino, Walken und Alan Arkin, das dem Film die nötige Würze verleiht, um sich vom Genredurchschnitt abzuheben.

6

Zusammengestellt von Gerhard Maier

Vorheriger ArtikelAuslese Kino
Nächster ArtikelAuslese Games

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Das Neueste

Was machen eigentlich Air Supply?

Die PR-Agentur bittet im Zusammenhang mit Air Supply, auf den Terminus „Soft Rock“ zu verzichten, da es bei den...

Ein Abend für die Ewigkeit: The Clash live 1980

The Clash live, 27. Januar 1980, Sheffield, Top Rank. Da waren sie: The Clash, ganz hinten auf der kaum beleuchteten...

Meilensteine: BROKEN ENGLISH von Marianne Faithfull entsteht

Mai/Juni/Juli 1979: In den Londoner Matrix Studios entsteht Marianne Faithfulls Comeback-Album BROKEN ENGLISH Leicht nachvollziehen lässt sich der Werdegang von...

Ozzy Osbourne: Neue Single als Vorbote auf kommendes Album

Am 9. September erscheint PATIENT NUMBER 9, das neue Studioalbum von Ozzy Osbourne. Der gleichnamige Titeltrack der Platte wird...

Arthur Brown: Im stillen Herzen des Feuers

Es donnert bedrohlich, als man Arthur Brown im virtuellen Raumantrifft. Obwohl das Gewittergrollen zum Image der Kultfigur, deslegendären God...

Coheed And Cambria: VAXIS II: A WINDOW OF THE WAKING MIND

Coheed And Cambria besitzen die große Gabe, ihre Hörer vom ersten Ton eines jeden Albums an wieeinen alten Freund...

Pflichtlektüre

Aerosmith – ROCKS / DRAW THE LINE / NIGHT IN THE RUTS / ROCK IN A HARD PLACE

Ratten im Keller: Aerosmiths schwierige Übergangsjahre. Guter Rat war...

Steve Morse: Der Award-Sammler

Steve Morse wird 64 Jahre alt. Seit 1994 ist...
- Advertisement -

Das könnte dir auch gefallen
Für dich empfohlen