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DVD´s Peter Gabriel Live in Athens

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Gabriel, Peter @ Nadav Kander (3)LIVE IN ATHENS 1987

Schon die limitierte 25TH ANNIVERSARY EDITION des SO-Albums (2012) enthielt den Audio-Mitschnitt dieses Konzertes aus Athen im Oktober 1987. Jetzt erscheint der länger nicht mehr auf VHS erhältliche Gig auch in einer überarbeiteten Version auf DVD. Ein Blick auf die Credits reicht als Qualitätsmerkmal: Als Executive Producer fungiert Hollywood- Regisseur Martin Scorsese (u.a. „Taxi Driver“, „Good Fellas“, „Gangs Of New York“). Kein Zufall, denn der Oscar-Preisträger (2007 für ,,Departed” beste Regie ) hatte immer schon eine Vorliebe für Popkultur, war sogar an der Produktion des legendären Woodstock-Films beteiligt, arbeitete mit The Band und den Rolling Stones. Mit der damaligen Peter Gabriel-Band (u.a. Tony Levin am Bass) und ihren typischen 80er-Jahre-Chorerographien hat er leichtes Spiel. Wohltuend sind vor allem die langsamen Schnitte und der dezente Fokus auf die einzelnen Musiker. Und über die damalige Setlist brauchen wir sowieso nicht zu reden Gabriel im Zenit seiner Karriere. Ebenfalls sehenswert: die Bonus-DVD mit den legendären Kurzfilmen zu u.a. ›Sledgehammer‹ und ›Games Without Frontiers‹ sowie der ca. 40-minütige Auftritt des Supports Youssou N’Dour zu Beginn.

Jörg Staude

Bücher: Nikki Sixx

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Nikki Sixx 2011a @ Sixx A.M.
LEBEN HEISST LEIDEN – FOTOGRAFIE, MUSIK, KUNST

Vor zwei Jahren veröffentlichte Mötley-Crüe-Bassist und -Kreativkopf Nikki Sixx sein zweites Buch namens THIS IS GONNA HURT zusammen dem dem gleichnamigen Soundtrackalbum zum Buch, das er mit seiner Gruppe Sixx:A.M. aufgenommen hatte. Endlich erscheint dieser untypische Fotoband auch in seiner deutschen Übersetzung. Sixx, den nach eigenen Aussagen die Fotografie aus Drogensucht und Selbstzerstörung geführt und ihm so das Leben gerettet hat, benutzt als Aufhänger Geschichten über seine Leidenschaften, um prägende Erlebnisse und seine Weltanschauungen zu erzählen. Sixx ist ein seltsamer und zugleich tiefgründiger, vor Gedanken sprühender Mensch. Dies zeigt er sowohl sprachlich und inhaltlich sowie in seinen surrealen, beinahe beängstigenden Bildern.

Text: Paul Schmitz

Vinyl: MOTT THE HOOPLE

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VariousMuttis kleines Juwel: Beim fünften Anlauf klappt es endlich mit dem internationalen Durchbruch.

Mott The Hoople wären im März 1972 fast einen einsamen Bandtod gestorben, ausgelöst durch relative Erfolglosigkeit und chro- nischen Geldmangel. Nach vier exzellenten Alben für das Label Island stand der Formation aus dem britischen Herefordshire das Wasser bis zum Hals. Im Song ›The Ballad Of Mott The Hoople (26th March 1972, Zürich)‹ minutiös beschrieben hat Frontmann Ian Hunter die auswegslose Situation, als die Combo nach einem Konzert in Zürich kollektiv entschied, sich nach der nächsten Tournee zu trennen. Rettung kam in Person von David Bowie, der in der Rolle des Außerirdischen Ziggy Stardust gerade selbst am internationalen Rock-Firmament aufstieg. Bowie offerierte den von ihm sehr geschätzten Band, einen Hitsong zu produzieren und mittels seines Managers Tony Defries eine neue Plattenfirma zu finden. Gesagt, getan! Als ›Suffragette City‹ nicht auf Anhieb funktionierte, lieferte Bowie das gerade frisch komponierte ›All The Young Dudes‹ ein Volltreffer, denn im Sommer 1972 stieg die Glam-Rock-Hymne auf Platz 3 der UK-Charts. Im Fahrwasser des Erfolgs erklärte sich Bowie mit seinem multitalentierten Gitarristen, Arrangeur und Sänger Mick Ronson bereit, ein komplettes Album zu produzieren. Auf ALL THE YOUNG DUDES verpasste das Produzententeam Mott The Hoople ein wesentlich griffigeres Klangbild mit straffen Arrangements und ausgeklügelten Effekten: ›Sweet Jane‹, ein Original von The Velvet Underground, gibt als Eröffnungssong mit signifikantem Gitarrenriff den Takt vor. ›Momma’s Little Jewel‹ zollt mit dezent untergemischtem Saxofon dem US-Soul Tribut. Im Londoner Cockney-Slang schwelgt der Rock-Bossa-Nova ›Sucker‹, knietief im Fahrwasser der Rolling Stones schwimmen die Riffkracher ›Jerkin’ Crocus‹ und ›One Of The Boys‹. Großorchestriertes Balladenkino liefert ›Sea Diver‹, ›Ready For Love‹, von Gitarrist Mick Ralphs knackig komponiert und im Duett mit Hunter effizient gesungen, erlebt später gar eine zweite Premiere. Als Ralphs mit dem ehemaligen Sänger von Free 1973 die Formation Bad Company aus der Taufe hebt, integriert sich das nun noch effizienter produzierte ›Ready For Love‹ nahtlos ins fabelhafte Debütwerk.

The Who – Tommy Deluxe Edition & Super Deluxe Edition

The Who with Flag

Konzertanter Rockmeilenstein als Luxuspaket.

Als wüste Mod-Rabauke gelingt dem Londoner Quartett 1965 der Durchbruch mit der rustikalen Anarchy Hymne >My Generation< – ideal polarisierender Identifikationsstoff, um sich in der Jugendkultur unsterblich zu machen und das Establishment in Wallung zu bringen. Ein wesentlich subtileres Rezept liefern Chefideologe Pete Townshend und Co. vier Jahre später, nach mehr oder minder gelungenen konzeptionellen Feldversuchen wie ›A Quick One While He’s Away‹ und der Piratenradiopersiflage THE WHO SELL OUT. Zu jenem Zeitpunkt kämpfen The Who nach ungestümem Auf und Ab schlicht ums Überleben. Zwar dürfen sich britische Kollegen wie Nirvana (THE STORY OF SIMON SIMOPATH), The Kinks (VILLAGE GREEN PRESERVATION SOCIETY) und The Pretty Things (S.F. SORROW) rühmen, unter den Ersten zu sein, die das Thema Rockoper für sich entdecken. Doch fahren The Who mit der in 24 Songs auf vier LP-Seiten ausgewalzten Geschichte des durch ein Trauma erblindeten, tauben und stummen TOMMY sämtliche Lorbeeren ein. Mit symphonisch Verbrämtem zwischen ›Overture‹ und ›Underture‹ sowie den Chartshits ›Pinball Wizard‹, ›I’m Free‹ und ›See Me, Feel Me‹ gelten The Who plötzlich als gesellschaftlich etabliert und führen ihren vor allem durch Managermentor Kit Lambert inspirierten Songzyklus mit archetypischen Reizfiguren wie ›Cousin Kevin‹, ›The Acid Queen‹ und ›Sally Simpson‹ in vornehmen Opernhäusern vor zum Teil erlauchtem Publikum auf. Gönnen sich aber parallel auch einen dekadenten Auftritt beim schlammigen Medienereigniss des Jahres: Woodstock. Doch die eigentlich ein wenig dünne Story vom armen Soziopathen mit missbrauchter Kinderseele funktioniert auch deshalb so famos, weil Frontstimme Roger Daltrey die Rolle des Hauptdarstellers wie auf den muskulösen Leib geschneidert ist: Mit schulterlangen Engelslocken und modischer Fransenjacke avanciert Daltrey zur Rockikone. Seither wird der Mythos TOMMY mit Akribie ausgewertet: Von der konzertanten Version mit dem London Symphonic Orchestra über Ken Russells schrillbunten Kinofilm bis hin zum mehrfach preisgekrönten Broadway-Musical. Seit Erfindung der CD erhielt der Verkaufsrenner in immer wieder neuen Verpackungen und Abmischungen mehrere Neuauflagen. Einmal mehr runderneuert liegt der Klassiker nun in gleich mehreren Formaten vor: Auf doppelter DELUXE EDITION koppelt sich der 2013-Mix des Originals mit 25 weiteren raren Tracks (u.a. Demos, Outtakes). Beides enthält auch das die 4-CD-Box SUPER DELUXE EDITION im LP-Format mit zusätzlichem (aufgepasst!) 5.1-Mix des komplett remixten Albums sowie einem Konzertmitschnitt vom 15. Oktober 1969 im kanadischen Ottawa. Weitere Aufwertung erfährt das Luxuspaket mit Posterbeilage durch ein 80-seitiges Hardcoverbuch, das unzählige Fotos und ein Essay von Who-Kenner Richard Barnes enthält.

Neuigkeiten zu: Vengeance

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Vom Vater zum Sohne

Jan Somers vererbt die Gitarre an seinen Nachwuchs

Eine überraschende Entwicklung, die sich in den letzten Jahren bei den holländischen Hardrockern Vengeance vollzogen hat: Mit Timo Somers steht der Sohn des im Januar 2011 überraschend verstorbenen Gitarristen Jan Somers an vorderster Front. Timo ist unüberhörbar mit ähnlichen handwerklichen Fähigkeiten ausgestattet wie sein Erzeuger. Und er teilt die Begeisterung für Vengeance-Sänger Leon Goewie: „Leons Stimme ist wirklich unverkennbar, ganz einzigartig“, schwärmt Somers. „Man erkennt ihn aus tausenden Sängern sofort heraus. Für mich gehört er zu den besten Frontmän nern der Welt.“

Den Beweis für diese vollmundige Aus- sage liefern Somers und Vengeance in Form des neuen Albums PIECE OF CAKE. Darauf rocken sich die Niederländer durch eine Handvoll traditioneller Hard-Rock-Tracks, für die man keine Gebrauchsanweisung benötigt, sondern sich einfach über geradlinige Rhythmen, pfundige Rockriffs und raue, aber dennoch melodische Gesänge freuen kann. Noch in diesem Herbst wird es auf Tournee gehen. Mit ihren Label-Kollegen Mad Max steuern Vengeance ab Anfang November gezielt einschlägige Rockclubs an, um den Fans weit mehr als nur reine Nostalgie um die Ohren zu hauen: „Mit Mad Max passt alles perfekt. Die neuen Alben beider Bands werden am gleichen Tag veröffentlicht und die Zielgruppe dürfte sich auch weitgehend überschneiden. Vor allem aber besteht der Anspruch beider Bands darin, jede Bühne dermaßen zu rocken, dass den Fans Hören und Sehen vergeht.“ Gut gebrüllt, junger Löwe!

Text: Matthias Mineur

Letztes Wort: Al Jourgensen (Ministry)

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MI_FBTE-al5_bwVom Industrial-Übervater zur popkulturellen Kultfigur: „Uncle Al“ gibt Auskunft zu Politik, München, dem Himmel auf Erden, dem Tod, seinem gefallenen Kameraden und Trent Reznor.

Text: Matthias Jost

Nun soll es endgültig vorbei sein: FROM BEER TO ETERNITY ist das letzte, aber auch wirklich allerletzte Ministry-Album, denn nach dem überraschenden Tod des Gitarristen Mike Scaccia im letzten Dezember kann es keine Zukunft mehr für die legendäre Band geben. Und Herr Jourgensen könnte nicht glücklicher darüber sein.

Das war’s nun also wirklich endgültig mit Ministry?
Ja, definitiv. Mikey kann nicht ersetzt werden. Das muss nun zu einem Ende kommen. Ich habe meinen besten Freund und kleinen Bruder verloren, zwei Tage, nachdem er mit den Aufnahmen für das Album fertig war. Es war dann schon hart, das fertigzustellen. Aber er war dabei. Im Studio fiel beim Mixen mal ein Bild von der Wand, das war er, der mit etwas nicht einverstanden war und es uns so mitteilte. Er hat die Platte noch mit uns gemixt und ist dann an einen besseren Ort gegangen.

Wieso bist du dir da so sicher?
Weil ich schon fucking dreimal gestorben bin, Mann. Ich weiß, dass es ein Leben nach dem Tod gibt, und glaube mir, ich war ziemlich angepisst, dreimal wieder auf diesem beschissenen Planeten aufzuwachen.

Du hast also vermutlich eher keine Angst vor dem Tod…
Absolut nicht. Auch wenn ich im Moment dem Himmel auf Erden näher bin als je zuvor. Ich bin so weit vom Rock-Business weg, wie man es nur sein kann, und ich liebe es. Keinerlei Stress mehr, das macht mich echt glücklich. Ich arbeite im Studio und lebe im schön warmen El Paso, Texas. Ich komme ja aus Chicago, aber die Winter dort packe ich einfach nicht mehr. Sollte ich je wieder geboren werden, dann hoffentlich als Wettermann in El Paso. Weniger Arbeit kann man einfach nicht haben: „Es wird heute sonnig, heiß und trocken“, jeden einzelnen fucking Tag.

Und wie sähe der perfekte Tod für dich aus?
So wie bei Mikey. Er wollte immer auf der Bühne sterben, und genau das hat er auch getan. Und das, nachdem er an dem Album gearbeitet hatte, das er wiederholt als das beste bezeichnete, an dem er je beteiligt war. Es war ein Schock, vor allem, weil er zwei Tage vorher noch so glücklich und gesund war, als er hier wegging, aber perfekter kann’s nicht laufen. Außer für seine Frau und Kinder natürlich, aber um die kümmern wir uns und sorgen dafür, dass die Kids eine gute Ausbildung bekommen. Ich möchte dagegen im Studio sterben. Einfach über dem Mischpult zusammensacken und das war’s. Ich habe sogar meine Angestellten angewiesen, mich zum Pult zu zerren und in diese Position zu bringen, falls sie meine Leiche woanders finden. Es wäre doch total uncool, wenn es irgendwann heißt, ich sei gestorben, als ich auf dem Weg zum Klo umgekippt bin.

Genug vom Tod, du erfreust dich ja momentan bester Gesundheit, oder?
Ja, es ging mir selten so gut. Als wir damals zum ersten Mal Ministry für beendet erklärten, war meine Gesundheit der Hauptgrund. Ich hatte keine Lust mehr, ständig aus jeder Körperöffnung zu bluten, aber ich hatte immer gedacht, das gehört einfach zum Touren. Von Geschwüren hatte ich bis dato nie gehört gehabt, geschweige denn davon, dass ich 13 von den Dingern hatte.

Aber sicher war nicht alles schlecht am Leben auf Tour…
Klar, da gab’s viel Spaß. Ich erinnere mich immer gerne an München. Das ist die besoffenste Stadt, in der ich je war. Ich habe da mal zwei Biker-Gangs kennen gelernt, die waren echt krass drauf. Dagegen sind die Biker in Amerika die reinsten Pussies.

Bekanntlich nicht das Einzige, was dir nicht passt in den USA. Hat sich auch bei dir eine gewisse Ernüchterung über Obama eingestellt?
Ich habe ihn getroffen und bin mir sicher, dass er kein schlechter Mann ist. Enttäuscht bin ich also nicht, aber eben auch nicht überrascht. George W. Bush war ja nur ein Idiot mit einem Spielzeuglaster, aber Obama versucht wenigstens, wirklich was zu ändern. Er kann nur eben nicht viel ausrichten. 0,0001 % der Bevölkerung kontrollieren 99,9999 % des Landes. Das System hat die Macht, es ist komplett korrupt, mit einer Schattenwährung und einer Schatten-Agenda. Das Einzige, was man machen kann, ist gut zu recherchieren und dann die Leute zu wählen, die am wenigsten korrupt sind.

Wir geht’s jetzt weiter für dich?
Ich gebe Lesungen und unterrichte. Ich hatte ja schon immer Lehrer werden wollen, aber dann kam die Rockmusik dazwischen, weil man da eben mit minimalem Einsatz sehr viel mehr verdienen konnte. Aber jetzt schließt sich der Kreis. Und ich arbeite an meinem Buch, das ich seit 20 Jahren schreibe.

War’s das also komplett mit der Musik?
Nein, ich habe ja mein Studio und produziere noch für andere. Und im Moment laufen Verhandlungen für ein Soloprojekt mit Trent Reznor. Ich brauche die Kohle, er die Credibility. Und glaube mir, da wird’s keine Starallüren geben. Dem Burschen wird hier kein roter Teppich ausgerollt, der darf sich erst mal ordentlich den Arsch aufreißen!

Live: Foreigner

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Foreigner @ Joachim Kling (2)Lichtenfels, Stadthalle

Hitze, Hits & halsbrecherische Stunts

„Wo geht‘s denn hier zum Open Air Gelände?!“ ist die Frage, die sich viele der Fans auf dem Schützenanger vor der Stadthalle stellen. Schlauerweise wurden die Sicherheitskräfte schon auf diese Situation vorbereitet: „Für heute gibt es eine Katastrophenwarnung, deswegen findet das Konzert in der Halle statt.“ Angesichts des aktuellen (Wochen-)Wetterberichts für das Frankenland und dem wolkenlosen, strahlend blauen Himmel über Lichtenfels klingt diese Begründung „etwas fadenscheinig“. Ein weiteres heiß diskutiertes Thema ist der Gesundheitszustand von Mick Jones: Wird das einzig verbliebene Originalmitglied heute überhaupt auftreten können? Der Gitarrist musste sich erst im Februar einer Herzoperation in Miami unterziehen und fehlte auf dem aktuellen Leg der Greatest Hits Tour stets bei den ersten vier bis fünf Songs. Aufgrund der vorherrschenden Temperaturen im Zuschauerraum (um die 38 Grad!!!) und der dazu addierte Thermometeranstieg unter den Scheinwerfern scheint diese Sorge nicht ganz unberechtigt. Trotz der nicht ganz optimalen Vorzeichen steht die Rock‘n‘Roll Fahne auf Sturm, denn als der Ex-Hurricane Sänger Kelly Hansen die Bühne im Laufschritt für sich einnimmt und ›Double Vision‹ anstimmt, startet eine grandiose Party. Zu seiner Linken headbangt, mit wippendem Fuß, der stets gut gelaunte Jeff Pilson (Ex-Dokken). Die beiden bringen auch ohne Mick die Halle zum Kochen. Das Publikum feiert schon während des dritten Stücks ›Cold As Ice‹ so heftig, dass sich Hansen zu einem mehr als waghalsigen Stunt hinreisen lässt – er klettert an der Beleuchtungstraverse fast bis unters Dach der Stadthalle.

Auf dem Rückweg nach unten und verursacht durch die inzwischen fast unerträglichen Temperaturen scheinen seine Hände keinen Halt mehr zu finden. Für einen kurzen Moment sieht man Kelly schon aus ca. 5 Metern Höhe auf die Bühnenbretter fallen. Bei einem Blick ins Rund steht dem Publikum für ein paar Sekunden der Schock förmlich ins Gesicht geschrieben. Glücklicherweise fängt sich der Sänger blitzschnell ab und klettert unbeschadet zurück zu seinen Kollegen. Ganz Profi quittiert Kelly Hansen diesen vereitelten Unfall mit einem verschmitzten Grinser und stimmt ›Waiting For A Girl Like You‹ an. Vor dem folgenden ›Dirty White Boy‹ macht sich Erleichterung unter den Fans breit: Mick Jones kommt tatsächlich auf die Bühne. Für einen Mann in seinem Alter, der eine schwere Operation hinter sich hat, macht er einen erstaunlich fitten Eindruck. Dank der ausgeklügelten Setlist steht sechs Stücke (inkl. großartiger Unpluggedversionen von ›When It Comes‹ und ›Say You Will‹ ) später eine wohlverdiente Pause für Jones an: Keyboard und Drum Solo in einem ca. 15-minütigen Mix. Als darauf ›Juke Box Hero‹ aus den Boxen der PA fliegt und ein über 3.500 Mann starker Chor den Song mitschmettert, ist Mick derart gerührt, dass er eigentlich sofort weiterrocken möchte. Drei Zugabensongs später verabschieden sich die schweißgebadeten Foreigner in eine sternenklare, angenehm warme und immer noch katastrophenlose Sommernacht.

Text: Max Plissken

Live: Tonder Festival sowie Rock im Wald 2013

Tonder-Bjarne_Lund3Tonder Festival
Tonder, Dänemark

Von Folkrock und Fideln

Als deutscher Festival-Besucher traut man seinen Augen kaum, wenn man über das Tønder Festival im Süden Dänemarks schlendert. Das Gelände sieht aus wie ein kleines Western-Dorf. Da steht ein richtiger Pub, im Restaurant „Fiddler’s Green“ gibt es sogar Drei-Gänge-Menüs und echtes Geschirr, aber auch an einer „Rum- und Zigarrenbar“, in deren Saloon-artigem Interieur man eben jenen Genüssen nachgehen kann, fehlt es nicht.
1974 von Studenten der damaligen Pädagogischen Hochschule gegründet, hat das traditionsreiche Festival sich einen Charme bewahrt, der es von den typischen europäischen Großveranstaltungen deutlich unterscheidet. Das gilt auch für das musikalische Programm. Das Tønder Festival ist eins der größten Folk-Festivals weltweit und die 60 Konzerte auf acht Bühnen – darunter ein Spiegelzelt und das örtliche Kunstmuseum – umfassen alle Facetten des Genres.

Schönen Indie-Folk zum Beispiel gibt es von der schottischen Band Admiral Fallow. Ihre Songs sind mit Klarinette, Geige, Keyboard und Akkordeon verziert und kommen mal auf Zehenspitzen daher, nur um dann plötzlich unerwartet doch noch los zu sprinten. Protestlieder zwischen Rock, Folk und Punk derweil gibt es von Billy Bragg. Der Auftritt des britischen Songwriters, der von einer vierköpfigen Live-Band begleitet wird, gehört zu den Höhepunkten des Festivals. Nicht zuletzt wegen der zahlreichen Anekdoten, die er zwischen seine Lieder streut. Von Margret Thatcher erzählt er ebenso wie von dem Tag, als die Pogues ihn in Roskilde betrunken von der Bühne tragen musste…

Doch nicht nur auf dem eigentlichen Festivalgelände gibt es an diesem Wochenende Livemusik. Am Samstag verwandelt die pittoreske Fußgängerzone Tønders sich in eine riesige Festmeile. In nahezu jeder Kneipe und jedem Café wird musiziert. Wer will, kann dabei tief in die dänische Musikgeschichte eintauchen. In der Visemølln zum Beispiel, einer alten Mühle, in der das Festival einst begann, wird fleißig zu meist nordischen Liedern gefidelt.

Auf der mit Blumen verzierten Hauptbühne machen wir wenig später die Neuentdeckung des Festivals: Das irische Duo Hudson Taylor mischt klassischen Folk mit melodiösem Pop und klingt wie Simon & Garfunkel. Americana und Folkrock gibt es anschließend von The Avett Brothers, deren großartige, energetische Show von ruhigen Akustikballaden bis zu mit Cello und Banjo verzierten Epen reicht. Wer danach noch Reserven hat, geht ins Zelt P4, wo bis spät in die Nacht der traditionelle Tanz der dänischen Insel Fanø getanzt wird. Das Tønder Festival ist eben einfach anders als die meisten anderen Festivals.

Text: Nadine Lischick


Rock im Wald 2013
Neuensee, Waldstadion

Sonne, Staub & Wüstenrock

Es ist heiß, verdammt heiß an diesem letzten Samstag im Juli. Bei geschlossenen Augen glaubt man, in der Wüste von Nevada und nicht mitten in Oberfranken zu stehen, als eine Brise die 37 Grad heiße, staubtragende Luft auf dem Weg über den Parkplatz des Waldstadions in die Gesichter der gerade ankommenden Stoner Rocker weht. Im Eingangsbereich angekommen, tut sich ein Bild auf, welches der geneigte Festivalgänger nur von erheblich größeren Veranstaltungen kennt: Eine richtige Fressmeile, jedoch bleiben die Umbaupausenmagneten #1 die Bier- und Cocktailstände. Aufgrund der Hitze treffen die gut 1.400 Rocker, die an diesem Abend das Waldstadion füllen werden, nach und nach zu den Schweden des Stonewall Noise Orchestra ein. Die legen trotz der erbarmungslosen Sonneneinstrahlung einen ordentlichen Gig auf die Bretter bevor die Engländer von The Treatment für etwas Abwechslung im Stoner Line-Up sorgen. Mit ihrem Sound zwischen Sleaze und den Rolling Stones bieten sie die perfekte Untermalung für einen eiskalten Jack N‘ Coke. Die nachfolgenden Valient Thorr machen schon alleine durch ihre Outfits auf sich aufmerksam: Sänger Valient Himself trägt stilsicher zu seiner grünen Hose einen blauen und roten Boxingboot – in Kombination mit seinem Billy Gibbons Tributebart eine einzigartige Angelegenheit. Als langsam die Sonne hinter den Baumwipfeln verschwindet, legen Orange Goblin die Saat, die wenig später von Vista Chino geerntet wird. John Garcia ist in bestechender Verfassung und dealt an diesem Abend mit einer Setlist, die keine Wünsche offen lässt. Als „kleine“ Überraschung steht heute nicht Nick Olivieri sondern kein geringerer als Mike Dean von Corrosion Of Conformity am Bass, der jetzt schon den Preis für den „Verrücktesten Blick des Jahres“ verdient. Rock Im Wald sollte sich spätestens nach dieser Ausgabe weg vom Geheimtipp zu einem festen Termin im Festivalkalender mausern, denn an gemütlicher Atmosphäre, Gastfreundlichkeit und perfekter Planung können sich andere Veranstaltungen dieser Größenordnung ein gutes Beispiel nehmen.

Text: Chris Franzkowiak