Live: Foreigner

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Live: Foreigner

Foreigner @ Joachim Kling (2)Lichtenfels, Stadthalle

Hitze, Hits & halsbrecherische Stunts

„Wo geht‘s denn hier zum Open Air Gelände?!“ ist die Frage, die sich viele der Fans auf dem Schützenanger vor der Stadthalle stellen. Schlauerweise wurden die Sicherheitskräfte schon auf diese Situation vorbereitet: „Für heute gibt es eine Katastrophenwarnung, deswegen findet das Konzert in der Halle statt.“ Angesichts des aktuellen (Wochen-)Wetterberichts für das Frankenland und dem wolkenlosen, strahlend blauen Himmel über Lichtenfels klingt diese Begründung „etwas fadenscheinig“. Ein weiteres heiß diskutiertes Thema ist der Gesundheitszustand von Mick Jones: Wird das einzig verbliebene Originalmitglied heute überhaupt auftreten können? Der Gitarrist musste sich erst im Februar einer Herzoperation in Miami unterziehen und fehlte auf dem aktuellen Leg der Greatest Hits Tour stets bei den ersten vier bis fünf Songs. Aufgrund der vorherrschenden Temperaturen im Zuschauerraum (um die 38 Grad!!!) und der dazu addierte Thermometeranstieg unter den Scheinwerfern scheint diese Sorge nicht ganz unberechtigt. Trotz der nicht ganz optimalen Vorzeichen steht die Rock‘n‘Roll Fahne auf Sturm, denn als der Ex-Hurricane Sänger Kelly Hansen die Bühne im Laufschritt für sich einnimmt und ›Double Vision‹ anstimmt, startet eine grandiose Party. Zu seiner Linken headbangt, mit wippendem Fuß, der stets gut gelaunte Jeff Pilson (Ex-Dokken). Die beiden bringen auch ohne Mick die Halle zum Kochen. Das Publikum feiert schon während des dritten Stücks ›Cold As Ice‹ so heftig, dass sich Hansen zu einem mehr als waghalsigen Stunt hinreisen lässt – er klettert an der Beleuchtungstraverse fast bis unters Dach der Stadthalle.

Auf dem Rückweg nach unten und verursacht durch die inzwischen fast unerträglichen Temperaturen scheinen seine Hände keinen Halt mehr zu finden. Für einen kurzen Moment sieht man Kelly schon aus ca. 5 Metern Höhe auf die Bühnenbretter fallen. Bei einem Blick ins Rund steht dem Publikum für ein paar Sekunden der Schock förmlich ins Gesicht geschrieben. Glücklicherweise fängt sich der Sänger blitzschnell ab und klettert unbeschadet zurück zu seinen Kollegen. Ganz Profi quittiert Kelly Hansen diesen vereitelten Unfall mit einem verschmitzten Grinser und stimmt ›Waiting For A Girl Like You‹ an. Vor dem folgenden ›Dirty White Boy‹ macht sich Erleichterung unter den Fans breit: Mick Jones kommt tatsächlich auf die Bühne. Für einen Mann in seinem Alter, der eine schwere Operation hinter sich hat, macht er einen erstaunlich fitten Eindruck. Dank der ausgeklügelten Setlist steht sechs Stücke (inkl. großartiger Unpluggedversionen von ›When It Comes‹ und ›Say You Will‹ ) später eine wohlverdiente Pause für Jones an: Keyboard und Drum Solo in einem ca. 15-minütigen Mix. Als darauf ›Juke Box Hero‹ aus den Boxen der PA fliegt und ein über 3.500 Mann starker Chor den Song mitschmettert, ist Mick derart gerührt, dass er eigentlich sofort weiterrocken möchte. Drei Zugabensongs später verabschieden sich die schweißgebadeten Foreigner in eine sternenklare, angenehm warme und immer noch katastrophenlose Sommernacht.

Text: Max Plissken

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