John Deacon wird heute 72 Jahre alt. Zum Ehrentag des Queen-Bassisten widmen wir dem zurückhaltenden Künstler das Video der Woche und blicken auf eine herrliche Performance von ›Another One Bites The Dust‹ zurück, jenen Song, den John Deacon geschrieben und mit seiner funky Bass-Linie unsterblich gemacht hat. Happy Birthday, John Deacon!
Rival Sons: Neue Single ›Sweet Life‹
Am 20. Oktober veröffentlichen die Rival Sons ihr neues Album LIGHTBRINGER, das thematische Pendant zum ebenfalls 2023 erschienenen DARKFIGHTER. Als ersten Vorgeschmack hat die Band aus Long Beach nun eine erste Single mit dem Titel ›Sweet Life‹ veröffentlicht.
Tribes: RABBIT HEAD
Heute erscheint das neue Album RABBIT HEAD von Tribes. Ganze zehn Jahre hat sich das britische Quartett, bestehend aus Frontmann Johnny Lloyd, Gitarrist Dan White, Bassist Jim Cratchley und Drummer Miguel Demel, Zeit gelassen mit dem neuen Release.

Die Band selbst über das Album: „RABBIT HEAD wurde in einer alten Hütte im Wald geschrieben und aufgenommen, auf einem Militärgelände im dunkelsten Dorset, inmitten von schwerem Geschützfeuer, Blitz und Donner, seltsamen UFO Sichtungen, psychedelischen Reisen, Spirit Animals, tosenden Wellen, Feuer, Bier, Tabak, Schnaps, Distortion Pedalen, knarzenden Fenstern, spätnächtlichen Sessions, Geistern, Schlamm, Kakerlaken, riesigen Fledermäusen und einer globalen Pandemie. RABBIT HEAD ist die Zusammenkunft verlorener und wiederaufgelebter Freundschaften. Tribes ist unsere Band und eure Band. Und diese Platte zeigt den Kern von Tribes. Keine Garantien, alles auf eine Karte. Dan hat die Platte produziert. Das Artwork ist von Fee Greening. Dreht auf. Wir sehen uns bei unseren Gigs.“
Flashback: SLIPPERY WHEN WET erscheint
Am 18. August 1986 erschien SLIPPERY WHEN WET. Mit 28 Millionen Exemplaren rangiert die Platte an 21. Stelle der meistverkauften Studioalben aller Zeiten – ein Klassiker des 80s-Arena-Rock. Es rettete außerdem Bon Jovis Karriere, nachdem ihr zweites Album 7800° FAHRENHEIT gefloppt war.
Die Rettung kam in Person von Songwriter Desmond Child, der mit Jon und Richie die Durchbruch-Hits ›You Give Love A Bad Name‹ und ›Livin‘ On A Prayer‹ schrieb. Auch ohne ihn gelang dem Duo aber großartiges Material: die „Rockstar als Outlaw“-Hymne ›Wanted Dead Or Alive‹ und der Crowdpleaser ›Raise Your Hands‹. Für viele Bon Jovis bestes Album, mit einigem Abstand.

Das sexuell aufgeladene Originalcover-Artwork, das die Brust einer Dame in einem engen, gelben Shirt mit dem Titel als Aufdruck zeigt, wurde von der Plattenfirma damals abgelehnt. Lediglich in Japan gab es Versionen des Albums mit diesem Cover. Durchgesetzt wurde dann ein Artwork mit einem verwischten SLIPPERY-WHEN-WET-Schriftzug

The Dead Daisies: BEST OF
Zukunftsweisende Werkschau
Die letzten Monate waren für The Dead Daisies enorm turbulent. Mit dem Ausstieg von Glenn Hughes (Gesang, Bass) verkündete man postwendend die Rückkehr von Ex-Frontmann John Corabi (Mötley Crüe, Scream). Die vakante Position am Bass übernahm unterdessen ein neuer Charakter im Daisies-Universum: Michael Devin, der bereits mit Doug Aldrich bei Whitesnake rockte, zupft ab sofort den Tieftöner der Supergroup. Leider gibt es auf der schlicht BEST OF betitelten Greatest-Hits-Compilation keine erste Duftprobe der neuen Besetzung – obwohl ›Make Some Noise‹ erst kürzlich für den Launch des Endorsements mit Blackstar Amplification neu aufgenommen wurde. Trotz dieses kleinen Mankos ist die Zusammenstellung über jeden Zweifel erhaben. Die Allstar-Gruppe um Gründer David Lowy (Gitarre) hat in ihrer bisher elfjährigen Karriere sechs fantastische Longplayer veröffentlicht, deren Highlights auf diesem 2-Disc-Set das Mojo der Dead Daisies in den Fokus rücken.
8 von 10 Punkten
The Dead Daisies
BEST OF
THE DEAD DAISIES PTY LTD./SPV
Aerosmith: GREATEST HITS (DELUXE)
Hits, Hits, Hits!
Aerosmith feiern ihr 50-jähriges Bestehen (seit ihrem Erstling von 1973. Einmal kurz sacken lassen: 50 Jahre ist das her. Unfassbar!) nicht mit einer neuen Platte, obwohl das letzte MUSIC FROM ANOTHER DIMENSION schon über eine Dekade zurückliegt und Joe Perry wohl noch einige Ideen in petto hätte, wie er zuletzt im Interview mit CLASSIC ROCK verriet. Doch allem Anschein nach ist Mr. Tyler noch nicht (oder nicht mehr?) bereit, ins Studio zu gehen. Deshalb gibt es zur Feier des halben Jahrhunderts eine schöne GREATEST HITS in verschiedenen Ausführungen, hier liegt sie als Deluxe-CD-Edition mit stattlichen 44 Songs vor. Darauf werden fast chronologisch die vielen großen und kleineren Hits aller Platten aufgelistet, mit Ausnahme von NIGHT IN THE RUTS und ROCK IN A HARD PLACE – während der Sessions der Erstgenannten hatte sich Joe Perry ja von der Band verabschiedet, Zweitgenannte ist das einzige Aerosmith-Album ohne Perry (und fast komplett ohne Brad Whitford), dafür mit Jimmy Crespo. Vom jüngsten Album ist die Ballade ›We All Fall Down‹ vertreten, ›Just Push Play‹ bildet das Schlusslicht.
8 von 10 Punkten
Aerosmith/GREATEST HITS (DELUXE)/UNIVERSAL
Guns N‘ Roses: Neue Single ›Perhaps‹
Vor wenigen Stunden haben Guns N‘ Roses ihre neue Single ›Perhaps‹ inklusive Musikvideo veröffentlicht. Das ist die erste neue Musik der Gunners seit dem Jahr 2016, als sie die beiden Outtakes ›Hard Skool‹ und ›Absurd‹ vom Album CHINESE DEMOCRACY veröffentlichten.
Auch ›Perhaps‹ ist nicht brandneu, sondern entstand ebenfalls während eben jener Sessions. Jedoch wurde das damals von Axl Rose geschriebene Stück nun in Kollaboration mit Slash und Duff McKagan überarbeitet und neu aufgenommen. Die Single hätte eigentlich am 11. August erscheinen sollen, der Release wurde jedoch verschoben. Wohl versehentlich wurde der Song dann an diesem Tag geleakt und konnte mit der App „Touchtunes“ in manchen digitalen Jukeboxen in amerikanischen Bars gehört werden.
Elvis Presley: Der Messias
„Gebt mir einen Weißen, der wie ein Schwarzer singen kann!“, hatte der Legende nach Sun-Records- Boss Sam Phillips gefordert. Er sollte ihn bekommen. Und die Welt noch weitaus mehr: eine Revolution der Teenager – ausgelöst von einem ehemaligen LKW-Fahrer, der erst Elvis The Pelvis, dann schlicht Elvis und schon bald der King genannt werden sollte. Am 08. Januar 2015 wäre er 80 Jahre alt geworden. Wir blicken auf einige Stationen seines Lebens.
Elvis ist schuld. Elvis Aaron Presley. Schuld am Niedergang der Moral, an Jugendkriminalität, Rassenvermischung und Gottlosigkeit. Er ist ein Verführer der Jugend, ein Unruhestifter. Er vermittelt jungen Mädchen die Illusion sexueller Gefahr. ›Let Me Be Your Teddy Bear‹ singt dieser Aufrührer mit den beweglichen Hüften, doch die Bedeutung dieser Worte scheint eine andere zu sein. Amerika zeigt sich schockiert. Der Untergang des Abendlandes ist nah.
Wir schreiben das Jahr 1956. Der am 8. Januar 1935 in Tupelo, Mississippi, geborene Sänger ist 21 Jahre alt und bereits eine Millionen-Dollar- Maschine. ›Heartbreak Hotel‹, ›Hound Dog‹, ›Don’t Be Cruel‹, ›Love Me Tender‹, ›All Shook Up‹ – nahezu jeder seiner Songs springt an die Spitze der Charts. Mit seinem Aussehen, seiner Stimme und seinem wilden Sex-Appeal ist der junge Sänger ohne jede Konkurrenz. Scheinbar wie aus dem Nichts ist er plötzlich aufgetaucht, ein Heilsbringer, eine Lichtgestalt. Innerhalb kürzester Zeit wird er das Showgeschäft für immer verändern: Elvis Presley, der King of Rock’n’Roll, der Urknall des Rock, Befreier der Jugend, späterer Käfigbewohner von Graceland, fresssüchtig und tablettenabhängig, Waffennarr, einsam – und dennoch Blaupause für alle, die da nach ihm kommen sollen, von John Lennon bis zu Curt Cobain. Ohne Elvis kein Anfang. Ohne Elvis nichts als Tristesse.
VON TUPELO NACH MEMPHIS
„Das habe ich nie gesagt“, erklärte Sam Phillips, der Gründer von Sun Records in Memphis, zeitlebens immer wieder und bezog sich auf das geflügelte Wort, man gebe ihm einen Weißen, der wie ein Schwarzer singen kann, und er werde Millionen verdienen. Und damit sind wir schon mittendrin in der Mythen- und Legendenbildung rund um den King. Doch wie heißt es so schön: Ist die Geschichte besser als die Wahrheit, dann erzähl die Geschichte. Und überhaupt: An die Wahrheit zu kommen, gleicht dem Versuch, Wasser in einem Tuch nach Hause zu tragen. Überliefert ist aber immerhin dies: Dass es Marion Keisker war, Sam Phillips’ Sekretärin und Vorzimmerdame, die Elvis’ Talent erkannte und ihn entdeckte. „Guter Balladensänger“, vermerkt sie nach einem Vorsingen in den Sun Studios, „im Auge behalten“, und notiert sich die Anschrift des jungen, gutaussehenden Mannes mit der Tolle und den Koteletten. Eine Handlung mit Folgen, auch wenn es die Sekretärin nicht ahnt.
Denn Aufbruch und Rebellion liegen keineswegs in der Luft. Ruhe und eine dumpfe Gelassenheit herrschen im Süden der Vereinigten Staaten, alles hat seine Ordnung. Farbige (die man noch straffrei Nigger rufen darf) sitzen hinten im Bus, der Ku-Klux- Klan geht weitgehend unbehelligt seinen rassistischen Neigungen nach, Bigotterie und Fortschrittsgläubigkeit, wohin man auch sieht, und aus den Radios und Juke-Boxes tönen glattgebügelte Nummern von Frank Sinatra, den Chordettes und Johnny Ray. Was Marion Keisker, die Sun-Records- Sekretärin, nicht ahnt: Die Sozialisation des jungen Mannes, den sie als guten Balladensänger einstuft, vollzog sich für einen im Süden der USA aufwachsenden Weißen ein wenig anders als üblich.
Die Eltern des späteren King, Gladys und Vernon Presley, sind arm. Bitterarm sogar. In den USA herrscht 1935 immer noch die Wirtschaftskrise. Als Sohn Elvis zur Welt kommt, ist Mutter Gladys Näherin und Vater Vernon fährt Milch aus. Von seinem Arbeitgeber Orville Bean hat er ein Grundstück und Holz zugewiesen bekommen, mit dem er eigenhändig ein Zwei-Zimmer- Häuschen mit Außenklo zimmert, das allerdings Eigentum des Arbeitgebers bleibt und für das die Presleys Miete bezahlen.
Gladys bringt 1935 Zwillinge zur Welt, doch das erstgeborene Baby ist tot. Eine halbe Stunde später hält Vernon Presley das zweite im Arm, dem er den Namen Elvis gibt – ein Anagramm von „lives“: „lebt“. Vernon Presley ist oft arbeitslos. Als er wieder einmal keinen Ausweg weiß, fälscht er einen Scheck von seinem Arbeitgeber Orville Bean. Der Betrug fällt auf, und Vernon wird für anderthalb Jahre auf die berüchtigte Parchman-Farm verbracht. Doch damit nicht genug: Bean jagt Gladys mitsamt ihrem dreijährigen Kind aus dem Haus. Eine Reihe von Umzügen beginnt.
In der Schule ist Elvis aufgrund seiner Zartheit das Ziel von Spott und Hänseleien. Einen Ausgleich findet er früh in der Musik: im Blues, im Country, mehr aber noch in der Gospelmusik. „Seit ich ein Kind war, wusste ich, dass etwas mit mir geschehen würde“, äußert sich Elvis später einmal. „Ich hatte keine Vorstellung, was es sein würde, aber es war ein Gefühl, dass die Zukunft irgendwie hell schien.“ Diese Schilderung trifft es nicht ganz. Der Legende nach war Elvis ein einfacher LKW-Fahrer und wurde durch Zufall entdeckt. Tatsächlich aber ist es sein frühes Interesse an jeder Art von Musik, die Elvis für seine spätere Karriere positioniert.
Die Presleys leben in Tupelo am Rande eines Viertels namens Shakerag, dem Black Quarter des Ortes. Gierig saugt der junge Elvis die Musik der dort wohnenden Farbigen auf. Darüber hinaus ist er bereits als Schüler oft im Studio des Radiosenders WELO zu Gast, wo Carvel Lee Ausborn alias Mississippi Slim regelmäßig eine Live-Sendung bestreitet. Mississippi Slim (nicht der Blues-, sondern der gleichnamige Country-Sänger) wird Elvis’ erstes Idol. Der Junge folgt ihm überallhin. Im Gegenzug bringt der Countrybarde seinem jungen Fan erste Gitarrentricks bei. Jung-Elvis tritt sogar ein paar Mal in Ausborns Radioshow auf.
Doch die Weichen für die spätere Karriere werden durch etwas anderes gestellt: Die Behörden von Tupelo, damals ein kleines 6.000-Einwohner- Kaff, legen Vernon Presley nahe, den Ort zu verlassen, angeblich, weil er des Öfteren Schweine verkauft, die ihm nicht gehören. So verlassen die Presleys im September 1948 mit ihrem 13-jährigen Sohn Mississippi und übersiedeln nach Memphis. Ihre komplette Habe passt in den Kofferraum und auf das Dach ihres alten 1939er-Plymouth.



