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Stephen Stills – Der zweite Frühling

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crosby-stills-nash-01_finalEr ist das „S“ in Crosby, Stills, Nash & Young. Und er hatte die Ehre, mit Hendrix zu jammen, mit den Beatles abzuhängen und mit Neil Young in Saitenteam zu bilden. Was für eine Karriere…

Stephen Stills erlebt gerade einen zweiten Frühling: Er ist 64 Jahre alt, hat soeben eine Compilation mit raren Manassas-Mitschnitten veröffentlicht und parallel dazu eine Live-Aufnahme seines 2008er-Gigs im Londoner „Shepherd’s Bush Empire“ auf den Markt gebracht. Zudem ist er auf der hoch gelobten Crosby, Stills & Nash-Zusammen­­stellung DEMOS zu hören, die Graham Nash produziert hat. Und mehr noch: Nash ist gerade dabei, ein eigenes Boxset für Stills zu konzipieren, auf dem sowohl Aufnahmen aus dessen Zeit bei den Au Go-Go’s und Buffalo Springfield als auch aktuelle Recordings enthalten sein sollen. Und obwohl Stephen Stills in jüngster Vergangenheit des Öfteren mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte, rockt er immer noch mit seinen beiden alten Weggefährten – im Moment arbeiten die Drei gemeinsam mit dem Produzenten Rick Rubin an einem Album, außerdem kommen sie im Sommer auf Europa-Tournee.

All das wäre eigentlich schon genug Arbeit, doch Stills kann einfach keinen Gang zurückschalten. Daher will er unbedingt noch die Jam-Session veröffentlichen, bei der er und Jimi Hendrix sich Ende der Sechziger beeindruckende Saitenduelle geliefert haben – sollte er die Freigabe dafür bekommen, ist hier mit einer baldigen Veröffentlichung zu rechnen.

Die vielen Aktivitäten scheinen Stills zu beflügeln: Im Gespräch mit CLASSIC ROCK wirkt er frisch und voller Energie – und diesen ersten Eindruck bestätigt Stills nur zu gerne: „Ich will mich nicht mehr auf meinen Lorbeeren ausruhen. Denn die sind inzwischen ziemlich angestaubt.“

Stephen, dein PIECES-Album, auf dem du rare Aufnahmen von Manassas zusammengestellt hast, wird mit Lob über-schüttet. Wie fühlt sich das für dich an?

Ich habe zu viel Zeit mit euch Journalistenvolk verbracht, um den Fehler zu machen, mir selbst öffentlich auf die Schulter zu klopfen. Das bringt nur Ärger. Aber dennoch hat es natürlich Spaß gemacht, einige der alten Song-Schätze hervorzukramen, zu entstauben und kleinere Unsauberheiten zu beseitigen. Außerdem war es eine große Freude für mich, Chris „Curly“ Hillman, Joe Lala und Al Perkins beim Spielen zuzuhören – das habe ich lange Zeit nicht mehr getan. Dabei waren wir die erste Country-Rock-Bluegrass-Steel-Latin-Band überhaupt. Und eine verdammt gute noch dazu!

1972 hast du mit Manassas im Londoner „Rainbow“-Club gespielt. Stimmt es, dass du zu dieser Zeit permanent in England gelebt hast?
Nur teilweise, ich bin nie komplett aus den USA übergesiedelt. Aber ich hatte damals gerade für 100.000 Pfund Ringo Starrs Anwesen in Brookfields erworben, das ihm zuvor von Peter Sellers verkauft worden war. Die Zeit in Surrey war einfach eine der besten Phasen meines Lebens. Ich habe das Landleben geliebt: den Geruch von frisch gemähtem Gras, die klare, reine Luft… Und ich bin sogar zum Cricket-Spieler geworden – die Regeln kenne ich heute noch. Manchmal schaue ich mir sogar wichtige Wettkämpfe auf Sky TV an.

Ansonsten habe ich viel Zeit damit verbracht, in meinem Bentley die Gegend zu erkunden – aber nur, wenn die Straßen leer waren. Und immer wenn ich nach London musste, bin ich ins Bag O’Nails oder ins Ronnie Scott’s gegangen. Kurz gesagt: Ich war ein glücklicher Mann, und das spiegelte sich auch in meinen Songs wider. Aber meine Kollegen hatten auch unter mir zu leiden, denn ich konnte arg anstrengend sein. Manchmal habe ich einen Koch kommen lassen und danach das Haus hermetisch abgeriegelt, um in aller Ruhe an neuen Stücken arbeiten zu können. Die Jungs mussten proben und proben und proben, bis ich zufrieden war. Ich lag auch häufig im Bett und konnte nicht schlafen – also bin ich aufgestanden und habe die anderen aufgeweckt, um weiter an den Nummern zu feilen. Ab und zu sind sie allerdings schon vor mir wach gewesen…

Du hast einmal gesagt, dass du Manassas nur gegründet hast, weil du genug von dem ganzen Crosby, Stills, Nash & Young-Brimborium hattest. Doch nach einer Weile fehlte es dir dann doch, nicht wahr?
Zuerst war ich überfordert von den Ausmaßen, die das Projekt Crosby, Stills, Nash & Young angenommen hatte. Ich musste einfach Abstand gewinnen und etwas Neues ausprobieren. David Crosby war da ganz anders drauf – er hat es genossen, ein Star zu sein und im Mittelpunkt zu stehen. Schließlich war es genau das, auf das er sein Leben lang hingearbeitet hatte. Ich erinnere mich noch daran, dass wir mit der Band nach England kamen und in der Royal Albert Hall auftraten: Damals stelle ich fest, dass jeder von den Jungs wesentlich berühmter war als ich. Aber es störte mich nicht, im Gegenteil: Nur daher hatte ich überhaupt noch Luft zum Atmen.

Also hast du dich in Surrey niedergelassen. Mit welchen anderen Musikern bist du zu dieser Zeit in engem Kontakt gewesen?
Ich bin mit viel George Harrison, Ringo Starr und Eric Clapton abgehangen, als ich an meinem ersten Soloalbum gearbeitet habe. Eric kam oft auf ein Schwätzchen vorbei. Und dadurch, dass wir zwei Jahre lang ständig bei Ronnie Wood zu Hause gefeiert haben, konnte ich jede Menge Ideen sammeln und mich mit anderen Musikern austauschen.

Vor allem die Ratschläge der Beatles haben mir viel bedeutet. Sie sagten zu mir: „Mach dein eigenes Ding und lass dir nicht drein-reden!“ Aber von ihnen kam auch der Tipp: „Sieh zu, dass du nicht zu viel Erfolg hast. Denn das Musikgeschäft ist hart, und an der Spitze wird die Luft sehr, sehr dünn!“

Sowohl Jimi Hendrix als auch Eric Clapton wirken auf deinem Solodebüt mit – sie sind in ›Old Times, Good Times‹ beziehungsweise ›Go Back Home‹ zu hören. War es schwierig, sie zu überreden?
Nun, in Kalifornien war es üblich, dass jeder auf den Alben eines anderen Musikers mitspielen konnte, wenn er das denn wollte. Für mich war es zwar nicht immens wichtig, die beiden auf der Platte zu haben, denn mein Ruf war inzwischen ja etabliert. Insofern war das Ganze nicht geplant, sondern wirklich spontan. Eines Abends kam Eric vorbei, und wir haben uns stundenlang Variationen von The Champs’ ›Tequila‹ ausgedacht. Danach sind wir ins Studio und haben den Song aufgenommen. Es ging alles unglaublich schnell über die Bühne. Er hat seine Gitarre eingestöpselt und losgelegt. Wir konnten den ersten Take verwenden, denn sein Sound war einfach fantastisch. Ich weiß nicht, ob es wirklich das beste Solo ist, das er je eingespielt hat, aber es hat mich definitiv inspiriert. Und Jimi Hen-drix? Der war einfach ein Gott. Punkt. Ich habe ihn mehrfach live gesehen, mit unterschiedlichen Musikern, und es war jedes Mal ein beeindruckendes Erlebnis. Seltsamerweise hatte ich allerdings den Eindruck, dass er selbst die Magie, die auf seinen Platten zu spüren ist, nie wirklich wahrgenommen hat…

Du hast zu Beginn deiner Karriere mit Buffalo Springfield, dann Crosby, Stills, Nash & Young und deinen ersten Soloalben große Erfolge gefeiert. Mit Manassas ging es dann in kommerzieller Hinsicht bergab. Woran lag das deiner Meinung nach?
Mir ist der Ruhm wohl etwas zu Kopf gestiegen, um ehrlich zu sein. Mit Manassas haben wir es schlichtweg übertrieben. Die Musik an sich war völlig in Ordnung, und ich bin mir sicher, dass wir damit auch gute Verkäufe hätten erzielen können, wenn nur die Texte nicht so absolut dämlich gewesen wären. Sie waren lächerlich – und ich meine damit nicht lächerlich-cool wie etwa bei Monty Python…

Als ich nach der Zeit in England in die Staaten zurückgekehrt bin, ging es richtig hoch her bei mir. Ich habe gefeiert, was das Zeug hält. Geld spielte keine Rolle, und ich dachte nicht eine Sekunde über die möglichen Konsequenzen meines Handelns nach. Es war wie im Schlaraffenland – alles war im Überfluss vorhanden. Es ist mir nicht einmal aufgefallen, dass unser Management Kohle unterschlagen hatte – schließlich war genug davon vorhanden. Noch dazu habe ich einige falsche Entscheidungen getroffen. Und dann kam Neil Young und stahl mir die Show, aber wer will schon über den reden…

Nun ja…
Ist gut, ich weiß schon, dass ihr das wollt. Ist auch kein Problem, denn ich liebe ihn. Er ist ein toller Gitarrist, der die verrücktesten, abgefahrensten Dinge spielen kann. Ironischerweise war er bei Buffalo Springfield immer derjenige, der sich auf der Bühne keinen Millimeter bewegt hat, während ich wie ein Wilder rumgesprungen bin. Und jetzt hat er noch all seine Energie, während ich mich mit etlichen Zipperlein herumplagen muss. Ich schätze, ich muss nun den Preis dafür zahlen, dass ich mich damals so verausgabt habe. Aber Neil und ich treffen uns auch heute noch ab und zu, um gemeinsam die Sau rauszulassen. Das gefällt mir, denn wir waren schon immer ein perfektes Team.

Klappe die Zweite! (Teil 1)

Nach unseren 100 wichtigsten Rockfilmen aller Zeiten präsentieren wir nun die 75 persönlichen Lieblinge und Geheimtipps der Redaktion und der Fachjury. Hier findet ihr die ersten 25.

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Die Lieblingsalben der CLASSIC ROCK-Redaktion

Diese Alben waren bei den CLASSIC ROCK-Redakteuren 2014 ganz oben mit dabei:

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Die besten Live-Videos von Jeff Lynne und ELO

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Jeff LynneZum heutigen 72. Geburtstag des Electric Light Orchestra-Bosses haben wir unsere fünf Live-Favoriten von Jeff Lynne gesucht.

Seht hier eine wundervolle Akustik-Version von ›Can’t Get it Out of My Head‹:

Jeff Lynne mit ELO performen ›Evil Woman‹ live in London 1976:

In seinem Video zu ›Mercy Mercy‹ hat Jeff viermal Spaß mit sich selbst:

2014 spielte Lynne mit seinem Electric Light Orchestra im Londoner Hyde Park:

Auch auf der 2001er „Zoom Tour“ coverten ELO Chuck Berrys ›Roll Over Beethoven‹:

Marianne Faithful – UMNEBELTE ERINNERUNGEN

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Photo of Marianne FAITHFULL

Selbst wenn Marianne Faithfull aus jener aufregenden und tragischen Morrison-Zeit in Paris nicht mehr alle Details weiß – ein gewisses Gefühl wird sie wohl nie vergessen: „Über ihm schwebte immer der Tod.“ Womit sie allerdings nicht Jim Morrison meint, sondern Jean de Breteuil, den „Dealer der Stars“ – ihren damaligen Freund.

Das Mayfair Hotel in London, Ende 2010. Marianne Faithfull ist eigentlich hier, um ihr aktuelles Album HORSES AND HIGH HEELS zu promoten und dann ihren 64. Geburtstag zu feiern. Und zwar standesgemäß. „Ich weiß einen aufwändigen Lebensstil zu schätzen“, erklärt sie, rudert aber gleich wieder zurück: „Mit meiner Musik habe ich nie sonderlich viel Geld verdient, doch die Zeit mit Mick Jagger hat mich eben verdorben. Ich betrachtete mich schon deshalb als reich, weil ich mit den Stones abhing – und die waren nun wirklich stinkreich. Ich bin’s leider noch immer nicht, bewohne aber dennoch in Paris ein wunderbares Apartment mit einem riesigen Kamin.“ Wer so viel erlebt hat wie Marianne Faithfull, der schweift auch gerne einmal ab, lässt das neue Album Album sein, spricht z.B. über die Stones und – Stichwort Paris – eben auch über die Geschehnisse im Juli 1971.

Aber der Reihe nach: Talitha Getty, Schauspielerin, Stilikone der Beat-Ära und seit 1966 Ehefrau des millionenschweren Ölerben John Paul Getty Jr., pflegte Ende der sechziger Jahre nicht nur beste Kontakte zur britischen Rock-Prominenz, sondern auch zu einem gewissen Jean de Breteuil. Der blendend aussehende Sohn aus aristokratischem Hause avancierte alsbald zum Liebhaber der neun Jahre älteren Millionärsgattin – und zu ihrem Drogendealer. Das illustre Paar lernte Marianne Faithfull durch Mick Jagger kennen, der damals bereits seine Fühler kräftig in Richtung Jet-Set ausstreckte. Als Jagger dann 1970 Marianne Faithfull zugunsten des nicaraguanischen Models Bianca Pérez-Mora Macias – der späteren Mrs. Jagger – abservierte, begann Faithfulls Affäre mit de Breteuil, der damals die halbe Rockwelt mit Heroin versorgte. Ein Todesengel, wie sich herausstellen sollte.

Rückblende nach Paris ins Jahr 1971. Eine Legende besagt, dass Marianne Faithfull Jim Morrison noch kurz vor seinem Tode gesehen hätte, doch die Angesprochene wiegelt energisch ab: „Ich war zur selben Zeit in Paris, das ist wahr. Aber ich habe ihn nie gesehen, hatte nie etwas mit ihm zu tun. Dass ich seine ‚Sister Morphine‘ gewesen sei, wurde schon häufiger behauptet, aber ich war es definitiv nicht. Ich bin nicht sie.“ Dass de Breteuil Morrisons Freundin Pamela Courson mit Heroin versorgte, ist unzweifelhaft, ob die beiden auch eine Affäre hatten, kann Marianne Faithfull jedoch nicht bestätigen: „Ich weiß es nicht.“ Ganz genau erinnert sie sich allerdings an de Breteuils panische Reaktion auf Pamelas Anruf: „Er sagte: ‚Ich habe ihn getötet‘ und verschwand. Ich hatte Tuinal genommen und war vollkommen weg, weshalb ich auch nicht mitbekam, was eigentlich vor sich ging. Irgendwann kehrte er dann zurück und schlug mich, woran ich mich noch sehr genau erinnere. Er war in schrecklicher Verfassung, oder besser gesagt: in noch schrecklicherer Verfassung als sonst. Wir flüchteten sofort nach Marrakesch zu seiner Mutter. Erst später konnte ich mir einen Reim auf alles machen: Jim Morrison war tot, und Jean hatte das Mordwerkzeug geliefert.“

An Roger Steffens (siehe Seite 28), der das Paar in Marrakesch kennen lernte, entsinnt sich Faithfull indes kaum noch, auch, dass es kurz zuvor einen Autounfall sowie den Selbstmordversuch eines von Jeans Freunden gegeben haben soll, kann sie nicht ohne weiteres bestätigen – was zum einen daran liegen dürfte, dass es 40 Jahre her ist, zum anderen, dass Faithfull ihre Umwelt damals mehr oder minder dauerstoned wahrnahm: „Kann sein, dass wir diesen Mann in Marrakesch trafen, aber mehr kann ich wirklich nicht dazu sagen. Einen Autounfall, in den wir verwickelt waren, könnte es aber durchaus gegeben haben, zumindest kann ich mich sehr vage daran erinnern. Und was den angeblichen Selbstmord betrifft: In Jeans Fahrwasser begingen ständig irgendwelche Leute Suizid oder starben an Überdosen, er war wirklich ein ziemlich schrecklicher Typ. Selbst mir wurde irgendwann klar, dass er ein Fluch für die Menschheit war.“

Faithfulls Selbsterhaltungstrieb gewann schließlich die Oberhand, der Graf musste gehen: „Nachdem wir Marokko verlassen hatten, gab ich ihm den Laufpass. Ich wollte kein weiteres seiner Opfer werden. Er hatte irgendetwas mit Jims Tod zu tun, und das war wirklich zuviel für mich.“

So leicht ließ Jean de Breteuil aber offenbar nicht locker: „Als ich mich 1971 im Haus meiner Mutter in Oxfordshire erholen wollte, tauchte er dort plötzlich auf und bemühte sich erneut um meine Gunst. Aber über ihm schwebte immer der Tod. Glücklicherweise hatte ich in Paris nur Tuinal genommen und nicht sein verdammtes Heroin. Nach unserer Trennung hatte ich dann wirklich meine dunkelsten Stunden durchlebt. Alle, die mit Jean zu tun hatten, waren dem Tod geweiht. Jim, Pamela, alle starben. Und dann verreckte er schließlich selbst an einer Überdosis, und zwar auf die schrecklichste Art und Weise. Nur ich entkam. Dieses Junkie-Dasein macht einen kaputt, man verliert leicht die Kraft und den Willen zu überleben. Aber ich habe mich nie auf-gegeben, ich ging immer davon aus, dass ich es schaffen könnte. Was mir ja letztlich auch gelang.“

Im Gegensatz zu Talitha Getty, deren Name ebenfalls auf de Breteuils Gefallenenliste landete: Das Glamourgirl der sechziger Jahre verstarb am 14. Juli 1971 in Rom, selbstverständlich an einer Überdosis Heroin – nur elf Tage nach Jim Morrison. Auch Janis Joplin, die bereits im Oktober 1970 überdosiert hatte, ging vermutlich auf sein Konto. Leichen pflasterten seinen Weg, und Graf Jean de Breteuil folgte ihnen schließlich nach: 1971 war auch für den 22-jährigen „Dealer der Stars“ das Ende gekommen.

Marianne Faithfull, die Überlebende, hat dem gefährlichen, aber unter Umständen eben auch lukrativen „Rock’n’Roll Circus“ längst abgeschworen. Die alten Stones-Songs, die sie einst als Jaggers Muse inspirierte, hört sie schon lange nicht mehr, und mit dem Rockstar-Jet-Set, konkreter: der Stones-Entourage, hat sie auch nichts mehr zu schaffen. „Mick lief mir mal bei einem Konzert zufällig über den Weg, aber dass uns eine Freundschaft verbindet, wäre wohl stark übertrieben. Manchmal treffe ich Charlie Watts, denn der lebt auch in Paris, und was Keith angeht: Ich mag ihn einfach. Nicht auf die Art, dass ich ihm jedes Jahr eine Weihnachtskarte schicke, aber mein neues Album kriegt er schon, und einen kleinen Brief dazu.“

Was ihre selbstzerstörerische Vergangenheit betrifft, geht Marianne Faithfull mit sich selbst hart ins Gericht: „Jetzt, wo ich seit langem clean bin, macht es mich richtiggehend krank. Heroin ist schlecht, Kokain womöglich noch schlechter. Es ruiniert einen, so einfach ist das. Nach meinem Entzug wurde ich rückfällig, nahm Kokain, Schlaftabletten und trank. Koks und Alkohol gab ich auf, da ich mir mittlerweile eine Hepatitis C eingefangen hatte. Zum Schluss mussten die Schlaftabletten dran glauben – abgesehen von den Zigaretten. Ich bin wohl eine suchtgefährdete Person, was soll ich da machen? Ich würde ja mit dem Rauchen aufhören, aber ich habe Angst, dass ich dann richtig fett werde.“

Als sich das Gespräch dem Ende zuneigt, bestellt sie etwas zu Essen und macht es sich auf dem Sofa bequem. „Ist es nicht lächerlich? Mein Schicksal war es, mich immer alleine durchzukämpfen, ich war nie Mitglied einer Gang. Und jetzt fühle ich mich wie eine ‚Grande Dame‘. Natürlich könnte ich mir dieses Hotelzimmer nie und nimmer leisten, aber sie lassen mich gratis drin wohnen. Vielleicht bin ich am Ende ja doch eine Berühmtheit.“

Phil Spector – The Fall Of Sound

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Von lichten Höhen und tiefen Abgründen

Produzent mit dem goldenen Händchen, durchgeknallter Egomane, verurteilter Mörder: Die Popkultur hat bekanntlich jede Menge Exzentriker hervorgebracht, doch Phil Spector gebührt selbst  in dieser Riege eine Sonderstellung.  Die gut abgehangene Phrase, laut  der Genie und Wahnsinn eng beieinander liegen, trifft in seinem Fall den Nagel wirklich auf den Kopf.

Fällt der Name Phil Spector, dann entfleuchen dem popkulturellen Bescheidwisser spontan drei kleine Worte: Wall of Sound. Nur: Was ist das eigentlich? Begeben wir uns gedanklich in die frühen 60er Jahre zurück und stellen uns einen konventionellen Popsong jener Ära vor. Man hört Bass, Gitarre, Schlagzeug, vermutlich ein Piano, Leadgesang und die damals beliebten Doo-Be-Doo-Backgroundchöre. Ende der Vorstellung. Auftritt Phil Spector: Der verfuhr nach dem naheliegenden, in den USA ohnehin beliebten Motto „bigger is better“ und rüstete mächtig auf: Streicher und Bläser, Elektro- und Kontrabass gedoppelt. Drei Gitarristen und zwei Schlagzeuger, die exakt das Gleiche spielten, ergänzt um zusätzliche Percussionisten. Und weil das alles noch nicht reichte, legte er so viel Hall auf die Aufnahme, dass sie klang, als sei sie in einer Kathedrale mitgeschnitten worden. Die reine Wucht. Warum das Ganze? Weil Pop damals in den USA vornehmlich im Mittelwellenradio lief, das dank mangelnder Bandbreite keine Höhen übertrug (das tut es bis heute nicht). Der junge Durchschnittskonsument besaß zu-dem keine dicke HiFi-Anlage, sondern ein kleines Transistorradio mit blechernem Klang. Doch Spector-Produktionen klangen selbst im batteriebetriebenen Taschenradio, Made in Japan, ungewöhnlich fett. Ein Alleinstellungsmerkmal. Und: absolut stilprägend.
Der Aufstieg

Aber der Reihe nach: Phillip Harvey Spector, am 26. Dezember 1939 ins jüdisch-kleinbürgerliche Milieu der New Yorker Bronx hineingeboren, gründete mit 19 Jahren die Band The Teddy Bears, für die er den Song ›To Know Him Is To Love Him‹ komponierte – der 1958 prompt Platz 1 der amerikanischen Charts erreichte. Was ihm umgehend den Ruf des „Pop-Wunderkinds“ einbrachte, denn dass ein 19-jähriger Nobody einen Nummer-1-Hits zustande brachte, galt Ende der 50er Jahre, als das Metier noch von professionellen Kompositionsteams dominiert wurde, als echte Sensation. Spector weilte kurzzeitig in Hollywood, wo er von Stan Ross, dem Teilhaber der „Gold Star Studios“ protegiert wurde, der ihm die Grundzüge der Schallplattenproduktion nahebrachte. Spector lernte schnell, sehr schnell, und kehrte kurz darauf zurück nach New York, um beim Songwriterteam Jerry Leiber und Mike Stoller in die Lehre zu gehen und den letzten Schliff zu erhalten. Leiber/Stoller waren damals eine echte Macht, das Duo hatte Hits für The Coasters, The Drifters und nicht zuletzt Elvis Presley geschrieben, darunter Klassiker wie ›Hound Dog‹ und ›Jailhouse Rock‹.
Heute würde man Spectors Umtriebigkeit als „Networking“ bezeichnen, der ehrgeizige junge Mann knüpfte in der Tat hilfreiche Kontakte – die ihm allerdings gar nichts gebracht hätten, sofern er nicht mit dem entsprechenden Talent gesegnet gewesen wäre. Und Talent hatte er wirklich. Als Pop-Songwriter, der seine Zielgruppe kannte. Aber vor allem als Produzent.
1961 war es dann soweit. Gemeinsam mit Lester Sill, der zuvor mit einem anderen aufstrebenden Künstler namens Lee Hazlewood zusammengearbeitet hatte, gründete Spector ein neues Label. Der Name Philles Records ergab sich aus den Kurzformen ihrer beiden Vornamen, doch schon im Jahr darauf übernahm Spector die Anteile seines Kompagnons und wurde mit 21 Jahren Amerikas jüngster Chef einer Plattenfirma. Und wieder war vom Wunderkind die Rede, vom innovativen Überflieger, der genau wusste, was „Teenage America“ will und braucht. Erst recht, als die Philles-Single ›He’s A Rebel‹, gesungen von The Crystals, im März 1962 Platz 1 der Billboard-Charts erreichte. Spector hatte damit sein Erfolgsrezept gefunden: Girl-Groups, die teenagerelevante Stücke sangen, umgeben von der bombastischen Wall of Sound, für die eine Reihe Studiomusiker in Los Angeles verantwortlich zeichnete. Die hatten sich nach einer Eingebung des Schlagzeugers Hal Blaine den Spitznamen The Wrecking Crew zugelegt: Eine lose Gruppe ausgebuffter Sessionprofis, die in den 60ern so ziemlich alles und jeden begleitete, der in Los Angeles Musik aufnahm, darunter auch The Byrds, The Monkees und Simon & Garfunkel. PET SOUNDS von den Beach Boys? Verfeinert von der Wrecking Crew, den besten Instrumentalisten, die seinerzeit an der Westküste verfügbar waren. Den formidablen Bass auf diesem Album spielte auch nicht zwangsläufig Brian Wilson, sondern die wunderbare Carol Kaye. Im Grunde waren es klassische Sidemen (plus Sidewoman Kaye), deren Namen nur selten auf Plattenhüllen auftauchten, doch manche Mitglieder der Wrecking Crew erspielten sich auch als Solisten die adäquate Prominenz, etwa Mac Rebennack alias Dr. John, Leon Russell, Glen Campbell, Barney Kessel und Jack Nitzsche. Warum diese Leute so ungemein wichtig waren? Weil sie genug Geduld, Kompetenz und Erfahrung mitbrachten, auch die abgefahrensten Ideen des jungen Maestros zu realisieren.
Dessen erfolgreichster Philles-Act war neben den Crystals (›Da Doo Ron Ron‹, ›Then He Kissed Me‹) das Girl-Trio The Ronettes, das mit Stücken wie ›Be My Baby‹ und ›Walking In The Rain‹ – 1965 mit einem Grammy Award ausgezeichnet – Spectors Reichtum, Ruhm und Ehre mehrte. Spector produzierte aber auch das pompöse ›You’ve Lost That Lovin’ Feelin’‹, 1965 eine Nummer 1 für die Righteous Brothers, sowie den Klassiker ›River Deep, Mountain High‹ von Ike & Tina Turner.
Aber Mitte der 60er Jahre wehte der Zeitgeist plötzlich aus einer ganz anderen Richtung. Die Hipster der Stunde empfanden Spectors typischen Girl-Pop als reichlich angestaubt, denn die neuen Frauen in der Rockmusik, etwa Grace Slick von Jefferson Airplane und natürlich Janis Joplin, trugen keine adretten Bienenkorbfrisuren mehr und verspürten auch wenig Lust, irgendwelche Highschool-Dramen zu singen, in denen es um erste Küsse und letzte Abschiedsgrüße ging. Auf einmal war der Senkrechtstarter von einst nicht mehr innovativer Neutöner, sondern Repräsentant jener „naiven“ Popmusik-Phase, die mit dem Erscheinen der um künstlerische und spirituelle Horizonterweiterung bemühten Hippie-Kultur nur noch als gestrig galt. Fakt ist: Spector verlor damals langsam die Lust am Business, woran sicherlich auch steigender Drogenkonsum seinen Anteil hatte. 1967 zog er sich aus der Branche zurück und heiratete ein Jahr später die Ronettes-Frontfrau Veronica Bennet alias Ronnie Spector. Das Ende der Geschichte? Noch lange nicht. Zum einen, weil Spectors Produktionsstil längst auch von anderen Künstlern kopiert wurde: The Walker Brothers etwa gründeten ihre ganze Karriere auf der wagnerianischen Opulenz á la Spector, Queen, der großen Geste zugetan, sollten sich in Zukunft einiges vom Altmeister abschauen, ebenso wie manche Prog-Rocker mit ihren großorchestrierten Experimenten. Beach Boy Brian Wilson erklärte ihn noch in den 60ern zum Genie und Vorbild, die Beatles outeten sich zeitgleich als große Fans seiner Arbeiten. Womit das nächste Kapitel eingeläutet wurde.

Gewinnt ein CLASSIC ROCK-Abo!

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CR_LOGO_GOLDDas Christkind hat heute Nacht noch ein kleines Präsent für euch unter den CLASSIC ROCK-Weihnachtsbaum gelegt, und zwar ein Jahres-Abo eures Lieblingsmagazins.

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Motörhead – „Man kann die Idioten nicht aufhalten – nur ignorieren“

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_Opener_motorhead_lemmy_RJP_1234HCLemmy Kilmister hat ein hartes Jahr hinter sich. Wegen anhaltender gesundheitlicher Probleme ihres Frontmannes mussten Motörhead zahlreiche Shows absagen. Zwar wirkt der Rock-Altmeister noch immer ein wenig schwach auf der behaarten Brust, aber zumindest hat der lange Zeit als unverwüstlich geltende 68-Jährige seinen unsteten Lebensstil inzwischen an die veränderten körperlichen Rahmenbedingungen angepasst – ein bisschen. An die Stelle des obligatorischen Whiskey-Cola ist Wodka mit Orangensaft getreten, an dem Lemmy während des anderthalbstündigen Gesprächs in einer Hamburger Nobelherberge nur ab und an nippt. Auch geraucht wird nur noch gelegentlich. Von seinem sprichwörtlichen Humor indes hat der alte Bärbeiß trotz dieser Einschränkungen kein Jota eingebüßt.

Hattest du schon Gelegenheit, dich in der Stadt umzusehen?
Ach weißt du, ich bin nicht mehr so gut zu Fuß. Aber morgen will ich ein wenig auf die Reeperbahn. Vielleicht ist es meine letzte Chance. Es gibt da ein Antiquitätengeschäft, da möchte ich nach Nazi-Memorabilia stöbern für meine Devotionalien-Sammlung.

Du hast es bereits selbst angedeutet: Gesundheitlich hast du eine schwierige Zeit hinter dir.
Ich hatte zwei Operationen! Erst haben sie mir einen Defibrillator eingepflanzt. Dann hatte ich einen Leistenbruch. Und zu guter Letzt Nierenversagen. In diesem Jahr hatte ich wirklich eine Menge Spaß! Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich wieder optimistisch in die Zukunft schauen konnte.

Heilungsprozesse dauern nun mal ihre Zeit.
Ja, aber eigentlich sollte man nach einer Operation doch kuriert sein. Stattdessen ging es mir schlechter! Jetzt arbeite ich mit einem Physiotherapeuten, um wieder zu Kräften zu kommen. Ich bin noch nicht bei 100 Prozent, aber es ist okay.
Slash soll während deiner Rekonvaleszenz des Öfteren vorbeigeschaut haben.
Slash war großartig! Er hat ja auch einen Herzschrittmacher, nur dass man seinen nicht sehen kann, meinen schon. Er ist jeden Tag gekommen, um zu sehen, wie es mir geht. Ein wirklich guter Freund!

Ist es schwierig, im Rockbiz Freundschaften aufrechtzuerhalten?
Nicht, wenn man es möchte. Weißt du, es gibt jede Menge Leute, die fahren am Wochenende nach Hause, ziehen sich gewöhnliche Klamotten an und sind nicht mehr in der Band. Ich hingegen bin 24 Stunden am Tag Lemmy. Mich können sie jeder Zeit erwischen, weil ich unverwechselbar bin. Aber für mich ist das okay. Wenn du berühmt werden willst, beschwer dich nicht, wenn du es tatsächlich bist.