Johnny Cash: Der Mythos lebt

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Johnny Cash: Der Mythos lebt

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Er wusste also nicht, wer Nine Inch Nails sind?
(lacht) Garantiert nicht. Und ich bin mir nicht sicher, ob Rick ihm überhaupt die Original-Version vorgespielt hat. Ich denke, es war eher ein Demo mit Gitarre und Gesang, wie er es öfter gemacht hat. Mein Dad hat sich das dann angehört und entschieden, ob er damit etwas anfangen kann oder nicht. Bei einigen Sachen ist er auch zu mir gekommen: „Denkst du, dass ich das machen sollte?“ Und bei ›Hurt‹ war ich mir erst nicht sicher. Eben weil es so heftig und schmerzvoll ist. Aber er hielt es für ehrlich, und für etwas, das er so noch nicht gesagt hatte, aber jetzt zum Ausdruck bringen könnte.

Wie erklärst du dir die anhaltende Popularität von Johnny Cash, der bis heute eine Million Alben pro Jahr verkauft?
Er wird immer wieder neu entdeckt. Jede Generation da draußen ist von ihm fasziniert – von seiner Ehrlichkeit, seiner Fähigkeit, sich selbst neu zu erfinden und dabei nie seine Integrität zu verlieren. Also auch einfach mal seinen Schmerz, seine Trauer und seine düsteren Seiten zu zeigen – aber immer respektvoll gegenüber allen und jedem.

Da er in seinen letzten Jahren so kreativ war: Wusste er, dass seine Zeit ablief, dass er nicht mehr lange hatte?
Es war so, dass er zu diesem Zeitpunkt nur noch die Musik hatte. Er konnte nicht mehr lesen, weil seine Augen so schwach waren. Er war alleine, weil meine Mutter nicht mehr da war, und er konnte sich schlecht konzentrieren. Aber er liebte die Musik. Sie war das einzige Medium, über das er sich ausdrücken konnte.

War die Beziehung zu deiner Mutter, zu June Carter, wirklich so harmonisch, wie sie immer dargestellt wird? Oder ist das eine romantische Verklärung?
Sie hatten definitiv ihre Probleme. Nur: Die Leute schauen sich „Walk The Line“ an und denken, dass alles Friede, Freude, Eierkuchen war. Das war es definitiv nicht. Richtig glücklich – und das ist das Seltsame – waren sie erst in ihren letzten Jahren. Da waren sie sich so nah wie nie zuvor. Und das Irre ist: Irgendwie sind sie immer noch hier. Denn ihr Geist ist allgegenwärtig. Ihre Songs berühren Millionen von Menschen. Und ihr Werk dominiert mein gesamtes Leben. Von daher sind sie noch so lebendig, wie sie es immer waren. Vielleicht werden sie mich auf diese Weise sogar noch überleben. (lacht)

Letztes Jahr wurde das Johnny-Cash-Museum eröffnet und das Cash-Haus in Arkansas generalüberholt. Wird das ein zweites Graceland? Stehen uns Johnny-Cash-Fußmatten und Golfbälle bevor?
Niemals! Und dafür wäre das Haus auch nicht groß genug. Es ist winzig – und unglaublich bescheiden. Eben ein kleines Holzhaus. Und ein Stück amerikanischer Geschichte. Das wäre es auch ohne Johnny Cash. Einfach, weil es zeigt, unter welchen Bedingungen Menschen während der Prohibitionszeit gelebt haben. Der Grund, warum wir viel Geld in eine authentische Restaurierung gesteckt haben, ist nicht, um daraus eine Touristenattraktion zu machen, sondern um etwas vor dem Verfall zu bewahren, das für Hunderttausende von Amerikanern in den 20/30er Jahren stand – nämlich das Leben in ganz bescheidenen Verhältnissen. Insofern ist es eher ein Anti-Graceland.

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