Foo Fighters: Die Retter

Dave Grohl und Butch Vigg in Austin

Der Interviewer

Wobei die Band einmal mehr auf die Dienste von Produzent Butch Vig (Nirvana, Smashing Pumpkins, Garbage) zurückgreift, von Gästen wie Joe Walsh, Joan Jett, Rick Nielsen (Cheap Trick) oder Gary Clark Jr. begleitet wird und die Sessions nicht nur in Bild und Ton festgehalten hat, sondern den Aufenthalt in diversen US-Metropolen auch dazu genutzt hat, um lokale Freunde und Ikonen zu treffen, um mit ihnen über ihre Heimat, ihre Karriere und ihre Musik zu sprechen. Wofür Grohl, so gibt er mit verschmitztem Lächeln zu, weit über Einhundert Interviews geführt hat. Darunter alte Weggefährten wie Ian MacKaye von Fugazi, die Bad Brains, Henry Rollins oder Steve Albini, aber auch Altmeister wie Joe Walsh, Paul Stanley von Kiss, Nancy Wilson von Heart sowie Künstler, die man nicht unbedingt mit ihm assoziieren würde – etwa Dolly Parton, Pharrell Williams oder Willie Nelson. „Ich habe jedem dieselbe Mail geschrieben. Nämlich: „Hi, mein Name ist Dave. Ich bin in einer Band namens The Foo Fighters und ich habe diese Dokumentation ´Sound City´ gedreht. Jetzt starte ich ein neues Projekt, für das ich gerne über Musik reden würde.“ Und ich schätze dieser simple Ansatz, von wegen Musiker reden über Musik, hat vieles vereinfacht.“
Trotzdem, und das gibt er offen zu, sei auch er, der sonst so cool ist, durchaus nervös gewesen als es darum ging, einige der ganz großen Namen des Musikgeschäfts zu treffen. „Und wie! Bei Willie Nelson war ich sogar super-aufgeregt. Ich habe seine Publizistin extra noch mal angerufen und gefragt: „Ist er ein guter Gesprächspartner?“ Und sie: „Oh, er ist toll. Frag ihn nur nicht nach der Vergangenheit.“ (lacht) Was mich kein bisschen entspannter gemacht hat. Ich musste mir also überlegen, wie ich einen Bogen um dieses Thema mache. Aber im Grunde war er sehr entgegenkommend und nett. Und es war mir eine Ehre, da mit ihm zu sitzen und über Nashville, Austin, Texas und Countrymusik zu reden. Es gibt Leute, die dafür sterben würden – ich habe es überlebt.“

Meeting Obama

Genau wie sein Treffen mit Präsident Obama, den er im Weißen Haus besucht hat. Nicht zum ersten Mal, schließlich hat sich Grohl bereits für seine Kandidatur und seine Wiederwahl eingesetzt, aber doch erstmals in der Funktion des ernsthaften Interviewers mit Kamerateam. „Es ist so: Wenn du es ins Weiße Haus geschafft hast, ist die Atmosphäre ziemlich entspannt. Denn sie lassen dich da gar nicht rein, ehe sie nicht wissen, ob du OK bist. Und ursprünglich sollte ich gerade mal 15 Minuten mit Obama haben, aber wir haben dann 45 Minuten geredet, was sehr nett war und in erster Linie daran lag, dass ich der letzte Termin des Tages war und er seine Krawatte lockern und einfach über Musik reden konnte. Eben über die Geschichte der amerikanischen Musik, aber auch über Amerika als ein Land, das einem die Möglichkeit gibt, große Dinge zu tun. Denn egal, was hier schief läuft: Das Land bietet dir die Freiheit, jemand wie Buddy Guy zu sein.“

King Buddy

Ein Gitarrist, der als einer der prägenden Vertreter des Chicago-Blues gilt, sämtliche Größen von Hendrix über Clapton, Jimmy Page bis hin zu Stevie Ray Vaughan geprägt, aber erst Ende der 80er/Anfang der 90er so etwas wie kommerziellen Erfolg erlebt hat und heute – mit 78 – der Nachbar von Black Keys-Gitarrist Dan Auerbach in Nashville ist. Wobei Grohl noch ein bisschen mehr in ihm sieht: Nämlich die Verkörperung des berühmten amerikanischen Traums, der weit mehr als ein Mythos sei. Man müsse nur an ihn glauben: „Buddy Guy hat seine ersten Gitarren aus Drähten und Holz von seiner Veranda gebaut. Er hat sie sich nicht gekauft, er hat sie aus Teilen seines verdammten Hauses zusammengesetzt. Außerdem hatte er nicht mal ein Radio, sondern er hat nur die Musik gehört, die beim Baumwollpflücken in den Feldern oder beim Singen in der Kirche angestimmt wurde. Und sich unter diesen Bedingungen zu einer Legende zu entwickeln, die die komplette Welt verändert hat, das beruht einfach auf der Vielzahl von Möglichkeiten, die dir Amerika bietet.“

Der amerikanische Traum

Da ist der sonst so weltoffene Musikus auch mal ganz ungeniert patriotisch. Mehr noch: Er schwingt sich gar zum Missionar auf. Was ein Land, das im Dauerkriegszustand ist und Unsummen für Rüstung ausgibt, während sein Bildungs- und Sozialsystem, die Infrastruktur und die Wirtschaft in Schutt und Asche liegen, nur zu gut gebrauchen kann. Und was ihm keineswegs peinlich ist: „Ich schwenke keine Fahne, ich verehre Amerika nicht als etwas Göttliches, aber ich betone, dass es dir Möglichkeiten bietet, die nicht überall vorhanden sind. Denn seien wir ehrlich: Was für Buddy gilt, gilt ja irgendwie auch für mich. Ich bin ein Schulabbrecher, der in harten Jobs geschuftet hat, die harte körperliche Arbeit verlangten, und nebenbei Punkrock gespielt. Schaut, wie weit ich es gebracht habe: Ich bin jetzt in der Rock´n´Roll Hall Of Fame, ich rede mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Womit ich sagen will: Das kann im Prinzip jeder erreichen – wenn er nur an sich glaubt und die sich ihm bietenden Gelegenheiten nutzt.“

(Weiter geht es auf Seite 4)

Foo Fighters ›In The Clear‹:

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