Foo Fighters: Die Retter

Butch Vigg in New York

Rock´n´Roll Hall Of Fame

Momentan lautet der musikalische Konsens-Künstler im Hause Grohl übrigens Lorde, eine 17jährige Neuseeländerin, von deren ›Royals‹ auch Dave nicht genug bekommt, und die er im April sogar zur Einführung von Nirvana in die Rock´Roll Hall Of Fame eingeladen hat. Eine späte künstlerische Anerkennung, auf die er extrem stolz ist. Und für deren stilvolle Umsetzung Krist Novoselic, Pat Smear und er sich einiges haben einfallen lassen. „Kurt war ein Feminist“, setzt Dave an. Und als wir überlegten, mit wem wir bei diesem Anlass spielen könnten, wurde schnell klar, dass es Sängerinnen sein müssten. Ich meine, zunächst haben wir gar nicht in Erwägung gezogen, überhaupt aufzutreten. Aber als sich herausstelle, dass genau das von uns erwartet wurde, dachten wir: „OK, wie kriegen wir das auf eine Art und Weise hin, die Kurt den Respekt entgegenbringt, den er verdient?“ Und es waren jede Menge Namen im Spiel – bis jemand Joan Jett erwähnte, die First Lady des Rock´n´Roll. Sie war diejenige, auf die wir uns sofort einigen konnten. Eben, weil wir sie alle toll finden. Dann hieß es: „Wie wäre es mit Kim Gordon?“ Einfach weil sie und Kurt gute Freunde waren, und weil Sonic Youth zu unseren Helden zählen. Also: „Klar, lasst uns Kim fragen.“ Bis der erste Einwand kam: „Wir sollten auch jemand jüngeren und zeitgemäßen dabei haben. Was ist mit Lorde?“ Und Lorde war meine Idee, weil ihr Song ›Royals‹ ein Hit in Amerika geworden war, obwohl er nichts mit dem zu tun hat, was in der aktuellen Popmusik passiert. Er ist so etwas wie eine kleine Revolution – in einem Haufen Bullshit.“

Die Versöhnung

Das Ergebnis: Ein Abend, der nicht nur in einer denkwürdigen Jam-Session in einem kleinen Club in Brooklyn endete, sondern auch in einer großen Versöhnung mit Courtney Love. Die hat Dave seit über 20 Jahren das Leben schwer gemacht, weil sie seinen Erfolg (und ihren gleichzeitigen Karriereknick) nicht akzeptieren wollte, ihm sogar sexuelle Belästigung, eine Affäre mit Cobain-Tochter Francis Bean und die Schuld an Kurts Suizid vorwarf, nur um plötzlich auf Schmusekurs zu gehen. Bei dem Dave nur zu gerne mitspielte. „Sie hat es mir wirklich nicht leicht gemacht, ihr entgegenzukommen. Aber letztendlich sind wir eine Familie. Und ich habe das Gefühl, dass viele Leute Musiker und Bandmitglieder wie Figuren in einem Theaterstück betrachten. Einfach, weil es ihnen schwer fällt, sie sich als echte Menschen mit ganz normalem Leben vorzustellen. Aber wir sind eine große Familie: Chris, Pat, Courtney und all die anderen. Da ist es unvermeidlich, dass es mal Schwierigkeiten gibt. Doch an diesem Abend – und gerade wegen der Emotionalität und der Symbolkraft dieses Events – haben wir all den Scheiß weggelassen und uns gegenseitig in den Arm genommen.“ Eben, wie Menschen das so tun. Das war wichtig und gut.“

Zukunftsmusik

Und wie denkt er über Courtneys Pläne, einen Film über Nirvana zu drehen? „Na ja, wie bei allem, was von ihr kommt, bleibt erst einmal abzuwarten, ob das auch wirklich passiert. Also ob das ein reales Projekt ist oder reines Wunschdenken. Aber wenn es dazu kommt, möchte ich gerne von Robert Rodriguez gespielt werden. Ich fürchte nur, damit komme ich nicht durch“, spricht´s und schüttelt sich vor Lachen. „Ansonsten frage ich Jay von den Foo Fighters UK. Der würde das sogar umsonst machen.“ Womit die heutige Audienz beendet ist. Man sieht sich spätestens im Sommer 2015, wenn die Foos für Festivals (Rock Am Ring/Rock Im Park) und später (im Herbst) noch einmal für eine Arena-Tour nach Deutschland kommen. „Wer weiß“, grinst Dave, “vielleicht lassen wir vorher noch die Holy Shits auf euch los. Die sind ja auch nicht schlecht.“ Wohl wahr!

Foo Fighters ›The Feast And The Famine‹:

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