The Dead Daisies: Backstage auf Klassenfahrt

Der Tross setzt sich in Bewegung, zurück den Flur entlang, einige Treppen herab, bis alle in einem unter die Haupttribüne zementierten Tunnel landen, wo zwei schwarze Vans mit verdunkelten Scheiben warten. Kurzerhand wurde noch ein zusätzlicher Pass aufgetrieben: „Du kommst jetzt einfach überallhin mit“, heißt es vom Management. Die Fahrzeuge setzen sich in Bewegung und erreichen das Stadioninnere durch das große Marathon-Tor und chauffieren die Daisies Richtung Bühne. „Ja, ich weiß, das ist schon ziemlich Rock’n’Roll“, witzelt John Corabi ironisch, „was aber noch besser ist, sind Tafeln, auf denen der Name des Auftrittsortes steht. Die will ich auf dieser Tour auch haben, Dave! Obwohl das auch nach hinten losgehen kann. Als ich damals mit Mötley Crüe in Japan war, hatte ich die Dinger auch. Die Crew schrieb mir die Städte immer in Lautschrift auf. Das ging gut, bis wir in Fukushima spielten und ich das Publikum begrüßte: ‚Fuc U She Ma!‘ Und alle nur: ‚Schon klar! Fuck you selber, Corabi!‘ Diese Säcke spielten mir ständig solche Streiche“, lacht er.

Und schon ist die kurze Fahrt vorbei und alle betreten im Gänsemarsch die große Bühne über eine klappernde Metalltreppe. Dort stehen schon die Drum-Kits von Accept und natürlich dem heutigen Headliner Kiss aufgebaut. Überhaupt ist jede freie Ecke mit Kiss-Requisiten besetzt. Vorbei an Vinnie Paul, der jetzt sein Schlagzeug an einem etwas prominenteren Ort erneut aufbaut, gehen Marco, Dizzy, John, Tommy, Richard und Dave zum Monitor-Mischer, wo jeder seine In-Ears samt Empfänger bekommt. Nach kurzem und freudigem Small-Talk mit einem Kiss-Stage-Funktionär beginnt die 40-minütige Show der Daisies oder wie Marco sagt: „Yeah, die beste Zeit des Tages!“


Fotos: Paul Schmitz

Das Stadion füllt sich leider nur langsam, aber diese Band ist live ebenso mächtig wie ihr Album. Man sieht, dass hier gerade sechs Fische in eine riesige Schüssel Wasser geworfen wurden. Den meisten Festivalbesuchern dürften die Dead Daisies noch kein Begriff sein, jedoch schaffen es Corabi und Co., mit jedem Song und spätestens mit den Covers von ›Hush‹ und dem finalen ›Helter Skelter‹ das Publikum für sich zu gewinnen. Die Zeit, wie es bei einem solchen undankbaren Slot eben der Fall ist, vergeht viel zu schnell und alle treten einander zum Auftritt gratulierend direkt den Rückweg via Shuttle an. „Das hat funktioniert! Ich konnte sehen, wie immer mehr Leute ein Lächeln im Gesicht hatten“, meint Tommy noch im Auto. „Ich hoffe es war kein Lachen! Das macht ja doch einen Unterschied“, frotzelt Richard.

Im Dressing Room angekommen, ist die Stimmung jetzt deutlich gelöster. Nach dem Essen, bei dem Marco seinem inoffiziellen Ruf als einer der weltweit erfolgreichsten Entsafter-Zerstörer alle Ehre gemacht hat, tritt jetzt Dizzy Reed, einst „the man with the empty beerholders“, in Aktion. Neben Späßen über einen gewissen Lars, der an diesem Wochenende auch noch auftreten soll, und bizarren Erlebnissen als Rockstar-Hochzeitsmusikant teilt Dizzy jetzt noch weiteres Wissen. Er gönnt sich ein paar „Jäger-Bombs“ und weiht einen, für dieses Vorhaben als Kumpanen geeignet scheinenden, diese kulinarische Sensation betreffend aber ahnungslosen Journalisten in deren Zubereitung ein – ganz zum Amüsement seiner Band-Kollegen: „Du machst die Flasche auf, nimmst etwas davon, dann gießt du etwas hiervon dort hinein und ex! Wie geht es dir? Gut? Dann noch einer!“

1 KOMMENTAR

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here