The Damned: „Wir leben noch, was für eine Überraschung!“

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The Damned: „Wir leben noch, was für eine Überraschung!“

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Du sprichst von The Damned als Experiment: Welche Phasen empfindest du rückblickend als besonders gelungen – und welche gar nicht?
Unsere 77er-Besetzung war großartig, wenn auch komplett außer Kontrolle. Wir besaßen ein legendäres Gespür dafür, Unruhe zu stiften und Chaos zu erzeugen. Sachen gingen kaputt, Pläne wurden zerschossen, viele Konzerte waren heillose Schlachtfeste. Gut nur, dass die Leute damals noch keine Handykameras hatten, sonst stünde das alles auf YouTube – und schmeichelhaft wäre das eher nicht.

Vielleicht wäre genau das gut fürs Geschäft gewesen: ein paar öf­­fentlichkeitswirksame Skandale.
Es war ja nie unser Ziel, einen Skandal zu erzeugen. Wir waren einfach so. Aber im­­mer­hin waren wir da­­mals eine wirkliche Punkband.

Gibt es denn unwirkliche Punkbands?
Klar, guck dir ein paar dieser kalifornischen Millionärs-Punk-Bands an: Wir haben ihnen die Tür geöffnet, sie haben Pools, wir zählen bis heute unsere Pennies. Aber egal, ich denke, wir hatten im Leben mehr zu lachen. Und: Wir leben alle noch – was für eine Überraschung, wenn ich daran zurückdenke, was wir alles angestellt haben.

Es fehlt noch die Damned-Phase, die du am wenigsten magst.
Ganz klar, die Goth-Periode. Unser Gitarrist, Songwriter und Bandchef Brian James hatte The Damned 1977 verlassen, wir anderen hatten überhaupt keine Ahnung, wie man einen Song schreibt. Nun standen wir vor der Aufgabe, genug Material für ein ganzes Album zu komponieren. Während ich mich an eingängigen Stücken versuchte, entwickelte Dave dunkleres Zeug. Lieder wie ›Plan 9 Channel 7‹ oder ›These Hands‹ zeigten bereits in Richtung Goth, bevor dieses Genre überhaupt existierte. Wer damals Dave in seinem Apartment besuchte, sah es aber bereits kommen: Pentagramme, schwarze Katzen, ständig geschlossene Gardinen – das war kein Punkrock-Le­bensstil mehr, da lag nicht eine einzige dreckige Unterhose her­um. (lacht)

Als The Damned mehr und mehr zur Goth-Band wurden, hattest du deine Solo-Hits mit Songs wie ›Happy Talk‹ und ›Wot‹. Kein Zufall, oder?
Nein. Dave hat ausgenutzt, dass ich nicht mehr dabei war. Aber kein böses Wort darüber, es lief ja gut für die Band. Wobei es uns diese Phase bis heute schwer macht, eine funktionierende Setlist zusammenzustellen. Zu viele Goth-Songs am Stück – und die Punks gehen zur Bar. Und umgekehrt.

In welcher Phase steckt die Band denn jetzt?
Es gibt eine sehr gute Tribute-Band, Tokyo ­Damned: Vielleicht sollten die jetzt übernehmen und alle Gigs für uns spielen? (lacht) Nein, nein, wir machen einfach weiter, wenn auch mit deutlich weniger Exzessen als früher. Für die Zuschauer ist das eine gute Nachricht, denn es gibt keine Gigs mehr, die wir komplett in den Sand setzen, weil wir zu besoffen sind, um unsere Instrumente zu bedienen. Zudem genieße ich es, morgens ohne Kater aufzuwachen, denn das gibt mir die Chance, endlich ein wenig von den Städten zu sehen, in denen wir spielen. Das haben wir früher nie geschafft, da hatten wir andere Sorgen.

Welche Stadt hat dich zuletzt begeistert?
München. Wobei, eigentlich habe ich dabei gar nicht an mich gedacht, sondern an Mrs. Sensible. Sie liebt Knödel und Weißbier! In München war ich übrigens, um ein Video mit LaBrassBanda zu drehen…

…für eine Bläserversion von ›Wot‹…
…das war eine irre Erfahrung. Eigentlich bin ich ein überzeugter Nicht-Tänzer, doch diese Gruppe hat mich dazu gebracht, mich sehr exaltiert zur Musik zu bewegen. Nach dem Dreh zogen wir durch die Stadt, sie haben mich sogar davon überzeugt, eines Tages Lederhosen zu tragen. Wobei es eine vegane Version sein muss, mit Kunstleder. Gibt es sowas? Dann her damit!

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