She Rocks: Kate Bush – Running Up That Hill

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She Rocks: Kate Bush – Running Up That Hill

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„Jede Frau, die man an einem Klavier sieht, ist entweder Lynsey de Paul oder Carole King“, sagte sie 1977 im „Melody Maker“. „Und die meiste männliche Musik – nicht alles, aber die guten Sachen – überrumpelt dich förmlich. Sie drückt dich richtig an die Wand. Das möchte ich auch tun. Ich will, dass meine Musik sich aufdrängt. Das gelingt nicht vielen Frauen.“

Dieses „Aufdrängen“ erweist sich oft als Trojanisches Pferd, düstere Themen, die in süße Melodien verpackt werden und charismatischen Charme spielen lassen. Sie ist zu einer der wertvollsten Figuren in der britischen Musik geworden, indem sie einfach sie selbst geblieben ist. Oder, in den Anfangsjahren, indem sie sie selbst blieb, während sie diverse andere Figuren verkörperte. Und sich dann versteckte und uns mit dem unauslöschlichen Eindruck zurückließ, den sie schon gemacht hatte. Bowie, um das offensichtlichste Beispiel zu nennen, spielte ganz ähnlich mit seinem Image, doch es war immer eine Gratwanderung, zwischen auffälligen Charakteren und einem weißen Blatt Papier zu changieren.

Ihre Mutterschaft führte zu einer zwölfjährigen Pause zwischen den Alben, was vermutlich nicht ganz absichtlich geschah. Und selbst nachdem sie sich 2014 bei diesen Konzerten in Hammersmith offenbarte, nachdem sie so lange ein reiner Mythos geblieben war, eine Fantasie, bleibt sie auch weiterhin ein Geheimnis, ein nie verblassendes Faszinosum. Wir ziehen den Hut vor diesem seltsamen Phänomen.

Im April 1979 erwähnten Kritiken zu ihrer ersten, sechswöchigen Tournee ihre „schamlose Sexbesessenheit“ und be­­klagten, das man „abgelenkt wird davon, wie Katy [sic] in einer riesigen, mit Satin ausgeschlagenen Pralinenschachtel herumgeschoben wird.“ Andere lobten „die beste Verbindung aus Rock und theatralischer Präsentation, die wir wohl je erleben werden.“ Bush hatte eine knappere Meinung dazu: „It was lovely.“

Die Tourprogramme kosteten 1,50 Pfund und versprachen „Magie, Schauspiel und Illusionen.“ Mit Tänzern, Kulissen, Effekten und 17 Kostümwechseln war die Show vielleicht radikal für diese Ära, aber doch eher primitiv im Vergleich zu ihrem Comeback im 21. Jahrhundert. Aber selbst in rein technischer Hinsicht war sie bahnbrechend. Da Bush oft von ihren Tänzern in die Luft gehoben und umhergetragen wurde, hatte sie nicht immer die Hände frei, um ein Mikrofon zu halten. „Mein Tontechniker erfand also praktisch die drahtlosen Mikros, die man heute sieht“, sagte sie. „Er baute es aus einem alten Kleiderbügel, den er zurechtbog.“
Die nüchterne Zurückhaltung der meisten Kritiker ging bei den Auftritten 2014 schnell über Bord. Selbst die härtesten Schreiber waren er­­griffen, als uns die Fortschritte in der Bühnentechnik eine Kulisse bescherten, die wie der Meeresboden aussah, auf dem bizarre Kreaturen lebten. Dann erhob sich plötzlich ein etwas unheimliches Wohnzimmer aus dem Ozean, komplett mit Sofa, Stehlampe und Fernseher.

Die Tourprogramme kosteten wohl deutlich mehr als 1,50 Pfund, doch dafür bekamen wir eine blendend helle Scheinwerfertraverse zu sehen, die auf das Publikum zu- und wieder zurückfuhr und dabei Geräusche wie Rotorblätter machte – gleichsam angsteinflößend und aufregend. Später gab es ein ländliches Idyll mit Malern, Wildvögeln, Mannequins und einem Mond, und als krönender Abschluss ließ sich Kate schließlich Flügel wachsen und flog davon. Es war wie eine magische Kombination aus Bowies „Glass Spider“-Tour und Pink Floyds „The Wall“, nur dass es eben völlig anders war als alles, was es je zuvor gegeben hatte.

Es gab Gründe dafür, dass Kate in ihrer Jugend so lange nicht auf Tour gegangen war, warum es so lang gedauert hatte, bis sie sich wieder auf eine Live-Bühne traute. Ein Teil der Motivation war, dass sie ihren Sohn Bertie einbinden, seine Musikkarriere lostreten (das hoffte sie zumindest) und als stolze Mama sein Gesangstalent zeigen wollte. Die meisten Zuschauer empfanden ihn allerdings eher als irritierend. Doch die Mutterschaft war nicht der einzige Grund dafür, dass sie sich drei Jahrzehnte lang nicht hatte blicken lassen.

Die sogenannte „Tour Of Life“ war von einer Tragödie überschattet worden. Ihr Lichttechniker Bill Duffield war durch einen Hohlraum gestürzt und Tage später seinen Verletzungen erlegen. Kate war tief getroffen. Sie erwähnte ihn später in zwei Songs: ›Blow Away‹ von 1980 und dem unerträglich treffenden ›Moments Of Pleasure‹ von 1993. Außerdem störte sie sich zunehmend an dem Fokus, der auf ihre Sexualität gelegt wurde, und den notwendigen Promotion-Aktivitäten.

Also übernahmen sie und ihr enger Fa­­milienkreis mehr Kontrolle über das Management und das Geschäftliche, sie zog sich zurück, um weiterzukommen, und wurde zu einer Studiokünstlerin. Und je mehr sie sich versteckte und außerhalb ihrer aufwendigen Videos von der Bildfläche verschwand, desto mehr wuchs ihre Legende.
„Künstler sollten nicht berühmt ge­­macht werden“, sinnierte sie 1980. „Sie sind genauso wichtig wie, äh, Ärzte, Priester… oder vielleicht nicht so wichtig. Und doch haben sie diese Aura an sich, fast gottgleich, nur weil ihr Handwerk viel Geld generiert. Und…das ist eine aufgezwungene Wichtigkeit, wie bei Fußball- oder Theaterstars. Sie wird künstlich erzeugt, damit die Presse davon zehren kann.“ Und doch: Je weniger sie von sich gab, desto größer wurde ihre Aura.

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