Rock-Jahrbuch: 1980


Abgesehen von diesen Hiobsbotschaften ereignet sich im Mai nur wenig Substanzielles: Lediglich Whitesnakes READY AN’ WILLING und Peter Gabriels MELT, bei dem vor allem die Kate Bush-Kollaboration ›Games Without Frontiers‹ Begeis­terungsstürme her­vorruft, gehen als Erfolge in die Rock-Annalen ein. Paul McCartney versucht sich mit II an einem weiteren Solowerk, allerdings derart lustlos, dass er es auch gleich hätte sein lassen können.

Der Juni wartet mit gleich mehreren Alben bekannter Rocker auf. Sammy Hagar bemüht sich mit DANGER ZONE, Ted Nugent macht es mit SCREAM DREAM allerdings weitaus besser. Ebenso Blue Öyster Cult, die mit CULTOSAURUS ERECTUS zu alter Form auflaufen. Kiss dagegen legen mit UNMASKED – zu Unrecht – eine Bruchlandung hin.

In Großbritannien versucht sich Jeff Beck derweil mit THERE AND BACK weiter an der Fusion von Rock und Jazz, während die Rolling Stones sich mit EMOTIONAL RESCUE nicht gerade mit Ruhm bekleckern. Abgesehen vom Titelstück zündet kaum eine Nummer nachhaltig.

Auch der Nachwuchs schläft nicht: Bruce Dickinson beeindruckt mit seiner Leistung auf Samsons HEAD ON seine späteren Arbeitgeber Iron Maiden, und die Motörhead-Lieblinge Girlschool, eine der ersten Frauen-Rockbands, legen mit DEMOLITION den Grundstein für ihre Karriere.

Auch in Deutschland tut sich einiges in Sachen harter Musik: Accept, die schon mit ihrem 1979er-Erstwerk auf sich aufmerksam gemacht haben, legen mit I’M A REBEL nach – und verbuchen dank des Titeltracks eine erste Hymne auf ihrem Haben-Konto. Zudem sind auf der Platte erste Einflüsse der New Wave Of British Heavy Metal zu erkennen, die Udo Dirkschneider & Co. auf BREAKER weiter ausbauen.

Im Juli erreicht das Jahr seinen musikalischen Höhepunkt: Erst überzeugen Queen mit THE GAME, dann kehren AC/DC zurück. Mit dem neuen Sänger Brian Johnson veröffentlichen sie BACK IN BLACK – eine Hommage an Bon Scott, die zum erfolgreichsten Album der Band-Karriere wird. Es geht rund 42 Millionen Mal über den Ladentisch. Daneben verkommen alle anderen Veröffent­lichungen zu Rand­notizen, selbst wenn METAL RENDEZ-VOUS von Krokus mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.

Nachdem in den ersten Monaten jede Menge Klassiker-Alben erschienen sind, wird es im August Zeit für Live-Action. In England geht neben dem renommierten Reading-Festival ein neues Open Air an den Start. Es trägt einen vielversprechenden Namen: Monsters Of Rock. Und die Veranstaltung im „Doning­ton­ Park“ wird dem Titel gerecht: Dank der hochkarätigen Besetzung mit Rainbow, Judas Priest, den Scorpions, Saxon, April Wine, Riot und Touch läuft das Event gut und kann sich im Laufe der Jahre zum Kult-Festival weiterentwickeln.

Auch an der Plattenfront tut sich einiges: Während sich die beiden Prog-Giganten Jethro Tull und Yes mit ihren Platten schwer tun, bringen Michael Schenker und Ian Gillan beeindruckende Solo-Alben heraus. Zudem treten Killing Joke erstmals auf den Plan.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here