Paul McCartney – Erinnerungen sind Luxus für mich

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Vergesslich sind Sie also nicht.
Haha, ich könnte ihnen sogar sehr präzise die Plätze und Wälder zeigen, wo ich als Kind gespielt habe. Ich könnte ihnen viele Anekdoten aus meiner Schulzeit erzählen. Es ist schön, diese Orte der Erinnerungen im Geiste wieder zu besuchen, wenn man eine glückliche Kindheit hatte. Und ich war sehr glücklich damals, ich hatte wirklich eine schöne Kindheit.

Sind Sie noch oft in Liverpool?
So oft wie möglich, mindestens aber einmal im Jahr, wenn die Abschlusszeremonie der Klassen meiner Schule, der LIPA, stattfindet. Ich gehe dann durch die Straßen und denke: Ahhh, hier sind John und ich gewesen. Dort drüben haben wir Schokolade gekauft! Es ist erstaunlich, wie man sich dann plötzlich an jedes Detail erinnert.

In ›Early Days‹ erzählen Sie aber auch von Unwahrheiten, was die Beatles-Geschichte betrifft. Welche sind das?
Zu viele, um sie alle aufzuzählen. Kürzlich las ich in einem Buch, ich hätte einen bestimmten Song als Antwort auf ein Lied von John geschrieben. Und ich dachte nur: Was für ein Quatsch, wovon spricht der Autor? So was zerstört die Realität! Davon erzähle ich in ›Early Days‹. Ich erlaube mir die Anmerkung, dass die Leute, die behaupten, John oder ich hätten dieses oder jenes getan, gar nicht dabei waren. Das war mir echt mal ein Bedürfnis. Ich lasse mir meine Erinnerungen nicht nehmen, denn ich war dabei!

Es ärgert Sie also, wenn etwas unrichtig wiedergegeben wird?
Es ist kein Riesenproblem, aber ein kleines Problem habe ich damit schon! Nehmen wir zum Beispiel den Film „Nowhere Boy“ von Sam Taylor-Johnson, der 2009 rauskam. Darin gibt es eine Szene, wo John mich zu Boden prügelt. Das ist aber nie passiert! Nach langen Diskussionen mit der Regisseurin einigten wir uns darauf, dass es ja nur ein Film mit fiktiven Elementen sei. Aber ist es das wirklich? Oder geht so etwas als Tatsache in die Geschichte ein? Ich bin mir da nicht so sicher.

Und das wollen Sie jetzt richtig stellen?
Ja, ich denke dann immer: Fragt mich, ich bin doch noch hier!

„We can do what we want, we can live as we choose“, heißt es im Titeltrack ›New‹. Kann Sir Paul McCartney wirklich alles tun, was er will?
Sie wären überrascht, was ich privat so alles anstelle! Es soll ja berühmte Menschen geben, die sich Filme nur noch zu Hause ansehen. Ich gehe ins Kino wie jeder andere auch, denn ich liebe es, in Kinosälen zu sitzen. Ich gehe Shoppen, ins Fitnessstudio oder Joggen, und die Leute lassen mich in Ruhe. Ich kann wirklich so ziemlich tun und lassen, was ich will. Und künstlerisch gesehen habe ich sowieso jede Menge Freiheiten. Da bin ich in einer sehr glücklichen Position.

Man könnte Paul McCartney also in der Schlange vorm Kino antreffen?
Das können Sie, wenn Sie vor dem richtigen Kino stehen. Ich habe eine zehnjährige Tochter, mit der gucke ich viele Animationsfilme. Ich stelle mich also vor dem Kino in die Schlange. Wir kaufen Tickets, wir kaufen Popcorn, gehen rein, setzen uns hin, genießen den Film und laufen danach nach Hause. Ich liebe das! Mir ist es ziemlich wichtig, normal zu bleiben. Ich arbeite sogar regelrecht daran, mich so zu fühlen, so dass ich normal auf Menschen zugehen kann. Klar könnte ich auch einfach jemanden anrufen und sagen: „Besorgt mir ein paar Kinokarten, holt die Bodyguards und die Limo aus der Garage.“ Aber so will ich nicht leben. Ich mag das einfach nicht.

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