Unerwartet fügen die Rolling Stones ihrer aktuellen „Sixty“-Tournee durch Europa noch einen Konzerttermin hinzu. Am Mittwoch, den 3. August, spielen die Legenden in der Berliner Waldbühne.
Besonders daran ist vor allem, dass in die Location nur etwa 20.000 Menschen passen, also nur ein Bruchteil dessen, was ansonsten an Tickets auf der restlichen Stadion-Tour verkauft werden. Ab 29. Juni um 12 Uhr startet der Vorverkauf, zunächst exklusiv über Eventim.
Kanadas Mainstream-Rock startete nicht erst mit Bryan Adams. Sänger, Gitarrist und Komponist Myles Goodwyn rang mit seiner Formation April Wine bereits seit 1971 zäh um internationale Anerkennung.
Perfekter mehrstimmiger Gesang und zeitweilig drei sich duellierende Gitarren in Kombination mit melodischem Hard Rock nahmen das stromlinienförmige Konzept von Boston vorweg, was vor allem in Kanada und den USA gut funktionierte. In Europa blieben April Wine auch nach dem innovativen Vorstoß FIRST GLANCE (1978) der ewige Geheimtipp
An folgenden Terminen kommt Blues-Rock-Gitarrero George Thorogood zusammen mit seiner Band The Destroyers nach Deutschland. Als Support wird Eamonn McCormack mit von der Partie sein:
Willkommen zu unserem Countdown der besten „Unplugged“-Alben – jener (größtenteils) akustischen Juwelen, die den Regler eben nicht bis 11 aufdrehen und genau deshalb so genial sind.
Okay, hier und da finden sich noch Spuren von Elektrizität. Niemand wird behaupten, dass GN‘R LIES keine eingestöpselte Seite hatte oder Page und Plant auf UNLEDDED komplett auf Verstärker verzichteten. Doch ihr akustischer Kern machte diese Werke zu dem, was sie sind. Mit ihrem Willen, ihre ruhigere Seite zu zeigen, bewiesen die hier versammelten Künstler, dass man keine Wand aus Marshall-Amps braucht, um erstklassige Rockplatten abzuliefern.
Und ja, einige von ihnen machten mehr als ein tolles solches Album (Neil Young und Bob Dylan, wir blicken in eure Richtung…), aber wir wollten soviele Stimmen wie möglich feiern, also haben wir die Auswahl auf eine Veröffentlichung pro Act begrenzt. Und jetzt heißt es: mucksmäuschenstill sein und die leise Revolution genießen!
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J Mascis
SEVERAL SHADES OF WHY
Das Älterwerden brachte eine andere Seite in J Mascis hervor. Der erste Gitarrenheld der Slacker-Generation kehrte dem verzerrten Lärm von Dinosaur jr. den Rücken und brachte ein Soloalbum hervor, das akustische Gitarren und subtile, aber vielsagende Ausschmückungen kunstvoll übereinander schichtete.
Mithilfe einiger gleichgesinnter Kumpels – Kurt Vile, Ben Bridwell von Band Of Horses, Kevin Drew von Broken Social Scene, Pall Jenkins von Black Heart Procession und Geigerin Sophie Trudeau von Godspeed You! Black Emperor – fabrizierte er eine reduzierte Songsammlung, die andeutete, dass er im Herzen vielleicht schon immer ein sensibler Balladenautor war. Sein warmes, dösiges Genuschel erweist sich als idealer Kontrast zum lebhaften Fingerpicking seiner Gitarrenmelodien, vor allem auf dem Titelstück, dem Trudeau wunderbare Texturen verleiht. Der idyllische Folk auf ›Make It Right‹ wird von Flöte, Lap-Steelguitar und Viles Slide-Gitarre gefärbt, die plätschernden Harmonien von ›Not Enough‹ erinnern an Moby Grape in ihrem wehklagenden Zenit, ›Where Are You‹ klingt wie die Beatles in der ›Here Comes The Sun‹-Ära.
An anderer Stelle wie bei ›Listen To Me‹ und ›Very Nervous And Love‹ beruft sich Mascis auf den sanften Troubadour-Geist des frühen Neil Young. Wer hätte gedacht, dass Amerikas führender Lärmkönig so einen überzeugenden Folkie abgeben würde?
Rob Hughes Schlüsselsong: ›Several Shades Of Why‹
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The Civil Wars
BARTON HOLLOW
„I‘ve been a-waiting for you, and you‘ve been a-waiting for me“ (Ich habe auf dich gewartet und du hast auf mich gewartet), singen Joy Williams und John Paul White zu den bewegenden Streichern auf ›Forget Me Not‹. Und es war wahr: Zwei Stimmen schienen selten so dazu bestimmt, zusammen zu erklingen. Die beiden entdeckten ihre Telepathie 2008 bei einem Songwriting-Workshop in Nashville, und drei Jahre später bündelte sich diese einzigartige Chemie in einer Sammlung intimer Songs, die alle berührten, die sie hörten.
Dieser Balztanz der ineinander verschlungenen Vocals von White und Williams ließ Momente erstrahlen wie das umwerfende ›To Whom It May Concern‹ und die zum Scheitern verurteilte Romanze vom ›C‘est la mort‹ („You can sink to the bottom of the sea, just don‘t go without me“ – Du kannst auf den Meeresgrund sinken, nur geh nicht ohne mich). Doch nie schickten einem The Civil Wars mehr Gänsehaut über den Rücken als auf dem treffenden alt.Country-Meisterwerk ›Poison & Wine‹ („Oh, I don‘t love you, but I always will“ – Oh, ich liebe dich nicht, aber das werde ich immer). Es konnte kaum einen reduzierteren Song geben, doch ein Marshall-Verstärker-Turm hätte seine emotionale Wucht nur gemindert.
Der aufmerksamkeitsträchtige Einsatz von ‹Poison & Wine‹ in der US-Dramaserie „Grey‘s Anatomy“ machte die Band dann schließlich zum Mainstream-Act und setzte eine Glückssträhne in Gang, die in vier Grammys gipfelte (aber andererseits vielleicht ihr Ende 2014 beschleunigte).
Nur sehr selten hat ein so leises Album so viel Lärm gemacht.
Henry Yates Schlüsselsong: ›Poison & Wine‹
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Joe Bonamassa
AN ACOUSTIC EVENING AT THE VIENNA OPERA HOUSE
Joe Bonamassa ist normalerweise ein Künstler, nach dem man die Uhr stellen kann, doch sein erstes „Unplugged“-Album trat mit einem beinahe willkommenen Gefühl potenziellen Misslingens auf den Plan – was auch dem Blueser selbst nicht entging: „Es konnte entweder wirklich gut laufen oder wir steckten hier total in der Scheiße“, erinnerte er sich daran, wie er 2012 die Bühne betrat. „Die akustische Gitarre ist für mich wirklich wie Kryptonit.“
Zunächst hatte er geplant, auf Nummer Sicher zu gehen – „nur ich auf einem Stuhl, mutterseelenallein, der Geschichten über die Songs erzählt…“ –, bis Produzent Kevin Shirley ihn zu einem mutigeren Unterfangen animierte. Eine Elitetruppe aus ungewöhnlichen Instrumentalisten (Glockenspiel, Akkordeon, irische Geige) wurde eilig zusammengestellt, und nach dreitägigen Proben häutete sich der Gitarrist in der österreichischen Hauptstadt auf die erstaunlichste Art und Weise. Ihrer gigantischen Gitarrensoli beraubt, flogen seine Songs nur so, während ›Dust Bowl‹ und ›Driving Towards The Daylight‹ sich als ungewöhnlich treffsicher erwiesen. Seine ewig unterschätzte Stimme fand sich zudem ganz im Mittelpunkt, voller Menschlichkeit und Charakter.
…VIENNA war also nicht das Desaster, das Bonamassa befürchtet hatte. Stattdessen ist es sogar eines der Juwelen in seinem Katalog. „Ehrlich gesagt war es die erfüllendste musikalische Erfahrung meines Lebens. Niemand wollte, dass es aufhört.“
Henry Yates Schlüsselsong: ›Dust Bowl‹
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R.E.M.
UNPLUGGED: THE COMPLETE 1991 AND 2001 SESSIONS
R.E.M. waren die einzige Band, die zweimal bei „MTV Unplugged“ auftrat, und diese beiden Darbietungen im Abstand von zehn Jahren voneinander zeigten sie in sehr unterschiedlichen Phasen ihrer Karriere. 1991, nachdem sie ein Jahrzehnt lang stetig größer geworden waren, standen sie mit dem siebten Album OUT OF TIME an der Schwelle zum Durchbruch. Der erste Teil dieser Performance bestand folglich aus Stücken daraus und beinhaltet das mandolinengetriebene ›Half A World Away‹ und den Welthit ›Losing My Religion‹.
Doch die wirklich denkwürdigen Momente lagen anderswo, wenn die minimalistische Umgebung das sämige Timbre von Michael Stipes bemerkenswerter Stimme perfekt mit der inhärenten Anmut von ›Perfect Circle‹, ›World Leader Pretend‹ und ›Fall On Me‹ harmonieren ließ.
2001 hatte Schlagzeuger Bill Berry R.E.M. verlassen und sie waren etablierte Superstars. Bei ihrem zweiten „Unplugged“-Album wurde das Kerntrio um Scott McCaughey, Ken Stringfellow und Joey Waronker ergänzt. Das Ergebnis war eine satter klingende Aufnahme, die jedoch keineswegs weniger beeindruckend war. Ein seltsamer Sprenkler aus Dylans ›Like A Rolling Stone‹ schlich sich in den Text zu ›Country Feedback‹, während einige der neueren Stücke – ›All The Way To Reno‹, ›At My Most Beautiful‹ – einen unverrückbaren Beweis dafür lieferten, dass die Band nichts von ihrer emotionalen Schlagkraft eingebüßt hatte.
Diese Kollektion aus 33 Songs ist ein gefundenes Fressen für Fans uns zeigt R.E.M. so roh und ungefiltert wie sonst keines ihrer Werke.
Rob Hughes Schlüsselsong: ›Fall On Me‹
21
Status Quo
AQUOSTIC (STRIPPED BARE)
Der unglaubliche Erfolg dieser Platte überraschte wirklich jeden – inklusive der Band selbst. Nach fünf Jahrzehnten, in denen sie Zwölftakt-Riffs in donnernder Lautstärke am laufenden Band produzierten, waren Status Quo zur lebenden Legende des Headbanging geworden. Wer aber etwas tiefer in die Materie eintauchte, entdeckte die Vielfalt in ihrem Katalog.
AQUOSTIC (dessen witziges Coverfoto übrigens kein Geringerer als Bryan Adams schoss) brachte diese unbekanntere Seite an die Oberfläche. Wohlbekannte Arrangements erstrahlten in neuem Glanz und mit Gastmusikern inklusive eines Akkordeonspielers, einer Background-Sängerin und sechs Streichern wurde die melodische Seite der Briten regelrecht abgefeiert. Nur zehn Monate vor Erscheinen des Albums sagte Francis Rossi: „Quo unplugged? Der Gedanke lässt mir den Arsch zucken. Das wäre ungefähr 20 Minuten lang gut“. Rick Parfitt hatte mehr für die Idee übrig, hasste aber den Titel. „Das beschwört irgendwie etwas Phallisches in meinem Kopf herauf, wie ein Schwanz, der in die Luft ragt. A Quo stick [ein Quo-Stock].“
Doch das Ergebnis sprach für sich, und nach der letztjährigen „The Last Night Of The Electrics“-Tour wird es von nun an nur noch aquostisch weitergehen.
Dave Ling Schlüsselsong: ›Don‘t Drive My Car‹
20
Guns N‘ Roses
GN‘R LIES
Nach dem elektrisierenden Hardrock ihres Debüts APPETITE FOR DESTRUCTION bezeichnete man die junge Band aus Los Angeles schon als „die neuen Aerosmith“. Doch was sie 1988 ein Jahr später nachschoben, war so brillant wie unerwartet: vier akustische Tracks auf GN‘R LIES, die nicht an Aerosmith, sondern an die größte Rock‘n‘Roll-Band von allen erinnerten: die Rolling Stones.
GN‘R Lies war kein normales Album. Die erste Hälfte war eine Wiederveröffentlichung ihrer ersten EP LIVE ?!*@ LIKE A SUICIDE von 1986 – berühmt geworden als gefakete „Live“-Aufnahme aus einem Studio. Doch das akustische Material der Platte strotzte nur so vor Ehrlichkeit, im positiven wie im negativen Sinne. In der wunderschönen Ballade ›Patience‹, einem weltweiten Hit, und dem Faux-Country ›Used To Love Her‹ mit dem schwarzhumorigen Text hörte man Echos der Stones.
Dazu kam eine tolle, entschlackte Version von ›You‘re Crazy‹ von APPETITE. Und zum Abschluss gab es schließlich den kontroversesten Songs, den Guns N‘ Roses je aufnahmen: ›One In A Million‹, wo Axl Rose sich hämisch über „ni*****“ und „faggots“ ausließ. Das war damals schockierend und ist es bis heute. Und die unbequeme Wahrheit ist, dass Axl mehr von seiner Seele in dieses Stück steckte als in jedes andere.
Ist Todd Rundgren nicht in erster Linie Musiker? Schon, aber auch als einfallsreicher Produzent hinterließ er tiefe Spuren, ebenso als Förderer neuer Technologien.
Seinem Biographen Paul Myers vertraute Todd Rundgren 2010 etwas an: Er betrachte sich gar nicht als Produzenten und nutze das Studio lediglich als Werkzeug, um musikalische Darbietungen zu realisieren. Okay. Aber entspricht das nicht haargenau der Definition eines Produzenten? Schon,oder? Wie dem auch sei: Todd Harry Rundgren, 1948 in Philadelphia geboren, zog nach der Auflösung seiner Band Nazz nach New York, wo er 1969 den Folk-Impresario und Dylan-Manager Albert Grossman kennenlernte. Der hatte gerade sein Bearsville-Studio nahe Woodstock eröffnet und suchte Personal.
Als Toningenieur betreute Rundgren STAGE FRIGHT von The Band, produzierte mit RUNT das Debütwerk seiner eigenen Gruppe, sowie das erste Lebenszeichen von Halfnelson, die kurz darauf unter ihrem neuen Namen Sparks reüssieren sollten. Derlei Zweigleisigkeit war fortan Programm, einerseits verfolgte Rundgren seine eigene Solokarriere, andererseits produzierte er Acts wie Grand Funk Railroad, Hall & Oates und die New York Dolls. Was ihn schon damals auszeichnete, war seine grenzenlose Neugier auf innovative Technologien, vor allem Synthesizer hatten es dem Multiinstrumentalisten angetan.
Im Gegensatz zu manch gelernten Tontechnikern und Produzenten pflegte er jedoch stets einen ziemlich freigeistigen Do-it-yourself-Ansatz: Gut ist, was interessant klingt – ganz egal, ob die dazugehörige Bedienungsanleitung vor „unsachgemäßem Gebrauch“ warnt. Der ganz große Coup gelang dem tendenziell exzentrischen Mischpult-Magier 1977 mit Meat Loafs BAT OUT OF HELL. Mit den Herren Aday, Steinman und Rundgren hatten sich zweifellos die Richtigen gefunden, hier wurde nicht gekleckert, sondern opernhaft geklotzt und pompös aus allen Rohren geschossen. Ein Jahr später organisierte Rundgren das erste interaktive TV-Konzert, in den 80ern zählte er dann zu den Pionieren digitaler Produktionstechniken.
Computer und das Internet eröffneten ihm schließlich ganz neue Perspektiven, mit NO WORLD ORDER veröffentlichte er 1994 die erste interaktive CD, bei der die Hörer auf das laufende Programm Einfluss nehmen konnten. Private Fun-Facts werden in dieser Rubrik gemeinhin komplett ignoriert, sofern sie keine beruflichen Auswirkungen hatten. Doch war es eben eine gewisse Bebe Buell, mit der Rundgren in den 70ern liiert war. Also zu jener Zeit, als sie eine Affäre mit Steven Tyler hatte. Deren gemeinsame Tochter Liv, geboren 1977, trug zuerst den Nachnamen Rundgren (netter Zug, Todd!), das „Tyler“ kam erst später hinzu. Aber eigentlich heißt sie ja ohnehin Arwen Undómiel, oder? Aber zurück zu Todd: Der stand 2019 für die Aufnahme in die Rock And Roll Hall Of Fame zur Debatte, woraus aber nichts wurde. Wie er einer Zeitung in Charleston, South Carolina verriet, juckt ihn das allerdings herzlich wenig: „I don’t care“.
„Onkel Don“ – so nennen seine Bandkollegen Don Airey manchmal, und es ist nicht schwer zu begreifen, warum. Der in Sunderland geborene Keyboarder ist die personifizierte Umgänglichkeit, und dieser Wesenszug hat ihm dabei geholfen, Engagements bei einigen der schwierigsten Persönlichkeiten im Hardrock zu überleben, von Gary Moore bis Ritchie Blackmore. Seine mittlerweile 18 Jahre bei Deep Purple sind die längste Zeit, die er je in einer Band war, doch ihm ist bewusst, dass auch das eines Tages enden wird. Wann genau, ist jedoch noch unklar. „Ich stöberte vor ein paar Tagen durch meine Memorabilia und stieß auf etwas, auf dem stand: ‚The Long Goodbye Tour, 2017‘.“ Aber das war gar nicht der lange Abschied, oder? Doch, es ist nur ein längerer Abschied, als wir dachten. Nein, ich dachte wirklich, dass wir es damit beenden würden. Der Plan war wohl, dass wir in den nächsten bei-den Jahren noch ein paar Termine hier und da spielen, und das war’s. Doch wenn man mal sagt, dass man verfügbar ist, kommen ständig neue Termine dazu. Die Band hat da eigentlich keine Kontrolle darüber.
Warst du überrascht, als die Band beschloss, dieses neue Album zu machen?
Wir hatten nicht damit gerechnet, nochmal ins Studio zu gehen, aber alle waren bereit dafür. Wir hatten viel Material und alle hatten Lust darauf.
Und ihr hattet Bob Ezrin.
Er duldet keine Verzögerungen, da gibt es keine Ausreden. Der Job wird erledigt, egal was. Er ist genial darin, alle zusammenzutreiben und auf denselben Weg zubringen. Ich begreife nicht, wie er das macht, er ist mir immer um mindesten szwei Schritte voraus.
Hatte diese Disziplin vorher gefehlt?
Als ich dazustieß, waren sie komplett schockiert, dass Jon ausgestiegen war. Aber ich glaube, die Band war damals in einer ziemlich faulen Phase. Schon lustig: Ich stieg ursprünglich für drei Konzerte ein, und 18 Jahre später bin ich immer noch da.
Wie waren diese Anfangstage?
Zunächst hatte ich einige Probleme und erinnere mich an eine Unterhaltung mit Gillan darüber. Er sagte: „Konzentriere dich einfach auf das Keyboard, das solltest du tun. Sei einfach der Keyboarder“. Das war etwas, das Ritchie zu ihm gesagt hatte: „Konzentriere du dich einfach auf deinen Gesang, und ich konzentriere mich auf die Gitarre“.
Steve Morse sagt, die Fans hätten ihn erst gehasst. War das für dich auch so?
Da war dieser Typ, der in einem Jon-Lord-T-Shirt zu den Konzerten kam, in der ersten Reihe stand und richtig traurig aussah, wie Dr. Death. Das irritierte mich eine Zeit lang ganz schön. Doch dann fing er an, zu meinen Soloauftritten zu kommen. Er entschuldigte sich gewissermaßen bei mir – er sagte, er hatte das nicht so gemeint.
Mir fällt keine andere Band ein, zu deren Fans Lars Ulrich, der einstige englische Nationalfußballer Rodney Marsh und ein ehemaliger Präsident Russlands zählen.
Wir trafen Dmitri Medwedew mal zum Abendessen im Gorki-Palast. Wir fuhren irrwitzig schnell durch Moskau, auf der falschen Straßenseite. Der damalige US-Verteidigungsminister Robert Gates hatte gerade einen Termin gehabt, wir waren gleich nach ihm dran. Mit 15 war Medwedew Amateur-DJ gewesen und hatte Deep-Purple-Platten aufgelegt. Er schickte der Kommunistischen Partei eine Liste der Sachen, die er spielen würde, und ignorierte sie dann komplett.
Und Wladimir Putin? Ist er ein Mk-III-oder Mk-IV-Typ?
Ich vermute, er ist kein Fan von uns.
Das aktuelle Line-up besteht seit 18 Jahren. Was ist das Geheimnis?
Man wird älter und begreift, dass man einfach nur losziehen und vor Menschen spielen will. Der ganze andere Egokram stünde dabei nur im Weg. Ich war in vielen Bands, bei denen schlechte Launeder Standardmodus war. Bei Purple haben wir diese stille Kameradschaft. Ich sah die Stones im Hyde Park und konnte gar nicht zählen, wie viele Leute da auf der Bühne waren: zwei Keyboarder, fünf Sänger, zwei zusätzliche Gitarristen. Bei Purple stehen nur wir fünf auf der Bühne. Darum geht es.
Kannst du dir eine Zeit vorstellen, in der Purple kein Teil deines Lebens mehr sind?
Das ist etwas, das ganz natürlich passieren wird. Doch bei allem, was gerade auf der Welt geschieht, kann niemand vorhersagen, wie sich diese Pandemie entwickeln und wohin uns das führen wird. Vielleicht ist es tatsächlich schon passiert, wer weiß?
Zwischen dem 16. und 18. Juni stieg in Hinwil in der Schweiz das Rock-The-Ring-Festival. In diesem Jahr standen auf der Line-Up-Liste einige Hochkaräter. So spielten Accept, Airbourne, Alice Cooper, Thunder, Steel Panther (mit neuem Bassisten), Black Label Society und einige mehr unter dem glühenden Sommerhimmel.
Unser Fotograf Björn Trotzki war vor Ort und hat die schweißtreibenden Shows visuell festgehalten.
Am 13. Juni machten Kiss im Rahmen ihrer (durch die Pandemie zwei Jahre unterbrochenen) „End Of The Road“-Abschiedstour in Hamburg in der Barclays Arena Halt. Unser Fotograf Frank C. Dünnhaupt war vor Ort und hat eine der letzten Shows der „heißesten Bands der Welt“ auf deutschem Boden festgehalten.