The Dears sind eine dieser Bands, die kaum jemand kennt, deren Fans sie dafür aber umso inniger lieben. Ihr melancholischer, dichtgewobener, mal getragen-orchestraler, mal energisch-drangvoller, aber immer warmherziger Indierock wirkt wie eine Umarmung aus den Lautsprechern, und wer kann die in diesen Zeiten nicht brauchen? Auf ihrem neunten Album LIFE IS BEAUTIFUL! LIFE IS BEAUTIFUL! LIFE IS BEAUTIFUL! widmen sich Frontmann Murray Lightburn und Co. der Frage, was der richtige Weg durch den Lärm des Hier und Jetzt ist. Und die Antwort lautet: Gemeinschaft, Dankbarkeit, Unverdrossenheit und – eh klar – Wohlklang. Den servieren sie uns hier in elf fast schon schmerzhaft schönen Songs, die den Titel in seiner emphatischen Botschaft bestens repräsentieren. Das Eröffnungsquartett ›Gotta Get My Head Right‹, ›Babe We’ll Find A Way‹, ›Doom Pays‹ und ›Deep In My Heart‹ grenzt an Perfektion, ›Tears Of A Nation‹ wäre in den 80ern aus dem Stand zum Klassiker geworden und der Abschluss ›Don’t Go‹ ist wie ein elegischer Liebesbrief an die Kraft der Musik. Ja, während dieser knappen Stunde Hörvergnügen ist das Leben wahrhaft wunderschön.
8 von 10 Punkten
The Dears LIFE IS BEAUTIFUL! LIFE IS BEAUTIFIL! LIFE IS BEAUTIFUL! NEXT DOOR/H’ART
Der Schwenk in ein neues Jahrtausend ist nun auch schon 25 Jahre her, aber gerade in den letzten Jahren seit der Pandemie hat sich populäre Musik so fundamental verändert wie selten zuvor. Was jedoch den Blues als Musikgenre angeht: eher nicht. Der steht nach wie vor wie eine alte Eiche im Wald, setzt höchstens Jahresringe an, aber ragt ansonsten nicht heraus wie manch neue musikalische Schösslinge rundherum. HARD ROAD, das aktuelle Werk des gerade mal 25-jährigen US-Bluesers Christone „Kingfish“ Ingram, fällt nun auf durch seine Vielschichtigkeit und emotionale Songs abseits der zehn Gebote des Blues, die Seitensprünge strikt untersagen.
Überall wird gerade viel von Transformation geredet und seit der Zeitenwende hat sich vor allem das Verständnis von Gut und Böse und von Lüge und Wahrheit oft fatal ins Gegenteil verkehrt, durch neue Erfindungen und den Klimawandel muss jeder Stein umgedreht werden, neue Lösungen müssen her und manch alte Gewohnheit wandert auf den Müll. Was den Blues betrifft, ist das gerade erschienene Album von Christone Ingram ein schönes Beispiel dafür, dass man auch im guten alten Mississippi-Blues mal ein paar Türchen aufmachen kann, um durchzulüften. Auf HARD ROAD weht ein frischer Wind durch eindringlichen Soul und modernen R&B, der selbst für junge Millenials superinteressant sein könnte. Ingram ist gerade mal 25 Jahre alt und hat bereits Grammys im Schrank stehen, ruht sich aber keinesfalls aus auf den Lorbeeren. Vielmehr hat er vor der Platte mal einen Realitätscheck gemacht und neue Impulse für seine Lieder aufgenommen. „Ich habe den ganzen Ruhm der letzten Jahre reflektiert, aber auch Herzschmerz, Beziehungen und Liebe in die Songs genommen. Ich habe gelernt, andere Menschen mit noch mehr Einfühlungsvermögen zu betrachten und besser zu verstehen. Ich bin auch etwas geerdeter und versuche, auf Tour kreativer zu sein. Das hat mein Songwriting und die Art, live zu spielen, verändert.“
Christone kommt aus Clarksdale/Mississippi. Früh schon sagte seine Oma zu ihm, er habe eine „alte Seele“. Als er dann Gleichaltrigen nicht immer wirklich folgen wollte, verstand er erst, was sie damit gemeint hatte. Seinen Spitznamen „Kingfish“ hat er von einem der Älteren aus seinem Blues-Umfeld, Bill „Howl-N-Madd“ Perry, bekommen. Kingf ish ist eine Figur aus „Amos ’n’ Andy“ einer beliebten Radio-Comedy aus den 50ern, die im schwarzen Umfeld spielte. Bereits mit acht Jahren nahm er Gitarrenunterricht in der Musikschule des Delta Blues Museum in Clarksdale. Eines Tages besuchte die damalige Präsidentschaftsgattin Michelle Obama die Einrichtung. Einige Zeit später bekamen sie alle eine Einladung ins Weiße Haus und der Museumsdirektor durfte ein Preisgeld von 10.000 $ mit nach Hause nehmen. „Das ist eine Geschichte, die man später mal seinen Enkeln erzählen kann: dass wir als Schülerband ins Weiße Haus eingeladen, durch diese ganzen Sicherheitskontrollen geführt wurden und in einem dieser berühmten Konferenzräume ›Sweet Home Chicago‹ als Hommage an Michelle Obama gespielt haben. Wir wurden alle von der First Lady ganz herzlich umarmt, wirklich ein tolles Erlebnis!“
Der auffallend talentierte Glückspilz Christone wurde bereits mit 17 von einem der ganz Großen im Blues auf einem Festival entdeckt. Headliner Buddy Guy sah den Gitarristen auf eine Nebenbühne, lud ihn gleich zu einem Gastauftritt ein und wurde fortan sein Mentor. Er zahlte ihm Plattenaufnahmen, nahm ihn mit auf Tour. Und Christone hat was draus gemacht. „Es war eher indirektes Lernen, das mich weitergebracht hat. Ich beobachtete Buddy immer genau auf der Bühne, wie er das Publikum führte und oft mit einer einzigen Note oder einem Stimmeinsatz zu einer bestimmten Reaktion brachte. Wir saßen auch oft im Studio zusammen und er hat mir beigebracht, wem ich nicht vertrauen sollte. Wie ich also Leute erkenne, die nicht aus unserem Business sind.“ Christone Ingram legt Wert darauf, dass Buddy Guy ihn nie belehrt habe, sondern nur eigene Erfahrungen unkommentiert weitergegeben. Die wohl nachhaltigste „Erziehungsmethode“: Storytelling statt Lektionen. Ziehe deine Schlüsse selbst daraus.
Ingrams neues Album erscheint nun erstmals auf seinem eigenen Label und darf auch gerne von Nicht-Bluesfans getestet werden. Mit viel Rhythm & Blues und Soul gewürzt, finden sich aber auch poppige, kommerzielle Lieder darauf, die durchaus im Formatradio bestehen können. Die renommierte Gitarrenschmiede Fender hat ihm übrigens sogar schon ein eigenes Signature-Telecaster-Modell gewidmet.
Macht mit und gewinnt 5×1 Ticket für ein ganz besonderes Kino-Erlebnis mit den Beatles in Berlin!
Im Rahmen der aktuellen ANTHOLOGY-Veröffentlichungen der Beatles, erscheint auch eine überarbeitete und vor allem um eine ganze Folge erweiterte Version der dazugehörigen Dokumentarserie. Die acht bereits bekannten Episoden der Serie wurden restauriert und remastered. Sie zeichnen die legendäre Reise der Fab Four nach, die in Liverpool und Hamburg begann und bald die ganze Welt in ihren Bann zog: von der Beatlemania, dem Einzug der Band in die USA, ihrer Vorreiterrolle in der Gegenkultur der 1960er Jahre, ihrer spirituellen Suche in Indien und ihrer letztendlichen Trennung.
Am 26. November erscheint die neue Episode Neun, die bisher unveröffentlichte Aufnahmen hinter den Kulissen zeigt, wie Paul, George und Ringo zwischen 1994 und 1995 zusammenkamen, um an THE ANTHOLOGY zu arbeiten und über ihr gemeinsames Leben als The Beatles zu reflektieren. Die Restaurierung wurde vom Produktionsteam von Apple Corps unter Mitwirkung der Teams von Peter Jacksons Wingnut Films & Park Road Post sowie Giles Martin überwacht, der für den Großteil der enthaltenen Musik neue Audiomischungen erstellte.
Noch vor ihrer Veröffentlichung könnt ihr diese Folge Neun sehen – und zwar exklusiv im Kino! Ihr müsst nur eine Mail mit eurem vollständigen Namen unter dem Betreff ANTHOLOGY an folgende Adresse schicken: verlosung@classicrock.net(Teilnahmeschluss: 17.11.25)
Die kanadische Sängerin Miss Emily liefert mit THE MEDICINE ein starkes Album zwischen Soul, Blues und Roots, das von einer unglaublich luftigen und organischen Produktion lebt. Nicht viele Musiker schaffen es, so viel Dynamikumfang in der Gruppe zu halten, dass innerhalb der Songs fließend von Unplugged-Charakter zu fettem Bluesrock gewechselt wird. THE MEDICINE wurde produziert von Grammy-Gewinner Colin Linden (Keb’ Mo’, Bob Dylan, Lucinda Williams, Gregg Allman, Diana Krall) und vereint ein starkes Allstar-Ensemble aus Musikern der Bands von Bob Dylan und Keb’ Mo’. Die Platte bietet sprichwörtlich jede Menge Soul, denn Emilys Texte handeln in der Tradition von Sam Cooke schonungslos von Wahrheit und Widerstandsfähigkeit. Themen wie häusliche Gewalt, ihre gleichzeitige Rolle als reisende Musikerin und alleinerziehende Mutter – die Sängerin schreckt nicht zurück, sich dem Publikum mit ihren Erfahrungen zu öffnen: Der Titel THE MEDICINE und die erste Single ›Stand Together, Band Together‹ sprechen für sich. Eine unglaublich gefühlvolle und stimmgewaltige Künstlerin, die mit einer ebenbürtigen Top- Besetzung musiziert
Als im vergangenen Jahr das letzte MC5-Album HEAVY LIFTING erschien, gab es bereits einige Live-Songs als darin enthaltenes Bonusmaterial. Am 05. Dezember erscheint jetzt ein weiterer Konzertzusammenschnitt unter dem Titel „MC50 – 10 MORE“. Der enthält zehn weitere, bislang unveröffentlichte Stücke.
Von MC5-Gründer Wayne Kramer zum 50. Jubiläum des bahnbrechenden Debütalbums KICK OUT THE JAMS ins Leben gerufen, brachte MC50 eine beachtliche Allstar-Truppe zusammen: Kim Thayil (Soundgarden), Brendan Canty (Fugazi), Billy Gould (Faith No More), Matt Cameron (Pearl Jam) und Marcus Durant (Zen Guerrilla). Sie feierten noch einmal die im wahrsten Sinne des Wortes revolutionären MC5 mit einer Jubiläumstour.
Aufgenommen wurde „MC50 – 10 MORE“ 2018 bei Shows in Seattle, Cincinnati und Hamburg und enthält einige der wichtigsten Songs der Band sowie ein Cover des Ray-Charles-Klassikers ›I Believe To My Soul‹, das schon Ende der 1960er ein fester Bestandteil der Liveshows war.
Ace Frehley, Kiss-Gitarrist der ersten Stunde und berühmt-berüchtigtes Problemkind der „heißesten Band der Welt“, ist eine der großen Persönlichkeiten der Rockwelt. Von ihm stammt das Design des legendären Kiss-Schriftzugs und die Idee zur Kunstfigur des „Spaceman“. Sein Hang zur Selbstzerstörung bescherte ihm Anfang der Achtziger eine jahrelange Zwangspause von Schminke und Pyrotechnik. „Space Ace“ verließ zuletzt vor zehn Jahren – nach einer spannungsgeladenen Reunion der vier Gründungsmitglieder – die Band um Gene Simmons und Paul Stanley. Nach überstandenen Alkohol- und Drogenproblemen war es für Frehley nun an der Zeit, sein Leben in Buchform zu bringen. Mit CLASSIC ROCK blickt er zurück und ebenso nach vorne.
Ace, was erwartet die Leser deiner Autobiografie „Keine Kompromisse“? Nun, ich erzähle einfach meine Wahrheit. Dieses Buch ist aber noch längst nicht alles. Nachdem es fertig war, habe ich eine Menge Leute von früher getroffen, die mich an so manches erinnert haben. Deshalb will ich auf jeden Fall ein Nachfolge-Buch schreiben. Bis jetzt habe ich gerade einmal an der Oberfläche gekratzt. Ein ganzes Leben kann man nicht so einfach auf 300 Seiten packen.
Ist dein Buch eine Reaktion auf Behauptungen, die über dich in anderen Büchern gemacht wurden? Ich habe nie eines dieser Bücher gelesen. Es ist keine Antwort auf irgendetwas. Ich wollte einfach ein aufrichtiges Buch über mein Leben und meine Erfahrungen schreiben. Natürlich wurden viele Lügen und Halbwahrheiten über mich verbreitet. Dabei ging es aber immer nur darum, sich wichtig zu machen und Kapital aus meinem Namen zu schlagen. Der wahre Grund für mich war, dass nun endlich der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um über mein früheres Leben zu schreiben. Schließlich bin ich jetzt seit fünf Jahren trocken, und meine Erinnerungen sind seitdem erheblich klarer geworden.
Gene Simmons ließ in seinem Buch „Sex Money Kiss“ kein gutes Haar an dir. Wirst auch du in deinen Memoiren verletzend? Es gibt so manche Menschen, die einen eben unter der Gürtellinie treffen wollen, aber das ist wirklich nicht meine Art. Einige meiner Freunde, die auch die anderen Jungs von Kiss gut kennen, meinten, dass ich in meinem Buch noch sehr wohlwollend mit ihnen umgegangen bin und ich wesentlich härter mit ihnen hätte ins Gericht gehen können. „Keine Kompromisse“ ist aber kein Buch der Rache. Ich kümmere mich nicht allzu sehr um das, was andere über mich sagen. Ziel dieses Buches war es, den Menschen einen Einblick in mein Leben und in die Person zu geben, die ich heute bin.
Du hast dein Buch mit zwei Co-Autoren verfasst. Wie war es, dein ganzes Leben mit ihnen durchzukauen? Ich arbeitete gemeinsam mit Joe Layden und John Ostrosky. Joe tippte das ab, was wir in Gesprächen aufgezeichnet hatten. Als Joe bereits mit einem anderen Projekt begonnen hatte, half mir John, die Texte in meine eigenen Worte zu fassen. Er ist ein großer Fan von mir und wusste deshalb über einige Fakten, Personen und Namen besser Bescheid als ich. Naja, wie gesagt: Mein Gedächtnis ist leider nicht mehr das allerbeste. Mit einem Außenstehenden über all diese zurückliegenden Geschehnisse zu sprechen, war nicht gerade einfach, aber es hatte auch so was wie eine therapeutische Wirkung. Es sind die Geheimnisse, die einen krank machen. Ich fühlte mich stark genug, über die Fehler zu sprechen, die ich in meinem Leben gemacht habe. So konnte ich sie auf eine gewisse Weise loswerden – und das hat mich befreit. Ich denke, dass ich nichts mehr verbergen muss. Viele Jahre lang versuchte ich meine Alkohol- und Drogenprobleme zu verstecken. Jetzt ist alles öffentlich – und das ist ein gutes Gefühl.
Der Titel „Keine Kompromisse“ klingt, als ob du nichts bereuen würdest. Gibt es nichts, was du gerne anders gemacht hättest? Ich hätte sicher einige Dinge anders machen können. Offensichtlich habe ich sie aber so getan, wie ich sie eben getan habe. Ich denke, ich musste wohl oder übel durch all diese Höhen und Tiefen gehen, um dorthin zu gelangen, wo ich heute bin. In der Zeit meiner Genesung habe ich gelernt, dass man nichts bereuen darf, denn alle meine Erlebnisse und Fehler waren Teil eines großen Lernprozesses.
Was hat dir am meisten das Leben schwer gemacht: Alkohol, Frauen oder Gene Simmons? (lacht) Oh, Gene ist gar nicht so schlimm, wie alle ihn immer darstellen. Ich sehe ihn auch gelegentlich. Vor einigen Monaten traf ich mich mit ihm einmal zum Mittagessen. Wir schwelgten ein wenig in Erinnerungen, und ich zeigte ihm einige Auszüge meines Buches. Und natürlich musste er mich bei einigen Stellen korrigieren (lacht). So ist Gene eben! Am schlimmsten war definitiv meine Sucht. Drogen und Alkohol zwangen mich in die Knie. Nur durch Gottes Gnade habe ich es geschafft, mich von meinen Abhängigkeiten zu befreien.
Du hast dich in den vergangen Monaten intensiv mit deiner Vergangenheit auseinandergesetzt. Was war die bislang beste Zeit in deinem Leben? Die letzten Jahre waren einfach nur toll. Ohne einen Kater aufzuwachen und sich gesund zu fühlen ist großartig. Aber auch die frühen Tage bei Kiss waren ein Riesen-Spaß. Wir erlebten damals so vieles zum ersten Mal. Es fühlte sich an, als würden wir gemeinsam in einer Achterbahn sitzen, die außer Kontrolle geratenen war. Ich erinnere mich sehr gerne an diese aufregende Zeit zurück.
Du hattest bekanntlich eine schwere Jugend. Welche Rolle spielte die Musik für dich in dieser Zeit? Ich hatte das Glück, aus einer musikalischen Familie zu stammen. Ich wuchs in der Bronx auf, wo viele Jungs automatisch Mitglieder einer Gang waren. Je wichtiger mir die Musik wurde, um so mehr entfernte ich mich von diesen Kreisen. Ich war schon immer ein Perfektionist. Während ich mich in meinem Zimmer einsperrte, um stundenlang zu üben, gerieten viele meiner Freunde auf die schiefe Bahn. Man könnte wirklich sagen, dass die Gitarre mein Leben gerettet hat.
Findest du es nicht schade, dass bis heute nicht du und dein Gitarrenspiel, sondern hauptsächlich deine Rolle des „Spaceman“ im Vordergrund stand? Ich finde das gar nicht so tragisch. Der „Spaceman” war nun mal meine Idee, und ich habe ihn selbst über Jahre hinweg entwickelt. Ich bin stolz auf meine Kreation. Man könnte durchaus sagen, dass diese Figur ein Teil von mir selbst ist. Es ist auch nicht wichtig, ob die Leute zuerst an meine Rolle oder an mich denken. Das eigentliche Ärgernis ist, dass jetzt Tommy Thayer (der momentane Gitarrist bei Kiss; Anm. d. Red.) auf der Bühne steht und die Lorbeeren für viele meiner Ideen einheimst. Man versucht, mich zu ersetzen; wenn man aber Filmaufnahmen von mir und Tommy vergleicht, erkennt man, dass nichts an das Original heranreicht.
Gibt es noch eine kleine Chance auf eine Wiedervereinigung der ursprünglichen vier Kiss-Mitglieder? Wer weiß, was die Zukunft für uns bereit hält? Sag niemals nie, denn alles ist möglich!
Der Gründungsgitarrist von Kiss, Ace Frehley, ist im Alter von 74 Jahren verstorben.
„Wir sind völlig am Boden zerstört und untröstlich“, erklärte Frehleys Familie in einer Stellungnahme. „In seinen letzten Augenblicken hatten wir das Glück, ihn mit liebevollen, fürsorglichen, friedlichen Worten, Gedanken, Gebeten und Absichten zu umgeben, als er diese Welt verließ. Wir schätzen all seine schönsten Erinnerungen, sein Lachen und feiern seine Stärken und seine Freundlichkeit, die er anderen entgegenbrachte. Die Tragweite seines Todes ist episch und unfassbar. Wenn wir auf all seine unglaublichen Lebensleistungen zurückblicken, wird die Erinnerung an Ace für immer weiterleben!“
In den frühen Stunden des Tages wurden erste Berichte bekannt, dass Ace Frehley nach einem Sturz im letzten Monat, der zur Absage seiner bevorstehenden Konzerte führte, mit einer Hirnblutung ins Krankenhaus eingeliefert wurde und dort lebenserhaltende Maßnahmen erhielt.
Frehley, der die Rolle des „Spaceman“ bei Kiss übernahm und prägte, spielte auf allen Kiss-Alben der 70er. Als alle vier Bandmitglieder 1978 zeitgleich Soloalben veröffentlichten, war seines das meistverkaufte, was Ace besonders der Hit-Single ›New York Groove‹ verdankte.
Der Titel des 14. Albums von Sloan spielt auf eine Zeile im Song ›Fortune Teller‹ an, ist aber auch sonst gut gewählt. Mehr als drei Jahrzehnte nach seinem bis heute viel verehrten Majorlabel-Debüt SMEARED klingt das Indie-Rock-Quartett aus Toronto auch auf BASED ON THE BEST SELLER immer dann am besten, wenn es keinen Hehl aus seiner Liebe zum Rock und Pop der letzten 60 Jahre macht. Mit Liedern auf den Schultern ihrer alten Helden haben die Kanadier dank gleich vier Songwritern und Sängern keine Mühe, den Geist der alten Tage fantasievoll und noch dazu höchst abwechslungsreich im Hier und Jetzt lebendig werden zu lassen. Das tun Sloan auch nach all den Jahren mit so viel Wucht, dass die einzige Ballade erst ganz am Ende der LP auftaucht. Auch dieses Mal sind klangliche Ausreißer wie der Glamrock-Touch bei ›Dream Destroyer‹ ausdrücklich erlaubt, aber mit den alten Power-Pop- Tugenden fest im Blick, gelingt der Band das Kunststück, dass diese Songs tatsächlich alle auf den Bestsellern früherer Zeiten zu basieren scheinen, dennoch aber vom ersten Ton an unverkennbar nach Sloan klingen.