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Bob Mould

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SONY DSCMit steigendem Alter verwandeln wir uns wieder zurück in Kinder.
Bob Mould scheint gerade in seine 20er zurückgekehrt zu sein.

Schon erstaunlich, was der Herr da auf SILVER AGE hinzaubert: eine flotte, leichtfüßige, unverkrampfte Indierock-Platte, die man mit dem Attribut „poppig“ keinesfalls beleidigt, denn diese Reduktion auf das Wesentliche, vermischt mit einem großen Schuss Positivität, war offenbar ganz gewollt. „Die Zusammenarbeit mit den Foo Fighters und meine Autobiografie legten den Grundstein für diese Platte“, sagt der Altmeister.

Erstere, weil er mit Dave Grohl & Co. wohl wieder die Lust auf tierisch nach vorne gehende Rocknummern mit Pop-Appeal entdeckte, Letztere, weil die Arbeit daran zwar kathartisch und therapeutisch für ihn war – aber auch riesengroßer Stress, der nun wieder abgebaut werden wollte. Ach ja, und dann war da noch das 20. Jubiläum von COPPER BLUE, dem Album, das er mit Sugar einspielte. Nach seinem Aufstieg mit Hüsker Dü und einer wenig fruchtbaren Solophase traf er mit dieser Band Anfang der 90er – auch kommerziell – ins Schwarze. Auch dieser unbeschwerte Klassiker des College-Rock beeinflusste die Leichtigkeit des neuen Albums, doch damit nicht genug: Bob Mould tourt nicht nur sein neues Album, sondern spielt dazu auch noch COPPER BLUE in seiner Gänze. „Die Leute lieben das Album. Ich liebe das Album. Es macht Spaß, es zu spielen. Alle haben eine tolle Zeit bei den Shows, und das macht mich wiederum glücklich.“

Vermutlich glücklicher als seine Ausflüge in die Welt der elektronischen Musik ab Ende der 90er Jahre, die zwar einigermaßen wohlwollend aufgenommen wurden, von Bob selbst heute aber mit einem Versuch, seine „schwule Identität aufzubauen“, gerechtfertigt werden.

Eine Identitätskrise steht heute wohl nicht mehr zu befürchten, denn mit seiner Autobiografie hat er der Welt wohl ein für alle Mal seinen Standpunkt klargemacht. „Ich kann den Leuten nur zeigen, wo ich gewesen bin, was ich getan habe, und wie sich das jeweils aufeinander ausgewirkt hat, um die Geschichte eines Leben zu erschaffen. Und wie das Leben weitergeht, ändert und entwickelt sich diese Geschichte weiter.“
Der entspannte Back-to-basics-Charme von SILVER AGE deutet darauf hin, dass Bob Moulds Reise noch viele aufregende Stationen haben wird.

 

Making of: INXS – KICK (1987)

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Kick 25 (LP) (Ltd. Edt.)_ INXS - CMS Source
Fast 20 Jahre sind vergangen seit dem Tod von Michael Hutchence, ein ganzes Vierteljahrhundert, seit die Australier ihr erfolgreichstes Album veröffentlichten. Gitarrist Tim Farriss erinnert sich an stürmische, glückliche Jahre.

Das waren noch Zeiten! Den Lieblingssatz zwangsnostalgischer Midlife-Crisis-Opfer könnten INXS mit Fug und Recht ins Feld führen, wenn man sich die erste Phase ihrer Karriere ansieht. Denn wäre es heute noch möglich, eine Laufbahn so langsam, aber kontinuierlich aufzubauen, wie es die Aus-sies Anfang der achtziger Jahre taten? Ihr selbstbetiteltes Debüt von 1980 und dessen Nachfolger UNDERNEATH THE COLOURS von 1982 generierten wenig Aufmerksamkeit, Album Nr. 3 SHABOOH SHOOBAH sorgte ein Jahr später für erste Achtungserfolge, während erst THE SWING von 1984 ein größeres Publikum anzusprechen begann.

1985 jedoch begann eine Zusammenarbeit, die Michael Hutchence & Co. in die Stratosphäre katapultieren sollte: Erstmals saß Produzent Chris Thomas an den Reglern, der die Band in der entscheidensten Phase ihres Werdegangs begleiten sollte. „Wir hatten in Australien schon einiges erreicht, waren ziemlich erfolgreich und konnten von unseren Plattenverkäufen und Toureinnahmen sehr gut leben“, erinnert sich Tim Farriss. „Unser Manager sagte dann, dass wir jetzt die Wahl haben: Entweder schieben wir eine ruhige Kugel, legen das Geld gut an und genießen das Leben, wie es ist. Oder wir riskieren alles und investieren die Kohle in den Versuch, die Welt zu erobern. Wir entschieden uns für Letzteres.“

Chris Thomas, „ein fantastischer Produzent und bis heute ein sehr guter Freund von mir“, inszenierte die Truppe 1985 mit LISTEN LIKE THIEVES nicht mehr als die simplen Saufrocker oder Pop-Hüpfer früherer Werke, sondern als Clubrocker mit reichlich Sex Appeal. Die Single ›What You Need‹ wurde zum ersten großen Hit der Band, vor allem aber zum Durchbruch in den USA, wo sie die Top 5 erreichte und INXS zum neuesten heißen Scheiß machte. Ein Status, der zu einem prestigeträchtigen Support-Slot führte: Queen. „Die Jungs liebten uns und hingen immer mit uns ab. Vor allem Michael hatte es ihnen angetan und ich durfte miterleben, wie er und Freddie Mercury zusammen rumalberten und sich gegenseitig volle Kanne ins Gesicht sangen. Michael war der frontman’s frontman, auch Mick Jagger und Bono verstanden sich prächtig mit ihm.“

Nach dem Wirbelwind des ersten Weltruhms war klar, dass das nächste Album entscheidend sein sollte. Von Erfolgsdruck war jedoch nichts zu spüren, und auf die Frage nach pikanten, dramatischen oder problematischen Anekdoten aus jener Zeit wiegelt Tim eindeutig ab: „Mein Gedächtnis mag nicht mehr das beste sein, aber ich habe ganz ehrlich nicht die geringsten schlechten Erinnerungen an die Entstehung von KICK. Es war eine geniale Zeit für uns alle. Nachdem wir uns mit Chris so gut verstanden hatten, machten wir auch KICK wieder mit ihm. Eine sehr gute Entscheidung, denn es hätte nicht perfekter laufen können. Wir hatten die Songs, wir hatten alle dieselben Vorstellungen davon, wie das Album klingen sollte, es gab keine Konflikte, keine Meinungsverschiedenheiten, wir zogen alle am selben Strang.“

ZZ Top – Zukunft wird mit Z geschrieben

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06_Photo_La_Futura_300Nach beinahe 42 Jahren ziehen ZZ Top ihr neues Studioalbum aus den Rauschebärten hervor. Ausgerechnet
LA FUTURA heißt das aktuelle Werk, das die „Little Ol’ Band From Texas“ mit Rick Rubin als Produzenten aufgenommen haben. Haben sich Billy F. Gibbons, Dusty Hill und Frank Beard doch auf ihrem „Zukunftswerk“ auf ihre Anfangszeiten besinnt. Gitarrist Billy Gibbons hat sich für ein ausgesprochen herzliches Interview mit CLASSIC ROCK in das so gar nicht texanische Oslo begeben und dort bewiesen, dass er einer der „Nicest Gents In Rock“ ist.

Die Tür zum Hotelzimmer im Osloer Grand Hotel öffnet sich und der Auftritt ist perfekt. Billys Outfit lässt keine enttäuschten Erwartungen zu: Schwarze Sonnenbrille, Mariachi-Anzug mit rotem Halstuch, eine Mütze, die irgendwie an einen moosfarbenen Duschvorleger erinnert, und natürlich der Bart, der Bart! Dazu wird jeder einzelne im Raum mit einem Revolverschuss aus dem Zeigefinger begrüßt.

Billy, kann man sagen, dass ihr mit LA FUTURA zu eurem Ausgangspunkt zurückgekehrt seid?
„Ich glaube, das kann man so sagen. Allerdings haben wir nicht großartig viel darüber nachgedacht. Wir haben das nicht erzwungen. Wir drei standen im Studio und so entstand einfach unser natürlicher ZZ Top-Sound.“

Die Reißverschlüsse an seinen Jackenärmeln und die von Gibbons selbst geschmiedeten Totenkopfringe an seinen Fingern klimpern, während er auf dem Tisch herumklopft.

Warum habt ihr das Album LA FUTURA genannt? Das klingt sehr optimistisch für eine Band, die schon so lange im Geschäft ist.
„Diese zehn Songs sind Indikatoren für das, was ZZ Top in der Zukunft ausmachen dürfte. Außerdem haben wir diese Tradition, mexikanische Titel auszuwählen. Ich fand es romantischer als es THE FUTURE zu nennen.“

Du kannst also in die Zukunft sehen?
„Ich sehe es als eine Gabe, die Energie zum erträumen zu haben, was da hinter dem Horizont wartet. Ich weiß auch nichts über die Zukunft, aber habe da so ein Gefühl. Wenn du anfängst ein Album zu machen, musst du dir vorstellen können, was wohl in einem Jahr sein wird. Da braucht man schon eine Vision. Ich glaube, jeder Mensch verfügt über diese Vision, die meisten aber ignorieren sie, weil sie glauben, sich nach irgendwelchen Vorgaben richten zu müssen.“

Das 1983er Album ELIMINATOR, das mit Hits wie ›Gimme All Your Lovin‘‹, ›Got Me Under Pressure‹ oder auch ›Sharp Dressed Man‹ ZZ Tops großer Erfolg war, wurde für die drei Texaner zu einer schweren Last, mussten sich bis LA FUTURA doch alle späteren Langspieler mit dem sehr popigen Achtziger-Werk vergleichen lassen.

Seid ihr nun endlich über ELIMINATOR hinweg?
„Oh ja! Viele Fans der ersten Stunde fanden, dass all die elektronischen Elemente auf ELIMINATOR nicht die wahren ZZ Top zeigten. Sie wollten drei Typen, die im selben Raum miteinander spielen. Allerdings muss man sagen, dass ELIMINATOR sehr gut in die damalige Zeit passte. Sie traf einfach den Zeitgeist der frühen 80s. Aber jetzt – ohne zu abgedroschen zu klingen – haben wir damit abgeschlossen und konnten wieder zu unseren Wurzeln zurückkehren. Und ich glaube auch, dass ein Fokus, der sich ganz schnörkellos auf die drei Instrumente und den Gesang konzentriert, der heutigen Zeit mehr entspricht.“

Wie war es, Rick Rubin als euren Produzenten zu haben? Es heißt, er sei ein sehr strenger und anstrengender Aufnahmeleiter.
„Rick Rubin hat eine interessante Ansage gemacht. Er meinte: ‚Meine Aufgabe ist es nicht, euch zu verändern. Ich muss euch nur zum Arbeiten bringen. Ich weiß, dass ihr ein Lied in zwei Tagen schreibt. Ich werde euch dazu bringen, fünf Tage lang daran zu feilen, denn da ist immer noch Luft nach oben und ich will alles, was ihr habt.‘ Und darin ist er wirklich gut. Rick hat dieses interessante Maß an Geduld. Viele Künstler sind in Eile und haben diesen Druck, endlich ihr Statement unter die Leute zu bringen. Rick sagt dann: ‚Okay, mir gefällt diese Aussage. Mach es nochmal!‘ Und dann musst du ein und die selbe Stelle bis zu zehn Mal spielen.“

Hast du schon vor LA FUTURA mit Rick gearbeitet?
„Ich kenne ihn schon sehr lange, aber zusammengearbeitet haben wir nur einmal. Das wurde allerdings nie veröffentlicht. In Kalifornien wohne ich nicht weit die Straße runter zu seinem Haus. Vor einigen Jahren rief mich Rick an und er fragte ob ich vorbei kommen wolle, weil er mir eine 55er Fender zeigen wollte. Das ließ ich mir nicht entgehen. Ich bin also an seiner Haustür und da steht Rick und diese perfekte Fender Squier. Hinter ihm sehe ich eine Person und ich meine leise: ‚Rick, der sieht aus wie Johnny Cash!‘ Darauf antwortet er: ‚Billy, das ist Johnny Cash und jetzt geh da rein und spiele mit ihm!‘ Seine Frau June Carter war auch dabei und wir spielten zwei Stunden lang. Was ich nicht wusste, war, dass Rick unter dem Tisch, an dem wir saßen, zwei Mikrofone versteckt hatte. Er hat alles aufgenommen!“

Billy stampft mit seinem Stiefel auf den Boden und beginnt ›Get The Rhythm‹ zu singen; nur ganz kurz, aber es groovt unglaublich. Wann kommt man schon in den Genuss einer kleinen privaten Gesangsdarbietung von Billy Gibbons?
„Durch diese Verbindung zu Rick konnten wir so entspannt mit ihm arbeiten. Viele meinten nur, dass sie nicht wüssten, ob wir wirklich mit ihm arbeiten sollten. Aber für uns war es eine einfache Entscheidung.“

Wie kamt ihr auf die Idee, ein Hip Hop-Lied auf LA FUTURA zu covern?
„Eine Tages spielte unser Tontechniker Gary Moon irgendwelche Youtube-Videos von Lightnin‘ Hopkins im Nebenraum. Also redeten wir über diesen alten Blues-Sänger. Wir philosophierten weiter über Musik, bis wir bei Hip Hop angelangt waren. Mr. Moon hatte auch schon in einem Houstoner Hip Hop-Studio gearbeitet und ich erinnerte mich an diesen Song von Lil‘ Keke und Fat Pat namens ›25 Lighters‹. Ich weiß nicht warum, aber dieses Lied hatte mich schon ewig verfolgt. Ich fragte mich, wie es wäre Lightnin‘ Hopkins und ›25 Lighters‹ zu vermischen. Wir versuchten es und daraus entstand dann ›I Gotsta Get Paid‹.“

In der Musikwelt geht eine Geschichte um, die behauptet, du hättest eine der witzigsten Visitenkarten im Business. Stimmt es, dass darauf neben deinen Kontaktdaten nur „Friend Of Eric Clapton“ steht?

Billy freut sich wie ein Drittklässler, auf dessen Furzkissen sich gerade der Mathematiklehrer gesetzt hat.

„Ich wollte mir eigentlich ganz normale Karten machen lassen, also ging ich in diesen Copy-Shop. Dieser junge Bursche, der dort arbeitete, erlaubte sich diesen Scherz. Er hatte neben den bestellten Karten eine mit der Friend Of Eric Clapton-Aufschrift gemacht. Er zeigte mir nur diese eine und tat so, als hätte er alle so bedruckt. Er befürchtete plötzlich, dass ich diesen Witz nicht lustig finden würde, aber ich war sofort begeistert. Ich wollte nur noch diese eine haben.“

Billy, der einer der größten Visitenkarten-, e-Mail-Adressen und Facebook-Freunde-Sammler zu sein scheint, zieht ein Etui heraus, in dem er seine Schätze hütet. Und da ist sie, der heilige Gral aller Netzwerker!

Was sagt eigentlich Eric Clapton dazu?
„Oh, das ist eine richtig interessante Geschichte! Eines Nachts, ganz am Anfang einer Europa-Tour, war ich in London. Ich sitze also in meinem Hotel, da ruft mich tatsächlich Eric Clapton an. Er lud mich zu seiner Show in der Royal Albert Hall ein und schickte mir ein Auto, das mich abholen sollte. Nach diesem fantastischen Konzert wollte ich gerade den Saal verlassen, als dieser Typ kommt und meint: ‚Nein, nein, Sie können noch nicht gehen! Eric möchte Sie sprechen!‘ Er führte mich Backstage, wo jede Menge Menschen waren und es feines Essen und Champagner gab; das ganze Programm eben. Aber da war kein Eric. Ich wurde zu einer schmalen Tür geleitet. Dahinter saß Eric Clapton in einem kleinen Raum, in dem nichts war außer einem Stuhl. Darauf sitzt Eric Clapton. Dann fängt er an: ‚Billy, ich brauche zwei Dinge von dir: Ich hätte gerne eine der Kopien deiner Gibson Les Paul. Könntest du mich auf die Liste setzen? Ach ja, und könnte ich bitte deine Visitenkarte haben?‘ In diesem Moment dachte ich nur: ‚Oh nein!‘ Er musste also von dieser Karte erfahren haben. Zum Glück fand er es witzig und wollte mir nur einen Schrecken einjagen.“

Beschämt hält er sich die Hände vors Gesicht, während er schallend und peinlich berührt über die unangenehme Situation lacht.

Seitdem euer Management seine Marschroute geändert hat, bist du überall zu hören, zu sehen und spielst mit beinahe allen namhaften Musikerkollegen. Arbeitest du zur Zeit wirklich mit Keith Richards?
„Mir persönlich und auch meiner Band haben diese Kollaborationen viel gebracht. Ich habe mit so vielen Künstlern gearbeitet. Da war Jack White, Nickelback, ich schrieb ein Lied mit Ronnie Wood, Queens Of The Stone Age, Kid Rock und so vielen anderen. Meine Partner Frank und Dusty unterstützten diese Ausflüge, denn ich kam immer mit neuen Einflüssen zurück. Das machte ZZ Top stärker und half mir, am Puls der Zeit zu bleiben. Und das mit Keith, naja, das ist wohl eher noch ein Gerücht, aber ich würde das sehr gerne machen. Sein Gitarrentech erzählte mir, dass Keith ein Solo-Album planen würde. Ich schwärmte ihm vor, dass Keith für mich der größte aller Blues-Kerle ist und bat ihn, Keith auszurichten, dass er mich anrufen solle, wenn er mit dem Album anfängt. Später bekam ich eine sehr nette Nachricht von Keith, in der er mich folgendes wissen ließ: ‚Mir gefällt der Gedanke, lass uns das im Auge behalten!‘“

Aber nicht nur für Kumpels seines Alters ist der wohl jüngste 62-Jährige des Rock offen. So kursierten Gerüchte im Netz, Gibbons arbeite an einem Projekt zusammen mit House-DJ und Produzent David Guetta.

Stimmt das wirklich? So eine Zusammenarbeit kann man sich ja gar nicht richtig vorstellen!
Solche Falschmeldungen weiß Billy Gibbons zu dementieren. Allerdings ist es nur zu einem kleinen Teil die Unwahrheit. Billy F. Gibbons von ZZ Top hat nämlich tatsächlich eine komplette Dance-Platte aufgenommen, jedoch ohne die Hilfe von David Guetta. Den hat der Herr dazu nämlich gar nicht gebraucht, genauso wenig wie übermäßig viel Zeit.

„Wir haben das in unserem Studio in Houston aufgenommen, während die Sessions für LA FUTURA liefen. Immer wenn Dusty und Frank nicht da waren, ging es rund. Das hat vielleicht drei Wochen gedauert. Es ist wirklich verrückt. Was wir da gemacht haben, klingt wie BB Kings Gitarrenstyle auf Prince-Dance-Tracks mit autogetuneten Howlin‘ Wolf-Vocals. Das ist absolut abgefahren! Das musst du dir anhören!“

Und ja, was da aus den kleinen Notebook-Boxen kracht ist mehr als interessant. Billy spielt stolz eine Auswahl seiner Disco-Nummern vor. Sein Tourmanager, von den Klängen angelockt, kommt ins Zimmer herein und nickt zum Takt. Ob dieses Material je veröffentlicht wird? Billy weiß selbst nicht, was damit geschehen soll, aber irgendwie klingt es nach Erfolg.

Billy, mal eine ganz andere Frage: Was ist eigentlich so Rock‘n‘Roll an Barbecue? Natürlich bist du der König des Barbecue, aber unter vielen Rockstars scheint es zur Mode geworden zu sein, eine eigene Soße auf den Markt zu bringen. Warum?
Als das Thema angesprochen wird, wandelt sich Billys Gesichtsausdruck wie auf Knopfdruck in Richtung Honigkuchenpferd. Der Nebenjob-Soßen-Erfinder rutscht nervös und voller Inbrunst auf seinem Ohrensessel hin und her.

„Ich glaube, es ist eine große Südstaaten-Tradition und es ist auf eine gewisse Weise rebellisch – Kochen unter freiem Himmel. Weißt du, wenn du in Texas, Mississippi, Louisiana, Alabama, Georgia oder South Carolina bist, gehst du nicht auf eine Party sondern zu einem Barbecue und Parties sind eben Rock‘n‘Roll. Das Barbecue-Thema ist eine Wissenschaft für sich. Auf dem History Channel habe ich neulich eine zweistündige Doku über die Geschichte des Barbecue gesehen. Das war echt interessant. Ich liebe es einfach und deshalb habe ich eine spezielle Tasche in meiner Jacke, in der ich immer etwas hiervon dabei habe.“

Jetzt zieht er eine winzige Tabasco-Flasche heraus.

„Ich brauche immer meine scharfe Soße! Weißt du, hier in Norwegen ist mir das Essen einfach nicht scharf genug.“

Neben deiner Barbecue-Soße hast du auch noch einen Tequila und ein Taschenmesser, die deinen Namen tragen. Außerdem machst du mit ZZ Top Werbung für einen amerikanischen Alkopop-Hersteller. Wie wählst du die Produkte aus, auf die du deinen Stempel setzt?
„Ich muss hinter den Sachen stehen. Das beste Beispiel dafür ist der Tequila. Ein Freund kam zu mir und meinte: ‚Billy, wir müssen zusammen einen Tequila herausbringen!‘ Ich dachte, er will sich über mich lustig machen, denn ich habe vor langer Zeit dem Tequila den Rücken gekehrt. Ich traf mit ihm eine Vereinbarung: ‚Wenn du es schaffst, etwas in eine Flasche zu füllen, das mir schmeckt, dann wird es funktionieren, denn ich habe keinen Tequila angefasst, seitdem ich 20 war.‘ Nach drei Jahren meldete sich mein Freund: ‚Ich habe deine Herausforderung bewältigt!‘ Ich wusste erst gar nicht, was er meinte. Ich traf ihn also und er schenkte mir etwas ein. Ich trank es und es war fantastisch. Dann fragte ich ihn, wo denn der Tequila sei. Er meinte nur: ‚Das ist er!‘“

Aber wie kannst du denn dann hinter einem Alkopop stehen?
„Nun, das ist eine große Firma mit einer Menge Geld (lacht) und sie haben diese Vorgabe, dass ich für kein anderes Getränk Werbung machen darf. Ich ging zu meinem Tequila-Freund und erzählte es ihm. Er meinte, dass diese Sache sicher nicht so langlebig wie unser Tequila sein würde, also riet er mir nur: ‚Nimm das Geld!‘“

Gleichgültig abwinkend mimt er seinen Freund und freut sich diebisch über sein kleines Nebeneinkommen.

Eine letzte Frage hat sich während dieses Gesprächs aufgedrängt. Herr Gibbons, wie können Sie nur so verdammt cool sein?
„Wir genießen den Luxus, das tun zu dürfen, was wir lieben. Ich glaube, das ist das Geheimnis inneren Friedens. Ein junger Gitarrist bat mich einmal um meinen Rat, also legte ich ihm drei Dinge ans Herz: ‚Lerne, im richtigen Timing zu spielen, lerne, im richtigen Tuning zu spielen und lerne, das zu spielen, was du hören willst!‘ Wenn du das spielst und tust, was du magst, bist du gut darin. Hinter wahrem Erfolg steckt immer aufrichtiges Vergnügen und Leidenschaft. Ich stehe gerne auf der Bühne, spiele meine Songs und ich treffe gerne Fans. Deshalb bin ich wohl das, was du cool nennen würdest.“

Nach dem Interview, das ohnehin doppelt so lange dauerte, wie geplant, lud Gibbons CLASSIC ROCK und einen Kollegen ohne große Rücksicht auf weitere Termine noch in die Hotelbar ein, wo er sich noch einige Stunden als unvergleichlich netter und offener Mensch präsentierte.
Billy, vielen Dank für das Bier, das interessante Gespräch und ein beeindruckendes Erlebnis!

The Durango Riot – Debütalbum, die zweite

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durango-riot-3463Diese Geschichte wurde schon tausendmal geschrieben: Hoffnungsfrohe Rockband aus Provinznest zieht aus in die große weite Welt, um Ruhm und Erfolg zu suchen. Zuerst mussten sie allerdings etwas ganz anderes finden: sich selbst.

Karlskoga heißt das Kaff auf etwa halbem Weg zwischen den schwedischen Metropolen Stockholm und Göteborg, in dem sich Sänger/Gitarrist Fred Andersson, Bassist Hakan Ficks (doch, echt), Sänger/Gitarrist Jacob Martinsson und Schlagzeuger Erik Sjökvist fanden, um die Zeit totzuschlagen. Doch auch wenn mittlerweile sämtliche Bandmitglieder dem Örtchen den Rücken gekehrt haben, will Frontmann Fred nicht nur Negatives darin sehen, dort aufgewachsen zu sein. „Es ist schon bezeichnend, dass eigentlich alle interessanten Bands in Schweden aus solchen ehemaligen Industriestädtchen im Landesinneren stammen. Das Leben dort hat durchaus was Gutes: Es ist so langweilig, dass dir früh klar wird, dass du praktisch nur zwei Optionen hast – eine Band gründen oder Fußballer werden. Und wenn du an so einem Ort versuchst, es als Musiker zu schaffen, findest nicht nur relativ leicht die paar Gleichgesinnten, du lernst auch schnell, wie wichtig es für dich ist.“ Für Fred und seine Jungs war es alles: „Wir absolvierten ganz klassisch diese kleinen, dreckigen Ochsentouren, ohne Schlafplatz, ohne Geld, ohne Essen. Da bist du wirklich ganz unten, aber da haben wir überhaupt erst gelernt, zu spielen.“

Das immerhin so gut, dass sie einen Plattenvertrag an Land zogen und 2007 ihr erstes Album TELEMISSION im Laden stand, was durchaus positiv aufgenommen wurde und zu diversen Support-Slots bei arrivierten Acts wie Social Distortion oder den Toten Hosen führte. Zu nachhaltigem Erfolg allerdings nicht. „Irgendwie verlief das wieder im Sand, wir hatten Pech mit Plattenlabels und standen allein da. Niemand hat an uns geglaubt. Doch wir gaben nicht auf, arbeiteten an uns und überlebten diese schlimme Zeit. Das war der finale Test, da haben wir endgültig verstanden, was uns die Band bedeutet. Und wir sind eigentlich überhaupt erst zu einer Band geworden. Wenn ich jetzt auf unser Debüt zurückblicke, weiß ich gar nicht mehr, was ich damals gedacht oder gefühlt habe. Es ist wie eine Platte von einer anderen Band. Und es ist wie ein etwas unbeholfener Verschnitt von lauter Liedern anderer Leute, die uns damals gefallen haben. Das neue Album aber sind WIR, daher fühlt es sich jetzt wie unser tatsächliches erstes Album an.“

BACKWARDS OVER MIDNIGHT heißt es, wurde von keinem Geringeren als Joe Barresi produziert und zeigt sich als erfrischend unkompliziertes, aber keineswegs einfach gestricktes Rockalbum mit diversen Anklängen an etwa Billy Talent oder die Landsleute von Mando Diao – soulful, direkt, spielfreudig. Wieviel davon der leitenden Hand des Starproduzenten geschuldet ist, verklausuliert Fred folgendermaßen: „Ihm hatte unser erstes Album tatsächlich so gut gefallen, dass er auf uns zukam, nicht umgekehrt. Die Arbeit mit ihm war dann super. Er sagte uns seine Meinung zu unseren Demos, aber er hat nicht versucht, uns zu verändern. Er hat einfach nur uns und unseren Stücken geholfen, zu wachsen. Und das macht einen großen Produzenten doch eigentlich aus.“

Was eine große Band ausmacht, weiß Fred auch. „Ich berufe mich da gerne auf Keith Richards. Der sagte mal, eine Band sei wie ein Haifisch. Wenn er sich nicht fortbewegt, stirbt er. Wir haben schon jetzt neues Material geschrieben und versuchen, auf Tour auch schon einiges aufzunehmen. Das Touren inspiriert uns, und diese Energie dann gleich umzusetzen, ist die perfekte Methode, um Dampf abzulassen.“ Weitere fünf Jahre, soviel scheint sicher, werden nicht vergehen, bis wir das dritte Album von The Durango Riot zu hören bekommen. Oder besser gesagt den ersten Zweitling…

 

Led Zeppelin

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Led_Zeppelin_Live_PictureWer immer noch glaubt, hofft und betet, dass sich die Mutter aller Hardrock-Bands eines Besseres besinnt, sieht sich getäuscht: Mit CELEBRATION DAY legen Led Zeppelin zwar den überfälligen Mitschnitt ihrer legendären O2-Show vor, erklären aber auch ihr unwiderrufliches Ende. CLASSIC ROCK traf Bassist John Paul Jones, der jedoch alles andere als traurig wirkt.

Im Gegenteil: Das schmächtige Männchen, das in einer Suite des ehrwürdigen Londoner Connaught Hotels sitzt und schwarzen Kaffee schlürft, ist der Inbegriff von tiefer, innerer Zufriedenheit. „Die Leute fragen mich immer, ob ich Led Zeppelin als Monster erachte – weil es alles überlagert, was ich als Solist mache. Da kann ich nur sagen: Ich bin verdammt stolz auf das, was wir geleistet haben. Das war wirklich etwas Besonderes. Etwas, das zudem mehr Geld abwirft, als ich je ausgeben könnte. Was bedeutet: Ich kann tun und lassen, was ich will. Ich bin frei, und das genieße ich in vollen Zügen.“

Wozu zwar keine weiteren Solo-Alben zählen („damit bin ich durch“), aber jede Menge skurrile bis ehrgeizige Projekte. „Als nächstes gehe ich auf Tour mit Supersilent, einer norwegischen Avantgarde-Gruppe, und dann verkrieche ich mich in meinem Studio und beende meine erste Oper, an der ich seit Jahren arbeite. Ein gigantisches Projekt mit einem 60-, 70-köpfigen Orchester und sechs Solisten, das auf Strindbergs „The Ghost Sonata“ basiert. Von daher ist es sehr düster und mysteriös, aber auch toll. Also mir macht es einen Riesenspaß.“

Und dann hat er ja noch Them Crooked Vultures, die Supergroup um Dave Grohl (Foo Fighters) und Josh Homme (Queens Of The Stone Age), die ebenfalls 2013 mit einem neuen Album aufwarten will. Allerdings ohne Tour, wie Jones betont: „Ich muss erst mal die Oper beenden – und dann arbeite ich ja auch noch mit Seasick Steve und meiner eigenen kleinen Band, den Minibus Pimps. Ein Hardcore-Electronic-Duo mit Helge Sten.“ Weshalb es letztlich gar nicht so tragisch sei, dass es 2008/2009 nicht zum erhofften Led Zep-Comeback gekommen ist. Trotz Offerten im dreistelligen Millionenbereich, und einem Medienhype ohnegleichen. „Robert wollte nicht“, zuckt Jones mit den Achseln. „Während Jason, Jim und ich alles dafür gegeben hätten. Einfach, weil der Gig in der O2 Arena so toll war, und wir das gerne weitergeführt hätten. Also vielleicht nicht gleich mit einem neuen Album, aber es wäre doch toll gewesen, noch ein paar Shows zu spielen und allen Leuten, die uns sehen wollten, die Möglichkeit dazu zu geben.“

Weshalb das Trio angeblich nach einem Plant-Ersatz suchte, ihn aber nicht fand. Was laut Jones nur die halbe Wahrheit ist. „Das ist ein Missverständnis. Unsere Absicht war nicht, mit einem anderen Sänger als Led Zeppelin zu touren, sondern eine völlig neue Band zu starten. Wobei wir natürlich auch die eine oder andere alte Nummer gespielt hätten – es geht ja schließlich nicht ohne. Und wir hatten schon Sachen wie ›Carouselambra‹ geprobt, die wir nie zuvor live gebracht haben. Genau wie ein Dutzend neuer Songs, die wir eigenes für dieses Projekt geschrieben hatten. Aber Jimmy und ich konnten uns nicht auf einen Sänger einigen. Wir hatten mehrere Leute am Start. Wie etwa Myles Kennedy, dessen Stimme ganz anders ist als die von Robert. Und deshalb wäre es auch nicht Led Zeppelin gewesen. Womit die Fans wahrscheinlich noch mehr Probleme gehabt hätten. Und deshalb haben wir es verworfen. Weil es sich nicht richtig anfühlte. Nur: Wir hätten nie eine dieser fürchterlichen Reunion-Tourneen mit neuen Bandmitgliedern unternommen. Nicht für alles Geld der Welt.“

Ein Idealismus, den er sich mit einem geschätzten Privatvermögen von 45 Millionen Pfund leisten kann. Und der auch auf CELEBRATION DAY durchschimmert. Ein Mitschnitt des ersten und einzigen Led Zep-Auftritts seit den späten 80ern, der am 10. Dezember 2007 über die Bühne ging, und jetzt in diversen Konfigurationen erscheint. Mit einem mustergültigen Sound, tollen Bildern von Band-Intimus Dick Carruthers, ausführlichem Bonus-Material und einem 16-Song-Set, das keine Wünsche offen lässt. Sprich: Hier jagt ein Klassiker den nächsten – von ›Good Times, Bad Times‹ über ›Black Dog‹, ›No Quarter‹, ›Dazed And Confused‹, ›Stairway To Heaven‹ bis zu ›Kashmir‹, ›Whole Lotta Love‹. Dargeboten von einer Band, die nicht nur absolut tight ist, sondern das Ganze auch in vollen Zügen genießt. Wovon viel zufriedenes Grinsen, Lachen und Schulter klopfen zeugt. „Der Druck im Vorfeld war einfach riesig“, setzt Jones an. „Ich meine, 20 Millionen Menschen, die ein Ticket für diese Show wollten – Wahnsinn! Und die 18.000, die dann bei einer Lotterie gewonnen haben, sind aus allen Teilen der Welt angereist. Was eine Riesenverantwortung bedeutet. Ich meine, man will sie ja nicht enttäuschen. Nicht zuletzt, wegen all dem Geld, das sie investiert haben. Und deshalb haben wir diesmal sehr sorgfältig geprobt – damit da nichts schief geht. Also im Gegensatz zu den Auftritten von 1985 und 1988, die schrecklich waren. Damals haben wir gedacht, wir kriegen das auch so hin, was ein Trugschluss war. Wenn du mich fragst, haben wir uns da bis auf die Knochen blamiert. Und das sollte nicht noch einmal passieren. Wir wollten zeigen, was in uns steckt, wie gut wir sind, und dass wir unseren Ruf nicht umsonst genießen.“

Eben als eine der größten Rockbands aller Zeiten, die in den zwölf Jahren ihres Bestehens neun wegweisende Alben hervorbrachte, davon geschätzte 300 Millionen Tonträger umsetzte, und 1980 – nach dem Tod von Drummer John Bonham – den berühmten Stecker zog. „Es wäre nicht richtig gewesen, ohne Bonzo weiterzumachen – weil er so ein elementarer Teil von Led Zeppelin war. Ich meine, er war ein ganz besonderer Drummer. Einer, der im Grunde wahnsinnig komplizierte Sachen gemacht hat, aber immer sehr einfach geklungen hat. Und der bei seinem erdigen Sound immer noch viele kleine, spannende Sachen eingebaut hat. Wobei das Entscheidende war: Er hatte extrem viel Groove. Weshalb all diese schönen Mädchen zu unseren Konzerten kamen und die ganze Zeit getanzt haben. Es war toll.“

Eine Fähigkeit, die man – so Jones trocken – bei keinem anderen Schlagzeuger gefunden hätte. Außer bei Jason Bonham, Bonzos Sohn, der auch beim O2-Gig aushalf. Und dabei nicht nur einen fantastischen Job ablieferte, sondern im Grunde so etwas wie der musikalische Direktor war: „Er kennt die Songs noch besser als wir, und ist so etwas wie ein wandelndes Archiv. Wenn du dich mal wieder fragst: ,Wie spiele ich das bloß?‘, dann sagt er: ,1971 hast du das so gemacht, 1973 so…‘ Was wirklich praktisch ist. Und als ich bei ›For Your Life‹ so gar nicht wusste, wie wir das früher live gebracht haben, da meinte er: ,Kein Wunder, ihr habt es ja auch noch nie auf der Bühne gespielt.‘ Solche Sachen. Und das rührt einfach daher, dass er die Stücke sein Leben lang gehört hat, und unglaublich viel Wert darauf legt, sie richtig rüberzubringen. Er ist so etwas wie unser größter Fan, und er war unglaublich stolz, an diesem Abend in die Fußstapfen seines Vaters treten zu dürfen. Wobei er ihn nicht einfach imitiert, sondern wirklich sein eigenes Ding gemacht und viel improvisiert hat. Genau darum geht es bei Led Zeppelin.“

Und so gerät der 66-Jährige, der grade in den späten 70ern die treibende Kraft hinter der Band war, doch noch ins Schwelgen. Etwa was die konspirativen Jams und ausufernden Live-Darbietungen der Vergangenheit betrifft, oder auch die eigene Gigantonomie, die das Intro zu CELEBRATION DAY – eine Nachrichtensendung aus dem US-Fernsehen – auf den Punkt bringt: „Led Zeppelin sind in ihrem Privatjet auf dem Flughafen von Atlanta gelandet, wo zwei Limousinen und eine Polizeieskorte warten, um sie zum Stadium zu bringen. Dort spielen sie vor 76.000 Fans – ein neuer Publikumsrekord.“ Was Jones fast ein bisschen verlegen macht: „Wir haben uns das hart erarbeitet. Ich meine, bei unserer ersten Amerika-Tournee hatten wir einen klapprigen Mini-Van, was einfach schrecklich war. Danach eine Art Greyhound Bus, bis wir uns endlich ein paar billige Flugtickets und später den Jet leisten konnten. Es ist also immer größer und größer geworden, wobei die Konzerte irgendwann etwas von richtigen Events hatten. Was mir persönlich dann doch zu weit ging – weil die Musik dabei fast zweitrangig war.“

Wobei der Mann aus Kent ohnehin immer als der Schüchterne oder auch Clevere der Band galt. Zum einen, weil er seine Drogenexzesse nicht so öffentlich ausgelebt hat, wie die übrigen drei. Aber auch, weil er sich oft verkleidet hat, um selbst auf Tour ein halbwegs normales Leben zu führen. „Ich wollte einfach Musik machen. Und wenn irgendwo eine Session lief, bin ich da hin, um Bass, Mandoline oder was auch immer zu spielen. Ich konnte es nicht ertragen, die ganze Zeit im Hotel zu verbringen und da regelrecht eingesperrt zu sein. Sondern ich musste raus, ich musste etwas machen. Und deswegen habe ich alles getan, um möglichst anonym zu sein. Ich habe mein Aussehen bei jeder Tour verändert, hatte mal lange, mal kurze Haare, mal einen Schnauzer, einen Bart oder war glatt rasiert. Einfach, damit keiner weiß, wie ich aussehe. Und seien wir ehrlich: Das wussten eh die wenigsten. Ich stand auf der Bühne ja fast immer im Dunkeln. Also Page und Plant wurden ständig fotografiert, und deswegen auch sofort erkannt. Was bedeutete, dass sie nirgendwo hingehen konnten. Nur: Das war nicht das, was mir vorschwebte.“

Doch auch Jones hat es mitunter richtig krachen lassen. Wie zum Beispiel der Song ›Royal Orleans‹ vom ´76er Album PRESENCE andeutet. Da geht es um einen faux pas erster Güte, der dem Basser in den frühen 70ern an der Bar ihres Lieblingshotels im Big Easy unterlief – als er einen Transvestiten abschleppte, mit auf sein Zimmer nahm, sich einen Joint anzündete und dann auf dem Bett einschlief. Was zu einem Großeinsatz der lokalen Feuerwehr führte. „Solche Dinge sind halt passiert“, grinst der dreifache Familienvater. „Aber ich wusste, dass es kein Mädchen ist. Der Fehler ist einem anderen Bandmitglied passiert – und wir haben die beiden Geschichten dann zusammengefügt. Mehr kann ich dazu nicht sagen.“

Genau wie zur weiteren Zukunft des Zeppelins, der – so will es Jones – scheinbar endgültig ausgedient hat. So soll es zwar noch eine remasterte Auflage des Backkatalogs mit Bonustracks geben, doch das war es dann auch. „Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass wir noch etwas zusammen machen. Ich meine, man soll nie nie sagen. Aber so, wie es jetzt aussieht, würde mich das sehr wundern.“

 

The Sword – Geheimdienstler

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Sword_1_300dpiMit Metallica haben The Sword mit Sicherheit ihre berühmtesten Fans gefunden. Den Thrash-Ikonen gefiel die Musik ihrer Landsleute nämlich so gut, dass sie diese 2008 mit auf ihre Tour nahmen. Doch das reicht The Sword noch lange nicht. Mit ihrem vierten Album APOCRYPHON wollen sie weiter nach vorne preschen.

Zu den chronischen Leisetretern zählen die amerikanischen Doom/Retro-Rocker The Sword beileibe nicht, weder musikalisch noch textlich. Auch mit ihrem aktuellen Album APOCRYPHON zelebrieren die Musiker einen dunklen, schwerfälligen und mitunter gegen den Strich gebürsteten Hard Rock, wie er erstmals zu Zeiten von Black Sabbath kreiert wurde. Für die sozialkritischen Statements der Band verantwortlich ist John D. Cronise, ein hellwacher und daher auch besonders kritischer Zeitgenosse. Als Sänger und Texter nutzt er seine exaltierte Position, um sich mit Vorliebe gegen die Missstände und Auswüchse westlicher Gesellschaften auszulassen. „Unsere Feinde sind all diejenigen, von denen wir unterdrückt werden“, erklärte er schon zu Zeiten des 2006er Debütalbums AGE OF WINTERS vollmundig und äußerte sich speziell seiner eigenen Regierung gegenüber außerordentlich skeptisch. „Wer in Amerika von grenzenloser Freiheit spricht, sollte mal die armen Leute fragen. Die werden etwas ganz Anderes erzählen.“ All diesen Menschen am Bodensatz der Gesellschaft war AGE OF WINTERS gewidmet.

Mittlerweile sind mehr als sechs Jahre ins Land gegangen, ohne dass die vierköpfige Formation ihre in jeder Hinsicht unerbittliche Gangart eingebüßt hat. The Sword bezeichnen sich als traditionelle Rockband, die speziell von Led Zeppelin, Thin Lizzy und ZZ Top beeinflusst wurde. Man könnte ihre Musik also durchaus als archaisch oder hoffnungslos rückwärtsgerichtet bezeichnen, würde diese Musikgattung nicht seit einigen Jahren ihren vierten oder fünften Frühling erleben. Deshalb stehen The Sword anno 2012 plötzlich, fast wie aus heiterem Himmel, inmitten einer Szene, die als Zukunft der Rockmusik gepriesen wird. „Uns war es eigentlich immer schon egal, was die Leute über uns sagen“, behauptet Cronise selbstbewusst, „die Hauptsache war, dass jeder sieht, dass wir zu 100% von dem überzeugt sind, was wir da machen. Wir haben uns nie an irgendeinen Trend drangehängt oder sind gar taktisch vorgegangen. The Sword ist eine Band, bei der vieles intuitiv und nur weniges bewusst entsteht.“

Allerdings – und das sieht auch Cronise nicht viel anders – sind die stilistischen Zutaten auf APOCRYPHON vielseitiger und bunter denn je. Man findet nicht nur unverhohlene Metal-Zitate, sondern entdeckt auch Querverweise an Jazz und Blues. „Unser Sound ist generell etwas facettenreicher geworden, die Songs grooven besser und klingen nicht mehr ganz so aggressiv wie zu Beginn. Wir müssen nicht mehr permanent volles Tempo gehen, um Aufmerksamkeit zu erwecken.“

Cronise hat Recht: Auch ohne derbes Geprügel verfehlen die Stücke auf APOCRYPHON ihre Wirkung nicht. The Sword werfen ihre mittlerweile große Bühnenerfahrung stark wie nie in die Waagschale und verstecken viele wichtige Details derart raffiniert, dass der Albumtitel (übersetzt in etwa: geheime Schriften) zum Programm wird. „Natürlich verrate ich jetzt nicht sämtliche Geheimnisse dieser Scheibe, sonst wären es ja keine Geheimnisse mehr. Aber wer genau zuhört, wird unsere unmissverständliche Kritik an der versuchten Meinungsmache durch Regierungen, Parteien, religiösen Vereinigungen oder Medienvertretern entdecken. Wir sagen den Leuten: Glaubt nicht alles das, was man euch erzählt! Denn ein Großteil dessen, was man uns versucht einzureden, ist von unlauteren Motiven gekennzeichnet. Letztendlich wollen religiöse Führer, Politiker, aber auch Medien nur die Kontrolle über uns bekommen.“ Ein wahrer Revoluzzer und Querdenker ist Cronise also immer noch.

 

Ian Hunter – Auf Seiten der Aussenseiter

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Ian Hunter„Amerika behandelt die Welt wie seine Ureinwohner.“

„Zu der Stadt habe ich ein paar Schlüssel“, knurrt Ian Hunter. Die Rede ist von Cleveland, der amerikanischen Industriemetropole in Ohio, die er in seinem Klassiker CLEVELAND ROCKS besang. „Bis heute läuft der Titel als Erkennungssong im amerikanischen Fernsehen. Er wird in der ganzen Welt gespielt, wie ich am Eingang meiner sinkenden Tantiemen sehen kann“, bilanziert er. Auch Songs wie ›Once Bitten Twice Shy‹, ›Just Another Night‹, ›Outsider‹ u.a. sind Evergreens geworden. „Ich habe außerdem Lieder über Chicago und Detroit geschrieben, leider waren sie nicht so gut“, brummt der Mann mit der Sonnenbrille.

Nahezu sein ganzes Leben hat Ian Hunter, Jahrgang 1939, mit Rock´n´Roll verbracht. „Reiche Jungs lehnen sich zurück und genießen das Leben, ich kann das nicht“, sagt der Veteran, der sich selbst als „mittelreich“ bezeichnet. Es liegt nicht am Geldmangel, sondern daran, dass es den Sänger, Gitarristen und Pianisten immer wieder ins Studio und auf die Straße treibt. Mit WHEN I´M PRESIDENT haben Ian Hunter & The Rant Band soeben ein neues Album vorgelegt. Es enthält zeitlosen Rock´n´Roll und Texte, die sich oft mit den USA befassen und – wie meist bei Hunter – aus der Perspektive des Underdogs geschrieben sind.

„Im Titelsong ›When I´m President‹ geht´s um einen Typen in der Bar. Aber nur der Präsident selbst weiß wie es ist, nur er hat alle Informationen. Er ist der Gefangene der großen Konzerne, dazu kommt eine Menge Korruption da oben“, schätzt er. In ›Fatally Flawed‹ schreibt er über Personen mit Hang zur Sucht, von denen er in seinem Leben etliche getroffen hat. Er selbst habe alles nur in Maßen konsumiert, „dafür wurde ich nicht auf viele Parties eingeladen.“ Ein weiterer beeindruckender Titel handelt von Crazy Horse, dem Häuptling der Oglala. „Ein unglaublicher Charakter! Es gibt kein Foto von ihm, weil er glaubte, die Kamera würde ihm die Seele stehlen. Bis zuletzt hatte er sich geweigert, sesshaft zu werden, doch als die Kinder starben, ging er schließlich ins Reservat, wo er getötet wurde. Einige sagen, Amerika behandelt die Welt wie es seine Ureinwohner behandelt – ich glaube, da ist viel dran.“

„Mit 15 traf mich der Rock´n´Roll“, blickt er zurück. „Ich hörte Leute wie Little Richard, Jerry Lee Lewis und Chuck Berry. Zuvor hatte ich keinen Sinn im Leben, hinterher wusste ich, was ich zu tun hatte. Bis heute versuche ich, mich auf diese Rock´n´Roll-Pioniere zu beziehen.“ Er arbeitete in Fabriken und spielte nebenher als Bassist in der Band des Pianisten Freddie „Fingers“ Lee. Mit ihm kam er auch nach Hamburg in den legendären Star Club. „In England konnte man nur einzelne Konzerte spielen, im Star Club gastierten wir einen ganzen Monat. Da lernte ich mein Handwerk.“ Zurück auf der Insel fühlte sich der Rocker, der damals stets Leder trug, in Swinging London nicht wohl. „Wir waren keine Hippies, wir kamen aus der Arbeiterklasse.“ 1969 gründete er Mott The Hoople, für die David Bowie ihren größten Hit ›All The Young Dudes‹ schrieb. „In unseren Glitzerklamotten sahen wir aus wie Maurer, aber ich habe nie Make up getragen“, betont er. „Wir spielten in den USA in 20.000er Arenen und hatten Vorgruppen wie Kiss, Queen und Aerosmith.“

Immer wieder arbeitete Hunter mit Gitarrist Mick Ronson (1946-1993) zusammen, der zuvor in Bowies Band Spiders From Mars gespielt hatte. „Wir verbrachten fast zwanzig Jahre zusammen. Unsere Frauen waren befreundet, unsere Kinder wuchsen zusammen auf. Es war eine schwierige Zeit, als Mick uns verließ.“ Gemeinsam präsentierten sie 1980 ihren Albumklassiker YOU´RE NEVER ALONE WITH A SCHIZOPHERENIC (mit ›Cleveland Rocks‹) im legendären „Rockpalast“. „Daran erinnere ich mich gern, wir wurden sehr gut behandelt. Mit uns traten Joan Armatrading und ZZ Top auf. Nach dem Auftritt schossen unsere Plattenverkäufe von Null und 66.000 in die Höhe.“

 

Beach Boys

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Beach Boys_NewsopenerFür immer Sommer – die Beach Boys sind zurück!

Wer sie als die Beatles der USA bezeichnet, liegt sicher nicht ganz falsch. Etwa zur gleichen Zeit entstanden, erschufen auch die Beach Boys eine Reihe von globalen Superhits, die noch Jahrzehnte später Menschen in allen Erdteilen auf Anhieb erkennen, selbst wenn sie noch nie von der Band gehört haben. Ihr Platz im Olymp der Musikgeschichte ist ihnen sicher.

Im Gegensatz zu den Beatles aber sind die Kalifornier bis heute, oder sagen wir besser: heute wieder aktiv. Nach langen Jahren ohne das von psychischen Problemen geplagte Urmitglied und musikalische Genie Brian Wilson an Bord fand der verlorene Sohn wieder zu seinen ehemaligen Wegbegleitern, um 2011, 50 Jahre nach Gründung der Truppe, eine Reunion bekannt zu geben. Und zwar nicht nur eine Tour, um noch mal ordentlich Kohle aus PET SOUNDS zu quetschen, sondern auch noch ein neues Album namens THAT‘S WHY GOD MADE THE RADIO. Diese historischen Shows wurden allen Befürchtungen – und Wilsons teilweise bedenklichen Auftretens – zum Trotz zu verzauberten Nostalgie-Happenings. „Ein in jeder Hinsicht verblüffender Konzertabend“, jubelte die Stuttgarter Zeitung.
Wer keines der Tickets ergatterte, kann sich nun mit der liebevoll aufgemachten Compilation FIFTY BIG ONES – GREATEST HITS trösten. Oder den remasterten Neuauflagen der zwölf wichtigsten Alben der Band – teilweise in Mono- und Stereoabmischung! Die Kaufberatung liefern wir mit der Werkschau auf Seite 108 passenderweise gleich mit, aber eines steht fest: Diese ›Good Vibrations‹ schwingen bis in alle Ewigkeit!